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Nr. |28 (Elftes Statt

188. Jahrgang

Keitag.Z.Iunl 1938

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Deutsche Staatsbürger von tschechischer Soldateska bedroht.

Deutsche Neichsflagge von tschechischem Militär beschlagnahmt Nächtliche Haussuchung unter schweren Bedrohungen bei reichsdentschem Ehepaar.

Prag. 2. Ium. (DNB.) 3m sudetendeutschen ©ebief ereigneten sich liebergriffe tschechischer Trup­pen. die sich sogar gegen reichsdeutsche Staatsbürger richteten. Die reichsdeutschen Staatsangehörigen Heinrich und Marie Exner, wohnhaft in Niederullersdorf 178 im Bezirk Senf­tenberg (Tschechoslowakei), wurden am 29. Mai, nachdem sie sich bereits zu Bett begeben hatten, durch kräftiges Klopsen an der haustur geweckt. Vor der Tur standen vier mit Gewehren bewaffnete tschechische Soldaten, die die Herausgabe der Hakenkreuzfahne forderten, die von dem Ehepaar Lxner am 1. Mai zusammen mit der tschechischen Staatssahne an ihrem Hause gezeigt worden war. Frau Lxner fragte die Soldaten nach einer schriftlichen Anweisung. Die vier Soldaten drangen jedoch in das Schlafzimmer ein. bedrohten Frau Lxner mit ihren auf­gepflanzten Seitengewehren und droh­ten, die ganze Wohnung zu demolieren und die Familie niederzuschlagen, wenn die hakenkreuzslagge nicht sofort ausgeliefert wurde. Angesichts dieser unmißverständlichen Gewaltdrohungen sah sich Lxner gezwungen, die hakenkreuzslagge vom Boden zu holen. Die Soldaten nahmen außer der Flagge den beiden Reichsdeutschen noch zwei Ab- stimmungsplaketten zum 10. April 1938 mit dem Bild des Führers und Reichskanzlers unter schwersten Beschimpfungen des Führers und der hakenkreuzslagge mit. Eine Beschwerde auf der zuständigen militärischen Kommandostelle in Riederullersdors blieb bis heute erfolglos. Daß man sich dort der Rechtswidrigkeit derBeschlagnahme" wohl bewußt war, geht aus der dort gewachten Zusage hervor, die Flagge wieder herausgeben zu wollen. Wie breDresdener Neuesten Nachrichten" von ihrem Prager Vertreter erfahren, hatten die Soldaten die Frechheit, mit ihren blanken Bajonetten die im Bett fitzende Frau Lxner zu bedrohen, so dah der Ehemann das Schlimmste besürchten mutzte. Mithin sind in der Tschechoslowakei fremde Staatsangehörige, sogar Frauen, nachts nicht einmal in ihrem Bett mehr sicher, und die völlig zügellose Soldateska kann schwer bewaffnet ganz nach Belieben gruppenweise schwerste Ungesetzlichkeiten begehen, ohne datz sie jemand daran hindert oder etwa gar versucht, die bei dem tschechischen Militär gezüchtete Hatzpsychose zu dämpfen.

Wir haben hier schon in den letzten Tagen dar­auf hingewiesen, wie stark in den tschechischen Unisormträgern die Ueberzeugung sein muß, datz alle ihre Taten einschließlich schwerster Verbrechen bis zum Mord von den Prager Zentralbehörden unbedingt gedeckt werden. Wir wollen hier Einmal davon absehen, daß zu dem banditenmaßigen Auf­treten der tschechischen Soldateska gegenüber schutz- und wehrlosen Zivilisten genau so wemg Mut ge­hört wie zu dem kriegerischen Rummel an der tschechischen Grenze, auf deren anderer Seite mcht die leiseste Spur eines Gegners vorhanden ift Wir wollen dafür um so klarer feststellen, daßi es nur zwei Möglichkeiten gibt: entweder die tschechische Regierung in Prag ist nicht mehr Herr chrer eig ­nen Untergebenen ober sie steckt Mit den^Ehauvi- nisten aller Färbungen unter einer Decke. Der erste Fall würde bedeuten, daß es in der Tschechoslowakei keine verhandlungsfähige Regierung und außer Der Leitung der Sudetendeutschen Partei keine Auto­rität mehr gibt. Das würde staatsrechtlich eine ähn­liche Lage ergeben wie in dem zur Zeit noch bol­schewistischen Teil von Spanien. Im zweiten Fall, also bei der offenen oder umschriebenen Deckung aller tschechischen Derbrechen durch die Prager Regierung, stellt sich diese selbst außerhalb des Kreises aller völkerrechtlichen Begriffe und Verpflichtungen.

Neue Grenzverletzung durch tschechoslowakisches Flugzeug. Anna berg (Erzgebirge), 2. 3uni. (VNB.) Eine neue Grenzverletzung durch ein Ifdjedjofloroa- kiiches Gcndacmerleslugzeug wurde am Donnerslag gegen 18.45 Uhr seslgeslelll. Es handelte (ich um einen Eindecker von dunkelblauer Aarbe der die tschechischen Hoheitszeichen und die Buchstaben OK trug. Um 18.45 erschien das Flugzeug über Königswalde, elwa 8 bis 10 Kilometer von der Gre uze, gegen 18.50 Ahr über LareuMn, Hammec-Unlerwiescutal. Es überflog die Grenze bei 0berw,esen. fal und flog in Richtung über den Keilberg nach St. Joachimslhal.

Zirkus Sarrasani flieht aus der Tschechoslowakei.

«Bien, 2. Juni. (DNB) In Wien trafen drei oüae des deutschen Zirkus Sarrasani em. Das Unter- Ahwen befand sich auf einer ®a(tfplelretfe durch die

Tschechoslowakei. In verschiedenen tschechischen Städten setzte eine von jüdischen Drahtziehern ge­nährte Boykotthetze unter der tschechischen Be­völkerung ein, so daß sich die Zirkusleitung, da d e r polizeiliche Schutz verweigert wurde, ge­nötigt sah, das Land fluchtartig zu verlassen. Ge­waltig ist der Schaden, den das deutsche Unternehmen dadurch erleidet, daß Polizei und Militär die Zirkus­

wagen und den Privatbesitz der 320 Angestellten und Artisten plündertest. Die Zirkuswagen wurden von 50 Mann, die bis an die Zähne bewaffnet waren, durchsucht. Alle Koffer und Kasten wur­den aufgebrochen, die Stoffe wurden mit Bajonetten zerfetzt, und zahlreiche Gegenstände wurden g e - st o h l e n. Die Artisten haben teilweise nichts mehr gerettet als das, was sie am Leibe trugen.

Die tschechische Mobilmachung

bringt die sudetendeutsche Wirtschaft zum Erliegen

Schwere Schäden sürdie sudetendeutschen Badeorte.-Detriebseinschränkungen und Gefährdung der Lebensmittelversorgung.

Eger, 2. Juni. (DNB.) Der immer noch an­dauernde Kriegszustand im gesamten sudetendeut­schen Gebiet, Die außerordentlich starke Belebung aller Orte mit Militär, die Sperrung zahlreicher Straßen und Brücken, durch die Umwege von vielen Kilometern notwendig sind, haben in den böhmi­schen Kurorten Karlsbad und Marienbad den größten Teil der ausländischen K u r g ä st e zur Abreise veranlaßt, da auch sie zahl­reichen Belästigungen durch die provozierend und anmaßend auftretende tschechische Soldateska ausge­setzt waren. Die entstandenen Schäden und Ausfälle durch die Mobilisierung werden im sudetendeutschen Gebiet allein in den letzten 14 Tagen auf mehr als 50 Millionen Tschechenkronen ge­schätzt.

Von den vielen tausenden Grenzgängern, die infolge des Niederganges der gesamten Wirtschaft im sudetendeutschen Gebiet seit 10 Jahren Arbeit im deutschen Grenzgebiet gefunden haben, ist ein sehr großer Prozentsatz auch weiterhin daran gehindert, der Arbeit in den reichsdeutschen Fabri­ken und Werken nachzugehen, weil die Behinderung des kleinen Grenzverkehrs und bei burch bie Stra­ßensperren erzwungenen ungeheuren Umwege es ben Arbeitern unmöglich machen, zu ihren Arbeits­stätten zu gelangen. Der baburch entstehende Lohn­ausfall ist außerordentlich groß und zahlreiche

sudetendeutsche Familien find, da von tschechischer Seite Unterstützungen nicht gezahlt werden, zum Hungern verurteilt.

Auch eine ganze Reihe von Werken im sudeten­deutschen Gebiet müssen Betriebseinschrän­kungen vornehmen und Arbeiter entlas­sen, weil durch die Belegung der Eisenbahnen mit Truppentransporten und die Sperrung zahlreicher Wege und Straßen die Zufuhr von Kohlen und Rohstoffen ausgeblieben ist. Da die Ar­beitslosigkeit im sudetendeutschen Gebiet an sich schon ein Vielfaches der in dem tschechischen Gebiet beträgt und das Elend in einer ganzen Reihe von sudetendeutschen Städten schon jetzt geradezu unbeschreiblich ist, hat es den Anschein, als ob von tschechischer Seite alles darauf angelegt würde, Hungerunruhen im sudetendeutschen Gebiet zu provozieren, um einen willkommenen Anlaß zum Einschreiten gegen die Sudetendeutschen durch die tschechische Soldateska zu erhalten, die weiterhin anmaßend und provozierend auftritt und sich ohne jede Einschränkung wie im Feindesland benimmt. In einer Reihe von Orten sind bereits Lebens­mittelverknappungen eingetreten, weil bie vorhandenen Lebensmittelbestände in erster Linie für das tschechische Militär in Anspruch genommen werden und erst in zweiter Linie die Bevölkerung versorgt wird.

Times" zur tschechischen Frage.

Revision der Friedensverträge durch Rückgliederung der fremden Nationalitäten.

London, 3. Juni. (Curopapreß.) Die spanische und die tschechoslowakische Frage stehen nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses. Obgleich die Sitzung des Nichteinmischunasausschusses am Don­nerstag durch das teilweise Zugeständnis der Sow­jetunion die ursprünglich gehegten Erwartungen übertroffen hat, so zeigen sich doch bisher keine Anzeichen, die eine baldige Lösung für die spanische Frage versprechen. DieTimes" weist darauf hin, der Vorstoß Englands zur Beilegung des spanischen Krieges sei weder von nationalspa­nischer noch von sowjetspanischer Seite begrüßt wor­den; es seien auch keinerlei Anzeichen dafür vor­handen, daß bie kriegführenden Parteien ihre Mei­nung in nächster Zeit ändern würden.

Das Blatt kommt dann auf die t s ch e ch os l o - wakische Frage zu sprechen, wobei es, ange­regt durch die Dielen Zuschriften aus dem Leserkreis, darauf hinweist, die Schuld für die in der Tschechoslowakei entstandene Lage sei aus­schließlich in den Friedensverträgen zu suchen, die sowohl die deutsche» als auch die polni­schen und ungarischen Nationalitäten kurzsichtig einem ausländischen Joch unterworfen hätten, ohne dabei an die Folgen dieser unnatürlichen Einglie­derung zu denken. Um der augenblicklichen Lage abzuhelfen, weiß dieTimes" aber auch keinen an­deren Rat als denjenigen, die ausländischen Natio­nalitäten an ihr Mutterland zurückzu­gliedern. DieTimes" wendet dann, nach Kom­promissen suchend, ein, die Tschechoslowakei habe einenso organisierten demokratischen und parla­mentarischen Staat" ausgebaut, in dem die Sude- tendeutschen ein beträchtliches Element seien, die ge­genwärtige Grenze sei von der Natur gezeichnet und außerdem stark befestigt, so daß sie eine stra- tegische Grenze geworden fei, auf ine bie Tsche­chen nur höchst ungern verzichten wurden, die Tsche­choslowakei sei weiterhin eine gut ausbalancierte wirtschaftliche Einheit, die Deutschen seien die besten industriellen Arbeiter, die tschechoslowakische Regie­rung wolle sie nicht verlieren. Schließlich sei die gegenwärtige Grenze auch die historische Grenze usw. usw. Dann schließt das Blatt: Es war e i n Unrecht, daß diese Minderheiten m die Republik eingeschlossen worden sind, und dieses Nnrecht könnte auch beseitigt werden. -Die Nachbar­staaten, die aus rassischen Gründen em Interesse an ihren Blutsbrüdern nehmen, wurden sich dann selbst um sie zu kümmern haben und würden ieden An« spruch verlieren, sich in die Angelegenheiten der Tschechoslowakei einzumischen Es wurde eine dra- istische Entscheidung fein, aber etwas dra­stisches scheine notwendig zu sem,

pariser Genugtuung über die englischen Dienstpflichtpläne.

Paris, 2. Juni. (Curopapreß.) Die Erklärungen des englischen Ministerpräsidenten Chamber­lain über bie Möglichkeit der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht in England in Kriegs­zeiten haben auch in Frankreich starkes Interesse er­weckt. Man zeigt sich sehr befriedigt darüber, daß der englische Verbündete allen Möglichkeitenkühn entgegenschaue". Man glaubt mehr denn je die Ueberzeugung haben zu können, England sei der entschlossenste und treueste Verbündete Frankreichs. DasPetit Journal" schreibt, die englische Regie­rung scheue vor keiner Verantwortung zurück. Der englische Ministerpräsident treibe eine realistische Politik und vergesse die ideologische Außenpolitik Edens. Frankreich könne sich über die von England eingenommene Haltung nur freuen. Der ,Lour" meint, die englische Regierung, die genauere Verpflichtungen übernommen habe, als bie allzu platonischen Verpflichtungen des Genfer Pak­tes, versetze sich in bie Lage, im gegebenen Augen­blick ihrer Unterschrift auch treu blei­be n 3U können. Gewiß handele es sich nur am Pläne und noch nicht einmal um die Organisation der bewaffneten Nation in Kriegszeiten, wie dies Frankreich bereits in Erwägung gezogen habe, aber wie dem auch fei, durch die Erklärung des britischen Ministerpräsidenten habe das englische Bündnis für Frankreich einen bisher noch nicht er­reichten Wert erhalten. DieEpoque" schreibt, es sei besonders bemerkenswert, daß fast bie gesamte englische Öffentlichkeit, mit Ausnahme ber Arbei­terpartei, sich über bie schweren Gefahren ber Lage Rechenschaft ablege unb es billige, baß bie englische Regierung bereits in Friebenszeiten bie Maßnah­men zu einer raschen Mobilisierung bes Landes oorbereite.

Freude im Hause Göring.

Berlin, 2. Juni. (DNB.) Die Gattin des 2Ui- nisterpräsidenlen Generalfeldmarschalls Göring ist heule 13.40 Uhr von ihrem ersten Kinde, einem gesunden Mädchen, entbunden worden. Mutter und Kind befinden sich wohlauf. Das Töchterchen hat den NamenE d ^a" be­kommen.

Intelligence Service.

Obgleich es ein Widerspruch in sich ist, kann man doch sagen: der englische Geheimdienst hat es an den Taggebracht, baß Großbritannien ber eigentliche Urheber ber tschechischen Mobilmachung unb bamit jener gefährlichen Krise ist, bie von Prag aus ben europäischen Frieben bebrohen möchte. Dasselbe Englanb, das burch diplomatische Schritte und Presse-Kampagnen eine Kriegsschuld­lüge gegen Deutschland konstruieren wollte, steht nun selber als Schuldiger vor dem Richterstuhl der Geschichte. Es hat durch seinen Geheimdienst die Prager Regierung davon unterrichten lassen, daß angeblich eine deutsche Truppenbewegung gegen bie Grenze stattfinde und bamit erst bie tschechische Ak­tion ausgelöst. Dies ist ber Stand ber Dinge, wie er burch ben französischen Journalisten Sauerwein bargestellt würbe unb an bem wir so lange nicht zweifeln können, bis ihn Lonbon burch einwandfreie Tatsachen widerlegt. Daß ber englische Ge­he i m b i e n st bei ber ganzen Angelegenheit eine entscheidende Rolle gespielt hat, ist sehr interessant. Denn bieser Geheimbienst, in EnglandIntelligence Service" genannt, ist nicht irgendeinefreie" oder private Organisation, sondern eine Behörde, ein Instrument der Regierung. Für ben Geheimdienst werben schätzungsweise 100 Millionen Mark jährlich vom Staat ausgeworfen, woraus schon allein bie außerorbentliche Bebeutung biefes berühmten Amtes hervorgeht, bas schon so oft in entscheibenber Weise bie Weltpolitik beeinflußt hat.

t/Der Intelligence Service kann auf eine große geschichtliche Vergangenheit zurückblicken. Aus jahr« hundertelangen Traditionen unb Erfahrungen hat er ein System herausgebilbet, bas ihm für feine Aufgaben bie besten unb fähigsten Kopfe zur Ver­fügung stellt. Der eigentliche Gründer bes Geheim- dienstes ist ber berühmte Kardinal WoIsey zur Regierungszeit Heinrichs VII. Später hat ihn bann Cromwell weiter ausgebaut, so baß sich bieser rühmen konnte, ber bestinformierte Staatsmann Europas zu fein. Im Kampfe gegen bie napoleo­nische Bündnispolitik unb bie Kontinentalsperre hat sich dann ber Intelligence Service besonbers be= wahrt, inbem er ber Londoner Regierung bie vor­zeitige Kenntnis bes französisch-russischen Geheim­vertrages von Tilsit vermittelte. Auch im Welt­kriege spielte er selbstverständlich eine bedeutsame Rolle, wie mir aus dem Buche des Sir 'George A st o n wissen, der damals im englischen Nach­richten- und Spionage - Abwehrdienst verwendet wurde und seine Erinnerungen an diese Zeit ver­öffentlicht hat. Aston weist darauf hin, daß die kleine Abteilung für Nachrichtenwesen im Kriegs­ministerium, die mit der Entdeckung von Spionen beauftragt war, im Frieden nur 14 Kopfe zählte, daß sie aber bis Ende 1918 auf etwa 800 Mann anwuchs.

Der Intelligence Service bedient sich selbstver­ständlich nicht nur eines Heeres von freiwilligen Helfern, die ihm alle möglichen Nachrichten zu­tragen, sondern er verfügt über eine eigene Elite­truppe von Agenten, die er nach einem besonderen Erziehungssystem ausbildet, lieber allem steht der moralische Leitspruch:Ein guter Spion muß ein tapferer und wertvoller Mensch sein. Der Spion, der für sein Vaterland fällt, ist ein ebenso guter Soldat wie derjenige, der auf dem Felde der Ehre sein Leben läßt." Minderwertige Elemente und bloße Abenteurer kann En-glands Geheimdienst nicht ge­brauchen. Es ist eine harte und opferreiche Schule, die der künftige Kundschafter durchmachen muß. Die Erziehung geschieht im sogenanntenSchwarzen ^d) I o ß" in Devonshire, einem prächtigen Ge­bäude, das idyllisch mitten in einem wohlgepflegten Park liegt. Ein Journalist, dem es einmal gelang, Zutritt zu dieser Schule zu erhallen, berichtet fol­gendes über seinen Besuch: Man muß ein gutes Stück durch stille englische Landschaft fahren, ehe man irgendwo droben in Devonshire plötzlich vor jenem burgartigen Schloß steht, das inmitten der Einsamkeit belebter ist als man diesen dunklen Türmen zumuten sollte. Hinter ben Mauern des Schwarzen Schlosses arbeiten ein paar Dutzend junge Menschen an sich. Sie unterstehen ber Füh­rung erster Spezialisten auf bem Gebiete ber Spra- chenkunbe, des Sports, ber Chemie unb anderer unentbehrlicher Kenntnisse. Dem gewöhnlichen Sterb­lichen ist der Zutritt zum Schwarzen Schloß streng­stens untersagt. Diese Schwelle passiert nur der­jenige, den das britische Kriegsamt mit einem Spe­zialausweis ober einem vielfach gestempelten Emp­fehlungsschreiben versah. Wer Black Castle verläßt, ist ein, Meister. Im Durchschnitt bauert bie Aus­bildung eines solchen Agenten, der entweder aus bem Kreise ber jungen Offiziere ober aber aus ber Mitte hervorragend begabter Stubenten gewählt wirb,, vier Jahre. Ein günstiges Geschick erlaubte uns, einen solchen Lehrplan zu Gesicht zu bekom­men. Er nennt für bie ersten 18 Monate als erstes Fach Körperausbildung. Die Unterabteilungen lau­ten: Leichtahletik, Boxen, Ringen, Schwimmen, Schießen unb Fechten. Der so gestählte Körper wird in der Folgezeit in bauerndem Training erhalten. Aber ber Lehrplan wechselt allmählich zu anberen Dingen über."

Es gibt kaum eine Fertigkeit, bie ber britische Geheimagent nicht beherrschen müßte. So lernt er denn in der Folgezeit auch verschiedene Sprachen, er lernt tanzen und Bridge spielen, er lernt zeich­nen und photographieren, er eignet sich die Grund­lagen der Militärwissenschaft an und wird in bie- Geheimnisse der Chemie eingeweiht, um verborgene Schriften ebenso wie Chiffre-Systeme enträtfeln zu können. Das sind nur einige Eigenschaften und Kenntnisse, die die Männer bes Intelligence Service besitzen müssen. Aber bie Ereignisse bes 20. Mai 1938 zeigen, daß von allen diesen guten Eigen­schaften auch ein recht schlechter Gebrauch gemacht werden kann.,, D.

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