Donnerstag, 4-AugufN938
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)
Nr.l8ü Zweites Blatt
nahm Sven
Aus der Stadt Gießen
Der Ferienbrief.
Empfehlungen,
tingent der Fahrgäste, unter denen sich die wenigen
Vorrecht der begüterten Stände. In Wiesbaden „Promenaden" in Ems und Lauchstedt zeigen uns ~ l. . cvx r. V... utr nioff»irhi nm hpnfhchfien den llntcricbieö Zwilchen
Wilhelm Lange.
's: Ernst Bluitz ib für die Bilden B.: Ernst Blum Lhyriot; für bir ieigenleiter: Hai? r ben Inhalt bt 1.38:9035. Drui ruckerei R. Lange, Bezugspreis M ihr, mit ber Ku- spreis 10 Pf. und rtyi 5 Pf. mehr. „ September 1937
Mittelpunkt des Interesses ist natürlich der Foreigner: auf das genaueste wird man verhört und untersucht, und besonders mißtrauisch wird der Photoapparat betrachtet. Denn bisher hat erst ein einziger Europäer diese Strecke befahren, und der wurde festgenommen, weil er zufällig die Ecke einer Holzbaracke photographiert hatte, in der vielleicht und unter Umständen einmal Munition aufgestapelt werden könnte. Aber endlich ist auch diese Zollprozedur vorüber, um genau drei Schritte weiter von neuem zu beginnen. Denn hier haben sich die neuen Zollbeamten der neuen autonomen Nordchina-Regierung in ganz neuen Uniformen aufgebaut, und mit dem Feuereifer der Neulinge suchen sie nun nach all den Dingen, deren Einfuhr die autonome Regierung verboten hat. Und das ist auch wieder eine ganze Menge, denn über Einnahmen verfügt diese neue Regierung noch nicht, infolgedessen hat sie so ziemlich auf alles und jedes Zölle gelegt, worüber der „besondere Handel" — unter diesem Schlagwort reiste bisher amtlich und statistisch die zollfrei geschmuggelte, illegale japanische Einfuhr — gar nicht
hinein. , v.
Daß diese Große Mauer tatsächlich durch die Jahrhunderte und Jahrtausende die Grenze zwischen zwei Welten war, läßt sich mühelos im aufgeschlagenen Buche der Natur ablesen: nördlich der Mauer die öde, braune, baumlose, felsige, dünn bevölkerte mandschurische Mondlandschaft, unmittelbar südlich der Mauer: der blühende Garten Eden! Ueppigste Vegetation, reiche Dörfer, gepflegte Garten und Felder. — Einöde und Paradies getrennt durch einen 12 Meter breiten Mauerwall aus totem Gestein! Kein Wunder, wenn die „nordöstlichen Barbaren" immer wieder versucht haben, ins Land der reichen, fleißigen chinesischen Dauern einzu
vielleicht am deutlichsten den Unterschied zwischen einem kleinen deutschen Kurort unserer Tage und den berühmten Bädern von ehemals. Auch hier wie so oft würden wir, in die angeblich so geruhsame gute alte Zeit versetzt, uns schleunigst wieder in unsere Gegenwart zurückwünschen.
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Der junge Mann scch erstaunt auf die hübsche Abergläubige, der ihre Sommersprossen allerliebst zu Gesicht standen. Er bot ihr seinen Arm und führte sie fort von dem Ort, an dem sie ihre Sommersprossen los werden wollte, er dafür seine Ruhe verloren hatte. Denn — um es kurz^zu sagen — in den nächsten Tagen schon fand die Verlobung des jungen Paares statt. Ob die Sommerprossen wirklich verschwanden, sagt der alte Bericht über dieses eigentümliche Attentat nicht, aber daß
in diesem Falle die „Sympathie" eine erfreuliche Wirkung hatte, wird man nicht bestreiten können.
*
Eine schöne Schauspielerin verlor eines Tages eine kostbare Brosche. Sie wollte den Vorfall nicht veröffentlichen und fügte sich in ihren Verlust. Da erhielt sie nach einigen Tagen einen Brief folgenden Inhalts: „Hochgeehrtes Fräulein! Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß ich weiß, wo sich Ihre Brosche befindet. Gern würde ich sie Ihnen aus- händigen. Eine Geldbelohnung verlange ich nicht; denn ich halte es für niedrig, von einer Dame, die ich liebe, Geld anzunehmen; anderseits wäre es von mir eine Dummheit, wollte ich Ihnen den verlorenen Gegenstand ohne jegliche Belohnung zurückerstatten. In Anbetracht meiner grenzenlosen Liebe zu Ihnen verlange ich für die Brosche einen Kuß. Morgen, abends um 8 Uhr, werde ich* Sie an der Ecke beim Kurgarten erwarten und, wenn Sie mir nicht die verlangte Belohnung verweigern, Ihnen Ihre Brosche zurückgeben. Einer von Ihren Anbetern.
Die Sache war der Schauspielerin etwas peinlich, und sie wußte nicht, wozu sie sich entschließen sollte. Da kam ihr das Kammermädchen zu Hilse, das sich erbot, für den kurzen Augenblick die Rolle ihrer Herrin zu spielen. Sie verkleidete sich al,o möglichst gut, verhüllte das Gesicht mit einem Schleier, so daß nur der Mund zu sehen war, und begab sich zum Stelldichein. Kaum war sie am bestimmten Ort angelangt, bemerkte sie einen Herrn, der auf sie zutrat.
„Einverstanden?" fragte er kurz. „Einverstanden!" lautete die Antwort.
Im nächsten Augenblick hatte das Mädchen einen herzhaften Kuß auf den Lippen. „Bitte, hier ist auch das Versprochene", sagte der junge Mann liebenswürdig und reichte ihr einen in Papier.gewickelten Gegenstand. „Nur", fügte er hinzu, Dieses Ding ist ebenso falsch wie der Kuß, denn Die sind das Kammermädchen und nicht das Fräulein!
Sprach's und verschwand. — Im Papier lag ein Stückchen Holz.
Hochschulnachrichien.
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Professor Dr. Franz T r i e b s , der em. ord. Pro- fessor für Kirchenrecht in Berlin, feiert am 4 August sein goldenes Doktorjubllaum. Der Jubilar, 1864 in Glogau geboren, promovierte. 1888 in Münster. 1902 habilitierte er sich an der Universität Breslau, wurde dort 1905 sio. Professor 1908 Konsistorialrat und 1910 Oroinarius; seit 1930 ist er emiritiert. Ein Handbuch des kanonischen Ehe- rechts in Vergleichung mit dem deutschen staatlichen Eherecht stammt von ihm, ebenso wie ein Handbuch des Eherechts (4 Bände, 1925 bis 1932).
schen der Mandschurei und dem eigentlichen China bildet. Vielmehr genauer: zwischen der autonomen Mandschurei und dem autonomen Nordchina-Gebiet. Infolge der militärischen Ereignisse bilden zwar beide Gebiete heute bereits eine Art Einheit, aber die Grenze wird doch — von der Großen Mauer ganz abgesehen — von einer nicht minder dickeren „Mauer" von Zollbeamten deutlich genug markiert. Zuerst kommen die mandschurischen Zöllner und kontrollieren das Gepäck mit einer Genauigkeit und Emsigkeit, wie sie nicht einmal an den Grenzen der nach dem Weltkriege neugegründeten Staaten in Europa gehandhabt wurde, denn auch in der Mandschurei sind viele Dinge infolge des Krieges knapp geworden — jeder Kasten und jede Kiste wird aufgebrochen, jede Schachtel durchwühlt, alle Betten, die die Chinesen nach biblischer Reisesitte zusammengerollt auf dem Rücken tragen, müssen aufgewickelt werden, und immer höher türmt sich die Schmuggelware.
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hat noch mehr Freunde. Da ist zum Beispiel Senta, Oie bunte Kuh, die so viel Milch gibt. Und dann ist auch noch Peter da. Peter ist ein würdevoller Ziegenbock, der immer ein wenig grüblerisch aussieht. Er hat einen Bart wie ein ganz alter Mann.
Unlustig gleitet Ursels Blick wieder zum Brief. Draußen ist es wirklich viel schöner als hier drinnen. Sie taucht die Feder ein und sieht nach, ob sie sauber ist. Ja, sie ist ganz sauber. Aber Ursel
Worum kam Grete so blaß von Der See? ®eii fc
vergaß, ihre Haut mit Nivea ein« zureiben. Nivea mindert die Gefahr des Sonnenbrandes und
fördert die natürliche Bräunung.
putzt sie zur Vorsicht nochmal ab. Dabei fällt ihr was ein. „Ich trinke viel Milch", schreibt ste, „und Onkel nimmt mich auch mal mit aufs Feld. Dann fahren wir in einem Wagen, wo zwei Kühe davor sind. Im Garten stehen auch Apfelbäume, aber die Aepfel sind noch ganz grün." Jetzt stockt der Gedankenfluß wieder, und Ursels Blick geht abermals zum Fenster. Eigentlich ist der Brief nun lang genug, und weil jetzt wieder der Jocki kräht, schreibt sie nur noch: „Ich freue mich, daß noch Ferien sind. Herzliche Grüße Eure Ursel."
Was für eine Leistung! Der Brief ist ferttg. Ursel trägt ihn stolz zur Tante, und dann stürmt ste hinaus. Die Tante sieht ihr lächelnd nach, und mit demselben verständnisinnigen Lächeln wird der Brief
z. B. stand ein Badehaus den Unbemittelten zur Verfügung. Solche Kurgäste bewohnten zu mehreren ein Zimmer oder teilten sogar das Bett mit einem anderen Reisenden. Auf einem alten Holzschnitt sieht man, wie außerhalb eines Bades eine ganze Ansiedlung von Zetten, Hütten und Baracken entstanden ist, in denen die mittellosen Kranken untergebracht sind, in Schubkarren werden die Gebrechlichen ins Bad gefahren; dazwischen haben fliegende Händler ihre Buden aufgetan und bieten Eßwaren feil. — Badeärzte aber gab es noch nicht überall. Wer in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges das kleine Bad Grießbach in Baden aussuchte, der mußte nach Straßburg hinüber, um von dortigen Medizinern Rezepte und Badeordnung zu holen. Da diese Gegend von den Schrecken des Krieges noch nicht berührt worden, so diente auch dieser Ort ebensowohl der Zerstreuung durch Spiel, Tanz und Unterhaltung als der Kur.
Daß die in alten Schilderungen immer wieber» kehrenden „Spaziergänge" anspruchsvollere Gaste nicht gerade entzückten, beweist ein Bericht der Markgräfin Wilhelmine, der Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, die in Ems weilte. „Em sehr unangenehmer Ort", meint sie, „von Bergen umgeben, ohne Bäume und Grün, allein das Haus, in dem wir wohnten, war schön und bequem. Zuweilen gingen wir spazieren oder zappelten vielmehr im Schmutz herum. Der Spaziergang besteht in einer Lindenallee, die längs des Flusses gepflanzt ist- man war niemals einsam. Schweine und andere Haustiere waren uns treue Gesellschafter, so daß man sie bei jedem Gange mit dem Stock fortjagen
neränbert niing des Fe i. ^deutsche» ^rn- Unter dein lber Frankreich fi und auch aus [
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am 4. August: äge 4,0 mm. -
Selbst die „aufgewärmte Leiche" — so nennt i man in Fernost jene uralten Autobusse, die ■ geschäftstüchtige „Bastler" aus den Trümmern noch älterer ausrangierter Autos zusammenflicken und auf die Menschheit loslassen — schnauft erleichtert i auf, als sie mit dampfendem Motor und zitternden Flanken, aber sonst wohlbehalten nach dieser wahnwitzigen Parforce-Talfahrt im kühlen Grunde gelandet ist. Seekrank und vollkommen benommen klettern die Menschlein aus der fahrbaren Sardinenbüchse heraus und stürmen den hier wartenden Hilfszug, der von Kupeika — wo diese neue Jehol-Peking-Bahn die „Große Mauer schneidet — entgegengeschickt worden ist. Denn es ließ sich tatsächlich nicht länger verheimlichen: Die neue Bahn war bereits — allerdings durch höhere @e= malt — vor ein paar Tagen gleich an mehreren Stellen zerstört worden: auf der berühmten Spitzkehren-Strecke" waren große Gesteinsmassen niedergegangen, so daß die „aufgewärmte Leiche" gerade diese vom technischen Standpunkt besonders bedeutsame Strecke aus der halsbrecherischen Serpentinenstraße hatte umgehen müssen.
Spitzkehren" — eigenartigerweise bevorzugen die Japaner gerade diese Art der Eisenbahnlinien- sührung im Gebirge mit Vorliebe: eng an die steile Gebirgswand gepreßt, keucht die jeweilige Bahn im technisch größtmöglichsten Steigungswinkel em paar Kilometer aufwärts und „ruht" sich dann auf einem waagrecht geführten, toten Stichgleis ein paar Augenblicke aus, worauf die Maschine von hier aus rückwärts zu fahren beginnt und den Zug keuchend tauf einer zweiten Steilrampe, die mit der ersten einen spitzen Winkel bildet, wieder ein paar Kilo- •meter weit auf die nächst höhere Ruheplattform i hinaufschiebt. Von dieser Plattform aus schleppt sie dann den Zug auf das dritte tote Haltegleis, Das genau über dem ersten liegt ufw. — das Ganze also eine ungeheure mühsame und umständliche „Fahrerei", die die Verwendung langer Züge vollkommen ausschließt und damit auch planmäßige- , Truppenverschiebungen unmöglich macht.
Vom Hilfszug im kühlen Grunde sind diese Jehol- Spitzkehren deutlich zu erkennen: wie eine auf der Schultafel mit Kreide eingezeichnete Zick-Zack-Linie heben sie sich scharf vom blauschwarzen Hintergrund der himmelhohen Gebirgswand ab und immer mehr kommt der neutrale Beobachter zu der Ueber- zeugung, daß diese „strategische" Bahn zunächst für strategische Zwecke überhaupt nicht zu verwenden ist. Man gewinnt vielmehr den Eindruck, als sei diese neue Jehol-Peking-Bahn zunächst nichts weiter als eine Art „K n ü p p e l d a m m", den man durch einen „Morast" gelegt hat, um auf diesem Notbau die Materialien für den eigentlichen Straßenbau heranschleppen zu können. Das dürfte in erster Linie auch Zweck und Aufgabe dieser in sechs kurzen Monaten flüchtig „hingeworfenen oder „verlegten" E.>nbahn sein: sie soll die Voraussetzungen schaffen für den Bau einer wirklich lei- I stungsfähigen Eisenbahn, denn um sie im militärischen Sinne leistungsfähig zu machen, musten die Spitzkehren, auf denen jetzt ein kleines Zwei-Wagen- Züqlein das Jehol-Gebirgsmasstv mühsam überklettert durch einen ober mehrere lange Tunnels ersetzt werben, und ehe diese fertig werden, wird noch viel Wasser ins Gelbe Meer laufen...
Doch das sind spätere Sorgen — rasch hat man sich einen Platz im überfüllten Kupeiku-Zuge erkämpft, der eine Stunde später das gleichnamige Städtchen erreicht, das, unmittelbar am, Fuße der I Großen Mauer gelegen, heute die Grenze zwi-
Badereisen in aller Zeit.
Don Liane von Gentzkow.
Tagesordnung für Badegäste: „Des Margens von 7 bis 8 Uhr sollen sich sämtliche Badgaste mit ihrem Frühstück im großen Saal einfinden. Die, so mcht in das Bad gehen, sollen sich wahrend 9 bis 10 Uhr still, ehrbar und bescheiden auffuhren und mit etwas Nützlichem beschäftigen. 10 bis 12 Uhr ist zum Spazieren bey schönem Wetter, und bey Regen zum Spielen, -Conversieren und unschuldigen Belustigungen gewidmete 12 bis 1 Uhr Mittagessen, 1 bis 2 Uhr Casfee, 5 bis 8 Uhr Spaziergang vor die ganze Gesellschaft, 8 bis 9 Uhr Nachtessen. Don 9 bis 11 Uhr wäre der Tag mit einem- Ehren- tänzlein oder einer anderen angemessenen Ergog- -lichkeit zu beschließen... Während des Badens soll man sich eines ruhigen Benehmens befleißigen, so löblich sonst auch an und für sich das Singen geistlicher Lieder ist, weil die anderen alsdann nicht mit einander sprechen können oder es ste sonj
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
V. Am Ziel.
Peking, im Juli 1938.
Aus neuen Wegen nach dem neuen Peking
Von unserem H.Tr.-Berichtersiatier.
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m einen eigentümlichen Spazierweg wählte sich Lotte Schiller, die aus Lauchstedt an Schiller schreibt, daß sich dicht an ihrem Saus baseinem -rjschler gehörte, eine Wiese befand, und daß ste daselbst einen einsamen Weg bevorzuge, der ganz unbesucht sei, weil dort Gerippe und Knochen von Tieren hingeworfen würden! — Uebrigens gehört Lauchstedt zu den ersten Bädern, in denen Tbea^r- aufführungen den alten Zeitvertreib des Glücksspieles zu verdrängen begannen.
Mit dem „Komfort" war es eben auch um 1800 noch schlecht bestellt, selbst in so atten angesehenen Kurorten wie Wiesbaden. Verdrießlich berichtet darüber Frau von Stein, die im Mai 1789 im Gasthof 3um Adler abstieg, wo sich eine Heilquelle befand. Die Bäder seien wenig einladend, aber ^ behielte wenigstens jeder seine eigene Wanne. Den Ort fand sie ärmlich/auf schlecht gepflasterten Straßen gelangte man zur Promenade, die wenig besucht sei. Jin Bade las sie Märchen, die im eaal des Gastes ein alter Mann für ein paar Kreuzer auslieh.
Diese „Leihbibliothek" in einem Weltbad, dte
erfreut ist. . ...
Sichtlich „erleichtert" verfrachten sich mit säuerlichen Gesichtern die merklich dünner gewordenen Chinesen — unglaublich, was ein Chinese unter seinem langen, weiten Jschang alles verpacken kann — in dem neuen Zuge, der ebenfalls nur aus zwei Wagen besteht und der täglich einmal zwischen Kupeiku und Peking hin und her pendelt. Dieses Kupeiku - ein kleines sauberes Städtchen — ist in den alten Zeiten eine wichtige Grenzfestung gewesen: es liegt mitten in einem kleinen Talkessel, in den von beiden Seiten, von den hohen Bergen herab, die „Große Mauer" hineinschießt. Diese^einst zum Schutz gegen die „nordöstlichen Barbaren" angelegte, unübersteigbare Riesenmauer hat die neue Eisenbahn mühelos „durchstoßen" — langsam, fast ein wenig feierlich, rollt der kleine Zug durch die breite Lücke in das eigentliche, ewige, uralte China
Mitreisenden Japaner als ausgesprochene „Minder- i heit" recht unbehaglich zu fühlen scheinen. Sie ge- > hören zumeist jener Klasse von betriebsamen Kleinhändlern an, die heute zu Hunderten und Tausenden Nordchina und die besetzten Gebiete überschwemmen, um überall Laden und Lädchen, Buden und Büdchen einzurichten, von denen aus der Strom der spottbilligen japanischen Massenwaren in das weite China hineingeleitet werden soll.
So wie die Dinge heute Liegen, braucht dieser Kleinkaufmann, der sich überall einzunisten versucht, im Zeichen des verschärften Guerilla-Krieges natürlich militärischen Schutz, aber üierkwürdigerweise ist auch auf dieser Fahrt von Kupeiku nach Peking längs der Bahn nicht ein einziger Wachsoldat zu entdecken. Fühlen sich die Japaner in diesen nördlichen, vom eigentlichen Kriegsschauplatz wett abgelegenen Gebieten wirklich so sicher oder brauchen sie tatsächlich jeden Mann an der Front? Oder schützen sie nur die wirklich für die Armee lebenswichtigen Bahnen, wie die großen Nordsüdoerbindungen von Peking nach Hankau und von Tientsin nach Nanking, die trotzdem alle Augenblicke, und zwar immer für mehrere Tage unterbrochen sind, weil die geschickt operierenden Guerillaabteilungen oft Hunderte von Metern Oberbaues einfach abmontieren? Angenehm ist jedenfalls so eine Bahnfahrt auch im Etappengebiet nicht: einmal schleicht der Zug nur mit Trambahn-Geschwindigkeit dahin, und das Gefühl, jeden Augenblick aus irgendeinem Busch oder Wäldchen beschossen werden zu können, trägt erst recht nicht zur Steigerung der Reisesreudiakett bei.
Unerhört fruchtbar ist dieses Gebiet nördlich Pekings. Feld reiht sich an Feld und Garten an Garten, auf der Landstraße lebhafter Verkehr: Kamelkarawanen, Autobusse, Taxis, Rikschas, schwitzende Kulis, die ungeschlachtene Schiebkarren vor sich herschieben, aus denen dicke Frauen mit । drei und mehr Kindern hocken und sich behaglich unter dem großen Sonnenschirm die „Gegend" besehen, aber sonst nirgends ein - '"x
I nichts, was an Krieg erinnert. Denn die @uerma: -
! Formationen stecken in den unzugänglichen Bergen, > Fabrikmarke fuhrt...
„Und vergiß nur nicht zu schreiben , waren Muttis letzte Worte gewesen, ehe der Zug aus der Halle fuhr. „Ja, ich schreibe, Mutti", hatte Ursel eifrig gerufen und dabei immerfort mit dem Taschentuch gewinkt. Aber dann war der Zug schon aus dem Bahnhof heraus, und es gab immer wieder etwas Neues zu sehen. Wundervoll war die ganze Reise und wundervoll die Ankunft bei den Verwandten auf dem Lande. Im vorigen Jahre hatte Ursel bereits ihre Ferien hier verlebt, und nun konnte sie ein herrliches Wiedersehen feiern. Gab es etwas Schöneres?
Doch nun sitzt Ursel in Tantes Stube und schreibt einen Brief. Es ist gar nicht so leicht, einen Brief zu schreiben, wahrhaftig nicht. Deshalb hat Ursel zunächst auch nur eine Karte geschickt. Es war eine hübsche Ansicht darauf, und zu Hause haben sie sich gefreut. Aber Mutti will etwas mehr wissen, was Ursel treibt, und wie es überhaupt aussieht. Ursel seufzt, sie will ja gern Muttis Wunsch erfüllen, wenn es nur nicht so schwer wäre. Schließlich taucht sie energisch den Federhalter ins Tintenfaß.
„Liebe Mutti und lieber Vati!" So, das steht groß und deutlich lesbar auf dem Bogen, der Anfang ist gemacht. „Hier ist es sehr schön, und es gefällt mir gut bei Onkel und Tante." Ursel stutzt den Kopf nachdenklich auf den Arm. Ihr Blick wandert zum Fenster. Das Fenster steht offen und von drnußen bringt die warme Luft herein. Jetzt läßt Jocki, der Hahn, sein kriegerisches Krähen vernehmen. Ursel ist ganz Ohr, Jocki hat sie in ihr
Merkwürdige Geschichte mit zwei Küssen.
Don Adolf 7ieß.
Das geschah in alter Zeit, als man noch -allenthalben an Wundermittel und ihre unfehlbare Wirkung glaubte, als man noch auf die „Sympathien schwur. Da ging ein junaer Mann in einem Park, in dem ein kleiner Bach floß, spazieren. Eine Dame begegnete ihm, die einen Schleier dicht vor das Gesicht gezogen hatte und in den Händen einen welken Zweig trug. Aengstlich forschend betrachtete sie ihn, und als sie dicht an ihn herangekommen war, breitete sie plötzlich die Arme aus, warf den Zweig hinter sich und schloß den jungen Mann m ihre Arme. Zwei Küsse brannten auf seinen Wangen. Noch ehe er sich von feiner Überraschung und seinem frohen Erstaunen — die Dame war jung und hübsch — erholt hatte, stammelte die sonderbare Attentäterin unter Schluchzen: „Denken Sie von mir was Sie wollen, aber ich konnte nicht anders.
Damit wollte sie rasch entfliehen, aber der junge Mann hielt sie fest, zog ihr die Hände vom Gesicht, sah in ihre tränenüberströmten Augen, und, indem er sie zu beruhigen suchte, fragte er, durch welchen himmlischen Zufall er zu diesem Glück gekommen sei. Da zog die immer noch Schluchzende ein kleines Buch aus der Tasche, deutete mit dem Finger auf eine Stelle, und der junge Mann las: „Unfehlbares Mittel gegen Sommersprossen. Gehe an einem Vormittag an einem Wasser entlang, trage dabei, ohne ein Wort zu sprechen, einen welken Zweig in den Händen, und den ersten jungen Mann, der dir ent- qeqenkomrnt und dessen Aeußeres dir woh gefallt, küsse, den Zweig hinter dich werfend, auf beide
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So hatten sich die Gäste des Bades Neu-Schauen- burg bei Basel im 18. Jahrhundert zu benehmen Man sieht, es ging nicht allzu aufregend zu, t tz des „Ehrentänzleins", aber für die Gesundheit war solche Badeordnung gewiß ganz zuträglich.
Unsere Altvordern haben seit dem späteren Mitte - alter, als Badereisen immer allgemeiner w"?oen, einen solchen Aufenthalt häufig auch nur 3um Zw des Vergnügens genommen, und namentlich oie Frauen sahen eine Badereise als ihr gutes Recht an. Man badete in alter Zeit sehr ungeniert n großen Bassins, Männer, Frauen und Kinder zusammen, Musikanten sorgten für Unterhaltung, un die Badenden nahmen auf schwimmenden -bischen Essen und Trinken zu sich. Erst spät im 17. Iah - hundert ist eine allgemeine Trennung der ive- schlechter durchgeführt. .. . .
Im Jahre 1566 erschien bereits in Frankfurt em „Badenfahrtbüchlein", das den erholungsbedürftigen Reisenden riet, wohin sie zu gehen hätten um allerlei „Leibbeschwerden" loszuwerden. Der Mai, aver auch der Herbst, wurden am liebsten zu K^ren benutzt, die Gäste stiegen in Badehäusern, den Bvr- Qängern der Kurhotels, ab, brachten Lebensmittel Vorräte mit und bereiteten ihre Mahlzeiten auch wohl selbst. Der Konkurrenzkampf der damaligen Hotelbesitzer scheint manchmal etwas leidenfchasl- liche Formen angenommen zu haben, denn im 17. Jahrhundert mußte den Badewirten das erscheinen vor den Toren Wiesbadens verboten werden, wo sie sich gegenseitig die neu ankommenden Gäste wegfingen.
Der Gebrauch der Bäder war keineswegs em
die sich schwarzblau am Horizont abheben, und von denen aus sie ihre raschen Vorstöße in die Ebene machen. Gewiegte Burschen, die jeden Weg und Steg kennen und die einfach nicht zu fassen sind. Allerdings: wirklich große Erfolge haben sie bisher noch nicht erringen können.
Nun, diesmal geht die Fahrt auf neuen Wegen, nach dem neuen Peking ohne weitere Zwischenfälle zu Ende: dichter werden die Siedlungen, der dünne Fluß der Menschen auf der Landstraße wird zum Strom, Pagoden, Tempel und steinerne Gedenk- bogen tauchen auf und werden immer zahlreicher, und grat) als sich die Sonne zum Untergang anschickt, erreicht das Züglein die grauen Mauerkolosse der ewigen Stadt. Das-Volk im Waaen beginnt zu packen, und aufseufzend hält die Maschine im Hauptbahnhof Peking an. Noch etwas benommen von der langen Reise wandert man durch die verschiedenen Polizeisperren, denn in ihrer Art war diese kleine Reise doch ein Erlebnis: noch vor einem Menschenalter ließ sich die letzte Kaiserin von Peking aus in der Sänfte nach dem fernen Jehol tragen, und noch vor wenigen Jahren unter» Hedin eine regelrechte Expedl - !r alten Tempelstadt — heute legt
t i o n nach der alten Tempelstadt — heute legt man die gleiche Reise, wenn auch etwas unbequem, in einem läge mit der Eisenbah n zurück, und über ein kleines wird man mit dem Schnellzug zum Weekend nach dem gleichen Jehol brausen können. Vorausgesetzt, daß — ja richtig! Die Hauptsache! Der Knalleffekt oder die Schlußpointe dieser kleinen Reise: Als man am andern Morgen im Hotel die Morgenzeitung aufschlua, konnte man dort eine kleine, unscheinbare Notiz lesen, die trocken und sachlich vermeldete, daß es einer Bandi- tenabteilung gelungen sei, die große neue H o l z b r ü ck e der Eisenbahnstrecke Peking—Jehol bei Kupeiku in Brand zu stecken! Verbindung mit Jehol bis auf weiteres unterbrochen! „Wieder ne ut- mal Schwein gehabt!" sagt der Chronist und steckte
n Soldat und sich eine chinesische Zigarette an, die allen Ernstes .Pirat" heißt und einen ebensolchen Piraten als
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