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Oie Ergänzung des britischen Kabinetts

Die Llnglücksstadt Marseille

von

hen und sich in Sicherheit zu bringen.

von Rundfunkhörern ernst genommen.

die Gemeinde um Schutz vor der drohendenWelt-

zschlag werden gemeldet. Auch in Neu» wohnheitsmäßig mit Menschenleben lediglich für k selber verließen Hunderte von Einwohnern. Spielttlmzwecke arbeitet, und zweitens für die noch

gewissenlosere, geschäftsmäßig betriebene jüdische

Kriegs -Psychosen- Macherei. Es kommt einer freilich ungewollten Selbstoerurteiluvg

Soeben haben in Portugal Wahlen stattqefunden. Die Regierung Portugals ist repräsentiert durch den Staatspräsidenten Carmona und den Minister­präsidenten S a l a z a r. Rach einem jahrhunberte- alten Stillstand ist Portugal, dessen Seefahrer ein­mal zu den Pionieren des Entdeckungszeitalters ge­hörten, unter der Führung dieser beiden Männer im kräftigsten Aufstieg begriffen. Rach dem Sturz der Dynastie um Jahre 1910 kamen bis 1926 sechs Prä­sidenten und 40 Regierungen mit über 200 Mini­stern ans Staatsruder, dessen Führung noch durch 20 Revolutivnen in diesen 16 Jahren unsicher ge­macht wurde. Carmona übernahm 1926 die Macht

Der Rummel mit demHörspiel" in den Ost­staaten Amerikas ist bezeichnend einmal für die an­scheinend völlig gewissenlos gewordene amerikanische Sensations-Manie, die ja auch ganz ge-

die Zeitungsredaktionen und die Polizeistationen - nr - n" überlaufen wurden,

Wirkung wurde dadurch gesteigert, daß in .der Rundfunkfassung amerikanische Ortschaf- t e n anstelle der im Original genannten Ortsnamen eingesetzt worden waren. In der Umgebung der genannten Städte verließen unzählige Bewohner sofort Hals über Kopf die Häuser und flüchte­ten vor dem vermeintlichen-Gas- und Todesstrah- len-Angriff derMarsbewohner". Die Telephon- leitungen in zahlreichen Ortschaften waren so stark überlastet, daß der Fernsprechverkehr stundenlang zum Stillstand kam. In zahlreichen Kirchen betete

Rundfunk-Hörspiel verursacht Kriegspanik in USA.

R o m, 31. Okt. (DNB.) Mussolini hat, von Gaeta kommend, wo er der nach Libyen fahrenden großen Siedlerflotte von 2 0 000 Italienern seine besten Wünsche mit auf den Weg gab, in Prato S m e r a l d o , etwa 20 Kilometer südlich von Rom, das neueImperiale Sendezentrum" ge- weiht. Die bis zu 100 Meter Höhe aufragenden, 100 kw starken 14 Riesensender stellen, wie der Duce in seinen kurzen Eröffnungsworten an alle Aus­

oder einer Verbreiterung ihrer Basis nicht ent­sprochen mit Rücksicht darauf, daß diese Regierung günstigenfalls noch etwa ein Jahr am Ru­der bleiben würde. Unvorgesehene Ereignisse könn­ten aber auch s ch o n früher Neuwahlen herbeiführen. Angesichts dieser Tatsache Und auch der dringenden Aufgaben, vor denen die Regie­rung stehe, brauche Chamberlain sofort die Hilfe von Männern, deren Qualitäten er zweifelsfrei kenne.

dieser Hetzmethoden gleich, wenn dieNew Port Herald Tribüne" darauf hinweist, daß diese durch das .Hörspiel" halb wahnsinnig gewordenen Men­schenmassenMonate hindurch mit Schlagzeilen und Radio-Mitteilungen gefüttert waren, worin von unmittelbar drohenden Kriegsschrecken in Europa die Rede war, in ihrer jetzigen Verfassung hielten sie anscheinend alles für möglich". Wird sich die amerikanische Regierung endlich einmal entschließen können, diesersmartness das Handwerk zu legen? Oder bleibt business auf alle Fälle business?

Aber noch etwas anderes gibt zu denken. Hier ist auf einmal Krieg gespielt worden, und zwar nicht auf dem Manöverfeld, sondern a u f d e m Gebiete des Rundfunks, das im Ernstfall mindestens ebenso bedeutsam sein wird wie etwa eine gut ausgerüstete Luftarmee. Die gemimte Auf­regung im ' Senderaum, die Anweisungen des ,Lriegsministers" am Mikrophon, das Ervlodisren von Knallfröschen, überhaupt die Realistik der Sendung hat unübersehbare Menschenmassen m eine bedenkliche Panikstimmung hineingetrieben. Wie will, so fragen wir uns angesichts dieses zum Nach­denken anregenden Vorganges, irgendeine der Demo­kratien, die auf ihrem Raume noch immer das Lieb­äugeln mit einem Weltenbrand gestatten, i m E r n st f a l l bestehen können, wenn schon jetzt ein falsch verstandenes Hörspiel ganze Bevölkerunqsteile veranlaßt, fluchtartig die Wohngegenden zu verlas­sen. Es spricht ganz gewiß nicht für die Jntellig°nz der Hörer, die offenbar nur Rundfunk hären, ohne jemals die Nase ins Programm zu stecken. Un­intelligente Massen sind aber noch immer das beste Material für Kriegshetzer gewesen. Das Material kann aber auch im entscheidenden Augenblick, wie dieses Beispiel zeigt, versagen und das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung Hervor­rufen. Täten nicht die westlichen Regierungen gut daran, sich diesen Vorfall zu Gemüte zu führen und die Menschheit nicht mit ihrem Rüstunaswahnsinn in einen an Nervenkrise grenzenden Zustand zu halten? Bei dem geringsten Anlaß kommt es bereits zu einem Zusammenbruch, der im Ernstfall doch vielleicht noch etwas anders aussehen wird. D. S.

Litauische Ausschreitungen im Memelaebiet.

Memel, 31. Okt. (DNB.) In dem memelländi- schen Dorfe P e t r a j a h n e n bei Crottingen kam es bei einer Veranstaltung des Litauischen Arbeiter­und Handwerkeroereins zu bedauerlichen deutsch­feindlichen Ausschreitungen. In der Versammlung begannen etwa 30 bis 40 bewaffnete Angehörige des Litauischen Schützenver­bandes deutschfeindlicke Schmäh - und Hetz­rufe gegen das Memeloeutfchtum auszustoßen. Sie beachteten die Ermahnungen der beiden Beamten der memelländischen Landespolizei nicht und nah­men alsbald gegen diese selbst und den deutschen Wirt des Versammlungslokals eine drohende Hal­tung ein, wobei schließlich die beiden Beamten, der Wirt und dessen Familienangehörige überfal- l e n und die Geschäftsräume und die Wohnung des Wirtes z e r ft ö r t wurden. Es fielen auch mehrere Schüsse. Kurz vor dem Eintreffen des Ueber^all- kommandos der Landespolizei verschwand der größte Teil der Litauer. Es gelang jedoch der Polizei, eine Anzahl der Rädelsführer in Haft zu nehmen. Die Nachricht von dem Ueberfall bat unter der Bevölkerung des Memelgebietes große Empörung hervorgerufen.

Llm die $ nanzreiorm in Frankreich.

Meinungsverschiedenheiten im Kabinett.

Paris, 1. Nov. (Europapreß.) Die Pariser Morgenblätter der verschiedenen politischen Richtun­gen verzeichnen eine Reihe von Gerüchten über die Beratungen des französischen Kabinetts am Montag. Da die Minister das Ehrenwort haben geben müs- en, der Oeffentlichkeit über diese Beratungen nickts mitzuteilen, müssen diese Gerüchte mit größter Dor- icht ausgenommen werden. Die 'Gegensätze inner­halb des Kabinetts über die zu ergreifenden Finanz­maßnahmen sollen sehr stark gewesen sein. Sowohl der rechtsstehendeJour" als auch ein linksstehen­des volksfrontfreundliches Blatt melden übereinstim­mend, Finanzminister Marchandeau habe Maß. nahmen vorgeschlaaen. diemarxistischer Inspiration" eien, so eine verschleierte Gold - und De­visenkontrolle. Der Finanzminister habe die Requirierung des Goldes und der Devisen zu einem Kurs angeregt, der unter der Gegenwärtigen amt- licken Notierung liege. Diese Maßnahme sei von Chautemps und Bonnet bekämpft worden. Gerüchtweise verlautet, daß der Finanzminister nicht nur eine Devisenkontrolle, sondern auch eine Neu­bewertung des Goldbestandes der Bank von Frankreich im Auge habe. Der Unterschied zwil^en dieser Neubewertung und der gegenwärtigen Wertschätzuna des Goldbestandes soll sich auf mehr als 30 Milliarden Fran- k e n belaufen, die künftighin zur Verfügung des Staates bleiben sollen, anstatt m;e bis­her zur Rückzahlung der von der Bank von Frank­reich dem Staat zugestandenen Vorschub zu geben. Nur ein Sckritt sei es von dieser Feststelluna bis zu der Schlußfolgerung, daß man mit der Schaffung einer Doppelwährung, und zwar einer in­ländischen und einer für das Ausland bestimmten Währung zu rechnen habe.

L)ie Wahlen in Portugal.

83,6 v. H. für die Regierung Salazar.

L i s s a b o n , 31. Okt. (DNB.) Bei den Wahlen zur portugiesischen Nativnalversammlung gaben von 743 930 Wahlberechtigten 622 313 Wähler Ja-Stim­men für b i e L i st e der Nastionalpartei ab. Somit hat das nortugiesische Volk mit 83,6 v. H. der nationalen Regierung Salazars das Vertrauen ausgesprochen. Die Lissaboner Presse bezeichnet das Wahlergebnis als größten Wahlerfolq Salazars. Das portugiesische Volk habe in seiner Gesamtheit ftiab­getan, daß die Zeit der Parteizersplitterung end­gültig überwunden ist.

vier Beamte des Außenministeriums u.nd drei geo- graphisch-statistische Sachverständige des Unterrichts­ministeriums umfassen.

Oie Räumung der nicht mehr strittigen Gebiete.

Budapest, 31. Okt. (Eurooapreß.) In Preß­burg tritt der gemischte tschecho-slowakisch-ungarische Militär fachausschuß zur Festsetzung der technischen Einzelheiten für die militärische Heber- gäbe der n ich! mehr strittigen Gebiete an Ungarn zusammen. Die zivile Räu­mung durch die tschecho-slowakischen Behörden und die tschechischen Siedler ist bereits seit Anfang Ok­tober im Gange, so daß die militärische Räu­mung nunmehr ohne-Verzug durchgeführt werden kann. Die Blätter erwarten den Einmarsch der ungarischen Truppen für Ende dieser oder Anfang nächster Woche.

Jugoslawisch-bulgarische Besprechung.

Belgrad, 31. Okt. (Europapreß.) Für Die Oef­fentlichkeit überraschend kamen in Risch die Mi- nisterpräsidenten Jugoslawiens und Bulgariens zu einer Besprechung zusammen. Die Bevölkerung be­reitete dem bulgarischen Ministerpräsidenten Kjos- s e i w a n o f f herzliche Kundgebungen. Die Bespre­chung galt der Versicherung der gegenseitigen Freundschaftsbeziehungen im Sinne des zwischen den beiden Ländern abgeschlossenen ewigen Freund- , schaftsvertrages.Avala" verbreitet zu dem Zu­sammentreffen eine Verlautbarung, in der es heißt: Das herzliche Zusammentreffen war das erste nach dem Abkommen in Saloniki vom 31. Juli 1938. Die Regierungschefs der beiden benachbarten und brü­derlichen Länder stellten eine vollständige Ueber- einstimmung und Solidarität der Politik Jugo­slawiens und Bulgariens fest, die im Geiste des Belgrader Paktes der ewigen Freundschaft vom 24. Januar 1937 geleitet wird. Mit Befriedigung haben sie weiter festgestellt, daß auf beiden Seiten der Wunsch besteht, die herzliche Zusammenarbeit noch weiter auf der Basis der unveränderlichen Freundschaft zu entwickeln und so den Frieden zu garantieren. Darüber hinaus waren sie sich einig, die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu fördern, um so den Fortschritt und das Wohlergehen der beiden brüderlichen Völker zu begünstigen.

Mussolini

weiht dasImoeriale Gendezentrunr.

Walter R u n c i m a n wurde 1870 geboren, er er- hielt seine Erziehung im Trinity College in Cam­bridge und trat dann in die väterliche Schisfs- reederei ein. Von 1902 bis 1918 war er liberaler Parlamentsabgeordneter, 1908 Unterrichtsminister im liberalen Kabinett Campbell-Bannermann, 1911 bis 1914 Landwirtschaftsminister und seitdem Han­delsminister im Kabinett Asquith. Als Gegner Lloyd Georges schied er 1916 aus der Regierung aus und machte der Politik Lloyd Georges heftige Opposition. 1931 wurde er im Kabinett Macdonald wiederum Handelsminister und bekehrte sich, bis dahin ein kompromißloser Freihändler, zum Schutz­zoll. Runciman blieb im Kabinett Baldwin an der Spitze des Handelsamtes. Seine besondere Rolle bei der Lösung der sudetendeutschen Frage ist noch in aller Erinnerung.

wissen, erfüllen. Prag und Budapest sind sich auch völlig einig darin, daß die Lösung nur in der hier angeüeuteten Richtung gehen kann und daß die Erfüllung des deutsch-italienischen Schiedsspruches verhältnismäßig rasch folgen muß: Darum haben sich bereits die Vertreter der beiderseitigen Be­hörden in Preßburg ein Stelldichein gegeben, um die Uebergabeformalitäten zu erörtern und zu klären.

Es hat im Ausland in diesen Wochen des Hin und Her zwischen Budapest und Prag an Stimmen nicht gefehlt, die da meinten, zwischen Berlin und Rom hätten sich erhebliche Spannungen wegen des unga- risch-stowakischen Grenzziehungsstreites eingestellt. Diese wollten eine Atmosphäre heraufbeschwören, die der Ausgangspunkt neuer Schwierigkeiten hätte wer­den sollen. Man hat sich in Berlin und Rom um dieses Geschwätz nicht gekümmert, man ist der Achsen­politik treu geblieben, deren Vorzug gerpde darin besteht, daß alle Deutschland wie Italien gleicher­maßen interessierenden Dinge unverzüglich einer di­rekten Aussprache unterworfen werden kön­nen. Zur Zeit gibt es mancherlei, was der Unter­haltung wert war und den Reichsaußenminister von Ribbentrop veranlaßte, ein Gespräch m i t b e m Duceund dessen Außenminister herbeizuführen. In dieser Unterhaltung hat das Schiedsgericht gegenüber den anderen Fragen nur Minuten in Anspruch ge­nommen, was gewiß nicht der Fall gewesen wäre, wenn die Verhältnisse so gelegen hätten, wie es ge­wisse ausländische Besserwisser wahr haben wollten. Man täte draußen überhaupt gut daran, die Achse nicht dauernd mit der Lupe auf Risse, Sprünge und Verbiegungen zu untersuchen. Sie befindet sich in - bester fachmännischer Pflege, es wird also keineswegs das eintreten, was man selbst mit Gläsern von mikro­skopischer Schärfe nicht erkennen kann. Man verdirbt sich bei diesem müßigen Spiel nur die Augen, man darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn man ansonsten in der europäischen Politik nicht klar sieht und zu irrigen Anschauungen kommt. Wenn Deutsch­land und Italien in einer nicht unwesentlichen Streit­frage um einen Urteilsspruch angegangen, und wenn dabei die westlichen Demokratien erst gar nicht er­wähnt werden, dann ist das doch wohl ein Beweis für die Stärke der Achse BerlinRom, die indessen jene noch immer nicht in ihrer ganzen Bedeutung erkennen wollen, die im politischen Getriebe die Rolle komischer Figuren übernommen haben. D. S.

Oie tschecho-slowakische Vertretung in Wien. '

Prag, 31. Okt. (DNB.) Der Minister für Aus­wärtige Angelegenheiten, Dr. Chvalkowski, wird zu den Verhandlungen der Schiedsrichter über das tschecho-slowakisch-ungarische Problem, die am 2. November aufgenommen werden, nach Wien reifen. Dr. Tiso, der Vorsitzende der slowaki­schen Regierung, wird sich von Preßburg nach Wien begeben. Woloschin, der Vorsitzende der tarpatho-ukrainischen Regierung, wird im Flugzeug in Wien eintreffen. Gleichzeitig wird Ge­sandter Dr. Krno, der tschecho-slowakischer Dele­gierter bei den Verhandlungen in Komorn war, nach Wien reifen.

Die ungarische Abordnung für die Verhand- hingen in Wien wird außer dem Außenminister von Konya, dem Unterrichtsminister Graf Te leki und dem Kabinettschef Graf Czaky noch

landsitaliener betonte, die gewaltigste Sende­station der Welt dar und bildet zugleich als rein italienisches Werk einen neuen Erfolg Italiens auf dem Wege zu feiner wirtschaftlichen Unabhängig­keit. Einen Begriff von der Größe der Anlage oer- _______________ _______________ ______

mittelt die Tatsache, daß 155 000 Tagewerke zu' gefahr". Eine Anzahl von Todesfällen durch ihrer Fertigstellung nötig wurden. Während der Be- Herzschlag werden sichtigung der neuen Anlage wurden Mussolini leb- yorl f_____ .

hafte Kundgebungen zuteil, an denen sich vor allem nachdem sie im Nachrichtendienst über die vermeint- auch eine Abordnung nationalspanischer Lehrer be- liche Invasion der Marsbewohner gehört hatten, teiligte. 1 fluchtartig ihre Häuser. Die Gerüchte nahmen einen

London, 31. Okt. (DNB.) Die feil längerer Zeit erwartete Neubesetzung im englischen Kabinett, die einen endgültigen Abschluß der Kabinettsum­bildung bedeutet, wurde am Montagabend in Lon­don im Anschluß an die Kabinettssitzung bekannt- gegeben. Lord Runciman ist danach an Stelle des zurückgetretenen Lord Hailsham Lordpräsi - deut des Geheimen Staatsrates ge­worden. Sir John Anderson, der konservative Abgeordnete und frühere Gouverneur von Ben­galen ist zum Lordsiegelbewahrer er­nannt worden. Diesen Posten hatte bis vor kurzem Lord de la Warr inne, der in der vorigen Woche zum Unterrichtsminister ernannt wurde. Das noch offenstehende Dominion-Ministe- rium ist Malcolm Macdonald übertragen worden, der damit Dominion-Amt und Kolonial­ministerium gleichzeitig verwalten wird. Das Do- minion-Ministerium ist durch den Tod Lord Stan­leys frei geworden und ist bereits in den letzten Tagen von Malcolm Macdonald provisorisch mit­verwaltet worden.

Von den neuen Mitgliedern des Kabinetts ist die bekannteste Persönlichkeit Lord Runciman, der in der letzten Zeit in Zusammenhang mit seiner be­sonderen Mission in Prag besonders bekannt ge­worden ist. Er gilt in London als ein überzeugter Anhänger der Chamberlainschen Verständigungs­politik mit Deutschland. Seine Hineinnahme in das Kabinett wird daher als ein Zeichen für den Wunsch Chamberlains ausgelegt, die in den Münchener Er­klärungen begonnene Politik fortzusetzen.

Die Ernennung Sir John Andersons wird als Beweis dafür angesehen, daß Chamberlain es a b g e l e h n t hat, Den Wünschen interessierter Kreise nach Errichtung neuer Ministerien mit Sonderbefugnissen für die Aufrüstung zu entsprechen. Nach Meinung der Presse wird ihm in erster Linie der L u f t s ch u tz und die Aufstellung eines Registers für die sich freiwillig für irgendeinen Dienst zur Verfügung Stellenden über­tragen werden. Ditz Blätter unterstreichen, daß der Plan der Schaffung eines Munitionsmini- fteriums fallen gelassen worden ist. Trotz der Befürwortung dieses Planes durch Luftfahrt­minister Sir Kingsley Wood, Innenminister Sir Samuel Hoare und Kriegsminister Höre Belisha seien Premierminister Chamberlein und Schatz­kanzler Sir John Simon mit ihrer Ansicht durchge­drungen, daß die Schaffung eines Munittonsmini- steriums die Wirtschaft und vor allem den Export­handel nur beeinträchtigen könnte. DieTimes" meint, Chamberlain habe den vielfach geäußerten Wünschen nach einer Verjüngung der Regierung

Marseille, mit rund 700 000 Einwohnern die zweit­größte Stadt Frankreichs, und der größte Seehan­delsplatz des Mittelmeers, ist zweimal kurz hinter­einander in aller Mund gekommen: Einmal durch die Ermordung des jugoslawischen Königs Alexan­ders am 9. Oktober 1934 und jetzt wieder durch das furchtbare Brandunglück, das am 28. Oktober die Prachtstraße Der Stadt, Die Canebiöre mit ihren Handels-, Bank- und Hotelpalästen verheerte. In beiden Fällen hatte Die Unterwelt ihre Hand im Spiel. Marseille ist berüchtigt als Treffpunkt von Menschen, Die nichts mehr zu verlieren haben. Die Altstadt mit ihren vielen Schlupfwinkeln ist ein mächtiger Anziehungspunkt, besonders weil Gelegen­heitsarbeit im Hafen die Möglichkeit zu einem Ver­dienst in Zeiten gibt, da Die sonstigen unterirdischen Geschäfte" undUnternehmungen" nicht gehen. Beim Beladen und Entladen von Schiffen wird nicht viel nach Nam' und Art gefragt, auf den Pfiff eines Vor­arbeiters sammeln sich die Arbeitswilligen, von Deren Arbeitswille man oft nur in Anführungszeichen sprechen kann.

Die Marseiller Polizei ist lax. 1934 sind schwerste, kaum verständliche Versäumnisse passiert. Damals wurde die Absetzung des Präfekten verfügt. Sein jetziger Nachfolger ist ebenfalls wegen offenbarer grober Versäumnisse sofort vom Amt suspendiert worden. Die Polizei setzte sich nicht durch, die Was­seranschlüsse funktionierten nicht, weil gerade Die Ge­werkschatten gestreikt hatten. Der Marseiller Ma­gistrat sträubte sich gegen Die Herbeirufung frem­der Feuerwehren: der französische Kammerpräsident und Bürgermeister von Lyon, Edouard Herriot, mußte das Eingreifen seiner Feuerwehr van Lyon

erst erzwingen, und den Ordnungsdienst übernahm in weitem Umfange Militär an stelle von Polizei.

Der gute natürliche Hafen von Marseille und Die unmittelbare Nähe der für leichte Fahrzeuge schiff­baren Rhone hatte schon Phönizier und Griechen zur Gründung einer blühenden Hafenstadt angeregt. Die Schiffahrt führte auch die Christen sehr früh nach Marseille, das sich rühmt, die erste Kirche Frankreichs zu haben. Die Wallfahrtskirche Notre Dame de la Garde ist mit ihrer neun Meter großen vergoldeten Mariensäule auf 45 Meter hohem Turm das Wahrzeichen der Stadt. Don hier läuft zum alten inneren Hafen ein Straßenzug, dessen letzter Teil eben die berührte Canebiöre ist. In den an­schließenden Gaststätten gibt es das Nationalgericht Der südfranzösischen Küche, die Bouillabaisse, eine dickflüssige Fischsuppe mit Hummer und Austern, deren Geschmack durch reichlichen Knoblauch und starke Gewürze gehoben wird.

Draußen vor dem Hafen, in Dem sich der Verkehr mit Dem französischen Nordafrika, Dem Fernen Osten und Süd-Amerika konzentriert, liegen Drei Felsen­inseln. die noch heute befestigt sind. Am berühmte­sten ist Die Insel mit dem düsteren Chäteau d'Jf, in deren Gewölben unter Ludwig XIV. Der rätfel- hatte, in vielen Romanen eine Rolle spielende Mann mit der eisernen Maske" schmachtete; vor etwa 15 Jahren saß hier in Gelangenschaft der marokkanische Empörer Ab del Krim, bevor er auf die Insel Reunion im Stillen Ozean gebracht mürbe. Das moderne technische Meisterwerk von Marseille ist der Schiffahrtskanal zur Rhone, der durch einen gewaltigen Tunnel führt.

Neuyork, 31. Okt. (Europavreß.) Das Hör-Iderart lawinenhaften Umfang an, daß Taufende füiel einer dramatisierten Fassung des Buches W o ch e n e n d f a h r e r n umkehrten, die Benzin- D er Krieg der Welten" von H. G. Wells tanks nachfüllen ließen und viele Hunderte von Ki- durch die Columbia-Broadcasttng-Corporation hat lometer zwischen sich und die vermeintliche Stätte im'Staate Neu-Jersey und weit darüber des Unheils legten. Die Universität Princetown im hinaus eine wahre Panik ausgelöst. Die abend- Staate Neu-Jersey entsandte eine Wissenschaft- liche Tanzmusik wurde vom Ansager aufgeregt un» liche Expedition todesmutiger Professoren mit terbrochen, um mit allen Anzeichen des Entsetzens sich freiwillig meldenden Assistenten. Die Kopflosig- mihuteilen, ein Weltraumschiff sei auf Neu-1 feit nahm insbesondere in Dem Augenblick zu, als Jersey niedergegangen. Männer mit Todes- die Stimme des angeblichen Innenministers aus den strahlen bewaffnet, seien ihm entfliegen, die' Lautsprechern tönte.

mit den Mitteln modernster Technik einen 21 n -1 Die Auswirkungen der Panik erstreckten sich bis griff auf die friedlichen USA. begonnen weit in den Mittelwesten unD bis Kanada hinein, hatten. Der Kommandeur der Nationalgarde gab obgleich die Rundfunkgesellschaft aus die ersten Nach­her Bevölkerung Verhaltungsmaßregeln gegen Born-1 richten über die Wirkung ihres Hörspiels beruhi- benangriffe, deren furchtbare Verwüstungen er in genbe Melbungen aussandte. Wie stark die Phanta- allen Farben ausmalte, und schließlich ermahnte der sie durch die Rundfunksendung angeregt worden Innenminister das Volk, aus den Städten zu flie- war, geht daraus hervor, daß in vielen Städten

Die Geschichte von dem Einfall der Marsbewoh- n u fl e n 3e,J 9 ß n

ner auf bie Erbe mürbe von vielen Tausenden die behaupteten, bis Lonbunq ber Marsbewohner ...... - Die mttangefehen zu haben.

Das groteske Erlebnis mit dem Mars scheint end­lich weiten Kreisen die Augen geöffnet zu haben, daß die Panikmacherei eines großen Teiles der Presse und gewisser bekannter Persönlichkeiten allein dazu angetan ist, die amerikanische Bevölke­rung zu schädigen. Die Dundesbehörde zur lieber- wachung des amerikanischen Ruftdfunks hat eine amtliche Untersuchung angeordnet.