ten schmähte. Er meinte, die Ereignisse der letzten Tage stellten eine der größten Niederlagen für England und Frankreich dar Der Premierminister habe sich „von den Diktatoren hereinlegen lasfen".(!) Attlee verlangte Wiederherstellung der kollektiven Sicherheit im Rahmen der Genfer Liga und Beteiligung Sowjetrußlands an den weiteren Verhand- lungen.(!) Die Rede des Oppositionsliberalen Sir Archibald Sinclair bewegte sich aus ähnlicher Linie. Der frühere Außenminister Eden zollte den Bemühungen Chamberlains Anerkennung, brachte aber alle möglichen Einwände gegen die Münchener Besprechungen. Er wandte sich ebenfalls gegen die Ausschaltung „großer Mächte" bei der Neuorganisierung Europas und glaubte sich im übrigen wegen der politischen und wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der verkleinerten Tscheche! Sorgen machen Zu müssen. In Anbetracht der ..ungeklärten Lage der Tschecho-Slowakei", so sagte Eden abschließend, müsse man Besorgnis wegen der englischen Garantie diesem Staate gegenüber haben. Diese Garantie bedeute seiner Ansicht nach eine beträchtliche Abweichung von der traditionellen englischen Außenpolitik.
Die Debatte wurde durch Innenminister Sir Samuel Hoare abgeschlossen, der d.en Kriegshetzern, die eine Verständigung mit den „Diktatoren" von vornherein ablehnen, ohne sich die Mühe zu machen, ihren Standpunkt ernsthaft zu begründen, antwortete, Chamberlain habe als der Vertreter von Millionen Männern und Frauen gehandelt. Auch ein neuer Krieg hätte die nach dem Weltkrieg gezogenen Grenzen der Tschecho-Slowakei nicht aufrechterhalten können. Die Garantien jedoch, die der Tschecho-Slowakei noch Regelung aller Fragen in Aussicht gestellt seien, würden wirksamer sein als die bisherigen Ve.r träge. Hoare gab zum Schluß der lieber Zeugung Ausdruck, daß Demokratien und autoritäre Staaten friedlich nebeneinander leben könnten.
Echo der presse.
London, 4. Oktober. (DNB. Funkspruch.) Die Kommentare der Londoner Moroenpresse spiegeln in vollem Umfange die schwache Lage der Opposition wider und lassen bereits jetzt erkennen, daß m i t einem e r n st h a f t e n W i d e r- standnichtmehrzurechnen ist. Das Gerede von Parlamentsauflösung und Neuwahlen hat merklich nachgelassen. Die „Times" schreibt: Die Reaierung habe wenig Grund, vor dem Ergebnis dieser Debatte des Parlaments oder des ganzen Landes Angst zu haben. Diejenigen, die jetzt am lautesten schrien und von dem Betrug einer kleinen Nation sprächen, seien schlimmer als falsche Freunde. Ihre Vergangenheit verurteilten sie. Zwischen 1919 und 1933 habe es keinen liberalen oder Labour-Zivilisten oder Politiker gegeben der Achtung vor sich selbst hatte und nicht — wie die meisten anderen Engländer — die Politik, aus der die zusammengesetzte Tschecho-Slowakei gegründet war, als nutzlos und sogar als unmoralisch verurteilt hätte. „Ein dauernder Friede wird nicht erzielt, indem man dasitzt und auf ihn wartet." Dieser Satz Chamberlains gebe den Schlüssel zu seiner gesamten Politik. Zwischen England und Deutschland müsse entweder Zusammenarbeit oder Streit herrschen, beides berühre ganz Europa.
„Daily Telegraph (konsero.) schreibt, die Debatte sei der erste Schritt zur Klärung gewesen. Obwohl sie bezeigt habe, daß die Krise viel Bedauerliches übrig gelassen habe, könne man in einem Punkt restlos zufrieden sein, nämlich, daß die Ereignisse den tiefen Friedenswillen aller Völker und die ebenso tiefe Abneigung gegen den Krieg bewiesen hätten. Der Premierminister habe tatsächlich nichts getan, dessen er sich chämen müßte. — Der „Daily Herold" (marxistisch) teilt fest, daß das Gerede von Neuwahlen tändig Nachlasse. Das Blatt kritisiert dann )en Willen Chamberlains, Adolf Hitler als Apostel der Vernunft und des guten Willens anzuerkennen. Es fetzt sich schließlich für eine Weltkonferenz ein, zu der auch Sowjetrußland eingeladen werden müsse. — Die konservative „D a i l y M a i l" schreibt, die Politik, die die Oppsition angesichts der Ereignisse der vergangenen Woche vorgeschlagen habe, würde einen unmittelbaren Sturz in den Weltkrieg bedeutet haben.
Oie französischen Reservisten kehren heim.
Paris, 3. Okt. (Europapreß.) Die Demobilmachungsmaßnahmen schreiten in Frankreich nunmehr rasch fort. Eine ganze Reihe von Reservisten ist über den Sonntag wieder nach Hause zurückgekehrt. Zn manchen kleineren Orten Frankreichs sind bereits sämtliche einberufenen Reservisten zu Hause. Der französische Generalissimus, General G a m e l i n, trifft am Dienstag in Straßburg ein, um die dortigen Grenzbefestigungen zu besichtigen. Es findet eine große Parade der gesamten 43. Division und eines Tankregiments statt. Game- lin wird auch die Verteidigungsanlagen besichtigen.
Neubesetzung des französischen Botschafterpostens in Hom?
Paris, 4. Okt. (Europapreß.) Der „Matin", dessen gute Beziehungen zum französischen Außenministerium bekannt sind, meldet, Außenminister Bonnet habe die Absicht, in wenigen Tagen einen neuen Bdtschafter nach Rom zu entsenden. Der neue Botschafter werde voraussichtlich ein Parlamentarier sein, dessen Mission nach den bestehenden Gesetzen sechs Monate nicht überschreiten dürfe. Als Anwärter werden der ehemalige Ministerpräsident P i e t r i und der Vorsitzende der Außenpolitischen Kammerkommission, M i st l e r , genannt. Weiter schreibt der „Matin", daß nach einer Normalisierung der französischen Beziehungen zu Italien kein Grund vorhanden sei, nicht auch mit Nationalspanien normale diplomatische Beziehungen aufzunehmen.
Oaö Olsagebiet von den polen völlig beseht.
Kattowitz, 3.Okt. (DNB.) t)er Einmarsch der polnischen Truppen in das jenseits der Olsa von der Tschecho-Slowakei an Polen abgetretene Gebiet, der am Sonntag um 14.00 von Teschen aus begann, wurde am Montagabend beendet. Die polnischen Truppen unter der Führung des Kommandierenden Generals B o r t n o w s k i besetzten die beiden Kreise T e s ch e n und F r e i st a d t in einer Entfernung bis 20 Kilometer von der ehemals tschechisch-polnischen Grenze. In allen Ortschaften wurde das polnische Militär von der polnischen Einwohnerschaft jubelnd empfangen. Die Geschäfte und Schulen waren geschlossen, die
Häuser wiesen reichen Flaggenschmuck auf. Beim Abzug der Tschechen am Sonntag kam es noch zu Zusammenstößen zwischen polnischen Freikorpstrupps und tschechischer Gendarmerie. Ueberall konnte sich aber die polnische Bürgerwehr durchsetzen.
Ungarns Dank an den Führer.
Berlin, 3. Okt. (DNB.) Seine Durchlaucht d e r Reichsverweser des Königreiches Ungarn, Admiral von Horthy, sowie der ungarische Ministerpräsident Imredy haben dem Führerund Reichskanzler zu der in München erzielten Einigung ihre Glückwünsche übermittelt und gleichzeitig ihren herzlichen Dank für die verständnisvolle und tatkräftige Unterstützung ausgesprochen, die der Führer hierbei der ungarischen Volksgruppe zuteil werden ließ. Der Führer und Reichskanzler hat in feiner Antwort auf eine baldige gerechte Lösung der Frage des ungarischen Volkstums in der Tschecho-Slowakei Ausdruck gegeben.
Eine ungarische ^ichtiasteliung.
Budapest, 3 Okt. (DNB.) MTJ. teilt mit: Aus einer Quelle, die man als vertrauenswürdig ansprechen konnte, wurde gestern gemeldet, daß die Tschechen den Bahnhof Tornala an der un- garisch-tschecho-slowakischen Grenze in die Luft gesprengt hätten. — Soeben wird festgestellt, daß dieser Bericht nicht auf Wirklichkeit beruht.
Woher kommt der Name „Sudeten"?
Unter dem Namen „Sudeta" waren die böhmischen Randgebirge schon den berühmten Geographen, Astronomen und Mathematiker Klaudios P t o I e m ä o s bekannt, der wahrscheinlich aus Oberägypten stammt und um das Jahr 150 n. Chr. in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria arbeitete. Alexandria war damals der Sammelpunkt des spät- griechischen (hellenistischen) Wissens und berühmt durch eine umfangreiche Bücherei. Die Kunde von den „Sudeten"-Gebirgen war sicherlich nach Griechenland durch die Bern st ein- und Salzhändler gelangt. Außerdem waren die Sudeten, insbesondere das Erzgebirge und einzelne Teile des Jsergebirges, reich an Halbedelsteinen, die auch viele Jahrhunderte später im Mittelalter noch einen starken Anziehungspunkt für italienische Händler darstellten. Ein Kamm des Jsergebirges heißt heute noch „Welscher Kamm", weil hier und in der näheren Umgebung venezianische Händler Halbedelsteine wie Granaten und Opale suchten oder kauften. „Böhmische Granaten" waren noch zur Zeit unserer Großmütter ein sehr beliebter und weit verbreiteter Schmuck. Im alten Oesterreich bezeichnete man als Sudetenlander die ehemaligen Kronländer Böhmen, Mähren und Schlesien und grenzte damit diese Länder ab etwa gegen die Alpenländer oder gegen den Begriff Galizien oder auch gegen die ungarische Reichshälfte. Nach dem Kriege wurde der Ausdruck Sudetendeutschtum allgemein üblich, da die früheren Kronländer verschwanden und man also nicht mehr von einem böhmischen, mährischen oder schlesischen Deutschtum reden konnte. Außerdem waren den Deutschen in diesen ganzen Raum zwischen Karpathen und Erzgebirge dieselben Wünsche, Ziele und Hoffnungen gemeinsam und es drängte sich also auch ein gemeinsamer Sammelname auf.
Das Fried'ander Schloß.
Durch den Einmarsch der deutschen "Truppen in die Zone II ist auch das Friedländer Schloß dem Dornröschenschlaf der Vergangenheit entrückt. Daß Wallenstein den Titel eines Herzogs von Friedland führte, ist aus der Dichtung Schillers wohl bekannt; wo aber dieses Friedland liegt, interessierte weniger. Vor wenigen Jahren besuchten wir das Schloß, daß auf einem mächtigen Basaltfelsen in der Nähe des jetzt vielgenannten Städtchens Friedland liegt, rings umgeben von den wuchtigen Bergen des Jsergebirges. Der Mann, der die Fremden durch die Schloßräume begleitete, versicherte, daß Wallenstein in seinem ganzen Leben nur ... 13 Tage insgesamt auf dem Friedländer Schloß geweilt hätte. Tatsächlich führte Wallenstein sein „Regiment" (Regierung) im Umherziehen, wie es die wirren Kriegsverhältnisse jener Tage mit sich brachten. Daran erinnert auch noch die mächtige Eichentruhe, die auf dem Friedländer Schloß aufbewahrt wird und die Wallenstein auf seinen Kriegszügen mit dem Kriegsschatz begleitete. Gemälde und Waffensammlungen geben eine recht lebendige Vorstellung jenes unglückseligen Krieges, der die Bevölkerung Deutschlands zwischen 1618 und 1648 von achtzehn auf drei Millionen Menschen herunter- brachtel
Deutsche Kulturträger des Sudetenlandes
Der sudetendeutsche Volksstamm ist bekannt durch seine Treue und seine gewerbliche Leistungsfähigkeit. Daneben besitzt er reiche künstlerische Anlagen. Stadt und Land, Städte und Kirchen zeugen von deutscher Baukunst im böhmischen Raum. Man schaue nach Prag, das die älteste deutsche Universität beherbergt. Diese Stadt war lange Jahrhunderte vorwiegend deutsch und hatte noch vor 80 Jahren eine deutsche Mehrheit. Das ist im Zeitalter der Industrialisierung und des Anwachsens des Tfchechen- tums anders geworden, aber die herrlichen Bauten des Domes und der Burg legen Zeugnis ab von deutschen Meistern bis in ferne Zeiten. Der Baumeister Peter Parker hat den St. Deitsdom geschaffen. Seine Vorfahren stammten aus Süddeutschland, sie erbauten den Münsterchor zu Freiburg i. B. und den Dom zu Schwäbisch-Gmünd.
Zahlreich sind die Forscher, Dichter, Maler und Musiker, die im deutschen Böhmerland ihre Heimat haben. Die Musikbegabung der Sudetendeutschen findet ihren vornehmsten Vertreter in C h r i st o p h Gluck, den Erneuerer der deutschen Oper. Er wurde 1714 in der Oberpfalz geboren, stammt aber von deutschböhmischen Eltern. Franz Schubert, der große Liedersänger, stammt aus dem schlesischen Teile Mährens. Wie Gluck, so hat auch er zum musikalischen Ruhm Wiens beigetragen. Aus Nordmähren stammt auch Gregor Mendel, der Entdecker der Erbgesetze des Menschen und der Lebewelt. Adalbert Stifter ist aus dem Böhmer Wald. Er ist der Dichter des Hochwaldes und der Bergheimat. Zu den bedeutendsten Erzählerinnen gehört die Sudetendeutsche Marie von Ebner-Eschenbach. Hans W a tz l i ck stammt ebenfalls aus dem Böhmer Wald. Ein anderer aus dem Reiche der Dichtkunst, der zu den bedeutendsten
iuer Fabrikatlons-
wird ausschließlich ohne ius folgenden Distrikten:
Durch methodische Umlagerung und Regulierung der Luftzufuhr, Temperatur und Druckverteilung wirdderFermentationsvor- gang planmäßig gesteuert.
ERNTEN 34 BIS 36 + MUSTERCIGARETTEN + MISCHUNGSi
H.R1PH.R REEMTSMA + CIGARETTENFABRIKEN + WERK H<
;ajyagen unseres technischen Stamm- völlig neuen Methoden hergestellt Der ungewöhnlich zarte und reine Charakter dieser Mischung beruht darauf, daß sämtliche Tabake zweimal EfrifStCt Mundstück hergestellt D>^MtM^n^?e r*\ . — /-x L
Diese Cigaretten werden In den FatfW Werkes in Hamburg-Bahrenfeld nacm
R^Btelten . "abakÄalitäl SfÄfie Mal
Die Cigaretten
Methoden, die zug»sÄ df MMikb-
TT
&
•Sv.V'A
MM
m
MIM
MM
V.'W
MM
Ä WM
♦: Äjj ** * L.-'.Ä 6 § :*
'• • vV • •'«.<
> xi v >• • • s-V-. .<?.
WMch


