wandt» und Klndeskinder, wieder hervorzuholen. Acute aber, liebe Hausfrau, e5 i>ie große Volksgemeinschaft. die deine Schaße nicht entbehren kann, und sie durch ihre jüngsten Fürbitter abholen läßt. Nichts darf mehr ungenützt und tot Herumliegen, denn mit jedem noch so unscheinbaren Stück kann die Sorge anderer gemildert werden!
Und wenn du dann schon am Suchen und Ueber- prüfen bist, liebe Hausfrau, dann sieh doch einmal gleich nach, ob sich auch noch altes Spielzeug findet: einfache, unzerbrechliche Dinge, die — ein bissel auf- gefrischt — dem fremden Kind noch viel Freude' bringen könnten. Der nette bunte Kasper aum Beispiel, oder Lies, die vergessene Puppe mit den lustigen Kulleraugen, Peters abgedankter Baukosten, oder das Mosaikspiel. Vielleicht ist da auch noch der Verkaufsstand von Friedel, über den sie längst hinausgewachsen ist, eine Puppenküche, oder gar ein Bauernhof — wieviel jauchzende, selige Weihnachtsfreude erwecken sie wieder, wenn sie durch die Hände der Jungmädel den Weg zur NSV. und ihren Betreuten finden!
Drum, liebe Hausfrauen, vergeßt nicht: zwischen 1. und 10. Dezember kommen die Ju ngmäde l!
Weihnachtsfreude in jedes Haus.
NSG. Das Winterhilfswerk fuhrt, wie alljährlich, auch in diesem Jahre eine Wunschpaket-Aktion durch. Noch immer gibt es eine große Anzahl Volksgenossen, die aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage sind, sich und chren Familien aus eigenen Kräften eine Wechnachtsfreude zu bereiten. Unzählige AUe, Kranke usw. warten auch in diesem Jahre wieder auf ein Wunschpaket. Wenn daher in diesen Tagen überall im Gau Hessen-Nossau die Helfer des WHW. mit Wunschzetteln zu denjenigen Volksgenossen kommen, bei denen man voraussetzt, daß sie in der Lage sind, noch anderen eine Wechnachtsfreude zu bereiten, so bitten wir, die Maßnahmen der WHW.-Helfer zu unterstützen und sie ihnen durch freudige Mitarbeit leicht zu machen. Das Weihnachtsfest im Großdeutschen Vaterland soll gerade in diesem Jahre in jeder deutschen Familie schöner werden.
Lugendfahrräder ohne pedolrückstrahler.
Durch polizeiliche Anordnung wird festgestellt, daß Kinderfohrräder ohne Gummibereifung oder mit Vollgummireifen nicht unter die Bestimmung der Straßenverkehrsordnung fallen, nach der Fahrräder an beiden Seiten her Trettelle Rückstrahler von gelber Färbung zu führen haben. Jugendfahrräder, die sich lediglich durch chre kleine Bauart von normalen Fahrrädern unterscheiden, sind bis auf weiteres von dieser Verpflichtung befreit.
Gießener Dochenmorktpreise.
* Gießen, 1. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 Mark, Motte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing 9, Weißkraut 5 bis 7, Rotkraut 9, gelbe Rüben 10, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 15 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 10, Grünkohl 12, Rosenkohl 15 bis 30, Feldsalat, 1/io 8 bis 10, Tomaten, % kg 45, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 55, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kartoffeln, Vt kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aepfel, H kg 28 bis 45 Pf., Birnen 25 bis 35, Nüsse 40 bis 65 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Gänse 1,10 bis 1,20 Mark, lauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 20 bis 50, Salat 5 bis 6, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
** Umbau der unteren Kaiferallee abgeschlossen. Die Umbauarbeiten in der unteren Kaiserallee sind nunmehr zum Abschluß gekommen. Die neugestaltete Straße, die sich in dos Bild unserer Stadt gut einfügt und für den gesteigerten Verkehr weit bessere Verhältnisse als früher bietet, ist seit heute früh von allen Sperren befreit, so daß sich der Verkehr nunmehr wieder ungehemmt nach beiden Richtungen hin abwickeln kann.
** (Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen: 15. Nov. Martha Loh, geb.
Hoffmann, ohne Beruf, 62 Jahre alt, Licher Str. 35; 16. Nov. Karoline Dietz, geb. Dietz, ohne Beruf, 80 Jahre alt, Bahnhofstraße 106; 19. Nov. Wilhelm Karl Heck, Schreiner, 56 Jahre alt, Steinstraße 21;
20. Nov. Jakob Thiel, Oberbahnhofsvorsteher i. R., 72 Jahre alt, Frankfurter Straße 43; Charlotte Czygan, geb. Bernecker, ohne Beruf, 63 Jahre alt, Stephanstraße 15; 21. Nov. Emmy Hermine Fahler, 2 Jahre alt, Seltersweg 59; 22. Nov. Heinrich Trenker, Dreher, 70 Jahre alt, Am Riegelpfad 2; Leonhard Schneider, Lackierer und Weißbinder,
65 Jahrs all, Dammstraße 42; 25. Nov. Albert Rahnefeld, Gastwirt, 75 Jahre alt, Schanzenstr. 2;
28. Nov. Michael Schuh, Heizer, 45 Jahre all, Wetzlarer Weg 61; Bertha Sack, geb. Möser, ohne Beruf, 79 Jahre alt, Asterwea 32; Wilhelm. Heckel- mann, Metzgermeister, 76 Jahre oll, Bahnhofstraße 55/57; 29. Nov. Georg Schmidt, städt. Arbeller, 76 Jahre alt, Ebelstraße 41; 30. Nov. Karl Roch, Straßenaufseher i. R., 84 Jahre alt, Steinstraße 71; Heinrich Jakob Schneider, Reichsbahnwerkstättenoorsteher i. R., 78 Jahre alt, Crednerstraße 30.
Oie Ausgaben der Lustsahrtmedizin.
Mit einem interessanten Lichtbilder- und Film- Dortrag setzte das Dolksbildungswerk am gestrigen Mittwochabend seine Vorlesungsreihe im gutbesuchten Hörsaal der Medizinischen Klinik fort. Kreisreferent Dr. Heidt wies einleitend auf die weiteren Vortragsreihen des Dolksbildunaswerkes hin.
Dann sprach Dr. Anthony über „Aufgaben der Luftfahrtmedizin". Er begründete zunächst die „Luftfahrtmedizin" aus der Fülle der Probleme, die sich aus dem Verhalten des Menschen bei hohen Geschwindigkeiten und in großen Höhen ergeben. Dos Fliegen an sich sei nicht gefährlich, nur müßten eben an einen Menschen, der ein Flugzeug führen wolle, besondere Anforderungen gestellt werden. Die Aufgabe der Luftfahrtmedizin fei es, diejenigen Menschen auszusuchen, die von ihren körperlichen, geistigen und charakterlichen Eigenschaften her dazu geeignet seien. Zu diesem Zwecke gebe es für die Luftfahrt eine Anzahl von Untersuchungs- stellen, die meist in Verbindung mit Universitäten bestehen und über einen Stab von Fachwissenschaft- lern verfügen. Don einem jungen Menschen, der Flieger werden wolle, müsse Charakterfestigkeit, Geistesgegenwart, Entschlossenhell, gutes Seh-, Hör- und Farbensichtvermögen usw., wie auch eine völlig gesunde Konstitution verlangt werden. Die Untersuchungen würden mit denkbar größter Sorgfalt vorgenommen und mindestens jährlich wiederholt, damit jegliche Aenderung im körperlichen Befinden festgestelll werden könne. Für die Untersuchungen werde eine speziell entwickelte Technik eingesetzt, mit deren Hilfe die kompliziertesten Prüfungen ermöglicht werden.
In feinen weiteren Darlegungen beschäftigte sich der Redner mit dem Problem der Beschleunigung, d. h. der Vermehrung der Schwerkraft, wie sie in den Kurven auftrete und zu Störungen Veran- lassung sein könne. Praktisch sei es so, daß der Maschine bedeutend'mehr zugemutet werden könne, als dem Menschen.
Hierauf wandte sich der Vortragende dem großen Problem der Höhenkrankheit zu, eine Sauerstoff- mangelerfrantung, wie sie von 5000 Meter Höhe ab auftreten könne, ohne daß sich der Flieger dessen bewußt sei. In speziellen und doch allgemeinverständlichen Ausführungen schilderte der Redner die mannigfachen Formen der Auswirkung dieser Höhenkrankhell und erläuterte insbesondere die Forschungsarbeit in der Unterdruckkammer, in der unter wissenschaftlicher Aufsicht der Fliegeranwärter den verschiedenartigsten Prüfungen auf sein Verhalten und seine körperlichen Funktionen untersucht werde. An Hand von Lichtbildern, von Diagrammen der Herz- und Pulstätigkeit, der Unterschiede der Sauerstoffmengen im Blute usw. gab der Vortragende einen guten Einblick in diese Materie. Zwei Filme, in einer Unterdruckskammer auf genommen, ließen deutlich erkennen, wie sich der Mensch unter veränderten Bedingungen des Luftdrucks und des Sauerstoffgehalles der Luft verhält.
Der Vortrag zeigte, mit welcher Intensität sich die Wissenschaft um die Lösung dieser aktuellen Probleme im Dienste der Luftfahrt bemüht. Die Zuhörer folgten dem gesprochenen Wort und den Filmbildern mit größter Aufmerksamkeit und dankten dem Redner mit herzlichem Beifall.
Verkehrserziehung im OOAC.
Im Rahmen der Verkehrserziehung durch den DDAC. sprach am Dienstagabend der Syndikus dieses Clubs, Rechtsanwalt Dr. W a m f e r (Gießen), im Gesellschaftsverein über Verkehrsfragen. Der Redner betonte einleitend, daß der Richter in feinen Verhandlungen selbst bei Berufsfahrern, die feit Jahren schon einen Kraftwagen führen, sehr oft auf eine Gesetzesunkenntnis stoße. Der Kraftfahrer aber, der Schadensersatzprozesse und Strafverfahren gegen sich verhirckern wolle, habe sich eingehend besonders mit her neuen Straßenverkehrsordnung vom 13. November 1937 auseinanderzusetzen. Die Verpflichtungen des Kraftfahrers begännen schon damit, daß er fein Fahrzeug, in einem betriebssicheren Zustande erhält. Er habe sich deshalb vor §ährten über den guten Zustand seiner Bremsen urtb der Lichtanlage zu überzeugen. Trete nun der Fahrer seine Ausfahrt an, so habe er sich derart in den Verkehr einzufügen, daß er niemanden gefährde. Nahe beim Ausfahren aus der Garage auf die Straße ein Fahrzeug, so habe man sich besonders vorsichtig zu verhalten. Verschätze sich her Ausfahrende z. B. über die Geschwindigkeit und Entfernung des herannahen- den Fahrzeuges, so geschehe dies auf feine Gefahr hin. Nach der neuen Straßenverkehrsordnung fei die rechte Straßenseite einzuhalten. Auf Hauptoerkehrs- str.aßen habe der Fahrer das Dorfahrtsrecht. Dieses Recht könne der Führer ausüben, aber nicht erzwingen. Auf jeden Fall habe auch der Vorfahrtsberechtigte genau die gesetzlichen Bestimmungen ein- zuhallen, wenn er nicht den Schaden tragen wolle. Werde man überholt, so habe man sich rechts zu halten. Unzulässig sei es unter allen Umständen, im Augenblicke des Ueberholens selbst die eigene Geschwindigkeit zu erhöhen, um den anderen nicht vorbeizulassen. Bei entgegenkommenden Fahrzeugen habe her das Vorfahrsrecht, der feine Richtung beibehalte. Bei in gleicher Richtung fahrenden Fahrzeugen bestehe aber eine solche Berechtigung nicht.
Biege z. B. das erste Fahrzeug in eine Seitenstraße nach links ab, fo habe der zweite Fahrer zu warten. Es genüge aber nicht, daß der erste Fahrer feinen Richtungszeiger nach links herausstellt und dann unbekümmert in dieser Richtung abbiegt Der zweite Fahrer müsse auch diese beabsichtigte Richtungsänderung bemerkt haben. Fahre er aber ganz dicht hinter dem ersten Wagen her, dann dürfe dieser nicht abbiegen, sondern er habe zunächst den zweiten Wagen vorbeizulassen. Das Ueberholen an gefährlichen Stellen sei verboten. Bei gleichwertigen Straßen habe der das Vorfahrtsrecht, der von rechts komme. Wie beim Ueberholen, so habe man bei diesem Vorfahrsrecht auf die eigene Geschwindigkeit zu achten, da wegen der Länge des Bremsweges Zusammenstöße bei zu raschem Fahren oft unvermeidlich seien. Was den Alkoholgenuß des Kraftfahrers und feine Fähigkeit zum Führen feines Fahrzeuges betrifft, so halte der Richter sich aus verkehrserziehe- rifchen und Beweisgründen nach wie vor an absolute Zahlen. Es fei deshalb hem Fahrer nicht nur unangenehm, sondern auch schwierig nachzuweisen, daß er ein solcher Trinker ist, daß er trotz des genossenen Alkohols im Stande war, fein Kraftfahrzeug zu führen. Schließlich wies her Vortragende u. a. noch auf die Verordnung vom 13.10.1938 hin, durch die die Stopftraßen emgeführt wurden. Das Hallezeichen fei unter allen Umständen, fei es bei Tage ober zur Nachtzeit, nähere sich ein anderer Verkehrstellnehmer ober nicht, zu beachten. Weiterhin erinnerte der Redner daran, baß ab 1. Januar 1939 neue Bestimmungen über Schlußlichter und Bremsvorrichtungen in Kraft treten.
Reicher Beifall her interessierten Zuhörerschaft lohnte die erschöpfenden Ausführungen des Rebners. Anschließend würben noch an Hand von Beispielen Derkehrsprobleme besprochen.
Aus der engeren Heimat.
Kreissängertag in (Sambach.
* Gambach, 30.Nov. Hier fand am Sonntag der 6. Kreissängertag bes Kreises Wet° ter au statt. Die Tagung ftanb unter Leitung des stellvertretenden Sängerkreisführers Zörb (Butzbach), der die Teilnehmer willkommen hieß.
Provinzführer Wendler hielt eine Ansprache, in her er an die jüngsten großen politischen Ereignisse erinnerte und mitteilte, daß 38 000 sudetendeutsche Sänger in den DSB. überaeführt worden seien. Im Auftrag her Gauführung dankte er allen Sängern für ihre Treue. Unter Mitteilungen gab Provinzführer Wendler bekannt, daß Konzert- reifen von Vereinen in andere Gaue der Genehmigung der Gauführung bedürfen. Der nächste Bunbes- Sängertag findet im Mai 1939 in Kassel statt. Die Sängerkreisführer, Mllarbeller und Chorleiter sollen demnächst in besonderen Schulungskursen weiter ausgebildet werden. Der Tagungsleiter gelobte im Namen der Sängerschaft der Wetterau weiterhin tatkräftigen Einsatz für die Sängeribeale.
Nachdem her Gesangverein .Harmonie" Gambach ein Lieb zum Vortrag gebracht und Dereinssührer N ä ck eine kurze Begrüßungsansprache gehalten hatte, erstattete Sangesbruder Zörb den Jahresbericht. Dem Bericht war zu entnehmen, daß im Kreis Wetterau eifrige fängerifche Tätigkeit und erfreuliche Leistungssteigerung der Vereine zu verzeichnen gewesen fei. Im Jahre 1938 zählte der Sängerkreis Wetterau 38 Vereine mit 1171 aktiven Sängern, 35 Sängerinnen und 1596 pafsiven Mitgliedern. Kreisfchriftiührer Karl Hofmann (Dorheim) erstattete den Bericht über die vorjährige Tagung. Kreisschatzmeister Wächtershäuser lButz- dach) wies die Kassenverhältnisfe in mustergültiger Ordnung auf. Nach Anhörung der Kassenprüfer wurde dem Kreisschatzmeister Entlastung und Dank zuteil.
Kreischormeister Hachenberger (Friedberg) fvrach ausführlich über die neuen Richtlinien zur Förderyna her Chorleistungen der Vereine. Außer Wertungssingen sollen in Zukunft auch Leistungssingen durchgeführt werden. Da in Zukunft nicht mehr als 12 Vereine bei dem Wertunassingen teil« nehmen sollen, wurde innerhalb des Sängerkreises eine Gruvveneinteilung oorgenommen. Gruppe 1 singt am 23. April 1939 in Gambach, Gruppe 2 am 30. April in Steinfurth.
Nachdem her örtliche Gesangverein zwei weitere Lieder voraetragen Halle, wurden verdiente Sänger geehrt K. GriebII. (Gambach) erhielt für 25jährige aktive Sängerschaft die Ehrennadel und A. Schäfer (Gambacbl für 50iährige aktive Sängerschaft aleich- falls die Ebrennnabel unb ben Ehrenbrief bes DSB.
Unter Leitung von Gauchormeister Drofessor Dr. T e m e s v a ry wirb bemnächst ein Chorliterattir- Abend für die Kreisvereine in Bubbach stattfinden, der den Dereinsleitem und den Dirigenten Ratschläge und Anregungen vermitteln soll.
Lahresrvcksckau des Verkehrs
und Verschönerungsvereins Lich.
}) Li ch, 30. Nov. Der Verkehrs - und Der« fchönerungsverein hielt im „Holländischen Hof" seine Hauptversammlung ab, die mit der Preis- verteilung des im Sommer veranstalteten Blumenschmuck-Wettbewerbes verbunden war. Nach Erledigung der geschäftlichen Fragen erstattete Lehrer Hild einen eingehenden Bericht über die im verflossenen Jahr geleistete Arbeit, die chre Krönung darin gefunden haben dürfte, daß im Laufe des Sommers über 300 Gäste zum Ferienaufenthalt, sowie weit über 3000 mehrtägige Uebernachtungen zu verzeichnen waren. Für die nächste Zell ist vor allem die schon lange geplante Errichtung eines Heimatmuseums vorgesehen. An die
Abfädor
wäfcht Hände
rillenfauber
kleine WU WWW
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Heister, Werdau i.Sa
45 Fortsetzung (Nachdruck verboten!,
Irene ist müde auf einen Stuhl gesunken. Ein Luftschloß, em jäh erstandenes schönes, herrliches Traumschloß ist ihr wieder eingestürzt.
„Bitte... wenn ich farm? Gern!"
„Sorgen Sie dafür, daß Ihr Herr Gemahl die Zukunft des Kindes sicherstellt."
Langsam steht Irene wieder auf. „Ja... hat er denn bas nicht selbst geregelt?"
„Er lehnt es ab, eine bescheidene Summe für das Kind zu deponieren. Sie werden begreifen, daß ich nur in einem solchen Verfahren wirkliche Sicherheit erblicken kann."
„Ja, gewiß, mein Fräulein. Es ist ja schließlich auch ganz gleichgültig, wie man es macht... Hauptsache bleibt, oaß etwas geschieht. Und Doktor Meßdorff hätte... das nicht sofort und ohne Einschränkung getan?"
„Er hat mich ausgelacht... und mir eine Art Trinkgelt geboten. Darum kam ich zu Ihnen. Vielleicht haben Sie mehr Einfluß auf ihn — als ich."
„O Gott! Ist das überhaupt möglich?"
„Ich habe lange gezweifelt, ehe ich glaubte, daß es sein Emst war. Und wenn ich nicht um bes Kindes willen müßte... glauben Sie mir, gnädige Frau, ich würde lieber ein Leben lang trockenes Brot offen als je ein Mitglied der Familie Meß- borff um einen Pfennig bitten. Er hat mir einen Wagen, Schmuck, eine Wohnungseinrichtung, Kleider, Gott weiß, was alles, schenken wollen, ich habe nie ein Stück von ihm genommen, oh, ich liebte ihn und war so töricht, zu glauben, bas sei auch bei ihm bas gleiche. Unb bann kam hie Stunbe, in der ich ihn um Hilfe bat, nicht für mich, für fein und mein Kind ... und da..."
„Bitte schweigen Sie! Ich bitte Sie um alles in der Welt! Das ist ja unerträglich!"
Irene hält sich die Ohren zu, preßt die Hände ^bie Schläfen, als könnte sie die Ungeheuer» t des Gedankens nicht fassen, nicht begreifen. Und bann ist es mit ihrer Fassung au Ende. Sie bricht weinend zusammen. Denn sie schämt sich — schämt sich vor diesem Mädchen, bas da so gerade
und aufrecht vor ihr steht unb für bas Recht feines Kindes kämpft.
„Wie erbärmlich! Wie jämmerlich unb gemein!" Langsam tritt Charlotte auf sie zu, legt schwesterlich den Arm um die schluchzende, fassungslose Frau.
„Beruhigen Sie sich, gndinge Frau. Es weiß nie- man außer mir, und niemals wird jemand etwas erfahren! Das verspreche ich Ihnen! Es ist ein schwacher Trost — das weiß ich — aber vielleicht kann Sie das beruhigen."
Eine Weile ist es ganz still im Raum, nur von unten aus dem Speisesaal klingt gedämpfte Musik. Man sitzt bereits zu Tisch.
,Lch gehe jetztft sagte Charlotte. „Ich will Sie nicht beorängen. Meine Anschrift lasse ich Ihnen hier auf dem Tisch liegen. Sie können mich jederzeit telephonisch dort erreichen. Es ist meine Schwester, bei der ich wohne, bas einzige Mitglied meiner Familie, bas mit mir räudigem Schaf noch etwas zu tun haben will."
Still unb bescheiden will Charlotte gehen, aber da springt Irene auf unb hält sie zurück.
„Nein, Sie dürfen nicht aus hem Zimmer, ehe die ärgste Schande getilgt ist." Mit fliegenden Händen zerrt sie ihr Scheckbuch aus einem Schubfach bes Schreibtisches, schreibt ihren Namen unter bas Formular, reißt es heraus unb reicht es Charlotte.
„Bitte, setzen Sie hie Summe ein, die Ihnen Meßborff verweigerte. Nein, ich brauche keine Ouittuna, nichts brauche ich als ein Wort von Ihnen, daß Sie mir nicht böse sind — daß Sie die Schande vergessen wollen, die Ihnen — mein Mann antat."
Lange starrte Charlotte auf das schmale Stück Papier in ihrer Hand. Dann sieht sie Irene kopfschüttelnd an.
„Sie vertrauen einer Freundin viel an. Aber Sie sollen wissen, was ich haben will. Ich habe es oft genug überrechnet."
Sie setzt mit schnellen Zügen die Summe ein, die sie bereits von Meßdorfs forderte.
„Ist es Ihnen so recht? Ich werde bas Geld bei einem Notar hinterlegen, her es für bas.Kinb verwalten soll. Kein Pfennig banon sott für mich sein."
„Ich lasse Ihnen freie Hanb in allem, Fräulein Hartmann!" nickt Irene, unb bann mit leiser Kraftanstrengung: „Unb nun bitte ich Sie herzlichst — lassen Sie mich allein! Es war hoch etwas viel für mich. Sie werden noch von mir hören."
In der Tür bleibt Charlotte noch einmal stehen. „Es tut mir leib, baß ich Ihnen Kummer bereiten mußte."
Ein mattes Lächeln dankt ihr. Vorsichllg zieht sie die Tür ins Schloß.
Drinnen aber steht Sirene, unb alles an ihr ist wie erstorben. Bettogen — und beschämt Erniedrigt und besudelt kommt sie sich vor. Ein Ekel durchschüttelt sie.
„Geld! Ekelhaftes, mibermäitiges Geld!" flüstert sie vor sich hin. „Und er hat sie ausgelacht — hat {rin Kind verraten."
Dann wirft sie sich aus bas Bett, unb in verbissener Wut weint sie Zorn, Beschämung und Enttäuschung in hie Kissen. Der Mann, ben sie liebte, ist tot. Nein, viel schlimmer als bas: er ist ehrlos unb gemein geworden. —
Es ist spät abends, als sie ihr Kabriolett in verbotener Geschwindigkeit durch die hellen Straßen Dresdens lenkt.
*
„Sie, Fräulein Westner?"
In höchstem Erstaunen gibt ihr Wernicke den Weg in sein Zimmer frei. Solange er noch keine zusagende Wohnung gefunden hat, lebt seine Frau in Magdeburg mit den Kindern, und er haust hier in einem möblierten Zimmer. Er benutzt es eigentlich nur zum Schlafen.
„Entschuldigen Sie bitte die Tageszeit ... ich weiß, es ist fast neun Uhr — aber ich kann nicht länger mehr warten. Es handelt sich um Karajan."
„Um Karajan? Wissen Sie etwa, wo er steckt?" Er ist von der Unruhe bes Mädchens bereits an« gesteckt. Wenn es sich um Karajan dreht, bann vergißt er alles andere, sogar die einfache Höflichkeitspflicht, ihr einen Stuhl anzubieten.
„Leider nicht, Wernicke. Ich weiß es genau so wenig wie Sie. Aber es ist etwas viel SchUmmeres. Ich weiß, daß er in Todesgefahr ist."
„Jo — was? In Todesgefahr? Machen Sie noch solchen schauerlichen Witz, unb ich werde böse!"
„Mein bitterer Ernst, Wernicke. Und nun lassen wir doch alles Gerede beiseite unb überlegen lieber! Meßborff hat gebroht, ihn nieberzuschietzen wie ein Stück Vieh."
Wernicke sieht sie sprachlos an, bann setzt er sich langsam. Ihm ist alles Blut aus dem Gesicht gewichen.
„Unb ba sitzen Sie hier so ruhig unb erzählen mir bas, anstatt die Kriminalpolizei zu alarmieren?"
„Das ist unmöglich. Das ist ja eben bas Entsetz- liehe, baß wir nichts tun können, nichts!"
Ihre Hände zerren an einem Tüchlein, das sie aus ihrer Hanbtasche genommen hat, ohne es zu
wissen. „Rein gar nichts! Sowie wir uns rühren — ist Karajan ein toter Mann!"
„Ich verstehe kein Wort."
Atemlos, in abgerissenen Sätzen berichtet Karola. Wie sich Meßdorfs in einer Lage befindet, die ihm keinen Ausweg läßt, wie er entschlossen ist, das Aeußerste zu wagen, wie Karajans Leden eigentlich an Meßdorffs Leben hangt. Unb jetzt erzählt Ka* rola von den Plänen. Endlich schweigt sie „Ja, so ist's", fügt sie noch hinzu.
Rollos sitzen sie bann unb sehen zur Erde.
Wernicke flucht plötzlich los wie ein alter Roll« wagenkutscher. „Unb dieser Kerl hat alle Trümpfe in Der Hand! Wenn er sich aus seinem eigenen Leben nichts mehr machen, bann ist Karajans Leben keinen Groschen mehr wert."
„Sie meinen also wirklich, Wernicke?" fragt Karol a mit entsetzten Augen, in denen flackernde Angst steht.
„Natürlich. Ueberlegen Sie doch selbst! Er kann ihn nieberschießen, wo er ihn trifft. Auf dem Postamt! Dor der Haustür! Mitten auf der Straße! Eine Kleinigkeit für einen Mann, der morden will. Ein Leichtes für einen Verzweifelten, der keinen andern Ausweg sieht."
„Und die Kriminalpolizei?"
Kann auch nicht vom frühen Morgen bis zum späten Abend vor, neben, hinter ihm sein. Nein, Karola, bas Schlimme ist, daß Karajan selbst keine Ahnung hat und sich in acht nehmen kann. Wir müssen versuchen, den Kerl, den Meßborff, lahmzulegen, bis Karajan gewarnt ist. Es wäre doch geradezu phantastisch, wenn dieser Schweinehund auch diesmal alles einftteichen sollte, was wir geschaffen haben." Er knirscht die letzten Worte in hilfloser Wut.
„Ich bin nicht ohne einen Plan gekommen, Wernicke! Wir geben ihm die — falschen Pläne. Ein, zwei Seiten neu geschrieben, fälsche Formeln — schon stimmt alles nicht mehr. So viel verstehe ich schon von der Sache, baß man eine so schwierige Analyse nicht ohne Laboratoriumsarbeit nachprü- fen farm."
Wernicke läuft mit großen Schritten durchs Zimmer. „Verrückt — aber vielleicht ein Ausweg! Und wie haben Sie sich bas praktisch gedacht?"
„Sie haben doch ben zweiten Schlüssel zum Tresor. Wir fertigen morgen die falschen Pläne an unb Sonnabendmittag gebe ich sie Doktor Meßborff. Es ist bie letzte Frist. Sonnabend um zwölf Uhr muß er sie haben."
(Fortsetzung folgt!)


