Kür den Büchertisch
, Faustischer Glaube
— H. A. Kor
Sonne, Wind und Weile.
Aus fremden Literaturen.
Allerlei Geschichten von Tieren
—, Professor deburg al,s
— Sepp Dobiasch: Sonn.e — Wind und Weite. Ein Buch von frohen Fahrten und Menschen. 170 Seiten. Wilhelm Limpert Verlag, Berlin. — (84.) — Sepp Dobiasch, durch seine Bücher „Kaiserjäger im Osten" und „Volk aus dem Amboß" bereits rühmlich begannt geworden, gibt hier aus eigener Anschauung und eigenem Miterleben in locker aneinandergereihten Kapiteln und in frischer, natürlicher Erzählung ein fesselndes Bild vom großen Gemeinschaftserlebnitz der Organisation „Kraft durch Freude": man spürt beim Lesen 'sofort, daß Dobiasch mit echter Begeisterung und mit dem Herzen bei der Sache ist, daß er die mit KdF.-Urlaubern und auf KdF.-Fahrten gewonnenen Eindrücke, Beobachtungen und Erlebnisse in diesem Buche hat loswerden müssen. Es ist ein undogmatisches und Unbefangenes Buch geworden, das nicht am Schreibtisch ausgeknobelt, sondern draußen auf großer Fahrt, im Urlauberzug, auf-dem Schiff, an der Nordsee, an der Ostsee, in Nürnberg oder auch im
— Curt Strohmeyer: Mitten durch mein Tierreich. 40 bunte Tiergeschichten mit 36 Textzeichnungen von B. von Korff. Preis Ganzleinen 4,50 Mark. Deutscher Verlag, Berlin. — (68) — Schopenhauer, der alte verknurrte Knabe, sagt einmal, daß einer der liebenswürdigsten Züge des Menschen seine Tierliebe sei, und nicht selten wendet gerade der von den Mitmenschen enttäuschte ttrdensohn sein Interesse den Mitgeschöpfen zu, die Goethe unsere „Brüder im stillen Busch, in Luft und Wasser" nennt. Einen solchen Jäger und Durchstreifer von Wald und Feld, wie es Curt 'Strohmeyer ist, lobe ich mir! Ihm kommt es nie auf die Größe der „Strecke" an, sondern auf das Naturerleben, auf das Sich-einfühlen in all die sonderbaren Käuze, die das in tausendfacher Gestalt und mit den allerverschiedensten Anlagen ihr Leben führen nach dem Gesetz, das ihnen geworden, wie uns das unsere. Man lernt sie alle lieben, alle verstehen, die Tiere, die er uns in seinem neuen Buch nahe bringt, das frisch und 'frei mit einem liebenswürdigen Humor geschrieben ist, von einem, der vor Tau und Tag, und wenn der Mond still über schweigenden Heiden steht, durchs Revier wandert. Ein vortrefflicher Naturbeobachter, ein Tierfreund, einer, der in der Stille und Einsamkeit der vom Himmel überspannten Weite zu einem Philosophen wird und oft vergißt, daß er eine Flinte bei sich trägt. So wird sein Buch für jeden Freund der Natur ein doppelter Gewinn; Frische geht von ihm aus, Freude und so manche Erkenntnis. Was tut uns modernen Stadtmenschen vor allem mehr not als Naturnähe? Hier haben wie sie !n schönster Form. Bruno H. Bürgel.
— Felix R i e m k asten: Ali — der Kater. Mit 16 Zeichnungen von Olaf Gulbransson. Gebunden 2,60 Mark. Verlag von Quelle 6- Meyer in Leipzig. — (147) — „Wenn du mir in. Latein eine Eins nach Hause bringst, barfft du dir etwas wünschen." Und was wünschte sich die Tochter? Eine Katze. „So", sagt Riemkasten, „entstand unser Herr Kater Ali. Denn daß er hier im Hause der Herr war, merkten mit bald. Er war ein ganz schattig eigensinniger Herr Ali, so richtig ein schleichender Katzenbursche, und nachher wurde er bei uns Ofengehilfe für den Winter und Gartenbauinspektor für t den Sommer. Er gehört ins Tierreich, aber er ist i aus dem Pflanzenreich einfach nicht herauszu- , bringen. Bei unserer Mutti steht er in Gunst, der , Schuft, aber bei mir steht er unabdingbar im Miß- i trauen, der Schuft. Wenn er nur nicht so süß und
umfangreichen wissenschaftlichen Apparat versehen, ist mit Abbildungen gut ausgestattet.
— Hans Gäfgen: Frundsberg. Mit Bildern von Fritz Kredel. Halbleinen 1,60 Mark. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. (79) — Unter Kaiser Maximilian wurde Georg von Frundsberg Obrist der Landsknechte. Er führt seine Leute, die dem Kaiser Treue gelobten, für des Reiches Herrlichkeit von Sieg zu Sieg. Frundsberg war ein Haudegen, ein derber, urwüchsiger Soldat, mit dem Herzen eines Kindes und dem Mut eines Löwen. Von ihm hat Luther einmal gesagt: „Frundsberg gehört zu den Wunderhelden, um welcher willen Gott ein ganzes Land segnet." Hans Gäfgen zeigt uns sein Leben und die Landsknechtzeit fesselnd und einprägsam, wozu auch die vielen interessanten Zeichnungen von Fritz Kredel beitragen. — Die Darstellung ist auch für Buben und Mädchen vom 10. Lebensjahre ab geeignet.'
— D. W. Wassiljew: Der letzte Kommandant. Aufzeichnungen des letzten zaristischen Befehlshaber der Peter-Paul-Festung zu Petersburg. 125 Seiten.. Schwarzhäupter-Derlag, Leipzig». Berlin. — (81) — Dem letzten zaristischen Kommandanten des berüchtigten Staatsgefängnisses des Zaren hatte das Schicksal in dem blutigen Revolutionsjahr 19J7 eine besondere Aufgabe vorbehalten. Je schlimmer die Revolution sich entwickelte, um so mutiger war er bemüht, den Bolschewismus von feinem Vaterland fernzuhalten. Daß es ihm nicht gelang, lag an seiner Stellung und der sich überstürzenden Entwicklung der Verhältnisse. Oberst Wassiljews Aufzeichnungen sind ein bemerkenswerter Beitrag zur Geschichte der russischen Revolution.
f: Faustischer Glaube, roblem humaner Lebensgestal-
von ihrer .Eitelkeit und ihren Leidenschaften, von Leichtsinn und Ueberschwang und auch von verstehender Güte und tiefer Menschlichkeit.
— Gustav Frenssen: Land an der Nordsee. Erzählungen. Mit einem Nachwort von Numme N u m \ e n. (Nr. 7389.) Kart. 35 Pf., Ganzleinen 1 RM. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. — (116,2) — Der Dichter hat einige seiner schönen Erzählungen zu einem Reclam-Bändchen vereinigt. Das „Land an der Nordsee" ist der Wurzelgrund seines Schaffens. Ein Hauch von Meeresduft der Marschenlandschaft durchdringt dieses Buch, das uns Menschen und Schicksale der Heimatküste in lebensvollen Bildern nahebringt. Der eigene Entwicklungsgang des Dichters wird in reizvollen Szenen lebendig, und eine Fülle echt dithmarsischer Gestalten ersteht rundum in köstlicher Eigenart.
— Margarete Schiestl-Bentlage: Bernats Heimkehr und Ehe. Novelle. Mit . einem Nachwort der Verfasserin und Holzschnitten von Adolf Finsterer. (Nr. 7391 ) Kart. 35 Pf., Ganzleinen 1 RM. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. — (116,1) — In einer reizvoll illustrierten
Versuch über das r tung 167 Seiten. Verlagsbuchhandlung von I. I. Weber in Leipzig, 1938. — (52.) — Der Leipziger Literarhistoriker Hermann August Korff, der früher- in Gießen und Frankfurt wirkte, kehrt mit der vorliegenden Schrift zu einem Problemkreise zurück, . der sich bereits in seinem zweibändigen Werke „Geist der Goethezeit" anzudeuien schien; die dort entwickelte geistesgeschichtliche Gesamtschau unseres klassischen Zeitalters mag als die allgemeine Grundlage gelten für eine Darstellung, die mit einer bestimmten Fragestellung an ein bestimmtes — und zwar das mächtigste — Dichtwerk jener Epoche her- antritt, an den „Faust", dem schon früher Korffs feinfühlig und scharfsinnig eindringende Forschungen zugewandt waren. Korff erkennt und formuliert sehr klar die Problematik des humanen Menschen im „Faust": sie „...besteht, aber sie bleibt nicht auch das letzte Wort der Dichtung. Und ihr letztes Wort ist nicht das Bestehenbleiben dieses Problems, sondern das Bestehenbleiben des humanen Menschen. In ihm und feiner Charakterfestigkeit triumphiert der humane Glaube. Er triumphiert gegen alle Anklagen der christlichen Kirche — durch die Tat..." Dies ist der Grundgedanke, der in der Darstellung des Problems im einzelnen entwickelt und erhärtet wird — auf eine geistreich aufspürende und das Ganze überschauende Weise, vom Dichterischen wie vom Philosophischen hek. Ueber die Schwierigkeiten, die in der Konzeption des Themas begründet sind, ist sich der Verfasser, wie das Nachwort ausweist, nicht im Unklaren gewesen; sie können weder den Reiz der Lektüre im allgemeinen' noch die Ergebnisse und Schlußfolgerungen der einzelnen Kapitel beeinträchtigen, von denen nament- lich die über den Teufelspakt, über die drei Tragödien, über die heroische Behauptung des Lebensglaubens und über humane Theologie an die Kernprobleme der Dichtung heranfü'hren und jedem, auch dem unwissenschaftlich ausnehmenden Leser des „Faust", vielfältige Bereicherung und Anregung geben werden. Hans Thyriot.
Deutsche Meisterausnahmen.
— Deutsche Meisteraufnahmen. Verlag F. Bruckmann, München. Preis des Heftes 85 Pf. — ' (76) — Diese Bildheftreihe ist durch vier neue Bändchen erweitert worden. Im Heft „Nordsee-Menschen" gestaltet Erna Lendvai-Dircksen die Monumentalität von Mensch und Landschaft der Nordsee : in groß gesehenen Bildern. Zu den hohen Deichen, den Halligen und dem natürlichen Herrentum des Bauern an der deutschen Nordsee bildet das Heft „Burgen i m B o z e n e r L a n d" von Kurt Hiel- scher ein Gegenstück, das uns von der Landschaft und von den ritterlichen Geschlechtern Tirols kündet. Hielscher hat zumeist Aufnahmen von weniger befanden Burgen und Ruinen aus der Bozner und Meraner Gegend ausgewählt. Walter Remmel hat sich ein originelles, photographisch nicht einfach zu erfassendes Thema gewählt:' „Freud und Leid in der Schul st ub e". Der Werkstoff ist hier der junge und meist unverbildete Mensch, dds Kind. So ipuß man Kinder geduldig belauschen — so muß man sie photographieren! In dem Heft „Hintter den Kulissen der Filmregie" von Luis Trenker finden wir Schauspieler, wie sie arbeiten, von der Themenwahl eines Films an- gefangen bis zu seiner Uraufführung. — Die Hefte enthalten neben den Bildtafeln eine Einführung des jeweiligen Lichtbildners in sein Thema, Besprechungen der einzelnen Bilder und Angaben über die Aufnahmetechnik.
Deutsche Etzähler.
— Lhm Welk: Die Lebensuhr des Gottlieo (srambauer. '-öeicgie eines einsaitigen Herzens. Roman. o30 Seiten. Mil 1z Texi- jeicynungun von Jilljreö Finsterer. Brosch. 4,öü Marl, ganzleinen a,8U Mart. Deutscher Benag, Berlin. — ^z) — Wir Haven vor einiger Zeit Weits „Heiven von Hummerom' mit Vergnügen an öiejer stelle angezeigt und wollen hosjen, oie|er herzhaften, heiteren tmo erbaulichen Geschichte manchen Le- jer zugefuhrt zu haben. Heute nennen wir ein neues Buch ues gleichen Verfassers, das aus der gleichen meliichlichen Haltung uno aus dem gleichen liebens» kreise erwuchs, nicht minder herzhaft uno nicht minder erbaulich, nicht ganz |o heiter wie jenes erste, dasür aber nachoentucher und aus weiterer Sicht und reicherem Dasemsgefuhl heraus gejdjrieben. Waren Oie „Heiden' im wesentlichen eine Laus- buoen- und Jugenogejchichte (m der sreilich auch die großen Beute igr angemessenes Teil abkriegen) — |o ist der neue Roman die Lebensgeschichte eines • alten Mannes, medergeschrieben nach den Aufzeichnungen und Berichten eines Neunzigjährigen: das giot dem Buche feinen eigentümlichen tnicht überall vorbildlichen) Stil, seine Lebensnahe, Lebenserfahrung uno Attersweisyett. Die Ereignisse, die hier berichtet werden, umspannen einen großen Abschnitt öes vergangenen Jahrhunderts; jie erstrecken. sich von der 48er Revolution vis in die nahe Gegenwart
Geschichte.
Albert Brackmann: Mag» Haupt st adt des deutschen O st e n s"i m frühen Mittelalter. H. Schmidt und C. Günther, Pantheon-Verlag für Kunstwissenschaft, Leipzig 1937. 88 Seiten, Leinen, 16 Bildtafeln, 1 Plan. Preis 3 Mark. — (2) — Der Verfasser ist als einer der besten Kenner der Ostfragen dazu berufen, Magdeburgs Stellung zum Osten zu deuten. Zum ersten Male ist hier erläutert, was Magdeburg einst für die Ostpolitik der deutschen Kaiser und Könige, was es als Stadt überhaupt für den Osten Mitteleuropas bedeutet hat. Brackmann schildert, wie die Pläne Ottos des Großen, seine Residenz Magdeburg für alle Zukunft zum Angelpunkt einer nach Osten gerichteten Reichspolitik zu machen, zur Ausführung gekommen find. Das Ringen um den Osten im 10., 11. und 12. Jahrhundert, in staatspolitischer und kirchenpolitischer Hinsicht ist, sy zeigt das Buch, für das Schicksal des Erzstiftes Magdeburg von ausschlaggebender Bedeutung gewesen, und hat auch das Schicksal der Stadt Magdeburg geformt. — Das Buch, mit einem
Münchener Löwenbräu erlebt worden unb entstanden ist. Dobiasch gibt ein klares und ungeschminktes Bild des heutigen deutschen Menschen in seiner Freizeit, wie sie ihm die großzügige Schöpfung der „Kraft durch Freude" gewährt; er. hat die Leute in ihrem Tun und Treiben, in ihrem Denken und ihren Gesprächen belauscht, und man erfährt aus allerlei kleinen Unterhaltungen, ernsthaften und heiteren Episoden mancher Art mehr über die Sache selbst als aus einem langatmigen Wälzer. Was es mit „Kraft durch Freude", mit der Idee des neuen deutschen Sozialismus, mit Kameradschaft und Volksgemeinschaft auf sich hat, kann, wer es etwck noch nicht wissen sollte, aus diesem Buche lernen. Zumal die Begegnungen und Unterhaltungen unserer Leute mit Ausländern unterwegs find höchst aufschlußreich und erfreulich. Das große Kapitel „Nürnberg" gibt dem Buche einen festlichen Aus- flang. Hans Thyriot.
Ganzleinen 1,— RM. Philipp Reclam jr., Verlag, Leipzig. — (116, 4.) — Der junge SA.-Dichter gestaltet in dieser Novelle das Geheimnis des Führer- tums in einer seiner leuchtendsten Erscheinungen: in Alexander dem Großen. Zu dramatisch bewegter Handlung verdichten sich die historischen Ereignisse, da mehrere Unterfeldherren eine Verschwörung gegen den Uebermächtigen anzetteln wollten, die. an dem Genie des Herrschers zuschanden wurde. Ein fein gesponnenes Netz von Intrigen wird durch die Gewalt der begnadeten Persönlichkeit zerstört.
— Leopold Weber: Die Nachbarskinder. Eine Idylle. (Die kleine Bücherei.) Albert Langen / Georg Müller, München 1938. — (109.) — In dieser anmutigen Idylle ersteht das Bild geruhsam - behäbigen Lebens in einem stillen, von mächtigen Bergen umsäumten Gebirgstal. Die Freundschaft der Kützin Mummel zu des Nachbars würdigem Dackel Bello ist ein Spiegelbild der innigen Liebe, Unter deren glücklichem Stern Sabina und Peter, die beiden Nachbarskinder, nach mancherlei Umwegen für immer den Weg zueinander finden.
nett aussähe, der alte Schuft." In dieser Art ist das Buch geschrieben, fröhlich, scharf in der Beobachtung, aber in keiner Zeile sachlich-fachlich, sondern durchweg mit Humor gesehen und am Prüfstein der Lebensweisheit kontrolliert. Mit vollendeter Anpassung an den Inhalt, zugleich aber in feiner bekannten eigenwüchsigen Art hat Gulb-ransson das Buch mit Zeichyungen geschmückt.
— H e l g"e Bangsted: Rennkalb. Eine Tiergeschichte aus der Tundra. 115 Seiten. Aus dem Dänischen übersetzt won Hermann Kurtzweil. Mit 19 Zeichnungen von Willy Widmann. Leinen 3,80 Mark, Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. — (130) — Die Rennkuh hat in einer lauen Frühlingsnacht auf grünem Mooskissen ihr großes Erlebnis: Rennkalb wird geboren. Wir erfahren in diesem schlichten Buch von Rennkalbs bewegtem Leben. Don seinem ersten Zusammentreffen mit den Menschen und vom aufschreckenden Knall der Schüsse, von seiner Begegnung mit Reineke Blaufuchs, dem Räuber, non seiner rührenden Liebe zu Rennkuh und seiner Sehnsucht in die Ferne, wo die dunklen Wälder und Wasser rauschen. Rennkalb wird stark und groß, lernt Kampf und Tod, Freude und Lebensdurst und das große Wirken der Mutter Erde kennen ... „und als das Frühjahr übers Land zog, stand Rennkalb wieder bereit, in die große unendliche Tundra hinauszuziehen. Das Leben konnte von vorn beginnen... bis eines Tages auch Rennkalb vom Schicksal ereilt werden würde".
— DI ai Aslagsson: „Tom her Grisly- b ä r". Zwei Erzählungen. Aus dem Norwegischen übertragen von Ortrud Freye. Vexlag Scherl, Berlin. Broschiert 1,80 Mark, Seinen 2,80 Mark. — (59) — Es sind zwei sehr verschiedenartige Tiere, deren Leb^n Olai Aslagsson vor uns entrollt. In der ersten Geschichte erzählt er von einer kleinen Bergziege, einem friedlichen, scheuen Tier, das hoch oben in den unwegsamen Einöden des nördlichen Felsengebirges haust. Stets umdroht von Gefahren, hat sie keine anderen Waffen zu ihrer Verteidigung als ihre kleinen nadelscharfen Hörner, mjt denen sie sich jedoch auch gegen Tiere, die weit größer und wehrhafter siich als sie selbst, erfolgreich zu verteidigen weiß. Ein wegen seiner Größe, Stärke und Klugheit weit und breit berühmter und gefürchteter Grislybär ist der „Held" der zweiten Geschichte. Ein listiger, verschlagener Bursche, der im Vertrauen auf seine Kraft und Schlauheit auch den Menschen gegenüber immer ouifier wird, sich aber all ihren Nachstellungen entzieht---- -
Ausgabe erscheint eine der schönsten Novellen der westfälischen Dichterin, die die bäuerlichen Menschen ihrer Heimat in urwüchsiger Lebensfülle erstehen läßt. Eine Prachtgestalt ist der seltsam aus Kindlichkeit, Einfalt und wuchtiger Männlichkeit gemischte Bernat. Von beglückendem Humor ist die kleine Liebes- und Ehegeschichte erfüllt und von zartem Gefühlt.
— August Winnig: Im Kreis verbunden. Erzählungen. Mit einem autobiographischen Nachwort. (Nr. 7390.) Kart. 35 Pf., Ganzleinen 1,— RM. Philipp Reclam jr., Verlag, Leipzig. — (116,3) — Zu Winnigs 60. Geburtstage erscheint dies Bändchen, das die volkhafte Art seines Dichtertums aufs neue offenbart. Die Seele des Volkes, der einfachen Leute aus dem Harz, lebt in diesen Erzählungen. „Im Kreise verbunden" — die Worte der Titelnovelle sind Symbol echter Volks- und Arbeitsgemeinschaft, der ^Winnig mit seinem ganzen Lebenswerk gedient hat.
— Herbert Böhme: Nacht der Verschwörung. Novelle. (Nr. 7394.) Kart. 35 Pf.,
hinein. Mehr tann man vom „Inhalt" kaum an» । geben: em alter Mann blickt auf sein einfaches, aber ( an Erfahrungen, Erlebnissen und Enttäuschungen । reiches Lehen zurück. Das ist, in aller Unmittelbar- ] teil oorgebrachi, um jo reizvoller zu lesen, als man j nebenbei em anjeynttches Stück deutscher Geschichte ■ miterlebt, wie sie »ich aus dem Gesichtskreise eines . schlichten, unverbildeten und ausgeichwifeben Mannes bäuerlicher Herkunft darstellt. Haffs Thyriot.
— Georg von Oer ring; Der Gold- heim. Oder: das Vermächtnis von Grandcoeur. 312 Seiten. Kartoniert 3,80, Ganzleinen 4,80 RM. Gerhard Stalling, Verlagsbuchhandlung, Oldenburg i O, Berlin. — (86) — In den trüben Novembertagen des Jahres 1918, um die Zeit des Waffenstillstandes, führt der Zufall — oder das Schicksal — vier Frontsoldaten in einem Zimmer des ichweize- rischen Internierungslagers Grandcoeur zusammen:' zwed aus französficher Gefangenschaft geflüchtete Deutsche, einen aus deutscher Gefangenschaft heimkehrenden Franzosen und einen aus amerikanischer Gefangenschaft entlassenen Ungarn. Vier Offiziere aus drei Nationen, die miteinander im Kriege liegen; er ft hat es den Anschein, als ob auch miiifit durch die neutrale Baracke, auf engstem Raume, eine unsichtbare, aber unübersteigbare Frontlinie aufgerichtet werden solle: aber mit der Zeit, nach Ueberwindung mancher Hemmungen, Mißverständnisse und Bitterkeiten lernen die vier einander verstehen, finden den Weg zueinander und schließen eine echte, männliche Kameradschaft. Das ist das Erlebnis und die Lehre diefer Erzählung, welche den früljer erschienenen Kriegsbüchern von der Vrings, obwohl sie mit dem „Goldhelm" an sich nichts zu tun haben, gewissermaßen abschließend ihren tieferen Sinn gibt. Das Ganze ist in die Form einer Rahmenerzählung gefaßt: die vier Gefangenen erzählen reihum einander Erlebnisse und Geschichten ... vom Kriege, von der Heimat, von der Jugend und von der Liebe, von Freunden und Gefallenen und Geliebten. „Ihr Helm, der ward zu Golde", das ist das Motto zu allen diesen Erzählungen, und der Goldhelm wurde zum Namen und Sinnbild des nachdenklichen Buches. Zahlreiche Stücke aus dem hier vereinigten Geschich- tenkranz haben wir übrigens früher schon einzeln im Feuilleton und in der Unterhaltungsbeilage zum Abdruck gebracht; mancher wird sie im „Vermächtnis" gern noch einmal im beziehungsvollen Zusam-
. menhang lesen. Hans Thyriot.
— Paul Alverdes: Die Verwandelten. Erzählungen. 132 Seiten. Leinen 3,20 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller in München. 1938. — (82) — Diese Sammlung der bisher nur 'verstreut erschienenen und zum größten Teil vergriffenen Erzählungen von Alverdes enthüllt die reife . Kunst des bekannte^ Erzählers, der auf knappstem
Raum in einer sehr deutschen Form das Bild des Krieges erschließt. Der Geist, der aus diesem Buche . spricht, ist der Geist der Jugend und der Kkimerad- jchaft, die in den Stürmen der Kriegs- und Nachkriegsjahre der Prüfung ihres Menschentums stand- hielt und in Hingabe und Treue ihre frühe Vollendung fand. Alle diese Verwandelten, Menschen in der Blüte und Reinheit der Jugend, haben innerlich den Tod überwunden und sind mit ihrem Schicksal eins geworden im Glauben an die Auferstehung ihres Vaterlandes. Die in einem edlen, klaren Deutsch geschriebenen Novellen dürfen zum dauernden Bestand unserer Kriegsdichtung gezählt werden. — Einige von ihnen — „Degen und Fiedel", „Der Nebenmann" und „Allerlieben" — haben wir bereits in der Unterhaltungsbeilage veröffentlicht.
— Paul Ern ft: Komödianten- und Spitzbubengeschichten. Eine Auswahl. 203 Seiten. Seinen 3,80 Mark. Verlag Albert Sangen» Georg Müller, München, 1938. — (118) — Die Welt der italienischen Komödie und die Abenteuer der in ihr beheimateten Schelme und Spitzbuben werden in diesen einfallsreichen Erzählungen von Paul Ernst zu neuem Sehen erweckt. Es ist em fröhliches und ausgelassenes Treiben, das hier an unseren Augen vorüberzieht, ein Wirbel vergnügter Streiche, scherzhafter Situationen und tragikomischer Geschehnisse, die uns erfreuen. All die unvergänglichen Gestalten jener Welt tollen, gaunern und lieben darin durcheinander. Wie im Theater, wenn echtes Komödiantentum auflebt, so gewahren wir ein buntes Bild vom Sehen und Tun der Menschen,
Oehquist. Seinen 3,50 Mark. 166 Seiten. Verlag Albert Sangen/Georg Müller, München. 1938. — (77) — Koskenniemi ist ein bedeutender finnischer Syriker, dessen Name seit dem Erscheinen seines Gedichtbandes „Der junge Anssi" auch bei uns guten Klang hat. In einer Fülle anschaulicher Bilder entfaltet er hier vor uns das Buch feines Sehens, das uns in die Welt der unendlichen Wälder Finnlands versetzt, der winterlichen Einöden und der einsamen Hellen Sommernächte. Während des Spiels auf dem hei- mätlichen Hofe erwacht in ihm auch schon der Drang zum Abenteuer. Mit dem Sefen der alten Geistesgüter seines Volkes und der beunruhigenden Entdeckung der Zweisprachigkeit seines Vaterlandes drängt sich ihm die erste bestürzende Ahnung vom finnischen Freiheitskampf auf. Mit diesem Kampf erwächst schließlich sein eigenes Dichtertum. Das vorzüglich und nachdenklich stimmende Buch wird für das Verstehen der finnischen Dichtung nicht ohne Gewinn sein.
— Conan Doyle: Späte Rache. 154S. Okt. — Der Bund der Rothaarigen. 186 S. Okt. Jeder Band kart. 2 Mark, in Seinen gebunden 3 Mark. Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. — (135) — In der Neuausgabe der Sherlock- Holmes-Serie find soeben erschienen der Roman „Späte Rache" und gesammelte Erzählungen in dem Band „Der Bund der Rothaari- g e n". Was auch diese neuen Bände wieder auszeichnet, ist die seltene Fähigkeit Conan Doyles, seine Detektivgeschichten inhaltlich so aufzubauen und erzählerisch st) durchzuführen, daß über den geheimnisvollen Reiz des spannenden Geschehens hinaus auch der verwöhnte Leser an der psychologischen Zeichnung des Menschen und an den glänzenden Schilderangen des. Milieus seine Helle Freude haben
— Knut Hamsun: ' „Die Siebe ist hart". Ein Roman in zwei Erzählungen („Be- noni" und „Rosa"). In Seinen gebunden-4,80 Mk. Verlag Albert Sangen/Georg Müller, München. — (110) — Es ist das alte Sied von Huttger und Siebe, das große, ewig wandelbare und unerschöpfliche Thema, das in dieser Geschichte von Rosa und Benoni uns entgegenklingt, das nie, ersterbende Sied von Irrtum, Zweifel und Sehnsucht der menschlichen Herzens. Eine seltsame, beinahe rührend anmutende Komik geht von diesem Benoni aus, der mit einem Eifer sondergleichen sein Schicksal anpackt und sich aus seinem ärmlschen Dasein als Postträger zum Kompagnon des großen Kaufmanns Mack emporschwing(. Er ist unersättlich in seinem Streben, und alles fügt sich nach' seinem Willen: selbst Rosa, die einst mit einem andern davonging, findet sich schließlich in seinen Armen. Doch sie sucht noch immer den vom Sehen Ausge- stoßenen, der sich für ein Sumpengeld von ihr loskaufen ließ und elend zugrundeging. Die Siebe 'ist hart, picht minder für Edvarda, die Tochter Macks, die sich einst Leutnant Glahn droben in den Wäldern ergab, dem Verschollenen, den sie zeitlebens mit ihrem Haß und mit ihrer Sehnsucht verfolgt. Und hart ist die Liebe auch für die verdorrende Ehe des Leuchtturmwächters draußen in den Schären und für die leichtfertige Bramaputra, die ihre unbezähmbare Tollheit mit dem Tode bezahlen muß. Menschenherzen, sie alle, gequält und besessen von der Lust und der Not ihrer Triebe, Menschenseelen, sie alle, an denen das grausame Wort wahr wird: die Liebe ist hart.
— V. A. Koskenniemi: Gaben des Glücks. Aus dem Buche meines Lebens. Berech- tigte Übersetzung aus dem Finnischen von Rita


