Ausgabe 
2.5.1938
 
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Nr.lG Zweiter Blatt

Montag. 2. Mai 1938

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Eine neue Blütezeit deutscher Kultur ist angebrochen.

Reichsminister Or.Goebbels verkündet in der Festsitzung der Reichskulturkammer die Träger des Nationalen Film- und Buchpreises 1938.

Die Ehrenloge. Von rechts: Dr. Ley, Dr. Goebbels, der Führer, Reichsminister Funk, Staatssekretär Hanke, rechts davon Stabschef Lutze, Reichsminister Kerrl, links von der Loge der Reichsjugendführer und Korpsführer Hühnlein.

(Scherl-Bilderdienst, Berlin.)

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biß Zeit hinaus wirkenden Kultur­leistungen sich selbst erst ewige Dauer verlieh. Das sind unsere Sinnbilder der Kraft und des Friedens, in ihnen dokumentiert die deutsche Kunst ihre tiefste Verbundenheit mit der Zeit und mit dem Volke. Was wir so oft voraussagten, das beginnt nun Wirklichkeit zu werden:

Die Blütezeit unseres politischen Lebens ist

Die für den 1. Mai Tradition gewordene, in An­wesenheit des Führers stattfindende Festsitzung der Re ichskulturkam.mer im Deutschen Opernhaus gestaltete sich auch in diesem Jahr zu einem eindrucksvollen Bekenntnis des nationalsozialisti­schen Deutschlands zur deutschen Kunst, einem Be­kenntnis, düs in der Verkündung des Ra­tionalen Film- und Buchpreises durch den Präsidenten der Reichskulturkammer, Reichs- Minister Dr. Goebbels, sichtbaren Ausdruck fand. Der Opernsaal zeigt ein überaus festliches Bild. In der Ehrenloge hatten in der ersten Reihe neben dem Führer Platz genommen Reichsmini­ster Dr. G o e b b e l s, der Vizepräsident der Reichs­kulturkammer, Reichswirtschaftsminister Funk, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Staatssekre­tär Hanke. Das Diplomatische Korps war fast vollzählig vertreten. Ferner bemerkte man zahl­reiche Reichsleiter, Reichsminister, Offiziere aller Wehrmachtsteile, Reichsstatthalter, Gauleiter und Staatssekretäre, die Präsidenten der Einzelkam­mern, Mitglieder des Kultursenats, zahlreiche Per- sönkichkeiten des künstlerischen Lebens und der Wissenschaft und eine Anzahl österreichischer Dichter.

Das Orchester des Deutschen Opernhauses unter Leitung von Generalmusikdirektor Roth er eröff­nete die Festsitzung mit der Ouvertüre zuOberon . Dann trat Staatsschauspieler Heinrich George an das Vortragspult, um Schenkendorfs unsterb­lichenFrühlingsgruß an das Vaterland" vorzu­tragen. Die erhabenen Klänge des ersten Satzes der Fünften Symphonie von Beethoven leiteten über zu der Festansprache des Präsidenten der Reichs­kulturkammer,

Reichsminister Dr. Goebbels, und damit zur Verkündung des Nationalen Buch - und Filmpreises.

Wie niemals zuvor steht der.1. Mai dieses Jahres im Zeichen eines nationalen Glückes ohnegleichen für unser Volk. In diesem Jahre ist mit dem 1. Mai ein wirklicher nationaler Feiertag des ganzen Volkes angebrochen, und daß sich die Dinge so wandeln konnten, ist mehr als alles andere ein Beweis für die starke traditionsbildende aber auck) traditionsgebundene Kraft des Nationalsozialismus. PZir Nationalsozialisten sehen Welt und Umwelt anders als das früher in Deutschland üblich oder auch nur vorstellbar war. Wir sind in unserem ge­schichtlichen Denken und politischen Handeln wieder aus das Volk als auf den Ursprung unse­res Lebens und unserer Kraft zurück- gegangen. Verbindet sich eine Idee tief und unlös­bar mit dem Denken eines ganzen Volkes, dann werden auch die mit einer Zeitepoche verbundenen Lebens- und Schicksalsprobleme nicht mehr so sehr Fragen des Staates, als vielmehr Fragen der Volks gesamtheit sein. Darum ist auch die Verbundenheit zwischen Führer und Volk bei uns viel tiefer und fruchtbarer als anderswo. In unserem Volksstaat wird weniger debattiert, aber mehr gehandelt als anders­wo, und der Erfolg des Handels kommt allen zu­gute. Die vertrauensvollen Beziehungen zwischen Führer und Volk sind am 10. April durch ein über­wältigendes Votum der ganzen deutschen Nation noch einmal vor aller Welt erhärtet worden. Die Angliederung Oesterreichs an das Reich war ein spontaner Akt des Volkswillens, ausgelöst von einer Führerpersönlichkeit und getragen von der Kraft einer Idee, die über hölzerne Grenz­barrieren hinwegsprang und Millionen Menschen wie in einem Sturm eroberte. Damit ist für uns

alle ein neuer Volksfrühling angebrochen. Wir sind heute in Wahrheit ein politisches Volk. Jedermann in Deutschland weiß, worum es bei uns geht. Man könnte glauben, daß in so harten politischen Zeiten die Musen schweigen müßten, und eine mißgünstige ausländische Meinung ist auch nicht müde geworden, der Welt einzureden, daß Deutschland seinen großen politischen und wirt­schaftlichen Aufttieg teuer mit einem sehr starken Verlust gerade aus kulturellem Gebiete habe be­zahlen müssen.

Unterdes aber sind wir zum Volk der Inge­nieure und Straßenbauer, der politischen Orga­nisatoren und Redner, der wirtschaftlichen Er­finder und Konstrukteure, der militärischen Lehrmeister und Instrukteure geworden. Und das Wunderbare ist, daß wir dabei unseren Charaktereines wirklichen Kulturvolkes nicht nur nicht verloren, sondern in einem viel stärkerem Maße als je zuvor bestätigt haben.

Welches Land beispielsweise könnte sich uns an die Seite stellen in der Pflege geistiger Güter, in der Förderung der bildenden Künste, der Architek­tur, des Schrifttums, des Theaters und des Films?! Wo sind wie bei uns in gleicher Weise die n st­ier der Gegenwart in die Front eines nationalen Aufbruches eingeschwenkt und stehen wie hierzu­lande mitten in ihrem Volke, um zu einer Gemeinschaft zu sprechen, aus der sie gekommen sind und für die zu wirken ihre höchste Ehre und Pflicht ist! In allen Städten des Reiches wachsen die Mauern neuer monumentaler Bauwerke aus dem Boden heraus. Sie solle^noch in Jahrhunder­ten zeugen von der Größe <tner Zeit, die sich nicht im Politischen erschöpfte, sondern gerade in über

im Begriff, einen ungeahnten Emporstieg un­seres gesamten deutschen Kulturlebens nach sich zu ziehen.

Dabei soll es gar nicht bestritten werden, daß wir Deutschen durch die Verhältnisse vielfach gezwun­gen sind, disziplinierter zu leben, zu denken und zu arbeiten als andere Nationen. Wir müssen ver­suchen, durch die Kraft des geeinten nationalen Willens die uns fehlenden Hilfsmittel, die anderen

Völkern vielfach im Ueberflziß zur Verfügung stehen, wenigstens in etwa zu ersetzen. Diese Ein­sicht ist heute Allgemeinbesitz des deutschen Volkes. Von ihr durchdrungen hat die Nation sich aus. ihrem furchtbaren Tiefstand wieder erhoben, und die dabei gebrachten Opfer haben sich durch unvor­stellbare Erfolge tzelohnt. Der deutsche wirt­schaftliche Aufstieg beginnt überall Schule zu machen, unsere technischen Errungenschaften sind vor­bildlich, auf dem Gebiete des Sports hat Deutsch­land alle anderen Völker überholt. Das deutsche Kulturleben aber steht heute am Anfang einer herrlichen Blütezeit.

Die politischen Erfolge, die wir verzeichnen konn­ten, find für das Volk errungen worden, der wirt­schaftliche Aufftieg kommt dem Jßolfe zugute, die kulturelle Blüte unserer Zeit wäre sinnlos, stände sie nicht in innigster Beziehung zum Volke selbst. Die nationalsozialistische Gemeinschaft ?^raft durch

Freude" vermittelte 1937 allein den deutschen Bühnen 13,5 Millionen zusätzliche Besucher. Die Hörerziffern des deutschen Rundfunks stiegen in den ver- gangenen 12 Monaten von 8,4 auf 9,5 Millionen. Die Produktionsziffer des Volksempfängers VE 301 stieg in diesem Jahre um 650 000 Stück auf 2 800 000. Die Zahl der Filmtheater- b e f u d) e r stieg von 235 Millionen im Jahre 1932 auf nunmehr 400 Millionen im Jahre 1937. Die deutschen bildenden Künstler wurden um eine Summe von 5 200 000 Reichsmark bei öffent­lichen Bauten oder durch Ankäufe herangezogen. Wir hatten im vergangenen Jahre 25 361 Neu­erscheinungen auf dem Buchmarkt zu ver­zeichnen. Die Umsatzerhöhung des deutschen Buches betrug 20,5 ü. Sy, die Zahl der Ausleihungen in deutschen Werkbüchereien stieg im vergangenen Jahr auf 20 Millionen. 750 Volksbüchereien wurden in diesem Zeitraum neu eingerichtet. Daneben läuft eine großzügige Förderung des deutschen Künstlers selbst, die sich nicht nur auf seine Werke, sondern auch auf seine Person erstreckt. Die Alters- terforgung für alle deutschen Bühnenschaffenden ist im vergangenen Jahre Tatsache geworden. Es besteht begründete Hoffnung, daß in absehbarer Zeit die Altersversorgung für alle künstlerisch schaffen­den Menschen in Deutschland durchgeführt wird.

Der Nachwuchsfrage haben wir besondere Auf­merksamkeit angedeihen lassen. Die Gründung der Deutschen Filmakademie ist hier nur ein Beispiel für viele. Die Errichtung einer deutschen Theaterakademie wird vorbereitet. Presse­schulen, Rundfunkschulen, die Forschungsanstalt für Maltechnik-in München sind weitere Etappen auf diesem Wege der systematischen Erziehung eines künstlerischen Nachwuchses. Zahlen sind immer Be­weise. In diesen Zahlen steckt eine Arbeit und Leistung ohnegleichen. Wir können uns damit vor dem eigenen Volke und vor der Welt sehen lassen. Und das Beglückende dabei ist, daß die Erfolge, die in diesen Zahlen eingeschlossen liegen, der ganzen Nation zugute kommen.

Im Jahre 1933 haben wir zwei Preise ausge­setzt, die jährlich 'am 1. Mai zur Verteilung ge­langen. Mit ihnen soll der beste Film und das beste Buch des Jahres gekrönt werden. Sie werden im Angesicht des ganzen Volkes aus­gegeben und sollen eine sichtbare Ehruna für Spitzenleistungen auf diesen Gebieten darstellen. Wir haben in den vergangenen Jahren immer Wert daraus gelegt, nur ganz große Leistungen preiszukrönen. So schwer es in den ersten Jahren des Nationalsozialismus war, geeignete Bewerber zu finden, so schwer ist es in diesem Jahre, unter den Geeigneten den Besten herauszuzusuchen. Da­mit komme ich zur

Verkündung der beiden großen preise für Film und Such.

die am 1. Mai 1938 von der Reichsregierung aus- geteilt werden. Sie haben, wie es in ihrer Stif­tung surtunbe heißt, den Zweck, die beiden Werke aus der Film- und Buchproduktion zu krönen, die, aus dem Geiste unserer Zeit heraus geschaffen, in höchster Vollendung dem Geiste dieser Zeit leben­digsten und plastischsten Ausdruck geben.

Der Deutsche Ailmprels .1 937/38 wurde Frau Lern R l e f e n st a h l für ihr FilmwerkOlympia Fest bet Völ­ker, Fest der Schönheit" zuerkannt.

In fast zweijähriger Arbeit ist dieses monumentale Filmwerk geschaffen worden. Mit einem Fleift ohnegleichen, mit vorbildlicher Genauigkeit, mit größtem technischem und künstlerischem Können wurde hier eine Leistung vollbracht, die nicht nur bei uns, sondern auch in der Presse des Auslandes die größte Bewunderung fand. Der FilmOlympia" ist in seiner, künstlerischen Gestaltung zu einem Symbol unserer neuen Zeit geworden. Mit feinftem Einfühlungsvermögen wurde hier die Brücke ge­schlagen vom 20. Jahrhundert zur griechischen Antike. Der ergreifende Prolog dieses Films ist

Italiens Frauen gestern und heute. Von Sabine Philippi, Vom.

Ein gleicher strahlender Himmel umpfing sie vor Jahrtausenden wie heute, die Frauen der italieni­schen Halbinsel: die lateinische Matrone und ihre Nachfahrin, die Frau des neuen Italien der faschisti­schen Aera. Hellgesichtige Italienerinnen des Nor­dens, der Lombardei, stolze Römerinnen mit den gemmenartig geschnittenen Gesichtern, Sizilianerin­nen mit dem glänzend tiefschwarzen Haare und den Mandelaugen des spanisch-sarazenischen Einschlags.'

Interessant ist es, die Wege zurückzugehen, die von der lateinischen Urahnin hinführen zur moder­nen italienischen Frau, über Jahrhunderte oft recht unregelmäßiger Entwicklung. Wir sehen das latei­nische Mädchen der Antike zusammen mit dem Kna­ben die Schule besuchen, wo es unter der Führung einesßitterators" im Lesen, Schreiben, Rechnen unterrichtet wurde. Wir wissen, daß es unter gün­stigen Umständen seine Bildung an Hand lateini­scher und griechischer Klassiker vertiefen konnte, daß auch weibliche Künste wie Tanz, Gesang und Sai- tenspiel bei der vornehmen Römerin auf ihre Rech­nung kamen. Das bürgerliche Mädchen wie das vornehme wurde zur Hausftau erzogen. Zu öffent­licher oder politischer Wirksamkeit kam die Frau der Antike kaum, doch beweist eme Wand^ene in Pompeji, welche Frauen beim öffentlichen Wahlakt darstellt, daß es auch Ausnahmen von der Regel gegeben hat. An einzelnen politisch einflußreichen Frauen des römischen Altertums fehlt es jeden­falls nicht wir denken dabei an Livia. Die große Masse blieb davon unberührt.

Die christliche Weltanschauung der folgenden Jahr­hunderte gibt der Frau außerhalb des Hauses und der Familie auch nicht viel Spielraum zur Entwick­lung. Ihr einziger außerhäuslicher Wirkungskreis bestand in Armen- und Krankenpflege, einer Tätig­keit, deren sich die Ordensangehörige, die Klosterfrau sehr bald berufsmäßig annahm, wobei sie die Ju­gend zu Unterricht und Erziehung gleichfalls um sich sammelte. Trotz der Einschränkungen durch Tra­dition und Sitte finden wir im Mittelalter die be­merkenswerte Tatsache, daß der Frau gewisse administrative Rechte zugestanden werden. So konn­ten dem römisch-lombardischen Gesetze nach Frauen, die in direkter Erbfolge bestimmte Landstriche zu eigen erhalten hatten, diese auch selbständig verwal­ten Mailand, Mantua, Pavia ja noch sehr viel später Neapel standen zeitweise unter der Re-

gentschaft von Frauen. Aber erst im 17. Jahrhun­dert wagt eine Elena Trabotti, welche von ihrem Vater wider ihren Willen gezwungen worden war, den Schleier zu nehmen, sich dagegen aufzulehnen und aus dem Kloster heraus Anklageschriften gegen den Mann zu schleudern, der in Verkennung Der Tatsache, daß die Frau gleich dem Manne zur Freiheit geboren sei, ihr das Selbstbestimmungs­recht nähme.

Die Renaissance gibt der Frau mit der Locke­rung der Sitten auch mehr Bewegungsfreiheit, die sich die intellektuelle Frau eifrig zu Nutze macht. Schon ist eine Katerina von Siena, welche durch ihre kluge Beredsamkeit an der Versöhnung der slorentinischen Republik mit Papst Gregor XI. den Hauptanteil hatte, keine Einzelerscheinung mehr. An den aufblühenden Universitäten Italiens nehmen auch Frauen ihren Platz ein. 1239 hält Bettina Gozzadini Vorlesungen über Jurisprudenz und hat enormen Zulauf. Vom 13. bis 17. Jahrhundert fin­den wir Frauen auf so manchem Lehrstuhl für Me­dizin, Philosophie, Mathematik, Rechtswissenschaft eine Maria Petraccini hält Vorlesungen über Anatomie. Wir finden Frauen als Richterinnen, Frauen in der Verwaltung, eine Schar von Musike­rinnen, Komponistinnen, um nur die berühmte Katarina von Bologna zu nennen. Tänzerinnen, Dichterinnen wie Viktoria Colonna, die Freundin Michelangelos. Ein Reigen, den man bis zur Lucca, zur Patti, zur Düse fortgeführt sehen könnte.

Welchen Anteil nahm nun die Frau am politi­schen Leben ihrer Zeit? Abgesehen von der politi­schen Intrige, zu der sich die Frau in Verfalls­zeiten benutzen läßt, erwacht ihr nationales Be­wußtsein erst im sogenanntenRisorgimento", d. h. dem Kampf um die Freiheit und Einigung Italiens (1848). Namen bekommen Klang wie Terese Con- salonieri, Manoini-Oliva, Cristina Belgioso, die ihre Juwelen verkauft, um der Propaganda für Maz- zini dienen zu können. Anita Garibaldi kämpft zu­sammen mit dem Gatten an der Spitze der Frei­scharen ihrer Garibaldianer! In dem Zeitabschnitt von 1870 bis zum Weltkriege ein scheinbarer Rück­schlag. Verdrängung von den Arbeitsplätzen durch die Arbeitslosigkeit des Mannes, Auswanderung der männlichen Bevölkerung, um auf die Arbeitssuche zu gehen.

Der Weltkrieg reinigt die Atmosphäre, fiatte die Frau aller Stände im Kriege selbst ihre pflegerische Opfertätigkeit eingesetzt, so bricht nach Kriegsschluß endlich die Zeit für sie an, in welcher durch die völ­kische Wiedergeburt des Faschismus das Feld frei- gegeben wird, um sich so zu organisieren, daß sie am Wiederaufbau des Vaterlandes tatkräftigen 21m teil nehmen konnte. Zu wiederholten Malen hat

Mussolini in seinen Ansprachen hervorgehoben, daß die Arbeit der Frau nicht wegzudenken ist aus dem Leben der Partei. Als Keimzelle der faschisti­schen Frauenorganisationen möchte man die erste von Frau Mayer-Rizzioli gegründete Gruppe von Frauen der Lombardei bezeichnen (1921).

Beim Einzug der siegreichen Faschisten nehmen die Frauen der Kriegsgefallenen geschlossen am Auf­marsch teil. Im Mai 1923 erscheint der Duce zum internationalen Frauenkongreß, der in Rom tagt Und bestätigt im Jahre 1931 im Gesetz über die Mobilmachung der Zivilbevölkerung Mann und Frau gleiche Rechte und Pflichten im Leben der Nation.Im Fall einer Ganz- oder Teilmobil­machung haben alle Bürger Mann und Frau zur moralischen und handkräftigen Verteidigung des Vaterlandes beizutragen."

Mit der Abschaffung der Wahlen wird der bisher geführte Kampf um das Frauenwahlrecht gegen­standslos. Aber die Frau behält trotz der Ten­denz des Faschismus, sie auf ihrem natürlichen Ge­biete als Gattin und Mutter tätig zu sehen, ihr Recht, jede wissenschaftliche oder administrativ« Lauf­bahn zu ergreifen, die ihrer Begabung liegt. Sie kann in Syndikaten, Korporationen usw. leitende Stellen einnehmen 48 Frauen sind heute als ordinierte Professorinnen auf Lehrstühlen verschiede­ner Fakultäten außer den vielen freien Dozentin­nen. Es gibt Aerztinnen, Ingenieurinnen, Architek­tinnen. In Verwaltung und Volkswirtschaft, in Han­del und Verkehrswesen, Post und Telegraphie, ar­beitet die Frau neben dem Manne. Die Kunstaka­demien mit Ausnahme derAcademia dItalia schließen sie nicht aus, und bei Preisverteilungen wird sie nicht übergangen, wie die Erteilung des Nobelpreises für Literatur an Grazia Deledda und des Mussolinipreises an Ada Negri beweist. Die intellektuelle Frau des modernen Italien, kann also mit dem Erreichten wohl zufrieden sein! Und ihr ureigenster, durch Tradition angestammter Wir­kungskreis auf den Gebieten des Unterrichtswesens, der'Krankenpflege und der Sozialarbeit hat durch den Faschismus eine nie gekannte Höhe der Ent­wicklung erreicht, wovon weiter unten die Rede fein soll.

Verfolgt der Faschismus mit feinen Institutionen den Zweck, die Masse zu einer physisch und mora­lisch kräftigen Nation zu machen, so ruft er die Frau zu seiner Mitarbeiterin dabei auf. Die faschi­stische Frau ist es, welche den weiblichen Nachwuchs außerhalb der Schule erziehend betreut durch Körperschulung (Märsche, Turnen) abhärtet und widerstandsfähig macht, das Heranwachsende Mäd­chen in Fächern unterrichtet, die ihm als zukünftiger Hausfrau und Mutter von Nutzen sind. In der

Hauptsache Haushalt, Kinderpflege, Gartenbau und Kleintierzucht.

Die Frau ist es, welche in der Familienfürsorge, auf Hausbesuchen die unerfahrene junge Mutter, die mangelhaft vorgebildete Hausfrau unterweist, die Notstände der Familie in Erfahrung bringt und für Abhilfe sorgt. Die Frau ist es, die als Ueberwache- rin der Jugend für gesunde und sittlich einwand­freie Lebensumstände des Kindes eintritt. Mutter- schütz und Kinderhilfe, Fürsorge an der arbeitenden Frau wie der Fabrik-, Heim- und Landarbeiterin sind gut durchorganisiert, so daß sie den entlegen- ften Flecken, das höchste Gebirgsdorf erreichen.

In ihrem lebendig geschriebenen BucheItalie­nische Frauen von gestern und heute" beweist Dr. Maria C a st e l l a n i an Hand ihrer in jahrelanger Mitarbeit gemachten Erfahrungen, daß das Heer von Millionen eingeschriebener Frauen nicht eine un­disziplinierte, zielloseMasse" darstellt, sondern eine Macht, die erzieherisch und volkspflegerisch, wechsel­seitig gebend und nehmend, am Ausbau der Nation hilft. Ein kräftiges und leistungsfähiges Frauenge- schlecht wächst in dem jungen, faschistischen Italien heran, das durchaus berufen fein wird, die Hoff­nungen der Nation zu erfüllen.

Die Krabbe.

Der bekannte französische Naturforscher C u v i e r wurde eines Tages von einem Verleger, der ein neues Lexikon herausgeben wollte, gefragt, ob die Definition der Krabbe als eines kleinen roten Fisch­chens, das rückwärts gehe, richtig sei. *

Cuvier antwortete folgendermaßen:Sehr ge­ehrter Herr! Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer ver­blüffend knappen und klaren Definition der Krabbe. Erlauben Sie mir, dazu noch eine Bemerkung zu machen: Erstens sind die Krabben durchaus nicht immer so klein, und sie werden auch nur rot, wenn man sie kocht. Zweitens gehören sie keineswegs zu der Gattung der Fische, obgleich sie im Wasser leben, und drittens gehen sie niemals rückwärts."

Hochschulnachrichien

Der Führer und Reichskanzler hat den Architek­ten Dipl.-Jng. Alexander v. ©enger unter Beru­fung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit zum ordentlichen Professor ernannt. Mit Wirkung vorn 1. Jaguar 1938 ab ist ihm in der Fakultät für Bau- wesen der Technischen Hochschule München die o. Professur für Baugestaltung in der Geschichte, Denkmalpflege und Bauaufnahme verliehen worben,