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Bäder. Sommerfrischen, Wochenende und Ausflugsorte

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doch vortragen also, bitte!"

Bleierne Luft, lieber Gott, nimmt das nie Ende, und warum gibt es das alles?

Es soll ein Ende haben. Gleichgültig, wie. ist alles egal, schnurzegal ist es. Ich sage:Ich bin heute nicht vorbereitet" Ich habe die Sülle ge­waltsam abgeschnitten, was kommt nun?

Nichts kommt. Mich kann keiner mehr etwas fragen, ich brauche nicht mehr zu anworten, nie mehr, es ist alles längst vorbei, man träumt nur manchmal noch davon, mich fragen sie nicht mehr, ich stehe hier am Gitter dreihundert Jahre sind

Rheinlandreise nach der Speisekarte.

Küchenspezialitäten als Anreiz zur Ferienfahrt.

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Kaffee zu genießen. Der Kellner schleppt einen ganzen Berg von Zutaten an. Der Tisch reicht kaum aus, all das zu fassen, was zu einer richtigen Ber­gischen Kaffeemahlzeit gehört: Kuchen, Rosmen- sernrnel, Weizenbrot, Schwarzbrot fein und grobkör­nig, überzuckerter Zwieback, Brezeln aus Burg an der Wupper, heiße Waffeln, sahniger Reisbrei mit Zucker und Zimt bestreut, rheinisches Apfelkraut oder Obstgelee, Weich- oder Bauernkäse. Und wenn man das dann mit Mühe zur Hälfte gegessen hat, gidts oben drauf einen Bergischen Kornschnaps oder einen silbrigen Wacholder.

Am Abend sitzen wir dann an der Sieg oder am Fuß des Siebengebirges und haben vielleicht schon wieder Hunger. Wir wählen unter den Spezialitä­ten falls gerade frisch geschlachtet worden ist, das GerichtP a nnh a s mit Aerpelschlot" aus. Pannhas ist eine Speise aus Buchweizenmehl mit Wurstbrühe, Speck- und Fleischstücken. Diese Kuchen­masse wird in Scheiben geschnitten und dann in der Pfanne gebraten. Dazu gibt es dann einen herz­erfrischenden Kartoffelsalat mit jungen Kräutern und Heringsstückchen, den sogenannten Aerpelschrot. Ein anderes Kartoffelgericht, das in dieser Gegend auch sehr beliebt ist, nennt sichPillkofen", ein Pfannkuchen aus feingeschnitzelten rohen Kartoffeln und Speckstreifen. Im Spätherbst bevorzugt man m den landwirtschaftlichen Gebieten des Mittelrheins das EintopfgerichtD ö p p z o p p e", eine dicke Suppe mit Bohnen aus dem Garten, verschiedenen Suppenkräutern, Kartoffelwürfeln und Hammel­fleischstücken.

Das Ahrtal, in das wir von Sinzig oder Remagen aus einbiegen, überrascht uns mit Delikatessen, die auch dem verwöhntesten Geschmack standhalten. In Neuenahr serviert man das hauchzarte, feingeräu­cherte Neuenahrer Rauchfleisch mit west­fälischem Pumpernickel. Als Vorspeise zum Mittags­mahl wählt man in den Kurorten an der Ahr mit raffinierter Tunke zubereitete ober überkrustete frische Champignons aus den dortigen unter­irdischen Pilzzuchtanstalten.

Bei- der Weiterfahrt durch die Eifel zum Mosel- tat hin bemerken wir an den Gaststätten einladende Tafeln mit der Aufschrift: Bachforellen oder Laa- ch e r Seefeld) en. An der Mosel gönnen wir uns einen Moselhecht in Sahne und vergessen nicht, den dazu gebotenen spritzigen Wein zu trinken. Im Hoch­wald, im Hunsrück und an der Nahe werden wir saftige Wildbraten vorgesetzt bekommen, denn hier ist der Hirsch, das Reh und das Wildschwein zu Hause. Mit einer ganz besonderen Spezialität krö­nen wir unsere Reise nach der rheinischen Speise­karte, und zwar in Jdar-Oberstein im Nahetal. Dort pflegt man am offenen Holzfeuer die würzigen Spieß braten zu rösten, zu denen der beste Wein von der Nahe gerade recht ift_______________

reg. Köln, im Juni 1938.

In diesem Jahre soll zur Fremdensaison zum erstenmal im deutschen Westen ein Verzeichnis rheinischer Spezialitäten aus Küche und Keller in Form eines lustigenMagenfahrplans" herausgebracht werden., Aehnliche Reiseführer, die sich nur mit den lukullischen und nicht mit den landschaftlichen Besonderheiten eines bestimmten Ge­bietes befassen, gibt es bisher nur in Frankreich, wo man vielfach gewöhnt ist, nach der Speisekarte statt nach der Autokarte zu reifen. Aber auch in den Gaststätten des Rheinlandes wird mit Liebe gekocht, und mit ganz besonderer Liebe werden dort jene Speisen zubereitet, die man Hausmannskost nennt, und die aus Großmutters Kochtopf abgeguckt roor- den find. Bevor wir im Geiste unsere Reise mit dem rheinischen Magenfahrplan in der Hand antreten, wollen wir es nicht versäumen, unsere appetitanre­gende Lektüre mit einem kräftigen SchluckF uhr- mannskloren" einzuleiten. Das ist ein klarer Kornschnaps mit einem Stück Zucker. Wir beginnen unsere Fahrt im Ruhrorter Hafenviertel, wo man uns in einer alten Schifferkneipe die kleinen, ge­räucherten Rhein-Alven vorsetzt, die wie ganz zarte Kieler Sprotten schmecken. Wir können uns auch einen Maifisch oder einen Rheinaal servieren lassen oder, wenn wir mal großzügig sein wollen, eine Scheibe Rheinsalm. In Düsseldorf werden wir es nicht versäumen, rheinischen Sauerbraten in pikan­ter, mit Nüssen und Rosinen gespickter Tunke und den obligaten Kartoffelklößen zu bestellen..

Am anderen Tag wird man sich in Köln reichlich Zeit lassen müssen, die einheimischen Gerichte zu studieren. Der Kölner liebt es, seinen Küchen'speziali- täten auch gemütvolle Namen zu geben. Da ist das NationalgerichtHimmel unAehd metBlot- w o s ch" (Himmel und Erde mit Blutwurst), das aus einem Brei durcheinandergekochter Aepfel (Him­mel) und Kartoffel (Erde) besteht und mit einer ge­bratenen Blutwurst verlockend garniert ist. Abends wählt man in Köln gernRievkooch e", kleine, in Del gebackene Pfannkuchen aus geriebenen Kar­toffeln mit einigen Gewürzzutaten. Wer aber am Abend die kalte Küche vorzieht, der wird sichnen ha 1 ven Hah n" kommen lassen, nämlich ein hal­bes Röggelchen oder Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe alten Holländer Käse. Kräftiger ist der Kölsche Kaviar mit Musik", ein Roggenbrötchen mit Hausmacherblutwurst und Zwiebelscheiben. - Dazu nimmt man Düsseldorfer Mostert (Senf) und ein ZylinderglasKölsch Wie ß", helles, obergäriges Bier aus den verschiedenen Kölner Hausbrauereien.

Bei einem Abstecher ins liebliche Bergische Land kehrt man in einer der zahlreichen Kaffeewirtschaf­ten ein und setzt sich behaglich in die Laube vor die schwarzweiße Fachwerkfrvnt des schmucken Gast­hauses, um den sehr ausführlichen Bergischen

Reisewinke.

Römerbergfestspiele in Frankfurt.

Die diesjährigen Römerbergfestspiele in Frank­furt a. M. beginnen mit ShakespearesHamlet". Ferner stehen im Spielplan: Gerhart Hauptmanns Florian Geyer", SchillersFiesko", Goethes Faust" 1. Teil und ShakespearesHeinrich IV.".

Fahrpreisermäßigungen für Oesterreich.

Im Lande Desterreich gelten jetzt die Fahrpreise der Deutschen Reichsbahn. Neben einigen für eine Übergangszeit noch behaltenen österreichischen Er­mäßigungen sind damit auch folgende von der Deut­schen Reichsbahn gewährte Fahrpreisermäßigungen in Oesterreich eingeführt worden: Die Fahrpreis­ermäßigungen für Gesellschaftsreisen, für Gesell­schaftssonderzüge und Feriensonderzüge, für Ur» laubersonderzügeKraft durch Freude", Schul- und Jugendpflegefahrten, kinderreiche Familien, öffent­liche Krankenpflege, hilfsbedürftige Kranke, Kriegs­teilnehmer, deutsche Kriegs- und Schwerbesd)ädigte der nationalen Erhebung, für Helfer in der Land­hilfe, für Unterbringung hilfsbedürftiger Kinder auf dem Lande und in Heimen und für Besucher an­erkannter Mustermessen. Im Gepäck- und Expreß­gutverkehr sind ebenfalls die deutschen Sätze über« nommen worden.

Aufenthalt aus der Reise. i

Don Christian Bock.

Vierzig Minuten hält der Zug.

Und diesen Bahnhof hier, den kenne ich. Dor wieviel Jahren war das da kam ich hi^ jeden Morgen um sieben Uhr acht an, eine Schulnwppe unterm Arm und eine rote Mütze auf dem Stopf, etwas schräg rechtsüber saß die Mütze, etwas frech, und ich glaube, ich fühlte es heute noch ob sie richtig auf dem Kopf sitzt oder einen Grad zu musterhaft Gymnasiast: wie das heute klingt, wenn mans nächschmeckt!

Jede Ecke dieses Bahnhofs kenne ich und den Geruch der Räume, ich weiß, daß da hinten eine Trinkwasserfontäne ist, an der ein Becher traurig und verbeult herunterhängt, ich kann hier noch über alles und jedes Auskunft geben, wenn es sein soll. Verzeihen Sie, wo kann man hier? Bitte, gleich vorne links, mein Herr!

Ich will mir die Stadt ansehen.

Ich gehe durch die Sperre und bin schon am Ausgang, da drehe ich mich noch einmal um, ich sah da ein Gesicht, und jetzt erst, eine Sekunde nachher, weiß ich dieses Gesicht wieder. Derselbe Mann, der damals hier die Karten knipste, jeden Tag, der knipst sie noch. Mit einer großen Gleich­gültigkeit, lässig und ohne aufzusehen. Pflicht er knipst.

Damals und heute noch.

Als wären so viel Jahre gar nichts.

Ich war so lange Zeit nicht hier ging das Leben hier nicht weiter, standen hier die Uhren still?

So lange Zeit. Ich war inzwischen anderswo auf der Landkarte, nicht eben weit, aber doch wo- anoers, ich lebte in anderen Städten, arbeitete lernte, las und sah mich um und tat und werkte und überredete manchmal fremde Damen, du zu mir zu sagen, und hatte überhaupt zu tun.

Und während ich so zu tun hatte, eine ungeheuer lange Zeit, stand hier der Mann und knipste. Knipste jeden ewigen Tag. Und heute hin ich auf­gewacht und reibe mit die Augen: Ach so, hier bin ich! Als hätte ich alles nur geträumt.

Oder träumten die Leute hier?

Dann gehe ich in die Stadt.

Ich stehe vor einem graugelben Schulgebäude. Am Gitter, das den Schulhof vom Leben trennt, stehe ich und gebe mir große Mühe: ich möchte irgend etwas fühlen, wenn ich mich hier umsehe, meinetwegen einen stumpfen Widerwillen, wenn es nichts anderes gibt ich kenne alles wieder, die Treppe, die wir immer in drei Sähen nahmen, den Eingang, die Inschrift darüber: Non scholae sed vitae discimus ach ja!, hier vorn die Bäume auf einer steinern eingefaßten Erhöhung ober nichts klingt an, alles ist leer. War denn da nichts?

Da klingelt es zur Pause.

Der Schulhof füllt sich. Ich stehe fremd am Gitter und kenne keinen, wann war ich hier? Dor sechs, acht, zehn ach was, dreihundert Jahre sind es her, so weit ist das.

Der Lärm einer Schulpause ist immer noch so, ich habe noch diesen Lärm im Ohr. Aber auch Ge­räusche fassen mich nicht an, ich höre alles, ich kenne es, aber ich spüre nichts. Gar nichts.

Man müßte vielleicht den Geruch eines Klassen­zimmers uny sich haben, mit etwas Kreidestaub so. Vielleicht spürte man dann etwas.

In einer Ecke des Schulhofs stehen Schüler und mühen sich um eine Übersetzung. Horazische Oden so etwas könnte es Jein. Und etwas abseits von ihnen steht einer, ich will mit jedem eine Wette eingehen, das ist der Klassenprimus. Sie wollen ihn heranhaben, er soll vorübersetzen, soll helfen. Aber er macht eine ungeschickte abwehrende Bewegung und sagt etwas. Und ich weiß genau, was er sagt. Er sagt:Ich habe nichts getan für heute, ich kann nicht."

Er kann schon, der Gute, er hat gewaltig ge-

Wanderfahrten.

Jlibba Lichelsachsen Schoner Stein Schotten.

Diese lohnende Vogelsbergwanderung beginnen mir in Nidda (Sonntagskarte Schotten). Nachdem wir das freundliche Städtchen durchschritten haben, folgen wir roten Strichen, die uns nach Michelnau, bann durch prächtigen Wald über den Breitenstein (340 m) bis zur Straße GlashüttenEichelsachsen bringen. Hier verlassen wir das Zeichen und ver­folgen die Straße nach Eichelsachsen, wo wir nach zweistündiger Wanderung Rast machen können. Von Eichelsachsen führen uns weiße Zeichen einen Fuß- pfad bergan zum Haselberg ober Schönen Stein (347 m), wo sich uns eine herrliche freie Aussicht, eine ber schönsten im ganzen Berggebiet, erschließt. Weit schweift ber Blick nach ben Höhen bes Taunus, ben Kuppen bes Westerwalbes unb nach bem Hohen Vogelsberg. Unser Zeichen leitet uns burd) ben Wald abwärts; wir überschreiten bas liebliche Läunsbachtal und kommen in ber Nähe des Försterbenkmals beim Altenburgskopf gegenüber bem früheren Lehrerheim auf die Staatsstraße, auf ber wir alsbalb unser End­ziel Schotten erreichen. Dauer der Wanderung vier Stunden.

Braunfels Leun Heisterberger Hof Diana- bürg Elgershausen Greifenstein Edingen.

Mit Sonntagskarte Braunfels-Katzenfurt zurück fahren wir nach ber Station Braunfels, wandern von hier den Bahnkörper entlang, kommen über die Lahnbrücke nach Leun, das wir, an einigen schönen Fachwerkhäusern vorüber, durchschreiten und nun- mehr ein großes Stück dem Lahnufer entlangaehen; ein Pfeil weist uns später nach rechts, in breiter Weg, auf ber Karte mit rotem Strich bezeichnet, führt uns aufwärts (man lasse sich durch das unterwegs erscheinende L nicht irre machen) über ben Heister« berger Hof zur Dianaburg mit gastlicher Försterei. Hier versäumen wir nicht, den herrlichen Rundblick vom Turm bes ehemaligen Jagbschlosses zu genießen. Blaue Striche leiten uns weiter durch prächtige Wal« bung, unterwegs schöne Blicke iwdas Dill- und Ulm« bachtal bietend, über Waldhof-Elgershausen nach Greifenstein, dessen gewaltige Ruine wir schon lange vorher erblicken. In Greifenstein ist gute Einkehr. Nach Besichtigung des alten Gemäuers und der im Innern interessanten Burgkirche steigen wir auf aus­sichtsreichem Wege hinab nach unserem Endziel Edingen; bis Katzenfurt nachlösen. Wanderzeit vier Stunden.

Butzbach« die altertümliche Stabt am Nordosthang bes Taunus. Histor. Marktplatz mit Brunnen u. schön. Fachwerkbauten. Heimat- u. Trachtenmuseum. GeschichtSdenkmäler aus Mittelalter u.Römer- zeit. Ausflüge in die waldreiche Umgebung. Schöner Ausblick vom Söbren^er" in die Gefilde d. Wetterau. GuteHotels u. Gaststätten.

paukt zu Hause, aber helfen will er nicht. Aus bloßer mieser Streberei nicht.

Es klingelt wieder, die Pause ist zu Ende. Und plötzlich hat das Gewimmel auf dem Schulhof eine Richtung: die Tür. Langsam schluckt das Gebäude den Lärm

Unb jetzt, jetzt kommt es. Ich wollte etwas spuren, ein Gefühl haben, wie es mar: jetzt kommt es:

Die Stunde fängt gleich an.

Geschichtsunterricht.

Ich bin ganz unb gar unvorbereitet.

Angst, lauter Angst: Komme ich heute dran?

Da höre ich eine Stimme, eine ganz ruhige Stimme:Wollen Sie uns also mal vortragen!" Und jemand sieht mich an. Ich stehe auf, ich sage nichts, kein Wort. Eine frostige Ruhe. Endlos.

Die Stimme sagt':'Also ?"

Ich sage noch immer nichts. Die Stimme war weit weg, jetzt kommt sie wieder:Sie wollten uns

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Der Schulhof ist leer. Kahl wie nach einem Heu- schreckensturm. Ich gehe und habe es eilig. Die vierzig Minuten Aufenthalt find bald um.

Noch einmal knipst mir der Mann die Karte. Wie damals.

Und der Zug läuft ein, ich fahre weg.

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