Ausgabe 
2.4.1938
 
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zig Jahren einer deutschen B a t t e r i e, die hier in der Nähe des Toten Meeres in Stellung gegan­gen war, um den Rückzug einer türkischen Kolonne 'gegen die heftig nachdröngende englisch-arabische Uebermacht zu sichern. Sie hat die Aufgabe unter großen Verlusten gelöst, die Mehrzahl der Bedie­nungsmannschaften war gefallen, das Material konnte zum Teil gerettet werden Nur das eine Geschütz war. bis zur Unbrauchbarkeit ausgeschossen.

Deine Stimme dem Führer,

denn er hat den d e u t s ch en Bauern wieder auf den ihm gebührenden Platz gestellt und es durch eine gründliche Bodenreform erreicht, dah deutsches Land nicht mehr ein Handelsgegenstand ist. mit dem man Wucher treiben kann. Der deutsche Bauer hat diese Tat seinem Führer gedankt, indem er im Rahmen der Erzeugungsschlacht von Jahr zu Jahr größere Erträge erzielt, damit das Ziel, uns in der Einfuhr von Lebensmitteln so unabhängig als nur möglich vom Ausland zu machen, erreicht wird.

zurückgelassen worden. Niemand kümmerte sich darum, und als der Krieg zu Ende war, bildeten wuchernde Tamarisken und fahles Steppengras den spärlichen Blumenschmuck um die tote Kanone, die längst vergessene. Vor kurzem erst kamen Reiter an der Stelle vorbei, denen der ungewöhnliche Gegenstand auffiel. Man grub und fand außer Mm Geschütz selber, das freilich nur noch ein Skelett war. einige Kisten mit alter Munition, ein paar verrostete Gewehre und einen Behälter mit seit langem entwerteten türkischem Geld, anscheinend die Kriegskasse der deutschen Batterie.

Allein, was bedeutet der materielle Fund gegen­über der ruhmvollen Erinnerung, die da in Gestalt der alten Kanone aus dem Steppensande gestiegen ist und deren Wert sich nicht in Zahlen

bemessen und nicht einmal mit dürren Worten aus- sprechen läßt? Man kann nur hoffen, daß man dem toten Helden, der so viel von täpferem Sterben auf verlorenem Posten zu erzählen wüßte, in einem Zeughause, sei es in Deutschland, sei es sonst wo in der weiten Welt, die unser Schlachtfeld war. einen Platz anweist, welcher der bewiesenen Treue bis in den Tod angemessen ist.

Der Unfug der Schönheitskonkurren­zen beginnt erfreulicherweise etwas von seiner An« uehungskraft zu verlieren. Man merkt allmählich, daß es keineswegs nur das angeblichinteresse­lose" Wohlgefallen am weiblichen Körper ist, das dahintersteckt. Es ist aber gut. wenn einmal ans Licht kommt, welche üblen Spekulationen sich häu­fig mit diesen Wettbewerben verbinden. So ist jetzt die Pariser Polizeidirektion einer Mädchenhändler­bande auf die Spur gekommen, deren Mitglieder sich, wie berichtet wird, bei allen Schönheitskonkur­renzen in Frankreich einzufinden pflegten, um dort ihre schmutzigen Geschäfte zu machen. Ihre Methode war raffiniert genug, und mehr als eine weibliche Drossel ist der Bande denn auch ins Garn gegan­gen. Das geschah in der Weise, daß die Händler sich an diejenigen Mädchen heranmachten, die nicht preisgekrönt wurden, und ihnen erklärten, daß ihre Schönheit in Korsika ganz anders be­wertet werden würde. Mit einer kleinen Summe versehen und einem glänzenden Vertrag alsVor­führdame" in der Tasche, langte das Opfer auf der Insel an. mußte dort aber zu seinem Schrecken fest­stellen. daß die Firma gar nicht existierte. In die­sem Augenblick der Verzweiflung warf ein genau informiertes zweites Mitglied der Bande den Angel­haken aus. Man kann sich vorstellen, was für ein Köder daran befestigt war, denn die in Aussicht gestellte Chance in Südamerika entpuppte sich natürlich als ein öffentliches Haus. Und man kann sich ausmalen, welches Schicksal die betrogene Schönheitskönigin erwartete. Mit Recht heißt es in dem Polizeibericht:Gäbe es in Frankreich nicht die Schönheitswettbewerbe, so würden die Geschäfte der internationalen Mädchenhändler nicht so blühen wie bisher."

unter -er bayrischen Ostmark.

Fahrt der Erlebnisse Freude im Werk Triumph des Aufbaus.

Von unserem auf eine Oeuischlandreise entsandten Sonderberichterstatter Heinz Otto.

Regensburg, im März 1938.

Hell klingen die Trompeten der Regimentskapelle des Infanterie-Regiments 42 durch die Straßen von Bayreuth. Am frühen Morgen sind große Teile des Infanterie-Regiments aus Oesterreich zu­rückgekehrt. herzlich werden die braungebrannten Soldaten von der Bevölkerung ihrer Garnisonstadt begrüßt. Ich stehe zusammen mit dem Stellver­tretenden Gauleiter Ruckdeschel am Fenster seines Dienstzimmers und schaue auf die einziehen­den Soldaten herunter.Unsere Kameraden im grauen Rock", so meint Pg. Ruckdeschel,haben die alte Aufgabe unseres Gaues Bayerische Ostmark, Brücke zum Lande Oe st erreich zu sein, mit erfüllen helfen."

In der Kaserne gelingt es mir, einen der Sol­daten zu fassen, um mir von ihm von seinen Erlebnissen in Oe st erreich erzählen zu lassen.Das kann man eigentlich gar nicht erzählen, das ist ein Erlebnis gewesen, das uns unser Leben lang begleiten wird. Erzählen kann man nur von den vielen kleinen Dingen, die so nebenbei pas­sierten: Wir haben schon bevor wir einmarschierten gewußt, daß man uns herzlich aufnehmen würde, denn wir kannten ja die Stimmung in Oesterreich schon vorher. Aber wir waren doch gerührt, als alle unsere Erwartungen noch übertroffen wurden. Die armen Leute dort drüben hatten ja so entsetzlich viel durchgemacht, daß jeder von uns ihnen als Befreier galt."

Am Vormittag fahre ich mit dem Kraftwagen hinein in dieses unbeschreiblich schöne Land der Bayerischen O st mark. Ueberall in den kleinen Städten und Dörfern herrscht reges Leben. Man merkt überall, daß in den letzten Jahren Geld in diese Ortschaften geflossen ist. Die Häuser sind neu verputzt, es ist viel gebaut worden, die Straßen sind im Gegensatz zu früheren Zeiten in tadel­losem Zustand.

Wenn man durch diese unvergleichlich schöne Landschaft fährt, muß man zurückoenken an eine Zeit, da die Bevölkerung dieses Gebietes durch die damalige Bayerische Landesregierung und deren Parteigänger im Lande bewußt ferngehal­ten wurde von allem Geschehen in Deutschland, indem man diese Menschen geradezu verdummen ließ, um sie bequemer im Sinne dieser unverant­wortlichen Regierung lenken zu können. Fünf Jahre ist es her, daß ein Dr. Held in München sagen konnte, er würde jeden Reichskommissar Adolf Hitlers an der Bayerischen Grenze verhaften lassen. Mit Recht wurde die Politik jener engstirnigen Männer als die Politik desWeißwürstl-Aequators" geschmäht.

Welch eine Wendung hat seit 1933, seit der Machtübernahme Adolf Hitlers, seit dem kläg­lichen Verschwinden der vergangenen Regierung Deutschland durchgemacht. Es gibt nicht mehr Eifer­süchteleien zwischen den Ländern, es gibt nur ein großes Deutsches Reich, in das jetzt auch das Land Oesterreich eingegliedert wurde. Die Landschaften des Reiches, die aus eigener Kraft die Folgen der Verfallszeit nicht überwinden konnten, werden unter­stützt durch hie Provinzen, in denen durch ihre natürliche Lage, durch ihre wirtschaftlichen Verhält­nisse, ein schneller Aufbau möglich war.

Die Bayerische Ostmark war besonders schlimm daran. Die Politik der vergangenen Regierungen hatte im Interesse des verfolgten Zieles der Ab­riegelung der Bevölkerung vom übrigen Reich, be­wußt die katastrophalen Verkehrsverhält­nisse nicht verbessert! Die Straßen der Baye­rischen Ostmark waren berüchtigt, durchgehende Eisenbahnlinien gab es kaum. Infolgedessen waren die wirtschafttichen und sozialen und nicht zuletzt auch die gesundheitlichen Verhältnisse dieses Gaues so schlecht, wie kaum in einem anderen Ge­biet des Reiches.

Die Arbeit der Partei hat hier grundlegend Wandel geschaffen. Bei unserer Fahrt durch das Land treffen wir überall die Gesundheits- stationen der NSV. Das sind Häuser, von denen aus Aerzte und NSV.-Schwestern mit allen nötigen Instrumenten und Medikamenten aus­gerüstet, die Bevölkerung betreuen. Es sind dies gleichsam die Zenttalpunkte, von denen aus Schwe- ftern und Pflegerinnen der NSV. mit Motorrädern in die entferntesten Waldhütten des Fichtelgebirges und des Bayerischen Waldes fahren, um zu helfen. Wir treffen an der Landstraße eine der wackeren

Schwestern, die mit ihrem kleinen Motorrad gegen den Schneesturm ankämpft, der auf der höhe des Fichtelgebirges tobt. Wir halten bei ihr, und sie erzählt uns von ihrer harten, aber schönen Arbeit. In der letzten Nacht hat sie einem kleinen Erden­bürger zur Welt geholfen und jetzt fährt sie hinauf in ein hoch oben im Fichtelgebirge gelegenes kleines Dorf, um eine kranke Mutter, die ihre sechs Kinder nicht betreuen kann, zu pflegen und dort für die Kleinen zu sorgen. Sie kann sich nicht lange auf­halten bei uns. Mit lachendem Gesicht steigt sie wieder auf ihre kleine Maschine und knattert über einen Feldweg dem Walde entgegen.

Ein paar Kilometer weiter kommen wir in einem Dorf gerade dazu, wie ein Bücherwagen, der alle acht Tage hierher kommt, neue Leihbücher heranbringt. Mitten auf dem Dorfplatz hat der Wagen gehalten. Die Frauen umbrängen die Buch­ausgabe; sie bringen ihre Bücher, die sie in der vergangenen Woche entliehen haben, zurück, um sie gegen andere Werke einzutauschen. Wer hätte in früheren Zeiten daran gedacht, den Bauern in den Grenzdörfern der Bayerischen Ostmark die deutschen Kulturgüter zu vermitteln, ihnen Bücher zu bringen und gute Filme vorzuspielen, wie es heute geschieht. Es genügt schließlich nicht, einem Volk Arbeit und Brot zu geben, um es glücklich zu machen, jeder Deutsche hat ein begründetes Anrecht darauf, auch an den Kulturgütern unserer Nation teilzuhaben. In den Großstädten ist es nicht schwierig, Volksbibliotheken aufzuziehen. Welche Umsicht und welche Liebe zum Volk gehört aber dazu, auch in dem letzten Hinterwalddorf Sinn für die deutsche Kultur zu erwecken.

Unser Wagen rollt weiter, wir kommen nach Selb, der Stadt der großen, weltbekannten Por­zellanfabriken. Hier sind die Hutschenreuther- werke und die Fabriken von Rosenthal. Diese Namen haben Weltgeltung. Wir sitzen im Büro des Betriebsleiters der Firma Rosenthal und lassen uns berichten über den Aufschwung, den das Werk in den letzten Jahren genommen hat. Wir haben uns bewußt dieses Werk ausgesucht, denn gerade an der Fabrikation" von Luxus-Artikeln, wie es die künstlerischen Arbeiten der Rosenthalwerke sind, läßt sich am deutlichsten die wachsende Gesundung eines Volkes demonstrieren.Im Jahre 1932", so berichtet uns der Betriebsführer,arbeitete unsere Belegschaft nur drei Tage in der Woche. Wir haben damals diese Kurzarbeit durchgeführt, um unsere hochqualifizierten Facharbeiter überhaupt halten zu können; denn die Männer, bie hier in unserem Werk arbeiten, sind zum großen Teil Künstler ihres Faches, die einfach nicht zu ersetzen sind. Heute können wir sechs Tage, also voll arbeiten, ja in der Weihnachstzeit, die für uns besondere Konjunktur bedeutet, arbeiten wir meist noch mit vielen Ueberftunben. Das In­landsgeschäft hat sich in den letzten Jahren gegen­über dem Jahre 1932 um 45 v. H. gesteigert, das Auslandsgeschäft ist sogar über 80 v. H. angewachsen. Wenn wir nachher zusammen durchs Werk gehen werden, dann werden Sie auch sehen, mit welcher Freude unsere Männer hier arbeiten. Seitdem der Betrieb im Jahre 1933 zu einer rein deutschen Firma gemacht wurde, haben wir darauf gesehen, alle nur möglichen Arbeits- n erb eifer ungen für unsere Gefolgschaft durchzu­führen."

Wir haben ein eigenes Büro für die NS.- GemeinschaftKraft durch Freude" ein­gerichtet, in dem einer unserer Angestellten weiter nichts macht, als Reisen, Gemeinschaftsfeiern, Be­triebssport unserer Belegschaft vorzubreiten und zu organisieren. Der steigende Arbeitserttag unserer Firma, den unsere Arbeiter und Angestellten durch ihre Leistung möglich machen, kommt auch der Ge­folgschaft zugute. Jedes Jahr am 1. Mai bekommen die Gefolgschaftsmit'glieder unseres Werkes ihren Anteil am Arbeitsertrag; sie erhalten also gleich Tantiemen, eine Gelbausschüttung, die in früheren Jahren lediglich den Herren Auf- sichtsräten zugute kam, die häufig während eines Jahres kaum einmal in den Betrieb hineingesehen hatten."

Man könnte die Aufzählung der sozialen Ein­richtungen dieser Firma, die keineswegs eine Son­derstellung einnimmt, sondern lediglich die For­derungen der nationalsozialistischen Weltanschauung in die Praxis umsetzt, noch beliebig sortsetzen, man könnte von den Siedlungen, von besonderen Ur-

Gesunde Klein-Siedlungen im Drillen Reich.

Der Führer gab dem deutschen Arbeiter nicht nur Arbeit, er schuf ihm auch eine gesunde Lebensgrundlage. Dein Gang am 10. April: Dein Ja dem Führer.

laubsleistungen, von den Gefolgschaftsversicherungen und laufenden Unterstützungen und Pensionen und vielem anderen mehr berichten. Aber all diese An­gaben würden weniger sagen als uns die Gesichter dieser hier schaffenden Menschen zeigen, die wir bei der Arbeit beobachten konnten. Man sieht, m i t welcher Freude und welcher Liebe hier gearbeitet wird. Unter den Händen der Former und Maler entstehen Kunstwerke, die der deutschen Wertarbeit in aller Welt zum Ruhme gereichen. Aber nicht nur dies, hier sind auch Män­ner am Werk, die unermüdlich weiterdenken und Versuche anstellen, wie man den WerkstoffPor­zellan" noch weiter verwenden kann. In einer ganz neu aufgezogenen Abteilung werden aus Porzellan Geräte hergestellt, von denen man vor wenigen fahren noch glaubte, daß man sie nur aus Metallen anfertigen könnte. Nur ein Fachmann kann die Er­folge dieser Arbeit wirksich würdigen. Wir Laien stehen vor dem Ausstellungstisch und befühlen die Proben und Geräte, die hier von genialen Kon­strukteuren erdacht, unter den kunstfertigen Händen der Former entstanden sind und heute schon an vielen Stellen Bleirohre und Kupfergefäße voll er­setzen können.

Keines dieser neuen Geräte verläßt das Werk ohne sorgfältig geprüft zu sein. Insbesondere die sehr stark beanspruchten Isolatoren aus Por­zellan werden in einem eigens dafür gebauten Ver­suchslaboratorium einer eingehenden Prüfung unter­zogen. In dieser turmhohen, fensterlosen Halle wer­den Ströme von zwei Millionen Volt zur Ent­ladung gebracht, um die Festigkeit der Isolatoren zu prüfen. In dieser AbteilungE" des Rosenthal­werkes sind im Rahmen des Vierjahresplanes große Erfolge erzielt worden. Aus rein deut­schen Rohstoffen konnte ein neues Hart- Porzellan entwickelt werden, das geeignet ist. bei Wasserleitungen, Säureleitungen, Brunnen- filtern usw. die bisher verwendeten Metalle, ins­besondere Zinn, Blei, Kupfer und verzinktes Eisen zu ersetzen. Die Erfolge sind so verblüffend, daß selbst bei einer Aenderung der Rohstofflage die Ver­wendung dieses neuen Werkstoffes beibehalten wer­den wird.

Als kürzlich für Hamburg die gewaltige ($[&, brücke projenert wurde, da erklärte der Führer: Hamburg kann diese Brücke allein nicht bauen, aber Deutschland kann fie bauen" Dieser Gedanke der bedingungslosen Gemeinschafts- arbeit des deutschen Volkes hat es mögl-ch gemacht, auch die völlig darniederliegende Bayerische Ost­mark wieder aufzubauen und zu erschließen. Wenn man in einem der kleinen Gasthöfe des Bayerischen Waldes zusammensitzt mit den Bauern und Ar­beitern, die hier nebeneinander und miteinander leben, so hört man aus ihren spärlichen Worten immer nur eines: den Dank an den Füh­rer, der ihnen allen neue Lebensmöglichkeiten schuf. Es ist unvorstellbar, daß es eine Zeit ge­geben hat, die aus kleinlichen Erwägungen heraus es zuließ, daß ein so schönes deutsches Land, das so aufrechte Menschen, wie sie hier leben, dem völ­ligen Niedergang preisgegeben wurde.

Es ist selbstverständlich, daß in fünf Jahren nicht etwas aufgebaut werden kann, was Jahrhunderte hindurch darniederlag. Aber jeder einzelne sieht hier, daß bpr Wille zum Aufbau befteht und daß nicht nur geredet sondern ge­arbeitet wird. Der Bauer braucht nur wenige Kilometer mit seinem Ackerwagen über Land zu fahren und er wird überall auf die Zeichen dieser Arbeit stoßen. Sei es nun, daß er auf' eine ber Baustellen der Ostmarkenstraße trifft, die an meh­reren Stellen gleichzeitig begonnen wurde, ober ob er an den vielen Fabriken dieses Geb etes beobach­tet, wie neue Häuser errichtet werden, wie Sied­lungen entstehen. Ganz gleichviel, wo immer er hin- blickt, überall wird gearbeitet. All'm die Ostmarkenstraße ist ein Projekt von über 100 Millionen. Ein hoher Prozentsatz dieser gemalhaen Summe wird unmittelbar in Form von Arbeits­löhnen diesem verarmten Volke zufließen

Unser Wagen rollt in den Abendstunden nach Regensburg hinein, hinweg über die fast fer­tige Donaubrücke, die im Jahre 1936 begonnen wurde und Mitte dieses Jahres vollendet fein wird. Man kann tatsächlich nicht 10 Kilometer fahren, ohne auf Zeichen des Aufbaues zu stoßen, die fchlechchin bas Gesicht des neuen Deutschland sind.

Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.

Briefe von einer Afrika-Reise. Äon Or. Paul Rohrbach.

m. Ein afrikanisches Pompeji.

Constantine, März 1938.

In Constantine gab es eine kurze Verhandlung mit Ben Saadi Arnar, Ritter der I. Klasse des Nicham-Jftikkahr-Ordens,Attache" des Hotels Cirta, in dem wir abgeftiegen waren. Hinter die­sem pompösen Titel, dem auf der uns eingehän- bigfen Photographie noch einGuide-courrier^ (b. h. ein Reisebegleiter von besonderen Qualitäten) an­gefügt war, steckte niemand anders als der Con­cierge, d. h. ber Portier bes Hauses, eine im­ponierende Persönlichkeit in roten Pluderhosen, roter gestickter Jacke und rotem Fes. Ben Saadi Arnar erklärte uns, es fei eine Kleinigkeit, mit einem so vortrefflichen Auto, wie er es uns ver­schaffen wollte, vom Dejeuner bis zum Diner, b. h. von 13 bis 19 Uhr, nach Dschemila zu fahren unb bie Ruinen dort zu besichtigen. Dschemila ist der heutige arabische Name für die alte römische Stadt Cuicul, ma seit etwa 25 Jahren eine große Ausgrabung im Gange ist. Die Entfernung von Constanttne beträgt etwa 140 Kilometer, und wir waren erst etwas zweifelhaft, ob die Fahrt bei der kurzen verfügbaren Zeit lohnen würde. Eine Vorfrage galt noch dem Preis für den Wagen. .500 Franks mit dem Trinkgeld für den Chauffeur. Etwas über 40 Mark für eine solche Fahrt schien uns nicht teuer, und als Ben Saadi das Auto vorfahren ließ, stieg unsere Zuversicht. Es war ein großer, starker unb sehr bequemer Wagen, ber auf ber ausgezeichneten Straße bie Franzosen haben im Straßenbau in Algerien Großes geleistet auch gleich ein 80-Kilometer-Tempo vorlegte. Wir sahen, bie Sache würbe sich schaffen lassen.

Der erste Teil ber Fahrt ging burch eine Lanb- schaft, bie bemerkenswert war burch bie Menge fruchtbaren unb gut bestellten Ackerlanbes. Die französische Verwaltung hat in Nordalgerien nicht nur mit Erfolg kolonisiert, wozu elsässische Einwan­derer nach 1870 viel geholfen haben, sondern sie hat auch bie einheimischen Grundbesitzer dazu an- gehalten, ihre Produktton zu verbessern und zu vergrößern.

Allmählich wurde bie Gegend großzügiger, die Straße überstieg eine ber vielen Längsketten des algerischen Atlas, unb wir kamen jo hoch, daß jetzt,

zu Beginn bes norbaftikanischen Frühlings, noch etwas Schnee auf dem Wege lag. Die Hinabfahrt durch rasch aufeinanderfolgende Kurven war ein Genuß. Die Sicherheit des Fahrers erlaubte, sich ganz der immer großartiger werdenden Landschaft zu widmen. Programmäßig wies zwei Stunden nach der Abfahrt unser arabischer Führer, den wir von Constantine mitgenommen hatten, auf einen Hellen Fleck hin, der plötzlich nach einer Kurve in der Tiefe sichtbar wurde.Voila Dschemila!".

Man betritt bas Ruinenfelb durch einen Museums­bau, dessen Inhalt, namentlich prachtvolle große Mosaiken und Marmorbildwerke, unsere Erwartun­gen schon hoch spannte. In dem kleinen Handbuch, das wir von der vortrefflichen Reiseagentur Atwater 8z Cie. in Algier mitbekommen hatten, stand zu lesen, daß die Ruinen von Dschemila zu den am besten erhaltenen Ueberbleibseln des Römerreiches in Afrika gehörten. Tatsächlich sind sie die schönsten und, wenn man von Pompeji absieht, auch die lehr­reichsten, die ich nur irgendwo zwischen Euphrat und Tiger gesehen habe. Die alte Stadt Cuicul wurde auf einem Hügelrücken zwischen zwei Tälern inmitten eines weiten Gebirgskessels angelegt, unb bie um biefe Jahreszeit noch im weißen Schnee- kleib leuchtenbe Hauptkette bes Küstenatlas gab zu ben braunen unb roten Gesteinstönen bes Vorbkr- grunbes ben wirkungsvollsten Kontrast.

Vom Museum aus übernahm ein alter Araber, ber hei den Ausgrabungen von Anfang an gedient hat, in einigermaßen verständlichem Französisch die Führung und Erklärung. Cuicul bat etwa zwei­hundert Jahre, vom Ende des 2. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. geblüht. Dann reichte bie Kraft bes Imperiums nicht mehr aus, um bie Gebirgsstämme im süblichen Atlas, bie Rom nie ganz unterworfen hatte, in Schranken zu halten. Ein eigentümliches Schicksal müssen diese Römer­städte außerdem gehabt haben, als das Chri­stentum sich ausbreitete und die großartigen Tempelanlagen, um die das öffentliche Leben pul­siert hatte, inhaltlos wurden. Wie bet anderen nord- afrikanischen Städten 1 haben auch tn Cuicul die Christen sich ein eigenes Quartier neben ber rörnisch- heibnischen Stabt gebaut unb bazu vielleicht schon Material von ben Tempeln verwenbet.

Unser alter Araber führte uns zuerst in bie ville chretienne, bie Christen stabt auf dem höchsteq