Ausgabe 
4.4.1938
 
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Gießen 70Zähre Garnison der 116er. irsJahre Infanterie regiment 116!

Aus der Stadt Giehen.

Oer April macht, was er will.

Die gewisse Popularität, die der April unb sein Wetter genießen, verbindet sich zwar nicht mit einer großen Sympathie, andernteils ist die Cha­rakteristik des Aprils auch wieder nicht so schlecht, daß man ihn geradezu.fürchten müfcte. 'Zins ber Tatsache vielmehr, daß die Dichtung sich dieses Monats mit der gleichen Liebe angenommen hat wie seines Nachfolgers Mai, ist schon zu entnehmen, daß der April Eigenarten und Beigaben besitzt, die trotz aller Unerfreulichkeiten doch etwas Ungewöhn­liches barstellen, über das der Mensch seine Scherze und Glossen macht.

Wir sagten in der Ueberschrift:Der April macht, was er will". Es ist auch schon wahr, daß sein Fimmel uns gerade so an der Nase herumführt wie die bekannten Aprilscherze, die am ersten Tage des Monats gestartet werden. Der April ist der Komiker unter den Monaten des Jahres, er ist launig, unberechenbar und dabei voller Witz. Ein Naturwissenschaftler hat einmal gesagt, daß man bei den Untersuchungen der Aprilwetterlarmen un­willkürlich lachen müßte, denn genau wie es Men­schen gibt, deren tolle Einfälle man einesteils pein­lich empfindet, andernteils notgedrungen belachen muß, so sind auch die Streiche, die sich der April- Himmel leistet, ebenso peinlich wie amüsant.

Beispielsweise haben wir in der Physitstunde ge­lernt, daß bei Temperatur von 2 Grad Wärme ab­wärts die Niederschläge in Schnee überzugehen pflegen. Im April ist es anders: da kann es bei 8 Grad, ja sogar bei 10 Grad Wärme schneien. Wer würde im Januar bei 5 Grad Wärme auf den Gedanken kommen, daß es schneien könnte? Nie- mand! Im April ist es ganz selbstverständlich! Ein anderer Fall: Wir wissen, daß es regelrechte Ge­witter nur an warmen Sommertagen mit mehr als 15 Grad Wärme gibt und im Winter in Aus­nahmefällen dann, wenn schwere Winterstürme als Schneegewitter" über das Land brausen. Der April kümmert sich nicht um diese Regeln, im April donnert es bei allen Temperaturen.

Woher rührt diese Launenhaftigkeit? Sie ist die Folge der eigenartigen atmosphärischen Konstella­tion, die der west- und mitteleuropäische Frühling aufweisen. Genau Genommen ist das Aprilwetter nicht nur auf den April begrenzt, sondern es be­ginnt oft schon im März, wie z. B. in diesem Jahre am 25. März, und es geniert sich auch gar mcht, im Wonnemonat Mai noch auszutreten. Wenn im Frühling die Sonne die unteren Luftschichten bis zu einigen hundert Meter Höhe über den Meeresspiegel so weit erwärmt hat, daß man 15 bis 20 Grad Wärme im Schatten mißt, dann stnd dem Aprilwetter alle Tore und Türen ge­öffnet. Es haben sich nämlich nur die unteren Luftschichten über dem Festland so angenehm er­wärmt, während die höheren Luftschichten und ins- besondere die Luftmassen über den angrenzenden Meeresgebieten der Ostsee, Nordsee und insbefonbere des Nordostatlantik eisig kalt geblieben sind- Die Luft über dem Meer wie auch die Luft höherer Atmosphärenschichten nimmt die Sonnenstrahlungs­wärme nicht so schnell an, wie die unmittelbar über dem festen Erdboden schwebende Atmosphäre.

Diese Temperaturgegensätze sind die auslösenden Ursachen für das Aprilwetter. Das ungleiche Wärme­verhältnis nach oben, wie nach den an bas Fest­land angrenzenden Seegebieten schafft eine Span­nung, diese führt Barometerfall herbei, der Baro­meterfall löst atmosphärische Störungen aus unb die Störungen besorgen eine explosionsartige Durch­mischung der beiden verschiedenartigen Luftmassen, die sehr oft elektrische Entladungen mit sich ver­binden. Die sichtbaren Folgen dieser Durchmischung sind zunächst dis unangenehmen radikalen Wetter- stürze heute vorsommerlich, morgen nachwinter­lich kalt und naß bzw. im weiteren Gefolge der Wetterstürze dieEinzelaktionen" im Luftmassen­bereich, die bekannten Aprilschauer. TI.

Vornotizen

Tageskalender für INonlag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Verklungene Me­lodie". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Juwelen im West-Expreß".

Seit 70 Jahren steht das Infanterie-Re­giment 116 in diesem Jahre in enger Verbun­denheit mit der Gießener Bevölkerung. Viele Jahr­gänge wehrfähige Männer erfüllten in den Reihen des Regiments ihre Ehrenpflicht, den W a f- endienst. So wurde die Stabt Gießen ein, zwei unb mehr Jahre zur zweiten Heimat ber 116er.

Der Gründungstag des Regiments liegt noch 55 Jahre weiter zurück. Die vor nunmehr 125 Jahren in Darmstadt, am 17. Juni 1813, da­tierte Ordre lautet:

Des Herrn Großherzogs Königliche Hoheit haben, um dem im vorigen Feldzug zu einem provisorischen leichten Infanterie-Regiment unter dem Kommando des Obristen von Schönberg vereinigen Garde - Füsilier-Bataillon unb Leib- Füsilier-Bataillon hochbero Zufriedenheit dezeu- gen, diese beiden Bataillone zu einem wirk- 1 ichen leichten Regiment, unter dem Namen:G a r b e - F ü s i l i e r - R e g i m e n t" Allergnadigst erhoben unb besten Commanbo seinem bisherigen braven Commandeur, Obristen von Schönberg, übertragen.

(gez.) von Weyhers (Generaladjutant)." Prinz Emil fügte eigenhändig hinzu:Dor- stehende Ordre wird den Großherzoglichen Truppen- Corps bekannt gemacht. Es wird in der Gnade, die Se. Königliche Hoheit dem betreffenden Regiment bezeigen, einen neuen Beweis finden, wie sehr Hochstsie geneigt sind, jede Gelegenheit zu ergreifen, um Bravour und Verdienste zu belohnen.

(gez.) Emil, Prinz zu Hessen.

G. Lieut."

Bravour" hat das Regiment dann auch bei allen Kampfhandlungen des Jahrhunderts, bis zur Beendigung des größten aller Kriege gezeigt: 1815, 1866, 1870/71 unb 1914/18. Namen wie: An- loy, Mouzon (Res.-JR. 116), Dombrowa (Res.-JR. 222), Kemmel (JR. 186), Wiczayny (Res.-JR. 254) unb viele, viele andere sind unver- gänglich in der Kriegsgeschichte des Regiments und seiner Kriegsformationen.

Einundeinviertel Jahrhundert In- fanterie-Regiment 116! Dies ist Anlaß genug, zur Veranstaltung von soldatischen Feiern ganz großen Stiles. Der Aufruf des Regimentskom­mandeurs, Oberst Herrlein, an die ehemaligen Angehörigen des alten Regiments und der ebenso kampferprobten Kriegs-Regimenter: Res.-JR. 116, Landw.-JR. 116, JR. 186, Res.-JR. 222 und 254, JR. 390 unb 480 zum R e g i m e n t s - A p p e l l am 1 8. / 2 0. Juni in Gießen hat überall freu- bige Aufnahme gefunben. Aus den entferntesten

Winkeln bes Reiches laufen täglich beim JR. 116 Anmeldungen zur Teilnahme an diesen Tagen ein.

Eine umfangreiche Veranstaltungsfolge ist vom Regiment vorgesehen.

Samstag, 18.Juni: Empfang der Teilneh­mer am Bahnhof durch Angehörige des Regiments und die Regimentsmusik. Beziehen der Standquar­tiere. Großer Kameradschaftsabend in der Volks- Halle unter Mitwirkung der Regimentsmusik und Einlagen der Kompanien. Kurze Begrüßungsan- prachen.

Sonntag, 19. Juni: Großes Wecken. Ein­holung der aiten und neuen Regimentsfahnen. Ge- fallenen-Gedenkfeier am 116er-Ehrenmal mit Fah­nenkompanie und den ehemaligen 116ern. Anschlie­ßend gemeinsamer Marsch zum Trieb. Paradeauf­stellung des Regiments unb der ehemaligen Ange­hörigen des Regiments auf dem Trieb. Anschließend Vorbeimarsch. An diesem nehmen auch alle marsch- fähigen ehern. 116er teil. Essenausgabe bei den Feldküchen. Besichtigungsmöglichkeit sämtlicher Un­terkünfte des Regiments unb Kaffeetafeln in ben Kasernen. Wehrsportfest auf dem Trieb. Sportliche und militärische Vorführungen. Anschließend Preis­verteilung durch den Regimentskommandeur Oberst Herrlein. Aufführung vonWallensteins Lager" durch Angehörige des Regiments. Tanz in der Volkshalle unb "in anberen Sälen der Stabt.

Montag, 2 0. Juni: Frühschoppen in den Gaststätten Gießens und Stadtbesichtigung. Billige Möglichkeit zu Kraftwagengesellschaftsfahrten zum Gleiberg und Schiffenberg nach vorheriger Anmel­dung beim Regiment. Derpflegungsausgabe an den Feldküchen (Bergkaserne). Wiederholung vonWal­lensteins Lager" auf dem Trieb.

Anfragen sind an das Infanterie-Regiment 116 Gießen zu richten. Um eine reibungslose Durchfüh­rung der Großveranstaltung zu gewährleisten, bit­tet das Regiment, Anmeldungen zu ben Regiments­tagen baldmöglichst dem Infanterie-Regiment 116 Gießen (Bergkaserne) einzusenden.

116er-Regimentsappell in Gießen! Am Kameradschaftsabend unb aus den Marsch­kolonnen werden die alten Soldatenlieder unb Marschweisen erklingen, Erinnerungen aus frohen Friebens- unb harten Kriegstagen werden wach werden. Heber allem aber, was war, wird die Fahne des Führers stehen. Unb heute, morgen und so lange alte unb junge 116er leben, wird stets, in guten und in schweren Zeiten, ihr Wahlspruch sein: Immoto fides Treue bis zum letzten Atemzuge! Adolf Hitler demSchöp- fer G r o ß d e u t s ch l a n d s !

tion und für die Größe des Vaterlandes, kurzum alle die hohen ideellen Werte, die von den alten Soldaten in dem BegriffFrontkameradfchaft" zu-- sammengefaßt werden. Mit diesem reichen ideellen Schatz, so betonte Kam. Müller, wolle und werde die große Gemeinschaft ber alten Frontkämpfer im­mer ber fruchtbare Sauerteig innerhalb ber Sol- batenkamerabschaften sein, ber zum Wohle der Ge­meinschaftsarbeit und zum Segen für Volk unb Vaterland wirken werde. Und diese Gemeinschaft solle und werde allzeit ein brauchbares und zuver­lässiges Instrument des Führers und Obersten Be- fehlshabers Adolf Hitler fein, auf das er sich jeder­zeit verlassen könne. In alter Soldatentreue grüßte die Kameradschaft ihren großen Führer und ge­treuesten Frontkameraden Adolf Hitler. Weiter­hin machte Kam. Müller noch einige Mitteilun­gen über den Waffenring der ehern, deutschen Feld- artitterie unb über dessen bevorstehende Tagung :n Berlin, in deren Mittelpunkt natürlich der künftige Zusammenschluß aller alten Soldaten in dem neuen Bund und damit auch das Aufgehen des Waffen­rings in dieser Gemeinschaft stehen wird.

Kam. Leutnant d. R. S u n d h e i m als Sprecher seiner Kameradschaft A.-R. 9 im Gießener Soldaten- bunb gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß er zum ersten Male im Kreise ber alten Kameraden der Artilleristen-Kameradschaft 1895 weilen könne. Er knüpfte bann an eine Anregung an, die Kam. Müller bei dem jüngsten Appell der Kamerad­schaft A.-R. 9 gegeben und die das Ziel hatte, die Kameradschaft der beiden Vereinigungen durch ge­meinsame Arbeit in gemeinsamen Kameradschafts­abenden noch enger als bisher zu gestatten. Diese Anregung fand in ben Worten des Kam. Sund- h e i m guten Widerhall, wobei natürlich zunächst die Entscheidung der vorgesetzten Dienststelle der Kameradschaft A.-R. 9 abzuwarten ist. Daß bei die­ser gemeinsamen Arbeit der Angehörigen beider Kameradschaften auch die gemeinsame Sache nämlich Dienst an der Waffe und dadurch Dienst für Führer, Volk und Vaterland nur gewinnen wird, zugleich die Bande ber Kameradschaft zwischen Alten unb Jungen eine weitere Vertiefung erfahren werden, wurde auch von Kam. Sundheim nut treffenden Worten bestätigt. Als unmittelbare und jetzt schon feststehende Tatsache stellte er aber klar heraus, daß die Bande ber Kameradschaft zwischen den Angehörigen der beiden Vereinigungen ehema­liger Soldaten bereits geknüpft find und unvergäng­lich fein werden.

Im weiteren Verlause des Kameradschafts-Ap­pells konnte Kam. Huber, der einst in der öster­reichischen Artillerie diente und schon seit Jahren als einziger ehemaliger österreichischer Artillerist ber Gießener Artilleristen-Kameradschaft angehört, auf Grund von Mitteilungen seiner Verwandten in Oesterreich mancherlei Interessantes und Erheben­des aus den Tagen der Wiedervereinigung Oester­reichs mit dem Reiche berichten. Auch aus diesen Mitteilungen des persönlichen Erlebens konnten die Kameraden wieder entnehmen, mit welcher großen und dankbaren Freude die deutschen Brüder in Oesterreich die Tat des Führers und damit die Heimkehr ins große Deutsche Reich aufgenommen haben.

Im Anschluß an den dienstlichen Teil des Kame­radschafts-Appells verbrachten die alten und die jungen Artilleristen in bester Kameradschaft noch einige frohgestimmte Stunden.

7!SD. Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Bett.: Kahlenabrechnung am 5. April.

Die Kohlenhändler werden ersucht, die Kohlen* scheine ber Serie F Dienstag, 5. April, 2 0.30 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle (Zigar­renhaus Moeser), Eingang Löwengasse, einzureichen. Es wird hiermit darauf hingewiesen, daß die Rück­seite der Kohlenscheine außer der Unterschrift des Händlers auch die Unterschrift des Empfängers, dessen Wohnung, Straße und Hausnummer und die genaue Bezeichnung der Kohlensorte tragen muß. Nach dem 5. April eingereichte Scheine sind wertlos.

WHW., Ortsgruppe Gießen-Nord.

Bett. Kohlenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgeforüert,^ die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine, Serie F, bis spätestens Dienstag. 5. April, 18 Uhr, auf der

Mnatsappell der Gießener alten AMeristen.

Die in ber Artilleristen-Kameradschaft 1895 Gie­ßen vereinigten ehemaligen Artilleristen trafen sich am Samstagabend im KameradschaftsheimHessi­scher Hof" zu ihrem gewohnten monattichen Appell unter Leitung ihres Kameradschaftsführers M ü l - l e r. Zum ersten Male nahm an dem kameradschaft­lichen Treffen als Gast auch der Kameradschasts- führer der Kameradschaft AR. 9 im Gießener Sol­datenbunde, Kam. Leutnant d. R. Sundheim, als Vertreter seiner Kameradschaft teil. Ferner hat­ten die alten Artilleristen die Freude, wiederum Kameraden der HI. Abt. AR. 9 mit dem Leiter der Unteroffizier-Vereinigung dieser Abteilung, Wacht­meister Niedenthal, an der Spitze, in ihrer Mitte begrüßen zu können.

Kameradschaftsführer Müller stellte zu Beginn des Appells die großen Ereignisse der jüngsten Wochen, die Wiedervereinigung der deutschen Brü­der in Oesterreich mit dem großen Deutschen Reich, dieses Ereignis aus dem Gesetz des Blutes, in ben Vordergrund, und er brachte dabei mit der selbstver­ständlichen Treue des alten Soldaten auch deren un­auslöschlichen Dank an ben Führer unb Reichskanzler Adolf Hitler für feine entschlossene, von allen deutschen Volksgenossen mit dankbarer Zustimmung begrüßte Tat zum Ausdruck. Er betonte ferner, daß gerade die alten Soldaten, die einst draußen vor

dem Feinde standen, und aus ihrem Erleben her­aus ganz besonders die Not eines Volkes ermessen können, diese welthistorische Wiedervereinigung der österreichischen Brüder mit uns im alten Reich vor allem tief empfinden und daß dieser Tag der deut­schen Größe unvergeßlich in ihren Herzen fort­leben wird. Ihrem Dank an den Führe'' würden die alten Soldaten am 10. April mit ihrem I a Ausdruck geben. Als weitere wichtige An­gelegenheit der alten unb der jungen Soldaten in diesen Tagen brachte Kam. Müller die künf­tige Zufammenfasfüng aller allen unb jungen ehe­maligen Solbaten in einem einzigen großen Bund, dem NS.-Soldatenbund als allumfassende soldatische

Gemeinschaft, zur Sprache. Er brachte in treffenden Worten zum Ausdruck, daß die alten Frontsoldaten bei diesem Zusammenschluß, wie überhaupt schon immer ihren jungen Kameraden aus ber Nach­kriegszeit unb ben aus der neuen Wehrmacht nach treuer Dienstzeit zur Entlassung kommenden Kame­raden viel Wertvolles zu übermitteln haben, näm­lich das große Erlebnis der Front, die in diesen Sturm- und Notjahren vor dem Feinde erwachsene Frontkameradschaft, die segensreichen Auswirkun­gen des alten Soldatengeistes auch in den Zeiten, in denen es gilt, mannhaft unter Einsatz des ganzen eigenen Ich einzustehen für die Gesamtheit ber Na-

Abenteuerin Paris.

Roman von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Paul Sacher, der ben Wortführer machte, räu­sperte sich.Wir haben Sie zu uns gebeten", er­klärte er feierlich,erstens um Ihnen ein sehr ge­winnbringendes Geschäft vorzuschlagen, unb zwei­tens, um Sie für eine befonbere lpache, die heute nacht in Szene gehen soll, um Ihre Unterstützung zu bitten."

Fred Peggs nahm eine kleine silberne Tab allere aus der Westentasche, öffnete sie vorsichtig, entnahm ihr mit spitzen Fingern eine kleine Prise, sog sie genießerisch in die Nase und lehnte sich bann er­wartungsvoll in den Sessel zurück.

,Lassen Sie hören!"

Es muß noch erwähnt werden, daß Herr Peggs in einer hohen Fistelstimme zu sprechen pflegte. Das klang genau so, als bemühe er sich bei jedem Wort, ein belustigtes Kichern zu unterdrücken.

Nun berichtete Paul Sacher in aller Offenheit, wie sich die Dinge seit dem Raub in ber Berliner Friedrichstraße bis zum heutigen Tage entwickelt hatten. Er verhehlte nicht die Schwierigkeiten, in die man bezüglich des Absatzes der Ware durch bas Fernbleiben Loondes geraten war, und gab schließ­lich der Erwartung Ausdruck, daß Herr Peggs sich als kulanter Vermittler unter Zusicherung einer noch zu vereinbarenden Beteiligungsquote gern zur Verfügung stellen würde.

Hm!" meinte Peggs.Ich werde cs mir über­legen. Wie hoch beläuft sich der tatsächlich realisier­bare Wert?"

Sechshundert Mille! Teils Goldwaren, teils Juwelen!"

Ich werde es mir überlegen!" wiederholte Peggs, ohne über die Höhe ber Summe im geringsten er­schüttert zu sein.Unb worauf bezieht sich Ihre zweite Angabe?"

Ist Ihnen ber Name Maquinot geläufig?"

Auf Peggs Zügen malte sich ein undurchbring- liches Lächeln.Was soll bie Frage?"

Wir hatten heute vormittag eine Besprechung im Hotel .Esplanade* und wurden dort von einem Kellner bedient, den einer von uns er ist im Augenblick nicht anwesend als einen Berliner Polizeibeamten zu erkennen glaubte. In die Enge getrieben, erklärte der Mann, daß er mit dem be­

rüchtigten Hochstapler Maquinot identisch sei. Wir ließen uns verleiten, dieser Angabe Glauben zu schenken unb wurden in dieser Meinung noch be­stärkt, als einige Zeit später die Polizei erschien, um den Mann zu verhaften, allerdings ohne (Er­folg, denn es gelang Maquinot zu entfliehen. Wir kamen schließlich zu der Vermutung, daß der Mann es auf unsere Schätze abgesehen hatte."

Lächerlich! Maquinot wird sich niemals einen von der Zunft zum Opfer ausersehen!"

Sie kennen ihn also?" ,

Sehr gut! Er war mein Schüler, unb ich kann sagen: mein bester Schüler. Ich bin stolz aus ihn."

Großartig! Sie werden uns also, wenn wir Ihnen den Mann zeigen, ohne weiteres sagen kön­nen, ob er Maquinot ist ober nicht." Er erzählte, wie es zu der Verabredung imBlauen Kater" gekommen war.

Peggs legte sein rechtes Bein auf das Knie bes linken und bewilligte sieb eine zweite Prise.Ich kann Ihnen schon jetzt sagen, meine Herren, daß Sie einem Schwindler zum Opfer fielen. Maquinot befindet sich seit vierzehn Tagen auf einer Geschäfts­reise durch bie Balkanstaaten. Erst gestern schrieb er mir eine Ansichtskarte aus Bukarest."

Ah!" machten alle drei wie aus einem Munde, während ihre fassungslose Verblüffung deutlich auf ihren Gesichtern zu lesen stand.

Sieh einer an", staunte Czibulka,da hatte Claudius mit seinem Verdacht doch recht! Das wird uns dieser Bursche büßen!"

Ich bin an dieser Sache interessiert!" Peggs strich mit der Rechten mehrere Male über seinen Schädel, auf dessen Politur sich die Umrisse des Fensters spiegelten.Ich kann nicht dulden, daß der nächstbeste Halunke sich widerrechtlich den Namen meines Freundes aneignet und ihn zu betrügerischen Manövern mißbraucht. Der Mann ist unschädlich zu machen. Ich stehe Ihnen mit meinen Leuten zur Verfügung."

Töne ßarrings runzelte die Stirn.Unschädlich machen? Wollen Sie ihm etwa ans Leben?"

Warum nicht!" lächelte Peggs.Notwehr, mein Lieber! Wir sind Freiwild und da gilt nur: Auge um Auge, Zahn um Zahn!"

Nee, Herr Peggs, Sie mögen sonst ein recht netter alter Herr sein, aber da können wir nicht mitmachen. Laß mich jetzt reden, Paule, es ge­schieht sowieso selten genug. Also, der Mann hat uns zwar ordentlich auf den Leim geführt, das ist schließlich sein Beruf, aber er hat uns weiter nichts getan. Er hätte es sich leicht machen können-, was wir uns da im Hotel erzählten, hätte ausgereicht,

um uns hoppzunehmen. Er hat das nicht getan, er wollte erst endgültige Beweife^haben bas ist an­ständig, sagt, was ihr wollt! Spielen wir ihm einen Streich, schön, burchaus einverstanben! Aber mit einem Mord wollen wir nichts zu tun haben, was, Jungs? Wollt ihr etwa als gemeine Mörder Herum­laufen unb eines Tages auf dem Schafott enden? Nee, kommt nicht in Frage, wie?"

Er las aus den Mienen der beiden anderen, daß feine Worte Eindruck gemacht hatten.

Hast nicht ganz unrecht! So als Mörder!"

Peggs lachte häßlich auf.Ich stehe natürlich nicht an, Ihren zarter besaiteten Seelen Rechnung zu tra­gen. Wir werden uns auf der Basis Ihres Stand­punktes einigen. Kommen wir also zu den Einzel­heiten. Es ist jetzt halb neun Uhr, wir haben noch zweieinhalb Stunden Zeit."

26.

Als das Auto sich in Bewegung setzte, überfiel Gerda Bosch plötzlich ein Mißtrauen.Aber hören Sie mal mein Verlobter weiß doch gar nicht, daß ich in Paris bin. Ich kann mir nicht denken, wie er es erfahren haben sollte!"

Sehr einfach, mein Fräulein!" entgegnete Clau­dius gefaßt. Er hatte die beiden gestern am Ber­liner Bahnhof gesehen, wie sie sich verabschiedet hatten, er hatte Hann beim Betreten des Abteils den jungen Mann suchend und mißtrauffch am Fenster stehen sehen und konnte sich das übrige ungefähr zusammenreimen, aus dem einfachen Grunde, weil nur eine einzige Losung als naheliegend übrigblieb.

Ihr Verlobter hat Sie gesehen, als Sie den Zug bestiegen, anstatt sich der Sperre zuzuwenden. Er hat Sie bann während der Fahrt in allen Wagen gesucht, aber leider nicht gefunden. Dann kam der Zwischenfall an der Grenze, ber ihn zur Unterbrechung der Reise zwang, und der erst heute früh nach Rückfrage in Berlin aus der Welt ge­schafft werden konnte."

Gerda glaubte den Schwindel, obwohl sie sich hätte sagen müssen, daß man einen im Zuge reisenden Bekannten ohne Schwierigkeit fand, wenn man ihn suchte.

Aber meine Hoteladresse?" fraate sie hartnäckig weiter.Ich wußte ja selber nicht, daß ich aus­gerechnet in ben ,Drei Milchfrauen* absteigen würde."

Auch da fft keine Hexerei im Spiele dank der ausgezeichneten Organisation des Pariser Melde­wesens. Eine halbe Stunde, nachdem Sie sich ins Hotelbuch eingetragen hatten, war Ihre Adresse bereits auf dem Zetttralmeldeamt. Herr Ruland

brauchte nur nachzufragen, um die gewünschte Aus­kunft zu erhalten."

Gerda aab sich geschlagen, denn wie hätte sie wissen sollen, daß* die Angaben ihres Begleiters auf feiner Erfindung beruhten.

Nun aber muß ich auch Sie ein wenig exami­nieren!" fuhr Claudius fort und hob scherzhaft drohend seinen Finger.Dieser junge Mann da, in dessen Begleitung ich Sie angetroffen habe und der andere Herr, mit dem Sie im Hotel abgestiegen inb ich weiß nicht, ob ich es verantworten kann, liefe bedenklichen Dinge Ihrem Verlobten zu unter- chlagen?"

Gerda lachte so unbefümmert auf, daß Clmckius eine Schlußfolgerungen in biejer Richtung als ab­wegig verwerfen mußte.Ich werde ihm selber alles erzählen."

Aber dann verschwand ihr Lachen und machte einer bestürzten Miene Platz.Er ist in Gefahr, sagten Sie? Wie ist das zu verstehen? Willy sprach zwar davon, daß er eine besondere Aufgabe zu erledigen habe es sollte heute vormittag irgendeine Zusammenkunft im Hotel »Esplanade* sein, die mir nicht recht geheuer erschien; aber dazu ist es doch gar nicht gekommen! Wollen Sie mir nicht sagen?"

Es handelt sich um ein Verbrechen, um einen großen Juwelenraub, durch den Rulands Firma be­trächtlich geschädigt wurde. Nun hatte man in Ber­lin die Spur der Missetäter gefunden, und Dtutanb sollte versuchen, durch vorsichtige Fühlungnahme mit den Leuten in der Maske eines Hehlers die Sicher­stellung der Beute und die Festnahme der Diebe zu bewerkstelligen. Davon hat die Bande Wind bekom­men, und nun sind sie hinter ihm her."

Das fft ja schrecklich."

In meiner Wohnung ist er jedenfalls in Sicher­heit. Wir kennen uns nämlich von früher her, unb Willy hatte den klugen Einfall, bei mir Zullucht zu suchen, um von hier alles Weitere in die Wege zu leiten. Er hofft, daß Sie ihm dabei behilflich sein werden.""

Deswegen bin ich ja nach Paris gekommen. Haben wir noch lange zu fahren?"

Ja. Es ist ein ziemliches Ende bis zur Rue Faubourg. Sagen Sie, wer fft eigentlich der Herr, der mit Ihnen in denDrei Milchfrauen" ab- stieg? Ich ließ mir erzählen, daß er von ber Poli­zei verfolgt worden fei."

Ich weiß wirklich nicht. Ich lernte den Herrn im Zuge kennen und er machte eigentlich einen guten Eindruck. Ich kann es nicht glauben, daß er ein Ver­brecher fein soll."

(Fortsetzung folgt.)