Montag, 4. Juli O38
188. Jahrgang
Nr. 153 Erstes Blatt
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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K o m o t a u, 3. Juli. (DNB.) Unter der Leitung des Bundesführers Gottfried Wehrenpfennig fand am Samstag in Komotau, der Feststadt des diesjährigen „Festes aller Deutschen" eine Feierstunde zur Verleihung des sudetendeutschen Schrifttumspreises statt. Wehrenpfennig begrüßte den diesjährigen Preisträger des sudetendeutschen Schrifttumspreises, Karl Franz L e p p a, einen Sohn des Böhmer Waldes, und hob die Bedeutung des Tages für das Sudetendeutschtum in Zeiten schwerster Not hervor. Nach Ueberreichung der Urkunde sprach Leppa seinen Dank aus im Namen aller sudetendeutschen Dichter, die dazu beigetragen hätten, den Volksgedanken im Suüetendeutschtum zu stärken. Nach der Feierstunde begab sich der Bundesführer in Begleitung der sudetendeutschen Jugendführung zur Eröffnung des Jugendzeltlagers. In einer Ansprache sagte er u. a., es sei dies das erste Fest des Bundes der Deutschen, an dem die sudetendeutsche Jugend einig und geschlossen als einheitlicher Verband zur Teilnahme am Feste antrete. Die Jugend trage nun das Wesen der Gemeinschaft in ihrer Seele und werde es nie mehr herausgeben.
Am Sonntag zog eine unübersehbare Menschenmenge in mustergültiger Ordnung und Disziplin durch die Straßen, die reichsten Fahnenschmuck zeigten. Es herrschte Jubel und Freude. Heilrufe und deutsche Lieder grüßten die ununterbrochen eintreffenden Kolonnen der sudetendeutschen Bewegung, die Spielmannszüge der Jungturnerschaft, die Formationen des sudetendeutschen Arbeitsdienstes und die Trachtengruppen. Aus allen Teilen des sudetendeutschen Siedlungsgebietes waren Abordnungen erschienen. Es zeigte sich, daß der „Bund der Deutschen" heute eine Bewegung darstellt, tue die ganze sudetendeutsche Bevölkerung erfaßt hat.
Der Vormittag war der Arbeit gewidmet. In der Hauptversammlung des Bundes erstatteten die Amtswalter ihre Tätigkeitsberichte. Der Beauftragte Konrad Henleins für Volksorganisation, Abg. Ingenieur Franz Künzel, erklärte: Heute ist die gesamte Volksgruppe in allen ihren Bereichen den Angriffen der nationalen Gegner ausgesetzt.
Deutsch-polnische Fronikämpfer-Kameradschafi
Oie Frontkämpfer arbeiten für das gegenseitige Verstehenwollen ihrer Völker.
dem Gouverneur Karpathorußlands beratend zur Seite sicht, und einigen anderen unwesentlichen Zugeständnissen bestand. Die bodenständige karpacho- rufsische Bevölkerung lehnte diese Scheinlösung ihrer wichtigsten Lebensfrage mit aller Entschiedenheit ab und erklärte in eindrucksvollen Kundgebungen, von ihrer ursprünglichen Forderung einer vollständigen Autonomie nicht abzugehen und diese bis zum Siege zu kämpfen.
Die nunmehr restlos vollzogene politische Einigung des Sudetendeutschtums und dessen verschärfter Kampf um Lebensrecht und Selbstverwaltung haben auch dem politischen und nationalen Lebenswillen des ruthenifchen Volkes neuen Auftrieb gegeben. Es steht heute mit den Sudetendeutschen, Slowaken, Polen und Magyaren in einer Fro nt im Kampf gegen nationale Unduldsamkeit, Luge, Haß und Terror, es steht in einer Front im Kampf für eine bessere Zukunft der unterdrückten und ent- rechteten Völker« D. S.
bildeten. £
Am Sonntagoormittag legte R-lchskri-gsopf-r- sichrer Oberlindober am Grabe des Unbekannten Soldaten im Belvedere-Schloß und vor dem Haus, das Pilsudski 1918 in Magdeburg bewohnte, Kranze nieder. Das Haus wurde in Magdeburg abgetragen und neben dem Belvedere-Schloß wieder auf- gebaut Der Vorsitzende des Verbandes polnischer Frontkämpfer, General Dr. Gorecki, gab am Sonntagmittag für die deutsche Frontkämpferabordnung einen Empfang, dem als Gäste auch der polnische Kriegsminister General K a s p r z y ck i, der stellvertretende Chef des polnischen Generalstabes Malinowski, der Berliner polnische Botschafter Lipski, der deutsche Botschafter von M o l t k e und der Vizepräsident der Stadt Warschau, Ol-
zwanzigjährige Schulpolitik der Tschechen erbrachte den Nachweis, daß die Tschechen mit allen Mitteln bestrebt sind, die Heranbildung dieser bodenständigen Intelligenz zu verhindern. Hier genücsi der Hinweis,- daß die Buchenen weniger Mittelschulklassen besitzen als die Tschechen, obgleich diese Nicht einmal den zehnten Teil der ruthenifchen Volkszahl erreichen.
Derarttge Beispiele planmäßiger Unterdrückung und Entrechtung ließen sich auf allen Gebieten des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens anführen. Trotzdem ist den Prager Machthabern nicht gelungen, die eigenen feierlichen Versprechungen noch die Forderungen des ruthenifchen Volkes aus der Welt zu schaffen. Sie sahen sich daher im vergangenen Jahre genötigt, eine Lösung der kar- pathorussrschen Autonomiefrage zu veranlassen, die von der tschechischen Presse als große Tat gefeiert wurdet in Wirklichkeit aber nur in der Gründung | eines ' sogenannten „G u b e r n i a l r a t e ß", der
Die den Ruthenen gegebenen Zusicherungen wur- , den in der tschechoslowakischen Staatsverfassung und ; in den Mindecheiten-Schutzverträgen verankert. Der • 8 3 der Derfassungsurkunde der Tschechoslowakischen Republik sichert dem karpachorussischen Gebiet, das „auf Grund freiwilligen Anschlusses" ein unteilbarer Bestandteil des tschechoslowakischen Staates geworden ist, „weiteste Autonomie" zu. Ein eigener Landtag, mit selbstgewähltem Präsidium, ist „zur Beschlußfassung über Gesetze in Angelegenheiten der Sprache, des Unterrichts, der Religion, der örtlichen Verwaltung sowie auch in anderen Angelegenheiten zuständig". Der an der Spitze des Landes stehende Gouverneur ist neben der Prager Regierung auch dem tarpathorussischen Landtag verantwortlich. Schließlich sollen die Staatsbeamten und öffentlichen Funktionäre Karpathorußlands „nach Tunlichkeit aus dessen Bevölkerung entnommen werden .
Von diesen und anderen feierlich übernommenen Verpflichtungen hat die tschechoslowakische Regierung bis zum heutigen Tage, also in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten, nichts erfüllt. Sie hat Ader einen eigenen karpachorussischen Landtag geschaffen, noch hat sie die bodenständige Bevölkerung bn der Besetzung der staatlichen und öffentlichen Ämter berücksichtigt. Alle Versprechungen blieben am Papier. Wortbruch und Luge auch hier. Genau Mbas sudet-nb-E- Glbj-t würbe auch Kar- ständige Methoden
du entfremden ^chen
dienen diesem Ziele. Sie beginneno « Volkszählung, bei der bieanschftge ye f. Qs
völkerung in sage und schreibe / $arpö. nalitäten unterteilt werden:Ukra ner Mai
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aus bem9 Bestreben heraus, das bodenständige P ll^cke Leben zu zerstören. Noch im Jahre 1930 stauben den 450 925 Rhenen nur 34 511 2W* und Slowaken gegenüber, neben 115 805 Ungarn,
Warschau, 2. Juli. (DNB.) Am Samstagabend traf in Warschau die deutsche Frontkämpferabordnung ein, die den Besuch des Generals Gorecki, des Führers der polnischen Frontkämpferverbände, im vergangenen Herbst in Berlin erwidert. Die deutsche Abordnung wird von Reichs- kriegsopferführer Oberlindober geführt. In feiner Begleitung befinden sich auch Oberbürgermeister Dr. M a r k m a n n (Magdeburg), der Polen das ehemalige Wohnhaus Marschall Pilsudskis tn Magdeburg zum Geschenk gemacht hat, sowie Vertreter des Reichsarbeitsministeriums. Für die deutsche Frontkämpferabordnung fand Samstagabend im Warschauer Rathaus ein Em p f a n g statt. Stabtprästb-nt Starz Y n s k - dankt- für L--U-b-r- laffunq des ehemaligen P-Ifulbskl-Haufes in Mägde- bürg. Reichskriegsopserführer Oberlindober unterstrich, daß Deutschland und Polen einen gemeinsamen Wall gegen den asiatischen Bolschewismus
in der Tschecho-Glowakei.
Die Hof hat uns zu einer S chicksalsge- i meinschaft zusammengeführl. Wenn wir feststellen tönen, daß mehr als 300 000 Sudelen- deutfche in der SDP. vereinigt sind, dann dürfen wir schließlich behaupten, daß unsere Partei schlechthin die Volksorganisation und damit auch der Trager der gesamten völkischen Arbeit ist. Ihr Wirken gilt im Sinne der Schicksalsgemeinschaft dem notwendigerweise einheitlichen politischen Ziel. So ist die Partei auch Trager der völkischen Selbstverwaltung. Es ist folglich nur zu verständlich, daß sich die verschiedenen Verbände und Vereine, die das Sudetendeutschtum betreuen, der einheitlichen Führung unterordnen. Deshalb haben wir auch die wichtigsten völkischen Verbände n a ch A u s s i g geladen, wo wir die Gründung eines sudetendeutschen
Verbandes vornehmen wollen.
Für uns Sudetendeutfche muß jede Arbeit, die im Rahmen der Volksgemeinschaft geleistet wird, nach den politischen Erfordernissen unseres Landes ausgerüstet sein. Wir sind uns deshalb darüber klar geworden, daß als Träger unserer Volkstumsarbeit in Zukunft zwei Organisationsformen in Frage kommen: auf der einen Seite die Parteiorganisation mit ihren festen, die Gesamtheit unserer Volksgenossen umfassenden örtlichen Parteigemeinden und anderseits jene Organisationsformen, die uns d u r ch die S e l b st v e r w a l t u n g s - rechte gegeben sind, die uns Deutschen hierzulande eingeräumt wurden oder noch eingeräumt werden müssen. Wir werden die Gemeinden als solche anleiten, die völkischen Angelegenheiten, die bisher den Volkstumsverbänden vorbehalten waren, in ihrem- Bereich mitzugestalten. Unsere örtliche S e l b st v e r w a l t u n g soll ein Beispiel wirklicher völkischer Selbstverwaltung sein. Man kann uns in keinem Falle jene Selbstverwaltung
pinski, beiwohnten, der gleichzeitig der Vorsitzende des polnischen Frontkämpferverbandes für die Wojewodschaft Warschau ist.
General Gorecki
erklärte: Mit aufrichtiger Genugtuung könne fest- gestellt werden, daß die deutsch-polnische Entspannung, die dem genialen Fernblick zweier Staatsmänner und zweier Frontkämpfer, des deutschen Führers Adolf Hitler und des polnischen Marschalls Pilsudski, zu verdanken ist, sich nicht nur als eine zeitweilige Zwischenlösung erwiesen, sondern bereits die Zeitprobe bestanden habe. Aus der Entspannung fet ein gegenseitiges vertrauensvolles Bestreben erwachsen, feste Grundlagen für eine auf weite Sicht berechnete politische Zusammenarbeit zu schaffen. Das Ziel dieser Zusammenarbeit sti der aufrichtige Wille, den europäischen Frieden nicht nur nicht zu gefährden, sondern ihn nach Menschenkräften in jenem politisch-geographischen Gebiet zu festigen, das noch vor wenigen Jahren als besonders bedroht und unh'eilschwanger gegolten hat. Das Ziel dieser Zusammenarbeit müsse den Frontkämpfern besonders am Herzen liegen. Sie hätten die Bereitschaft gezeigt, das höchste Opfer zu Ehren ihres Vaterlandes darzubringen. Die Frontkämpfer hatten das Erhebende und das Bedrückende, den Ruhm und - den Schrecken des Schützengrabens kennengelernt. Wenn die Regierungen ihren Friedens- aufgaben gerecht werden wollen, so müßten sie sich auf die Stimmung und das gegenseitige D e r - stehenwollen ihrer Völker verlassen können. Hierbei hätten die Frontkämpfer besondere Aufgaben zu erfüllen.
nehmen, die wir schon heute in der Sudetendeutschen Partei praktisch verwirklicht haben.
Mittags füllte eine nach Zehntausenden zählende Menge den Marktplatz und die Zufahrtsstraßen. Unbeschreiblicher Jubel begrüßte Konrad Hen- lein, der den Vorbeimarsch abnahm. Im Zuge schritten jung und alt. Auf dem Marktplatz überreichte Wehrenpfennig dem Führer der Sudetendeutschen, Konrad Henlein, das erste Goldene Ehrenz ei chen des Bundes der Deutsch e n. In seinen Ausführungen erklärte Wehrenpfennig unter tosendem Beifall: „Ich bekenne mich mit euch und für euch zur n a t i o n a l s o z i a l i- stischenWeltanschauung. Diese Bezeichnung könnte man ja vielleicht verbieten, aber eine Weltanschauung selbst läßt sich nicht verwehren, keine Macht der Welt ist imstande, sie aufzuhalten: denn Weltanschauung ist nicht ein Spiel der Gedanken, eine Lehre, die dieser oder jener Mensch ausgeklügelt hat, sondern Weltanschauung kommt aus der Kraft eines neuen inneren Lebe n s , ist die Kraft, die den ganzen Menschen packt und von der sich niemand wieder lösen kann." Mit nicht endenwollendem Beifall und Heil-Rufen begrüßt nahm dann Konrad Henlein das Wort: „Man kann uns knechten, aber nicht vernichten. Man kann uns drücken, kann uns bitter behandeln, aber man kann Unseren Geist und Willen nicht totmachen."
ßmeufer Schritt
Englands und Frankreichs in Prag.
London. 4. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die meisten Londoner Worgenblätter bringen eine Reuler-Weldung oder eine ähnliche Verlautbarung ihrer Prager Korrespondenten, daß England und Frankreich durch ihre Gesandten in Prag be Hodza wiederum vorstellig wurden, um die Lösung des Winderheitenproblems L in der Tschecho-Slowakei zu beschleunigen.
Das Kost aller Deuischen in Komoiau.
Oie Gudetendeuische Partei Träger der völkischen Selbstverwaltung der Deutschen
Reichskriegsopserführer Oberlindober brachte den herzlichen Dank der deutschen Frontkämpferabordnung zum Ausdruck und überbrachte die Grüße des Präsidenten der Vereinigung deutscher Frontkämpferoerbände, des Herzogs von Koburg. Die Frontsoldaten seien dadurch besonders gekennzeichnet, daß sie ihrem Land und Volk ihren Tribut entrichtet haben. Deshalb schätzen gerade die Frontsoldaten die Leistungen der Kamercäen eines anderen Volkes. Der Reichsbriegsopferführer erinnerte daran, daß sowcchl Marschall Pilsudski als auch der Führer Adolf Hitler am 6. August 1914 zwei unbekannte Männer waren. Wenige Jahre später seien beide die anerkannten Führer ihrer Nation gerade durch ihre grenzenlose Hingabe an ihr Volk geworden. Die Sprache der Frontsoldaten sei keine diplomatische. Die Frontsoldaten sprächen frei heraus die Sprache des Schützengrabens. Jedoch wollten sie gerade als Frontkämpfer das Werk der Diplomatie unterstützen. Man sollte an die Leistungen der Frontsoldaten uNÄ ihre Opfer nicht nur am Heldengedenktag denken, sondern sich ihrer stets erinnern. Denn gerade die Frontsoldaten geben durch chre Kameradschaft den Beweis dafür, daß auch die verschiedenen Völker zu echter Kameradschaft und Zusammenarbeit fähig sind. Aus den zehn Millionen Gräbern des Weltkrieges müsse neues Leben für die Völker der Welt erwachsen. In dem Sinne kameradschaftlicher Zusammenarbeit seien die Frontsoldaten bestes Vorbild für die Jugend.
Oie Ruthenen kämpfen um ihr Recht.
Die sich überstürzenden Ereignisse der letzten Wochen und Monate lassen die Tschechoslowakei immer klarer als den gefährlichsten Unruheherd Europas erscheinen. Dieses Land, von seiner Regierung immer wieder als der konsolidierteste Staat Nachkriegseuropas. bezeichnet, erweist sich in Wahr- , heit als jener Staat, dem die geringste innere Festigkeit und Geschlossenheit zu eigen ist. Nicht nur die 3,5 Millionen Sudetendeutschen, sondern auch die Slowaken und Ungarn, die Ruthenen und Polen melden immer eindringlicher ihre grundsätzlichen Forderungen an, deren Erfüllung nichts anderes als eine völlige Abkehr von Prag bedeutet.
Zu den von der tschechoslowakischen Staatsführung am stärksten benachteiligten Volksgruppen zählen unstreitig die Ruthenen, die den überwiegenden Teil Karpathorußlands, den ösllichsten Teil des tschechoslowakischen Vielvölkerstaates besiedeln. Sie haben sich nicht nur über die ständige Benachteiligung und Unterdrückung zu beklagen, die als hervorstechendstes Merkmal tschechischer Minderheitenpolitik bezeichnet werden muh, sie haben außerdem — gleich den Sudetendeutschen und Slowaken — das Recht, der Prager Regierung den schweren Vorwurf wiederholten Verfassungs- und Wortbruches zu machen.
Als die tschechische Revolutionsbewegung während des Weltkrieges die Gründung des tschechoslowakischen Staates vorbereitete, vermochte sie ihren Anspruch auf das von Ruthenen besiedelte Gebiet Oberungarns weder mit historischen, geographischen noch mtt wirtschaftlichen Gründen nachzuweisen. Auch nationalpolitisch konnte ein Anspruch nicht begründet werden, da es bis 1918 im karpachorussischen Gebiet nicht einen einzigen Tschechen gab. Lediglich strategische Gründe sprachen für die Eingliederung dieses Gebietes in den neu zu schaffenden tschechischen Staat, denn es sicherte die direkte Verbindung zu Rumänien, diente damit der Einkreisung Ungarns und war als wichtigste Brücke zum weiteren „slawischen Osten", d. h. zu Sowjetrußland, zu werten. Im Sommer 1918 trat deshalb Professor Masaryk, der Führer der tschechischen Auslandsreoolution, mit dem Führer der amerikanischen Ruchenen, Dr. Zatkovtc, in Verbindung, um die Zustimmung der Vertreter der mehrere hunderttausend Seelen zählenden ruthe- mschen Volksgruppe in Amerika zu einer Vereinigung des ruthenifchen Gebietes Oberungarns mit dem tschechoslowakischen Staate zu erlangen. Die Verhandlungen führten zu einem Erfolg für Masaryk. Arn 3. Oktober 1918 beschloß der ruthenlsche Nationalrat in Amerika auf einer Tagung tn Scranton, dieses Gebiet als autonomes Gebiet der Tschechoslowakei anzugliedern. Dieser Beschluß wurde am 15. Mai 1919 auch von den ruthenischen Wortführern in der alten Heimat gebilligt, wobei neuerdings die v o l l st ä n d i g e Autonomie als Voraussetzung für den Anschluß bezeichnet wurde.
So tarn es zur Eingliederung dieses Landes, das den Namen „Podkarpatska Rus" (d.h. das unter den Karpathen liegende Rußland) erhielt, an den tschechoslowakischen Staat.
95 008 Juden, 13 804 Deutschen und 12 777 Rumänen. Die tschechische Absicht tritt noch deutlicher zu Tage, wenn man berücksichtigt, daß die einzelnen tschechischen Parteien in Karpathorußland regelmäßig mit mehreren Kandidaten listen in den Wahlkampf gehen. So unterhalten die tschechischen Sozialisten allein drei ruchenische Parteien, während — um ein besonders drastisches Beispiel zu nennen — die tschechischen Agrarier bet Den letzten Gemeindewahlen in Chust mit nicht weniger als elf verschiedenen Kandidatenlisten (Unterparteien) in den Wahlkampf gingen.
Besonders kennzeichnend ist die Lage auf dem Gebiete des Schulwesens. In den ersten^Nachkriegs- jähren beantworteten die Tschechen alle ruthenifchen Beschwerden, die die Einführung der zugesicherten Autonomie forderten, mit dem Hinweis, daß die einheimische karpathorussische Bevölkerung weder die Intelligenz noch die politische und moralische Reife besitze, um sich selbst verwalten zu können. Die


