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Hundert Jahre „Cacilia" in Lich
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Philipp Anthes.
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(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
Anfrage K. S. Gemäß § 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Auflockerung der Kündigungstermine bei Mietverhältnissen über Wohnräume vpm 24. März 1938 bleiben die vertraglichen oder gesetzlichen Bestimmungen über die Dauer der Kündigungsfrist unberührt. Müßte nach diesen Bestimmungen für den Schluß eines längeren als einmonatigen kalendermäßigen Zeitabschnitts spätestens am 3. Werktag eines Kalendervierteljahres oder in einem vertraglich anders bestimmten Zeitpunkt gekündigt werden, so ist bei der Kündigung eine gleichlange Frist einzuhalten. Das bedeutet für Ihr Mietverhältnis folgendes: Sie können jetzt nicht nur am 3. Werktag eines Vierteljahres zum Ende eines Ka- lenderoierteljahres, sondern auch am 3. Werktag eines beliebigen Monats kündigen. Kündigen Sie z B. am 3. Juni, so läuft das Mißverhältnis am 31. August ab.
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Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstagnach. mittag geschloßen
Im Sommer 1853 beschloß die „Cäcilia" Ausflug nach Münzenberg. Wegen eines schmerzhaften Leidens wollte der langjährige____
gent anfangs nicht teilnehmen, ließ sich hiernach aber doch bereden und ging mit. Ein Vorstands
vereine geltend: am 1 0. I u n i 18 6 0 fand auf dem prächtig gelegenen, bis heute benutzten Festplatz auf der Hardt ein Waldfest statt, an dem die Vereine „Orpheus" und „Harmonie" zu Butzbach und Abordnungen derer von Langsdorf und Grünberg teilnahmen, wobei auf Anregung Zimmers die Gründung eines Sängerbundes besprochen und ins Auge gefaßt wurde. Er fühlte, daß der einzelne nur im ganzen wirken und zur Geltung kommen kann. Tatsächlich kam auf sein Betreiben schon im September desselben' Jahres der „Deutsche Sängerbund" zustande, aus dem sich 3 Jahre später der „Lahntal-Sängerbund" entwickelte, der zuletzt die besten Stadt- und Land- vereine Oberhessens und der' angrenzenden preußischen Gebiete umfaßte und nach 70jährigem Bestehen im Jahre 1933 sein Wirken beendete. Seit dieser Zeit war die „Cäcilia" dem „Chattiabund" zugeteilt, von dem sie sich aber 1937 wieder gelöst und dem „Sängerbund Kreis Gießen" angeschlossen hat.
Sechs Jahre leitete Zimmer mit größter Gewissenhaftigkeit erfolgreich den Verein, „da wurden eine Anzahl Sänger wegen einer Geringfügigkeit, die dem Dirigenten als Eigenmächtigkeit ausgelegt
HeinrichWalz
LICH
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Zimmer fand einen würdigen und ebenbürtigen Nachfolger in dem zur Zeit noch amtierenden Stiftsorganisten K. Stein, der den alten Lorbeeren neue hinzufügte. Das beweisen die Wettstreite zu Büdingen, Nidda und Lang-Göns und das Jubiläumsfest 1928. Ein Vierteljahr leitete Lehr^L K. D ö r m e r vertretungsweise die Gesangsstunden'.
Der jetzige Dirigent Ernst Jlge bemüht sich mit jugendlichem Eifer und anerkannten Chormeisterqualitäten, die Leistungen der „Cäcilia" auf der errungenen Höhe zu erhalten oder wenn möglich noch zu steigern.
Aber nicht vom Dirigenten allein hängt der Stand eines Vereins ab. Dazu gehören auch ein zielbewußter Vorsitzer und eine freudig mitarbeitende Sängerschar. Darum jei hier zweier Männer gedacht, die für den Verein von besonderer Bedeutung geworden sind. Als landfremder Wandergeselle kam der eine vor nahezu 50 Jahren in Lich an. Land und Leute gefielen ihm, er fand „Anschluß", blieb und ward ein eifriger Sänger. Stimm- und vertretungsweise stabführend bewährte er sich bei allen Dirigenten, so daß ihm der zweite-Vorsitz und die Ehrenmitgliedschaft des Vereins zuerkannt wurden: dem Schreinermeister Heinrich B a r z, der 1891 aus der Pfalz nach Lich kam und hier seine zweite Heimat gefunden hat.
Mit ihm zusammen arbeitete, in inniger Freundschaft verbunden, 31 Jahre lang als erster Vorsitzer Heinrich Schmidt VIII. zum Wohle und Segen des Vereins. Seiner nimmermüden, aufopferungsvollen Tätigkeit hat die „Cäcilia" ein gut Teil ihres Aufstiegs und Ansehens in Stadt und Sängerbund vor allem mitzuoerdanken. Ein Unglücksfall setzte dem Leben des um Vaterstadt und Verein hochverdienten Mannes ein jähes Ende (9. 9.1937). Seine Sangesbrüder in Verein und Pund bewahren ihm, den sie schon 1925 zum Ehrenvürsitzer ernannt hatten, ein treues Gedenken. — All der andern allen Mitglieder zu gedenken, die sich um den Verein verdient gemacht haben, verbietet die Rücksicht auf den Raum.
Erwähnt seien außer den erfolgreichen Wettstreiten und den freundschaftlichen Beziehungen zu oen Brudervereinen noch drei Höhepunkte im Der- einsleben, die befruchtend auf die innere Tätigkeit eingewirkt haben: die Teilnahme Mvn Abordnungen an dem großen Deutschen Sängerbundesfest 1928 in Wien, dem 11. Deutschen Sängerfest 1932 zu Frankfurt a. M. und dem 12. zu Bresalu. Wer das Glück hatte, diese Feste mitzuerleben, wird noch lange davon erzählen können.
Vergessen seien auch nicht die schon zur Tradition gewordenen alljährlichen Pfingstgänge mit ihren Gesängen in den verschiedenen Teilen der Stadt, die der „Cäcilia" zu den allen immer neue Zuneigungen und Freunde bringen.
Heuer feiert nun ganz Lich das hundertjährige Bestehen des Jubelvereins, an dem die ganze Stadt freudigen Anteil nimmt, und sie verbindet damit die Weihe eines Denksteins für den Mann, der feiner Vaterstadt größter bürgerlicher Sohn ist und dem das deutsche Lied so viel zu danken hat: Heinrich Neeb. Möge das Fest zu aller Freude so verlaufen, wie alle es wünschen, damit L i ch s Ruf als Feststadt erhalten bleibe und sich mehre, die „Cäcilia" aber, mit neuer Kraft und Sanges- lust eintrete in ihres Bestehens zweites Jahrhundert. Dazu herzlich Glückauf!
100*feletöer5.B.„Gö(lllß“,£iili
5*, 6. und 7.3uni 1938 (Pfingsten)
1. Feiertag: Totenehrung — 11 Uhr: Weihe des Neebgedenkstemes — lo Uhr. Jubt- TmtmSfnniiert ui der großen Festhalte (7 Vereine)— 20.30 Ähr: Kommers.
2 Keiertaa' 13 Uhr: großer bist, Festzug (9 Festwagen, .5 Musittapellen)— Kundgebung — Singen der Gastvereine Volksfest.
3»Feiertag: Morgens FrübsÄopvenkonzert. Mittags: Kinderfest, Volksbelustigung. Musik: Musikkorps II/J R- 86.
Einmaliger Eintritt NM. 0.30 Dauerkarte NM. 1.— Tageskarte RM.0.60
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Chöre^ „m allen Stimmen" tatkräftig unterstützt. Die Singstunden wurden im Schplsaal der Stifts- schule gehalten, die Kosten für Heizung und Beleuchtung des Rau/nes trug die schon erwähnte Fürstin Henriette, die sich jederzeit als Förderin des Vereins und somit der Sangessache erwies.
Wie es Handwerksbrauch war, zog im Jahre 1844 der 17jährige Spenglergeselle Zimmer in die Fremde, um sich in seinem Beruf weiter auszub:l- den, Land und Leute kennenzulernen, seinen Horizont zu erweitern. Wer ihn genauer kennen lernen durfte, wird bestätigen, daß ihm das vollkommen gelungen ist. Er zählte später zu den geistreichsten und besten Bürgern der Stadt. Erst 1851, nach den Sturm- und Brausejahren des Vaterlandes, kehrte Zimmer als gereifter Mann mit klarem Blick in die Heimat zurück, um in der väterlichen Werkstatt die Kräfte mit andern zu messen. Selbstverständlich trat er dem Verein sofort wieder bei und
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Mitglied, das mit Anthes auf gespanntem Fuße lebte, erhob jedoch Widerspruch und weigerte sich, unter dessen Leitung zu fingen, verlangte sogar des Dirigenten Rücktritt. Eine Abstimmung über dieses Verlangen siel mit überwältigender Mehrheit zugunsten Anthes aus; das Vorstandsmitglied schied infolgedessen aus dem Verein, Anthes aber legte im Herbst des Jahres nach 15jähriger uneigennützigster Tätigkeit freiwillig den Stab nieder. Ein anderer Leiter war nicht ■ sogleich zu finden, und so ruhte die Vereinstätigkeit, die „Cäcilia" löste sich sogar auf; das Inventar aber wurde bis zur Gründung eines neuen Vereins von der Stadt in Verwahrung genommen.
Fünf Jahre gingen dahin. Man schrieb das Jahr 1858. „Es war ein Sonntag hell und klar, ein wunderschöner Tag im Jahr. Ich hatte...", so erzählte Zimmer, dem wir alle diese Mitteilungen verdanken, „einen Spaziergang gemacht und kehrte auf dem Heimweg im ,Einhorn* ein, um mein Schöppchen zu trinken. 16 junge Leute trafen sich nach und nach, wir fangen manch muntres Lied und einer, Hch. Lotz, regte die Gründung eines neuen Gesangvereins an. Allgemeine Zustimmung! Wer soll aber die Leitung übernehmen? Du, Zimmer! Jawohl, aber ich muß meinem Beruf nachgehen; wenn Ihr mir die aufgewandte Zeit vergüten wollt, bin ichs zufrieden. Einverstanden!"
Achtzig junge Leute melden sich zum Beitritt, der neue Verein übernimmt Namen und Eigentum des alten und singt. Heinrich Lotz wird Vorsitzer und Zimmer leitet die Singstunden, zeitweise durch den ihm befreundeten Lehrer Karl Walz (1816 bis 1886) vertreten. Die Einübung der Lieder geschah mit Hilfe einer Violine, die Vergütung für den Dirigenten („Direktor", wie Zimmer bis zu seinem Tode genannt wurde) betrug 36 Gulden; die Kosten wurden durch wöchentliche Beiträge von drei Kreuzern (9 Pf.) pro Mitglied aufgebracht. Damit die Sänger ihre Verpflichtungen genau kannten uiid ihnen gewissenhaft nachkommen konnten, wurden die Statuten lange Jahre hindurch alljährlich verlesen und durch Unterschrift der Mitglieder als bindend anerkannt. Unter dem neuen Dirigenten, der selber begeisterter Sänger war,,wuchs die Sangesfreude und die Zahl der Mitglieder, und schon nach etwa einem halben Jahr, am 15. Februar 1859, konnte die Sängerschar bei einer „Gesangsunterhaltung mit Ball" im „Einhorn" in reichhaltiger Vortragsfolge mit guten Chören aufwarten und starken Erfolg ernten — ein Zeichen, wie gut es Zimmer verstand, feine Sänger zu leiten.
Schon in dieser Zeit machte sich das Bedürfnis nach engerem Zusammenschluß- der einzelnen Sing-
„Wo man singt, da laß dich ruhig nieder ohne furcht, was man im Lande glaubt mo man pngt, fca wird kein Mensch beraubt Bösewichter haben keine Lieder."
, 3um geflügelten Wort gewordene Ausspruch Jvh. ©ottjrieb Seumes (1763 bis 1810) möae den Auftakt dieser Zeilen bilden. ’ 9
Gesungen wurde zu allen Zeiten und an allen Orten, wo Menschen wohnen und ihrer Gemüts- EI™"9 Ausdruck verleihen wollen. Der Sanges- reude verdankt die „Cäcilia" in Lich ihre 6nt- jn?Un9’ Geburt als ursprünglich gemischter (p°r wahrscheinlich schon in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fällt und keinen andern 5^ rnler? .$ c 1 ,n r 1 d) Neeb zum Vater hat. Lei- hnnhinb fe,"rerJßl schriftliche Urkunden darüber vor- handen, weil lange Zeit keine Protokollbücher ge- ben^ah^iv Aufzeichnungen gemacht wur- "der die von Neeb aufgestellten und eigenhändig geschriebenen Statuten — „Gesetze für den ?en9DS 6na.nn\cr .ste —' die mit seinem übn- gen Nachlaß im Frässn Deutschen Hochstift zu Frankfurt a. M. auföewahrt sind, stammen aus dieser Zeit, in der er sich, nach seiner Entlassung aus dem Lehrerseminar zu Friedberg (1824) um öie Hebung des Gesangs im Gottesdienst seiner Heimatgememde Lich bemühte. In dieser Annahme werden wir bestärkt durch ein Bewerbungsschreiben Needs um Übertragung einer Schulstelle zu Lich, ^em er sagt: „Da ich ... schon oft von meinen tocyulfreunDeti sowohl* al; auch von andern Musik- liebhabern aufgefordert wurde, eine Zeitlang in M 3U leben um die seit dem Tode des Herrn Pfarrer Bruhl gänzlich darniederliegende Musik, welche insbesondere durch kirchliche Gesänge immer |o wohltuend auf die Gemüther wirkte, wieder in Ausnahme zu bringen ..." Neeb bekam zwar die begehrte Stelle nicht, er mußte hinter einem älteren Bewerber zurucktreten (der 22jähfige hatte sich um nichts weniger als um die Rektorstelle beworben — er griff, wie immer, nach dem Höchsten), aber er ichuf trotzdem einen kirchlichen gemischten Chor, und die für diesen entworfenen Statuten sind ein wichtiges Dokument für die Art, wie Neeb feine Dirigententätigfeit auffaßte und welche Anforderungen er schon in jungen Jahren an die Haltung feiner Sänger stellte. Sie lassen auch erkennen, wer als fördernde Kraft hinter Neeb stand: niemand Geringeres als die kunstsinnige, musikliebeiide und -ausübende Fürstin-Mutter Henriette, die ihn zu gemeinsamem Spiel heranzog und deren Empfehlung er es auch wohl zu danken hatte, daß er den Musikunterricht der gräflichen Kinder im Schloß zu Büdingen übernahm. Vermutlich hat sie ihm auch die Mittel zur Verfügung gestellt, die ihm seine Reisen nach Italien und Frankreich ermöglichten.
Nach Neebs Weggang von Lich und feiner endgültigen Ueberftemung nach Frankfurt war der Chor in Lich wieder führerlos, bis die Fürstin Henriette im Jahr 1835 den Schwiegersohn ihres Kammerrates ,S e i d e l, den Musiklehrer H il li- g e r aus Mecklenburg zur Leitung des Vereins berief. Da dieser aber in Lich keine auskömmliche Beschäftigung fand, sah er sich schon im folgenden Jahr nach einer einträglicheren Tätigkeit in Frankfurt um, und so wurde der Chor abermals „in den Ruhestand" versetzt. Doch die Freude am Gesang und der Wille zu feiner Ausübung ließen sich nicht unterdrücken. Angeregt durch den Großvater dcs Sattlers R e u ß, den sog. „vornehmen Reuß", der im Laubacher Schloß gearbeitet hatte und durch die Gefangsvorträge des dortigen Vereins begeistert nach Lich zurückkehrte, scharten sich im Jahr 1838 ,82 sangesfreudige Männer und Jünglinge zusammen und riefen den heutigen Jubelverein ins Leben. Da er auch anfänglich hauptsächlich kirchlichen Zwecken diente, so erhielt er der hl. C ä - c i l i a , der Schutzpatronin der Musik, insbesondere der Kirchenmusik, zu Ehren seinen Namen, zumal die Gründungsversammlung am 22. November, dem Gedächtnistag der Heiligen, stattsand.
Der damalige hochangesehene 1. Stiftslehrer und erste Lehrerorganist an der Marienstiftskirche, Joh. Phil. Anthes (1792 bis 1865) erklärte sich bereit, die musikalische Leitung des Vereins zu übernehmen. Völlig kostenlos stellte er 15 Jahre lang feine freie Zeit dem Verein zur Verfügung und brachte den Gesang auf eine beachtenswerte Höhe, so daß der Verein schon an dem 1840 zu Butzbach abgehaltenen Wetterauer Sängerfest mit Erfolg teilnehmen konnte. Das folgende Jahr sah die „Cacilia' m Friedberg, wo sie bereits ihre Fahne, „die schönste im Festzug", entfaltete, wie der alte „Direktor Zimme r", der als Vierzehnjähriger an dem Feste teilnahm und im Neukommschen Tedeum („Herr Gott, dich loben wir") mitfang, im Jahre 1914 noch mit Genugtuung und Stolz erfühlte. Dem außer' gewöhnlich guten Gedächtnis dieses im Jahre 18-7 geborenen und 1918 im älter non 91 Jahren »er- ftorbenen Mannes haben wir die Kenntnis von der Geschichte der „Cäcilia" zum größten Teil zu danken. Schon als lljähriger Junge hat er das Ad- fchreiben« der Statuten, der einzelnen Singstimmen wie auch die Dienergeschäfte des Vereins besorgt und fejnen verehrten Lehrer bei der Einübung der
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ward, unartig", und Zimmer legte die Leitung nieder. Um das Weiterbestehen des Vereins zu sichern, übernahm Lehrer Jäger (1834—1919) die Führung des Vereins für acht Jahre ohne Vergütung. Der Verein zeigte sich erkenntlich und schenkte ihm zu seiner Hochzeit am 26. November 1867 eine schöne Standuhr. Nachdem die Aussöhnung und Einigung mit dem Gründer, Sänger und Leiter wieder hergestellt war, ließ er sich 1872 zur erneuten Führung des Vereins bis 1880 bewegen. Sechs Jahre lang hatte dann Präpa- randenvorsteher Hch Weitert (1829—1897) die Leitung, danach ging sie in die Hände des jungen tatkräftigen Schulverwalters Georg Stork über, der aber schon nach vierjähriger Tätigkeit im Jahre 1890 nach Altenstadt, Kreis Büdingen, versetzt wurde, wo er als Ehrenmitglied des Vereins heute noch im Ruhestand lebt.
Nach einer kurzen Zwischenzeit, in der Lehrer K. Mulch, damals in Hungen, die Singübungen leitete, wurde die musikalische Führung dem Lehrer Wilhelm Zimmer (1863—1916) anvertraut, der sie 25 Jahre lang bis zu seinem frühen Tode behielt und die schon unter Stork beträchtlich gestiegenen Leistungen des Vereins auf eine vorher nicht gekannte Höhe brachte. Als Festdirigent leitete er mit großer Sicherheit die Gesamtchöre der 21. und 30. Lahntal-Sängerbund-Feste, die 1896 und 1914 in Lich gehalten wurden.
Mit Beginn des neuen Jahrhunderts trat in Sänger kreisen eine Strömung in Erscheinung, die sich nicht überall segensreich auswirkte: das auf Anregung des früheren Kaisers durchgeführte Wettstreitsingen, das seinen großen Nutzen haben kann, aber häufig auf Ab- und Irrwege führte. Selbstverständlich nahm auch „Cäcilia" an diesen Bestrebungen teil, brachte viele schöne Preise heim, überschritt aber dank dem gesunden Empfinden der Dirigenten nicht die Grenzen und hielt an dem wahren Ziel des Männergesangs, der Pflege des deutschen Volksliedes, fest.
Philipp Zimmer. Ernst Jlge.
(Aufnahmen [3J: Vereinsarchiv der „Cäcilia".)


