Ausgabe 
2.3.1938
 
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Ur. 51 Erstes Matt

188. Zahrgang

Mittwoch. 2. März 1938

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Lieber die Alpen.

Diele tausend Volksgenossen kennen bereits jene Städte, Straßen und Häfen, die Adolf Hitler auf seiner Reise durch das Land des Duce sehen wrrd Unter diesen deutschen Italienfahrern befinden sich nicht nur Kaufleute, Politiker, Wirtschaftsfüh­rer, KünsUer. Hochzeitspaare und sonstige Heute, die durch ihren Beruf durch ihren Bildungshunger oder ihren Schönheitsdurst über die Alpen geführt wurden, sondern es waren auch Männer mit schwie­ligen Fäusten und mageren Börsen dabei, Männer, die noch vor wenigen Jahren nicht daran denken konnten, jemals über die Grenzen ihrer Heimat hinaus einen Blick in die ferne, weite Welt zu tun. Seit Herbst vorigen Jahres tragen die Ur­lauberschiffe vonKraft durchFreuds" in regelmäßigen Fahrten die friedlichen Heerscharen deutsch^ Arbeiter rund um die Küsten der Apenin- Halbinsel und ankern vor jenen Plätzen, wo die steinernen Denkmäler der Weltgeschichte das ewige Lied vom Aufstieg, Niedergang und Wiederaufstieg der Völker, von der fortwirkenden schöpferischen Kraft großer Nationalkulturen singen.

Große Teile des schaffenden deutschen Volkes ha­ben also eine lebendige Anschauung von dem äuße­ren und inneren Ziel der Führerreise. Sie wissen das nicht aus Zeitungen und Büchern, sondern sie haben mit eigenen Augen dieses südliche Land gesehen, sie haben durch kameradschaftlichen Umgang mit den faschistischen Arbeitern, durch die persönliche Berührung mit der andersartigen ita­lienischen Lebensweise und der faschistischen Ideen­welt eine Vorstellung dessen gewonnen, was in der hohen Politik die Achse Berlin Rom heißt. Dadurch unterscheidet sich ja gerade die nationalsozialistische Außenpolitik von früheren Methoden, daß sie nicht nur von dem kleinen Kreis der dazu berufenen Fachleute, sondern von dem gesamten Volke mitgetragen wird. Eine echte Verständigung und Freundschaft zwischen den Völkern zu schaffen, ist wahrlich schwieriger, als die nationalen Leidenschaften der Masse gegen irgend­ein Land aufzuveitschen, dessen Vernichtung in ge­heimen Protokollen und Militäroerträgen beschlossen wurde. Eine solche Politik der künstlich verschärften Gegensätze, wie sie vor allem von der Entente vor und nach dem Weltkriege zu wahrer Meisterschaft entwickelt wurde, lehnt das nationalsozialistische Deutschland ab Es hat den zwar unbequemeren, aber dafür auch dauerhafteren Weg der praktischen Aussöhnung zwischen den Völkern beschritten.

Daß dieser Weg zunächst nach Rom führte, werden alle diejenigen besonders gut begreifen, die sich mit der Geschichte Italiens beschäftigt haben oder die vielleicht aus persönlichem Erleben einen Vergleich zwischen dem alten Italien der Dorkriegs- . zeit und dem neuen Italien Mussolinis zu ziehen vermögen. Hier herrscht Geist oon unserem Geiste, trotz der Verschiedenartigkeit des Volkscharakters und der allgemeinen Lebensbedingungen. Ja, gerade wegen dieser ausgeprägten nationalen Eigenart scheinen beide Völker besonders berufen, sich gegen den marxistischen Materialismus und gegen die bolschewistische Gleichmacherei in eine Front zu stellen. Beide Nationen sind Hüter eines hohen kulturellen Erbes, das in seiner befruchtenden Wechselwirkung erst die Werte und Werke schuf, auf denen seit tausend Jahren das weltbeherrschende Europa ruht. Germanischer Geist und römischer Geist haben sich oft auf das glücklichste ergänzt, sie können auch heute ihre hohe Mission nicht ver­leugnen. In diesem Sinne wird die Begegnung zwischen Führer und Duce wiederum auch eine Begegnung zwischen zwei VoI t em u nd zwei Kulturen fein, die dem Antlitz unseres Erdteils ihre bestimmenden Züge aufpragen.

Die Nachrichten aus Italien zeigen die Span- nung, mit der auch dort das Volk dem Augenblick des Führerbesuchs entgegensieht. Große Vorbe­reitungen werden überall getroffen, fei es nun i n Florenz, der Wiege der italienischen Kunst, sei es in Neapel, dem Glanzpunkt südlicher Land­schaft und urtümlichen Volkslebens sei es im ewigen Rom, wo ganze Straßenzüge zum trium­phalen Empfang Adolf Hitlers umgestaltet und neu geschaffen werden. Es ist bezeichnend daß Adolf Hitler seinen Wohnsitz in jenem Palast auf dem Quirinal nehmen wird, der seit der Einigung Ita­liens keinen fremden Staatsgast mehr beherbergt hat Die Erbauung dieses Schlosses wurde im Auf- frage der Päpste im Jahre 1570 durch Ponzio be­gonnen und dauerte über zwei Jahrhunderte. Der Palast diente bis 1870 als päpstliche Sommer­residenz und wurde spater oom König von Italien bewohnt. Don einigen Stellen des we, lausigen Oe- bäudekomplexes hat man einen herrlichen Rund­blick auf die ewige Stadt, so auch von lenen Räumen, die früher dem Prinzen von Piemont ge- hörten und die nunmehr Adolf Hitler bewohnen soll. Der Quirinal selber ist einer der sieben Huge des alten Rom. Er liegt nordöstlich vom Kapitol und hat viele geschichtliche Erinnerungen aufzu­weisen. Auf ihm befanden sich die Tempel des Quirinus, des Salus, des Serapis, die Hermen des Konstantin und des Diokletian und das Grab­mal des Geschlechtes der Flavier, in dem De^vasian Titus und Domitian bestattet wurden. Wahrend der Kaiserzeit befanden sich hier auch die Dillen der wohlhabenden und vornehmen Romer, die den Platz wegen seiner Höhenlage und seines ange- nehmen Klimas bevorzugten. LverS1

Große italienische Flottenparade vor dem Führer.

Rom, 1. März. (DNB.) Im Zusammenhang mit dem' bevorstehenden Besuch des Führers be» jchäftigt sich die römische Abendpresie vor allem auch mit der vorgesehenen großen Flottenparade

in den Gewässern vor Neapel, die ge­waltiger sein werde als alle vorangegangenen. Erst­mals werde dabei fast die gesamte Flotte mit den beiden großen modernisierten 25 000-Ton- nen-SchlachtschiffenCavour" undGiulio Cesare" sowie über 80-U-Boote teilnehmen. Die tak­tischen Hebungen würden vor den Pontinischen In­seln stattfinden.

Gabriele d'Annunzio f.

Italien trauert um einen großen Dichter und Soldaten. Hom, 1.März. (DNB.) Der bekannte italienische Dichter Gabriele d'Annunzio ist im Alter von 75 Jahren in Gardone am Gardasee, wo er in den letzten 15 Jahren in Zurückgezogenheit gelebt und gearbeitet hat, am Dienstagabend an einem Ge­hirnschlag gestorben. Der Dichter wurde am Dienstag gegen 18 Uhr in seinem Arbeitszimmer von einem Unwohlsein befallen, das schnell vorbei­zugehen schien, so daß er sich wieder an seinen Schreibtisch begab und mit seiner Arbeit fortfahren wollte, kurz nach 20 Uhr trat dann jedoch ein Gehirnschlag ein, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Die Leiche des Dichters ist in der Uni­form eines Generals der Luftwaffe in feiner Villa aufgebahrt worden. Die Nachricht von dem Tode des Dichter-Soldaten hat in ganz Italien allgemeine Trauer hervorgerufen. Mussolini, jden enge persönliche Freundschaft mit dem Dichter

verband, hatte d'Annunzio noch im vergangenen Herbst durch Ernennung zum Präsidenten der kö­niglichen Italienischen Akademie der Wissenschaften als Nachfolger M a rco uis eine besondere Ehrung erwiesen.

Gabriele d'Annunzio (seit 1924 Fürst von Montenevoso) wurde am 12. März 1863 in Franca- villa a Mare (Provinz Pescara) geboren. Sein Ge­burtshaus ist seit 1926 italienisches Staatseigentum. Er besuchte die Universität Rom, lebte aber hier und in Florenz schon früh seinem literarischen Schaffen, das er als 15jähriger mit der Heraus­gabe eines Gedichtbandes begonnen hatte. 1908 übersiedelte er nach Frankreich, von wo er mit Kriegsausbruch 1915 zurückkehrte, um sogleich in die Armee einzutreten.

Schon damals galt d'Annunzio als Nationaldich­ter seines Landes, als die repräsentativste dichte­rische Gestalt des modernen Italien. Sein Stil, von ungemeiner Biegsamkeit und Ausdruckskraft, reichte vom reinen Naturalismus, dem er in Italien zum Durchbruch verhalf, bis zu einem nicht immer leicht zugänglichen Symbolismus. D'Annunzio hat als Lyriker, als Erzähler und vor allem als Drama­tiker bedeutende Schöpfungen hinterlassen, die zu einem großen Teil auch ins Deutsche übersetzt wur­den und in Deutschland nicht ohne Einfluß geblie­ben sind.

D'Annunzios bekannteste Dramen sindDie tr^ Stadt",Francesca da Rimini",Fedra" und Vn Gioconda", die durch die große Kunst der D u : e weltbekannt wurden. Don seiner Lyrik seien Primo oere", dieGesänge",Paradiesische Ge­

dichte" undSaus mortis" genannt; von seinen RomanenLust",Der Unschuldige" und das auch in Deutschland sehr verbreiteteFeuer", in dem d'Annunzio seiner Freundschaft zu Eleonore Düse ein Denkmal setzte. Auf Veranlassung Musso­linis wurde 1928 eine Gesamtausgabe von d'An» nunzios Werken in Angriff genommen, wozu der Dichter selbst die Einleitung und ein über 80 Werke umfassendes Verzeichnis beisteuerte.

D'Annunzio ist auch als Politiker hervor­getreten. 1890 bis 1900 war er Mitglied der Depu­tiertenkammer. Als ein geistiger Führer des italie­nischen Nationalismus trat er 1912 hervor, als er in begeisterten Kriegshymnen die Eroberung Tripo- litaniens durch Italien feierte. Im Welt.nege wurde er Fliegeroffizier, verlor ein Auge, brachte es bis zum Dbe-rften und führte ein Geschwader. Nach dem Krieg, als die Entscheidung des Obersten Rates in Paris über die adriatische Frage nicht den nationalen Wünschen der Italiener zu 'entsprechen drohte, sammelte er, seinem Ideal Garibaldi nacheifernd, eine Freischar um sich, mit der er 1919 Fiume besetzte und dessen Annexion im Namen Italiens verkündete. Weihnachten 1920 gelang es Givlitti, ihn in Fiume auszuheben. D'Annunzio zog sich in die Villa des gerade verstorbenen deut­schen Gelehrten Henry Thode in Gardone am Gar­dasee zurück. 1924 wurde er, nachdem Fiume an Italien gekommen war, in Anerkennung feiner Verdienste Graf von Fiume, Fürst von Monte­roso und 1925 General der Luftflotte. Im Juli 1928 machte ihn die Stadt Venedig zu ihrem Ehren­bürger.

Der Ehrentag der jungen deutschen Luftwaffe.

Eine Ansprache Generalfeldmarschall Görings.Garant des deutschen Friedens."

Vor dem Reichsluftfahrtministerium zogen die Ehrenformationen der Luftwaffe im Parade­marsch an Generalfeldmarschall Göring vorüber. (Scherl-Bilderdienst-M.)

werden, der das deutsche Volk in allen seinen Schichten beseelte, als es viereinhalb Jahre lang in einer einzigen Mauer von Rauch und Stahl und Tod und Vernichtung die Grenzen des Vaterlandes gegen eine ganze Welt in Waffen beschützt hatte. Das Andenken an die strahlenden Heldengestalten eines Bölcke und Richthofen, eines Immelmann und vieler anderer junger bester deutscher Männer be­gann wieder, Menschen zu beseelen, und allmählich wieder stieg der neue Geist empor, der Deutsch­lands Rettung werden sollte. In der Luft aber blieb Deutschland gefesselt. Mit Mühe und Not, durch ein Ausnutzen aber auch der letzten Möglichkeiten entstand in Deutschland ein einziger Hort, in dem noch die Luftfahrt leben konnte: die Deutsche Lufthansa, der deutsche Luftverkehr. Bald über­flügelte er an Sicherheit und Tatkraft, an Maschi­nenleistung und an Bodenorganisation den Luft­verkehr der ganzen Erde. Und in dieser allmählich sich ausbreitenden Lufthansa konnten jetzt auch wie­der jene jungen Deutschen sich betätigen, die nun einmal gottlob nicht ablassen konnten von dem Gedanken, sich in die Luft zu erheben.

Als nun durch den glorreichen Sieg des Na­tionalsozialismus endlich in Deutsch­land eine neue Zeii anbrach, als unser Hakenkreuzbanner auf allen Zinnen wehte, da wurde die Möglichkeit gegeben zum Aufbau einer deutschen Wehrmacht. Nun er­leben wir, daß dasselbe Volk, das sich jener Ohnmacht hingab und dem Untergang geweiht schien, zu einer neuen ungeahnten Größe in wenigen Jahren sich erheben konnte, einzig und allein, weil es die Führung bekam, die seinem inneren Wert endlich ent-

Vor Beginn der Feier im Reichsluftfahrtministerium am Tag der Luftwaffe wurde General­feldmarschall Göring in der Reichskanzlei vom Führer empfangen, der ihm den Feldmarschall st ab überreichte. (Presse-Jllustrationen-Hoffmann-M.)

Berlin, 1. März. (DNB.) Der 1.März würbe alsTag der Luftwaffe" in Erinnerung an den Jahrestag der Freiheit der deutschen Luftwaffe in allen Standorten durch Flaggenparaden und Appelle feierlich begangen. Im Ehrensaal des Reichsluftfahrt-Ministeriums hatte sich die große Zahl der Ehrengäste versammelt, unter ihnen die Reichsminister Dr. Frank, Rust, Dr. Gürtner und Dr. Dorpmüller, die Reichsleiter Dr. Ley und Schirach, fast sämtliche Staatssekretäre, der Stabs­chef der SA., die Korpsführer des NSKK. und des NSFK., ^-Gruppenführer Heydrich. Mit General­oberst oon Brauchitsch, Generaladmiral Dr. h. c. Raeder und dem Chef des Kommandos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel, waren alle im Generalsrang stehenden Offiziere und Be­amte des Standortes Groß-Berlin, die Luftkreis­oberbefehlshaber, die Inspekteure und Abteilungs­chefs im Reichsluftfahrtministerium, sowie Offiziers­abordnungen der höheren Stäbe, Geschwaderstäbe, Truppenabteilungen und Schulen der Luftwaffe an­wesend. Acht Fahnen der Luftwaffe-nahmen an der Stirnwand des Ehrensaales unter dem riesigen Ho­heitszeichen Aufstellung. Nach einem festlichen Prä­ludium oon Ernst Schauß nahm der Oberbefehls­haber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall G ö - ring, das Wort zu seiner Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte:

Meine Kameraden! Als der Vertrag von Versailles dem deutschen Volke als ein Schmachfrieden aufgezwungen wurde, da zerbrach die deutsche Wehrmacht, bezwungen durch den Feind nicht auf dem Schlachtfeld, sondern durch eine Reihe oon Umständen, die im Inneren wie im Aeußeren lagen. Es zerbrach vor allem aber durch den Frie­den von Versailles jene Waffe, die zum ersten Mal im Weltkrieg einen kühnen Aufstieg genommen hatte, zum Schrecken der Feinde wurde und unent­behrlich als Teil der Streitkraft eines Volkes zerbrach die deutsche Luftwaffe. Trotz allem aber konnte der Geist nicht völlig vernichtet