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Wehrhafte Dorfkirchen in Hessen.

Dortrag im Oberhessischen Geschichtsverein.

Aus 6er Stadt Gießen.

Betteln und Hausieren verboten."

Heute ziert manche Haustür noch ein Schild, das grundsätzlich unangebracht erscheint. Das ist' der HinweisBetteln und Hausieren verboten!" Diese an der Haustür schwarz auf weiß angebrachte Mahnung ist nichts als ein Ueberbleibsel aus der Nachkriegszeit, das seinen Sinn längst verloren bat

?5, \V verständlich, daß in der Zeit größter 2Ir< beitslosigkeit, m der Zeit furchtbarster Wirtschafts­depression manche unserer arbeitslosen Dolksae- nassen sich dem Hausierhandel in der Hoffnung 311= wandten, vielleicht hier für ihre notleidende Familie einiges verdienen zu können. Genau so verständlich erscheint es, daß manche Menschen, die in dieser Notzeit nicht mehr ein noch aus wußten, ihre letzte Rettung im Betteln suchten.

Auf der anderen Seite haben wir auch Ver- standnis für den Hauswirt, der sich und seine viel­eicht selbst nicht zu gut gestellten Mieter vor dem Ueberlaufenwerden durch Anbringung des Schildes ^Betteln und Hausieren verboten" zu schützen suchte Mag dem jedoch sein, wie es will; heute ist die Sachlage jedenfalls eine wesentlich andere. Das Heer der Arbeitslosen ist verschwunden. Arbeits- kraste werden schon lange gesucht. Alle Arbeits­willigen sind langst wieder dem Produktionsprozeß zugesuhrt. Die Bettelei ist beseitigt. Die wirklich Bedürftigen sind der Schmach der Bettelei ent­hoben; denn ihrer nimmt sich die NSV. an.

Somit ist auch das SchildBetteln und Hausieren verboten", was das Betteln anlangt, grundsätzlich sinnlos geworden. Die Verbindung aber zwischen Betteln und Hausieren ist und war für den ehr­lichen Hausierer nichts anderes als eine Beleidi­gung. Denn der ehrliche Hausierer betreibt sein Wandergewerbe genau so achtsam wie jeder andere anständige Geschäftsmann. Und es geht nicht an, daß man in einem Wandergewerbetreibenden einen Strolch oder sonst etwas sieht, nur weil er seinen Laden" gleich mit sich herumträgt.

Für diesen anständigen Hausierer ist es eine Krän­kung, wenn er sehen muß, daß sein ehrliches Tun mit der Bettelei in einem Atemzuge genannt wird. Doch auch das Schild, das nur das Hausieren ver­bietet, ist wegen der Ehrlichkeit des rechten Hausier­handels ein Unrecht. Der Einwand nämlich, daß sich unter den Hausierern zu viele arbeitsscheue Elemente befinden,^ zieht, wie bereits betont, nicht. Insbeson­dere greift hier eine neuere Verordnung des Be­auftragten für den Vierjahresplan über Beschrän­kungen in der Ausübung des Stadthausiergewerbes durch. Durch sie wird es möglich, Arbeitskräfte, die in ihrem alten Beruf wertvoller erscheinen, diesem wieder zuzuführen, indem man ihnen keinen neuen Wandergewerbeschein ausstellt oder auf Antrag des Arbeitsamtes den bereits erteilten entzieht.

Nun befinden sich unter den ambulanten Gewerbe­treibenden, die, von Tür zu Tür, von Haus zu Haus gehen, etwa 20 v. H. Juden, und nach dem geltenden Recht, das im heutigen Staat mit größter Genauig­keit gehandhabt wird, besitzen wir kein Mittel, diese Juden vom Wandergewerbeschein auszuschließen. Die wirtschaftliche Betätigung ist ihnen auch in Form des Hausierhandels nun einmal gestattet.

Wir haben auch volles Verständnis dafür, daß ein deutscher Hauswirt, wie auch seine Mieter nicht von Juden kaufen und deshalb jüdische Hausierer nicht im Hause sehen wollen. Das ist aber noch kein Grund, das alte sinnlose SchildBetteln und Hau­sieren verboten" an der Tür hängen zu lassen. Sollte es da wirklich kein anderes Abwehrmittel geben, als eines, das einen anständigen Wandergewerbetreiben- dcn kränken muß? Es dürfte da doch wohl ein Schild ausreichenJuden ist das Hausieren nicht gesichtet".

Damit verbietet der Hauswirt Unerwünschten den Zutritt zum Haus, ohne den Hausierer, der ein ehr­liches Gewerbe betreibt, grundlos zu kränken.

Der Oberhessische Geschichtsverein hatte am gestri­gen Donnerstagabend zu seinem vierten Vortrag emgeladen, den der Dozent am Kunstwissenschaft­lichen Institut Dr. M e y e r - B a r k h a u s e n über­nommen hatte. Der Führer des Vereins, Dr. G l ö ck- ner begrüßte zunächst die große Zuhörerschar, die beinahe den ganzen Saal des Instituts füllte.

Dann sprach Dr. Meyer-Barkhausen, dessen Darlegungen folgendes zu entnehmen war: Von den rauhen Zeiten mittelalterlichen Faust- und Fehderechtes, in denen jedes Gemeinwesen wehrhaft selbst auf Schutz und Sicherheit bedacht sein mußte, künden in erster Linie die Reste von trutzigen Mauern, hochragenden Türmen und festen Toren, denen wir in unfern alten Städten begegnen. Aber nicht nur die Städte waren befestigt. Auch Dörfer waren durch Umwallungen und Tore geschützt, und oft bot eine hochgelegene Wehrkirche mit starkem Mauerring und mächtigem Wehrturm eine letzte Zuflucht. Reste solcher Wehrkirchen finden sich in ganz Deutschland und darüber hinaus in allen eu­ropäischen Ländern. Am besten erhalten sind die mächtigen vieltürmigen Kirchenburgen Siebenbür­gens, die dort von mitteldeutschen Siedlern seit dem 13. Jahrhundert errichtet worden sind. Daneben wirkt das bei uns Erhaltene sehr bescheiden. Nur im westlichen Thüringen und in der Rhön finden sich noch einigermaßen, vollständige Anlagen, die zeigen, daß wir unsere Wehrkirchen ganz nach dem Vorbilde der siebenbürgischen zu ergänzen haben.

Die Ummauerung von Kirchen des platten Lan­des scheint in älteste Zeiten zurückzuführen, sei es, daß bei der Einführung des Christentums die ersten Kirchen in bestehenden Befestigungen errichtet wor­den (Büraberg, Amöneburg, Christenberg), sei es, daß von den Grundherren in befestigten Königs­höfen oder Edelsitzen Eigenkirchen errichtet wurden, deren Kirchhöfe heute noch von der ursprünglichen Anlage Kunde geben. Auch aus dem späteren Mit­telalter sind in Thüringen Umwandlungen von Burgsitzen zu Wehrkirchen bekannt. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Anlage und Ausgestal­tung von Wehrkirchen in größerem Umfange von den Territorialherren betrieben, die in ihnen wich­tige Stützpunkte zum Schutz ihrer Dörfer und zur Sicherung ihres Gebietes sahen.

Schon die erhöhte Lage inmitten des Dorfes auf einem Hügel oder über einem Steilhang kennzeichnet die Wehrkirche (Nieder-Walgern). Bisweilen sind noch Reste eines Wallgrabens zu erkennen (Fron- haufen-Lahn). Die Ummauerung des Kirchhofes ist dann an den hessischen Beispielen meist bis zur Höhe einer bloßen Einfr'..digungsmauer abgebrochen. Vereinzelt finden sich noch Schießscharten. Häufiger sind befestigte Tore mit inneren Wangen (Ebsdorf), Ueberwölbung (Langenstein), Wehrgang bzw. Wehr­plattform (Balhorn), Zinnenabschluß (Seeheim an der Bergstraße). Ein regelrechter Torturm findet sich noch in Helsa bei Kassel, und in Geismar bei Fritzlar sind noch Reste einer Ummauerung mit Rundtürmen an den Ecken vorhanden. Wie diese kärglichen Reste zu ergänzen sind, zeigen thürin­gische Wehrkirchen, so vor allem die imposante, die Werrastraße hoch überragende Kirchenburg in Wall­dorf bei Meiningen mit ihren sechs Rundtürmen in der Ringmauer, ferner die Kirchen in Rohr, Dach­dorf und Belrieth mit gut erhaltenen Tortürmen, hoher Mauer, die z. T. noch den Wehrgang er­kennen läßt.

Die thüringischen Beispiele müssen auch heran­gezogen werden, um zu zeigen, daß die zur Auf­nahme der bäuerlichen Habe in Kriegszeiten dienen­den Gaden an der Innenseite der Kirchhofswehr­mauer bei uns in ganz ähnlicher Weife vorhanden waren, wie in den großartigen Anlagen Sieben­bürgens. An den hessischen Wehrkirchen- sind diese Vorratshäuser und Keller der Kirchhöfe fast völlig verschwunden. Nur die Urkunden nehmen bisweilen

auf sie Bezug. In Thüringen und in der Rhön um­stehen sie jedoch heute noch in langen Reihen den Kirchhof, ja sie sind bis auf den heutigen Tag in Benutzung geblieben und dienen den einzelnen Höfen des Dorfes zur Aufbewahrung von Feld- früchcen.

Das Kernwerk der Kirchenfestung ist das Kirchen­gebäude selbst, namentlich der mit ihm verbundene Kirchturm. Hier bietet unsere Gegend, insbesondere Oberhessen, eine Reihe hervorragender Beispiele, die besser vielleicht als anderswo die ursprüngliche wehrhafte Ausgestaltung des Kirchturms erkennen lassen. An ihnen ist festzustellen, daß die heute durchgängige Form des Helmabschlusses nur an we­nigen dieser Wehrtürme ursprünglich ist, daß viel­mehr eine regelrechte. Plattform mit Zinnenkranz oder ein Wehrgang mit kleinem Helm in der Mitte meist den Tuvmabschluß bildete, der durch Wasser­speier an den Ecken entwässert wurde (Ebsdorf, Heskem, Mardorf, Sterzhausen). Das ergibt eine überraschende Verwandtschaft dieser Kirchtürme in ihrem ursprünglichen Zustande mit städtischen Mauer- oder Tortürmen, denen sie auch in ihrer inneren Aufteilung völlig gleichen (Lich, Wieseck). Da wird man sich nicht wundern, auch einmal in Crumbach bei Kassel einem regelrechten run­den Wartturm als Eingangsturm einer Wehrkirche zu begegnen. Etwas anderes ist es, wenn Kirchen mit schon bestehenden Wehr- oder Warttürmen nachträglich verbunden worden sind (Großenenglis, Lich). Schließlich gibt es auch Wehrkirchtürme von besonderer Mächtigkeit, die allem Anschein nach ur­sprünglich allein in der Kirchhofsumwehrung stan­den und für gottesdienstliche Zwecke nur eine Ka­pelle im Untergeschoß enthielten (Oberkleen). Aeußerlich wird man an solchen Anlagen nur noch wenig von ihrem eigentlichen kirchlichen Zweck ge­spürt haben.

Oft ist auch das Kirchenschiff Wehrzwecken dienst­bar gemacht. Zwar sind Wehrgänge als Abschluß der Wände, wie sie sich an Siebenbürger Kirchen und vereinzelt auch in Deutschland finden, bei uns nicht erhalten. Aber einmal kommt ein Gußerker über der Eingangstür vor (Bergheim), ein ander­mal eine Schießscharte in der Kirchenwand (Rothen­kirchen), und eine alte Chronik meldet, daß in Ar­zell bei Fulda der Dachboden der Kirche 21 Zellen zur Aufnahme der 21 Familien des Orts in Kriegs­zeiten enthalten habe.

Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen verloren die Kirchenburgen naturgemäß an Bedeutung, wenngleich gerade am Ende des Mittelalters noch zahlreiche Kirchenumwehrungen und wehrhafte Kirchtürme entstanden sind. Lange noch haben die hochgelegenen und ummauerten. Kirchhöfe in den Kriegen eine Rolle gespielt, so im Siebenjährigen Kriege, und noch 1870 ist in manchem französischen Kirchhof heiß gerungen worden.

Mehr und mehr mußten in den nachmittelalter­lichen Jahrhunderten die alten Wehranlagen der Dorfkirche der friedlichen Bestimmung des Gottes­hauses weichen. Der Kirchhof wurde zum Friedhof, der Wehrturm zum Glockenturm. Abgesehen von der burgartigen Lage und dem trutzigen Gemäuer künden heute nur noch geringe Reste von der ehe­maligen Bedeutung unserer Wehrkirchen. Sie sind der Beachtung und liebevollen Pflege wert als Zeu­gen dessen, daß in alten Zeiten nicht nur die (Stabt wehrhaft war, sondern daß auch die Bewohner des Dorfes hinter starker Wehr sich und das Ihre mannhaft zu verteidigen wußten.

Dr. Glöckner sprach dem Vortragenden den Dank des Vereins und der Zuhörer aus und be­tonte, wie anregend alles das gewesen sei, was Dr. Meyer-Barkhausen in Wort und Bild geboten habe. Zum Schluß gab er aus dem Ver­einsleben bekannt, daß am 17. Februar der letzte Vortrag stattfinde.

Land der landlosen Leute.

Von Friedrich Schnack.

Herrlich sind die Landkarten, die stummen Füh­rer «und Verführer in ungeheure Weiten! Ihre Male­reien drücken märchenhafte Wirklichkeiten aus: auf ihnen sind, reicher als unter irgendeinem Maler­auge, gestaltet Berge, Täler, Meere, Küsten und Flüsse. Verliebt und bewundernd schweift der Blick über sie hin und erkennt auf ihnen die Zeichen eines unausdenkbaren Schicksals. Tief eingegraben hat es sich in das Antlitz der Erde durch Runzeln und Falten, Risse, Sprünge, Brüche und Abstürze: es find die Spuren gewaltiger Erlebnisse und steiner­ner Schmerzen. Doch daneben, wie zum Tröste, lächeln die Meere und die dunkelgrünen Täler.

Schön sind jene Karten, auf denen die Berge braun gemalt sind, geschrägt und gestrichelt, wo die blauen Gletscher glänzen wie eingesprengte Opale und Amethystsplitter, wo die Täler im Sonnen­schein liegen gleich blühenden Wiesen, in die du geradewegs hineinspringen möchtest, ohne behörd­liche Erlaubnis und Reisepaß.

In einem alten Koffer, der meinem Großvater gehörte, habe ich eine verblichene Landkarte gefun­den, die aussieht wie ein Biedermeierbild der Erde: sie ist blaß und fein, friedlich und klar es ist eine leidenschaftslose und innige Karte, und doch hat sie 'Sehnsucht erregt und Wünsche beflügelt. Wie oft mag er die Karte Asiens betrachtet haben (Tm- tenspuren und Bleistiftstriche sind darauf), die vor seinen Augen einen Zauberteppich ausbreitete, m den Berge, Länder und Flüsse gewoben sind.

Die Karte ist mir teuer, da sie getränkt ist mit Sehnsucht, mit dem Verlangen nach Erlebnissen und Abenteuern. ,, ,

Auf ihr schlängeln die Flüsse wie blaue Aederchen in verschollene Schlechten und Täler, verwunderte Hügel stehen darin, gelb wie Ton und bräunlich wie Rost, als hätte sie die ewige Sonne ausge­glüht und ausgebrannt; tief unten schimmern saphi- rene Teiche und Landmeere, klein wie winzige Mu­scheln; andere wieder leuchten azurn, gleich dem Aether, schlafend in der Unschuld ihrer Urwelt.

Das Land, das die Karte meines Großvaters darstellt, ist längst nicht mehr wahr; es hat sich verändert mit allem, was darauf gezeichnet ist. Den­noch möchte das Auge den Schlängelflufsen folgen und den Straßen kreuz und quer, die irgendwo ankommen, in verwitterten Toren und staubigen Städten mit zerbrochenen Mauern und zerfallenen Türmen. Vielleicht wohnt dort, wo Die grüne

Ebene braune Felsenberge spaltet, das Wunderbare, das jeder zu erleben glaubt, wenn er eine Reise tut, und das auch der alte Großvater vergeblich suchte ...

Wie schön und anziehend ist in meinem Atlas die große Karte mit den fünf Erdteilen: wie ein hell­grüner und gelbgefleckter Becher wölbt sich Nord­amerika in die Ozeane; Südamerika kommt mir vor wie ein halber Vogelkopf, dunkelgrün beftaumt, mit einem Albatrosschnabel von gelbem i)orn. Dort wälzt sich in den Atlantik das afrikanische Massiv mit breiter, harter Felsenstirn und gedrungenem Hals. Dahinter flattert aufgeregt, tausendfach zer­rissen und angenagt, das unruhige Europa ... ubd das geheimnisvolle Asien, ein unbestimmbarer Leib mit einer unbestimmbaren Seele. Aber darüber strecken sich die gigantischen Tafelländer Rußlands und Sibiriens. Und aus der rechten Ecke meiner Erdkarte, die mich unterrichtet über Vegetationsge­biete, Getreidezonen und Meeresströme, treibt Australien heraus, plätschernd im Meer samt Neu­seeland und Polynesien.

Mein Auge wandert über diese prächtigen Kon­tinente' gelb wie Ocker sind die nördlichen Tun­dren sandfarben die südlichen Wüsten; dazwischen wogen die Gersten- und Weizenzonen, unendliche Ströme Goldes, und die schäumen hinein in die dunkler gefärbten Zonen des Maises und Hafers. In China grünt die saftige Reiszone, und ganz Mittelafrika wird überschäumt von der Sorghumslut, d-rJleqerf)irfe. Di- Sorftellung daß es o m-l° und große Kornkammern auf Erben gibt, ift über« wäMqend. Wo aber das Getreidekorn fehlt, da wächst das Sandkorn, wie in der Sahara, in der Wüste Kalahari, in der Wust- Gobi und m d-r großen Sandwüste Viktoria in Australien.

Wie gerne möchte ich einmal den Wind über die­sen Getreidefluten sehen, d,e groß wie Meere sind!

An den Kontinenten stoßen sich di- Meeresstro- mungen Aus meiner Erdkarte sind»sie als parat- "l- Linien in den großen Wannen der O.s-ane sicht­bar Mus den Polarmeeren schießen die blauen, kalten Linien heraus, spitz wie Pl-ile von Eis, in den Aeauatorialaegenden kurven die roten, war­men Linien Ich "steile mir vor, daß ich mit einem alten Seaelkasten aus der südlichen Passattrist da- hink-ik- Mischen Afrika und Australien, Landern, die auch für mich gemacht stnd.

Meine Landkarte erlaubt nur derartige Darstel­lungen. Wissen möchte ich, wie viele Menschen aus der Welt ebenso tun wie ich, wenn es «eifeaeit unb Meeresstille zu glücklicher Fahrt lockt äll flie die es sich nicht leisten können, muß die billige Landkarte^ die teuere Fahrt ersetzen. Genau so er­

ging es auch dem alten Großvater in Franken, der seinen Koffer packte und nicht zum Tor hinauskam.

Zwischen nördlichem und südlichem Wendekreis ist die Welt am schönsten auf meinem Atlas. Des­halb liebe ich ihn: es gibt keine bessere Unteehal­tungslektüre als seine ungeschriebenen Reisebeschrei-' bungen, feine phantastischen Andeutungen. Ich liebe seine schlafenden Stürme, seine Landkolosse, seine wogenden Getreidezonen. In feinen Urwäldern sto­ßen mir Abenteuer zu, wie sie nur der empfind­same und phantastische Reisende erlebt.

Selten vertieft Wechsel der Szenerie den Geist wohl aber tun es Sehnsucht und Hoffnung. Auch sie gestalten das Dasein. Das währe Feld auf dem die Sehnsucht und die Hoffnung aufblühen, ist die Landkarte.

Raum hat sie für alle, für alle Geheimnis und Trost! Sie ist das Land der landlosen Leute, der Seefahrer ohne Schiffe, der Reifenden ohne Reise..

Fliegeschule für Vögel.

Es gibt an den Ufern der Themse eine richtige Fliegeschule für Vögel. In einem riesigen Vogel­haus, das mit Leitern, Trapezen und allen mög­lichen anderen Geräten für Vogelgymnastik aus­gestattet ist, befinden sich hier allerlei Arten von Vögeln, die, sei es durch äußere Verletzungen, sei es auf andere Weise ihr volles Flugvermögen ein­gebüßt haben. Hier werden die kleinen Insassen gepflegt und ihnen der volle Gebrauch ihrer Flügel wieder gelehrt, bis sie eines Tages so weit sind, daß sie in der Freiheit für sich selbst sorgen können.

Da nimmt zum Beispiel, so erzählt ein Besucher, ein entzückender kleiner Buchfink, dessen gebrochener Flügel kürzlich erst geheilt ist, seine ersten vorsichti­gen' Schritte eine kleine Leiter hinunter, und bei jeder Stufe hält er aufgeregt inne, nicht anders als ein kleines Kind, das zum ersten Male die Treppe hinabsteigt. Eine Goldammer, auch mit neugeheil­tem Flügel versucht Hie ersten kurzen Flüge unter dem wachsamen Auge ihres Pflegers, und eine ein­äugige Eule, durch einen dargereichten Leckerbissen ermutigt übt sich im Landen. Hoch oben auf einem Trapez wiegen sich ein Rotkehlchen und ein Zeisig und erörtern in lebhaftem Gezwitscher ihre Fort­schritte oder vielleicht auch Pläne, wie sie ihre be­vorstehende Freilassung feiern wollen. Unten auf ber Erde hüpft eine einbeinige Drossel und lernt sich im Gleichgewicht zu halten, das kluge Auge auf den Boden gerichtet, wo sie vielleicht das Rascheln unterirdischer Würmer hört, lieber dem Dach der Schule kreist ein Taubenschwarm. Vor kurzem waren die Tauben selbst noch Insassen der Schule,

Dornotizen.

Tageskalender für Freilag.

Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrEnoch Arden". Gloria-Palast, Seltersweg:La Habanera", im Bei­programm derBoxkampf Schmeling Foord". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ritter ohne Furcht und Tadel". Goethebund und Kaufmännischer Ver­ein:Auf den Spuren unbekannter Völker in Hinter­indien". Oberhessischer Kuystverein, Turmhaus am Brand: Frankfurter Künstler der Gegenwart: 17 bis 18 Uhr.

Sladiihealer Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend zum letztenmalEnoch Arden", Oper von Ottmar Gerster. Musikalische Leitung Paul Walter. Spielleitung Wolfgang Kühne. Leitung und Einstudierung der Chöre Heinz Markwardt. Choreo­graphie Irmgard Zenner. Bühnenbilder Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 18. Vorstellung der Frei­tag-Miete statt. Ende 22.30 Uhr.

Gießener Konzert-Verein.

Man schreibt uns: Maria Neuß, die Trägerin des Berliner Musikpreises von 1937, gibt am kom­menden Sonntag in der Reuen Aula einen Violin- abenb. Die Künstlerin ist dem Gießener Konzert­publikum längst keine Unbekannte mehr, uyd jeder Freund echter Musik verspricht sich einen genuß­reichen Abend. Pressestimmen jüngster Zeit loben den hinreißenden Schwung und den berückenden Klangschmelz, die vollkommene Reinheit und Ton­schönheit ihres Spiels. Das Programm enthält Werke von Schubert, Beethoven und Cesar Franck. Mit Rücksicht auf auswärtige Besucher muß das Kon­zert pünktlich beginnen.

DMWWMWM

7l$(5.Kraft durch Freude-, Kreis Gießen.

Thealervorstellung.

Sonntag, den 6. Februar, nachmittags 14.45 Uhr, auf vielfachen Wunsch Wiederholung der Operette:

Eine Rächt in Venedig".

Preise,60, 1,, 1,20 RM. 677D

WHW. Ortsgruppe Gießen-Süd.

Kohtenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine der Serie D am Freitag, 4. Februar, abends 19.30 Uhr, auf der Geschäftsstelle Crednerstraße 24 einzureichen. Später eingereichte Kohlengutscheine werden nicht mehr an­genommen.

WHW. Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Betr.: kohtenabrechnung am 4. Februar.

Die Kohlenhändler werden ersucht, dieKohlen- scheinederSerievFreitag, 4. Februar, 2 0.3 0 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle (Zigarren­haus Möser), Eingang Löwengasse, einzureichen. Es wird hiermit darauf hingewiesen, daß die Rückseite der Kohlenscheine außer der Unterschrift der Kohlen­händler auch die Unterschrift des Empfängers, dessen Wohnung, Straße und Hausnummer und die genaue Bezeichnung der Kohlensorte tragen muß. Nach dem 4. Februar eingereichte Scheine sind wertlos.

WHW., Ortsgruppe Gießen-Nord.

Betr.: kohtenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie D) bis spätestens Samstag, 5. Februar, abends 8.30 Uhr, auf der Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht mehr an­genommen werden.

erst kürzlich wurden sie in Freiheit gesetzt, aber noch können sie sich nicht entschließen, die vertraute Gegend zu verlassen.

Die Schule wurde hauptsächlich in der Absicht D gegründet, den wilden Vögeln zu Hilfe zu kommen, die ungesetzlich in Fallen gefangen und zum Ver­kauf gebracht worden sind. Ein Gesetz vom Jahre 1933 verbietet nämlich in England, bestimmte Arten von Vögeln auf dem Markt zu bringen, wenn es sich nicht um in der Gefangenschaft gezogene und mit einem Ring versehene Vögel handelt. Der Be­sitzer eines Vogelhauses, der solche Tiere züchtet^ muß die jungen Vögel ein paar Tage nach der Ge­burt mit einem Ring versehen, der sich dann, wenn die Tiere ausgewachsen sind, nicht mehr entfernen läßt. Manche Händler versuchen aber, das Gesetz zu umgehen, indem sie auch den wildgefangenen Vögeln einen Ring überstreifen. Wenn solche Vö­gel längere Zeit im engen Käsig zugebracht haben, müssen sie gewöhnlich das Fliegen erst wieder ler­nen, bevor man sie ohne Gefahr für sie selbst der Freiheit zurückgeben kann. Die Schule soll eigent­lich keine dauernde Heimstätte für Vögel werden, dennoch beherbergt sie ein paar ausländische' Vögel, die in der Freiheit in Europa zugrunde gehen wür­den. Dieser Kategorie gehören drei kleine benaalische Finken an, die von ihrer Besitzerin, in dem Wunsch, ihnen so viel Freiheit wie möglich zu gewähren, der Schule übergeben wurden.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Edmund Stengel, der namhafte Vertreter der mittleren und neueren Geschichte an der Universität Marburg, der zum Leiter des Berliner Reichsinstituts für ältere deutsche Ge­schichtskunde berufen worden ist, hat sich mit einem Vortrag über die Stellung der Hochmeister des deutschen Ordens zum Reich in Marburg verab­schiedet. Dr. Uhlhorn übermittelte den Dank aller Schüler an den Scheidenden, welcher 31 Jahre lang in Marburg wirkte. Das wissenschaftliche Werk Stengels, das den Ruf derMarburger Schule" verbreiten half, stellt auch für die Zukunft bedeu­tende Aufgaben.

Der Rektor der Universität Marburg hat den bisherigen Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Dr. Wachtsmuth auf dessen Wunsch mit sofortiger Wirkung seines Amtes als Dekan enthoben und ihm für die geleisteten aufopfernden . Dienste im Namen des Ministers den Dank ausge­sprochen. Der Rektor hat den Prodekan der Philo­sophischen Fakultät. Professor Dr. A l v e r d e s , be­auftragt, die Geschäfte des Dekanats bis zur Er­nennung eines neuen Dekans wahrzunehmen.