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Faser seines Herzens angehört unt> verschworen ist. (Erneute Heil!«Rufe.) Und wir können ihm nicht schöner danken, ihm, der uns' und unsere Kinder vor dem sicheren Verderben geschützt hat, als daß wir den Schwur ablogen, zu ihm zu stehen in guten und bösen Tagen. Er kann sich jeder­zeit auf uns Egerländer verlassen. (Brausende Heill-Rufe.) So grüßen wir den Führer, so danken wir dem Führer, und so gehören wir unse- rem Führe r."

Nach den letzten Worten Henleins erhebt sich aufs neue jubelnde Begeisterung, die minutenlang dem Führer entaegenbraust. Es dauert lange, bis der Führer zu Wort kommen kann, denn die ganze leidenschaftliche Freude, die unendliche innere Be­glückung über die Befreiung vom tschechischen Joch äußern sich in diesem Augenblick erneut in unbe­schreiblichen Kundgebungen. Nun spricht der Führer: Die ganzeAallon fühlt nut Glich" Der Führer spricht zu den Sudetendeutschen.

Egerländer!

Ich darf euch heule zum ersten Male als meine Egerländer begrüßen. Durch mich grüßt euch jetzt das ganze deutsche Volk! Es grüßt aber in diesem Augenblick nicht nur euch, sondern das gesamte Su­detendeutschland, das in wenigen Tagen restlos zum Deutschen Reich gehören lvird!

Dieser Gruß ist zugleich ein Gelöbnis: Nie­mals mehr wird dieses Land dem Reich ent­rissen! Reber diesem Großdeutschen Reich liegt schützend der deutsche Schild und schir­mend das deutsche Schwert. Ihr selbst seid ein Teil dieses Schuhes. Ihr werdet von jetzt ab, wie alle anderen Deutschen, euren Teil zu tragen haben. Denn es ist unser aller Stolz, daß jeder deutsche Sohn seinen Anteil nicht nur an der deutschen Freude, sondern auch an un­seren Pflichten und, wenn notwendig, an un­seren Opfern nimmt! Für euch war die Jlahon bereit, das Schwert zu ziehen! Ihr werdet ge­nau so dazu bereit sein, wenn jemals deutsches Land und deutsches Volk bedroht ist.

In dieser Schicksals- und Sinnesgemeinschaft wird das deutsche Volk von jetzt ab seine Zu­kunft gestalten, und keine Macht der Welt wird sie mehr bedrohen können. So steht heute das deutsche Volk in einer geschlossenen Ein­heit von Nord nach Süd und Ost nach West, alle miteinander bereit, füreinander einzustehen. Ganz Deutschland ist glücklich über diese Tage. Nicht ihr allein erlebt sie; die ganze Na­tion fühlt mit euch und freut sich mit euch! Euer Glück ist das Glück von den 75 Millionen des bisherigen Reiches, fo wie euer Leid bis vor wenigen Tagen das Leid von allen gewesen ist. Damit tretet ihr nun den Gang in die großedeutsche Zu­kunft an! Wir wollen in dieser Stunde dem Allmächtigen danken, daß er uns auf dem Dege in der Vergangenheit behütet hat,

und ihn bitten, daß er auch in Zukunft unseren Weg zum Guten geleiten möge.

Deutschland Sieg-heil!"

Satz für Satz dieser kurzen Ansprache des Füh­rers wird von den Zehntausenden mit nicht enden- mollenden Heil!-Rufen beantwortet. Nach dem letz­ten Ruf des FührersDeutschland Sieg-Heil!" erklingen über den Marktplatz von Eger das Deutschland- und das Horft-Wessel-Lied, und kaum jemals sind die deutschen Nationalhymnen inbrün­stiger und bewegter gesungen worden als in diesem Augenblick, da Eger' den größten Tag seiner viel­hundertjährigen Geschichte erlebte.

An den KamvfMen der Ggerlämer.

Der Führer im verwüsteten Hotel Victoria.

Nach der erhebenden Kundgebung auf dem Markt­platz begab sich der Führer mit Konrad Henlein und seiner Begleitung ins Hotel Victoria, dem früheren Sitz der Geschäftsstelle der

Nach dem kurzen Besuch im HotelVictoria" trat der Führer die Weiterfahrt durch das Eger! and an. Er berührte nun die Leidensge­biete des Cgerlandes, die durch die vollständige wirtschaftliche Vernachlässigung fettens der tschechi­schen Machthaber ganz besonders gelitten haben. Man sah es an den abgezehrten und ausgemergel- len Gesichtern der Landarbeiter und Tagelöhner, sie streckten dem Führer ihre schwieligen Arbeiterhände entgegen, die altert Mütterchen grüßen mit zittern­den Armen. Sie alle haben ihre halbverfallenen Katen, zu deren Instandsetzung das tschechische Re­gime keinen Heller übrig hatte, mit Hakenkreuzfah­nen geschmückt und sind von der Feld- und Haus­arbeit auf die Straße geeilt, um den Führer zu grüßen. Aus ihren Augen spricht die Hoffnung auf den Führer.

Aber auch in dieser ernsten Gegend des Sudeten­landes werden immer wieder Blumen in den Wa­gen des Führers und der übrigen Fahrzeuge der Führerkolpnne hineingereicht, so daß bald jeder Wagen fast in ein Blumenmeer getaucht ist. Im­mer und immer wieder läßt der Führer seinen Wagen halten, nimmt den Männern und Frauen, den Jungen und Mädchen selbst die Blumen ab und drückt ihnen zum Dank die Hand. Ueberaü stehen die Sudetendeutschen auf der Straße, der Frei­korpsmann neben dem Weltkriegsveteranen, die Jungen in den weißen oder graublauen Hemden der sudetendeutschen HI., die Frauen und Mädel in ihren schmucken Trachten oder im schlichten Ar­beitskleid, mit Tränen der Freude und des Glücks in den Augen und mit bewegten Stimmen jubeln sie dem Führer zu.

Fast in jedem Ort sind riesige Spruchbänder an den Häusern angebracht:Egerland grüßt seinen Befreier",Wir grüßen das deutsche Heer". In vie­len Häusern sind Bilder des Führers und Konrad Henleins in die Schaufenster gestellt 'oder an die Wand geheftet. Beglückend war überall die enge

SDP. in Eger. Das Hotel wurde von den Su­detendeutschen heldenmütig gegen die tschechischen Belagerer verteidigt, mußte ober dann aufgegeben werden und wurde von den Tschechen aus ge­plündert und zerstört. Kein Fenster dieses Hauses ist heil geblieben. UeberaU sehen wir in den Wänden Einschußlöcher, die Inneneinrichtung ist zertrümmert. Hier wurde schlimmer gehaust, als es sich unsere Phantasie vorstellen kann. Jeder Schrank, jedes Möbelstück ist erbrochen und ausgeplündert worden. Von roher Hand ist das gesamte Mobiliar zerschlagen worden. Hier liegt die Telephonzentrale, herausgerissen aus der Wand, dort sehen wir zer­schlagene Porzellanstücke, hier wieder begegnen wir Bruchstücken aus der Mitgliederkartothek, die das besondere Ziel der Zerstörungswut der tschechischen Plünderer war. Doll Empörung sehen wir, daß die Tschechen selbst Bilder des Führers zu zerschneiden und zu zerreißen versucht hatten. Mit Hackbeilen hoben sie in sinnloser Wut auf das Mobiliar ein­geschlagen, um nichts als einen Trümmerhaufen zu hinterlassen. Der Führer geht mit Konrad Henlein durch die verwüsteten Räume und sieht die Zeug­nisse dieser sinnlosen Zerstörungswut.

Kameradschaft zwischen Bevölkerung und Wehr­macht, Freikorps und ^-Verfügungstruppe. Beson­ders die sudetendeutsche Jugend hat schnell mit den Soldaten und den ^-Männern aus dem Altreich Freundschaft geschlossen. Die in das Egerland ein­gerückten Truppen waren besonders stolz, daß sie unter den Augen ihres Obersten Befehlshabers diese großen Stunden miterleben durften. Bei kurzen Aufenthalten unterhielt sich der Führer häufig mit den Mannschaften und Offizieren der einzelnen Truppenteile. Große Begeisterung löste es bei der Truppe aus, daß der Führer das Mittagessen mit seiner Begleitung auf freiem Felde zwischen Franzensbad und Eger einnahm.

Von Eger aus berührte der Führer die sudeten­deutschen Orte W i I b ft e i n und Schönbach, in denen ihm ebenfalls wieder ein überaus begeisterter Empfang bereitet wurde. Nachmittags verließ der Führer dann zwischen Schönbach und Markneu­kirchen das sudetendeutsche Gebiet.

Der Vormarsch geht weiter.

Berlin. 4. Okt. (DNV.) Das Oberfom- manbo der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Truppen des Generalobersten v. V o ck (Ge­bietsabschnitt II) haben am 3. Oktober, 14 Uhr, die ehemalige deutsch-kschecho-slowaklsche Grenze zwi­schen Elbe und Dolfsberg, südlich Zittau und im Isergebirge überschritten und find gleichzeitig aus dem Rumburger und Friedländer Zipfel wieder zum Vormarsch angetreten. Westlich der Elbe gehen Truppen des Generals der Artillerie v. Reiche­nau aus der Grgend ostwärts Lau nstein auf- nigswald vor. Sie fetzten heute. 8 Uhr, den Vor­marsch über die am 3. 10. erreichte Linie zur Be­setzung weiterer Teile des Gebiels- a b s ch n i t t e s III fort.

3n den Leivensgebielen des Egerlandes.

Iubel und neue Hoffnung.

Chamberlain berichtet dem Unterhaus über das Ergebnis von München.

London, 3. Okt. (Eurqpapreß.) Am Montag­nachmittag wurde im Unterhaus die außenpoli­tische Aussprache fortgesetzt, die am ver­gangenen Mittwoch durch die dramatische Ankündi­gung der Vier-Mächtebesprechungen in München unterbrochen worden war. Die Tribünen waren wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Diplomatenloge bemerkte man den deutschen Ge­schäftsträger, den italienischen und den französischen Botschafter, sowie den Vertreter Sowjetrußlands. Dieser hatte sich als einziger unter den Diplomaten am vergangenen Mittwoch demonstrativ jeder Bei­fallsbezeugung enthalten. Die Stimmung des Un­terhauses und die der Tribüne unterschied sich am Montag wesentlich von dem Pessimismus, der am vergangenen Mittwoch auf dem Hause gelastet hatte. Damals glaubte sich England am Vorabend eines Krieges, bis dann die Erklärung Chamber­lains über seine bevorstehende Reise nach München den jähen Umschwung hervorrief. Am Montag aber sah sich das Unterhaus am Vorabend eines europäischen Friedens. Und als Minister­präsident Chamberlain kurz vor Beginn der Sitzung sich auf feinen Platz auf der Regierungs­bank begab, wurde er mit rauschendem Beifall be­grüßt.

Zunächst gab der zurückgetretene Marineminister Duff-Cooper eine Erklärung ab, in der seinen Rücktritt damit zu begründen suchte, daß die bri­tische Regierung gegenüber denDikta­toren" nicht die klare Sprache anwende, die erforderlich sei. Weiter beschwerte er sich über das Vorgehen Chamberlains bei den Verhandlun­gen, " der ohne Konsultierung seiner Ministerkollegen, ohne Beihilfe der diplo­matischen Berater, Sachverständigen usw. das Münchener Abkommen unterzeichnet habe, ebenso wie er sich zur Erklärung seines Schrittes dagegen wandte, daß England eine Garantie in Mit­teleuropa übernommen habe. Wenn das der Fall sei, dann solle England jetzt auch ein Heer auf dem Fe st lande unterhalten und das Aufrüstungsprogramm beschleunigen. Nach einigen ausfallenden Bemerkungen gegen Deutschland schloß er mit der Erklärung, vielleicht habe Chamberlain recht, er hoffe es und bete dafür, aber er könne nicht daran glauben.

Chamberlain spricht zum Unterhaus.

Ueberroältigenber Beifall überschüttete Chamber­lain, als er sich unmittelbar nach den Ausführungen Duff-Coopers erhob. Er erklärte einleitend, er müsse sich Vorbehalten, später bei der Beantwortung aller seiner Kritiker auf die Rede des ehemaligen Marineministers zu antworten. Er wolle lediglich feftftellen, daß er schon wiederholt in die Lage versetzt worden sei, im Unterhaus zu hören, wie ein ehemaliger Minister seinen Rücktritt gerecht- fertigt habe. Dann führte er nach einem Bericht Des Deutschen Nachrichtenbüros weiter aus:

Als das Haus am vergangenen Mittwoch zusam-1 mengetreten sei, habe man unter dem Schatten einer großen, unmittelbar bevorstehenden Drohung getagt. | Einem Krieg, und zwar in stärkerer und schreck­licherer Form, als man ihn je vorher gekannt habe, habe man anscheinend entgegensehen müssen. Bevor er aber damals habe schließen können, sei eine Bot­schaft eingetroffen, die zu der Hoffnung Anlaß ge­geben habe, daß der Friede noch gerettet werden könne. Heute müßten alle dafür dankbar sein, daß Gebete von Millionen erhört worden seien. Er sei nicht noch München gegangen, um zu bestimmen, daß die vorwiegend deutschen Gebiete des Sudetenlandes dem Deutschen Reich übergeben werden sollten, da dies bereits beschlossen war. Nachdem die tschecho-slowakische Regierung die englisch-französischen Vorschläge angenommen ge­habt habe, habe man die hiervon verschiedenen Fragen der Bedingungen und des Zeit­punktes der Uebergabe zu prüfen gehabt.

Die Zeit war einer der wesentlichsten Fak­toren. Ls hätte alle Elemente für den augen­blicklichen Ausbruch eines Konfliktes vorgelegen, der vielleicht überstürzt eine Katastrophe hätte herbeiführen können.Es ist wesentlich gewe­sen, daß wir s ch n e l l zu einer Schlußfolgerung kamen, damit diese schmerzliche und schwierige Operation einer Uebergabe durchgeführt werden konnte, und zwar zum frühestmöglichen Zeitpunkt, und damit sie so bald abge­schlossen werden konnte, als dies mit einem ordnungsmäßigen Verfahren zu vereinbaren war, um die Möglichkeit zu vermeiden, die alle unsere Bemühungen um einx friedliche Lösung nutzlos gemacht haben würden."

Chamberlain setzte sich sodann mit den Bedingun­gen des Abkommens von München auseinander'. Er schilderte die seiner Ansicht nach bestehenden Unter­schiede zwischen der Münchener Lösung und den Godesberger Vorschlägen im einzelnen und fuhr fort:Die gemeinsame Garantie, die ge­mäß dem Münchener Uebereinkommen dem tschecho­slowakischen Staate von der britischen und franzö­sischen Regierung gegen einen unprovozierten An­griff auf ihre Grenze gewährt wird, gibt der Tschecho-Slowakei einen wesentlichen Ausgleich. Auch ist nicht ganz unbekannt, daß Deutschland und Italien sich verpflichtet haben, ihrerseits eine Ga­rantie zu gewähren (Gelächter bei der Arbeiter­partei), sobald die ungarischen und polnischen Minderheitenfragen geregelt sind.

Der wahre Triumph bestehe darin, daß ge­zeigt worden fei, daß die Vertreter von vier großen Mächten es möglich gefunden hätten, eine Uebereinstimmung über einen Weg zu finden, um eine fchwierlge Operation durchzuführen, und zwar durch Erörterung, anstatt durch den Ver­lust von Menschenleben. Man habe so

eine Katastrophe vermieden, die der Zivilisation ein Ende bereitet Hal n würde. (Stürmischer Beifall.)

Chamberlain zollte dann der Haltung der Tsche- ch o - S l o w a k e i volle Anerkennung und teilte mit, daß die britische Regierung auf das Ersuchen der tschechischen Regierung um eine Anleihe in Höhe von 30 Millionen Pfund einen Vorschuß von 10 Millionen Pfund für den dringenden Bedarf gewährt habe. Die endgültige Höhe der gewährten Anleihe hänge von Faktoren ab, die noch festzusetzen seien.

Chamberlain erkannte den wertvollenBei- t r a g bes deutschen Reichskanzlers für das Zustandekommen des Abkommens vorbehaltlos an. Dann würdigte er die großen Verdienste Mus­solinis und D a l a d i e r s , denen Europa und die Welt dankbar sein müßten. Der Premiermini­ster sprach auch den Vereinigten Staaten und den Dominien seinen besonderen Dank für das Inter­esse aus, bei der Erhaltung des Friedens mitzu­wirken.

Der Premierminister kam dann auf die deutsch-englische Erklärung von München zu sprechen. Er führte hierzu aus: Von jeher, seitdem ich meinen jetzigen Posten Übernommen habe, ist es mein Ziel gewesen, für die Befriedung Europas zu ar­beiten (stürmischer Beifall) und jenen Verdacht und jene Feindfetigkeit zu beseitigen, die seit langem die Luft vergiftet hat. Der Weg, der zur Befriedung führt, ist übervoll von Schwie­rigkeiten. Diese tschecho-slowakische Frage ist d i e letzte und vielleicht die gefähr­lichste von ihnen. Nachdem wir sie überwun­den haben, bin ich der Ansicht, daß es möglich sein kann, einen weiteren Fortschritt auf dem Wege zur Gesundung zu machen. Duff Looper bat sich in etwas bitteren Worten aus meine Unterredung vom letzten Freitag mit Adolf Hitler bezogen. Ich habe keinen Pakt abge­schlossen, ich habe keine Verpflichtungen übernommen, es gibt keine Geheimab­kommen. Unsere Unterredung richtete sich nicht gegen irgendein anderesVolk. Das Ziel dieser Unterredung, um die ich er­sucht hakte (Beifall), bestand darin, den per- s ö n l i ch e n K o n t a k t, den ich mit Adolf Hitler gehabt gehabt hatte, zu vertiefen, wobei ich glaube, daß ein solcher für die mo­derne Diplomatie wesentlich ist. Line freund­schaftliche, aber in keiner Weise bindende Unter­redung wurde durctz mich weitergeführt haupt­sächlich um festzustellen, ob es gemeinsame Punkte zwischen dem Haupt einer demokrati­schen Regierung und dem Führer eines totali­tären Staates geben könnte. Das Ergebnis sehen wir in der Erklärung, die veröffentlicht worden ist und in der Duff Looper seinen An­laß zu Verdacht findet."

Ich glaube, es gibt viele, die mit mir der Ansicht sind, daß diese Erklärung etwas mehr ist als

Der dritte Schnitt.

Wenn nicht alles täuscht, hat die Prager Re* gierung aus den Vorgängen der letzten Tage und Wochen doch einige Lehren zu ziehen gewußt. In der tschechischen Presse kann man lesen, daß nun ein neuer Anfang gemacht werden müsse uni) daß die Nation durch die Abtretung fremdvölkischer Gebiete sogar an innerer Kraft gewinnen könne. Das sind recht bemerkenswerte Erkenntnisse, die, wenn auch zunächst in resignierendem Tone oorgebracht, doch die Hoffnung erwecken mögen, daß Prag nicht nur einen Wechsel der außenpoli­tischen Grundsätze, sondern auch einen Wechsel d e r außenpolitischen Methoden vor­nimmt. Hierzu gehört vor allem der vollständige Verzicht auf die bisher so beliebte Taktik der Der- schleppung und Verzögerung in der Behandlung lebenswichtiger Probleme auf die Politik der Zwei­deutigkeiten und gebrochenen Versprechungen.

Die tschechische Regierung hätte gerade in diesen Tagen eine ausgezeichnete Gelegenheit, auf die neu­gewonnenen Erkenntnisse eine Bewährungsprobe abzulegen. Sie muß sich nämlich entschließen, den dritten operativen Schnitt an ihrem aufgebläh­ten Staatskörper vorzunehmen: Die Abtren­nung der ungarischen Volkstums- gebiete. In dem Maße, wie sich die ische^'istbe Staatsführung zu einer raschen und glatten Rege­lung der ungarischen Nationalitätenfrage ohne Hin­tergedanken und ohne Vorbehalte bereitfindet, wird man auf die Echtheit ihres Anschauungswandels schließen können. Denn im Gegensatz zum Deutschen Reich und zu Polen steht den Ungarn noch nicht eine militärische Macht zur Verfügung, die der Rechtsforderung einen unbedingt zu respektierenden Nachdruck verleihen konnte. Hier ist nur die harte Entschlossenheit eines freiheitsliebenden Volkes vor­handen und fein moralischer Anspruch, ein Anspruch freilich, der von den jungen Großmächten Europas voll und ganz unterstützt wird. Der ungarische Mi­nisterpräsident Jmredy hat in seiner letzten öffentlichen Kundgebung den Wert dieser mora­lischen Hilfsstellung Deutschlands und Italiens an­erkannt, aber auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß Ungarn unzufrieden ist und solange unzufrieden bleiben wird, bis die ungarischen Gebiete der Tschecho-Slowakei in das Reich der Heiligen Ste- phanskrone zurückgekehrt sind.

Die Budapester Regierung bedient sich der diplo­matischen Mittel zur Erreichung ihrer Ziele. Ein Notenwechsel mit Prag hat stattgefunden, und die tschechische Regierung hat auch schon ihre Bereit­schaft erklärt, die Frage durch eine gemischte unga­risch-tschechische Kommission verhandeln zu lassen. Es muh sich nun erweisen, ob Prag die Methode der unverbindlichen Zusagen endgültig aufgegeben hat. Ungarn verlangt nicht nur ein schnelles Verhandeln, sondern auch ein schnelles Handeln. Es wird dabei auch jetzt wieder von der italienischen Politik tatkräftig unterstützt. Die im Münchner Abkommen festgestellte Frist von drei Monaten sei, wie die offiziöseJnformozione Diplomatien" bemerkt, fo gedacht, daß vor ihrem Ablauf die ganze Abtren­nungsaktion bereits abgeschlossen fein müsse. Die Prager Regierung steht also vor der Notwendigkeit, sich sofort zu radikalen Entschlüssen aufzuraffen. Nicht umsonst hat Jmrädy die Warnung ausge­sprochen, daß Ungarns friedliche Absicht nicht gleich­bedeutend sei mit einer kraftlosen Resignation.

H. Ev.

(Sine neue ungarische Note an Prag.

Budapest, 3. Okt. (DNB. Der Königlich Un­garische Gesandte in Prag überreichte am Montag der tschecho-slowakischen Regierung eine neue Note, in der verlangt wird, daß die Verhandlun­gen zwischen beiden Regierungen in den näch - st en Tagen beginnen Gleichzeitig fordert die Note ernste Garantien dafür, daß die Ver­handlungen in entsprechender Atmo­sphäre glatt und rasch abgewickelt werden können.

nur eine fromme Aeußerung der Ansichten. In unse­ren Beziehungen zu anderen Ländern hängt alles davon ab, daß Aufrichtigkeit und guter Wille auf beiden Seiten vorhanden sind. Ich glaube, daß hier Aufrichtigkeit und guter Wille auf beiden Seiten bei diesem Dokument vorhanden sind. Das ist der Grund, warum für mich seine Bedeutung weit über die in ihm vorhandenen tat­sächlichen Worte hinausgeht. Wenn es eine Lehre gibt, die wir aus den Ereignissen dieser letzten Wochen ziehen können, so besteht sie darin, daß ein dauernder Friede nicht dadurch erreicht wer­de kann, daß wir stillsitzen und auf ihn warten. Er verlangt vielmehr aktive und positive Anstrengunge n."

Seine Kritiker behaupteten, daß er sich einem leich­ten Optimismus hingebe, und daß es besser sei, wenn man jedem Wort mißtraue, das von den Herrschern der anderen großen Länder Europas gesagt werde. Er sei e i n z u g r o ß e r R e a 1 i st, um zu glauben, daß sich das Paradies an einem Tage verwirklichen lasse. Man habe nur den Grund st ein zum Frie­den gelegt. Das Gebäude sei jedoch noch nicht einmal begonnen worden. Niemand würde glauben, daß, weil dieses Abkommen zwischen den vier Mächten in München erzielt worden sei, Großbritannien es sich nunmehr leisten könne, in seinen Rüstungs­anstrengungen nachzulassen oder der Ausrüstung Einhalt zu tun, aber es sehe neue Möglichkeiten einer Behandlung der Abrüstungsfrage. Zurückgewinnung des Vertrauens und allmähliche Beseitigung der Feindschaften zwischen den Nationen läßt diese emp­finden, daß sie mit Sicherheit auf ihre Waffen ver­zichten konnten. Dem wünsche er die Energie und Zeit, die ihm verblieben sei, zu widmen, bevor er sein Amt an einen jüngeren Mann abtrete.

Die Opposition.

Die Rede Chayzberlains wurde zunächst mit sicht­licher Kühle, dann mit einer gewissen Beklommen­heit ausgenommen. Angesichts der klaren und über­zeugenden Ausführungen des Premierministers wandelte sich die Stimmung aber sichtlich, und bei Schluß seiner Rede war deutlich, daß Chamberlain das Haus für sich gewonnen hatte. Der weitere Redekampf wurde daher von der großen Masse der Regierungsanhänger nur noch als inner­politische Auseinandersetzung bewertet. Wie unsicher sich die Opposition trotz der scharfen Angriffe fühlt, geht schon daraus hervor, daß die Labour-Party keinen Mißtrauensantrag gegen die Re- gierung einbringen wird, sondern sich darauf be­schränken wird,Bedenken" gegen die Politik der Regierung zu äußern.

Im Namen der Opposition sprach zunächst der Labour-Führer A 111 e e, der Chamberlain wegen seiner Friedenspolitik scharf angriff und den Führer Großdeutschlands mit nicht wiederzugebenden Wor,