Ausgabe 
3.3.1938
 
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Kleine politische Nachrichten.

In der Reichstheaterkammer fand unter Vorsitz des Präsidenten der Bayerischen Versicherungskammer, Staatsrat Dr. K oll mann, eine Sitzung des Ver­waltungsrates derV e r s o r g u n g s a n st a l t d e r DeutschenBühnen" statt. Der Verwaltungsrat, aus Vertretern der theaterbetreibenden Länder, Städte und der Bühnenkünstler bestehend, verab­schiedete die neue Satzung für die Altersversorgung der Bühnenschaffenden, die die Grundlage für die Durchführung der Tarifordnung über Einführung der Pflichtversicherung und der Anordnung über die Altersoerforgungsabgabe sein soll-

Der bisherige Chef des österreichischen General­stabs Feldmarschall-Leutnant Jansa, ist in den R u h e st a n d getreten. Mit seinem Aufgabenkreis wurde Generalmajor Böhme betraut.

Der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, Hoover, der von der Technischen Hochschule i n Wien zum Ehrendoktor ernannt werden wird, stattete in Wien dem Bundespräsidenten Miklas, dem Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, dem Außenminister Dr. Schmidt und dem Unterrichtsminister Dr. Pernter Besuche ab. *

D e Valeraund die an den englisch-irischen Be­sprechungen beteiligten irischen Minister haben sich zur Beendigung der Besprechungen nach London begeben. In Dublin verlautet, daß die irische Eini­gungsfrage nicht mehr berührt werde. Man werde sich auf den Abschluß eines Handelsab­kommens beschränken.

Deutsches Wohnen 4938."

Eine Ausstellung des Tischler-Handwerkes in Leipzig.

In Leipzig wurde die SchauDeutsches Wohnen 1938" eköffnet. Mit ihr tritt das deutsche Tischlerhandwerk an die Oesfentlichkeit, um in der Wohnkultur aufklärend und erzieherisch zu wirken und durch das Herausstellen des Schönen und Gu­ten zu erreichen, daß der Kitsch im Heim einmal der Vergangenheit angehören wird. Reichsinnungs­meister Ka'iser erklärte: Die Wohnung müsse die Lebensauffassung des Menschen widerspiegeln, sie müsse also wahrhaft das Heim der deutschen Fa- mili'e als der kleinsten Zelle der Volksgemeinschaft darstellen. Der einheitliche Wille in der Baukultur wirke sich auf dem Gebiet der allgemeinen Wohn­kultur noch nicht in gleichem Maße aus; es seien erst Anfänge vorhanden, die auszugestalten das Handwerk sich zmn Ziel gesetzt habe. Richt denkbar sei die Neugestaltung der Wohnkultur ohne ein leistungsfähiges und leistungswilliges Tischlerhand­werk.

Ministerialrat P o e v e r l e i n (München) sprach 1)0m Sinn und Wert der schöpferischen handwerk­

lichen Arbeit. Richt ein verlogener Reichtum und Wohlstand vortäuschende Pracht, sondern eine ge­diegene, die stoffliche Eigenart berücksichtigende, von der deutschen Seele ersonnene und von der werken­den Hand geformte Schöpfikig könne unser Heim wirklich schmücken. Die Schau zeigt 22 Zimmer und viele Einzelstücke. Jedes Möbelstück entspricht den Vorschriften des Gütezeichens des Tischlerhand­werks. Die Ausstellung -zeigt, daß man auf dem richtigen Wege zu einem neuen deutschen Möbelstil ist, der sich würdig an die vollendeten Formen ver­gangener Zeiten anschließt.

Kunst und Wissenschaft.

Errichtung einer Kopernikus-Iugendburg.

Auf einer Zusammenkunft, zu der die Deutsche Gesellschaft für die Geschichte der Medizin, Natur­wissenschaften und Technik, und der Reichsverband für deutsche Jugendherbergen eingeladen hatten, ist von Männern der deutschen Wissenschaft einKu­ratorium zur Errichtung einer Kopernikus- Jugendburg" gegründet worden. Das Kura­torium hat sich zum Ziel gesetzt, die Mittel für eine Jugendburg zu beschaffen, die zum Gedenken an den großen deutschen Naturforscher auf dem Stein­berg südlich des oberschlesischen Dorfes Köpperning errichtet werden soll, wo die Vorfahren des Koper- nikus beheimatet waren. Präsident des Kuratoriums ist der Nationalpreisträger Geh. Rat Prof. Dr. August Bier.

Deutsch-österreichischer Kulturaustausch.

Demnächst wird in Durchführung des zwischen Deutschland und Oesterreich abgeschlossenen Kul­turabkommens in Linz eine Aufführung der K a m e l i e n d a m e" durch das Bayerische Staatstheater stattsinden. Die Titelrolle wird Käthe Dorsch vom Preußischen Staatstheater in Berlin spielen. Auch eine Aufführung derMeistersinger" durch das Bayerische Staatstheater ist in Linz geplant. Während dieses Gastspiels wird das Linzer Landestheater in Passau denZigeuner, b a r o n" geben.

Aus aller Wett.

Die neue Frankfurter Luftschiff-Halle im Rohbau fertig.

Nach knapp fünfmonatiger Bauzeit ist die neue Luftschiff-Halle auf dem Zeppelin-Weltflug­hafenRhein-Main" in diesen Tagen im Rohbau fertiggestellt worden. Die neue Halle ist 300 Meter lang, 60 Meter hoch und 52 Meter breit; sie ist 25 Meter länger als die alte Halle, die jetzt den Graf Zeppelin" beherbergt. In dem Mauerwerk sind die 18 Meter hohen und drei Meter breiten Fenster ausgespart, so daß man bereits einen guten Eindruck erhält, wie das Halleninnere aussehen wird. Tag für Tag wächst die Ziegelstein-Umklei­dung des mächtigen Hallenraumes, und es wird nicht mehr lange.dauern, bis das neue Haus des Luftschiffs fertig beziehbar ist. Schon sind die Bah­nen, in denen die Heckwagen laufen werden, ge­

mauert, auch die Zementbahn für den fahrbaren Ankermast ist schon ausgehoben. Die Arbeiten wer­den überall in beschleunigtem Tempo vonangetrie- ben.

Deutsche Rettungstat.

Dem Rettungsboot der Station Schwarzort (Kurische Nehrung) der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gelang es, sechs Mann der Besatzung des in der Nähe von Schwarzort ge­strandeten litauischen DampfersNeringa" bei stürmischem Nordwest zu bergen. Acht Mann der Besatzung des Dampfers konnten mit dem Schiffs­boot die Küste erreichen. Drei Mann ertranken. DampferNeringa" hatte in Bremen Kali geladen und war auf der Reise nach Memel.

Aus dem Zuge gefallen und tödlich verletzt.

Eine Frau aus Eckelsheim wollte mit dem Zug von Wendelsheim nach Mainz fahren. Beim Um­steigen in Armsheim fiel sie durch einen Fehltritt so unglücklich aus dem Zug, daß sie eine Gehirn­erschütterung, Rippenbrüche und innere Verletzun­gen davontrug. Bewußtlos wurde sie in einKreuz- nacher Krankenhaus gebracht, wo sie bald nach der Einlieferung st a r b.

Verhängnisvolles Spiel mit Streichhölzern.

In einem zu dem Rittergut Alsfeld an der Leine gehörigen Wohnhaus spielten in Abwesenheit der Eltern die Kinder im Schlafzimmer mit Streich­hölzern. Dabei fingen die Betten Feuer. Während die beiden jüngsten Kinder noch im Schlafe lagen, konnten die älteren Geschwister hinauslaufen. Als die Feuerwehr eintraf, fand sie ein 2'/2jähriges Mädchen t o t auf. Das 1'/,>jährtge Schwesterchen st a r b im Krankenhaus an den Folgen einer Rauch­vergiftung.

Unfall des SimptoN'Expreß bei Agram.

Der Simplon-Expreß ist einige Stationen hinter Agram auf den Nachtschnellzug LaibachAgram Belgrad a u s g e fahren. Personen kamen dabei nicht ums Leben. Durch den Zusammenstoß wur­den die beiden letzten Personen- und der Postwagen des Schnellzuges aus den Geleisen gehoben. Zahl­reiche Personen wurden durch herabstürzende Ge­päckstücke und zersprungene Fensterscheiben leicht verletzt.

Amerikanisches Verkehrsflugzeug überfällig.

Ein ' Verkehrsflugzeug der Transcontinental Western Air Lines, das mit neun Personen an. Bord von San Franzisko nach Los Angeles unter­wegs war und wegen schlechten Wetters umkehren mußte, ist überfällig. Die Befürchtung wächst, daß das Flugzeug abgestürzt ift. Von San Fran­zisko und Los Angeles wurden Flugzeuge auf die Suche geschickt.

Große Überschwemmungen in Sübfalifo'mien.

. Wolkenbrüche, die über weite Teile von Süd­kalifornien niedergegangen sind, haben große Ueberschwemmungen angerichtet. In den überfluteten Gebieten sind Tausende von Einwoh­nern von der Außenwelt abgeschnitten;'viele haben ihre Wohnhäuser räumen müssen. Bisher wurden

sieben Leichen geborgen. Die Zahl der Vermißtes ist erheblich. Der Sachschaden ist enorm. Groß- Teile von Los Angeles selbst sowie mehrere Kolo« nien in Hollywood sowie in Malibu-Beach wurden überflutet; Betriebsbehinderungen in den Film­ateliers waren die Folge.

Britische Polizei auf der Jagd nach zwei Deserteuren.

Die englische Polizei war dieser Tage in eine auf­sehenerregende Verbrechers agd verwickelt, die durch ganz Südengland bis nach London ging. Zwei Deserteure der englischen Armee hatten einen Flie« gerofsizier mit vorgehaltener Pistole gezwungen, sie in seinem Auto nach London zu fahren. Als Poli- beibeamte die Verfolgung aufnahmen und ganze Stadtteile von London durchsuchten, kam es zu einem regelrechten Feuergefecht, wobei zwei Polizeibeamte verletzt wurden. Schließlich konn­ten die beiden Deserteure überwältigt und verhaftet werden. Hierbei wurde ein dritter Polizist schwer verletzt. Insgesamt 4000 Pokizeibecvmte beteiligten sich an der Verfolgung.

Wetterbericht

Die vom Atlantik ausgehende und über Nord­europa führende Wirbeltätigkeit hat äußerst lebhafte Formen angenommen und ist im Wesentlichen für die Wettergestaltung Deutschlands maßgebend. Wäh­rend dabei in Nord- und Mitteldeutschland sehr un­beständiges Wetter mit Regenfällen herrscht und auch am Nordrand der Alpen starke Niederschläge fallen, liegt der Westen und Südwesten nur im äußersten Einflußbereich der Wirbel. Die Witte­rung verläuft daher auch bei uns wechselhaft, aber doch im allgemeinen trocken. Zunächst ist eine durch­greifende Verschlechterung noch nicht wahrscheinlich.

Aussichten für Freitag: Veränderlich mit zeitweiser Aufheiterung und nur geringe Nie­derschlagsneigung, tagsüber wieder milder, lebhafte Winde um West.

Lufttemperaturen am 2. März: mittags 6,6 Grab Celsius, abends 5,9 Grad; am 3. März: morgens 5,6 Grad. Maximum 7,8 Grad, Minimum heute nacht 5,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. März: abends 4,1 Grad; am 3. März: morgens 3,7 Grad. Sonnenscheindauer 3,3 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bildert Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriotx für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt dec Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. I. 38: 11 000t Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs« preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der

Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

Montag, 7., und Dienstag, 8. März 1938, 20 Uhr

Gastspiel des Frankfurter Schumann-Theaters

in der Gießener Volkshalle

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Gießen, den 1. März 1938.

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