Kür -en Bücheriisch.
Emer unter Hunderttausend
ots unter Wölfen", ein Äffationsroman
Hans Thyriot.
rung ihrer Bibliothek sein.
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— „Einerunter 100000." Von Hans Hinkel (Verlag Knorr & Hirth, München, kart. 3,— RM., geb. 3,70 RM). — (603) — In diesem Buche berichtet ein alter Mitkämpfer des Führers über einen Abschnitt seines Lebens, der durch den kämpferischen und zu jeder Stunde tatfreudigen Einsatz für die nationalsozialistifche Idee in den Jahren der Kampfzeit seine Prägung erhielt. Dieses Buch ist für unsere hessische Heimat aber noch dadurch von besonderem Wert, weil hier ein Mann aus seinem Leben erzählt, der ein Sohn des Hessenlandes ist. Seine Vaterstadt ist Worms. Dort verlebte Hans Hinkel seine Kinder- und Iünglingsjahre. Er berichtet über seine starken Eindrücke beim Ausbruch des Weltkrieges, über die Nöte, und Schwierigkeiten dieser Zeit im allgemeinen und dabei über die Bedrängnisse, die der väterliche Handwerksbetrieb in jenen Jahren erleiden mußte. Der unglückliche Ausgang des Krieges und der Einmarsch der französischen Besatzung machen auf den in stärkster Weise national empfindenden jungen deutschen Menschen tiefen und schmerzlichen Eindruck, der noch verstärkt wird durch die vielfältige große Not, die von der französischen Besatzung über olle deutschen Volksgenossen komrüt. Der junge Hinkel erregt wegen seiner nationalen Gesinnung, aus der er kein Geheimnis macht, sehr bald das Mißfallen der französischen Machthaber in Worms, und es gelingt ihm gerade noch im letzten Augenblick, nach schwerem Abschied vom Elternhaus bei Nacht und Nebel über die Grenze in das freie Deutschland zu entkommen. 'Hier beginnt für ihn nun eine schwere Zeit des Lebenskampfes. Er muß sich bitterernst durchschlagen, aber dadurch stählt sich nur noch seine Kraft und wächst sein Mut. Sein Weg führt ihn nach München, wo er mit der Idee Adolf Hitlers bekannt wird, und schon sehr bald tritt er in den Kreis der ersten Kämpfer für diese neue Weltanschauung, der er sich von nun ob mit ganzem Herzen verschreibt. Als Kämpfer “für Adolf Hitler und seine Freiheitsbewegung geht er hinaus in das deutsche Volk. Ueberall, wohin er im Dienste der Bewegung gestellt wird, steht er mit größtem Eifer und mit der Stärke seiner Ueberzeugungskraft feinen Mann als nationalfozialistischer Kämpfer. Noch während der französischen Besatzung in Worms muß er
Zügen behandelt worden wäre. Man findet da zunächst in dem Abschnitt „Der Einzelne" die Bedeutung des Lebensalters in rechtlicher und staatsbürgerlicher Hinsicht klar dargestellt. Anschließend werden in dem Kapitel „Die Familie" vielseitig die Fragen behandelt, die für das Familienleben in allen Wechselfällen des Daseins von Bedeutung sind. Der dritte und Hauptteil des Buches „Das Volk" ist allen Teilen der großen Gemeinschaft des deutschen Volkes in so erschöpfender Weise gewidmet, daß । durch dieses eine Werk eine ganze Anzahl anderer Bücher ersetzt wird. In diesem Hauptteil findet man folgende Kapitel behandelt: Vom Ersten zum Dritten Reich. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei. Wie das deutsche Volk regiert wird. Der Reichsarbeitsdienst. Die deutsche Wehrmacht. Die deutsche Reichspolizei. Die deutsche Wirtschaft. Das deutsche Handwerk. Der Reichsnährstand. Die deutsche Kulturorganisation. Das deutsche Schul- und Erziehungswesen. Sozialversicherung und Fürsorgewesen. Die deutsche Rechtspflege. .Die Steuern. Das deutsche Verkehrswesen. Der deutsche Sport. Was jeder Deutsche vom Vierjahresplan wissen muß. Anschriften der Behörden und Organisation. Im Rahmen dieser Abschnitte kann man Auskunft über alle grundlegenden Dinge erhaltet, die mit dem Gegenstand Zusammenhängen. Man kann daher mit Recht von dem Buch behaupten, daß es ein Nachschlagewerk von besonderer Bedeutung ist und der Titel „Du bist sofort im Bilde" zutreffend den gesamten Inhalt kennzeichnet. Für den einzelnen sowohl, als auch für die Körperschaften des öffentlichen Rechts, für die Behörden, die Wirtschaft usw., ist dieses Buch zu empfehlen. Ernst Blumschein.
Das Mein-Min-Gebiel.
— Dr. Walter Wagner: Das Rhein- Main-Gebiet vor 15 0 Jahren. (1787). Mit Unterstützung des Historischen Vereins für Hessen. 220 Seiten. Selbstverlag der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Hierzu unter dem gleichen Titel und im gleichen Verlag eine Karte des Gebietes, entworfen und gezeichnet von Kurt Strecker, herausgegeben von Dr. Walter Wag- n e r, mit Unterstützung des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers des Innern. Druck und Vertrieb: Geogr. Verlagsanstalt Ludwig Ravenstein, AG., Frankfurt a. M. — (232) — Das heutige Rhein-Main-Gebiet entbehrte bislang jeder Karte, die die entschwundenen Zustände in einheitlicher, wissenschaftlich einwandfreier Darstellung festhielt. Seit 1911 ist die Hessische Historische Kommifsion in Darmstadt am Werk, diesem Mangel abzuhelken. Ihre kürzlich erschienene Veröffentlichung trägt den Titel „Das Rhein-Main-Gebiet vor 150 Jahren (1787)". Die Arbeit wurde von Oberregierungsrat a. D. Kurt Strecker vor über 25 Jahren begon«
Reichsbürger-Handlmch.
— „D u b i ft sofort im Bilde", lebendiganschauliches Reichsbürger-Handbuch. Von Max Eichler (I. G. Cramers Verlag, Erfurts — (391) — Es ist ein neuartiges Buch, das der Bearbeiter und der Verlag hier der Oeffentlichkeit übergeben. Die vielfältigsten Fragen, die im Alltagsleben für den einzelnen, wie auch für jede Gemeinschaft von Interesse und häufig auch von weittragender Bedeutung sind, finden in diesem Buche eine klare und erschöpfende Beantwortung. Bei der Durchsicht dieses Werkes wird man sehen, daß es wohl kaum ein Gebiet gibt, das auf den annähernd 200 Seiten dieses Reichsbürger-Handbuches nicht in großen
— Hans Fallada: Wolf unter Wölfen. Roman. 2 Bände: 1155 Seiten. Erster Teil: Die Stadt und ihre Ruhelosen. Zweiter Teil: Das Land in Brand. Rowohlt, Berlin. — (217) — Fal- lada hatte vor Jahren feinen größten Erfolg mit dem Roman „Kleiner Mann, was nun?", der (mit recht unzulänglichen Mitteln) auch verfilmt wurde und feinen Namen beinahe volkstümlich machte. Don feinen späteren Büchern haben wir vor längerer Zeit die Romane „Bauern, Bonzen und Bomben" und „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" hier besprochen. Sein letztes Buch, „Wolf unter Wölfen", übertrifft alle vorhergehenden beträchtlich an äußerem Umfang, doch findet man Spuren von allen früheren darin, Verwandtschaften, Beziehungen und Anklänge. Die beiden starken Bände umfassen zusammen 1155 Seiten; dennoch haben wir nicht sehr viele Bücher mit einer so intensiven, bis in die letzten Seiten hinein nicht abreißenden Spannung gelesen. Zu Anfang steht der Dollar — Berlin, im Juli 1923 — „vorläufig noch auf 414 Tausend Mark"; am Ende sind die astronomischen Zahlen zusammengeschrumpft, das „Wunder der Rentenmark" ist erschienen, und man rechnet und zahlt statt mit liederlichen Scheinen mit richtigen Geldmünzen, mit Mark, mit Groschen, ja sogar mit Pfennigen. Zwischen diesen beiden, deutlich genug bezeichneten, zeitlichen Polen rollt die Handlung ab wie ein Ungewitter. Die Hölle ist los, das darf man wohl sagen, und mir können es, uns erinnernd und nach- erlebend, beurteilen, denn mir haben dieses Inferno ja alle, oder fast alle, selber noch durchgemacht. Welch eine Fülle der Gesichte und Gesichter, was für ein Welttheater von Gestalten, Szenen und Schauplätzen. Fallada hat einen untrüglichen und unbestechlichen Blick für die Wirklichkeit, er ist einer der ausgeprägtesten Realisten unter den heute schreibenden Romanciers; er hat die Gabe, mit wenigen, sicher sitzenden Umrissen, mit ein paar Worten, einem kurzen Gespräch e;ne Situation oder einen Schauplatz atmosphärisch dicht und unverwechselbar echt einzufangen und wiederzugeben; daß die Atmosphäre oft unheimlich, beklemmend, ja logar abstoßend wirkt, liegt in der Natur der Sache, im eigentümlichen Thema, und Fallada selber hat. auf Grund rüher gemachter Erfahrungen, seinem Buche eine kurze „Warnung als Vorspruch" nutgegeben, worin es heißt: ......Wolf unter Wolfen ist cm
Buch von sündigen, sinnlichen, schwachen, irrenden, haltlosen Menschen, von Kindern einer zerfallenen,
irren, kranken Zeit. Aber auch von einigen Aufrechten, Mutigen, Gläubigen. Es ist alles in allem ein Buch für in jedem Sinne Erwachsene..." Der Leser weiß hiernach, was er zu erwarten hat und wird sich keinen Illusionen hingeben, die notwendigerweise enttäuscht werden müßten. Es wäre ein aussichtsloses Unternehmen, wenn man versuchen wollte, den Inhalt dieses von Handlung berstenden Romans auch nur in flüchtigen Umrissen wiederzugeben; man würde nicht nur an der Fülle der Figuren, sondern auch an der' Fülle der Schauplätze scheitern, die manchmal an den schnellen, überschneidenden Szenenwechsel im Film erinnert: Hinterhaus, Bürgerstube, Schiebervilla, Zuchthaus, Spielklub, Polizeirevier, Hotel, Gutshof —: das sind etwa die wichtigsten Stationen des Leidensweges durch eine aus allen Fugen geratene Zeit, die heute oottlob schon unwahrscheinlich weit hinter uns liegt. Vielleicht kann man sagen, der Hauptinhalt oder das Leitmotiv dieses wahrhaft groß angelegten Romans sei: zu zeigen, wie im entfesselten Chaos der Inflation, in einer Zeit der bestürzenden und entmutigenden Auflösung und Entwertung aller realen und idellen Werte ein paar Menschen sich nicht unter« kriegen lassen, Kraft, Gesundheit, Glauben und jugendliche Spannkraft genug besitzen, um sich durchzubeißen, Kopf und Herz zu bewahren, sich zu besinnen und am Ende wieder aufzutauchen aus dem Strudel, in dem mehr als einer versackt, versunken und untergegangen ist. Und wenn man in einem non denen, die da durchkommen, in dem jungen Wolfgang Pagel, ehemaligem Fahnenjunker, berufsmäßigem Spieler, Gutseleven und nachmaligem Studenten der Medizin, die Hauptfigur und so etwas wie den Helden des Romans erkennt, wird man nielleicht sogar einen Doppelsinn im Titel der beiden starken Bände aufspüren; das sei dahingestellt^pie erzählerische Konzentration, die Blickschärfe, Menschen und Dingen auf den Grund zu sehen, die Fähigkeit, ein Stück Zeit in weitgespanntem Rahmen lebendig zu machen, große Stadt und plattes Land samt ihren Bewohnern und vielen, verwirrenden, oberflächlichen wie hintergründigen Beziehungen und Schicksalslinien: das sind einige der hervorstechendsten Gaben, die Fallada in diesem Buche noch unbezweifelbarer beweist als in den früheren. Daß ihm überdies der Sinn für Humor nicht mangelt, erscheint uns besonders tröstlich angesichts eines solchen Themas, bei dem es naturgemäß nicht viel zu lachen gibt. - Hans Thyrl0t
wegen des herannahenden Ablebens feines Vaters heimlich feine Vaterstadt Worms und fein Elternhaus aufsuchen, ab^r nur kurze Zeit ist ihm dort vergönnt, denn schon find nach wenigen Stunden die Franzosen wieder hinter ihm her. Schwer wird ihm der Abschied von den Eltern. Neuer Kampf und anstrengende Arbeit als treuer Gefolgsmann Adolf Hitlers erwachsen ihm aus neuen Aufgaben. Seine Kraft fetzt er für den Auf- und Ausbau der nationalsozialistischen Kampforganisation in den verschiedensten Gegenden West- und Süddeutschlands ein. Dabei kommt er auch zur Presse. In den starken Domänen der Zentrumsherrschaft, insbesondere in den Hochburgen der zentrümlichen Bayerischen Volkspartet, führt er mit der scharfen Waffe eines von ihm gegründeten und geleiteten nationalsozialistischen Kampfblattes ein hartes, aber erfolgreiches Ringen für die nationalsozialistische Weltanschauung. Unermüdlich geht er in der Presse und in der Organisation der NSDAP, in seinen Aufgaben auf. Schwer find die Opfer, die er dabei im Dienste des Führers und des deutschen Volkes bringt. Aber alle diese Opfer finden ihren höchsten Lohn in dem Siege Adolf Hitlers und seiner Idee durch die Uebernahme der Macht im Januar 1933. In packender Weise erzählt der Autor von diesem Abschnitt seines reich bewegten Lebens, aus der Kindheit über die Jünglingsjahre hinweg zu der Zeit des hingehenden Einsatzes als kämpfender Mann. Voll starker innerer Anteilnahme folgt der Leser der schlichten und darum besonders eindrucksvollen Schilderung. Es ist ein Stück deutscher und völkischer Notzeit, das in diesem Buche Hinkels rückschauend vor dem geistigen Auge des Lesers wieder zutage tritt, und das alle deutschen Menschen aufrütteln und stärken muß zur steten Bereitschaft, jederzeit alle Kraft einzusetzen für die Wiederaufrichtung unseres Volkes. Darum soll das Buch Hinkels nicht nur eine Rückschau auf eine kampferfüllte deutsche Zeit sein, sondern zugleich auch eine Verpflichtung für alle Leser dieser Erinnerungen, es in Zukunft mit ihrem Einsatz für Deutschland ebenso zu halten wie die Männer, die als die Alte Garde des Führers im Kampfe für das neue Deutschland opferbereit vorangingen.
Ernst Blumschein.
DieDramenHenryvonHeiselers.
— Henry von Heiseler: Die Dramen. Herausgegeben von Bernt v. H e i s e l e r. (Gesammelte Werke, Band III.) 340 Seiten. Mit einer Abbildung. Karl Rauch Verlag, Leipzig-Markkleeberg. — (209) — Der Verlag Karl Rauch, der sich mit ernstem Bemühen für das Werk des verstorbenen Dichters Henry v. Heiseler einsetzt, legt mit diesem dritten Bande einer Gesamtausgabe — früher erschienen „Erzählungen und Prosa" und „Gesammelte Gedichte" — acht Dramen vor, die der Sohn, Bernt von Heiseler, herausgegeben und mit An- merkungen versehen hat. Das Vorwort hingegen stammt aus dem Jahre 1928 uhb vom Dramatiker selbst: es gibt einen Eindruck von der geistigen Haltung Heiselers, von den Forderungen im besonderen, die er an den dramatischen Dichter stellte, von seinen Anschauungen über Sinn und Aufgaben dramatischer Dichtung in dieser Zeit; Heiseler fordert Besinnung auf Sprache und Rhythmus als auf das Geheimnis aller großen Dichtkunst, den Weg der Verinnerlichung für die kommende dramatische
pamir-Mg.
— D - ANOY bezwingt den Pamir." Don Freiherr von G ablenz Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg, gebunden 4,80 RM.) .HW)— Dieses Buch bringt einen fesselnden Bericht über den sensationellen Flug, den das Junkers-Flugzeug unter Führung des Direktors der Lufthansa, von Gablenz, und zweier bewährter Piloten im vorigen Jahre von Berlin über Athen, Damaskus, Kabul/ dann über den Pamir, das „Dach der Welt, him weg weit nach China hinein und wieder zuruck nach Berlin durchgeführt hat. Der Flua sollte eigentlich bis nach Nanking führen, er mußte aber auf dem letzten Flugstützpunkt vor Nanking tief im Innern Chinas abgebrochen werden, weil mittlerweile der japanisch-chinesische Krieg ausgebrochen war und es den Fliegern dadurch unmöglich gemacht wurde, Nanking zu erreichen. Deshalb mußten sie sich zur Umkehr entschließen, wobei sie aber noch einmal im Innern Chinas eine Landung vorzunehmen hatten, die für sie die unangenehme Begleiterscheinung brachte, daß sie von einem chinesischen Muitar- befehlshaber am Weiterflug gehindert und eine Reihe von Wochen in Gefangenschaft gehalten mürben. Während dieser Zeit stand das Flugzeug eine ziemliche Entfernung von ihrem Untertunftsort aus freiem Felde ohne jede fachmännische Betreuung, so daß die Flieger begreiflicherweise große «orge um ihre Maschine hatten. Die wochenlange Ungewißheit über den Verbleib der Flieger hatte m Deutschland große Besorgnis ausgelöst, zumal den Gefangenen jede Nachricht nach außen unmöglich gemacht war und sie ständig unter strenger -öe« wachung standen. Don Deutschland aus war bereits eine zweite Junkers-Maschine zur Suche abgeschicki worden, die bis zur afghanischen Hauptstadt Kadui gekommen war und dort über den unwirtlichen Gebirgszügen schon Suchflüge unternommen hatte. Mittlerweile war es den drei festgehaltenen Ftte- gern durch verständnisvolle Unterstützung gelungen, ihre Freiheit wiederzuerlangen, und zn ihrer Freude sanden sie denn auch ihre Maschine, trotz der wochenlangen Zeitspanne, noch intakt vor, so daß sie den weiteren Rückflug antreten konnten. -Jn Kabul trafen sie dann das von Deutschland geschickte Suchflugzeug an. Und nun stand der Henn- kehr der beiden Maschinen nach Deutschland mchts mehr im Wege. Gablenz schildert die vielseitigen Erlebnisse auf diesem Fluge und die Landschaften, insbesondere aber den zweimaligen Flug über den Pamir, das „Dach der Welt", ferner die Ereignisse
Dichtung. Don hier aus wird man am ehesten den Blickpunkt für die Bewertung der acht Dramen finden, für das Gemeinsame, das sie bei aller stofflichen Verschiedenheit untereinander verbindet. Die bedeutendsten dieser Schauspiele behandeln berühmte Motive aus der russischen Zarengeschichte: so die Tragödie „Peter und Alexej" den psychologisch reizvollen, dramatisch ergiebigen Konflikt zwischen Peter dem Großen und dem Zarewitsch Alexej; dieses Thronfolger- und Kronprinzen-Schick- sal hat wiederholt zu künstlerischer Gestaltung angeregt: wir denken etwa an das Gemälde von GuL, das wie eine lebendige Illustration zu Heiselers Tragödie wirkt, und an das Schauspiel von Otto Erler, der durch seinen „Struensee" bekannter geworden ist. — Das Demetrius-Thema, uns durch Schiller und Hebbel geläufig, kehrt bei Heiseler mit neuer Betonung in der 1923 vollendeten Tragödie „Die Kinder Godunofs" wieder: hier liegt das Schwergewicht der dramatischen Verstrickung nicht beim Prinzen, sondern beim Zaren Boris Gudondf. Ebenfalls aus der russischen Sphäre erwuchsen „Die magische Laterne", ein „märchenhaftes Lustspiel" um den Zaren Joann IV., und das Trauerspiel „Grischa", im Gegensatz zu den übrigen Stücken, die fast ausschließlich Vers-Dramen sind, in 26 kurzen Prosaszenen aufgebaut: das gibt dem Trauerspiel einen balladesken Ton, der Erinnerungen an Büchners „Woyzeck" weckt, zumal auch das Schicksal des entlassenen Sträflings Grischa Anklänge an das hessische Soldatenstück erkennen läßt. „Die Rückkehr der Alkestis" ist ein griechisches Märchen nach dem Euripides, „Der junge Parzival" ein „Hochzeitsspiel" aus dem berühmten Sagenkreise, „Die Nacht des Hirten" ein Adventsspiel, das 1923 entstand und zahlreiche Laienaufführungen erlebte. Endlich ein Einakter, „Die jungen Ritter vor Sempach", aus dem Jahre 1910; die -Anregung dazu gab Heinrich von Kleists verschollenes Fragment „Leopold von Oesterreich", von dem uns nur mündlich, durch Kleists Freund Ernst von Pfuel, die berühmte Szene des ersten Aktes überliefert ist, wie die Ritter vor der Schlacht bei Sempach um ihr Leben würfeln ... Heiseler hat sich überhaupt mit Kleist, den er liebte, lebhaft beschäftigt; eine Kleist-Bibliographie (1911) und eine Ausgabe feiner Werke (1914) sind noch nicht veröffentlicht. — Die Dramen bilden m Heiselers Gesamtwerk einen wesentlichen Bestandteil; sie entsprangen, wie uns scheint, einer mehr dichterischen als unmittelbar-theatralischen Vision, obwohl sie des echten Konfliktes und dramatischer Spannungen nicht entbehren. Die Buchausgabe ver- mittelt dem Leser vielfältige Eindrücke von der Gestaltenfülle und dem weitgespannten Kraftfelde schöpferischer Phantasie, die in Henry von Heiseler lebendig war; auch das Theater wird, da es sich nicht um bloße Lese-Dramen handelt, hier manche Anregung finden. — Der geschmackvoll und gediegen ausgestatete Band ist mit einer Wiedergabe der von Silvie Lampe-von Benni gl en ge chafsenen Totenmaske des Dichters geschmückt .
Hans Thyriot.
während der Gefangenschaft am Sitze des chinesischen Machthabers in so fesselnder Art, daß der Leser dieses Erlebnisberichtes von Anfang bis Ende mit größter Spannung der Schilderung folgt. Das Buch stellt aber nicht nur einen interessanten Bericht über eine Luftreise über mehrere tausend Kilometer Länge dar, sondern es ist zugleich ein Dokument der Tüchtigkeit deutscher Flugzeuge und deut-. scher Pilotenleistung, ein Ruhmesblatt der deutschen Fliegerei überhaupt. Die Lektüre dieses Buches bringt dem Leser einen wertvollen Gewinn, und sie ist geeignet, jedem Deutschen mit berechtigtem Stolz auf unsere kühnen Flieger blicken zu lassen. Man darf dem vortrefflichen Buche wünschen, daß es, seiner großen Bedeutung entsprechend, einen breiten Weg in unser Volk finden möchte.
Ernst Blumschein.
Namen der betreffenden Länder, ihrer Verwaltungsbezirke und den Bestand an Wohnstätten, selbständigen Wäldern und Rheinauen auf das genaueste an; Veränderungen staatsrechtlicher Natur bis 1803 sind jeweils vermerkt. Es wird an Hand der Karte und des Textes künftig möglich fein, mit Sicherheit die Zugehörigkeit eines Orts kurz vor dem Ende des Ersten Reichs zu finden. Solche Kenntnisse sind allgemein nützlich, für Freunde der vaterländischen Geschichte und der Sippenforschung unschätzbar. Der nationalpolitischen Erziehung gibt die Veröffentlichung ein eindrucksvolles Anschauungs- und Lehrmittel' in die Hand. Karte und Text bilden für das Rhein-Main-Gediet oder wenigstens seine historisch- interessierten Einwohner eine erfreuliche Bereicherung der Geschichtsliteratur. Es wäre erwünscht, daß'die neue Publikation andere nach sich zöge, die einen ebenso klaren Einblick in das Jahr 1648 gestatteten.
WamenundTarnenimTiemich.
— Dr. habil. Fritz Steiniger: Warnen undTarnen imTierreich. Ein Bildbuch zur Schutzanpassungsfrage. 139 Seiten mit 91 Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers. In Leinen geb. 4,80 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — (222) — Das Buch ist aus Untersuchungen im Institut für Vererbungswissen- schäft in Greifswald hervorgegangen und von dessen Direktor, dem bekannten Vererbungsforscher Professor Dr. Günther I u st, angeregt; es gibt zunächst eine vortrefflich ausgewählte Sammlung von Tier- aufnahmen, wie man sie heute in zahlreichen naturkundlichen Bildbüchern antrifft, weicht aber in der Textgestaltung insofern von jenen ab, als es weder Naturschilderungen noch Tiernovellen noch auch Artenbeschreibungen enthält, vielmehr einer allgemeinen naturwissenschaftlichen Frage gewidmet ist, dem Problem der Schutzanpassung, das die biologische Forschung seit Darwin immer wieder beschäftigt hat. Der Verfasser legt Wert auf die Feststellung, daß es sich in der Tat auch heute noch um eine Frage hgndelt, und bemüht sich, das Für und Wider der Meinungen zu berücksichtigen; allerdings sind, wie die Einführung bemerkt, von der Vererbungsforschung her wichtige Ergebnisse zu erwarten, welche als Grundlage für eine endgültige Lösung des Problems dienen können. Obwohl das Buch also, durchaus wissenschaftlich fundiert, auf jede Popularisierung verzichtet, ist es doch so ge- schriebe^ daß auch der nicht fachgelehrte Leser es mit Genuß und Nutzen und vielfältiger Anregung zu eigener Naturbeobachtung lesen wird. Der naturkundlich interessierte Laie wird vermutlich von der Fülle der Fragen und Erscheinungsformen über- rascht sein, die sich aus der Themenstellung ergeben. Es wird z. B. dargelegt, was Schutz und was Anpassung sei, und wie die Schutzanpassungen entstanden sein können; die Untersuchung schildert, ins Einzelne gehend, etwa die Schutzfärbung, den „Drückinstinkt", die „tierische Hypnose", den Färb- wechsel, die Schutz- und Schreckstellungen und die verschiedenen Typen der Mimikry. Eine knapp zusammenfassende Kritik der Schutzanpassungslehre schließt die Untersuchung ab. Das reichhaltige Bildmaterial ist nicht nur sehr sachkundig und geschickt ausgewählt, sondern auch bildtechnisch so sorgsam behandelt, wie man,es bei allen Bermühler- Büchern gewöhnt ist: bie Aufnahmen stellen eine überaus lebendige und lehrreiche Begleitung des Textes dar. Es erscheinen etwa im Bilde ein junger Feldhase, der „sich drückt", ein Laubfrosch, ein Wie- senpieper-Nest, ein junger Kiebitz, eine Rotdrossel in „tierischer Hypnose", die Schutzfarbe der Flunder, Raupen, Stabheuschrecken und das wandelnde Blatt, der Kiefernschwärmer und der große Fuchs, der Schwan in Abwehrstellung, Igel und Seeigel, — um einiges aus der Fülle herauszugreifen. Das tadellos ausgestattete und gedruckte Bildbuch wird allen Naturfreunden eine willkommene Bereiche«
nen; abgeschlossen und mit einem erläuternden Textband herausgegeben hat sie Dr. Walter Wagner. Trotz dem bescheidenen Maßstab von 1 :200 000 hat das als Sechsfarbendruck hergestellte Kartenblatt die ansehnliche Größe von 95X77,5 cm. Im ganzen sieht der Beschauer die Territorien von 4 Kurfürsten, 7 geistlichen, 9 weltlichen Fürsten und 41 Mitgliedern der Grafenkollegien, einigen Kreisständen und nichteingekreisten Landen, Reichsstädten, Prälaten, fast 100 Mitgliedern Der Reichsritterschaft, einer erheblichen Anzahl mittelbarer Stifter sowie adeliger Besitzungen nor sich, soweit sie im Raum des Rhein-Main-Gebiets liegen; eine Nebenkarte ergänzt die Darstellung um das 1866 von Hessen an Preußen abgetretene hessische Hinterland. Die heftige Vuncheit,' welche die moderne Drucktcchnik erlaubte, war aus dem gleichen Grunde, dem der Vielgestaltigkeit des Darzustellenden, nötig. Das Bild' umfaßt die Lande zwischen Marburg im Norden, Heidelberg und Wimpfen im Süden, Koblenz im Westen und Fulda im Osten. Es zeigt, eingestellt auf das Jahr 1787, die damalige territoriale Bewegtheit des heutigen Rhein-Main-Gebiets mit allen Einzelheiten, darunter den charakteristischen. Kondominaten, dem gemeinsamen Besitz verschiedener Herrscher; diesen ist eine besondere Merktafel gewidmet. Die reichen Quellenfunde, die Karte und Text füllen, sind in jahrelanger mühevoller Forschung den Beständen der Archive zu Darmstadt, Wiesbaden, Würzburg, Marburg u^b Mainz ab- gewonnen worden. Der Textband nennt jeden Wohnplatz — Stadt, Flecken, Dorf, Hof, Schloß — an der Stelle, wohin er 1787 gehörte; er gibt die


