Wer nie darüber nachgedacht hat, welche Dell- katesse doch eigentlich solch ein simples Hühnerei ist, hat jetzt in dieser Periode vorübergehender Knappheit Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen ist es gut, einmal zu entbehren, was entbehren zu müssen man nie für möglich gehalten hätte, einfach, weil der Ueberfluß undankbar macht. Im Grunde ist alle Nahrung „Delikatesse", nur hört sie in unseren Augen auf es zu sein, sobald Mühelosigkeit der Beschaffung und niedriger Preis ihr den Seltenheitswert, der mit dem Begriff so eng verbunden ist, genommen haben. Wenn uns das edle Rebhuhn alle Tage auf den Teller flöge, kein Feinschmecker würde es sich einfallen lassen, viel Aufhebens davon au machen. Man leckt sich die Finger immer nur nach dem, was man nicht hat. Wenn der römische Geschichtsschreiber Sueton erzählt, bei einem Festschmaus des Kaisers Ditellius seien Lebern von Meerbrassen, Gehirne von Fasanen und Pfauen, Zungen von Flamingos und Mich von Muränen verzehrt worden, so kann man zehn gegen eins wetten: das alles hätte keinen Reiz auf die verwöhnten Gaumen gehabt, hätte nicht die ganze kaiserliche Flotte aufgeboten werden müssen, um diese Herrlichkeit nach Rom zu schaffen. Oder, um ein uns näher liegendes Beispiel zu nennen: vor Hundertundfünfzig Fahren gab es im Oder- druck um Küstrin so viele Krebse, daß sie, wenn sich im Mai das Ueberschwemmungswasser wieder verlief, zu vielen Hunderttausenden von den Bäumen geschüttell werden mußten. Die Krebse waren
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damals, wie Fontane sehr anschaulich zu erzählen weiß, eine wahre Landplage und bei der einfachen Bevölkerung dergestall verhaßt, daß es von den Be- Hörden verboten wurde, dem Gesinde mehr als dreimal wöchentlich Krebse vorzusetzen. Ein Schock Krebse kostete einen Pfennig. Heute bezahlt man für ein Zehntel davon ungefähr das Fünfhundertfache des Preises, aus keinem anderen als dem höchst dummen Grunde, weil der Krebs fetten geworden ist und nicht mehr von den Bäumen geschüttell werden kann. Den Eiern würde es genau so ergehen, wenn die Hennen einmal auf den nichtswürdigen Gedanken kommen sollten, die Produktion zu vermindern. Auch ein Beitrag zur Geschichte der Psychologie der Delikatesse!
In der „Bewegung", dem Zentralorgan des NSD.-Studentenbundes, erfährt man allerlei Interessantes über das Hochschulstudium in den Vereinigten Staaten von Amerika. Da sind beispielsweise am Columbia-College folgende Vorlesungen ausgeschrieben: „Ringen und Selbstverteidigung", „Geschichtenschreiben", „Die Etikette der Mahlzeiten und die Gastlichkeit", „Grundzüge der Hauswäsche". Eine andere Universität kündigt Kurse über „Drogerieleitung" oder „Kleinhandelsreklame" an. Eine ähnliche Tendenz auf das Nur-Prakttsche wird von den Doktor-Dissertattonen vertteten, unter denen man Themen begegnet, die etwa so lauten: „Vergleichende Untersuchung über Zeit und Bewegungen bei vielerlei Arten des Abwaschens" oder „lieber den verschiedenen Kleidungsbedarf bei verschiedenem Einkommen". Wenn man das liest, könnte man zunächst vielleicht entschuldigend sagen: Nun, ja, das ist eben die natürliche Reaktion auf den rein abstrakten Wissenschaftsbetrieb von früher, der den Studierenden weltfremd und lebensuntüchtig gemacht hat, und jede Reaktion hat nun einmal die Neigung, nach der entgegengesetzten Seite hin zu übertreiben! Allein jeder noch so ehrliche Versuch, die amerikanische Mentalität objektiv zu verstehen, scheitert doch an der durch alle bisherigen Erfahrungen erhärteten Tatsache, daß diese einseitige Ausrichtung auf den Beruf keineswegs dazu beigetragen hat, auch nur ein Mindestmaß derjenigen wahren Bildung zu verbreiten, die in den höheren Schichten eines Volkes vorhanden fein muß, wenn nicht die Gesamtheit der Nation einem Zustand der allgemeinen geisttgen Barbarei verfallen soll. Das aber kann nur eine höhere, auf den Menschen als, solchen zielende Bildung, kein noch so exaktes Berufs- trainmg bewirken. Was bei einem solchen herauskommt, haben wir erst kürzlich anläßlich der Panik erleben müssen, die ausbrach, als eine Rundfunksendung in den Oststaaten von Amerika die Nachricht verbreitete, ein mit Todesstrahlen bewaffnetes Weltraumschiff sei auf New Jersey gelandet, um einen wohlvorbereiteten Angriff auf die friedlichen Bewohner von USA. zu unternehmen. Daß eine solche Verrücktheit in weiten Kreisen der Bevölke- rung Glauben finden und eine wahre Weltgerichtspsychose Hervorrufen konnte, spricht nicht eben für den Wert der von den amerikanischen Universitäten gelehrten und durch sie in das allgemeine Bewußtsein des Volkes gedrungenen „Wissenschaft". Im Gegenteil: ein lehrreiches Beispiel für den radikalen Unwert einer „Bildung", die nur den unmittelbaren Nutzen im Auge hat, hätte der Wett nicht leicht vorgeführt werden können.
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Chemie erschließt die
Don den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters.
Die erste auf dem Teer aufgebaute Farbenfabrik richtete ein Schüler des nach London berufenen utschen Gelehrten A. W. Hofmann. Die Eng-
auf
tation auf.
hergestellt. Aus dem Steinkohlenteer hatte er das Anilin gewonnen und durch Reaktion von Chlorkalk auf Anilin einen blauen Farbftoff erzeugt. Dieses gelang 1833 Friedlieb Ferdinand Runge in Oranienburg bei Berlin. Im Auftrage feines Chefs hatte er sich verbissen und geduldig über den lästigen Teerabfall hergemacht, um aus ihm etwas Nützliches herauszuholen. Es
der der Teerfarbenindustrie getragen wurden, war an sich ein historischer Irrtum. Denn fast 30 Jahre
VIII.
Wo stand die Wiege der Teersardenindnsttle?
war äußerst tragisch — aber vielleicht aus der damaligen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Situation verständlich —, daß der Vorschlag Runges, Grund seiner Entdeckung zur Fabrikation zu
und Bastler, ein genialer Forscher i ersten künstlichen Farbstoff aus dem schwarzen Teer
schreiten, abgelehnt wurde. Zehn Jahre später, 1843, griff A. W. Hofmann, der damals A s s i st e n! des großen Liebig in Gießen war, in Zusammenhang eigener Anilinforschungen auf die Untersuchungen Runges zurück. Im Ganzen dieser Forschungen Hofmanns und seiner Assistenten muß man die Entdeckung Perkins sehen. Wenn die Wiege der jungen Teerfarbenindustrie im Londoner Laboratorium Hofmanns stand, so wurde das, was in ihr drin war, in der Retorte des Friedlieb Ferdinand Runge geboren.
Und wieder 1906 wurde einstimmig in der Vor-I
teten. Sie überflügelle dann in nicht allzu langer Zell die Industrien aller anderen Länder.
1906 fanden in London und Neuyork zu Ehren des fünfzigjährigen Geburtstages der ersten Anilin- färbe des Sir William Henry P e r k i n große 23er» anstaltunaen und Festessen statt. In Neuyork trugen die Chemiker zum festlichen Anzug violette Schlipse. Aber diese Schlipse waren eine modische Entgleisung, und daß sie zu Ehren des Herrn Perkin als Erfin-
errichtete ein Schüler des nach deutschen Gelehrten A. W. 5) o f... 7 .. -
länder wollten auch einen großen Liebig haben. In der wissenschaftlichen Atmosphäre feines Meisters, beim Versuch, aus Anilin Chinin zu gewinnen, entdeckte der Assistent einen schönen violetten Farbstoff. Es war im Jahre 1856, als diese für Den Typ einer Zufallsentdeckung so charakteristische Erfindung Sir William Henry Perkin gelang. Aus Grund eigener Versuche entwickelte er die yabnfa- tionsmethode und gründete ein Jahr darauf Öte erste Fabrik für künstliche Farben in England. Bald folgten andere Fabriken. Sie sind zum Teil noch heute am Werk und haben sich zu schönen Unternehmen entwickelt. Auch Greville Williams in Glasgow war wie Perkin ein jugendlicher Chemiker. Es gelang ihm kurze Zeit nach der Perkinfchen Entdeckung die Herstellung eines blauen Farbstoffes: Cy.a- n In Mit Perkin zusammen nahm er die Fahri-
standssitzuna der Deutschen Chemischen Gesellschaft beschlossen, dem Engländer Perkin die Hofmann- Medaille, die höchste Auszeichnung der Gesellschaft zu verleihen — „ ... und besonders für die Begrün- _.. .... __________________ ___düng der Teerfarbenindustrie". Aber schon 1862 hatte
vor Perkin hatte ein bescheidener deutscher Grübler ! Hofmann selbst als Präsident der „Royal Jnstitu- und Praktiker den tion", gelegentlich der Londoner Jnhustrie-Ausstel. ~ hing, Runge die Preisdenkmünze zuerkannt. Als Neunundsechzigjähriger schrieb Runge im „Moniteur scientifiques^ einen Artikel, in dem er Hofmanns Untersuchungen über feinen eigenen Farbstoff bespricht. Dort schrieb der stille und verehrungswürdige Mann diesen Satz: „So weit hat uns diese Entdeckung geführt, deren erste Bekanntschaft so verkannt und schlecht gemacht wurde, als sie. vor 28 Jahren unter meinen Händen entstand. Das Kölle- gium der Ausstellung, das soeben London wieder verläßt, hat sich meiner gemachten Entdeckungen erinnert und mir mit Einstimmigkeit t:e Verdienstmedaille verliehen."
Wichtiger jedoch für die industrielle Entwicklung in der kommenden Zeit mar die Tatsache, daß es in den Laboratorien der Seidenfärberei von R e n a r d in Lyon dem ebenfalls jugendlichen Chemiker V e r g u i n gelang, aus dem Anilin einen prächtigen roten Farbstoff herzustellen. Man taufte ihn Fuchsin und nannte die nach damaligen Begriffen für seine Fabrikation gegründete bedeutende Aktiengesellschaft „La Fuchsine". Dieser französische, technische Großbettieb machte Schule. Deshalb schliefen einige Engländer schlecht. Die Herren Simpson, Maule und Nicholson — auch das waren Schüler des Deutschen A. W. Hofmann. Schloßen sich in ihr Laboratorium ein, und es gelang ihnen glücklich nach einer etwas anderen Methode, dasselbe herzustellen. Sie gründeten in England eine Fabrik und machten gute Geschäfte. Auch in der Schweiz taten sich Chemiker und unternehmungslustige Industrielle zusammen und begannen die Fabrikation künstlicher Farben. Und so hatten auch bald die Anwälte zu tun. In Patentprozessen wurden zahlreiche- Fabrikationsgeheimnisse enthüllt. Und das Gute dabei war, daß so mit einer wissenschaftlichen Durchleuchtung der verschiedenen Ergebnisse der chemischen Technik Vorschub geleistet wurde.
Das hatte aber inzwischen schon der Mann getan, in dessen Londoner Laboratorium die Wiege dieser jungen Industrie gestanden hatte, der Deutsche A. W. Hofmann. Noch vor der Londoner Weltausstellung 1862, auf der die junge chemische Industrie ihre ersten leuchtenden Triumphe feierte und unter deren 13 Preisträgern fast nur englische und französische Firmen waren, erschien Hofmanns erste wissenschaftliche Untersuchung über die Zusammensetzung der von aller Wett bestaunten Teerfarbstoffe. Das war 1861. Der Forscher fand die Mutter der verschiedenen bisher hergettellten Farbstoffe, das R o s a n i I i n. Dabei entdeckte er selbst einen herrlichen violetten Farbstoff, der als Hofmann- Violett viel verwendet wurde.
Solche methodischen Untersuchungen förderten mächtig die Entwicklung der Industrie. Denn sie legten die Entstehungsbedingungen und Zusammensetzungen so vieler ihrer Produkte klar, bahnten für die Herstellung neuer Farbstoffe ober Materialien den Weg und ebneten ihn für die Gewinnung schon bekannter. Aber dennoch blieb theoretisch noch vieles im Dunkeln. Noch herrschte die altgewohnte Empirie vor, durch alle möglichen Reagenzien auf alle möglichen Rohmaterialien, von denen immer wieder neue aus dem Steinkohlenteer gewonnen wurden, einzuwirken, um zu beobachten und zu sehen, was sich dabei mehr ober weniger zufällig ergab. Diese erfinderische Methodik > war noch nicht rationell genug, um durch sie eine rentabel und sicher fortschreitende Industrie zu begründen. Es mußte erst der geniale deutsche Forscher 21 u g u ft Kekule diejenige schöpferische Methode entwickeln zur Erforschung der Strukturen der kleinen Bausteine der Stoffe, durch die man planmäßig neue Moleküle aufbauen und Neustoffe schaffen konnte, wie man sie brauchte. Diese Lehre — 1865 entscheidend geformt — mar eine neue Revolution der Chemie, die Hofmann als einer der ersten in ihrer praktischen fundamentalen Bedeutung erkannte. Sie erschien ihm als der echte Stein der Weisen der kommenden Industrie. Sie sicherte den Bund der Forschung mit der chemischen Industrie, der nirgends so innig und fruchtbar wurde wie in Deutschland. Nicht zuletzt deshalb, weil die Energien des Gelehrten und Organisators Hofmann, der 1865 wieder in seine Heimat zurückgekehrt war, nun ausschließlich die Entwicklung der deutschen chemischen Industrie befruch-
Jugoslawiens 20. Geburtstag.
Aktive Bilanz eines aufstrebenden Balkanstaates.
(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
v. M. Belgrad, 1. Dezember 1938.
Zwanzig Jahre sind im Leben eines Staates und in der Entwicklung eines Volkes keine große Zett- spanne. Dennoch können auch zwanzig Jahre die Lebenskraft eines Volkes und die Lebensberechtigung eines Staates nachweisen. Das ist der Fall mit Jugoslawien, das jetzt seinen zwanzigsten Geburtstag feiert. Arn 1. Dezember 1918 proklamierte der Regent, der spätere König Alexander, die Vereinigung aller Serben, Kroaten und Slowenen in einem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Später führte König Alexander die Umbenennung des Staates in Königreich Jugoslawien durch. Noch vor Ende des Weltkrieges gab es auf dem Gebiete des heutigen Jugoslawien drei staatliche Organisationen: die selbständigen Königreiche Serbien und Montenegro und die jugoslawischen Provinzen der früheren öfter- reichisch - ungarischen Monarchie, vorwiegend also Kroatien, Dalmatien, Bosnien, die Herzegowina und die südlichen Teile Ungarns, die mit Wien und Budapest alle Beziehungen abgebrochen hatten und von einem Nationalrat in der kroatischen Hauptstadt Zagreb regiert wurden. Die Volksvertretungen dieser drei staatlichen Organisationen hatten bereits den Wunsch nach Vereinigung aller jugoslawischen Volksteile in einen Staat geäußert, und der Regent Alexander führte durch die Proklamierung des gemeinsamen jugoslawischen Königreiches nur den Volkswillen formell durch. Diese Proklamierung war gleichzeitig auch die Verwirklichung eines jahrhundertealten Traumes aller Südslawen und die Realisierung ihres höchsten nationalen Ideals. Schon diese Tatsache beweist die Lebensberechtigung des jugoslawischen Staates, und vor ihr fallen alle innenpolitischen Kämpfe und Schwierigkeiten, die noch heute andauern.
Der neue jugoslawische Staat stand vor zwanzig Jahren vor ungeheuren Aufgaben. In den Staat wurden zusammengefaßt sieben verschiedene verwaltungsmäßige und rechtspolitische Einheiten, die Jahrhunderte unter ganz verschiedenen Lebensbedingungen gelebt hatten. Auch wirtschaftlich, sozial und kulturell bestanden große Unterschiede zwischen einzelnen Teilen des neuen Staates, ebenso verkehrstechnisch, finanziell und religiös. Alle diese Unterschiede wirkten sich im politischen Leben des neuen Staates aus und verursachten zahlreiche Zusammenstöße und Erschütterungen. Diese politischen und psychologischen Schwierigkeiten dauern auch heute noch an. Die Aufgabe aller Regierungen von Jugoslawien war in erster Reihe, eine verwaltungsmäßige, rechtliche, soziale, wirtschaftliche, verkehrstechnische und sozusagen äufjer Angleichung der verschiedenen Teile des Staates durchzuführen. Die politische und geistige Angleichung mutzte der Zeit und dem Zusammenleben überladen werden.
Deshalb scheint bei nur oberflächlicyer Beurteilung der Probleme des jugoslawischen Staates vielleicht, daß in den zwanzig Jahren seines Bestandes wenig erreicht worden fei, weil sich immer wieder dieselben Probleme vordrängen. In Wirklichkeit aber wurde ganz Großes und Hervorragendes ge
leistet. Insbesondere auf wirtschaftlichem, sozialem und geistigem Gebiet. Die Verwaltung und Rechtsprechung wurde vereinheillicht, die Verkehrswege wurden ausgebaut und den Bedürfnissen des Staates angepaßt, eine umfassende soziale Gesetzgebung und eine wirkungsvolle Agrarreform durchgeführt, ein Schulsystem von den Volksschulen bis zu den Universitäten aufgebaut, ein bedeutender Fortschritt auf allen Gebieten der Wirtschaft und des Geisteslebens erreicht. Schon die Tatsache, daß in bislang primitiven Agrarländern nie blühende Industrie geschaffen werden konnte, spricht für die Entwicklung des Landes. So wurde in Zenica ein großes Walzwerk für Eisen und Stahl gebaut, während in Bor Werke für die Elektrolyse von Kupfer errichtet wurden, die es dem Staate erlauben, im eigenen Lande beachtliche Goldmengen zu gewinnen, die im Kupfer enchalten sind. Daneben gibt es
Eine Brille mit Zweistarkenglasern empfehle ich jedem, dem beim Blick wechsel (Ferne/Nähe) das Auf- und Absetzen der Brille lästig ist. Die fachgemäße Anpassung ist meine Spezialität! 83a
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xz der Optiker am Bebakst.
Alluminiumfabriken sowie eine Fabrik für den Bau von Flugzeugmotoren. Bekannt ist der jugoslawische Reichtum an Bodenschätzen, vor allem an Erzen und Kohlen. Der Staat ist unablässig bemüht, seinen natürlichen Reichtum durch den Bau von Verkehrswegen und seine natürliche Schönheit durch eine entsprechende Lenkung des Fremdenverkehrs zur Geltung zu bringen. An Eisenbahnstrecken wird derzeit an einer Verbindung der Städte Kraljevo, Valjevo, Tuzla und Banja Luka gearbeitet.
Auch die Mängel, die durch die sehr verschiedenartige geschichtliche Entwicklung verursacht worden sind, in zwanzig Jahren konnten beseitigt werden. Das zeigt die Lebenskraft des jugoslawischen Staates. Denn man muß sich stets vor Augen halten, daß die Jugoslawen Jahrhunderte lang durch Kämpfe um die nackte nationale Existenz in ihrer kulturellen Entwicklung zurückgehalten wurden. Heute ist Jugoslawien ein moderner, aufblühender Staat, stark und lebenskräftig ttotz der innenpolitischen Schwierigkeiten, die noch nicht überbrückt sind, die aber sichtlich einer Lösung entgegengehen. Denn auch in den härtesten innenpolitischen Kämpfen — und diese nahmen oft sehr scharfe Formen an — wurde niemals die Integrität des Staates, die Dynastie und die Landesverteidigung in Frage gestellt. Auch für die Kroaten und Slowenen, geradeso wie für die Serben bedeutet der jugoslawische Staat die denkbar beste Regelung chrer nationalen Belange. Diese Erkenntnis Der großen Mehrheit aller jugoslawischen Dolkstelle ist Das sicherste Pfand der Zukunft des Königreichs Jugoslawien.
Den bedeutendsten Aufschwung nahm Iugosla- wien in den drei letzten Jahren unter der Regierung des jetzigen Ministerpräsidenten Dr. S t o j a»
legene Lichtspielhaus der einzelnen Wohngegenden kaufen, denn das ist wirklich ein gutes Geschenk!" ß. lchuld. Dens in dies« Kinos huscht man schnell nacht ——------Jä—
dem Abendbrot, ohne sich erst besonders umzuziehen, weil es ja im Kino dunkel ist und es keine Pause gibt Diese durchaus verständliche „Unfestlichkeit" übertragen dann viele gedankenlos auf den Theaterbesuch, obwohl sie Zeit genug hätten, „sich für das Theater anzuziehen". Und so kommt es dann zu der gekennzeichneten Nüchternheit des Bildes, das die Berliner Theaterbesucher bieten.
Tropfsteinhöhlen in der Reichshauptstadt
Rätsel um die Bismarckkapelle.
Wenn die Möven zu Bett gehen. — Oie Straße der guten Geschenke.
Don unserer berliner Schriffleitung.
Eine Berliner Zeitung brachte vor kurzem einen Artikel mit der Ueberfdjrift „Soll man sich anziehen für das Theater?" Da kann man eigentlich nur den Kopf schütteln und die Gegenfrage stellen „Soll man denn nackt ins Theater gehen?" Allein beim Lesen Des Artikels entpuppt es sich, daß gemeint ist: Soll man s i ch umziehen für das Theater? Also: Soll man, wenn man in das Theater geht, sein Werktagskleid an- behatten oder ein festliches Gewand anziehen? Die Frage ist gerade für Berlin nicht leicht zu lösen, da Die Wege von der Arbeitsstätte in die Wohnung und von dort ins Theater meist so lang und beschwerlich sind, daß oftmals keine Zeit und keine Lust vorhanden sind, sich „in Schale" zu werfen. Der Chronist mutz wahrheitsgemäß berichten, daß das Bild der in Den Pausen auf- und abwandelnden Theaterbesucher meist fein sehr festliches ist. Hieran hat aber wohl das „um die Ecke" ge-
Zü den vielen und bekannten Vierteln, wie sie die Reichshauptstadt beispielsweise im Regierungsviertel, im Zeitungsviertel, im Dergnügungsviertel besitzt, ist vor kurzem ein neues Viertel getreten: Das Höhlenoiertel. Es liegt mitten in Berlin auf Dem Königsplatz, der sich zwischen Reichstagsgebäude und Kroll-Oper ausdehnt. Niemand ahnte etwas von den geheimen Höhlen und Gewölben, die hier, wenige Meter unter dem Straßenpflafter, ihr gähnendes Dasein führen. Erst als man vor Monaten Daranging, die Siegessäule abzu- brechen, um sie auf Dem Großen Stern wieder aufzurichten, entdeckte man in ihrem Fundament ein ausgedehntes Gewölbe, in dem als Folge der eingedrungenen und durch die Mörtel- fugen gesickerten Feuchtigkeit tropfiteinähnliche Kalkgebilde entstanden waren, so daß man fast mit Recht von einer Tropfsteinhöhle sprechen konnte. Jetzt hat man nun eine zweite „Tropf, steinhöhle" unter dem Bismarckdenkmal, das ebenfalls vom Königsplatz nach dem Großen Stern verlegt wird, entdeckt. Ein bisher unbekannter Einsteigschacht hinter der Denkmalsfigur legte den Weg zu einem unterirdischen Raume beträcht- lichen Ausmaßes frei, der mit seinen gemauerten Gewölbebögen und Pfeilern an eine mittelalterliche Kapelle erinnert. Was es mit diesem völlig leer aufgefundenen Gewölbe auf sich hatte, ist nicht Vehr zu ermitteln. Da Die Baupläne des im Jahre
1901 eingeweihten Bismarckdenkmals nicht mehr vorhanden find. Und so bleibt, wie bei her geheimnisvollen Tropfsteinhöhle unter Der Siegessäule, nichts anderes übrig, als auch dieses Rätsel her unterirdischen Bismarckkapelle mit den Sandmassen zu begraben, die man zur Einebnung des Berliner Höhlenviertels heranzufahren bereits begonnen hat.
Was für den Markusplatz in Venedig die Tauben sind, das sinh die Möven für Berlin, Allerdings mit dem Unterschied, daß die Möven nur von Ende September bis Ende März Gäste der deutschen Reichshauptstadt sind. Die Tierliebe der Berliner hat in diesen Monaten mehr als genug Gelegenheit, sich zu betätigen. Es ist erstaunlich, wie viele her sonst so beschäftigten und geschäftigen Berliner tagsüber Zeit haben, Die Möven zu futtern. Tagsüber! Denn sobald es dunkel wird, gehen die Möven zu Bett. Aber wo stehen ihre Betten? Wer dieser Frage nachgeht, erfährt bald, daß Die Möven das gastliche Berlin beim Eintritt her Dämmerung im gemeinsamen Abflug verlassen, um ihren Schlafplatz außerhalb Berlins aufzu- suchen. Von allen Seiten, von allen Winhungen der Spree und der Kanäle der Innenstadt kommen die Möven alsdann angeflogen, formieren sich im Osten Berlins, nahe Treptow, zu dichten Geschwadern und starten wie auf Kommando nach dem Müggelsetz. Kott M Dee weiten Fläche Des
Der Berliner Weihnachtsmarkt, dessen Eröffnung am kommenden Dienstag, 6. Dezember, festlich begangen wird, lockt jetzt schon die Berliner Jugend in Hellen Scharen nach dem Lustgarten. Es ist in der Tat ein Garten voll weihnachtlicher Lust und Freude, der zwischen Schloß, Dom und Altem Museum im Aufbau begriffen ist. Wie immer seit dem Jahre 1933 nimmt sich die Stadt Berlin, insonderheit der Ratsherr Protze, Vorsitzender her „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung her Berliner Innenstadt", her Ausgestaltung des Weihnachtsmarktes an. Selbstverständlich sollen Karussels, Fahrgeschäfte, Schaustellungen und Vergnügen aller Art einen frohen, ja ausgelassenen Weihnachtstrubel herbeizaubern. Es soll aber auch der Weihnachts- markt zu seinem Recht kommen: es soll recht viel gekauft werden! Deshalb wird quer durch den Weihnachtsmarkt eine „Straße der guten Geschenke" führen, in her Erzeugnisse der Heimindustrie aus allen deutschen Gauen, zum ersten Male auch Arbetten des s u d e t e n - deutschen Heimatwerkes, zum Überlauf gestellt werden. Als man sich in einer Berliner Familie über diese „Straße Der guten Geschenke" unterhielt, horchte plötzlich der kleine Max hocherfreut auf, um gleich darauf seinen Vater am Rockzipfel zu ziehen und ihm zuzuflüstern: „Pappi, in diese Straße mußt du gehen und ein Schaukelpferd
Müggelsees fühlen sich die Möven sicher und geborgen. Den Kopf in ihr flaumiges Gefieder gesteckt, schlastn sie, bis die Sonne oder her an- brechende Tag sie wieder weckt. Ist her Winter besonhers kalt und her Müggelsee zugefroren, dann übernachten hie Möven auf hem näher bei Berlin gelegenen Rummelsburger See, dessen Wasser länger offen ist. Der Luftweg von her Berliner Innenstadt bis zum Müggelsee beträgt ungefähr 20 Kilometer. Da die Möven mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometer fliegen, .ist bas „zu Hause" in 20 Minuten erreicht, ohne daß es zu jenem nervenzermürbenden Gedränge in dett Untergrundbahnen, Autobussen und Straßenbahnen kommt, in das sich die Menschen Berlins an jedem Werktagsabend und Werktagsmorgen zu stürzen gezwungen sind.


