Ausgabe 
2.3.1938
 
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Nr.5I Zweites Blati

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 2. März 1938

Aus dem Reiche der Krau.

Das Pflichtsahr und die Väuerin.

Die Verordnung über die Einführung d e s weiblichen Pflichtjahrs in der Land- und Hauswirtschaft wird wohl besonders von der Bäuerin begrüßt werden, die darin eine Maßnahme sieht, die chr Entlastung bringt Seit Jahren ver­stummen die Klagen nicht, daß die Bauernfrau weit über ihre Kräfte beansprucht ist. Die Größe und Vielseitigkeit der Aufgaben, die durch die Er- zeuaungsschlacht dem Bauernhof zugewiesen sind, verlangt eine intensive Mitarbeit der Bäuerin, durch die sie aber dem hausmütterlichen Wirkungs­kreis noch -nennen wird, als es sonst schon der Fall ist. Hier mußte^s?^-»^ nicht nur zum Schutze der Bäuerin, sondern auch ihrer Familie, zu einem Ausgleich kommen, her chr die Hilfs­kräfte sichert, deren sie dringend bedarf, sollen nicht sowohl Arbeitsleistung wie Hauswirtschaft, Kinder­pflege und die Gesundheit der Frau auf die Dauer aufs schwerste leiden.

Man hat errechnet, daß von den 8760 Stunden des Jahres die bäuerliche Frau durchschnittlich 3750 arbeitet, was einer Tagesleistung von 14 bis 18 Stunden entspricht. Dor Bäuerin obliegt ja nicht allein die Mitarbeit in Hof und Stall, in Klein­vieh- und Milchwirtschaft, auf ihren Schultern liegt ja auch die Versorgung des Haushalts, die Be­treuung der Kinder, die Pflege der alten und kranken Familienmitglieder. Auf dem Lande selbst sind die weiblichen Hilfskräfte nicht in genügender Zahl vorhanden, so daß auch die Bäuerin, die eine Hilfe einzustellen vermöchte, sie nicht bekommen kann. Nach den Feststellungen des Statistischen Amtes fehlen in den ländlichen Gemeinden im ganzen Reich 333 000 Frauen im Alter von I6V2 bis 33V2 Jahren, also gerade die Altersstufen, die für den Einsatz in der bäuerlichen Wirtschaft be­sonders geeignet sind, während die Städte Frauen­überschuß verzeichnen.

Der Einsatz der Arbeitsmaiden und der L a n d h i l f e zur Hilfeleistung in Bauernfamilien, soweit er bisher möglich mar, hat gezeigt, wie wich­tig und notwendig sie war. Die Errichtung von Erntekindergärten und ihre Betreuung durch diese jugendlichen Helferinnen hat sich segensreich aus­gewirkt, nicht zuletzt für die Gesundheit der Land­kinder, die sonst während der Erntezeit sich meist völlig selbst überlassen bleiben. Der sonst übliche Ausweg, die schulfreie Jugend den Alten des Dorfes anzuvertrauen, hat auch feine Nachteile. Es kommt ja nicht nur darauf an, daß das Kleinkind körperlich betreut wird was natürlich von den Dorfalten auch nicht immer im Sinne richtiger Gesundheits­pflege geschieht, es bedarf ja auch der geistig- seelischen Führung, die gerade im Frühalter von lebenentscheidender Bedeutung ist.

Aber auch die Bauernfrau bedarf nicht nur aus körperlichen Gründen der Erleichterung durch eine Zugreifende junge Hilfe, auch aus seelischen Grün­den bedarf sie ihrer. Sie soll auch einmal auf­atmen können, soll am Sonntag wenigstens zu einer Ruhestunde kommen, soll teilhaben können an den Bestrebungen zur Erweckung alter bäuer­licher Kultur sie soll auch Mensch sein dürfen, statt sich als Arbeitstier Jahr um Jahr abzurackern.

Natürlich werden nur die jungen arbeitsdienst- pflichtigen Mädchen eine wirkliche Hilfe sein, die sich in das Leben des ländlichen Haushalts einzu­leben bereit sind; aber hier wird wohl auch die ' richtige Auslese vorgenommen werden. Die Erfahrungen, die bisher mit dem freiwilligen Ar­beitsdienst gemacht worden sind, sprechen für die innere Bereitschaft unserer jungen, weiblichen Jugend, sich an den Platz stellen zu lassen und ihn nach besten Kräften auszufüllen, an dem sie am dringendsten gebraucht werden. D. S.

Schadenverhittlmg - zu Hause.

Kluge und gewissenhafte Leute haben ausgerech­net, daß die Unfälle zuhause ungefähr der Zahl und dem Werte nach den Betriebs- und Verkehrs­unfällen gleichkommen. Zum allergrößten Teil tra­gen auch da Leichtsinn und Fahrlässigkeit die Hauptschuld. Solche Fahrlässigkeit trifft aber nicht nur den, der sie begeht. Meist entsteht ein Schaden für d i e Gemeinschaft. Lei den Brand- fällen wird das jedem deutlich. 22,5 v. H. aller Brandfälle z. B. sind auf Fahrlässigkeit im Um­gang mit Licht oder Feuer zurückzuführen. So hat es feine zwingenden Gründe, wenn die ,,Reichs­arbeitsgemeinschaft Schadenverhütung" mit allem Nachdruck auf die Gefahren aufmerksam macht, die mit schlechten Feuerstätten oder mit einem leicht­sinnigen Verhalten der Menschen ihnen gegenüber verbunden sind.

Wenn z. B. ein Ofen qualmt oder nicht zieht, wie sich das gehört, dann ist er vielleicht schon zu alt geworden ober das Rohr schadhaft oder der Schorn­stein ist verschmutzt. Dann muß ein Fachmann her­bei, damit größere Schäden verhütet werden kön­nen. Eigentlich ist ein Zimmerofen nicht dazu da, daß an ihm Kleider und Wäsche getrocknet werden. Geschieht es aber doch, so sei vernünftig und hänge sie weit genug von ihm ab, damit sie nicht Feuer fangen können! Trage die glühenden Briketts aus einem Ofen nie in einen andern, um das Feuer­anmachen zu sparen! Das hat schon oft genug zum Brandunglück geführt. Es ist auch für die Bri­ketts nicht gut Sie brennen viel schlechter an, als wenn das Feuer frisch angemacht wird.

Bedenke immer daß die Schadenverhütung innerhalb deiner vier Wände nicht nur eine Pri 0 atsache, sondern eine volkswirt­schaftliche Aufgabe ist. Ueberlege einmal dies: Altpapier und Holz sind sehr wichtige Alt- und Rohstoffe. Sie können zu besseren Zwecken verwendet werden als zum Feueranmachen. Man soll damit sehr sparsam umgehen! Glaube auch nicht, daß du deine Briketts erst in ein Papier ein­wickeln mußt, damit sie des Nachts besser ihre Glut bewahren. Sie sind schon so gut hergestellt, daß sie ruhig und langsam verbrennen, wenn man das will und der Ofen in Ordnung und entsprechend eingestellt ist. Sei nicht übertrieben leichtgläubig und nimm nicht alles für bare Münze, was ge­rüchtweise verlautet.

Denn wer falsche Gerüchte rechtzeitig tvlschlägt, treibt auch Schadenverhütung. Man weiß, daß im Rahmen des Aufbauwerkes der Regierung die deutsche Braunkohle zu einer Reihe neuer und wertvoller Aufgaben herangezogen wurde. Man gewinnt aus ihr wichtige Roh- und Werkstoffe,

z. B. Benzin, Buna u. a. Nun wurde das Gerücht verbreitet, diese chemischeVeredelung" der Braun­kohle wirke sich für die Herstellung der Briketts für den Hausbrand ungünstig aus. Sie würden da­durch schlechter und teurer. Und das sei doch sehr bedenklich, denn gerade das Braunkohlenbrikett sei doch nun einmal der weitverbreitetste Brennstoff in den deutschen Haushaltungen. Nun erkennt jeder aus der Tatsache, daß nur etwa 6 0. H. der ge­förderten Braunkohle zu chemischen Zwecken ver­

wendet wird, und daß diese chemische Verarbeitung rein fabrikatorisch mit der Gewinnung von Bri­ketts gar nichts zu tun hat, wie sinnlos und s ch a d e n st i f t e n d ein solches Gerücht ist. Braun­kohle in der Form des Briketts ist nach wie vor in erster Linie ein veredelter Brennstoff, der trotz aller Inanspruchnahme des Rohstoffs Braunkohle für neuartige Zwecke uns auf Jahrhunderte in Hülle und Fülle zur Verfügung steht.r.

as sollen wir tragen ?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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Für bas Frühjahr 1 938 zeigen wir heute ein elegantes Wollkleid, das durch ein Bolerojäck­chen und eine Schoßjacke für verschiedene Gelegen­heiten ergänzt werden kann.

Das Material des Kleides ist resedagrüne Angorawolle. Sein Reiz liegt in den g e - z 0 ge^nen Partien und vor allem in der durch sie bedingten Schrägverarbeitung des Stof­fes. Das Kleid wird seitlich in der Taille durch kleine, mit Stoff bespannte Knöpfe geschlossen. Ebensolche Knöpfe schließen auch den Halsausschnitt im Rücken.

Das Bolerojäckchen (Nr. 1) mit dem schma­len Schalkragen aus dem Kleidmaterial hat in der Schulter gezogene Raglanärmel. Es ist, wie die Jacke (Nr. 3) mit grüner Seide gefüttert.

Die Jacke rechts ist ebenfalls aus dem Material des Kleides, sie hat auch am Halse und in der Taille gezogene Partien, die durch je drei Knöpfe gegeneinander gehalten werden. In der Schnittlinie des nachangesetzten Schoßes sind zwei Taschen ein­gearbeitet. H.

Zellwollstoffe sind gut zu tragen.

Das Deutsche Frauenwerk, Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft, Gaustelle Hessen- Nassau, Frankfurt a. M., schreibt:

Leider ist noch ganz allgemein bei den Frauen die Ansicht verbreitet, daß die mit Zellwolle gemischten Gewebe nicht als vollwertig anzuschen seien und alle möglichen schlechten Eigenschaften hätten. Man geht mit Unluft an den Kauf und die Verarbeitung ahne dabei zu bedenken, daß ganz dieselben Vorurteile vor noch nicht gar zu langer Zeit gegen die heute gar nicht zu ent­behrende und aus unserer modernen Bekleidung nicht mehr fortzudenkende Kunstseide erhoben wor­den sind. Es wird heute keine Frau mehr geben, die einen Kunstseidenstoff als minderwertig zurück­weist. Nur wenige aber sind bereit, vorurteilslos unsere neuen Zellwollstoffe zu prüfen.

Es ist einwandfrei festgestellt worden, daß fast alle Vorwürfe, die man gegen die Zellwollgewebe erhebt, des Grundes entbehren. Zellwollmischgewebe sind nicht in dem Maße r e g e n e m p fi n d l i ch, wie gemeinhin angenommen wird. Vor der Ver­arbeitung genügt eine kleine Waschprobe, um ein­wandfrei sestzustellen, ob der Stoff einlaufen wird oder nicht. Diese Probe muß man aber auch mit vielen seit langem eingeführten und beliebten Stoffen machen. _ , .

Der zweite schwerwiegende Vorwurf, den man den Zellwollgeweben macht, ist ganz und gar gegenstandslos. Zellwollstoffe knittern nicht. Sitz- und Biegefalten hängen sich in sehr kurzer Zeit tadellos aus. Eingebügelte Falten dagegen halten ebenso gut wie in rein wollenen Geweben.

In der Verarbeitung sind die meisten Zellwoll­stoffe sehr angenehm. Im Tragen haben sie auch eine ganze Anzahl von Vorteilen gegenüber den reinwollenen und baumwollenen Stoffen. Sie scheuern sich weniger ab als reinwollene Stoffe, sind aber dabei luftdurchlässiger, fast unverwüstlich und im Winter angenehm wärmend.

Was für die Mischgewebe gesagt wird, gilt auch für die reinen Zellwollstoffe, die vorläufig erst in sehr geringer Anzahl hergestellt werden. Sie sind nachweislich völlig unempfindlich gegen Feuchtigkeit, dabei gut waschbar. Allerdings sind sie heute noch etwas schwerer als die üblichen Wollstoffe, wirken aber wie leichte und mittelschwere Sport­stoffe Für Sportkostüme eignen sie sich ganz vorzügllch. Es ist zu hoffen, daß sich die wirklich

guten Zellstoffmischgewebe ebenso wie die reinen Zellwollstoffe recht bald auch bei unseren deutschen Frauen einen treuen Stamm von Anhängerinnen gewinnen.

Die gute Morgensuppe.

UnterFrühstück" können sich viele Menschen nichts anderes vorstellen als Kaffee, Kakao aber Tee, dazu Weißbrötchen mit Butter, Marmelade oder Honig usw. Ihnen ist überhaupt nicht mehr bewußt, daß noch unsere Großmütter diese erste Mahlzeit ganz anders, nämlich in Form einer Morgensuppe, gekannt haben. Der wachsende Wohlstand und eine überfeinerte, mehr ober mim ber naturfremde Geschmacksrichtung haben sie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts allmählich verdrängt. Im fortschrittlichen Nord­amerika dagegen sowie in England und in den nördlichen Ländern hat sie sich erhalten, und zwar in Form desPorridge" und ähnlicher kräftiger Hafergerichte. Die MüUer der dortigen Schuljugend wissen damit ihre Kinder gut, billig und auch be­quem verpflegt.

In seinerSchriftenreihe für die praktische Haus­frau" hat bereits der Reichsausschuß für volkswirt­schaftliche Aufklärung (Berlin W 9) ein besonderes Heft überFrühstück und Zwischenmcchlzeiten" ver­öffentlicht. Neuerdings wird nun auch in Deutschland einePorridge"-ähnliche Morgensuppe in Form eines Dauererzeugnisses hergestellt, das aus rei­nem Hafer und aus Trockenmilch zusam­mengesetzt ist, also aus Nährstoffen, die wir in Deutschland reichlich haben. Das Rezept dazu stammt aus Dänemark, dem Land der erstklassigen Lebensrnittel. Dieses Nährmittel stellt wegen seiner wertvollen Eiweißstoffe ein wirklich gesundes und zweckmäßiges Lebensrnittel dar. Es ist nicht etwa ein Ersatzprodukt, sondern ein vollwertiges und na­turreines Dauererzeugnis, das eine billige Morgen- unb Abendsuppe für Schulkinder, für Gei - ftes= unb Schwerarbeiter, für Kranke unb Mütter kurz für alle jene barstellt, die eine kräftige und dabei doch leicht verdauliche Er­nährung brauchen. Hafer unb Milch finb in diesem kleinen Würfel zu einem unbegrenzt haltbaren Nährmittel zusammengefügt, das der Hausfrau die Möglichkeit gibt, in kürzester Zeit eine vollwertige unb gefunbe Suppe ober einen nahrhaften Hafer­brei herzustellen. Erna Horn.

Die Ernährung im März.

13nn Dr Wol'aana 6, auf?

Bei ber Eröffnung ber Internationalen Auto» Mobilausstellung 1938 hat ber Führer u. a. einen für unsere Volkswirtschaft sehr wichtigen Grunbsatz aufgestellt. Er sagte: Je mehr bas Volks­einkommen anwächst, um so wichtiger ist es, bis zusätzliche Kaufkraft auf für uns wirtschaftlich trag­bare Gebiete hinzudirigieren bzw. auf Objekte zu wenden, die wir selbst zu erzeugen in der Lage sind. Wenn das ganze deutsche Volk fein Einkommen nur veressen wollte, würden wir dies mangels an genügendem eigenem Grund und Boden nicht sicher­zustellen in der Lage fein." Der Führer hat damit erneut für den Verbraucher die Verpflichtung her­ausgestellt, nicht gedankenlos zu handeln, sondern vielmehr seine Kaufkraft in erster Linie auf die Güter zu verwenden, die in Deutschland ausrei­chend zur Verfügung stehen. Ganz besonders gilt diese Verpflichtung für das Gebiet unserer Ernäh­rung. Hier kommt es nach wie vor nicht nur, wie die Worte des Führers erkennen lassen, darauf an, jeden unnötigen Verbrauch z" ver­meiden ein besonders unnötiger Verbraucher ist der Verderb es ist vielmehr auch notwendig, sich den jahreszeitlichen Schwankungen unserer Ver­sorgung, die im wesentlichen durch Klima und Boden bedingt sind, anzupassen. Gewiß kann an­erkannt werden, daß das deutsche Volk in dieser Richtung in den letzten Jahren ein immer mehr wachsendes Verständnis aufgebracht hat. Die Worte des Führers bei der Eröffnung der 21utoausftel» lung sollten jedoch allen Verbrauchern eine neue Mahnung fein, noch mehr als bisher den volkswirt­schaftlichen Erfordernissen entsprechend zu handeln. Aus dem Gebiet der Dolksernährung kann dies gegenwärtig mit um so größerem Nachdruck ge­fordert werden, als die Ernährungslage im allge­meinen als so reichlich betrachtet werden kann, daß, abgesehen von einigen vielleicht unbequemen Umstellungen, doch keinerlei nennenswerte Opfer gefordert werden müssen. So ist es zwar erforder­lich, daß der Verbrauch von Schweinefleisch in den nächsten Wochen auch weiterhin vermin­dert bleibt Demgegenüber steht jedoch anderes Fleisch reichlich zur Verfügung. Es ist erwünscht, um Schweinefleisch zu sparen, daß im März Rind­fleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch bevorzugt verbraucht werden. Diese Verbrauchsverlagerung von Schweinefleisch auf die anderen Fleischarten wird ermöglicht durch die Erhöhung der Bestände an Rindern und Schafen im Zuge der Erzeugungs­schlacht Die nunmehr vorliegende Zählung unserer Viehbestände vom 3. Dezember 1937 hat ergeben, daß unser Rindviehbestand gegenwärtig um rund 380 000 Stück großer ist als zur gleichen Zeit des vergangenen Jahres und um fast zwei Millionen Stück größer als am 1. Dezember 1913. Der Schaf­bestand hat sich gegenüber dem Vorjahr um 343 000 Stück oder 7.9 v. H. erhöht. Wenn hier erklärt wird, daß Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch im März des Jahres stärker verbraucht werden kön­nen bzw. Zöllen, so soll damit keineswegs einer Erhöhung des Fleischverzehrs an sich das Wort geredet werden. Volkswirtschaftlich erwünscht ist vielmehr nach wie vor bei etwa qleichbleibcndem Fleischverzehr den steigenden Eiweißbedarf in erster Linie durch eine Steigerung desFisch - Verbrauchs zu befriedigen. Auch an Fischen ist im März die Auswahl voraussichtlich reich. Be­sonders zu bevorzugen find in diesem Monat die Salzheringe, Seelachs, Kabeljau und Rotbarsch. Als nahrhafte Eiweißspender können ferner nach wie vor auch im März der Qu arg, die Butter­milch, die verschiedenen E i w e i ß k ä s e (Harzer, Mainzer, Blauschimmelkäse) und Limburger, sowie das Trockenmilchpulver für einen verstärkten Ver­brauch empfohlen werden. Diese Auswahl an reich­lich vorhandenen, eiweißhaltigen Nahrungsmitteln wird es der Verbraucherschaft auch ohne Schwie­rigkeiten ermöglichen, dem volkswirtschaftlichen Er­fordernis zu entsprechen, mit dem Verbrauch von Eiern sparsam umzugehen. Hier fehlen vor allem infolge des ostasiatischen Konfliktes große Mengen an chinesischem Trockenei, die früher in starkem Umfange von der Lebensmittelindustrie ver­arbeitet wurden. Der weiteren Forderung, den Verbrauch an Weizenbrot und sonstigem Weizengebäck zu vermindern, die durch die Kargheit des deutschen Bodens und die Notwendig­keit, die Weizeneinfuhr möglichst gering ,zu halten, bedingt ist, kann die Verbraucherschaft ebenfalls in» sofern ohne weiteres entsprechen, als andere stärke­haltige Nahrungsmittel reichlich zur Verfügung stehen. Ein verstärkter Verbrauch bzw. eine beson­dere Bevorzugung ist im März bei folgenden Nahrungsmitteln erwünscht: Kartoffeln, Ha­ferflocken, Sago, Graupen, Kartoffelstärkemehl, deutsches Puddingmehl. Aus diesen Erzeugnissen lassen sich nicht nur vorzügliche warme Speisen Herstellen, die bei den verschiedensten Mahlze'ten das Weizenbrot ersetzen können, in vielen Fällen wird sogar das Kartoffelstärkemehl bzw. das deutsche Puddingmehl direkt an die Stelle des bis­her verwandten Weizenmehls treten können. Die Auswahl an Gemüse ist gegenwärtig der Jah­reszeit entsprechend selbstverständlich nicht besonders groß. Für einen bevorzugten Verbrauch sind nur noch Weißkohl und Kohlrüben zu empfehlen. Bei den übrigen Wintergemüsen, insbesondere Wirsing­kohl und Karotten, ist infolge Abnahme der Vor­räte nur noch ein gleichbleibender Verbrauch mög­lich.. Aehnlich ist die Lage auch beim O b ft. Für einen gleichbleibenden Verbrauch stehen die Aevsel zur Verfügung. Eine Verstärkung des Verzehrs ist jedoch auch weiterhin bei dem zu Marmelade verarbeiteten Obst erwünscht. Die Entwicklung der letzten Jahre, durch Verstärkung des Marmelade- Verzehrs Fett zu sparen, muß fortgesetzt werden. Denn bei Butter, Schmalz, Speck, Margarine, Speiseölen und sonstigen Fetten ist eine volle Deckung des durch die Kauskrafterhöhung gestiege­nen Bedarfes vorläufig nicht möglich. Es besteht kein Zweifel, daß diese vielleicht unbequemste aller Forderungen, die die Lage unserer Volkswirtschaft auf dem Ernährungsgebiet gegenwärtig an die Ver­braucher stellt, auch weiterhin bei allen Verbrau­chern das notwendige Verständnis finden wird. Cs gilt, sich immer wieder vor Augen zu halten, daß eine volle Deckung der gestiegenen Nachfrage nach Fett einen außerordentlichen Einsatz von Devisen für die Fetteinfuhr erforderlich machen und dadurch die Durchführung nationalpolitisch wichtigerer Auf­gaben unmöglich gemacht werden würde.