Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.
Briefe von einer Afrika-Reise.
Äon Or. Paul Rohrbach.
der Ausdruck allgemeiner Fest'/immung; als Kuriosum sei erwähnt das Singspiel „Pfingsten in Florenz" von Alphons S z i b u l k a , der in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein volkstümlicher Wiener Kapellmeister gewesen ist.
In neuester Zeit wurde der pfingstliche Gedanke in eine würdige, begeisterte und zudem zeitgemäße Form gebracht von dem deutsch-baltischen Dichter und Komponisten Carl Hunnius; sein hymnisch gehaltenes Pfingstlied bearbeitete er als vierstimmigen A-cappella-C^or. Worte und Weisen erstreben hier inr Sinne und Geiste Bachs den versöhnenden Gedanken eines Dölkerpfingsten: „Nicht unfruchtbarer Haß, Gott, der die Liebe, wird die Welt entzünden ... daß im Derheißungstempel neu die Völker sich im heiligen Geist verbünden!"
Hans Sturm.
Schatzkammer Alaska.
Äon Otto Eorbach
Am 18. Oktober 1867 holte eine kleine Gruppe russischer Soldaten bei dem Städtchen Gitta, dem Sitz der russischen Verwaltung über Alaska, d i e Flagge des Zaren herunter, worauf ein Häuflein uniformierter Amerikaner das Banner der Streifen und Sterne aufzogen. Unachtsamerweise hatte man die russische Flagge auf Bajonettspitzen fallen lassen, die sie beschädigten. Das bedeutete nichts Gutes, raunten sich die Zuschauer abergläubisch zu. Die Anführer gaben kurze Erklärungen ab und ließen Salutschüsse abfeuern. Damit galt der Uebergang eines Gebietes von der dreifachen Größe Deutschlands aus russischen in amerikanischen Besitz als vollzogen.
Die Reichtümer, die mit der Zeit aus alaskischen Quellen nach den Vereinigten Staaten flSsstn, riefen nachträglich den Eindruck hervor, als habe Onkel Sam dieses lohnende Ausbeutungsfsld durch überlegene Schläue für die lächerlich geringe Summe von 7200000 Dollar an sich gebracht. In Wirklichkeit wollten die Russen durch den Verkauf nur verhindern, daß das damals über alles gefürchtete seegewaltige E n g l a n d sich früher ober später in so dichter Nachbarschaft Sibiriens festsetze, und auch auf amerikanischer Seite hatte man noch keine Ahnung von den ungehobenen Schätzen, die hinter unwirtlichen Gestaden in alaskischer Erde schlummerten. Im Kongreß zu Washington empfand man die Erwerbung sogar als eine Last, die man einer „Torheit" des Staatssekretärs S e w a r d zu danken habe, und noch nach Jahren konnte der Neuyarker Abgeordnete Ferri e s, ohne sich lächerlich zu machen, vorschlagen, man solle das Sündengeld von 7,2 Millionen Dollar „irgendeiner europäischen, asiatischen oder afrikanischen Macht" draufzahlen, bie sich „eine Konzession auf den ganzen Distrikt Alaska" erteilen lassen wolle. Ein anderer Volksvertreter regte an, Sträfling e dorthin zu verschicken, und dieser in die allgemeine öffentliche Verlegenheit geworfene Stein zog seine Kreise bis zum Jahre 1891.
Ein wirkliches, dafür um so engherzigeres Verständnis für die Verwertbarkeit Alaskas entwickelte sich nur im „Dritten Hause", wie man schon damals scherzhaft den Kreis der „Lobbysten" nannte, die sich in den Wandelgänaen des Kongreßgebäudes an Regierungsvertreter, Abgeordnete und Senatoren heranmachten, um sie zugunsten der großen Geschäftswelt zu beeinflussen. Die Natur hatte dafür gesorgt, daß die Hilfsquellen Alaskas vorerst nur über wenige eisfreie Häfen an der pazifischen Küste angezapft werden konnten. Vereiste Gewässer, Bergketten und Gletscher sperrten andere Zugänge. Das hatte schon unter den Russen eine Monopolwirtschaft in den Händen einer einzigen Gesellschaft erleichtert, deren Hauptaktionäre Mitglieder und Günstlinge der Zarenfamilie waren. Die zahlreichen Trapper und Händler, die seit 1741, wo Vitus Behring an der alaskischen Küste landete, von der asiatischen auf die amerikanische Seite des Pazifik überwechselten, mußten das Feld räumen, sobald 1779 die „russisch-amerikanische Gesellschaft" ihre ausschließlichen Rechte in Anspruch nahm. Diese trieb zwar in bescheidenem Umfange mit Sträflingen aus Sibirien auch Bergbau, beschränkte sick aber hauptsächlich auf das gewinnreiche Pelzgeschäft und die Fischerei. Es genügte ihr, daß niemand ohne ihren Willen auf alaskischem Boden etwas unternehmen durfte; die Aufschließung des Landes außerhalb der bequemen südöstlichen Küstenstriche wurde der Zukunft überlassen.
In die Fußtapfen dieser feudalen russischen Monopolwirtschaft trat nach dem- Besitzwechsel die von der Washingtoner Regierung mit ausschließlichen Rechten ausgeftattete „Alaska-Handelsge- sellschaf t", aus der sich mit der Zeit ein Trustgebilde entwickelte, das sechs große Korporationen unter der Führung der Dollarkönige I. P. Mor - a an und Guggenheim zusammenfaßte. Die Verbindungsleute dieser Ausbeuterfront zu den Regierungsstellen und den gesetzgebenden Körperschaften, eben die im Kongreß „Drittes Haus" spielenden „Lobbysten" hatten dafür zu sorgen, daß die breiten Dolksmassen von dem soweit abseits der Linie des großen Vormarsches nach dem Westen gelegenen Besitztum möglichst wenig zu hören bekamen, daß die provinzlerisch befangenen Parlamentarier fortfuhren, sich um „Sewards Folly", die Belastung Onkel Sams mit der Fürsorge für eine vermeintliche Eiswüste, nicht zu kümmern, und daß die Klagen nach Alaska verirrter amerikanischer Bürger, die dort auf eigene Faust Pionierdienste leisteten, taube Ohren sanden.
Erst das G o l d f i e b e r, das im August 1896 bei der Mündung des Klondike, eines Nebenflüßchens des Pukon, auf kanadischem Boden aufflammte, um ein Jahr später am Pukon entlang auf alaskisches Gebiet überzuspringen, hatte das Eis der Gleichgültigkeit gegenüber Alaska in den Vereinigten Staaten gebrochen. Don Skaway am Kopfe des Lynn-Kanals aus hatten die Goldsucher immer noch eine mindestens dreimonatige beschwerliche Reise zu unternehmen, um zu den Goldfeldern zu gelangen. Trotzdem erhielt Alaska in wenigen Jahren einen Zustrom von über 20 000 Menschen, die vorwiegend aus den Staaten, zu einem nicht geringen Bruchteil aber aus allen möglichen fremden Ländern kamen. 1899 wurden auch am westlichen Strande der Se- ward-Halbinfel, wo sich über Nacht eine Zelt- und Barackenstadt an der Stelle des heutigen Nome bildete, reiche Goldvorkommen entdeckt.
Goldgräbergeschichten und aufregende Kinostücke brachten Alaska in den Ruf eines Landes, wo es kaum einen Sommer gibt, wo die Landschaft immer tief verschneit ist, bei bitterster Kälte Schneestürme über Einöden jagen, die Bewohner aus ihrer Pelzvermummung kaum herauskommen, Holzbaracken nur primitive Wohnbedürfnisse befriedigen können
III. Die Quinta - das bin ich!
O l d e a n i, Mai 1938.
Wir sind jetzt zwei Wochen in unserem alten D e u ts ch - O st a f ri k a, haben Daressalam besucht, das weder eine deutsche, noch eine englische, sondern eine indische Stadt ist, haben in Tanga vor der Gedenktafel an den großen deutschen Sieg vom November 1914 über die mehr als zehnfach überlegene englisch-indische Landungsarmee gestanden und haben uns danach von M o s ch i hierher zum Besuch der deutschen O l d e - a n i - Siedlung aufgemacht. In der Massaisteppe wurden wir gleich von zwei Giraffen begrüßt. Die eine steckte buchstäblich ihre Nase fast in unfern Wagen. Den Weg nach Oldeani hatte man uns in Tanga, wegen der Regenzeit, schwarz in schwarz gemalt. Wir fanden ihn jedoch überraschend gut und kamen rasch vorwärts. Sein interessantestes Stück ist der Aufstieg auf die ostafrikanische Bruchstufe. Dom oberen Rand f)at man einen prachtvollen Blick auf den dicht an ihrem Fuß liegenden Many- arasee und die Massaisteppe. Der See ist abflußlos und hat salziges Wasser; an seinen Ufern will die Mandatsverwaltung 40 000 Hektar für Baumwollpflanzungen freigeben. Das Land (ft gut, aber für seine Nutzung durch deutsche Siedler — fehlen die Devisen.
Im Oldeanigebiet haben die ersten deutschen Pioniere 1927 mit dem Kaffeebau begonnen. Jetzt wohnen hier etwa 200 Deutsche, die 60 Pflanzungen mit einigen Tausend Hektar Kaffeeland besitzen. Der Oldeani, nach dem die Siedlung benannt wird, ist ein 2700» Meter hoher erloschener Vulkan. Er hat noch eine Reche von Nachbarn, alle mit ungewöhnlich großen, heut nicht mehr tätigen Kratern. Daher der Name: Hochland der Riesenkrater. Wir sind Gäste einer deutschen Familie, in der wir gleich mitten in eine brennende Lebensfrage für jede deutsche Siedlung auf den gesunden Hochländern Ostafrikas eingeführt werden. Don fünf Kindern sind die ältesten, zwei Söhne von 16 und 18 Jahren, in Deutschland auf der Schule; die drei jüngeren, zwei Mädchen vpn 8 und 14 und eine Junge von 11 Jahren, besuchen die deutsche Oldeani-Schule. Sie zählt nur einige zwanzig Kinder, denn der jüngste Oldeani-Nachwuchs rft noch nicht schulpflichtig, und von den älteren, Heranwachsenden Kindern ist, wie bei unseren Gastfreunden, ein Teil in der Heimat. Wir unterhalten uns mit Jürgen, einem Prachtkerl, über feine Schule. Er nannte uns Zahl und Namen der Schüler in jeder Klaffe und fing von unten an. Als er-mit der Sexta fertig war, brachte er mit einem Gemisch von Verlegenheit und Selbstbewußtsein den monumentalen Satz: „D i e Quinta, das bin i ch !"
Die Vermehrung des oftafrikanischen Deutschtums durch eignen Nachwuchs hat eine Zeitlang gestockt. Jetzt ist sie erfreulich im Gange. Da die Pflanzungen viel zu weit voneinander und von den bisher errichteten deutschen Schulen — im ganzen Mandatsgebiet sind es erst sechs — entfernt liegen, so sind überall Schulpensionate eingerichtet. Auch Jürgen und seine Geschwister sind die Wache über im Schulpensionat von Oldeani. Samstags kommen sie nach Hause und wandern am Montag- früh einen stundenweiten Weg van der hochgelegenen elterlichen Pflanzung zur Schule hinunter. Ün= längst begegnete ihnen auf dem Schulweg ein Nashorn, vor dem sie sich in eine Schlucht flüchten mußten. Deutsche afrikanische Kinder müssen van
und Hundeschlitten das einzige Beförderungsmittel bilden. Das Land erstreckt sich aber südwärts bis zu einem Punkte, der auf derselben Breite wie Berlin liegt, während seine nördlichste Siedlung, Point Darrow, vom Nordpol noch so weit entfernt ist, wie die norwegische Stadt Hammerfest. Nur der fünfte Teil Alaskas liegt innerhalb des Polarkreises, und mächtige Gebirgszüge fangen die Hauptwucht und -strenge eisiger Nordwinde auf, bevor sie die große innere Hochebene erreichen. Der ganze Süden und Südosten steht unter dem Einfluß der Kuro- Schiwo-Strömung, einer natürlichen „Warmwasserheizung" nach Art des Golfstromes, deren Wirkung durch die nörolichen Ausläufer der Rocky Mountains gesteigert wird. Zwar sind die Winter im Innern streng und lang, und der Boden ist unter der Humusschicht seit Urzeiten immerwährend gefroren, weil die die Oberfläche bedeckende Moosschicht die Sonnenstrahlung nicht in größere Tiefe bringen ließ. Vom Pfluge umgebrochen, taut jedoch der Boden im Frühjahr tief genug und, dank der längeren Sommertage, für eine ausreichende Wachstumsperiode auf, um fast alle Kulturpflanzen gedeihen und reifen zu lassen. Gerade der in der Tiefe gefrorene Boden hilft dabei über Mangel an Niederschlägen hinweg, da das Wurzelwerk die unter ihm allmählich auftauende Bodenfeuchtigkeit emporsaugt.
Im Sommer 1935 kamen 208 Familien aus den von aufeinander folgenden Dürrejahren heimgesuchten Gegenden Michigans, Minnesotas und Wisconsins mit ihrer beweglichen fiabe in St. Mihiel an, um sich im Manuskatal im südlichen Alaska niederzulassen, wo die Bundesregierung mit einer Versuchsfarm die^ besten Erfolge erzielt hatte. 117 Heimstätter waren dort bereits vorher angesetzt worden. Die Siedler kamen in den Besitz von bestem Weideland mit knietiefem Gras, erzielten von ihren Aeckern Weizenerträge von 25 Bushel (1 Bushel = 36,3 Liter) je Acre (0,4 ha), Kartoffeln, 400 Bushel je Acre, von noch nicht dagewesener Größe und Güte und ernteten auch Erbsen, Rhabarber, Rüben usw. in erstaunlichen Mengen. Für weitere tausend Familien ließ die Bundesregierung im Laufe des Jahres 1937 Heimstätten in derselben Gegend errichten. Es ist um fo merkwürdiger, daß anbaufähiger Baden bester Beschaffenheit in einem Umfang von weit über 200 000 Quadratkilometer nicht längst einen Massen- zustrom aus den Trockengebieten Kanadas und der Staaten auslöste. Was sind rund 60 000 Menschen, von denen nach etwas mehr als die Hälfte Eingeborene, Eskimos oder Indianer sind, für ein Land von fast 1,5 Millionen Quadratkilometer?
Für das „Große Geschäft" bietet Alaska aber vorlausig gewmnreichere Gelegenheiten. Die von Seward nach Fairbanks führende Eisenbahn wurde nicht gebaut, dem Weltverkehr eine neue Rorn= fQmm-er *u gjWiefien» sondern um bergbau -
klein auf dahin erzogen werden, daß sie sich in solchen Lagen zu helfen wissen. Es gibt viele giftige Pflanzen, darum dürfen sie kein unbekanntes Kraut anrühren. Unterwegs müssen sie auf Schlangen, auf marschierende Beiß-Ameisen und auf wilde Tiere achten. Wegen dieses Hineinwachsens in das afrikanische Leden entwickelt sich aber gerade das junge deutsche Geschlecht hier zur besten kolonisierenden Kraft.
Die Quinta, das bin ich! Jürgen wußte nicht, wie tief er damit an eine Lebensfrage afrikanischen Deutschtums rührte. In einer Schule mit 24 oder auch mit 30 und 40 Kindern, die sich nach ihrem Alter auf sieben ober acht Klassen verteilen, ist, bei nur zrrki Räumen und drei Lehrkräften, aller Unterricht eine nur mangelhaft lösbare Auf gäbe. Nichts ist wünschenswerter und auch notwendiger, als daß sich die deutsch-n Siedlungen — Oldeani ist ein Musterbeispiel für sie — zu kinderreichen Gemeinwesen entwickeln. In mehr Kinder und je mehr Lehrkräfte eine Schule hat, desto besser und fruchtbarer kann unterrichtet werden. Zur Zeit besitzen die deutschen Schulen in Ostafrika im allgemeinen nicht einmal ausreichende Lehrmittel. Die vorhandenen Wandtafeln sind dürftig, in Oldeani gibt es einen einzigen neuen Atlas für die ganze Schule; Rundfunkgeräte als Bindemittel zur Heimat find vorläufig auch noch ein unerfüllbarer Wunsch.
Man stelle sich vor, welch ein Stück Armut es für die seelische Entwicklung eines deutschen Kindes bedeutet, wenn es alles, wovon das Mutterland in höherem Sinn lebt und bewegt wird, nur vom Hörensagen kennenlernt! Elternhaus und Schule in Afrika, mögen sie sich noch so viel Mühe geben, der Schulbetrieb mag noch so verbessert werden — zu deutsche^ Vollmenschen, die das Leben ihrer Nation wirklich mitleben, sind deutsch-afrikanische Kinder nur zu erziehen, wenn sie von den entscheidenden Entwicklungsjahren zwischen vierzehn und achtzehn wenigstens ein paar in Deutschland zubringen können. Am unbedingtesten gilt diese Forderung, solange das Siedlungsdeutschtum in Afrika noch an Zahl so gering und so zerstreut und die Summe seiner eigenen inneren und äußeren Hilfsmittel so gering ist wie jetzt.
Die Hilfeleistung, um die es sich hier handelt, ist praktisch gesprochen nur eine Frage der aufzuwendenden Geldmittel. Bei weitem die meisten unserer Siedler haben noch mit den Schwierigkeiten einer mühsamen Aufbauwirischast zu kämpfen. Dazu kommt die Devisennot, die ihnen alle heimischen Hilfsquellen abschneidet. Daß die Heimat sich einigermaßen bemüht, ihnen ihre Erzeugnisse (Kaffee!) abzunehmen, wird dankbar begrüßt, aber noch sind die Mengen zu klein, als daß hiermit schon eine finanzielle Basis für den notwendigen heimatlichen Abschnitt der Kintzererziehung geschaffen wäre. Kinder, reichlich Kinder aus deutschem Blut, sollen in Afrika geboren werden, denn nur fo kann sich das Deutschtum hier tief und dauernd einwurzeln. Kommt man aber nicht unfern Siedlern jetzt, wo sie selbst noch schwer um die Begründung einer gesunden überseeischen Existenz zu kämpfen haben, in der Kinderfrage gründlich und großzügig zu Hilfe, so schneidet man gerade den Besten von ihnen ein Stück Lebensmut und Arbeitsfreudigkeit ab. Don Almosen ist hier keine Rede, sondern nur von volksdeutscher Pflichterfüllung. „Die Quinta, das bin ich!" unseres tüchtigen Jürgen mag hierzu als unbewußter, aber um fo kräftigerer Mahnspruch beherzigt werden!
liche Unternehmungen zu begünstigen. Sa lange man mit modernster Maschinerie und um so wenigeren, freilich gut bezahlten menschlichen Hilfskräften jährlich Dutzende von Millionen Dollar aus einer oberflächlichen Anzapfung der am bequemsten . aufzuschließenden natürlichen Reichtümer Alaskas zu erzielen vermag, kann die Fruchtbarkeit alaskischer Erde keinen besonderen geschäftlichen Anreiz bieten, sich für die verkehrspolitische Vorbereitung landwirtschaftlicher Unternehmungen in Un- kosten zu stürzen. 1936 erhielten die modernen G o ld w ä s ch e r e i e n in Alaska einen Ertrag von über 16 Millionen Dollar; weit mehr als das Doppelte ergab in demselben Jahre die Lachs- Konserven-Jndustrie, wobei das Abfangen der Lachszüge nur die Beschäftigung von etwa 20 000 zusätzlichen Saisonarbeitern aus Britisch- Columbien und dem Staate Washington erheischte. Wozu soll man anspruchsvolle Viehfarmer aus den Staaten in großer Zahl nach Alaska verpflanzen, wenn es so viel bequemer und gewinnbringender ist, eingeborene Eskimos durch eingeführte Lappländer zu Renntierzüchtern zu machen! Auf diese Weise vermehrten sich 1080 zahme Renntiere aus Sibirien zu Herden von insgesamt gegen 600 000 Stück, die die sonst wertlosen Tundren der Halbinsel Seward abweiden. Das war die Voraussetzung für die Entstehung der Lomen-Renntier- Korporation, die jährlich riesige Mengen Renntiergefrierfleisch aus Alaska ausführt. Die Eskimos wurden so vor dem Aussterben bewahrt, aber nur eine verschwindend geringe Anzahl Weißer fand neue Beschäftigung. Außer Gold wird in Alaska Silber, Kupfer, Kohle, neuerdings auch Platin gewonnen, und es gibt mutmaßlich auch reiche O e l v o r k o m m e n. Die ausgedehnten Waldungen werden erst in der Küstenzone ausgenutzt. Es gibt kein nordisches Land, das sich an kaum anqenippten natürlichen Reichtümern, Wald, Wild, Ackerboden. Mineralien, mit Alaska messen könnte.
Solange es an einem gefährlichen Nachbarn fehlte, kannte sich Onkel Sam all dieser Schätze sicher fühlen. Doch über Nacht kam ihm das Bewußtsein, daß Alaska sich in die Achillesferse der Unwn zu verwandeln droht. Zu dem Territorium gehören die Aleuten, fast baumlose Inseln, mei)t m Nebel gehüllt, die sich in einem 1600 Kilometer langen Bogen bis in die Nähe der Süd- hinziehen und damit auch den nördlichsten Vorposten des japanischen Jnselreiches den Kunllen dicht auf den Leib rucken. Im Raume Aleuten—Wake-Jnsel—Hawai—San Franzisko völligen sich die vorjährigen großen Uebungcn o.!J a ■6> r i f a n i f cf) e n Flotte, um dort dem- nad)ft wiederholt zu werden. Auch in der Zwischen- zeit tauchen in den alaskischen Gewässern immer fron_e.L K^uzer, Zerstörer, U-Boote und Flug
zeuge auf. Der Eifer, mit dem „Panamerican Airways“ ganz Alaska, einschließlich des norböft» liehen in der Arktis gelegenen Teils mit einem Netz von Stationen überzieht und weite Strecken regelmäßig befliegen läßt, deutet ebenfalls auf strategische Absichten. Die größte der Aleuten, Una- l a s ch k a , wurde schon vor längerer Zeit zu einem Flottenstützpunkt entwickelt. Das gleiche soll jetzt mit der Insel Iaponsky im Hafen van Sitka geschehen. Bei Fairbanks sind auf Veranlassung der amerikanischen Heeresleitung große Flughafenanlagen in Angriff genommen worden.
Die Aleuten sind die Zugbrücke, die eine Art Verbindung zwischen Amerika und Asien herstellt. Dar Jahrzehntausenden gab es hier einen ununterbrochenen Landzusammenhang. Renntier- herden konnten aus Asien nach Amerika herüberkommen, denen die Urahnen des roten Mannes folgten. Aus den Renntieren entwickelten sich, als sich die Landbrücke gesenkt hatte, bis nur noch höchste Gipfel als Inseln aus dem Meer hervorragten, durch abgesonderte Entwicklung wilde Karibus, aus den mongolischen Eindringlingen Indianer. Wenn die nordamerikanische Union die Herrschaft über die „Zugbrücke" nach Asien verlöre und über den nördlichen Pazifik, wo sich amerikanische und japanische See- und Luftstreitkräfte wegen 6er geringeren Entfernungen zwischen den beiderseitigen Stützpunkten am ehesten entscheidende Kämpfe liefern könnten, so würde sich das menschenarme Alaska bald in ein bequemes Durchgangsland ’ür eine asiiatische Einwanderung größeren Umfangs nach Gesamtamerika verwandeln Was Wunder, daß sich vor der amerikanischen Oeffentlichkeit auf einmal das Problem einer großzügigen Siedlungspolitik für Alaska als eine vordringliche nationale Aufgabe aus ähnlichen Gründen erhebt, wie vor der britischen das Problem einer dichteren Besiedlung Australiens. Es fragt sich nur, ob man vor überspannten machtpolitischen Anstrengungen noch dazu kommt, die Zukunft des nördlichsten und des südlichsten Randlandes des Pazifik für die Herrschaft des weißen Mannes zu reiten. Das Programm der Wiener
Neichstheaierststwoche.
Berlin, 3. Juni. (DNB.) Die Reichstheater- feftwoche 1938 bringt zum ersten Male im groß- 6eutschen Rahmen das Zusammentreffen der beiden Kunstzentren Berlin und. Wien. Berlin bietet eine szenisch in den Bahnen Bayreuths sich bewegende Neu-Jnszesiierung des „Lohen» g r i n" unter der Leitung des Bayreuther Dirigenten Generalintendanten Heinz T i e t j e n mit jenen Sängern, die an der Weihestätte des Meisters diese Rollen verkörpern. Die Wiener Staatsoper ist ihrer sinnenfreudigen, barocken Tradition entsprechend dazu ausersehen, die im Wiener Boden wurzelnden Werfe darzubieten und zwar Mozarts Barock-Oper „Die Hochzeit des Figaro" aus dem 18. Jahrhundert, Johann Strauß' volkstümliches Werk „Der Zigeunerbaron" aus dem 19. Jahrhundert und das zeitgenössische Werk des Dreivierteltaktes „Der Rofenkavalier" von Richard Strauß. Als Eröffnungsvorstellung wird am 12. Juni in der Wiener Staatsoper „D c r Rosenkavalier" unter der musikalischen Lei- hing von Professor Hans Knappertsbusch uiid in der Inszenierung von Erich von W y m e t a l aufgeführt. Kaum eine anbete Oper des zeitgenössischen Schaffens erfaßt so restlos Milieu- und gefühlsmäßig das barocke Wien jener Zeit, die für die Kulturbedeutung dieser Stadt riajtungmeifcnb erscheint. Mozarts „Figaros Hochzeit" nm 16. Juni wird im Redoutensaal der Wiener Hofburg aufgeführt. Der Redoutensaal. dessen innere Ausschmückung und historische Bestimmung mit der Entstehungszeit des Mozart-Werkes übereinstimmt, ist 6er geeignetste Rahmen für die spielgerechte .Wiedergabe dieses Werkes. Die Stilbühne dieses Saal-Theaters vermittelt dem im engsten Kontakt mit dem Künstler stehenden Zuschauer die Eindrücke des Werkes, wie sie in 6er Entstehungszeit gedacht und bargeboten würben. Die Regie führt Kammersänger Hans D u h a n , wäh- ren6 bie musikalische Leitung Professor H. Knappertsbusch innehat. Das reiffte Werk bes im Volkhaften wurzelnden Wiener Meisters des Dreivierteltaktes Johann Strauß, „Der Zigeuner- baro n", gelangt am 18. Juni zur Aufführung. Professor Knappertsbusch dirigiert und Kammersänger Alfred Jerger, der schon mit der szenischen Erneuerung der „Fledermaus" einen starken Erfolg aufzuweisen hatte, hat die Spielleitung.
Einziehung
von Erzeugnissen entarteter Kunst.
Berlin, 3. Juni. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird ein Gesetz über bie Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst veröffentlicht. Die Erzeugnisse entarteter Kunst, die vor dem' Inkrafttreten dieses Gesetzes in Museen ober ber Oeffentlichkeit zugänglichen Sammlungen sichergestellt unb von einer vom Führer unb Reichskanzler bestimmten Stelle als Erzeugnisse entarteter K u n st f e st g e st e l l t sin6, können ohne Entschädigung zugunsten bes Reiches ein- gezogen werden, soweit sie bei ber Sicherstellung im Eigentum von Reichsangehörigen ober inländi- schen juristischen Personen ftanbert. Die Einziehung orbnet der Führer und Reichskanzler an. Er trifft bie Verfügung über bie in bas Eigentum bes Reiches übergehenben Gegenstänbe. In befonberen Fällen können Maßnahmen zum Ausgleich van Härten getroffen werben. — Der Erlaß dieses Gesetzes — bessen Wirkungsbereich sich nicht aufbasLanb Oe st erreich erstreckt — bebeutet die enbgültige Bereinigung eines Problems, bas immer roieber Anlaß zu Klagen gegeben hat. Als Hüter unb Wahrer echter Kunst befreit sich ber nationalsozialistische Staat um ber Kunst unb bes Volkes willen von einer Erbschaft, bie ihm aus den begenerierten Kunstanschauungen ber Systemzeit überkommen ist. Es ist Dorsoge bafür getroffen, baß bie Prüfung unter Berücksichtigung aller fachmännischen Gesichtspunkte erfolgt unb baß ein Schaben nicht eintritt. Ausländischer Besitz fällt nicht unter bie Bestimmungen.
Kunst und Wissenschaft.
Neuer ©eneralmufifbireffor am hessischen £anbes(f)ea(er.
Generalmusikdirektor Fritz Mechlenburg vom Mecklenburger Staatstheater Schwerin ist als Generalmusikdirektor unb musikalischer Oberleiter an bas Hessische Lanbestheater in Darmstadt berufen worben.
■
jrohpjp ft t Q Q k ohne ITLagenbefchioerden '
V jetzt.nog 25pf.


