Kannst du zurück, Sore?
Roman von Hedda Lindner.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
31 Fortsetzung (Nachdruck verboten!)
2lls sie zusammen durch den Park gingen, kam er auf das Medaillon zurück und ließ sich genau Willis Worte wiederholen. „Halten Sie das irgendwie für bedeutungsvoll? fragte Dore, über fein Interesse an dieser Nebensächlichkeit erstaunt.
„Ach nein, aber in solchem Fall mutz man natürlich alles wissen."
Dore sah ihn verstohlen von der Seite an und schwieg.--
Die Unterhaltung der beiden Männer dauerte über eine Stunde. Was sie miteinanber gesprochen haben, hat nie jemand erfahren. Der alte Frecher sah tieferschüttert und dennoch gleichzeitig befreit und verjüngt aus. Vielleicht war ihm in diesem Augenblick zutiefst zu Bewußtsein gekommen, wie sehr Gerald schon den Platz eines Sohnes eingenommen hatte.
Das Herrschaftsauto — mit Paul am Steuer — war vorgefahren. Clemens schüttelte seinem Besuch die Hand. „Also, es bleibt dabei: Sie holen nur Ihre Sachen und sind vorläufig mein Gast."
„Evers, sorgen Sie, daß ein Gedeck mehr aufgelegt wird!" sagte später der alte Herr. „Ein Kriegskamerad Friedrich Alexanders, der zufällig in der Gegend ist, wird einige Tage mein Gast sein."
„Sehr wohl. Herr Baron!"
Nach Tisch unterhielt man sich über den Krieg, tauschte Erlebnisse aus, während Evers — die Gläser füllend — lautlos hin und her ging.
„Sie waren doch sicher auch draußen?" fragte der Gast. Er sprach plötzlich auffallend laut, wie jemand, der sich einem Schwerhörigen verständlich machen will.
jawohl, Herr Doktor", antwortete Evers korrekt.
„Dann müssen Sie auch mal mit anftoßen; holen Sie sich ein Glas!"
Evers warf einen erstaunten Blick auf den fremden Herrn, der so vertraulich tat, und zögerte
„Holen Sie ein Glas, Evers!" sagte der alte Ba
ron mit einer merkwürdig rauhen Stimme. „Sie sehen, unser Gast wünscht es."
Evers fügte sich schweigend. Gerade als er eingeschenkt hotte, klopfte es an die Tür.
„Wollen Sie bitte nachsehen!" befahl sein Herr, immer noch in dem gleichen heiseren Ton.
Evers ging zur Tür, so sah er die kurze Bewegung nicht, die der fremde Herr über seinem Glas machte. Dore stand draußen. „Ich muß noch ein paar Unterschriften haben", sagte sie mit etwas zitternder Stimme und anscheinend sehr verlegen, daß sie stören mußte. „Ich habe Herrn Baron vorhin vergeblich gesucht. Die Post muß morgen früh heraus."
„Legen Sie nur hin, Fräulein Bertram! Ich werde nachher unterschreiben."
Dore legte die Mappe auf einen Seitentisch und ging rasch hinaus.
Fiedler ergriff sein Glas. „Trinken wir auf die Männer, die wissen, daß große Ziele auch großen Einsatz fordern!"
Einen Augenblick blitzte ob dieses absonderlichen Trinkspruchs ein winziger Funke des Mißtrauens in Evers' Augen auf, aber gleich darauf zeigten seine Züge wieder den gewohnten unpersönlichen Ausdruck. Er trank sein Glas mit einem Zug aus und behielt es in der Hand. Sofort hatte Fiedler wieder eingeschenkt, seine Abwehr kam zu spät. „Zum mitnehmen", sagte er freundlich. „Unser Vorrat hier ist groß genug." Er wies auf die breite Anrichte, auf der noch mehrere Flaschen standen.
„Sie können sich zurückziehen, Evers!" sagte der alte Freiherr. „Ich brauche Sie heute nicht mehr." —
„Solche Komödie liegt mir verdammt nicht"', fuhr er leise fort, als Evers gegangen war. „Dieser Mann ist nicht nur seit vielen Jahren mein Diener, er ist zugleich ein Stück meiner Jugend."
„Was ihn nicht hinderte, auf Sie zu schießen, um Sie auf die unerhörteste Weise Ihres Erben zu berauben", erwiderte der Kriminalrat kalt. „Auch ich schätze dieses Mittel nicht, aber wenn die Gerechtigkeit es verlangt, haben solche Erwägungen zurückzutreten."
Clemens nickte trübe vor sich hin. „Sie mögen schon recht haben", murmelte er, „aber der Gedanke, den Eyers ins Gefängnis zu liefern ..
„... in das er Ihren Neffen schicken wollte, Baron Heßling! Daran müssen Sie denken! Gerald wäre
nicht einen Tag seines Lebens sicher, wenn es uns nicht gelänge, Evers zu überführen."
„So überzeugt sind Sie, daß er es war?" fragte der alte Mann, den dieser bestimmte Ton schmerzlich berührte.
„Ja!" Weiter nichts. Aber dieses Ja stand so ehern, so unverrückbar in dem großen Raum, von dessen Wänden längst vergangene Heßlings auf diese seltsame Szene blickten, daß der letzte ihrer Reihe den Kopf senkte und schwieg.
Erst noch einer ganzen Weile fing er wieder an. „Und wann, wann glauben Sie?"
„Bis das Mittel richtig wirkt, muß man schon zwei Stunden rechnen", antwortete Fiedler mit einem Blick auf die Uhr. „Aber dann wird der Schlaf für mindestens drei volle Stunden sehr tief fein."
„Und wenn Sie nichts finden?"
- „Dann werde ich weiter suchen. An meiner Ueber- zeugung wird es indessen nichts ändern."
Clemens seufzte tief auf und lehnte sich mühe in feinen Sessel zurück. Fiedler hatte Mitleid mit dem alten Mann. „Wollen Sie nicht lieber zur Ruhe gehen?" schlug er fast herzlich vor, und auf ein entschieden ablehnendes Kopfschütteln hin sagte er: „Wie wäre es denn mit einer Partie Schach? Ich sah vorhin ein Schachbrett im Spielzimmer."
Der alte Herr hob sichtlich belebt den Kopf. „Sie spielen Schach? Das ist ja großartig. Ich liebe dieses Spiel über alles, habe nur leider viel zu selten Gelegenheit dazu."
Mit jugendlicher Behendigkeit eilte er davon, ehe Fiedler es hindern konnte, und erschien gleich darauf mit dem Spiel. Fiedler spielte selbst gern und gut, es war die beste Art, sich über das Warten hinwegzuhelfen.
,Zch biete remis an, Herr Baron", sagte er anderthalb Stunden später, „ewiges Schach habe ich sicher, aber zum Matt reicht es nicht."
„Nee, dazu reicht es nicht", sagte der alte Herr befriedigt. „Aber Sie haben mir höllisch zugesetzt. Solchen Partner habe ich mir schon lange gewünscht, Sie mästen unbedingt bleiben."
„Sehr liebenswürdig von Ihnen, aber ..." Fiedler hob bedauernd die Schultern.
„Ach so!" Ein tiefer Seufzer. „Ja, ja — ich hatte es fast vergessen."
„Jedenfalls sind mir gut über die Wartezeit hinweggekommen. Ich gehe jetzt."
BankenSerufsschule Gießen eröffnet.
Am gestrigen Montagvormittag wurde in der geschmückten Turnhalle an der Steinstraße die Bankenberufsschule für den Ausbildungsbezirk Gießen eröffnet. Die Banken- berufsschule steht unter besonderer Förderung der Industrie- und Handelskammer Gießen und güt als Tell der Oeffentlichen Handels-Lehranstalt Gießen.
Zahlreiche Ehrengäste aus der Partei, von den Behörden und aus dem Wirtschaftsleben unserer Stadt nahmen an der Feier teil. Der Mufikzug der SA. - Standarte 116 (Leitung: Musikzugführer Herrmann) gab mit der Wiedergabe des Frie- densmorfches aus „Rienzi" von Richard Wagner der Feier einen schönen Auftakt. Sodann hielt der
Präsident der Indnstrie-
nnd Handelskammer Gchroth,
die Begrüßungsansprache, in der er die zahlreichen Gäste willkommen hieß. Er betonte, das zahlreiche Erscheinen werde als ein Zeichen dafür angesehen, daß sich die Oeffenlliche Handels-Lehranstalt aller Anerkennung erfreue. Heber die allgemeinen Lehrgänge hinaus habe sich die Schule bemüht, auch spezielle Kenntnisse zu vermitteln. Es sei zunächst eine Drogisten-Fachklasse entstanden, in der mit bestem Erfolg gearbeitet werde. Nun habe die Fachgruppe Banken den Wunsch geäußert, art der Oeffentlichen Handels-Lehranstalt eine Bankenfachklasse zu errichten, durch die eine zusätzliche fachmännische Ausbildung ermöglicht werden solle. Die Lehrarbeit solle in engstem Zusammenhang mit der Praxis geleistet werden, dann werde der Erfolg nicht aus- bleiben. In diesem Sinne erkläre der Redner die Bankenfachklaste an der OeHL. für eröffnet.
Nachdem der Musikzug der SA.-Standarte 116 eine Komposition von Grieg zum Dortrag gebracht hatte, hielt
Bankdirektor Dleyer
einen Vortrag, in dem er sich mit der Ausbildung des Nachwuchses für' die Bankenwirtschaft beschäfi tigte. Er dankte zunächst dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer und dem Leiter der Oeffentlichen Handelslehranstalt für die Bemühungen um das Zustandekommen der Dankenfachklasse. In seinen Ausführungen legte er dann u. a. dar, daß die Sorge um die Aufrechterhaltung und Steigerung des fachlichen Könnens unserer Heranwachsenden Jugend, die Sorge um einen zur Führung und Leistung befähigten Nachwuchs schon lange Jahre brennend gewesen sei und heute noch ist. Die großen Aufgaben unserer Zeit erforderten Höchstleistungen auf allen Gebieten. Sorgfältige Ausbildung des Nachwuchses fei um so notwendiger, als die Schematisierung und Maschinisierung gerade im Bankgewerbe, besonders in Großbetrieben, vielfach eine einseitige Ausbildung der Bankangestellten mit sich gebracht habe. Die heutige engere Verflechtung innerhalb der Wirtschaft und ihre gleichmäßige Ausrichtung erfordere ein größeres Maß allgemeinen Wissens. Es sei unbedingt erforderlich, daß der Bankangestellte neben der Beherrschung seiner beruflichen Aufgaben jene gesinnungsmäßige und charakterliche Einstellung mitbringen müsse, die unerläßlich sei. Mehr denn je müsse der Blick der Gefolgschastsmttglieder über die Tagesgeschäfte hinaus auf die großen Finanz- und wirtschaftspolitischen Zusammenhänge hingelenkt werden, um so die Arbeitsfreude und die Einsatzbereitschaft für Beruf und Volk zu steigern.
Es gehe auch nicht etwa darum, einige besonders Begabte und Fleißige zu Spitzenkönnern zu erziehen. Der Fleißige werde ohnehin an sich arbeiten und seinen Weg gehen. Vielmehr komme es darauf an, daß jeder Mitarbeiter die großen Zusammenhänge verstehen lerne und wisse, warum diese und jene Arbeit notwendig sei, wie sie sich in den Gesamtplan erngliedere, welche Beziehungen zu anderen Lebensgebieten vorliegen und welche Folgen aus der Unterlassung irgendeiner Tätigkeit zu befürchten seien. Das Vertiefen der beruflichen Kenntnisse sei eine unabdingbare Pflicht.
Zur Durchführung der Bestrebungen sei es unbedingt erforderlich, die vielfach zersplitterte Ausbildung der Lehrlinge in ein einheitliches System zu bringen. Wenn auch bisher manches getan worden sei, Vortragsabende und Schulungskurse veranstaltet wurden, so bedeuteten sie doch keine Schulung nach einheitlichen Gesichtspunkten. Ein Schulungszweck werde in regelrechtem Unterricht bester erreicht, als
lediglich in Vorträgen, die keine Kontrolle des Hörers zuließen.
Die Schulung der Lehrlinge in der Bankenfachklasse der Oefsentlichen Handels-Lehranstalt finde in einer Unter- und in einer Oberstufe statt. Sie dauere zwei Jahre, und zwar acht Sunden wöchentlich. Der Besuch der Bankenklasten gelte als Ersatz für den Besuch der gesetzlichen Berufsschule. Der Lehrplan sei sehr reichhaltig und erstrecke sich auf Volks- und Staatskunde, Wirtschaftslehre des Kreditwesens, Buchhaltung, Rechnen, und Kurzschrift. In der Sammelbezeichnung „Wirtschaftslehre des Kreditwesens" würden alle Fragen des vielseitigen Bank- und Sparkassenwesens eingehend behandelt. Zum Ausbildungsbezirk Gießen gehören im weiteren Wirtschaftsbezirk 22 Plätze. Lehrlinge aus 45 Geldinstituten werden an der Ausbildung beteiligt sein. Don dem Unterricht werden 60 bis 70 Lehrlinge erfaßt. Jede Klaffe zähle also etwa 30 Schüler.
Nachdem her Redner der Ueberzeugung Ausdruck gegeben hatte, daß die Erwartungen, die an die Schulung der Lehrlinge geknüpft würden, nicht nur allein erreicht, sondern übertroffen würden, schloß er seinen Dorttag mit einem Appell an die jungen Berufskameraden, die er eindringlich zu reger, aktiver Mitarbeit aufforderte. Der Schule wünschte er für ihre Arbeit den besten Erfolg.
Oberbürgermeister Bister
hiett ebenfalls eine kurze Ansprache. Er begrüßte den Entschluß zur Gründung dieser Bankenfachklasse und gab her Ueberzeugung Ausdruck, haß das Gießener Schulwesen damit einen wertvollen Zweig gewonnen habe. In kurzen Worten erinnerte
Im Anschluß an die gestrige Eröffnungssitzung der 33. Tagung her Deutschen Orthopädischen Gesellschaft in her Aula her Universität — vgl. den Bericht in unserer gestrigen Ausgabe — begann die erste Arbeitstagung mit einer Reihe fachwissenschaftlicher Vorträge. Das Hauptthema dieser ersten Arbeitstagung beschäftigte sich mit den B e - Ziehungen der Orthopädie zum schaffenden Volk.
Der stellvertretende Reichsärzteführer, Dr. Bartels (München), mußte im letzten Augenblick seine Teilnahme an der Tagung absagen. Damit fiel fein mit großem Interesse erwarteter Dorttag über die Aufgaben her Orthopädie in der Gesundheitsfüh- rung des Deutschen Volkes aus.
Prof. Wacholder, Rostock
sprach als erster Redner des gesttigen Verhand- lungstages über hie funktionelle Anpas. Jung in her Muskulatur an hie von ihr geforherten £ e i ft ungen. Er unterschied zwei Muskelarten, wovon die eine auf augenblickliche maximale Leistung und die andere auf Dauerleistung eingestellt ist. Besondere Wirkstoffe finh im Muskel selbst vorhanden, die bei her Ausübung von Muskelleistungen in starkem Maße verbraucht werden. Der Muskel kann sogar durch Eigenschaffung eines solchen Wirkstoffes eine erhöhte Leistung sicherstellen. Starke Muskelarbeit bedingt einen Mehrverbrauch an dem Vitamin C, das wir in Sonderheit in her Zitrone vorfinhen. Bei Mangel an hiesem Vitamin im Muskel und im Blut fällt hie Leistungsfähigkeit des Muskels. Für bestimmte Muskelerkrankungen, die in der Orthopädie eine große Rolle spielen, wird deshalb die Berücksichtigung des allgemeinen Stoffwechsels und eine diätetische Ernährung z. D. durch Ditamm-O Zufuhr gefordert.
Interessant waren die Ausführungen, daß selbst bei normal ausreichender Vitamin-Zufuhr des menschlichen Körpers selbst der Muskel an Ort und Stelle vitaminarm fein kann. Deshalb ergibt sich die Notwendigkeit, die Vitamine in wesentlich größeren Mengen als pormalerweife zuzuführen. Erst dann würde der vitaminarme Muskel zur Aufnahme dieses Vitamins sozusagen gezwungen werden.
Einige Wirkstoffe der inneren Drüsen wurden erwähnt, die insofern für die Muskelarbeit unbedingt notwendig find, weil sie über den Weg her Nerven die Muskeltätigkeit veranlasien. Der Arbeitsstoft- wechsel beruhe größtentells, wenn nicht ausschließ
er an das Wesen der Banken in der Systemzeit und kennzeichnete Den Wandel, der sich im Bankwesen unter her Initiative des Führers und her Partei vollzogen habe. Er betonte, daß alle Anstrengungen gemacht werden müßten, damit her Nachwuchs zu wertvollen Helfern herangebildet werde. Dies um so mehr, als die Banken Diener des Volkes geworden seien. Der Nachwuchs müsse bewegt sein von hem Geist, her unsere Gegenwart erfüllt Jeher Junge müsse has Rüstzeug bekommen, bas er haben müsse, wenn er wertvoller Mitarbeiter sein wolle. Wie hie Stadt bie Schule bisher unterstützt habe, so werde bie Stadtverwaltung auch der neuen Einrichtung der Oeffentlichen Handelslehranstatt nach Kräften förderlich fein.
Zum Abschluß der Feier sprach her Leiter der Oeffentlichen Hanbelslehranstalt
Direktor Dr. Kruse,
ber in kurzen Zügen barlegte, wie die Arbett an her neuen Bankfach klasse gedacht sei. Er ließ wissen, baß auch in diese neue Klasse jener Geist hinein- getragen werbe, ber bisher bie Schule beherrschte. Er gab seiner Freude Darüber Ausbruck, baß ber Schule Gelegenheit gegeben sei, nun auch auf hiesem Gebiete wirksam zu werden. Die Arbeit für die Ban- kenfachklasse sei der Schule um so eher möglich, als eine Anzahl Lehrkräfte aus dem Bankfach gekommen fei. Die Schule werbe bemüht fein, im Nachwuchs Initiative zu wecken und ber Iugsnb den Weg zur Hohe zu weifen. Dem Oberbürgermeister unb ber Industrie- und Handelskammer dankte er für die Förderung, die der Plan der Er- richtung ber Fachklasse gefunden hat. Nachdem er noch bie Gebanken auf Die großen politischen Ereignisse der Gegenwart hingeienkt hatte, beschloß er hie Feier mit dem Gruß an Den Führer.
lich, auf der Oxydation. Bei maximaler Muskellei- ftung können jehod) auch andere Reaktionen als sogenannte Ersatzreaktionen eingreifen. Die Leistungsfähigkeit des Muskels hängt von feiner Weichheit ab. Nur ein geringer Tell von Menschen, meistens ©portier, verfügen über diese Weichheit ihrer Muskeln. Die maximale Muskelleistung über längere Zeit würde nur von der Minderzahl ber Menschen ausgeübt werden können. Sehr wichtig für die Beurteilung her körperlichen Leistungskraft des Menschen ist seine seelische Einstellung zu ber geforherten Leistung. Das Uebertraining stelle häufig eine Störung bes seelischen unb nervösen Systems bar.
Prof. Mauz, Marburg
sprach über bas Thema „Konstitution unb Leistung". Eine große Anzahl ber ßeiftungs» behinderten hätten häufig gar nicht die besonbere Organbehinderung, die sie sich selbst bzw. andere zusprechen. Es käme darauf an, bie dem Menschen innewohnenben Kräfte, bie das Gesamtbild bes Menschen mit Seele unb Charakter barstellen, auch zu gebrauchen. Viele Fähigketten würben sozusagen brachliegen. Der Mensch habe die Aufgabe, mit gesundem Sinn und Wollen an bie ihm möglichen Aufgaben heranzugehen. Störungen in ber Konstitution bes Menschen könnten zu einer Leistungs- Herabsetzung führen. Die optimale Leistung Des einzelnen Menschen könne nur bann erreicht werden, wenn körperliche unb seelische Unbefangenheit zur Bezwingung ber gestellten Aufgaben vorliegen. Mit dem Leistungsabbau würbe das Gesamtbild des Menschen gestört werben, so baß letzten Endes der Mensch versagen muß. Der Leistungsbehinderte hat i^tsprechend seiner körperlichen und seelischen Anlagen ein großes Maß von Wollen und Energie mttzubringen, damit er entsprechend seiner Anlagen seine maximale Leistung vollbringt. Gesund ist, nicht der, ber tun kann, was er will, sondern nur ber, ber tun kann, was er soll.
Pros. Anthony, Gießen
berichtete über Methoden zur Prüfung der Leistungsfähigkeit, über bie Ergebnisse unb bie Grenzen dieser Methoden. Bei der Prüfung der Leistungsfähigkeit des Menschen käme es insonderheit Darauf an, seine Arbeitskraft im Versuch über längere Zett zu untersuchen. Die kurz dauernde Prüfung des menschlichen Organismus könne keinen genügenden Aufschluß über die Funktionstüchtigkeit der einzelnen Organe bringen. Um einen Dauer« schaden her Organe zu verhindern, wird die Besei-
Erste Arbeitstagung der deutschen Orthopäden.
Spender
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Die NS-Kvolkswshifahrt hat -le 8er treuung -er fu-eten-eutschenZtüchtllnge> lnsbefon-ere -er Mütter uv- Kinder, übernommen.
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tigung schwerster körperlicher Arbeit gefordert. Mit den angegebenen Untersuchungsmethoden kann wohl bie Grenze her allgemeinen Leistungsfähigkeit in Diäten Fällen ttstgestellt werben. Häufig und in den allermeisten fMlen jedoch wird die Beurteilung der seelischen Einstellung bes Arbeiters hinzukommen müssen. Schwierigketten berejtet namentlich bie objektive Feststellung ber Ermüdung und der Ermüdungserscheinungen. Diese seien bekanntermaßen auch willensmäßig zu beeinflußen.
Es wurde darauf hingewissen, baß bei Raumbe- hinderung bes Brustkorbes, wie z. B. bei Wirbelsäulenverkrümmung mit Buckelbilbung, deshalb eine schnelle Ermüdbarkeit einsetzt, weil bie für die Leistung notwendige Arbeit her Lungen unb Des Herzens stark beeinträchtigt sind. Es wurde schließlich, um bas Bild ber Leistungsfähigkeit eines Menschen abzurunden. die Kenntnis seines Charakters, seiner seelischen Einstellung zur Arbeit, die Kenntnis des Arbeitsvorganges unb des Arbeitsplatzes gefordert.
Prof. Günh, Frankfurt a. M.
sprach über die H altun gs schäd e n am Hattun gs- und B e m e gu n g s ap p ar a t. Er führte bie in ber Reichsunfall-Versicherung aufgeführten Erkrankungen an, die als Berufskrankheiten gelten. Daneben gibt es eine Anzahl von Krankheiten, die nicht unter Berufskrankheiten ausgezeichnet sind, aber als Arbettsschäden unbedingt gelten müssen. Der an körperliche Arbett nicht gewöhnte, von der Schulbank kommende Lehrling sei vielen Gefahren im Betriebe ausgesetzt. Durch langes Arbeiten in ungewohnter Haltung, langes Stehen, durch schweres Tragen würden die Jugendlichen Schäden ausgesetzt, bie in den seltensten Fällen wieder gutzumachen seien.
Der Redner sprach von der Ausbildung ber Plattfüße beim Bäcker, Frtstur, beim Kellner usw. Auch andere Skelettveränderungen, wie das Ibein, ber Rundrücken feien auf bas Mißverhältnis zwischen Leistungsfähigkeit und Beanspruchung zurückzuiüh- ren. Bei schwer tragenden Arbeitern habe man fest- gestellt. baß wegen Plattfüßigwerdens ein großer Teil von ihnen schon mit dem 30. Lebensjahr aus dem Arbeitsprozeß ausscheiden mußte.
Die Ursache für die Arbeitsunfähigkeit im späteren Alter seien Die sog. Abnutzungserscheinungen. Die Ursachen für viele Arbeitsschäden könne man abstellen, besonders die. Die Den wachsenden Körper betreffen. Man solle daher für bie ärztliche und Berufsberatung keine Kosten scheuen, wenn man dadurch von vornherein Schäden vermeiden kann. Wie wichtig gerade bie Verhütung dieser Berirfsschäden ist, beweist die Tatsache, daß man nach Den Worten von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley durch Verhütung und Vermeidung dieser Schäden bei tausend Menschen etwa Vk Million Mark einsparen könne.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach» mittag geschloßen
„Ich erwarte Sie hier."
Es dauerte nicht einmal sehr lange, kaum eine halbe Stunde, da war ber Doktor zurück. „Menschen verhallen sich doch manchmal merkwürdig", sagte er kopfschüttelnd zu dem Baron, ber ihm voller Spannung entgegensah. „Der Mann hat so fabelhaft geschickt alle Spuren verwischt, unb harnt dies hier." Er öffnete die Hand.
„Afrikanische Marken?" fragte Clemens erstaunt.
Der Kriminalrat nickte. „Mit deutlichem Post- stempel. Die Briefe hat er vernichtet, unb bie Marken hebt er auf. Unb dieses hier ist wohl Der Nach- schlüsiel zu Ihrer Postmappe?"
„Also doch!" Der Baron war erschüttert.
„Ich fand beides in einem Geheimfach feiner Brieftasche unb muß es sofort zurückbringen. Das Fehlen bes Schlüssels würbe ihn warnen."
Der alte Clemens saß ganz gebrochen in seinem Stuhl. ,Llber warum, jagen Sie mir nur eines, warum?"
„Wahrscheinlich sah er seine Stellung hier gefährdet, wenn Ihr Neffe Gerald hier Herr würbe", entgegnete Fiedler zögernd.
„Aber daß er darum zu solchen Mitteln greifen konnte — das hätte ich ihm niemals zugettaut! Wie wenig kennt man doch bie Menschen! Nicht einmal die, die täglich um einen sind!"
Fiedler schwieg. —
Am nächsten Morgen ließ sich der Baron gleich nach dem Frühstück von Paul in die Stabt sichren, wie es ber Kriminalrat mit ihm verabredet hatte. Dieser hatte es dem alten Mann ersparen wollen, dem Schlußakt des Dramas beiwohnen zu müssen.
Er selbst ging m das Arbeitszimmer, setzte sich in eine Ecke des großen Klubsofas unb blieb dort regungslos sitzen — schweigend, wartend.
Es dauerte nicht allzu lange, da ging bie Tür auf, unb Evers brachte bie Postmappe. Er war schon halb im Zimmer, als er Fiedler bemerkte. „Der- zeihung!" sagte er. „Wenn ich gewußt hätte, baß her Herr Doktor ..."
„Schon gut", unterbrach ihn Fiedler, „Sie tonnten es selbstverständlich nicht wissen."
Evers legte die Postmappe auf Den Schreibtisch unb wandte sich zur Tür.
(Fortsetzung folgt!)


