Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr „Die tote Tante und andere Begebenheiten". — Gloria-Palast, Sel-
Mein Regiments-Marsch.
Zum Wunschkonzert im Wehrkreis IX am 14. Mörz.
mit sommerlich anmutenden schwarzen Wolken überzieht und ein kräftiges Donnerwetter erschallen läßt.
In Jahren mit vielen warmen Märztagen kommt es vor, daß die Vegetation aus dem Normalstadium des Keimens ins Grünen und Blühen übergeht. Es
315(0. „firaff durch Areude", kreis Gießen. Theatervorstellung.
Samstag, den 5. März 1938, Beginn 20 Uhr, KdF.» Miete Gruppe I (11. Vorstellung): 1347D
„Der Troubadour"
Oper in 4 Akten von Verdi.
Karten zu 1,— RM. sind erhältlich in der Verkaufsstelle, Seltersweg 60.
71S.-kriegsopferversorgung. Kameradschaft Gießen,
Nr. 38, zu haben.
Vornotizen.
Tageskalender für INittwoch.
veranstaltet am Sonntag, dem 6. März 1938, im Caf6 Leib einen Kameradschaftsabend. Beginn 19 Uhr. Eintrittskarten hierzu find bei den Amtswaltern der NSKOD. und auf der Geschäftsstelle, Bahnhofstraße ~ ' ' 1349V
hat in diesem Jahrhundert schon eine Reihe von Jahren gegeben, in denen in der letzten Märzwoche Baum und Strauch in ein grünes Gewand gehüllt waren und die Temperaturen sich mittags der 25-Grad-Linie näherten. Eine solche frühsommerliche Entwicklung wünschen wir nicht herbei. Sie ist, wie alles Anormale im Wettergeschehen unseres Klimas, mit besonderen Gefahren, mit den berüchtigten Rückschlägen verbunden. Es kommt bann im April und sogar noch im Mai oft zu scharfen Nachtfrösten, die der frühzeitigen Sommerpracht nicht nur allerlei Schäden zufügen, sondern auch gefühlsmäßig wie eine kalte Dusche wirken.
Es ist zu vermuten, daß der diesjährige März kaum die Tendenz zu besonders warmem Wetter haben wird, jedenfalls nicht zu langanhaltenden Wärmeabschnitten. Seit Februar bezeichnen wir in der Struktur der Großwetterlage eine Linie, die sich erfahrungsgemäß den ganzen Frühling behauptet und die Voraussetzungen für gelegentliche Kältewellen bietet. Schneesportlich bringt der März nicht viele Möglichkeiten, doch bewirkt die Wärmekraft der Sonne, daß sich die Frostlinie allmählich in höhere Luftlagen zurückzieht.
Während einerseits der März gerade in den deutschen Gebirgen häufig ausgiebige Scbneefälle bringt — die vom Bauer besonders geschätzten Niederschläge als Reserve für trockene Sommermonate — ist die Neigung zu dauerhaftem Frost schon erheblich geringer. Der März hat in Deutschland eine Durchschnittstemperatur von 3 bis 5 Grad im Schatten, berechnet für die norddeutsche Tiefebene. Umgerechnet auf die verschiedenen Höhenlagen der west-, mittel- und süddeutschen Gebirge — wobei 1 Grad Temperaturabnahme auf je 100 Meter angenommen sein soll — kann man erst in Höhenlagen über 600 Meter noch mit winterlichen Temperaturen rechnen. Dementsprechend verschieben sich die günstigen und dauerhaften Schneelagen in die Gipfelregionen des Harzes, des Riefengebirgcs, des Schwarzwaldes und namentlich der Bayerischen Alpen, während in den übrigen deutschen Winter- sportplätzen, so z. B. auch im westdeutschen Revier, die Schneesportlage erheblich unsicherer wird.
Anderseits kann man in besonders begünstigten Klimaten Deutschlands den Vormarsch des Sommers beobachten. Am Bodensee, an der Bergstraße und im Rhein-Mainqau, sowie in den anschließenden Tälern der Nebenflüsse des Rheins siegt der Vorsommer. Man kann oft genug beobachten, daß in Wiesbaden bereits m der zweiten Märzhälfte die Bädersaison eröffnet wird, wenn man von Schattentemperaturen zwischen 15 bis 20 Grad ausgeht, die sich in diesem vor kalten Winden ge- schützten Talkessel entwickeln. Dagegen sind im östlichen Deutschland, insbesondere in Ostpreußen und in Schlesien, noch Reservate des Winters vorhanden, die aus dem Eiskeller Rußland ihre Kraft holen. Allerdings sind diese Winterreste nicht mehr in der Lage, über ganz Deutschland Sieger zu werden. Die kalten Ostwinde pfeifen, wie man so sagt, aus dem letzten Loch, und ihr mächtiger Gegenspieler, die Frühlingssonne, bleibt unbestrittener Sieger.
Am 14. März veranstaltet das Wehrkreiskommando IX in Zusammenarbeit mit der NSV. sein diesjähriges Wunschkonzert für das WHW. Die Veranstaltung wird von 20 bis 22 Uhr auf den Reichssender Frankfurt und die ihm angeschlossenen Sender übertragen.
Mein Regiments-Marsch! Die Erinnerung an ihn haftet fest tm Herz und Hirn des gedienten Soldaten. Neben den persönlichen Werten, die jeder deutsche Mann der militärischen Ausbildung und soldatischen Erziehung verdankt, und dem großen Erlebnis der Kameradschaft, ist der Regimentsmarsch das, was den ehemaligen Soldaten am lebendigsten mit seinem Reaiment verbindet. Wenn er seinen Regimentsmarsch hört, dann wird die Erinnerung an alle schönen und auch schweren Erlebnisse während der Dienstzeit machtvoll lebendig. Wer sich im Felde an den Klängen der Regimentsmusik aufrichten konnte, weiß, welchen Wert die Militärmusik für die Truppe hat: ein Wert, der mehr empfunden und erfühlt, als vom kühlen Verstände erfaßt wird. Der in der Gegenwart spürbare Wille, die Militärmusik zu einem Wesenskern der jungen deutschen Wehrmacht zu machen, sie künstlerisch und kulturell auf einen Höchststand zu bringen, ist Ausdruck einer Erfahrung, die jeder alte Soldat in Kriegs- und Friedenszeiten selbst gemacht hat. Und mehr noch empfiehlt die aktive Truppe die hohe sittliche und anfeuernde Kraft, die von der Militärmusik ausgeht.
Es ist einmal der heroische Charakter der Militärmusik, der sie dem ganzen Volke, nicht nur den Soldaten, lieb und wert macht. Sie richtet den Hörer auf ein großes Ziel aus, und in ihr erklingt der Geist der Wehrmacht im Herzen des Volkes wieder. Und zum andern: Die Militärmusik führt zur Gemeinschaft. Der genau gleichbleibende Marschtakt, der feste Rhythmus, die gleichlangen, regelmäßig gegliederten Abstände der Marschmelodie sind einfache und strenge Ordnungsprinzipien. Ihnen hängt der Mensch ohnehin gern an, aber die ordnende Macht der Musik im Militärmarsch bringt diese verstandesmäßig nicht immer leicht zu erfassenden Ordnungsprinzipien auf die denkbar einfachste Formel. Auf eine so einfache Formel, daß sich ihr niemand entziehen kann — und darin besteht das ganze Geheimnis der großen Wirkung der Militärmusik!
Diese allgemeinen Empfindungen und Feststellungen über Wesen und Wert der deutschen Militär- musit erweitern sich in dem alten Soldaten zu einem unvergänglichen <5(fyipersönlicher Prägung, wenn er seinen Regimentsmarsch erklingen hört. Es soll daher bei dem diesjährigen Wunschkonzert des Wehrkreiskommandos IX nur ausgesprochene THlitär muf it gespielt werden: Soldatenmärsche und Soldatenlieder, soldatische Motive aus Opern und Operetten. Die alten Soldaten und die aktiven Angehörigen unserer Wehrmacht sollen sich alles wünschen können, was ihr Herz an Regimentsmärschen vegehrt. Darüber hinaus ist jedem Volksgenossen Gelegenheit gegeben, Wünsche zu äußern. Das Wunschkonzert bietet die Gelegenheit, für den Vater den Regimentsmarsch spielen zu lassen, bei dessen Klängen er einst in Reih und Glied stand. Der Einfallskraft und der Wunschfreudigkeit sind keine Grenzen gesetzt.
Das große und traditionsreiche Gut der deutschen Militärmusik, das seit mehr als Zweijahrhunderten nicht allein auf den militärischen Raum beschränkt gewesen ist, sondern das in alle künstlerischen und kulturellen Bereiche unseres völkischen Lebens hineingestrahlt hat, soll am Abend des Wunschkonzerts wieder lebendig werden.
Um unseren Lesern einen Fingerzeig zu geben, lassen wir hier eine kurze Uebersicht derjenigen Regimentsmärsche folgen, die für sie von besonderem Interesse sind. Sie waren einst den Regimentern
Skadltheaker Gießen.
Heute, um 19.30 Uhr, zum letzten Male „Die . tote Tante" und andere Begebenheiten von Curt Goetz. Spielleitung Wolfgang Kühne, Bühnenbild
der alten deutschen Armee und des 100 000-Mann- Heeres verliehen oder sind unserer jungen Wehrmacht neu verliehen worden. Die Ueberpcht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie will nur ein Hinweis auf die Ausrichtung der hoffentlich recht vielen Wünsche sein.
Alte Armee:
Die ehemaligen 116er in Gießen hatten als Präsentiermarsch „König Friedrich Wilhelm HL", als Parademarsch den „Alexander-Marsch" von Leonhardt. Die Tradition wurde von der 2. Komp, des JR. in Gießen bewahrt.
Die ehemaligen 168er in Butzbach spielten als Präsentiermarsch „König Friedrich Wilhelm III." und als Parademarsch „Der Königgrätzer". Traditionsbewahrer war die 11. Komp, des JR. 15 in Kassel.
Das ehemalige 1. Kurhessische Jäger-Bataillon Nr. 11 in Marburg spielte den gleichen Präsentiermarsch, als Parademarsch den Marsch „Der Jäger aus Kurpfalz" von Rode, der über die 16. Komp, des JR. 15 in Marburg wieder an das neue JR. 15 in Kassel zurückgelangt ist.
Reichswehr:
In der Reichswehr war dem I. Bataillon des JR. 15 in Gießen als Präsentiermarsch der hessische Fahnenmarsch" und als Parademarsch der „Marsch des Großherzoglich Hessischen Leibgarde-Regiments" verliehen worden, dem II. Batl. in Eisenach als Präsentiermarsch „König Friedrich Wilhelm III." und als Parademarsch „Fridericus Rex", dem III. Batl. in Kassel der gleiche Präsentiermarsch und als Parademarsch der schon erwähnte „Jäger aus Kurpfalz" von Rode.
Das Ausbildungs-Batl. JR. 15 in Marburg hatte als Präsentiermarsch den hessischen Fcchnen- marsch" und als Parademarsch den „Marsch des hessischen Kreisregiments Landgraf".
Das Artl.-Regt. 5 in Fulda präsentierte nach dem „Marsch des Garde-Kürassier-Regts." und paradierte im Schritt nach dem „Altpreuhischen Parademarsch", im Trab nach dem „Pariser Einzugsmarsch" und im Galopp nach Melodien aus der Oper „Das Nachtlager zu Granada" von Kreutzer.
Neue Wehrmacht:
In der neuen Wehrmacht sind den Truppenteilen im Wehrkreis IX bisher folgende Regiments-Märsche verliehen worden: im Bereich der 9. Division: dem JR. 57 in Siegen der „Helenen-Marsch" von ßübbert, dem JR. 116 in Gießen der „Alexander- marsch" von Leonhardt, dem Pionier^Batl. 9 m Hanau der „Marsch der hannoverschen Pioniere" und dem Art.-Regt. 45 in Fritzlar der „Marsch aus Petersburg", im Schritt der „Kavalleriemarsch", im Trab die „Amboß-Polka" von Parlow und im Galopp den Marsch aus „Das Nachtlager von Granada".
Die Reihe der den Truppenteilen verliehenen Regiments-Märsche ist noch nicht vollständig. Hin- gewiesen fei aber noch auf zwei neue Militärmärsche, die häufiger gespielt werden sollten: auf Anregung des Oberpräsidenten Prinz Philipp von Hessen hat Fritz Dietrich in dem „Der alte Hessenmarsch" ein wertvolles Stück alter hessischer Militär- musik wieder zum Klingen gebracht, und einen zweiten Marsch, „Der Rothwester Marsch", hat der gleiche Komponist dem Fliegerhorst der Luftwaffe bei Kassel gewidmet.
Wir hoffen, damit unseren Lesern einen „Tip" gegeben zu haben. Wünsche und Anschrift sind auf dem Zahltartenabschnitt anzugeben, mit dem eine Spende für das WHW. an das Generalkommando IX. AK., Abt. Ic, Kassel, Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 4820, eingesandt wird. Zahlkarten sind auch bei allen NSD.-Dienststellen zu erhalten. Also: Entschluß, Wunsch, Spende für das WHW!
Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 22. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Ende 21.45 Uhr.
3. Vortrag: herz und Kreislauf".
Am kommenden Sonntag, 6. März, findet tm Physiologischen Institut (Friedrichstraße) mit dem Thema herz und Kreislauf" der dritte der öffentlichen Vorträge über Physiologie statt. Den Vor. trag hält Professor Dr, Bürker.
. tersweg: „Der Tiger von Eschnapur". — Lichtspiel- r. haus, Bahnhofstraße: „Andere Welt". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Kunstausstellung im Turmhaus am Brand.
Flaggenparade
bei der Lustwaffe in Gießen.
Anläßlich des gestrigen „Tages der Luftwaffe" fand auch in den Unterkünften der Luftwaffe des Standorts Gießen eine feierliche Flaggen Parade statt. Der Befehlshaber der Luftwaffe unseres Standortes richtete eine Ansprache an seine Offiziere und Mannschaften, ferner erfolgte ein Vorbeimarsch. Die Feierlichkeit wickelte sich tm Rahmen einer schlichten militärischen Veranstaltung ab.
Gammelt das Altpapier?
NSG. Ungefähr sieben Millionen Zentner Zei- tungspapier gehen in DeutschlarÄ im Jahre verloren. Don den 9 Millionen Zentnern Zetungs- papier, die jährlich bedruckt roeroen, wandern also nur ungefähr 2 Millionen Zentner in die Papierfabriken zurück. Auf diesem Gebiet sind sogar die Amerikaner sparsamer, bei denen über die Hälfte des hergestellten Papiers wieder in dis Fabriken gelangt. Wir müssen deshalb alle mithelfen, daß das Altpapier durch die Altstoffsammlung in die Papieraufbereitungsfabriken zurückgeführt wird. Es werden dann sehr große Werte der Volkswirtschaft erhallen.
Man muß sich nur einmal vor Augen führen, um welche riesigen Mengen von Papier es sich handelt, die — gesammelt — der Volkswirtschaft erhalten bleiben können. Nehmen wir an, daß in allen 17 Millionen Haushaltungen nur eine Zeitung gelesen wird. Im Durchschnitt wiegt eine Zeitung etwa 50 Gramm. Das sind je Haushalt 15 Kilogramm Altpapier oder insgesamt 5 100 000 Zentner Zeitungspapier ohne illustrierte Zellschriften, Fachblätter usw. Das Altpapier bildet also den Rohstoff für 35 Millionen Zentner Pappen, Packpapier und tausenderlei Papiererzeugnisse, denen wir vom Aktendeckel bis zur Zigarellenschachtel dauernd begegnen.
Verstopft darum die Oefen nicht mehr dadurch, daß chr Papier verbrennt, fonbern sammelt es, um diese Werte zu erhalten!
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♦♦ 30 Jahre im Dienste der Stadt Gie- ßen. Arn heutigen 2. März kann der bei dem Städtischen Elektrizitätswerk beschäftigte Schalltafelwärter Philipp Sturm auf eine 30jährige ununterbrochene Dienstzeit im Dienste der Stadt Gießen zurückblicken. Der Jubilar trat vor 30 Jahren als Elektromonteur bet dem hiesigen Elektrizitätswerk ein und war dort bis zum Kriege als Be- triebsmonteur tätig. Nach dem Kriege kam Herr Sturm in den Schalltafeldienst und hat hier eine besonders verantwortungsvolle Tätigkeit. Mit großer Gewissenhaftigkeit überwacht er im Maschinenhaus die betriebliche Schallanlage, ferner hat er auch den Maschinenmeister zu vertreten. An seinem Jubiläumstage wurde Herr Sturm im Kreise feiner Arbeitskameraden geehrt und chm im Verlaufe der Feier ein Glückwunschschreiben des Herrn Oberbürgermeisters überreicht.
♦* E i n Neunund siebzigjähriger. Am heutigen Mittwoch, 2. März, kann der Inhaber des Damenfrisiergeschäfts Karnbach (Kaplansgasse 29), Wilhelm Karnbach, in geistiger und körperlicher Frische seinen 7 9. Geburtstag feiern. Unfern Glückwunsch!
** Mieterjubiläum. Die Familie Wilhelm Rentmeister wohnte mit dem gestrigen 1.März seit 30 Jahren im Hause des Bauinspektors i. R. Philippi, Großer Steinweg 14. Das Einvernehmen zwischen dem Hausbesitzer und den Mietern — einer kinderreichen Familie, in der 10 Kinder großgeworden sind — war immer das denkbar beste.
** M i t Gasvergiftung in die Klinik. Der beim hiesigen Gaswerk beschäftigte Arbeiter Hugo Weller aus Klein-Linden mußte am Montag durch die Freiwillige Sanitätskolonne vorn Deutschen Roten Kreuz in die Medizinische Klinik gebracht werden. Weller hatte eine Gasvergiftung erlitten. Durch Sofortige Gegenmaßnahmen konnte die Lebensgefahr beseitigt werden.
** Der Brandversicherungsbeitrag in Hessen für das Jahr 1937. Wie die Hessische Brandversicherungskammer bekannt gibt, ist zur Deckung der Ausgaben der Hessischen Ge- bäudebrandversicherungsanstalt für das Jahr 1937 mit Genehmigung des Reichsstatthalttrs in Hesien — Landesregierung — auf je 100 Mark Umlage- kapital ein Bettag von 3V2 Pf. auszuschlagen und in einem Ziel, fällig am 15. März 1938, zu erheben. Als Mindestbeitrag für eine Hofreite sind 1,50 Mk. zu zahlen.
Die Mädchen aus der Burgflraße.
Roman von Hilde R. Lest.
30 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
,Lch fürchte um meinen Sohn", sagte die Ju- stizrätin mit abwesendem Blick, „er ist flatterhaft.."
„Sie irren. Er hat sich niemals um Lisbeth bemüht. Er hat in Wahrheit immer nur Ursel geliebt. Und Lisbeth kam nur zu Ihnen, wie ich jetzt zu Ihnen komme, um Mutter und Sohn zusammen- zuführen."
„Und weshalb ist Ursel nie zu mir gekommen?"
„Lisbeth und ich — wir haben hier nur eine mütterliche Freundin zu gewinnen. Ursel aber hat einen Geliebten zu verlieren."
„Ich weiß", sagte die alte Frau bitter, „weil ich diese Welt nicht immer verstehen kann, hält man mich für einen alten Drachen, und wenn ihr zu mir kommt, fühlt ihr euch als Tierbändiger."
„Es ist wahr, alle haben vor Ihnen Angst gehabt, aber ich weiß aus eigener bitterer Erfahrung, wie schnell man verkannt wird, und darf mich freuen, meine Vermutung bestätigt zu finden. Es ist nicht schwer, den Weg zu Ihrem Mullerherzen zu finden, man muß nur den geraden Weg gehen." *
„Ich danke Ihnen, mein Kind. Sie können jetzt ruhig nach Hause gehen in der Gewißheit, daß der alte Drache kein Unheil anrichtet. Ich werde Ursel aufnehmen, wie nur je eine Mutter ihre Tochter aufnimmt. Ich werde mir gar nicht anmerken lassen, daß ich je an eine andere gedacht habe, als an Ursel. Ist es so recht?"
Carla küßte die alten Hände, die sich ihr entgegenstreckten.
Beim Mittagstisch der Mutter Lenz fanden sich die Einladungen der Justizrätin zu einer kleinen Familienfeier unter den Servietten der Betroffenen. Ursel öffnete den Umschlag und stieß einen Freudenschrei aus. Da stand auf der Einladungs
karte von der Handschrift der Justizrätin: „Wir reuen uns sehr, unsere Tochter in die Arme schlieren zu können!" Ursel sah etwas unsicher zu Lisbeth hinüber. Hatte sie etwa die gleiche Karte bekommen? Ging das richtig zu?
Der Familie Lenz fielen beinahe hörbar die Steine vom Herzen. „Sie find ein Allerweltskerl, Herr Viereck", sagte Mutter Lenz, „wie haben Sie das nur zuwege gebracht?"
Viereck bekam einen roten Kopf, er wußte nur zu gut, daß er dieses Lob als letzter verdiente. Er wollte irgend etwas erwidern, da sah er ein spöttisches Lächeln um Carlas Mundwinkel zucken. Er schwieg. Ein allgemeines „Sie auch?" machte die Runde von Carla zu Viereck, von Viereck zu Professor Mollwitz, von Mollwitz zu Lisbeth. „Machers", sagte Lisbeth, „sind auch eingeladen, und wie ich horte, sollen auch Professor Hauschild und Herr Stelling kommen."
Carla hob in bester Laune chr Glas. „Es lebe die Kumpanei Mansfelo—Lenz—Macher!" Und indem sie Viereck einen Blick zuwarf, fügte sie hinzu „und Co ..."
*
„Ja, zum Donnerwetter, Mensch!" polterte Hauschild, „verstehen Sie denn überhaupt etwas von Dampfkesseln?"
„Ich weiß", sagte Viereck, ,Haß man unten Feuer macht, damit oben Dampf herauskommt ..."
„Da haben wir's!" Hauschild sah sich triumphierend im Kreise um. „Sie, Herr Macher, mit ihrem genialen Kopf, Sie, mein lieber Stelling, mit Ihrer tiefschürfenden Genauigkeit, Sie, Frau Macher, mit Ihrem gesunden Phlegma, Sie Fräulein Lisbeth, mit Ihrem Arbeitseifer, und ich alter Eiel mit meiner professoralen Würde, wir haben alle versagt. Da kommt so einer her, der einfach Augen im Kops hat, der fein Gehirnschmalz ein bißchen beieinander hat, und schmeißt den ganzen Laden in wenigen Tagen. Bravo, mein lieber Viereck, die Sache geht in Ordnung!"
„Wenn Macher fein Modell zu Ende gebaut hat", fuhr Hauschild fort, „werden wir es einer hohen Kommission vorführen und Leistungsversuche anstel- len lassen. Und bann wird sich bestimmt eine große Firma finden, die mit Ihnen einen Vertrag ab- schließt. Und dann haben Sie ja wohl ausgesorgt.
Denn so ein Vertrag ernährt auch zwei Familien — nicht nur mit Pellkartoffeln. Vorausgesetzt, daß die beiden Familien in Kompanie bleiben."
„Ncsürlich bleiben wir das", sagte Macher, ,chie Firma heißt ab morgen Macher und Viereck, und wenn Justizratens mit von der Partie sein wollen, heißt sie Macher, Viereck & Co."
„Man könnte sie auch .Verschwägerte Dampf- kesselfabrik' nennen", lachte Hauschild, „nee, Kinder, in was für einen Familienroman sind wir da hineingeraten! Na, nichts für ungut, morgen gibt's wenigstens eine pfundige Verlobungs- und Firmen- griinbungsfeier
„Darüber wollte ich noch mit Ihnen reden", sagte Viereck.
„Was, sinb Sie noch nicht zufrieden? Haben uns da das hübscheste Mädel weggeangell, den Dampfkessel gerettet und wälzen immer noch Pläne im Kopf?"
„Da sich in unserem Kreis alles so zum Guten gewandt hat, ist es vielleicht unsere Pflicht, weiter dafür zu sorgen, daß es in dieser Harmonie keinen Mißton gibt."
„Mensch, Sie reden wie'n Pastor!" rief Hauschild. „Ist ja alles schon bewilligt. Wir tun ja alle mit! Wen wollen Sie mit wem verloben?"
„Niemand mit niemandem. Das Gegenteil will ich. Sie sollen alle mithelfen, daß eine Verlobung nicht zustande kommt."
„Was sagen Sie dazu, Stelling! Der Mann hat gut reden!"
„Es handelt sich um Lisbeths Schwester, um Fräulein Carla", fuhr Viereck unbeirrt fort, „sie macht ihrer Mutter und ihren Schwestern schwere Sorgen. Wir haben allen Grund, anzunehmen, daß sie den heftigen Werbungen eines gewissen Protts- sors Mollwitz nachgeben wird. Nicht, weil sie ihn liebt, sondern aus einer Verärgerung heraus, aus aekränktem Stolz. Lisbeth und ich haben unsere Verlobung geheimgehalten, weil wir sürchen, diese neuerliche Enttäuschung könnte Carla zu einer Unbesonnenheit verleiten. Ich habe deshalb die Frau Justizrat gebeten, morgen auf ihrem Fest auch unsere Verlobung zu verk"-nben. Vor diesem „Forum der Oessentlichkeit" wirb Carla wahrscheinlich keine Dummheiten machen. Aber wir hätten damit nur Zett gewonnen. Und deshalb wollte ich Sie alle bit
ten, dabei mitzuhelfen, daß dieser Professor Mollwitz morgen vor aller Welt ins rechte Licht gerückt wird, damtt Carla die Lust vergeht, sich mtt chm aus purem Trotz zu verloben."
,Lennen Sie denn Carla so genau?" wandte Stelling ein. „Wissen Sie denn wirklich, daß ein Mädchen, welches Sie selbst als stolz schildern, sich nur aus Trotz einem unsympathischen Kerl an den Hals werfen könnte?"
Diese Frage war in einem recht scharfen Ton gehalten, und Hauschild beeilte, sich, die Situation zu retten. „Sagen Sie, lieber Herr Viereck, wie Sie den Mollwitz angepackt sehen wollen. Wir können ihn doch schließlich nicht verprügeln."
„Wir können es gewissermaßen doch", sagte Viereck, „den ich habe mir die Mühe genommen, Auskünfte über Herrn Mollwitz einzuziehen, und bas Ergebnis müßte ihn vor ben Augen Carlas unmöglich machen. Dieser sogenannte Professor ist nämlich nichts anberes als ein gerissener Hänbler, der unter bem wissenschaftlichen Mäntelchen umherreist, alte Kunstschätze in verborgenen Winkeln auf- stöbert und biete bann durch feine Agenten zu lächerlichen Preisen aufkaufen läßt. Er ist gerade jetzt damit beschäftigt, auf solche Art die Ergebnisse der Reise auszuwerten, die Fräulein Carla und ich mit ihm leider unternommen haben. Ich denke, wenn mir diese Tatsachen morgen Vorbringen, wobei einer bem anderen das Stichwort gibt, wenn wir uns recht geschickt und schlagfertig anstellen..."
„Schön", sagte Hauschilb, „bas hat Hand und Fuß, und ich bin mit von der Partie, es fragt sich nur, müssen mir so die Stimmung dieses Abends verderben?"
„Wissen Sie einen anderen Ausweg?" wollte Viereck wissen.
„Mein lieber, junger Freund", dozierte der Professor, „Sie sind ein überaus gewandter Puppenspieler, Sie find mit allen Wassern gewaschen, und ich möchte Sie nicht zum Gegner haben. Es gibt aber Situationen im Leben, die man weniger mit bem Verstand als mit dem Herzen meistern sollte, ganz einfach mit dem Herzen. Hab' ich recht, Stelling?"
Stelling antwortete nicht, und es mar auch nicht einzusehen, was er hätte antworten sollen...
(Fortsetzung folgt)


