„Ins Land der Franken fahren..."
HZ.-Führer des AanneS 416 in die Fränkische Schweiz gestartet.
Heute morgen hatten sich, marschmäßig ausgerüstet, vor dem Bahnhof etwa 100 Führer und Führeranwärter des Bannes 116 der Hitler-Jugend eingefunden, um eine schöne Sommerfahrt anzutreten.
Ursprünglich war eine Nordmarkfahrt vorgesehen, die aber aus verschiedenen Gründen abgesetzt werden mußte. Dafür werden die HJ.-Führer und Anwärter eine andere Landschaft kennenlernen, die ihnen bestimmt auch viel Schönes bieten wird. Mit einem fahrplanmäßigen Zug fuhren die Jungen um 9 Uhr von Gießen ab, mit dem nächsten Ziel Bamberg. Der ganze morgige Tag wird dann dem Aufenthalt in Bamberg gewidmet sein, vor allem aber der Besichtigung der mancherlei Sehenswürdigkeiten, die die Stadt zu bieten hat. Dann wird noch ein kleines Stück mit der Bahn gefahren, voraussichtlich bis Forchheim, und dann wird eine zehntägige Wanderung beginnen, die die Gießener HI. mit den schönsten Teilen der Fränkischen Schweiz vertraut machen wird. Die Wanderung wird das Wiesental hinaufführen, in die engen Juratäler,
an die Felstürme der Fränkischen Schweiz und in die herrlichen Tropfsteinhöhlen, in denen Stalaktiten und Stalagmiten wie Orgelpfeifen erklingen, wenn man sie mit einem Schlüssel leicht anschlägt.
Täglich sollen etwa 15 bis 20 Kilometer marschiert werden, und zwar so, daß die einzelnen Fahrtgruppen schon um die Mittagszeit auf dem Platz fein werden, auf dem die Zelte aufgeschlagen werden sollen. Die Teilnehmer an dieser Fahrt werden sich dabei in allem als selbständig zu erweisen haben. Es muß abgekocht werden, es gilt in den Zelten zu übernachten, denn Verpflegung und Unterbringung sollen ohne fremde Hilfe geschehen. Es ist zu erwarten, daß auch die Hitler- Jugendführerschast, so wie die Kameraden, die an den Hessen-Nassau-Fahrten teilnahmen, mit reichen Erlebnissen zurückkehren — zurückkehren aus einer Landschaft, der Viktor von Scheffel eines seiner schönsten Lieder gewidmet hat. lieber der Fahrt der Hitler-Jugend des Bannes 116 steht das Wort:
„Wir woll'n zur schönen Sommerszeit Ins Land der Franken fahren —"
Zusammenschluß der Mich- und Fellwirtschafi.
Einheitliche Versorgung gewährleistet.
ZdR. In diesen Tagen ist im Reichsgesetzblatt eine Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft über den Zusammenschluß der deutschen Milch- und Fettwirtschaft veröffentlicht worden. Die Hauptvereinigung der deutschen Milch- und Fettwirtschaft tritt mit Wirkung ab 1. Oktober 1938 an Stelle der Hauptoereinigung der deutschen Milchwirtschaft. Entsprechend dem erweiterten Mitgliederkreis, zu dem alle Betriebe, die sich mit der Erzeugung, der Be- und Verarbeitung, sowie der Verteilung von Milch, Deien und Fetten befassen, zählen, ist auch der Aufgabenkreis der neuen Hauptvereinigung bestimmt.
Innerhalb der Erzeugnisse, die der Ernährung des deutschen Volkes dienen, nehmen die Ernährungsfette und -öle eine entscheidende Rolle ein. Butter, Schmolz, Margarine, Speiseöl usw. sind neben dem täglichen Brot ernährungswichtige Fak- toren und damit Erzeugnisse, die für die Gesamtheit der deutschen Verbraucherschaft bestimmt sind und eine einheitliche Bewirtschaftung notwendig machen. Zwar unterlagen die genannten Ernährungsfette und -öle bislang schon verschiedenen nährständischen Marktorganisationen, doch waren diese nach den jeweiligen Ausgangsprodukten aus- gerichtet und ließen in ihrer Vielgestaltigkeit eine zusommenfassende Bewirtschaftung nicht zu.
Die neue Verordnung, die die alleinige Zuständigkeit der Hauptvereinigung der deutschen Milch- und Fettwirtschaft bestimmt, beseitigt diesen Mangel und schafft die Grundlagen für eine verantwortliche Regelung der Erzeugung und des Absatzes der Ernäh- rungsfette und -öle. Wie bei den meisten Hauptvereinigungen, sind auch bei der Hauptvereinigung der deutschen Milch- pnd Fettwirtschast
Milchwirtschaftsverbände gebildet worden, denen die örtliche Durchführung der marktordnerischen Aufgaben nach Weisung der Hauptvereinigung obliegt. Daß diese notwendige einheitliche Bewirtschaftung an das Aufgabengebiet der bisherigen Hauptvereinigung der deutschen Milchwirtschaft angegliedert wurde, ist der großen Bedeutung, die das Milcherzeugnis Butter innerhalb der Fettoerforgung einnimmt, zuzuschreiben.
Die neue Houptvereinigung hat damit die Vollmachten, alle Ernährungsfette und - öle zentral und einheitlich zu erfassen und ebenso einheitliche Dersorgungs- maßnahmen zu treffen. Während nach der bisherigen Regelung die Versorgungsanweisungen für Butter, Schmalz, Margarine, Speiseöl usw. selbständig und meist unabhängig voneinander durchgeführt wurden, ist es künftighin möglich, die Fettversorgung innerhalb der verschiedenen Ernährungsfette und -öle abzustimmen. Damit sind in weitgehendem Maße die Grundlagen für eine gerechte Versorgung nach gemeinwirtschaftlichen Grundsätzen geschaffen. Die Berücksichtigung der örtlich, art- und mengenmäßig unterschiedlichen Fett- und Oelversorgungsbedürfnisse ist dadurch erleichtert, ebenso eine vernünftige Lagerhaltung und eine planvolle Dorratspolitik. Zwar hat sich die Eigenversorgung ort Ernährungsfetten und -ölen in den letzten Jahren wesentlich verbessert, sie erreicht aber noch nicht den Fett- und Oelbedarf, so daß nach wie vor ein maßvoller Fett- und Oel- verbrauch angestrebt werden muß. Gerade die zentrale Erfasiung und Verwertung ist am besten geeignet, eine gleichmäßige und damit gerechte Versorgung zu gewährleisten und Versorgungsschwie- rigkeiten vorzubeugen.
von den Empfängern zu Hause immer wieder gelesen werden. Es ist ja ein echter Ferienbrief.
1 H. W. Sch.
Es fuhr woanders hin ...
Prüfend fährt der alte Waldarbeiter mit dem Daumen über die Schneide der Axt. Mit einem Topf voll Wasser stiefelt er auf den Hof, gießt die Flüssigkeit in den Holzkasten des Schleifsteins, dreht die Kurbel und schärft seine Axt auf dem herumwirbelnden Sandstein. Dann macht er sich auf den Weg.
„Pu ha!" — der Holzhacker wischt sich die tropfende Stirn — „das Frühstück wäre verdient." Be- haglich setzt er sich im Schatten auf einen Baumstumpf nieder. Da hört er ein Krachen und Schreien von der nahen Landstraße her, läuft eilig dem Lärm nach und sieht — das Herz bleibt ihm fast stehen — ein umgestürztes, brennendes Auto neben einem ongefplitterten Baum.
Ein Mann liegt jenseits des Grabens im Acker und stöhnt. Der Holzhauer springt hinüber: „Was getan?" — Der Fremde richtet sich behutsam auf und tastet seine Glieder ab: „Scheint alles heil zu fein." Dann starrt er auf das brennende Auto.
Der Holzhauer wagt kaum zu fragen: „Wer — was ist denn da noch drin?"
Der Fremde macht ein schmerzliches Gesicht: „Meine Musterkoffer!"
Jetzt atmet der Waldarbeiter erleichtert auf. „Aha, Reiferer. Haben Sie aber noch Glück gehabt! Wie kam's denn?"
„Weiß der Teufel. Der Wagen fuhr woanders hin, als ich ihn steuerte, und als ich bremsen wollte, blieb er nicht stehen. Ich wollte den alten Kasten schon immer mal nachsehen."
Der Holzhauer staunt: „Ja, tun Sie das denn nicht jeden Morgen, ehe Sie losfahren?"
„Mann, dazu habe ich keine Zeit!"
„Na, aber die wichtigsten Teile doch! Steuer, Bremse, Räder, ob da was locker ist oder so: das tue ich ja mit meinem Werkzeug sogar, und da hängen keine Menschenleben von ab!"
Muß sich ein ausgebildeter Autofahrer von einem alten Manne so beschämen lassen? Wir wollen hoffen, daß das nach dem aufrüttelnden Appell, den Dr. Goebbels vor kurzem über den Rundfunk an alle Verkehrsteilnehmer gerichtet hot, nicht mehr nötig sein wird. H. M. (RAS.)
Vornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Glorio-Palast (Seltersweg): „Eine Frau kommt in die Tropen".
Kurzes Gewitter über Gießen und Umgebung.
Ein Mann vom Vllh erschlagen.
Nach Tagen einer geradezu tropischen Hitze — auch gestern herrschten wieder 32 Grad Celsius im Schatten — brachte der gestrige Mittwochnachmittag endlich ein lang ersehntes Gewitter und Regen, der allerdings nur kurz und nicht sehr ausgiebig war. Immerhin, man war auch für das Wenige dankbar! Das kurze Gewitter konnte auch keine vollkommene Abkühlung bringen. Die heißen Straßen waren rasch wieder trocken.
Leider hat das Gewitter, das nur wenige Blitzschläge brachte, ein Menschenleben zum Opfer gefordert. Der Bauleiter F r e ck m a n n , der an der Reichsautobahn beschäftigt war, wurde unweit von Rein Hards Hain vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. Ein Arbeiter, der in einiger (Entfernung neben ihm ging, wurde vom ßuftbrurf des Blitzschlages zu Boden geworfen, erlitt aber keinerlei Schaden. Freckmann hinterläßt eine junge Frau und' ein erst vier Monate altes Kind.
Blitzschlag in eine Transformatorenffation am Professoreneck.
Das Gewitter brachte für die Einwohnerschaft von Gießen-Ost eine besondere Uederraschung. Ein Blitz schlug in eine Transformatorenstation am Professoreneck ein und richtete an den technischen Einrichtungen so erheblichen Schaden an, daß das Elektrizitätswerk zu umfangreichen Reparaturar
beiten schreiten mußte. Bis gegen 21.45 Uhr herrschte im östlichen Stadtteil völlige Finsternis, so daß man sich in den Häusern mit behelfsmäßigen Lichtquellen, wie Kerzen und Petroleum, zufriedengeben mußte. Dank des energischen Einsatzes der Techniker des E.-Werkes gelang es dann durch Kurzschaltung die Stromzuführung für das Oftoiertel wieder endgültig zu sichern. Gegen 21.45 Uhr brannte das Licht in den Häusern und auf den Straßen wieder.
Tamilieniaq Jmmel.
Der gut besuchte Familientag des Verbandes „Jmmel vom Rhein" nahm in Worms einen harmonischen Verlauf. Der Leiter, Lehrer Jmmel (Gießen), hielt einen Vortrag über den zeitgemä- I ßen Zweck des Familienverbandes im nationalen,
sozialen und völkischen Staat und unterstrich die Verpflichtung der anwesenden Jugend in diesem Sinne. Eine Anzahl umfangreicher Forschunaser- gebnisse über blutsverwandte Familien: Lott, Christmann, v. d. Mühlen und Philippi wurden zur Einsicht vorgelegt. Die wiederholte Verwandtschaft der Familien Jmmel-Berges in Leiselheim und Deg- heim über die Sippen Weißheimer, Lott, Martenstein und Loos begegnete besonderem Interesse durch den in seltener Höhe eingetretenen Ahnenverlust. Vetter Heinrich Jmmel, Schloßgartendirektor in Oldenburg, berichtete in Kürze übv. seine von seinen Kindern ermöglichte längere Reise nuch Afrika und die Teilnahme seines Sohnes Dr med. Reinhard Jmmel an einer Forschungsreise nach Finnland. Er fand Worte herzlichen Dankes und aller Anerken
nung der großen Mühewaltung des Farnllienleiters. Der nächste Familientag wird in Westhofen (Rhein- Hessen) stattsinden.
Gietzener Docheumarktpreife.
* Gießen, 4. Aug. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ausländische 12, Enteneier 11% bis 12% Pf., junge Hähne, % kg 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner —,90 bis 1,05 Mark, Wirsing, grün, 10 bis 12 Pf., Weißkraut 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 15, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 18 bis 20, gelb 18 bis 25, Erbsen 18 bis 25, Tomaten 25 bis 45, Zwiebeln 10 bis 14, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 45 bis 55, Kartoffeln, alte 5, 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue 4,80 bis 6— Mark, 5 kg 60 Pf., % kg 6 bis 7, Pfirsiche 45 bis 60, Himbeeren 50 bis 55, Brombeeren 50, Birnen 55, Stachelbeeren 35 dis 50, Johannisbeeren 35 bis 40, Blumenkohl, Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 12, Salatgurken 20 bis 50, Einmachgurken 2 dis 5, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf.
♦
** Verbreiterung der unteren Kai- serallee in vollem Gange. Die Arbeiten zur Verbreiterung der unteren Kaiserallee sind in vollem Gange. Dieser Straßenteil bietet gegenwärtig ein Bild wie nie zuvor. Kahl ragen die Stämme zahlreicher Bäume zum Himmel. Die Fronten der Häuser an der rechten Straßenseite, die bisher fast verborgen hinter den Blätterkronen der Bäume waren, treten nun deullicher in Erscheinung. Leider ist schon jetzt zu erkennen, daß die untere Kaiserallee durch die Entfernung der Bäume sehr viel nüchterner aussehen wird als bisher. Mit dieser Tatsache wird man sich aber abfinden müssen. Tatkräftig wird gegenwärtig auch an der Beseitigung der Vorgärten gearbeitet. Mit Brecheisen, Picke und Schaufel werden die Pfeiler, die bisher die Gartenzäune hielten, aus der Erde gewuchtet. Mit Schneidbrenner geht man den Eisenpfeilern zu Leibe. Büsche und kleinere Bäume in den Vorgärten sind gefallen: die Beete fmb *feine Beete mehr. Der große Garten vor dem evangelischen Pfarrhaus hat sein Aussehen erhebttch verändert. Zahlreiche der bekannten rot-weißen Stangen, die der Vermessung dienen, stecken in der Erde, und sie lassen in ihrer Anordnung schon erkennen, wie dott Straße und Bürgersteig verlaufen werden.
*♦ Unfall. In der oberen Frankfurter Straße ereignete sich durch Unbedachtsamkeit ein Unfall. Der achtjährige Sohn des Studienrats Paul aus Weilburg saß im Kraftwagen feines Vaters und spielte dabei am Verschluß der Wagentür. Dahei öffnete sich die Tür und der Knabe fiel heraus. Das Kind erlitt bei dem Sturz aus dem fahrenden Wagen eine schwere Gehirnerschütterung sowie Weichteilverletzungen im Gesicht. Der Knabe wurde sofort in die Chirurgische Klinik gebracht.
Rundfunkprogramm
Freitag, 5. August.
5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym- nastik. 6.30: Frühkonzer^. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nur Freiburg: Nachrichten. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. 10.30: Tag der Jugend. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nach- richten. 14.10: O holde Frau Musica. 15: Kleines Konzert. Kompositionen von Hans Fleischer. 16: Nachmittagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19.10: Soldaten —Kameraden. Eine Gemeinschaftssendung von HI. und Wehrmacht mit Jugend- und Soldatenchören. 20: Nachrichten. 20.15: Herzschlag der Ostmark: „Die grüne Mark": Dichtung und Musik mit Beiträgen von Dichtern und Schriftstellern der Steiermark. 21: Serenaden im Hofe der Residenz. 22: Nachrichten. 22.15: Schlußtage der nationalen Wettbewerbe unserer Segelflieger auf der Rhön. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik.
Zwei hinter Gisela.
ZRonum von Hans Hirthammer. Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa. 16 Fortsetzung (Nachdruck verboten!)
„Schade, daß du mich gestört hast, Toni!" rief sie lachend, und streckte ihm die Hand hin. „Ich war eben dabei, ihm den Rest zu geben."
„Im Ernst?" stotterte Toni Kindlmann. Er dachte daran, daß er die Absicht hatte, diese Heli zu heiraten, und er sah ein schreckliches Los voraus.
Indessen war auch Peter wieder auf die Beine gekommen. „Dummes Geschwätz! Noch eine Minute und sie hätte um Gnade gewinselt!"
„Ha, ha!" höhnte Heli, aber als Peter Anstalten zu einem neuen Angriff traf, machte sie sich schleunigst aus dem Staube und verschwand in der Küche.
„Warum habt ihr euch denn gezankt?" wollte Toni wissen.
„Gezankt!" lachte Peter, während er seine Haare in Ordnung brachte. „Wir haben doch nur Dummheiten gemacht. Das treiben wir immer so, schon feit wir uns kennen. Es ist eine gute Methode, den Körper geschmeidig zu erhalten."
„So, so?" meinte Toni wenig begeistert. „Wird Heli diese Gymnastikübungen auch — hm — in Zukunft berbehalten?"
„Warum nicht? — Es ging übrigens damit los, daß das Balg sich weigerte, mir die Adresse von diesem Mädel zu sagen."
„Ach, von der Gisela Mertens?"
„Wie? Du weißt--? Das ist ja eine nette
Verschwörung! — Wie sagtest du? Den Namen muß ich doch schon gehört haben?"
Toni lachte über das ganze Gesicht. „Natürlich! Heli erzählte mir, wie ahnungslos du sie am Donnerstag nach ihrer Freundin gefragt hättest. Heli war von Fräulein Mertens, deiner geheimnisvollen Schönen, an jenem Abend eingeladen worden."
„Bei den Göttern! Habt ihr beide es denn dar- auf abgesehen, mich verrückt zu machen? — Eine tolle Sache! Möchte wissen, was ihr euch um das Mädel zu kümmern habt!"
Er ^stürmte aus dem Zimmer und kam gleich darauf wieder zurück, Heli am Arm hinter sich her- ziehend.
„So, nun heraus mit der Sprache! Was geht hier hinter meinem Rücken vor?"
„Laß mich erst einmal los, Grobian! — Das ist
der Dank dafür, daß man sich deinetwegen ab müht, daß man sich eigens photographieren läßt, um den Photographen mitteilsam zu machen, daß man sich die Beine müde läuft, bis man das Mädel endlich gefunden hat, daß man die tollsten Lügenmärchen erfindet, um einen Vorwand zur Anknüpfung der Bekanntschaft zu haben. — Ah, ich hätte nicht gedacht, daß es in unserer Familie solche Menschen geben könnte. Der schlechte Charakter irgend eines dunklen Ahnherrn scheint in dir wieder zum Durchbruch gekommen zu sein."
„Nun gebt doch endlich Ruhe!" flehte Tom Kindlmann, dem es vor allem darum zu tun war, den gewohnten Kaffee zu erhalten. „Du bist schon auch recht boshaft, Heli! Verrate dem armen Jungen doch endlich deine Geheimnisse!"
„Er läßt mich ja nicht dazu kommen. Ich hätte ihm sonst schon längst gesagt, daß Fräulein Mertens am Dienstag zu uns kommen wird."
Peter sank auf den nächsten Stuhl, als habe ihn der Schlag gerührt.
18.
Mit den Gefühlen eines Siegers eilte Walter Radegast am Morgen des Montags zu Frau Malick.
Das Mädchen führte ihn ins Musikzimmer. „Möchten Sie bitte einen Augenblick warten! Die gnädige Frau hat gerade Besuch."
„So früh schon? Wer ist es denn? Wird es lanae dauern?"
„Bestimmt nicht, Herr Radegast! Irgendein Schuldner, der um Zahlungsaufschub bittet! Er scheint ein rabiater Bursche zu.sein. Hören Sie, wie er schreit! Frau Malick wird ihn wohl gleich hinauswerfen, sie kann solche ungebildeten Leute nicht vertragen."
Als das Mädchen hinausgegangen war, näherte sich Walter Radegast neugierig der Tür zu Frau Malicks Empfangszimmer, wo die erregte Auseinandersetzung immer lebhaftere Formen annahm.
Soweit er durch die geschloffene Tür dem Gespräch folgen konnte, handelte es sich um die Nück- ^hlung eines Darlehens. Der Mann schien in Schwierigkeiten zu sein, während Frau Dorothea auf pünktliche Innehaltung des Termins bestand.
„Wollen Sie mich denn zugrunde richten, verflucht nochmal? Was haben Sie denn davon?"
„Ich habe Ihnen oft genug wiederholt, daß ich mein Geld brauche. Auch ich muß meinen Der- pflichtungen pünktlich nachkommen. Wären Sie früher gekommen, dann hätte sich die Sache vielleicht einrichten lassen! Aber jetzt! Es tut mir leid, sehen Sie zu, wie Sie das Geld deschaften!"
„Wüßte nicht wie! So nehmen Sie doch Ver
nunft an! In drei Monaten kann ich Ihnen das Geld auf den Tisch legen."
„Nichts zu machen, lieber Herr Holz! Ich will Ihnen ausnahmsweise noch drei Tage Frist geben. Haben Sie bis dahin nicht bezahlt, dann werde ich vollstrecken lassen."
„Ist das Ihr letztes Wort? Sie wissen, daß dies meinen Untergang bedeutet! Denken Sie doch um Himmelswillen an meine Frau und meine Kinder!"
„Ich habe Ihnen nichts weiter zu sagen."
„Blutsaugerin!"
Walter Radegast erschrak über den tierischen Aufschrei, mit dem dieser Ausruf hervorgestoßen wurde. Im nächsten Augenblick vernahm er ein polterndes Geräusch, als sei ein Stuhl umgeworfen oder in die Ecke geschleudert worden. Dann folgte ein schrilles Gekreische. Anscheinend hatte der Mann in seiner Verzweiflung alle Beherrschung verloren und eine drohende Haltung gegen Frau Malick eingenommen.
Radegast überlegte noch,, ob er eingreifen sollte, da ertönte aus dem Nebenzimmer ein erstickter Hilferuf.
Radegast riß die Tür auf und sah zu seinem Entsetzen, daß Frau Malick am Boden lag und von den pressenden Fingern eines breitschultrigen Mannes gewürgt wurde.
Er stürzte sich auf den Wahnsinnigen und riß ihn zurück. „Sind Sie verrückt geworden?" brüllte er ihn an.
Der Mann kam sofort zur Vernunft. Mit entsetzten Augen starte er zuerst zu Radegast, dann Frau Malick an, die sich erhoben hatte und atemringend in einen Sessel sank.
„Das — das habe ich nicht gewollt!" stöhnte Holz, griff nach feinem Hut und stürzte aus dem Zimmer.
„So ein Kerl!" kreischte Frau Malick. Ihre Stimme gewann allmählich an Kraft und Festigkeit.
Auch das Mädchen war, von dem Lärm auf« geschreckt, herbeigestürzt und bemühte sich in ängstlicher Ergebenheit um ihre Herrin.
Dieser schien es unangenehm zu fein, daß die Angestellte Zeugin des ihr zugefügten Schimpfes geworden war. Sie gab ihr einen unfreundlichen Wink, sie mit Herrn Radegast allein zu lassen.
„Es ist entsetzlich!" begann fie, nachdem sie sich mit einem Glas Wermut gestärkt hatte. „Nicht einmal seines Lebens ist man mehr sicher. — Hoffentlich kommt deine Sache bald zum Klappen. Ich werde mehr als froh fein, wenn ich von Berlin nichts mehr höre und sehe."
Radegast, der längst auf das Stichwort aewartet hatte, legte sogleich mit feinen Neuigkeiten los. „Du ! kannst mir gratulieren, liebe Dorothea. Ich habe
mich vorgestern abend mit Fräulein Mertens verlobt."
„Wirklich? Wenigstens ein Lichtblick! Nun sieh aber zu, baß du den kleinen Schmetterling bald vollständig in dein Netz bekommst. Habt ihr den Heiratstermin schon festgelegt?"
„Immer sachte, liebste Dorothea! Du hast mir selbst geraten, die Angelegenheit nicht zu überstürzen. Ich glaube, das beweist genug meine Fähigkeiten, daß es schon beim zweiten Beisammensein zur Verlobung kam."
„Gewiß, gewiß, mein Lieber! Aber sicher hast du sie erst, wenn fie deine Frau ist, so oder so. Es wäre gut, wenn dies geschähe, bevor die Bombe platzt. Hast du Nachrichten aus Breslau?"
„Die besten, die ich mir wünschen kann. Sie waren der Anlaß, daß ich die Verlobung beschleunigte."
„Sehr gut? — Ah, dieses Scheusal!" Sie befühlte vorsichtig ihren Hals. „Wenn du nicht rechtzeitig eingegriffen hättest — ich glaube, die Bestte hätte mich ermordet! — Ist es nicht entsetzlich?"
„Du hättest den armen Teufel nicht bis zum äußersten treiben sollen. Eure Unterhaltung war nämlich laut genug, daß ich sie im Musikzimmer verfolgen konnte. Der Mann kam doch sicher nicht mit der Absicht, sich an dir zu vergreifen!"
„Wie, du verteidigst diesen Verbrecher noch? — Anzeigen werde ich ihn. Ins Zuchthaus gehört er, dieser Lump! Sieh doch bloß!"
Sie schob den Morgenrock zurück und zeigte ihm mit der Miene einer Märtyrerin die blauen Flecken an den Schultern, wo Holz sie gepackt hatte, als er sie zu Boden warf.
Er wagte es, sich durch einen scheuen Blick von den Tatsachen zu überzeugen. „Allerdings, sehr behutsam scheint er dich nicht üngesaßt zu haben. Aber du wirst doch deswegen nicht so unvorsichtig fein und die Sache zur Anzeige bringen? Ich müßte als Zeuge erscheinen — und es würde da allerlei ans Licht gezerrt werden, was wir besser im Dunklen lassen. Ich bin jedenfalls nicht darauf versessen, büß dadurch meine Pläne gefähroet, wenn nicht zunichte gemacht werden."
„Aber — ich kann doch diese Gewatttat, diesen Mordversuch nicht auf sich beruhen lassen! Das wäre ja--"
„Warum nicht! Eine Geste der Menschlichkeit, die den Mann veranlassen wird, sich aufs äußerste anzustrengen, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Da du einen Zeugen hast, wird er sich nicht im Unklaren sein, was ihm im Fall einer Anzeige drohen würde."
(Fortsetzung folgt!)
N auf1
Aue tni
Sistige S
fc Lvd. Marbu lreisdorses Brai '.Mnenschachtes f aiige holMe, ' -Msainmell ha!
| Brunnenmeifter | Schacht hinab. 2 ' Sase, die sich bas Bewußtsein wollten und e wurden ebens sofortige hilfsm. wieder an die gelang, die beid un, tonnte be der lob
W
Ser Gemeir i litt dieser Ta als er sich n schlissigen 6tn erlitt schwere ' durch verursach riß und der A Die Ehesrau M aus Mainzlar s unglücklich ab, l außerdem noch die Sanitätsbe iMmswerte D Handlung geb vchlen Augenb Änchen des :
SsS Ä» t wffin’ un»
sS*1
WS- •« linde md -
Mit 15 W hin entschtnsi^
„Land bring, tklebungsversuche
Etz
Zweihunde ttuh in bie I ttneff im gnt Um/tanben bit Mm müssen. ?“ Not. Hellen Renn E'".e große ode jywg fom wffmann, K Meyer i XMerfäi ein.
U-Haft ger kommen s, B und Sch J>nen do die b.
fcbie Wl ’S« Ä Sr« tsss, ’Ä T'eße
SW?*
\ um ^Qe herfcij} i Wan,Nrn S>i
Sh


