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Nr. 256 Erstes Blatt

188. Zahrgang

Dienstag, 1. November 1038

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Oer GauGudetenland" der RGOAP.

Oie Sudetendeutsche Partei wird in die NSDAP. übergeführt. Konrad Henlein zum Gauleiter ernannt.

Berlin, 31. Oft. (DNB.) Der Führer hat folgende Verfügung erlassen:

Ich verfüge, daß mit dem heutigen Tage die sudetendeutschen Gebiete nördlich der Fürther Senke bis zu den Bezirken TroppauNeu» titschein einschließlich den Gau Sudetenland der NSDAP, bilden. Als Sitz der Gauleitung bestimme ich die Stadt R eichender g. Zum Gauleiter des Gaues Sudetenland der NSDAP ernenne ich den Parteigenossen Konrad Henlein, zum Stellvertretenden Gauleiter den Parteigenossen Karl Hermann Frank. Gauleiter Henlein hat um­gehend nach den Weisungen meines Stellvertreters die Ueberleitung derSDP. in die NSDAP sowie den Aufbau der NSDAP., ihrer Gliederum gen und angeschlossenen Verbände in die Wege zu leiten.

Die entsprechenden Maßnahmen in den an die Gaue Bayerische O st mark. Ober- und Nieder-Donau und Schlesien fallenden su­detendeutschen Gebieten sind in engster Fühlung­nahme mit den zuständigen Gauleitern durchzufüy- ren Den einzelnen Gauen werden laut anliegender Karte folgende Bezirke bzw. Re st bezirke zugc- wiesen:

a) dem Gau Bayerische Ostmark: Taus, Neuge- dein Neuern. Hartmanitz, Schüttenhofen, Berg­reichenstein, Winterberg, Wallern, Prachatitz:

b) dem Gau Ober-Donau: Kalsching, Oberplan, Böhmisch-Krumau, Hohensurth, Kaplitz;

c) dem Gau Nieder-Donau: Gratzen, Schweinitz, Wittinaau, Neubau, Neu-Bistritz, Zlabings, Jam- nitz, Frain, Znairn, Joslowitz, Mährisch-Kromau Pohrlitz, Auspitz, Nikolsburg, Lundsnburg und Enaerau;

d) dem Gau Schlesien: das Hultschiner Länd­chen.

Den Zeitpunkt der Uebergabe bestimmt mein Stell­vertreter.

Zur Zeit Obersalzberg, den 30 Okt. 1938.

' Gez.: Adolf Hitler."

Dazu hat der Stellvertreter des Füh­rers ivlgende Anordnung erlassen: Gemäß der Verfügung des Führers vom 30 Oktober 1938 werde ich die SdP am 5. November 1938 in d i e NSDAP übernehmen. Als Zeitpunkt, an dem mir der organisatorische und personelle Auf­bau der NSDAP, im Gau Sudetenland und die Uebergabe der an die Gaue Bäuerische Ostmark, Ober-Donau, Nieder-Donau und Schlesien fallenden sudetendeutschen Gebiete durch Gauleiter Konrad Henlein zu melden ist, bestimme ich den 11. De­zember 1938. Gez.: Rudolf Heß.

Der neue Gauleiter.

Konrad Henlein, der heute vom Führer zum Gauleiter des Gaues Sudetenland der NSDAP, ernannt wurde, hat sein ganzes Leben in den Dienst an Heimat und Volk gestellt. Noch nicht 18 Jahre alt, meldete er sich als Freiwilliger von der Schulbank weg zur österreichisch-ungarischen Armee. Er stritt an der Alpenfront als Korporal und bald als Fähnrich am Col di Lana, am Monte Forno

und am Monte Meletta und wurde mit mehreren Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet. Schwer ver­wundet geriet er 1917 in italienische Gefangenschaft. Als er nach Kriegsende in seine unterdessen unter tschechische Herrschaft geratene nordböhmische Hei­mat zurückgekehrt war, begann er sofort einen zähen Kampf um die Wiederaufrichtung und dte Freiheit des Sudetendeutschtums.

Sein Wirkungsfeld war zunächst der deutsche Turnverband in der Tschecho-Slowakei, das Sammelbecken der aktivistischen völkischen Sudeten­deutschen 1925 wurde er als Turnlehrer nach der Turnerstadt A s ch berufen und gab seinen Beruf als Bankbeamter auf 1927 wurde er Derbands- turnwart desDeutschen Turnverbandes . Unter feiner Führung wurde der Verband zu einer straf­fen völkischen Organisation, zu einem sudetendeutschen Machtfaktor, der dann politisch zur Geltung kam, als nach der Unterdrückung der NSDAP, durch die Tschechen Konrad Henlein 1933 bis politische Führung des Sudetendeutschtums in

seine Hände nahm. Hatte die von Henlein gegrün­deteSudetendeutsche Heimatfront" bald große Teile der deutschen Bevölkerung organi­satorisch erfaßt, so errang sie bereits bei den Wah­len am 19. Mai 1935 alsSudetendeutsche Partei" einen Erfolg, der die Welt aufhorchen ließ. Die SDP. Henleins war zur größten Partei der Tschecho-Slowakei überhaupt geworden

Unter der Leitung Henleins rang die SDP. dann als Vertreterin des gesamten Sudetendeutschtums mit Prag um das Recht der Anteilnahme an der Staatsführung. Henlein stellte an 28. Februar 1937 in Aussig die Forderung nach nationaler Selbstverwaltung, Sicherung der Dolks- tumsgrenzen, Wiedergutmachung der den Sudeten­deutschen zugefügten Schäden auf. Am 27. April 1937 brachte die Sudetendeutsche Partei im Prager Abgeordnetenhaus sechs Gesetzesanträge zum Schutze des Volkstums ein. In Karlsbad ver­kündete Henlein die grundsätzlichen Forderungen der deutschen Volksgruppe und legte in ihrem Nayien das Bekenntnis zur nationalsoziali­stischen Weltanschauung ab.

Der Stellvertreter des Führers hat an Gau­leiter Konrad Henlein folgendes Telegramm gesandt:

Zu Ihrer Ernennung zum Gauleiter der NSDAP, durch den Führer beglückwünsche ich Sie herzlich. Mit besonderer Freude begrüße ich Sie und Ihre Mitarbeiter, die so hervorragenden Ein­satz im Befreiungskampf für ihre Heimat leisteten, als nunmehrige Angehörige des Führerkorps der NSDAP.

Im jahrelangen Kamps um die Erhaltung der deutschen Stellung im Südosten hat national- sozialistischer Gei st und Lebenswille von Anfang an den siegreichen Volks- tumskampf bestimmt. Die von Ihnen ge­führte sudetendeutsche Volksbewegung hat d i e deutsche Volksgruppe Ihrer Heimat geeint, sie entschlossen eingesetzt im Kampf für das größere Deutschland und damit eine wesentliche Voraussetzung geschaffen für die herrliche Befrei­ungstat des Führers.

Sie haben am denkwürdigen 1. Oktober 1933 die Führung des völkischen Sudeten­deutschtums übernommen. Nach fünfjähri­gem Ringen stehen Sie mit dem ganzen Sudeten­deutschtum am siegreichen Ende des gro­ßen Kampfes um Heimat und nationalsoziali­stische Weltanschauung. Die sudetendeutschen Natio­nalsozialisten haben unter Ihrer Führer durch Opfer und Bewährung sich würdig gezeigt, in die große politische Kampfgemeinschaft des Führers, in die Nationalsozialistische Partei ein- zu treten. Damit ist zugleich der jahrhunderte­lange Kampf der Deutschen Ihrer Heimat um das größere Deutschland siegreich beendet. Mit dem ganzen deutschen Volk, das zu äußerstem Einsatz be­reit war, hat der Führer das Werk vollendet, das vor vielen Jahrhunderten mit der ersten Furche

Im Entscheidungsjahr 1938 bewies sich die Füh­rerpersönlichkeit Henleins aufs Höchste. Als unbeug­samer Treuhänder des Führers focht er auf der Ebene der Verhandlungen mit den Vertretern des Benefch-Systems mit der gleichen Verantwortung und Hingabe, mit der er die sudetendeutsche Be­wegung selbst in einer vorbildlichen und von aller Welt anerkannten Disziplin und Ordnung zusam­menhielt. Als dann im September die schwersten Tage des Südetendeutschtums anbrachen, war es wiederum Konrad Henlein, der seinen Kameraden die Parole gab und selbst mit der Tat vöranging. Er stellte sich an die Spitze des von ihm gegründe­tenSudeten deutschen Freikorp s", be­reit zum letzten Einsatz für die Heimat Hatte der Führer schon beim Einmarsch der deutschen Wehr­macht Konrad Henlein mit der Bestellung zum R e i ch s k o m m i s s a r für die sudetendeutschen Gebiete" ehrenvoll ausgezeichnet, so stellt die Er­nennung zum Gauleiter des Gaues Sudeten­land die Krönung des Kampfes eines Mannes bar, mit dessen Namen die Befreiung und Einigung des Sudetendeutschtums für immer verbunden sein wird.

einer deutschen Pflugschar aus sudetendeutschem Ge­biet begonnen wurde.

Die Parteigenossen des Gaues Sudetenland wer­den nun mit Ihnen als Gauleiter unter den Fahnen Adolf Hitlers weiter marschie­ren mit der gleichen Kampfkraft, die sie im Rin­gen auf dem Heimatboden und im Freikorps an den Grenzen des Sudetenlandes unter Beweis gestellt haben. Glücklich und stolz grüßen wir großdeutschen Nationalsozialisten den jüngsten Gau der NSDAP, mit alter nationalsozialistischer Tradition.

(gez.) Rudolf Heß."

Generalfeldmarschall Göring in Wien.

Wien, 1. Nov. (DNB.) Ministerpräsident Ge­neralfeldmarschall Göring traf, vom Obersalz­berg kommend, in Wien ein, wo er sich einige Tage privat aufhalten wird. Zu Ehren des General­feldmarschalls veranstaltete der Bürgermeister der Stadt Wien in der Lobau eine große Staatsjagd, an der neben den Jagdleitern als Gäste des Reichsjägermeisters teilnahmen die Reichs­minister Frhr. oon Neurath und Graf Schwerin-Krosigk, Reichskommissar Gau­leiter B ü r ck e l, die Generalobersten von B r au­ch i t s ch und Milch, Minister Jng. 'Rein« thaler, die Staatssekretäre Körner und Ge­neralforstmeister Alpers, General der Infanterie Bock, Generalleutnant Übet, Ministerialbirektor Staatsrat Dr. G r i tz b a ch , Oberstjägermeister S ch e r p i n g , Prof. Dr. Lutz Heck unb Ober­jägermeister Menthe. Abends besuchte der Ge- neralfeldrnarschall mit seiner Gattin die Vorstellung Wienerinnen" im Theater in der Josefstadt.

Deutsch-italienischer Schiedsspruch.

Von unserer Berliner Schriftleiiuna.

Arn Mittwoch treffen sich in Wien der Reichs­außenminister von Ribbentrop und der Außenminister Italiens, Graf Ciano, gleich, zeitig sind die Außenminister der Regierungen Ungarns unb ber Tschecho-Slowakei gebeten wor­ben, ebenfalls in Wien zu erscheinen, wo ein beutsch-italienischer Schiedsspruch die Frage einer ethnographischen Grenzziehung zwischen Ungarn unb ber Tschecho-Slowakei einer gerechten Lösung entgegenführen wirb. Beibe Parteien Ungarn unb bie Tschecho-Slowakei hatten bas Schiebs- gericht aimerufen, beibe haben sich verpflichtet, ben Wiener Spruch als verbindlich anzuerkennen und zu erfüllen.

Der Gegenstand des Streites ist bekannt. Im Raume der Tschecho-Slowakei leben zahlreiche Un­garn. Sie haben den begreiflichen Wunsch, wie vor 1918 wieder der ungarischen Gemeinschaft anzu­gehören. Niemand kann diesen Wunsch ablehnen, es sei denn, er hat aus dem Irrgarten ber Ver­sailler (Bebaufengänge noch nicht Ijerausgefunben unb meint, was die Fabrikanten der Pariser Dor­ortverträge mit ein paar Federstrichen über bie Lanbkarten hinweg im europäischen Raume neu zu gestalten versuchten, müsse immer unb ewig so bleiben. Ebenso wirb aber niemanb behaupten kön­nen, mit bem Grunbsatz ber Gerechtigkeit ließen sich Pläne vereinbaren, beren Verwirklichung weit über ben Begriff einergerechten ethnographischen Grenze" hinausgehen- Wir wissen, baß man in Bubapest zeitweilig hoffte, Slowaken und Kar- patho-Ukramer für sich gewinnen zu können. Un­garn wurde enttäuscht, bei den Slowaken und den Ruthenen war bie nationale Schwerkraft stärker als gewisse ungarische Hoffnungen. Slowaken unb Kar- patho-Ukramer wünschen nicht von einer Vorherr­schaft unter eine anbere zu geraten. Sie wollen vorn Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machen, sie wollen auch bie Staatsgemeinschaft mit ben Tsche­chen nicht verlassen, wohl aber innerhalb bieser Gemeinschaft eine weitgehende Selbstverwaltung aufbauen. Die Auseinandersetzungen darüber sind mit Prag noch in vollem Gange. Dam gehört auch bie innere Grenzziehung. Das sind alles Dinge, mit denen diejenigen, bie unter einem gemeinsamen Dach bfeiben wollen, früher ober später in zu- friebenfteüenber Weift für alle unter sich allein fertig werben müssen. Soweit ihre Grenzen nach außen hin zur Debatte stehen, finb sie sich bereits im klaren barüber, baß es für sie wie für bie Zu­kunft bes Sübostens unerträglich wäre, würbe man bie Grenzpfähle so verrücken, baß neue Konflikts­quellen zum Aufbruch kommen.

Für bas beutfch-italienifche Schiebsgericht ergeben sich bei ber Absteckung ber Grenzlinie im einzelnen gewiß mancherlei Schwierigkeiten, im allgemeinen wirb es aber nicht sonderlich schwer sein, einen Ausgleich herbeizuführen, ber hüben wie drüben keinen Stachel zurückläßt. Die neue ungarische Grenze sie bezieht sich nicht nur auf bas gegenüberliegenbe slowakische, fonbern auch auf das karpatho-ukrainische Gebiet wird so beschaffen sein, daß sie das Gros ber Ungarn umschließt. Kleine Splitter werben, wie sich bas schon bei der Grenzziehung im sudetendeutschen Gebiet ergab, hüben und Drüben bleiben. Sie werden aber das Gesamtbild nicht stören unb bie Sehnsucht aller Ungarn, wieder die seinerzeit zur Slowakei ge­schlagenen ungarischen Volksgenossen bei sich zu

Der Dank an die Sudetendeutsche Partei.