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Sportzentrum in Tokio verzichtet wird. Der Grund und Boden für die Olympia-Sporthalle und die Verwaltungsgebäude ist bereits erworben. Zum geeigneten Zeitpunkt beginnen dann auch die Arbeiten.

Gesunde Jugend starke Jugend.

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Auf dem Reichssportfeld sind Jungen der Landjahr­jugend zu einer sportlichen Leistungsprüfung zu­sammengezogen, der gestern auch der Reichssport­führer beiwohnte. Hier sehen wir Teilnehmer beim eifrigenStudium" ihrer Leistungsbücher.

(Schirner-M.)

Titelkämpfe der deutschen Schützen.

Der Deutsche Schützenverband hat die Meisterschaft von Deutschland 1938 zum 8. und 9. Oktober aus­geschrieben. Am Samstag, 8. Oktober, werden in Wannsee geschossen: Kleinkalibergewehr mit militä­rischem Anschlag, KK.-Gewehr mit beliebigem An­schlag, KK.-Gewehr mit internationalen Bedingun­gen stehend, kniend und liegend, Scheibenpistole (ge­brauchsmäßige Pistole), Automatische Pistole auf verschwindende Schattenrisse (sog. Olympisches Schnellfeuerschießen). Tags darauf werden in Kauls­dorf die Wettkämpfe mit Wehrmanngewehr und Scbeibengewehr, sowie der Vierwaffenkampf mit 'Scheibengewehr, Wehrmanngewehr, Kleinkaliber­gewehr und Scheibenpistole ausgetragen. Die Sieger erhalten in der betr. Waffenart den TitelMeister­schütze bzw. Meistermannschaft von Deutschland 1938".

Anita Bärwirth verläßt Deutschland.

Die bekannte Spitzenturnerin des Kieler MTV., Anita Bärwirth, Mitglied der siegreichen deutschen Olympia-Mannschaft, wird demnächst Deutschland verlassen. Frl. Bärwirth hat sich mit dem Mann- sckaftsführer der deutschen Turner und Sportler in Argentinien, Hans Hardekopf, der mit seiner Mannschaft beim Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau weilte, verlobt und wird nach ihrer Ver­heiratung nach Argentinien übersiedeln.

pora Ratjen ohne Titel.

Nicht mehr siarkberechtigl für Frauenkampfe.

Auf Grund einer ärztlichen Untersuchung ist fest­gestellt worden, daß Dora R a t j e n für Frauen­kämpfe nicht mehr eingesetzt werden kann. Deutsch­land hat durch das Fachamt Leichtathletik im DRL. die Aberkennung des Weltrekordes und der Europa­meisterschaft im Hochsprung, die auf den Namen Dora Ratjens lauten, beantragt. Der Reichssport­führer hat Anordnungen getroffen, die eine Wieder­holung eines solchen Falles in Deutschland ein für allemal unmöglich machen.

Der Weltrekord im Hochsprung gehört also nach wie vor den beiden Amerikanerinnen D i d r i ck s o n und S h i l e y , die im Jahre 1936 je 1,65 Meter sprangen. Den Europarekord halten gemeinsam Gräfin zu Solms (Berlin), die ungarische Olympia­siegerin Ibolya C s a k und die holländische Meisterin Nelly van Balen-Blanken,die bei den Eu­ropameisterschaften in Wien je 1,64 Meter erreich­ten. Der deutsche Rekord lautet auf den Namen der Gräfin zu Solms mit der gleichen Höhe.

Schweden bezwingt Deutschland 6:4.

Ringeriurnier in Stockholm.

Deutschlands Ringerstaffel bestritt nach dem Siege der Amerikaner über Ungarn den zweiten Kampf des Vierländerturniers in Stockholm gegen die starke Ringernation Schweden. Mit 6:1 Punkten blieben die Schweden siegreich. Nur im Federge­wicht holte der Kölner Schmitz durch einen Schul­tersieg über Persson, in 5:45 Minuten den Ehren­punkt. Der ringerfahrene Cadier kam im Halb­schwergewicht gegen Engelhardt in 3:10 Min. noch zu einem entscheidenden Sieg, sonst gingen die Be­gegnungen über die volle Zeit und endeten teils mit recht knappen Punktsiegen.

5. Etappe

der Rad-Fernfahrt Lamo Rom.

Während des Ruhetages in Florenz hatte sich das Wetter gebessert, so daß die fünfte Etappe der Rad-Fernfahrt ComoRom bei strahlendem Son­nenschein am Freitag durchgeführt wurde. Ueber 175 Kilometer ging die Fahrt bis Perugia: das schwerste Stück bildete die Ueberquerung des Apen­nin-Gebirges. Auf einer 17 Kilometer langen Stei­gung hatte sich eine fünfköpfige Spitzengruppe ge­bildet, in der sich auch der Spitzenreiter Ricci (Ita­lien) befand. Der Italiener war von großem Pech verfolgt; nicht weniger als sechsmal hatte er Reifen­schäden an seinem Rade zu beheben. Dadurch fiel er in der Tageswertung erheblich zurück und büßte auch die Führung in der Gesamtwertung ein, die sein Landsmann Lunardon vor Agathi an sich riß. Bis kurz vor dem Ziel war die Kopfgruppe auf 15 Mann angewachsen. Im Spurt löste sich der Italiener Doccini knapp von seinen Verfolgern und gewann in 5:07:24 Stunden. Auf den zehnten Platz wurde mit der gleichen Zeit der Deutsche Irr- gang gesetzt. Die Placierung der weiteren Deut­schen lautete: 27. Meurer 5:18:40; 29. Heller 5:26:15; 39. Balling 6.03:00; 40. Kropp; 41. Rich­ter (beide gleiche Zeit).

Tokio hofft und baut weiter.

Es war ein schwerer Entschluß für die Japaner, die XII. Olympischen Spiele 1940, die in Tokio stattfinden sollten, aufzugeben. Die Stadt Tokio hat aber den festen Willen, sobald die augenblicklichen Schwie- riokeiten überwunden sind, neuerlich zu den Olym­pischen Spielen einzuladen. Aus diesem Grunde wurden die Baupläne möglichst unverändert beibe­halten und weiter verwirklicht.

Die Ruderstrecke ist zum großen Teil schon fertiggestellt. Ja, bald werden hier schon die ersten Wettkämpfe stattfinden. Der Japanische Ruderver- band wird zusammemn mit Universitäten und Schulen Bootshäuser entlang der 2,4 Kilometer langen Strecke aufbauen und ein Zentrum des ja­panischen Rudersports gründen. Die Arbeiten am Radstadion werden vom Freiwilligen Studen- ten-Arbeitsdienst fortgesetzt; über 10 000 Zuschauer sollen hier Platz finden. Zusammen mit anderen Bauplänen wird vorerst das große Olympia- stadion aufgegeben, das heißt aber nicht, daß auf die Bauplanungsarbeiten für ein ideales

Das Organisations-Komitee derXII. Olyüipiade Tokio 1940" schließt seine Olympia-Nachrichten mit den Worten:Wir schließen hiermit unsere Dorbe- reitungsarbeit zur Feier der Spiele der XII. Olym­piade in Tokio 1940 ob mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Durchführung der Spiele der XII. Olympiade in Helsinki 1940r

Kurze Sportnotizen

Beim Leichtathletikfest in Wien am kommenden Sonntag werden auch die Europa­meisterinnen Lisa Gelius und Gisela Mauermeyer (beide München) sowie Käthe Krauß (Dresden) am Start sein.

Deutsche Motorradfahrer werden am 9. Oktober beim Solvalla-Rennen bei Stockholm in Schweden am Start sein. BMW. entsendet Martin Schneeweiß (Wien) mit einer Halbliter-Ma­schine. Weiterhin bemüht sich der Veranstalter, einen Auto-Union-Rennwagen zu einer Vorführung zu gewinnen.

Wirtschaft.

Rhein-Mainische Börse.

Alillagsbörse fest.

Frankfurt a. M., 30. Sept. Die Börse stand naturgemäß völlig unter dem Eindruck der Einigung in München. Die Haltung war fest und zuversichtlich. Aus dem Publikum setzten sich Käufe fort, und bei etwas ruhigerem Geschäft als gestern stellten sich an den Aktienmärkten durchschnittliche Er­höhungen von 1,50 bis 3 v. H. ein. Stärker erhöht waren Reichsbank mit 189 (182,75). Ferner stiegen Daimler Motoren um 4 v. H. auf 138, Adlerwerke Kleyer um 3 v. H. auf 110, Aschaffenburger Zellstoff um 3 v. H. auf 122,50 und Kunstseide Bemberg um 4 v. H. auf 139,25. Von Montanwerken hatten Verein. Stahl mit 105,25 (102,90) die Führung, Mannesmann plus 2 v. H. mit 110,50, Hoefch plus 1,25 v. H. mit 113,25, Rheinstahl plus 0,75 v. H. mit 143,25. IG. Farben erhöhten sich bei lebhaftem Geschäft auf 153,25 (151,50). Am Elektromarkt be­trugen die Besserungen 1 bis 2,v. H., nur Schuckert etwas leichter mit 179,25 (180). Etwas niedriger waren außerdem Ilse Bergbau Genuß mit 138 (139,90). Von Maschinenakkien befestigten sich Demag auf 146 (143,50), Rheinmetall auf 132 (129,50) und Eßlinger auf 103,50 (102). Don Einzelwerten ge­wonnen DDM. 2 v. H. auf 168,50 und Cement Heidelberg 1,50 v. H. auf 150. Scheideanstalt er­schienen mit Plus-Zeichen. z

Am Rentenmarkt war die Haltung ebenfalls fest. Reichsaltbesitz 129,65 (128,75). Lebhaft waren im Freiverkehr Kommunal-Umschuldung mit 93,50 bis 93,65 (93,10), 4 v. H. Rentenbank-Ablösung 91,50 (90,75). Industrie-Obligationen setzten chre Er­holung um 0,50 bis 1 v. H. fort. Am Pfandbrief- morkt traten kaum Veränderungen ein und auch Stadt- und Staatsanleihen wiesen kaum Abwei­chungen auf. Reichsanleihe-Altbesitz bei lebhaften Umsätzen im Verlaufe bis 130 nach 129,65 und Kom- munal-Umschuldung 93,75 nach 93,50, ferner Reichs­bahn-Vorzugsaktien 125 (124,65).

In der zweiten Börsenstunde unterlagen die Kurse am Aktienmarkt leicksten Schwankungen. Bei klein gewordenem Geschäft überwogen auf Gewinn­mitnahmen leichte Rückgänge. Reichsbank 187,75 nach 189, Hoesch 112,50 nach 113,25, Mannesmann

HO nach 110,50, Rheinmetall 131 nach 132, Bem­berg 138,50 nach 139,25, andererseits IG. Farben 153 bis 154 nach 153,25, AEG. 116,75 nach 116,13, Eßlinger 104 nach 103,50. Der Einheitsmarkt lag ebenfalls fest. Großbankaktien zogen bis 1,50 v. H. an, bei Industrie-Werken betrugen die Erhöhungen mehrere Punkte. Von später notierten Werten des Großoerkehrs lagen Scheideanstalt 112,50 v: H. höher mit 220, Conti Gummi mit 211 um 6 v. H. fester.

Auch im Frei verkehr zogen die Kurse bis 2 v. H. an. Dingler 88 bis 90, Katz & Klumpp 92 bis 94, Elsäss. Bad. Wolle 81 bis 83, Verein. Fränk. Schuh 73 bis 75, Rastatter Waggon 46 bis 48. Tagesgeld 2,75 (2,50) v. H.

Abendbörse sehr fest.

Das deutsch-englische Freundschaftsabkommen hin­terließ an der Abendbörse einen ungemein starken Widerhall und verstärkte die ohnehin schon zuver­sichtliche und feste Haltung. Neben weiteren Publi­kumskäufen erfolgten umfangreiche Anschaffungen der Berufskreife, die vielfach auf recht leere Märkte stießen. Trotzdem war die Umsatztätigkeit äußerst lebhaft. Im Durchschnitt stellten sich Steigerungen von 1,50 bis 3 v. H. ein, die vielfach auch bis 5 v' H. gingen. Es wurden alle Marktgebiete gleichmäßig erfaßt, so daß wir uns nur auf die wichtigsten Papiere beschränken. IG. Farben 156 bis 156,25 bis 156 (154), Verein. Stahl 106 bis 106,75 (104,50), Rheinstahl 144 bis 145 (142), Hoesch 114,50 (112,50). Mannesmann 111,50 (109,75), AEG. 118 (116,13), Gesfürel 140 (137,75), Metallgesellschaft 131,50 (129,50), Rheinmetall 133 (131), DDM. 171 (168,50), Westdeutsche Kaufhof 100 (98), Zellstoff Waldhof 141,50 bis 142 (140), AG. für Verkehr 128,50 (125,50), Eßlinger Maschinen 106 (104). Sehr fest lagen Scheideanstalt mit 225 (220) und Harpener Bergbau mit 159,50 (155). Auch der Emheitsmarkt hatte bei lebhaften Umsätzen eine Reihe von be­achtlichen Erhöhungen. Ebenso war die Haltung am Rentenmarkt weiter fest. Insbesondere Industrie- Obligationen fanden erhöhtes Interesse. 5 v. H. Gel­sen Benzin 100,50 (100,25), 5 v. H. Gelsen Berg 100,75 (100,50), 6 v. H. IG. Farben 123,75 (123,13), ferner notierten gegenüber gestern 5 v. H. AEG. 101,50 (99,90), 5 v. H. Mühlheimer Berg 101 (99,90), 5 v. H. Klöckner 101,40 (99,50).

Geschichten aus aller Welt.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Krokodil in Büchsen.

C.K. Brüssel.

Wie berichtet wird, wird auf dem Markt der Kon­serven in kurzer Zeit eine afrikanische Neuheit er­scheinen, die manchem zunächst einen Schauder ein» flößen wird, die sich aber bei vorurteilsloser Prü­fung als äußerst schmackhaft erweist. Ein findiger Pflanzer im belgischen Kongogebiet ist aus den Ge­danken gekommen, aus frischem Krokodilfleisch eine Art Gulasch zu machen; es wird erst gekocht und dann gebraten und schließlich in gut verschlossene Büchsen gebracht. Der Hersteller hat sich durch seine Beobachtungen. in seiner Umgebung leiten lassen; die Eingeborenen von Belgisch-Kongo verzehren das Krokodilfleisch mit größtem Appetit. Er selbst hat zunächst Proben gemacht und schließlich die geeig­netste Methode der Zubereitung herausgefunden, durch die Krokodilfleisch für den verwohnten Ge­schmack der Weißen sehr schmackhaft wird. Als er so weit war, schaffte er sich eine höchst moderne Ma­schine für die Herstellung von Konserven an und begann die Arbeit im großen Stil. Als erste Kun­den gewann er die Amerikaner, und er hat drü­ben einen guten Absatz, aber jetzt scheint es, als ob diese Neuheit für die Küche auch die Feinschmecker in Europa interessiert. Wünschen wir ihnen also: Guten Appetit!

Die Kunst, Kaffee zu kochen.

(sk) Amsterdam.

Für die Zubereitung des Kaffees gibt es eine ganze Anzahl komplizierter Anweisungen. Man unterscheidet holländische Methoden, französische Re­zepte und dänische Vorschläge. Seit einiger Zeit gibt es sogar Liebhaber aus Skandinavien, die ihren Kaffee grmidsätzlich mit einer Prise Salz und einer kleinen Zugabe' Butter herstellen, weil auf diese Art und Weise der Kaffeegeschmack besser herauskomme. In holländischen Spezialrestaurants freundet man sich mit der französischen Methode der Kaffee- zUbereitunq an, die darin besteht, daß man über einem Kohlenfeuer in einer Pfanne die Kaffee­bohnen röstet, bis sie leicht zu schwitzen beginnen. Die schnell abgekühlten Bohnen werden gemahlen und in einem irdenen Topf erst einmal mit zwei Teelöffeln kochenden Wassers langsam aufgerührt. Diese Mischung wird dann in ein Filter getan und hier zwei Minuten gelassen; dann muß man lang­sam den Kaffee mit Hilfe des durchlaufenden Was­sers aufbrühen. Jedenfalls behaupten die Kaffee­spezialisten, daß Kaffee genau so wenig wie Tee mit Metall in Berührung kommen dürfe. Bei ge­wissen Feinschmeckern geht diese Ueberzeugung so weit, daß sie hölzerne Kaffeelöffel nehmen. In West­indien versteht man sich sogar darauf, Kaffee mit kaltem Wasser anzurichten. Jedenfalls hütet man sich, Wasser zu verwenden, das schon einmal aus­

gekocht ist. Aber auch hier in dieser Gegend, wo man sich auf den klassischen Kaffeegenuß versteht, verwendet man keinerlei Metallgefäße, sondern nach Möglichkeit irdene Kaffeetöpfe.

Dauerwellen mit Hindernissen.

AS. Riga.

Ein erstaunlicher Zwischenfall trug sich in der lettländischen Provinzstadt Dünaburg zu. In einem Friseurgeschäft dieses Städtchens saß unter dem komplizierten Apparat, der dem Frauenhaar das Gelock der Dauerwellen verleiht, eine junge Polin. Diese Prozedur nimmt bekanntlich längere Zeit in Anspruch, die Uhr schlug sechs und Figaro machte sich daran, die Außentüre seines Salons zum Zei­chen des Geschäftsschlusses abzusperren. Das Rasseln der Schlüssel wurde von seiner Klientin völlig miß­verstanden. Sie glaubte, daß der Haarkünstler ihr etwas antun wolle und zu diesem Zweck die Tür abgeschlossen habe. Sie überlegte nicht lange und stürzte sich mit einem Satz, begleitet vom Prasseln zersplitternder Scheiben und dem Krachen des um» stürzenden und zerbrechenden Dauerwellenappa­rates, durch das Fenster auf die Straße. Hier er­regte die Frau, die laute Angstschreie ausstieß und deren Kopf von den Spulen der Lockenwickeln und den Drähten des Apparates bedeckt war, größtes Auf­sehen. Der Flüchtenden stellte sich die Polizei in den Weg, die sehr schnell das tragikomische Mißverständ­nis aufklärte. Der Friseur hat einen erheblichen Sach­schaden zu beklagen, den er wahrscheinlich tragen muß, denn die Polin begab sich mit dem nächsten Zuge in ihr Heimatland.

Zehn Affenhaare

B. Neuyork.

Zehn Affenhaare haben zur Entlarvung eines Mörders geführt und ihm eine Verurteilung zu 30 Jahren Zuchthaus eingetragen. Es handelt sich um einen Studenten der Tierarzneikunde, Fair- banks, dem die Pflege der Affen in der Menagerie eines gewissen Good anoertraut war. Eines Nachts erschien Fairbanks bei der Polizei und gab an, daß er vor wenigen Minuten Good vor einem Käfig ermordet aufgefunden habe. Er wisse nicht, wer der Mörder sei, er kenne auch die Ursachen des Verbrechens nicht, aber er erinnere sich, daß zwischen Good und einigen Negern, die bei ihm Dienst taten, ein Zank stattgefunden habe. Die Po­lizei begann sofort umfassende Nachforschungen aber es gelang ihr nicht, den Schuldigen zu ent decken. Die von Fairbanks genannten Neger konn­ten ein lückenloses Alibi nachweisen, und einer un­ter ihnen, der eine Armwunde hatte und deshalb besonders verdächtig war, konnte dies auch auf­klären; er war während einer Schlägerei im Wirts­haus verwundet worden.

Im Laufe der Untersuchungen sand man ei' paar blutbefleckte Hosen, die geschickt in bet nv allen möglichen Dingen angehäuften Voratskammer

der Menagerie versteckt waren. Als dieses Stück von den Sachverständigen der Polizei mikroskopisch un­tersucht wurde, konnte man feststellen, daß zehn Affenhaare daran hafteten. Erst jetzt fing die Po­lizei an, Verdacht gegen Fairbanks zu hegen, dessen Benehmen so natürlich erschienen war' und der scheinbar so schmerzlich bewegt an der Suche nach dem Mörder teilgenommen hatte, daß die Beamten ihn nicht näher beobachteten. Nachdem festgestellt war, wem die Hosen gehörten, da Fairbanks der alleinige Wächter und Pfleger der Affen war und die Haare der Tiere nur aufc ihn übertragen sein konnten, konnte man den Schuldigen zum Ge­ständnis bringen, indem man ihm eine Falle stellte. In einer ganz fteundschaftlichen Unterhaltung er­klärten ihm die Beamten, daß sie den Mörder nicht entdecken könnten, so daß die Akten über den Fall geschlossen werden müßten. In diesem Augenblick der nervösen Entspannung, die sich naturgemäß bei Fairbanks zeigte, wurden ihm plötzlich die Hosen gezeigt, und dazu sagte ein Beamter:Hier sind Ihre Hosen, die mit Goods Blut befleckt sind." Auf diese Weise überrumpelt, brach der Mörder zu­sammen und gestand sein Verbrechen ein.

Bestrafte Neugier

AS. Paris.

Fensterln" ist manchmal mit Gefahr verbunden, wie unlängst wieder ein junger Mann zu seinem Leidwesen erfahren mußte. Der neugierige junge Mann bemerkte spät nachts beim Nachhausegehen im Badezimmer eines Landhauses Licht und zog daraus den Schluß, daß es darin etwas zu sehen gäbe. Er hatte sich auch offenbar nicht getäuscht, denn der Anblick, der sich von der hohen Warte eines Gartenzaunes seinem Auge bot, ließ ihn Zeit und Raum vergessen. Erst ein tüchtiger Schlag auf den Kopf versetzte den Jüngling in die rauhe Wirk­lichkeit zurück, die ihm in der Person des Haus­herrn Zwei drohende Fäuste entgegenballte. Zwi­schen dem Besitzer des Landhauses, der einen Ver­brecher Überrascht zu haben glaubte, und dem er­nüchtertenSchönheitssucher" entspann sich ein regelrechter Zweikampf, der erst durch Eingreifen der Polizei feinen Abschluß fand.

Ein Ungar mutz es sein.

AS. Budapest.

Eine vielbesprochene Heirat wurde dieser Tage in Szegedin geschlossen. Eine junge Amerikanerin war vor einem Monat in Szegedin eingetroffen. Sie kam auf Besuch zu ihren Verwandten, und außerdem hatte sie die Absicht, sich einen ungari­schen Bräutigam zu suchen, da sie keinen Ameri­kaner heiraten wollte. Als siebenjähriges Mädchen war die ehelustige Amerikanerin mit ihren Eltern nach Amerika ausgewandert. Jetzt ist sie Direktrice in einem großen amerikanischen Warenhaus. Sst ließ in den ungarischen Blättern ein Heiratsinserat erscheinen, woraus sich 32 junge Aerzte meldeten, da sie ausschließlich einen Arzt heiraten wollte, dem sie bann in Amerika ein modernes Ordinations­zimmer einzurichten beabsichtigt. Das temperament­volle Mädchen hatte unter den vielen Bewerbern bald den ihr zusagenden gefunden, und das junge Paar ist sofort nach Erledigung der Formalitäten nach Amerika abgereist.

Liebesdrama im Zirkuszelt.

C. K. 211 g i e r.

In einem Zirkus in Algier ereignete sich dieser Tage ein aufsehenerregendes Geschehnis. Die junge; unter dem Namen Miß Harrisson bekannte Trapez­künstlerin sollte auftreten, erschien jedoch nicht zur gegebenen Zeit, so daß der Direktor eilte, um sie zu holen. In dem Augenblick hörte er einen Schuß, und gleich darauf fand er die Artistin in ihrem Blut liegen. Sie hatte die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Die Kugel war jedoch am Herzen vorbei­gegangen und in der Schulter stecken, geblieben, von wo sie bald daraus von den Aerzten entfernt mer« den konnte. Der Zustand der Verletzten ist ernst, doch war sie bei voller Besinnung und hat dem behandelnden Arzt die Gründe erzählt, die sie zu ihrer Tat getrieben haben.Miß Harrisson", in der die Zuschauer gewöhnt waren, nichts als ein hübsches junges Mädchen zu sehen, hat in Wirk­lichkeit schon ein stürmisches Leben hinter sich. Sie ist gebürtige Mexikanerin, 28 Jahre alt, verheiratet und Mutter einer zehnjährigen Tochter. Schon in früher Kindheit hatte sie in ihrer mexikanischen Heimat den Gebrauch der Waffen gelernt und war eine Meisterschützin mit dem Karabiner geworden, eine Fähigkeit, von der sie bei verschiedenen Zirkus­szenen Gebrauch machte. Vor einiger Zeit hatte sie sich dem Zirkus Darius verpflichtet, der eine Gast­spielreise durch Nordafrika machte. Ihr Gatte, Rene Arin, hatte kürzlich einen schweren Unfall erlitten, indem ein Löwenkäfig auf ihn gestürzt war und ihm beide Beine gequetscht hatte, so daß er ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. Bei Ge­legenheit dieses Unfalles hatte sie die Bekanntschaft des 25jährigen spanischen Tierbändigers Jackson, genanntder Andalusier", gemacht. Sofort war eine leidenschaftliche Liebe zwischen den beiden ent­brannt. Es dauerte nicht lange, da erhielt der Mann im Krankenhaus davon Kenntnis. Auf zwei Krücken schleppte er sich in den Zirkus, um den Liebhaber zur Rede zu stellen. Dieser zog sich jedoch in seinen Wagen zurück. Als der Mann seiner Frau Vor­würfe wegen ihrer Treulosigkeit machte, ergriff sie ihren Revolver, lud ihn und eilte damit zu ihrem Liebhaber.Um keine Vorwürfe mehr deinetwegen anhören zu müssen, erschieße ich mich", rief sie, und bevor der Mann noch eine Bewegung machen konnte, um sie zu hindern, war der Schuß schon losgegangen. Die Eile und die Erregung waren vielleicht die Ursache dafür, daß die Frau, die die Zirkusprogramme alsdie sicherste Schützin der Welt" ankündigen, ihr Ziel verfehlt hatte.

Das Spangericht tagt.

(tt) Appenzell.

In Appenzell ist eine der ältesten Rechtsformen noch heute in Gebrauch. Wenn sich dort Streitigkei­ten ergeben, die sich auf Wegen, auf Wiesen oder Weiden erstrecken, dann werden diese Fälle nicht im Gerichtssaal entschieden, sondern das Gericht setzt einen sogenannten Span an und geht an Ort und Stelle. Unter freiem Himmel prüft man die An­gaben der Kläger. Dort vernimmt man auch die Zeugen und die Feldhüter. Und in aller Oeffentlich- ?eit, also unter freiem Himmel, wird das Urteil bzw. die Entscheidung gefällt. Dieses Spangericht läßt sich üele Jahrhunderte hindurch zurückverfolgen. In inem alten Schweizer Landbuch aus dem Jahr 1585 wird mitgeteilt, daß ein Hauptmann und zwei Männer vom Hohen Rat über die Wiesen und die Straßen zu gehen hätten, wenn irgendein Handel mhängig sei. Später wurde allerdings verfügt, daß regen eine solche Entscheidung bei einer höheren Instanz, bei einem Kantonsgericht, Einspruch er­hoben werden könne. Dennoch sind meist die Ent- heidungen des Spangerichts ausschlaggebend. Man nterwirst sich, nachdem die Richter unter freiem Himmel entschieden haben.