als tiefste Temperaturen in extremen Fällen bereits bis 30 Grad Frost gemessen wurden, sonst ober bis zu 15 Grad Kälte möglich sind, steigen die Höchst- temperaturen unter Umständen noch bis 18 Grad Wärme an. Zum letzten Mal ereignete sich das im November 1935. Der Herbst 1935 war im Gegensatz zum diesjährigen ganz erheblich wärmer und von Schönwetter begünstigt.
yomotuen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Rigoletto". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Fracht von Baltimore". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Steputat 8r Co.". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Erstaufführung „Kigottfto“.
Heute abend findet die Erstaufführung von „Rigoletto", Oper in drei Akten von G- Verdi, statt. Musikalische Leitung Joachim Popelka. Inszenierung Wolfgang Kühne. Leitung und Einstudierung der Chöre Heinz Markwardt. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 5. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr.
Einmaliges Gastspiel Staatsschauspielerin Hermine Körner im Stadttheater.
Die Intendanz des Stadttheaters hat die Staats- schauspjelerin Hermine Körner für ein einmaliges Gastspiel am Samstag, 5. November, verpflichtet. Hermine Körner gastiert in „Frau Warrens Gewerbe", Drama in vier Akten von Bernard Shaw. Spielleitung: Helmut Kollek. Das Gastspiel findet außer Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.
Dritte Stanoort-Reitjag».
Am heutigen Dienstag, 15 Uhr, findet auf ' dem Wiesengelände am Allen Schiffenberger Weg die dritte Standort-Reitjagd stall. Das Stelldichein ist in der Nähe des Cafös Nizza. Dort wird ein Unteroffizier mit gelber Armbinde für die Zuschauer zur Führung zur Verfügung stehen. Im Anschluß an die Jagd besteht für jedermann die Möglichkeit, an dem Essen aus der Feldküche (Erbsen mit Speck) teilzunehmen. Das Essen kostet 50 Pf. Löffel sind mitzubringen.
200 Jahre Textilhaus am Kreuzplatz.
Das Haus der Firma H. Kaeß Nachfolger, Inhaber Wilhelm Horn, am Kreuzplatz 15, dient heute feit 200 Jahren dem Zwecke eines Geschäfts der Textilwarenbranche. Das erste Unternehmen dieser Art in diesem Hause wurde im Jahre 1738 von Johann Peter Eckstein begründet. Vom Juli 1768 ab stand die Firma unter der Leitung von Christian Andreas Eckstein. Am 17. Februar 1791 ging die Firma auf Johannes Tasche über. Mit dem 31. Dezember 1810 trat Heinrich Martin Bücking an die Spitze des Geschäfts, dem im Jahre 1828 Fritz Bücking in der Leitung des Unternehmens folgte. Im Jahre 1858 ging das Geschäft auf den neuen Inhaber Heinrich Kaeß über, von dem es im Jahre 1879 Otto L. Hein aus Darmstadt übernahm. Am 1. November 1898 trat als neuer Besitzer der aus Allen-Buseck stammende Kaufmann Wilhelm Horn an die Spitze des Geschäfts, dem er als Senior-Inhaber noch heute vorsteht, während sein Sohn feit einigen Jahren als Mitinhaber chm xur Selle wirkt. Es sind also heute 40 Jahre her seit jenem Tage, da Wilhelm Horn als junger Kaufmann dieses Geschäft übernahm. Im Kreise unserer Gießener Geschäfte ist der Firma H. Kaeß Nachfolger, Inhaber Wilhelm Horn, allezeit große Wertschätzung zuteil geworden, und auch bei der Bevölkerung in Stadt und Land genießt dieses Textilwarenhaus von jeher hohes Ansehen.
Neben seinen geschäfllichen Pflichten hat Herr Horn seine Arbeitskraft lange Jahre auch dem gemeinnützigen Dienst im öffenllichen Leben zur Verfügung gestellt. Dabei stand seine lange Mitarbeit in der früheren Stadtverordneten-Versamm- lung, dem späteren Stadtrat, an der Spitze, aber auch im Verkehrsverein, in den Organisationen der gewerblichen Wirtschaft, in der Handelskammer irsw. hat er eine rege und selbstlose, stets von dem Gedanken des Gemeinwohls geleitete Arbeit entfaltet. Daher sind auch am heutigen Jubiläumstage ihm und seiner Firma die besten Wünsche weiter Bevölkerungskreise in Stadt und Land gewiß.
Zehn Stopstraßen in der Stadt Gießen
Die ständige Steigerung des Verkehrs fordert immer neue verkehrspolitische und verkehrserziehe- rische Maßnahimen, die den Zweck haben, die Verkehrsteilnehmer vor Unfallgefohren im Rahmen des Möglichen zu schützen und immer mehr Ordnung und Disziplin in die Reihen der Verkehrsteilnehmer zu tragen.
Auch in jüngster Zell mußten wieder einige Maßnahmen gelloffen werden, die sich als unbedingt notwendig erwiesen. So wurde z. B. mit Wirkung vom 1. Oktober ob der Führerschein für alle Kraftfahrzeuge bis zu 250 ccm Zylinderinhalt, soweit sie bisherführerscheinftei waren, eingeführt. Ferner wurde den Polizeibeamten das Recht gegeben, Kraftfahrer, die sich den Verkehrsgesetzen nicht fügen wollen, deren Fahrzeuge nicht in Ordnung sind usw., die Möglichkeit zur Weiterfahrt zu nehmen, indem die Luft aus der Bereifung enllassen werden kann. Als Maßnahme von besonders einschneidender Bedeutung aber werden nun die sogenannten Stop st raßen eingeführt.
Diese Stopstraßen haben den Zweck, den Kraftfahrzeugführer zu verpflichten, an den als Stoppstraßen gekennzeichneten Straßen er st an^uhal- ten, sich zu überzeugen, ob die Weiterfahrt möglich ist, ohne sich oder andere zu gefährden, und dann erst, nachdem kein Hindernis für die Wellerfahrt besteht, weiterzufahren. Der tiefere Sinn dieser Maßnahme liegt darin, die Sicherheit im Ablauf des Verkehrs gerade in denjenigen Stellen unserer Stadt zu fördern, die bis dahin als Ver- kehrsfallen bekannt waren, an denen, nachweislich und zahlenmäßig zu belegen, die schwersten Ver- kehrsunfälle sich ereigneten, an Stellen und Stra- ßeneinmündungen, die unübersichtlich sind, schließlich aber auch an vielbefahrenen Kreuzungen mit Reichsstraßen, denen die uneingeschränkte Vorfahrt gesichert werden muß.
Die Stopstraßen werden durch besondere Kennzeichen eindeutig markiert sein. In der Linie der Häuserflucht wird jeweils ein kräftiger roter Strich gezogen, der dem Kraftfahrer, wie auch allen anderen Verkehrsteilnehmern, die mit irgendwelchen Fahrzeugen unterwegs find, anzeigt, daß an dieser Linie gehalten werden muß!
Der Verkehrsteilnehmer wird aber auch noch auf andere Weise darauf aufmerksam gemacht, wenn er sich einer Stopstraße nähert. Ein dreieckiges Schild, mit der Spitze nach unten, mit rotem Rand, blauem Feld und im blauen Feld mit der weißen Aufschrift „H a l t" zeigt schon auf weitere Sicht eindeutig und auf gleicher Höhe mit der roten Linie an, wo gehalten werden muß. Im rechten Winkel zur roten Linie sind zwei unterbrochene rote Striche ausgezeichnet, die den Fahrzeuglenker darauf aufmerksam machen, daß nach wenigen Meter gehalten werden muß.
In den vergangenen Wochen haben sich Hauptmann H e i n a ck e r und Leutnant Fischer in gemeinsamer Arbeit eingehend mit den Derkehrsver- hältnissen in unserer Stadt beschäftigt und insbesondere festgestellt, welche Straßen in Zukunft als sogenannte Stopstraßen zu gelten haben. In Anbetracht der verhältnismäßig hohen Unfallzahlen in Gießen, die nach dem Hundertsatz auf die Zahl der Einwohner gerechnet, über den Sätzen mancher Großstadt liegen, in Anbellacht auch der Verkehrs- verhällnisse, die in Gießen gegeben sind, mußte man sich dazu entschließen, nicht weniger denn zehn Straßen zu „Stopstraßen" zu erklären.
Auf Grund der neuerlassenen Derkehrsvorschriften und des Runderlasses des Reichsführers ff und Chefs der Deutschen Polizei, sind im Stadtgebiet Gießen folgende Straßenkreuzungen und Sllaßen- einmündungen, an denen sich nachweislich wiederholt schwere Unfälle ereignet haben, für die Kennzeichnung „Halt! Vorfahrt auf die Hauptstraße achten!" vorgesehen: , .
1. Straßeneinmündung Steinstraße in die Marburger Straße.
2. Straßenkreuzung Hitterwall — Dernerwall — Marburger Straße — Dalllorstrahe.
3. Straßenkreuzung Dernerwall — Horst-Messel- wall — Neustadt — Rodheimer Straße.
4. Straheueiumundung Gabelsbergerftraße in horst-wefsel-wall.
5. Straßenkreuzung Bahnhofstraße — Horst-Wes- sel-wall.
6. Straßenkreuzung hitlerwall — hindenburgwall — Gartenstrahe — Reuen Baue.
7. Straßenkreuzung Ludwigstraße — Liebigstraße.
8. Straßenkreuzung wilhelmstrahs—Ludwigstraße.
9. Straßenkreuzung Bleichstraße — Ludwigstraße.
10. Straheneinmundung Moltestraße in die kaifer- allee.
In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß sämtliche Verkehrsteilnehmer, also auch die Radfahrer, an diesen Straßenkreuzungen und Straßeneinmündungen, die als Stopstraßen gekennzeichnet sind, zu halten haben und nur dann weiterfahren dürfen, wenn sie sich überzeugt haben, daß für sie die Fahrbahn frei ist. Jede Zuwiderhandlung wird mit schärfsten Maßnahmen geahndet.
Die Kennzeichen der Stopstraßen (rote Linien, Schilder) werden voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche angebracht. Dabei muß bemerkt werden, daß die Stopstraße als solche gilt und zu beachten ist in dem Augenblick, da das entsprechende Schild steht und die Linien gezogen sind. Also mit sofortiger Wirkung!
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 1. Noo. Aus dem heutigen Wochen- martt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, H kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Malle, 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, V» kg 8 bis 9 Pf., 50 kg 5 bis 8 Mark, Weißkraut, Ü kg 4 bis 5 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 7 dis 8 Pf., 50 kg 5 bis 7 Mark, gelbe Rüben und Karotten, % kg 7 bis 9 Pf., rote Rüben 10, Spinat 15, Römffchkohl 10, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, 8 bis 10, To- maten, % kg 20 bis 30, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 8 bis 9, Kartoffeln, % kg 4 Pf. 5 kg 35 Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 30 bis 45 Pf., Birnen 20 bis 45 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40 Pf., Salat 8 bis 10, Salatgurken 45 bis 50, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 20, Radieschen das Bündel 8 bis 12 Pf.
♦
♦* 7 0 Jahre alt. Am morgigen Mittwoch, 2. November, kann der Schneidermeister Wilhelm Schiefer st ein, Gutenbergstraße 2, in bester Gesundheit seinen 70. Geburtstag begehen. Der Jubilar gehört feit über 30 Jahren zu der treuen Be
ziehergemeinde des „Gießener Anzeigers". Zum 70. Geburtstag bringen auch wir dem alten Herrn unseren.herzlichen Glückwunsch dar.
** Sterbefälle,in Gießen. Es verstorben in Gießen: 14. Oktober: Emma Schneller, geb. Deichhardt, o. B., 38 Jahre all, Steinstraße 41: 15.: Christian Wilhelm Pauli, o. B., 62 Jahre all, Licher Straße 74; 17.: Karl Schneider, 3 Jahre alt, Buddestraße 8; Jakob Heinstadt, Reichsbahn-Oberassistent a. D„ 89 Jahre alt, Kaiserallee 30; 20.: Gustav Paul, Wachtmann, 65 Jahre alt, Landmann- sllaße 20; Elise «Schubecker, geb. Welcher, o. B., 76 Jahre all, Mittelweg 12; Agnes Volkert, geb. Sevesik, o. B., 76 Jahre all. Licher Straße 74; 22:. Richard Müller, Polizeikommissar a. D„ 68 Jahre alt, Liebigstraße 88; Elisabech Heinrichs, o. B-, 72 Jahre alt, Löberstraße 6; 24.: Elise Pfeffer, geb. Jung, o. B., 70 Jahre alt, Crednerstraße 12; Therese Beranek, Hausangestellte, 63 Jahre alt, Wie- secker Weg 31; 25.: Elisabeths Marie Burk, Friseuse, 50 Jahre alt, Kaplansgasse 29; 28.: Elisabeth Straub, geb. Lutz, o. B., 66 Jahre alt, Löber- straße 6.
**SchwimmhalleMittwochs geschlossen. Im Städtischen Volksbad ist von jetzt ab die Schwimmhalle an jedem Mittwoch geschlossen. Die anderen Abteilungen des Volksbades sind auch Mittwochs geöffnet.
** Städtische Bücherei. Im Oktober sind 2107 Bände ausgeliehen worden. Davon tarnen auf: Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 14, Gedichte und Dramen 27, Erzählende Literatur 1239, In« gcndschriften 342, Länder- und Völkerkunde 151, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Biographien 198, Naturwissenschaft und Technologie 57, Heer- und Seeldesen 28, Haus- und Landwirtschaft 6, Gssund- heitslehre 4, Religion und Philosophie 7, Staats- Wissenschaft 19, Sport 1, Außerdeutsche Literatur in den Originalsprachen 5 Bände. Nach auswärts kamen 37 Bände.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Gießen
z Steinbach, 1. Nov. Am heutigen Dienstag, 1. November, feiert Frau Elisabetha Sommer W w e., geb. Arnold, ihren 8 2. Geburtstag. Frau Sommer, die seit dem Jahre 1893 verwitwet ist, kann diesen Tage in guter Gesundheit begehen.
Z Albach 31. Oft. Am Samstagabend veranstaltete die hiesige Kriegerkameradschaft einen Kameradschaftsabend zu Ehren ihres scheidenden Vorsitzenden, Lehrer Heinrich Groh. Er hat seit 1909 die Kameradschaft geleitet. Da Lehrer Groh nach Gießen verzieht, mußte er sein Amt niederlegen; er wurde in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt, außerdem wurde ihm als Ehrengeschenk eine Statue, einen Soldaten mit Gewehr im Anschlag darstellend, überreicht. Als Nachfolger in der Kameradschaftsführung wurde der seitherige stellverlletende Vorsitzende, Bürgermeister Lenz, bestimmt.
I Treis a. d. Ld a., 31. Oft. Unser Dorf wird schöner. Der Spielplatz vor der neuen Schule hat eine der Umgebung angepaßte neue Einfriedigung erhalten. In anerkennenswerter Weiss Haff damit die Gemeindeverwaltung dem Wunsche vieler Dorfgenossen Rechnung getragen
•c? Treis a. d. Lda., 31. Oft. Nachdem Lehrer Walter die auf den 1. November erbetene Ruhestandsversetzung mit dem Dank der Landesregierung für geleistete Dienste erhalten Halle, veranstaltete die Schule in Anwesenheit von Kreisschulrat N e b e l i n g , der Politischen Leitung, der Mitglieder des Schulvorstandes und des Lehrkörpers an feiner Wirkungsstätte von 31 Iah» ren mit seiner Klasse eine schlichte Abschieds« feier. Der Saal war mit den Schulfahnen und Tannengrün dem Tage angepaßt. Nach passenden Vorträgen und Liedern übergaben ihm seine Schüler als Dankeszeichen einen Blumenkorb. Der Lehrkörper schloß sich nach Ansprache des Schulleiters S ch ä d e l mit einem Führörbild und einem Buchgeschenk an. Als Vertreter des Staates sprach Kreis- schulrat N e b e I i n g Herrn Walter den Dank des Staates für die in den 44 Jahren feiner Amtszeit geleisteten Dienste nochmals persönlich aus.
Auto rast in einen Reitertrupp.
LPD. Fra u kfurt a. M., 30. Oft. Am Samstagabend ereignete sich in bef Nähe der Gehspitze im Frankfurter Stadtwald einschwererVerkehrs- Unfall. In der Dunkecheit fuhr ein Auto i ir voller Fahrt in eine Reitergruppe hinein, die sich auf dem Heimweg von der Herbstjagd des Frankfurter Reit- und Fahrklubs befand. Dabei wurde ein Reiter schwer, ein anderer leicht verletzt.
Nundsunkprogromm
Mittwoch. 2. November.
6 Uhr.- Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: .Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Der gesellige Beethoven. Heitere Werke aus dem Schaffen des Meisters. 11.45: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. Lauter Kleinigkeiten. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch ... 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Volk und Wirtschaft: Verlesen, verpacken, verschicken. 16: Nachmittagskonzert. Einlage 17 bis 17.10: Neues für den Bücherfreund. 18: „Wie der Schischuh entstand." 18.15: Ein Besuch beim NSKK. 18.30: Junge Musikanten stellen sich vor. 19: Fliegendes Deutschland. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Kammermusik für Violine und Klavier. 21: Neue deutsche Unterhaltungsmusik. 22: Nachrichten. 22.30: Musik aus'Wien. 24 bis 2: Nachtkonzert.
kleine Stau mit gtoöem M
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa
21. Fortsetzung (Nachdruck verboten!,
Karola hat ihm fein Wort gesagt. Hat auf alle Fragen nur gelächelt ober das Tempo verstärft, so daß ihm bas Fragen verging.
Schließlich hat's Schorsch aufgegeben, sich hinter die Windschutzscheibe geduckt und sich in Gedanken vergraben
Verrücktes Mädchen! Aber sympathisch. Toll eigenllich, wie sie uns zusammentrommell. Mir nix, dir nix 'rin in die Kiste, ab nach Dresden. Basta! pta, mir soll's recht sein. Ich bin für Überraschungen. Bloß, wenn sie jetzt wieder mit siebzig Sachen durch die Kurve schlittert, werde ich bissig — Herr des Himmels — Noch mal gut gegangen! Die Reichsbahn ist ein vortreffliches Instituts und 'ner Frau, die ’s eilig hat, sollte man den Führerschein entziehen! — Wenn man nur ’ne Ahnung hätte, wo sie eigenllich wohnt?
„Vielleicht hat sie Geld für Karajan? — Junge, Junge, das wäre verdammt gut Man hat mir bis jetzt überall die falte Schulter gezeigt. Karajan? Der hat doch schon mal so ’ne Sache gebracht, die nachher faul war? Nee, nee, lieber Herr, nid) in die Tüte!" Und man hat in diesen Tagen schon allerhand Leuten auf den Zahn gefühlt.
Wenn das Mädchen so runde zwei- bis drei- hunderttausend Mark hätte, bann könnte man ’ne Gesellschaft ^usammensuchen, obwohl bas gerabe nicht das Angenehmste ist — denn viele Köpfe, viele Sinne... Mädchen, Mädchen, fahre doch vorsichtiger ... nun fängt's auch noch an zu regnen, und wenn's gut geht, fahren wir auf dem Asphalt Schlittschuh ... und dann 'ne gute Tasse Kaffee...
„Hm... können wir nicht irgendwo ’ne Tasse Kaffee trinken?"
Karola schüttelt nur den Kopf.
Seufzend ergibt sich Schorsch in sein Schicksal.
Unter solch geistreichen Monologen kommt lang, sam Dresden in Sicht. Die ersten Straßenbahnen verkünden die Stadt, bann sind die Häuser da, und nun ist man mitten drin. Da kommt schon der Bahnhof heran, Karola muß hier mächtig aufpassen, damit sie keinen Unsinn macht, denn mit den Reifen ift’s bei „Till" nicht allzu -gut bestellt.
Und wenn’s geregnet hat, schlittert er gern mit
blockierten Rädern. Man muß die Hindernisse immer hundert Meter vorher erkennen, muß sie mit sechstem Sinn erahnen. Aber sie kommen gut in die Prager Straße, fahren die Schloßsttaße hinauf... ach, es ist doch herrlich, wieder den Atem dieser schönen Stadt zu spüren. Auch Schorsch ist begeistert.
„Das ist 'ne Stadt hier, was?" trompetet er. ,Kenne zwar bloß die Ctty in Stichproben und den Rathauskeller... aber hier würde ich sogar zu Fuß laufen, wenn ich bleiben dürfte."
Karola hat Verständnis für Schorschs Schwärmerei. Sie verbringt jede Woche hier, die das Werk sie frei läßt, sie liebt ihr Dresden, und wer könnte diese beschwingte Stadt nicht lieben?
Schorsch geht es noch mächtig im Kopf herum, was das kleine Fräulein wohl von ihnen will. Daß sie nicht gerade bittere Nofzu leiden hat, Gott, bas hatten sie natürlich damals in Niederau schon gemerkt. Wer hier in Loschwitz an den Höhen der Elbe wohnt, hat bestimmt Geld. Und wenn’s auch der Tante gehört.
Aber daß man nun zwei Männer zu einer geschäftlichen Besprechung einlädt ... Donner und Dona! Das hat. er natürltd) hinter dem kleinen Fräulein nid)t vermutet. Nun, man wird die Dinge an sich herankommen lassen. Lieber den Schillerplatz in Blasewitz geht es, bann über die Brücke, dies stählerne Äunder, bis sie endlich auf dem anderen Elbeufer hatten. _
Als Schorsch merkt, daß man den schmalen Steig der zur Platllette hinaufführt, nicht fahren kann, schielt er bösartig. Aber Karola verzieht keine Miene.
„Sie müssen laufen, Herr Hausmann, es hilft alles nichts. Zu Tantes Haus in der Plattleite kann man nicht fahren."
„Also bann los!" seufzt er, klettert aus seinem Sitz und reckt die steifgesessenen Glieder. Einträchttg steigen sie -miteinander empor und stehen bald vor Nummer 6.
Eine schmiedeeiserne Pforte, ein Weg, ein großer älter Garten, dahinter das Haus, still und nicht sehr groß.
Allerhand! denkt Schorsck; und kneift die Augen zu. Dann sd>rillt die Glocke.
Frau Kölzow, die (Partner sfr au, die hier alles in einer Person ist — Hausbesorgerin, Köchin und Ver- malter — öffnet Sie strahlt vor Freude, als sie Karola sieht.
„Sie werden bereits erwartet", erzählt sie aufgeregt. „Der eine Herr ist schon vor zwei Stunden gekommen."
„$aben Sie ihm sein Zimmer gezeigt?" „Jg. Er hat sich da auch ein wenig ausgeruht. Jetzt ist er im Speisezimmer. Der andere Herr ist vor zehn Minuten gekommen. Und das Essen habe ich auch besorgt."
„Gut, Frau Kölzow. Wir haben auch Hunger."
. Ein weiter Aufgang, von kunstvoll geschmiedeten Kandelabern flankiert, führt in die Diele. Da erwartet sie Wernicke.
„Ich freue mich, daß Sie nicht gezögert haben!" begrüßt ihn Karola. „Wir sind nun zusammen, und die Zeit ist kostbar."
Günther schüttelt den Kopf.
„Verzeihen Sie, Fräulein Westner, aber wir sind einigermaßen verwirrt. Was hat das alles zu bedeuten? Warum diese Eile? Und was sollen wir eigentlich hier?"
Doch Karola bittet ihn mit einer leichten Gebärde zu schweigen.
„Ich kann Ihnen bas hier nicht so im Stehen erklären, bitte — dort drinnen hat Frau Kölzow einen kleinen Imbiß für uns alle gedeckt. Haben Sie nicht auch Hunger? Ich jedenfalls fürchterlich."
Aus einem Seitentisch des Wohnzimmers steht eine kalte Platte, dazu Tee, aus einem Nebenraum kommt ein Herr mit einem Spitzbart.
„Darf ich die Herren bekannt machen? Herr Wernicke, Herr Hausmann, und das ist Herr Hägebarth, der Prokurist der ,Vereinigten Chemischen Werke', deren Inhaberin — bitte, erschrecken Sie nicht, meine Herren — ich bin!"
„Sie sind der Inhaber —?" Wernicke blickt dieses Mädchen erstarrt an.
„Ja — ich!" nickt Karola tapfer. Sie weiß, was jetzt in den Köpfen der beiden Manner vorgeht.
Doch die beiden Freunde nehmen sich zusammen. Sie verbergen ihre Ueberrafchung hinter einem mühsamen Gespräch von gleichgültigen Dingen. Aber — Dieses kleine Mädel ist der Chef der „Vereinigten" — Na, wer sollte das wohl ahnen? —
„Frau Kölzow läßt die Gastzimmer für die Herren richten. Es kann fein, daß wir heute nicht ganz zu Ende kommen. Die Herren bleiben dann zur Nacht bei mir. Und nun — darf ich in mein Ar- beitszimmer bitten!"
Nichts deutet darauf hin, daß hier ein Mädchen haust. Ein breiter eichener Schreibtisch, Schreib- maschine, Telephon, Rollschränke an den Wänden, einige bequeme Stühle, aber die sehen sehr neu und unbenutzt aus. Das wird nur für die Besucher sein. Der Sessel hinter dem Arbeitstisch ist viereckig, mit einer ntebern Lehne, hart, das Kiffen darauf
zersessen. Das hat Schorsch mit einem Blick feftge» stellt, und nun beginnt er Respekt zu bekommen.
Hier wird tatsächlich gearbeitet! Um ihm das zu sagen, brauchte die Karte an der Wand gar nicht mit bunten Fähnchen anzuzeigen, wie weit die Ge« schäftsbeziehungen der Firma reichen.
„Sie wissen ja nun schon Bescheid", beginnt Karola endlich, .Has Wichtigste ist Ihnen bei der Vorstellung klar geworden. Ich setze mein ganzes Vertrauen in Sie, meine Herren. Sie wissen, was vor sechs Jahren geschehen ist. Sie wissen aber nicht, wie ich damals in diese Situation kam. Lassen wir das für später. Es wird sich alles klären. Ich bin tatsächlich die Leiterin dieser Firma. Es ist Großvaters Erbteil, und ich verwalte es nicht nur dem Namen nach, sondern, seit Doktor Meßdorff mich im Stich ließ, auch tatsächlich. 21ber bitte — lassen wir uns von diesen Dingen gar nicht aufhalten. Ich habe Sie auch nicht etwa hergebeten, um Ihnen nur das zu eröffnen, nein, ich habe Sie gerufen, um Ihre Hilfe zu erbitten."
Erstaunte Gesichter.
„Ja, Ihre Hilfe; denn wenn die Fir-ma auch nad) außen hin scheinbar fest und sicher steht, so weiß ich und weiß es auch mein alter getreuer Mitarbeiter Hägebarth, daß es für uns kaum noch eine Rettung gibt. Ja — ich kann ruhig sagen: keine Rettung."
Und nun legt Karola in großen Zügen die Entwicklung des Werkes dar, den Kampf um seinen Bestand und den allmählichen, nun durch die letzten Vorgänge besiegelten Niedergang.
„Noch bedeuten wir etwas — noch ist in der Fabrik alles in bester Ordnung, es kann in vier Wochen schon anders sein. Glauben Sie mir, diese letzten Tage waren nicht leicht für mich. Denn wenn es für den Außenstehenden nur eine kleine bis mittlere Firma ist, deren Bestand für das große Ganze unwichtig sein mag — für mich ist sie mehr, für mich ist sie das Devmächtnis zweier Generationen, die an ihrem Aufbau gearbeitet haben. Ich könnte das Werk halten, wenn ich feinen Umfang wesentlich verkleinerte. Aber ttotzdem habe ich mich anders entschlossen. Diese Ursache sollen Sie auch erfahren.
Karola hatte zum Schluß ganz leise gesprochen, irgendwohin, zum Fenster hinaus.
„Soll das heißen, Fräulein Karola, daß Sie zum Verkauf bereit find?" fragt Hägebarth endlich, ganz bart, ganz vorsichtig, so, als fürchte er, mit feinen Worten wehe zu tun.
Und dieser Ton ist es, der Karola in die harte Gegenwart zurückruft. Sie läck)elt sogar ein wenig.
(Fortsetzung folgt!)


