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Hr.102 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 3. Mai 1938

LtmfaffenderBebauungsplanfürMünchen

Oie Hauptstadt der Bewegung erhält einen neuen Bahnhof, Untergrundbahnen/ neue Bauten für Partei, Behörden, Kunst und Wissenschaft.

München, 2. Mai. (DNB.) Der Führer hat am 2. April in seiner Rede in München verkündet, daß die grundlegende Planung, die aus der Stadt München die Hauptstadt der Bewegung und die Hauptstadt der deutschen Kunst machen wird, nun zum Abschluß gekommen sei. Ausgangspunkt der neuen Planung ist die U m g e st a l t u n g der Bahnanlagen in und um München. Zwischen Hirschgarten und Landsberger Straße ermöglicht ein neuer Hauptbahnhof im Fernverkehr einen reibungslosen Durchgangsverkehr von Nor­den und Westen nach Osten und Süden. Die neue Lage des Hauptbahnhofes erfordert eine schnelle Verbindung mit der Stadtmitte und dem Bahnhof München-Ost für den Vorortverkehr. Hierfür wird die U - B a h n l i n i e West-Ost erbaut. Die Ver­bindung der Stadt von Süden nach Norden erfolgt durch die Süd-Nord-U-Bahnlinie.

In städtebaulicher Beziehung ergibt sich für den Ausbau der Stadt die Möglichkeit, auf dem über 2>5 Kilometer langen freigewordenen Gelände des jetzigen Bahnkörpers einen monu­mentalen neuen Straßenzug zu schaffen, der alle Neubauten aufnehmen wird. Die neue große Oper wird hier Platz finden, ebenso ein neues Operettentheater, ein Variete mit Kabarett, ein Tonfilmhaus, ein städti- sches Sportbad mit allen Nebenanlagen, ein S a a l b a u, das Parteiverlagsgebäude, ein K d F. - H o t e l für den Durchgangsverkehr so­wie andere Hotels neben Vergnügungsstätten aller Art. Als östlichen Abschluß der neuen Bahnhof­straße wird etwa in der Höhe des jetzigen Haupt­bahnhofs ein Denkmal zur Erinnerung an die Gründung der NSDAP, errichtet. Am neuen Bahn­hofsvorplatz liegen die Bauten der Eisenbahn- und der Postdirektton. Hier erfolgt die Einmündung der Reichsautobahn -Zubringerstraße von Karls­ruheStuttgartMünchen.

Die Neuanlage des Südbahnhofes bei Pasing hat die Aufgabe-, dem südlich neu entstehen­den Stadtteil und der dort geplanten neuen KdF.-Stadt zu dienen, wie auch dem Massen­

verkehr auf dem künftigen Ausstellungsgelände und seiner großen Halle auf dem südlichen Teil der Theresienwiese zu genügen.

Das wohnungs politische Baupro­gramm sieht vor: Volkswohnungen bis 1945 mit etwa 12 000 Wohneinheiten, Ersatzwohnungsbau bis 1945 mit mindestens 18 000 Wohneinheiten, Bau mittlerer und größerer Wohnungen an städte­baulich wichtigen Punkten mit im ganzen 12 000 Wohneinheiten sowie Deckung des Wohnungsbe­darfes für den Arbeiter- und Beamtenzuzug.

Im Zuge der Gabelsbergerstraße wird das K a nzleihaus der Partei enfttehen. Weiter dieHalle der Partei", dasMuseum für Zeitgeschichte", dasHaus der Deutschen Arbeitsfront". Für die Gau­leitung München-Oberbayern ist für das neue Gaugebäude der Platz am Gasteig ausgewählt worden. Außer dem neuen Opernhaus wird ein Deutsches Theatermuseum errichtet.- Der vergrößerte Odeonsplatz erhält im Osten das neue Odeon (Musikhalle) an Stelle des jetzigen Bazar­gebäudes und im Norden das neue Zentral- gebäude der Regierung. Die Alte Pi­nakothek erhält Flügelbauten nach der Arcis- und Barerstrahe hin. Das Künstlerhaus wird durch umfangreiche Neubauten zu einer wirklichen Heimstätte aller Münchener Künstler umgestaltet. Die neue Technische Hochschule wird in Nymphenburg aus dem Gelände nördlich des neuen Botanischen Gartens entstehen. Die Tierärzt­liche Hochschule muß vom Rande des Eng­lischen Gartens wegverlegt werden. Die natur- wissenschastlichen Sammlungen des Staates er­halten einen Neubau. Im Zusammenhang mit dem Deutschen Museum entsteht ein Bau für die Technik der Neuzeit. An Reichsbauten werden errichtet das Landesfinanzamt an der Ecke Sophien-Arcisstraße, das fast fertiggestellte L u f t a m t in der Prinzregentenstraße, die Reichs- b a n k in der Ludwigstraße sowie das neue Funk­haus. Der neue Flughafen soll schon im Oktober dem Verkehr übergeben werden.

67 Reichsfieger im Handwerker-Wettkampf.

Vor Eröffnung der Frankfurter Ausstellung.

NSG. Die große ReichsausstellungHand­werkerwettkampf 1938" in Frankfurt wird am 5. Mai durch Reichsorganisationsleiter Dr. Ley eröffnet, der die Reichssieger des Handwerker­wettkampfes durch Ueberreichung einer Reichssieger­plakette ehren wird. Der Handwerkerwettkampf haf als Sonderwettkampf im Rahmen des Berufs­wettkampfes aller Schaffenden stattgefunden. Wäh­rend in den Leistungsklassen des Berufswettkampfes aller Schaffenden bei den fachlichen Aufgaben in erster Linie die technischen Fertigkeiten geprüft wurden, hatte das Handwerk in diesem Sonderwett- kampf schöpferisch-kulturelle oder überragende tech­nische Leistungen unter Beweis zu stellen. Ins­gesamt waren 67 Berufsgruppen mit 141 Leistungsklassen zugelassen. Es ist ein Zufall, daß die Zahl der Reichssieger auch 67 beträgt. Be­merkenswert ist, daß drei Reichssieger aus dem vorjährigen Meisterwettkampf auch unter den dies­jährigen Reichssiegern sind und daß ein Betrieb, dessen Meister im Vorjahr Reichssieger war, in die­sem Jahr in der LeistungsklasseBetriebe" Reichs­sieger geworden ist. Der Handwerkerwettkampf ist in drei L e i st u n gs k l a s s e n für Meister, Ge­sellen und für Betriebe durchgeführt worden. Wurde bei dem Meister neben der selbstverständlichen Fer­tigkeit auch eine schöpferische Initiative verlangt, so sollte der Geselle sein ausgereiftes Können unter Beweis stellen. Für den Einsatz von Betrieben war

maßgebend, daß in vielen handwerklichen Berufen das Erzeugnis nur aus der Gemeinschafts­arbeit heraus erwächst.

Wieder einmal erwies es sich, daß nicht nur die Großstädte mft ihrem pulsierenden Leben die Arbeit des Meisters in der Werkstatt beeinflußt, sondern daß draußen im Land der großen Oeffentlichkeit unbekannt Meister und Gesellen am Werk sind, die es mit jedem aufzunehmen vermögen, mag er in den Großstädten noch so gute Weiterbildungs- Möglichkeiten besitzen. Rund ein Drittel aller Reichssieger stammtaus kleinenOrten. Der Handwerkerwettkampf war es, der ihre Fähigkeiten ans Tageslicht brachte. Der unbekannte Meister, der unbekannte Geselle, sie haben durch den Hand­werkerwettkampf die Möglichkeit, alle Förderung zu genießen, die der Nationalsozialismus nach dem Leistungsprinzip den Schaffenden zuteil werden läßt. Die ReichsausstellungHandwerkerwettkampf 1938" wird so zur Krönung der Arbeit, die amTag des Deutschen Handwerks" in Frankfurt a. M. ge­leistet werden foll. *

Glückwünsche zum nationalen Feiertag.

Berlin, 2. Mai. (DNB.) Aus Anlaß des Nattonalen Feiertages des deutschen Volkes haben dem Führer und Reichskanzler folgende Staatsoberhäupter Glückwünsche für das

Olympia, Fest der Schönheit." Gloria-Palast.

Der zweite Teil des riesigen Olympia-Films hätte bei uns zu keinem aktuelleren Zeitpunkt erscheinen können, nachdem wir gerade eben über die feier­liche Verleihung des Nationalen Filmpreises für 1938 an Leni Riefenstahl ausführlich berichtet haben. Die Zuerkennung bezieht sich selbstverständ­lich auf das Gesamtwert, und es ist vielleicht nicht überflüssig, ehe wir auf Inhalt und Gestaltung die­ses zweiten Teiles im besonderen eingehen, noch einmal die Einheit des Ganzen zu unterstreichen, dessen TeilungFest der Völker" undFest der Schönheit" ja rein äußerlich-zweckmäßig begrün­det ist. Es gehört also, das sollte man sich klar­machen, jenes großarttge Vorspiel, das wir zu Be­ginn des ersten Teiles in der vorigen Woche er­lebten, nicht weniger auch zu diesem zweiten. Die künstlerisch hervorragend gelungene Ausformung einer Vision der alten griechischen Welt als des Mutterbodens der klassischen Spiele und der olympi­schen Idee muß in den wie hinter Schleiern vor­überwehenden, schnell überblendeten Bildern von Hellas jedermann eine Vorstellung solchen Ur­sprunges vermittelt haben auch dem, der etwa nicht eine dieser Landschaften, Architekturen und Plastiken hätte erkennen und mit Namen nennen können. Und jeder wird auch angesichts der Bilder des Fackellaufes von Griechenland her bis ins Herz unserer Heimat die Schönheit und die völkerverbin­dende Kraft des Gedankens begriffen haben, wel­cher dieser unvergleichlichen Wanderung der olym­pischen Flamme zugrunde liegt.

Man darf vielleicht auch, nachdem man nunmehr in beiden Teilen das Ganze hat überschauen können, noch einmal den Blick auf den außerordentlichen dokumentarischen Wert dieses Films lenken. Wir vermögen nicht anzugeben, wieviel Hunderttausende' vor zwei Jahren in Berlin das Schauspiel des Welt-Sportkampfes mit eignen Augen und Ohren, ja auch mit klopfendem Herzen und angehaltenem Atem persönlich haben miterleben können. Gewiß ist aber, daß ihre Zahl verschwindend ist gegen die unbegrenzte Zahl derer, denen nun der Film dieses Erlebnis vermitteln kann. Wahrscheinlich ist übri­gens auch, daß, wer beide Teile des Films auf sich wirken laßt, ein geschlosseneres Gesamtbild von die­sen Olympischen Spielen gewinnt als jemand, der etwa wie es doch in den meisten Fällen ge­wesen sein wird einen Tag lang einen verhält­nismäßig kleinen Ausschnitt daraus hat in sich auf- aehmen und miterleben können und allenfalls den'

Rest am Rundfunk gehört hat. Es ist auch wohl zu bedenken, wann wieder einmal Olympische Spiele in Deutschland abgehalten werden, und daß die we­nigsten von uns dies werden erleben können. Der Film aber bewahrt das wunderbare Schauspiel auch den kommenden Generationen und für alle Zeiten.

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Die Bilderfolge des zweiten Teiles beginnt mit einem friedlichen, fast lyrisch intonierten Vorspiel im Olympischen Dorf: man wirft gleichsam einen Blick hinter die Kulissen der Arena, man sieht das morgendliche Training der jungen Athleten, das charakteristische Dampfbad der Finnen, die Sauna, man erlebt die Vorbereitung, Lockerung und Samm­lung zum Kampf. Dann wandelt sich das Idyll zur Dramatik, wie wir sie in den großen Gefechten des ersten Teiles unvergeßlich in uns ausgenommen haben. Von den leichtathletischen Disziplinen ist noch der Zehnkampf übrig; hier dominiert die her­kulische Erscheinung des Amerikaners Glenn Mor­ris, der überlegene Idealtyp des allrounck-Kämp- fers, den diese vielseitigste und darum vielleicht höchste Anforderungen stellende Sportart verlangt. Etwas abgewandelt wiederholt sich das Bild im Fünfkampf der Offiziere, in dem Deutschland her­vorragend abschnitt.

Vielleicht die schönsten Eindrücke von allen Kampf­szenen des zweiten Teiles ergibt die Reiter­konkurrenz der Military: in diesen Aufnahmen ver­bindet sich der elementare Rhythmus des Kämpfe­rischen mit der reinen Aesthettk edler Pferdeleiber in höchster Aktion des versammelten Laufes und Sprunges. Erft aus diesen Aufnahmen wird dem Beschauer klar, welche enormen Leistungen an Aus­dauer und Schnelligkeit, an Springvermögen und reiterlicher Beherrschung hier von jedem Teilnehmer verlangt wurden. Die Bewältigung der zum Teil außerordentlich schweren und raffiniert angeord­neten Hindernisse erzeugte nicht nur ungemeine Spannung, sondern entbehrte gelegentlich auch nicht heiterer Episoden und ließ dabei, ähnlich wie übri­gens der Fünfkampf, reizvolle Streiflichter auf das persönlich und national begründete Temperament der Bewerber fallen.

*

Rassige Kampfszenen entwickeln sich weiter beim Fußball-Endkampf zwischen Italien und Oesterreich, im Hockey, das die Inder überlegen gewannen, und in der Polo-Entscheidung auf dem Maifeld. Eine ganz neue Note bringen die Wasserkämpfe ins Bild, die Segel-Olympiade auf der Kieler Förde, die Regatta in Grünau und die oielseittgen Kämpfe im Schwimmstadion.

Daß der zweite Teil des Filmes, roie der Titel

deutsche Volk telegraphisch übermittelt: Die Könige von Aegypten und Afghanistan, der König der Albaner, der Staatspräsident von Argentinien, der König der Belgier, der Staatspräsident von Boli­vien, der König der Bulgaren, die Staatspräsidenten von Chile, Cuba, der Dominikanischen Republik und von El Salvador, der König von Griechenland, der Staatspräsident von Guatemala, der Schah von Iran, der Kaiser von Japan, der Prinzregent von Jugoslawien, die Staatspräsidenten von Mexiko und von Polen, der König von Rumänien, der tschechoslowakische und türkische Staatspräsident und der Reichsverweser des Königreichs Ungarn. Der Führer und Reichskanzler hat diese Glückwünsche

im Namen des deutschen Volkes mit Danttelegrami men beantwortet.

Kunst und Wissenschaft.

Gründung einer deutsch-italienischen Sludienstiftung.

Zum Zweck der Förderung des Studiums der Kulturbeziehungen zwischen dem nationalsozialistt- schen Deutschland und dem faschistischen Italien so­wie des Studiums der Bedeutung dieser Beziehun­gen für diG europäische Kultur zum Wohle und Nutzen der beiden Völker ist am 27. April 1938 eine Deutsch-Italienische Studienstif- t u n g mit dem Sitz in Berlin errichtet worden.

Nachdenkliches Duett am Abend.

Kleine eheliche Szene von E. A. Greeven.

Heino pflegte zu sagen:Wenn ich mit meiner Frau ein vernünftiges Wort reden will, müssen wir im Bett liegen. Tagsüber haben wir beide keine Zeit oder keine Ruhe. Eheliche Gespräcke zu später Stunde und in waagerechter Lage haben außerdem den unschätzbaren Vorteil, nie bis zu Ende geführt zu werden. Einer von uns schläft regelmäßig ein, bevor die Unterhaltung kritisch wird."

Wieso? Was heißt da: einer von uns?" fragte Lisa erstaunt.

Einer von uns heißt, ich!" gestand Heino und sprach dann von andern, ungefährlicheren Dingen. *.

Abendstille zwischen zehn und elf. Die holde Brut schläft seit zwei Stunden. Es gehört zu Heinos großen Lebensrätseln: Wer den engelhaften Frie­den eines Kinderschlafes betrachtet, kann sich nicht vorstellen, wie rasch aus Engeln der Nacht in aller Herrgottsfrühe tobende Teufel werden.

Heino hat die Ruhe des Hauses dazu ausersehen, die Wanderung durch die Abgründe und Wolfs­fallen seiner Steuererklärung anzutreten. Lisa schreibt währenddessen verspätete Briefe an die liebe Familie.

Soll ich Tante Berta von dir grüßen?"

Immerzu Papier ist geduldig."

Mit einem Fluch, der nur nach zehn Uhr gestattet ist, klappt Heino das AktenbündelSteuer" zu­sammen.

Gehen wir schlafen!" Heino erhebt sich und reckt die Arme wie ein Turner; sein Übliches Nacht­signal, ein Rest von Gymnastik.

Lisa räumt auf und brummelt im Selbstgespräch vor sich hin:Gott ja morgen kommt die Haus­näherin wegen der Hemden für Fritz und Inge."

Heino hat begriffen.Ich werde in der Stadt essen."Wenn es dir lieber ist, Heino" es klingt sanft und fast ehrlich.

Heino steht schon im Badezimmer und gurgelt; rollt die Augen gen Himmel und hätte um ein Haar etwas gesagt. Als Lisa ihn mit Vehemenz rumoren härt, lächelt sie tief befriedigt.

Elf Uhr dreißig Minuten. Auf Lisas Seite brennt ein Nachtlämpchen, und Heino meditiert: Wenn der Bürozuschuß, den die Fabrik ihm monat­lich zahlt, zum Umsatz geschlagen werden muß, was er eigentlich gar nicht einsehen kann, aber der Mensch von der Finanz wird es sicherlich behaupten, so würde das seine Umsatzsteuer pro anno erhöhen um... um ungefähr... um wieviel Mark?

Kopfrechnen schwach; ratsuchend dreht er den Kopf nach Lisas Seite und Überblinzelt ihr Terri­torium. Lisa hat eine fabelhafte Geschicklichkeit, im Bett ein Buch halten zu können, ohne daß es ihr im Ellbogen kribbelt. Heino kann das nicht. Aber er weiß: wenn Frauen auf einen Genuß erpicht sind, werden sie gegen Schmerzen immun.

Lisa!"Hm..."

Was lieft du da?"Eine Geschichte..."

Stille. Heino wirft den Kopf wieder nach der anderen Seite. Natürlich eine Geschichte Lisa

wird nicht gerade mit Kant im Arm daliegen! Lisa!"

Hm..."Was für eine Geschichte?"

Wenn du es wissen willst: eine Liebesgeschichte."

Heino schüttelt den Kopf.Wie kann ein

Mensch nur immer wieder Liebesgeschichten lesen?"

Eine Frau kann das, lieber Heino."

Versteh ich nicht."

Weil du gewissermaßen ein Mann bist." I

Wieso gewissermaßen?"

Kein Mann ist immer ein Mann."

Na, erlaube mal!" Heino sitzt plötzlich auf­recht.

Schlaf lieber die Geschichte ist gerade sehr spannend."

Stille. Heino muß darüber nachgrübeln, warum

Lisa warum kann eine Frau?"

Weil eine Liebesgeschichte uns immer inter­essiert."

creme.

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So so euch immer interessiert. Hm ... kannst du dafür einen stichhaltigen Grund anführen?"

Es hört sich an, als ob Lisa gähnte.Wenn es, fein muß .. .

Bitte!"Weil wir lieben können."

Heino schlägt vor Empörung auf die Bettdecke? Und wir Männer vielleicht nicht?"

Nur in Ausnahmefällen."

Lange Sttlle. Heino wälzt eine-schwere Frage.» Lisa!"

Nja?"Sag mal, bin ich ein Ausnahme­fall?"

Lisa schweigt. Es ist unerträglich, wie eine Frack schweigen kann, wenn sie will. Dann dreht sie ihm lächelnd ihr Gesicht zu.Siehst du, Heino, ein Aus­nahmefall bist du nicht. In puncto Liebe bist du ein anständiger Durchschnitt."

Danke! Wütend rollt Heino sich in seine Ecke. Und so was sagt einem die eigene Frau! Im tiefsten Frieden um Mitternacht!

Aber" fährt Lisa nach einer Pause fort,< dein Manko wird einigermaßen ausgeglichen"

Ach, sieh mal an, also doch!" Heino rückt etwas näher und spitzt die Ohren.Und durch welche von meinen Tugenden, wenn ich fragen darf?"

Mit deinen vermeinttichen Tugenden hat das gar nichts zu tun, mein Junge nur weil ich dich liebe."

Heino denkt lange nach. So ganz einfach ist das mit Frauen doch nicht. Inzwischen hat Lisa die kleine Lampe ausgedreht und wartet auf ein Wart. Wartet eine gute Weile. Wenn Heino nicht einge- schlafen wäre, hätte er das Wort bestimmt gesagt.

es andeutet, seine Aufgabe nicht so ausgeprägt wie der erste in der Reportage und bildhaften Spiege­lung höchster kämpferischer Aktion und sportlicher Anspannung fand, sondern vor allem auch in der Er­fassung und Wiedergabe des reinen und schlechthin schönen Bildes: das lassen besonders ausgeprägt und eindrucksvoll die Ausschnitte aus den Gym­nastikwettbewerben, den turnerischen Disziplinen und aus dem Turmspringen im Schwimmstadion erkennen. Man spürt förmlich, wie die Kamera hier in Motiven schwelgte und immer neue Einzel­heiten im gleichermaßen gelösten und beherrschten Spiel des vollkommen durchgebildeten menschlichen Körpers in technisch glänzend behandelten, stel­lenweise verblüffend erfaßten und geschnittenen Aufnahmen wiederzugeben bemüht war. Zumal bei. den Sprungwettbewerben im Schwimmstadion hat man des öfteren, wenn die Zeitlupe den ge­schmeidig versammelten Körperumriß zwischen der weiten Wasserfläche und dem hohen Wolkenhimmel abtaftet und liebevoll ausmodelliert, kaum noch den Eindruck von Springern, sondern eher von phan­tastisch schwerelos fliegenden Menschen, und gerade in solchen Szenen fühlt man sich am unmittelbar­sten und sinnfälligsten an den vielleicht mittler» weile schon wieder vergessenen Ausgangspunkt im Vorspiel des ersten Teiles erinnert, an das klassische Schönheitsideal, an das die modernen Kämpfe wie­der anknüpfen, . t. wenn aus der antiken Statue des Diskuswerfers im Zauberspiel der Filmkamera die atmend bewegte Figur des modernen Athleten zum Leben erwacht.

In solchen Bildern ist die ganze Kunst und voll­kommene Technik der Kameramänner vereinigt, die hier eine höchst imponierende Leistungs- probe abgelegt haben. Die geschmeidig begleitende und akzentuierende Musik schrieb auch für diesen Teil Herbert Windt, für Polo und Reiten (Fünfkampf) der inzwischen verstorbene Walter G r o n o st a y. Das Schlußbild des Lichterdomes lenkt noch einmal den Blick auf das Ganze dieses Werkes, dessen innere Geschlossenheit und Stilrein­heit dem Gestaltungswillen Leni Riefen st ahls entsprang. Erst wenn man mit dem zweiten Teil die runde, in sich gefügte Einheit überschaut, vermag man die Konzentration und die künstlerische Disziplin zu würdigen, die aus einer fast nicht mehr zu bewältigenden Fülle motivischen und filmi­schen Rohstoffes jene Bilder- urtb Szenenfolgen herausschnitt und ineinanderfließen ließ, die einen wesentlichen Eindruck des gesamten grandiosen Schauspiels der sechzehn Tage bieten, ohne den Üblichen Umfang zweier großen Spielfilme nen- venswett du über schreiten. Hans Thyriot. .

Wasserfälle schöner Gefühle.^

Im Jahre 1802 erschien die Ankündigung eines Werkes, dessen Verfasser, ein Engländer, sich die Er­forschung der Tränen zur Aufgabe gemacht hatte. Er hatte eine Geschichte desWeinens von Evens Schöpfung bis auf unsere Zeiten" geschrieben. Er betonte, daß das Werk zusammengestellt sei aus den unverdächtigsten Quellen und unter den Augen einiger Damen von hohem Range, die das Weinen zu ihrem Studium gemacht hätten. Zehn Bände umfaßte das Werk, und mit welcher Gründlichkeit der Verfasser den Stoff bearbeitet hatte, ging aus der beigefügten Inhaltsangabe hervor. Der erste Band behandelteUrfpruna und Altertum der Thränen" sowiederen Beschaffenheit vor der Sündfluth". Es folgten im zweiten und dritten Bande Untersuchungen überFortschritte des Wei­nens unter den ältesten Nazionen", denUrsprung des Wimmerns",Thränenverpflanzung nach Europa, nebst biographischen Notizen von ausge­zeichneten Erzpinslern", und im vierten Bande eine Arithmetische Untersuchung weinerlicher Nachrich­ten". Der fünfte Band beschäftigt sich mit der Ge­schichte der (Equipagen undderen Vermehrung durch Thränen". Und so ging es weiter. Der Ver­fasser hatte alles nur Erdenkliche in den Kreis sei­ner Betrachtung einbezogen. Er hatte die Tiefe einer Tränenflut bei einem Trauerspiel berechnet, berichtete von dem Gebrauch der Zwiebeln bei Leichenbegängnissen und derWirkung der Thrä­nen auf die Werke der Natur". Ferner brachte er Aechte Nachricht von einer Pachterstochter, die im Laufe ihrer Liebschaft mit ihren Thränen eine Mühle triejb". Abschließend folgte dann im zehnten Bande eine Einteilung der Tränen in Salztränen, bittere Tränen, süße Tränen, bitterlichsüße Tränen, empfindsame Tränen, Katarakte der Empfindsamkeit undWasserfälle schöner Gefühle". Soweit der In­halt. Es wurde den Käufern aber weiter verraten, daß das ganze Werk mit Kupferstichen schwarzer, blauer undHaselnußaugen", und zwar in allen Stazionen des Weinens", von denschimmernden bis zu den schluchzenden Portraiten berühmter Wei­ber" verschönert sei. Beigefügt waren fernerAn­sichten besonderer Wimmerer in Krankheit". Und schließlich versicherte der Verfasser, daß das Werk zu den glänzendsten gehören werde, die jemals dem Auge präsentiert worden seien. Es ist leider nicht bekannt, welches Schicksal dieses gewiß originelle Werk gehabt hat. Es muß aber zugegeben werden, daß der Verfasser seinem Stoff mit kaum zu über» bietender Gründlichkeit zu Leibe gegangen ist.