Frankreich
kennt Deutschland nicht!
Don A de Chateaubriand.
Der französische Dichter, Offizier und Frontsoldat hat Deutschland bereist, hat das neue Reich und den Nationalsozialismus studiert und schrieb darüber ein Buch, das in beut» Icher Übersetzung im Verlag Braun-Karlsruhe unter dem Titel „Gebullte Kraft" erschien. Wir entnehmen seinem Schlußkapitel folgenden Abschnitt:
Es wirb viel geredet; ich aber habe gesehen! Deshalb hat man auch ein Recht, von mir zu erfahren, was ich denke, welche Auffassung ich gewonnen habe und mitnehme. Denn schließlich kann nur der die Säure von Gras oder Tannennadeln beschreiben, der sie mal gekaut hat.
Ich bin zu folgender Erkenntnis gekommen, und das ist meine Meinung darüber: Frankreich kennt Deutschland nicht, es kennt das gegenwärtige Deutschland am allerwenigsten; und das ist der Grund dafür, daß es befangen ist und keine Urteile fällen kann, die einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Welt ausüben mürben. Frankreichs Verhältnis Deutschland gegenüber bleibt unbestreitbar unter dem Zwang der Erinnerungen. Diese Erinnerungen, deren Bitterkeit wohl begreiflich ist, haben in ihm eine derart überempfindliche Seelenoerfassung erzeugt, daß es den arglistigen Einflüsterungen aller geübten Kenner nur allzu leicht erliegt. Es ist infolgedessen vor allem notwendig, daß die in Deutschland und im deutschen Geist eingetretenen ungeheuren Veränderungen ihm zur Kenntnis gebracht werden, und vor allem auch denen, die im wesentlichen seine landläufigen Ansichten beeinflussen.
Frankreich erlebt gegenwärtig einen der tragischsten Augenblicke seiner Geschichte; denn es fällt ihm angesichts des unübersehbaren Kampffeldes ungeheuer schwer, sich aus der hypnotischen Befangenheit in seiner Kultur und all seinen liebgewordenen alten Gewohnheiten zu lösen. Es bleibt untätig dem Argwohn des bolschewistischen Rußland gegenüber; zwischen der Angst vor der drohenden Revolution und dem künstlich geschürten alten Grimm verhält es sich regungslos und wie gelähmt. Regungslos und wie gelähmt ... Fühlt ihr, was das bedeutet, was das verspricht? ...
Ach, du geliebtes, schönes Frankreich, es genügt heute nicht mehr, daß du eine Schwanenseele hast, du mußt heute deine ganze Klugheit beweisen; dein gesunder Menschenverstand genügt nicht mehr, er ist dir inzwischen auch abhanden gekommen; man hat dich über die wahren Gegebenheiten hinweggetäuscht und hat dir fremde Begriffe in dein Gehirn gegraben, die du noch kaum stammeln kannst.
Du bist gehemmt in deiner lebendigen Regsamkeit und bist vom Weg deiner großen Sendung ab- gekommen; deine Freiheit wirst du erst gewinnen, wenn du Deutschland gegenüber deine innere Unabhängigkeit wiederfindest. die dir erlaubt, dich von Moskau zu befreien.
Der Zusammenschluß der europäischen nationalen Mächte, unter Einbeziehung gewisser, weiter im Osten der Welt stehender Wachtposten (es hat mir genügt, in diesen Tagen zu beobachten, mit welch höflichem, willfährigem Lächeln die japanischen Ehrengäste des Führers sich vor den deutschen Regierungshäuptern verneigten), wird mit Notwendigkeit die bolschewistische lieber» schwemmung dazu zwingen, ihre Ziele zurückzustecken und ihre Feuer zu löschen.
Das müssen die Franzosen in Frankreich wissen; aber dann noch eines, das ich als Heiligtum bei meinem inbrünstigen Suchen entdeckte, der Silberdegen, den ich hier auf diesen Altar niederlege; das heutige Deutschland ist nicht das Deutschland des Kaiserreiches. Der Unterschied ist so groß, daß er ans Unglaubliche grenzt, so groß, daß sich die Franzosen gar keinen Begriff davon machen können. Das Hitler-Deutschland ist vor allem — wenn es auch im Notfall jederzeit bereit ist, mit der dynamischen Kraft, die fein Glaube in ihm entfachte, zu einem schrecklichen militärischen Organismus sich um,zubilden —, wenn auch weniger auf Friedensoersicherungen, so doch auf eine gewisse Idee und Vorstellung von sich selbst gegründet, die alles daransetzt, um ein hohes menschliches Ideal zur Geltung zu bringen, ein Ideal, das heute sein innigstes, teuerstes Sehnen darstellt, und das es nur im Frieden und durch den Frieden voll und ganz verwirklichen kann.
Man muß endlich genügend Menschenkennttiis besitzen, um den Mann, der Deutschland regiert, zu begreifen, und genügend Mut haben, um ihn anzuhören; er ist ein Ausnahmemensch, dessen Geist seine Gedanken nicht aus den eisigen Regionen ehrgeiziger politischer Geschicklichkeit zieht, sondern aus einer tiefen Liebe und einer Selbstzucht, von der die berufsmäßigen Gauner und Kombinationsmakler keinerlei Vorstellung haben. Hitter ist k e i n Eroberer; er ist ein Baumeister des Geistes, ein Bildner des Willens. Im Inneren der Seelen
3m Arbeitszimmer Adolf Hitlers.
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Von links: der italienische Außenminister Graf Ciano, der Führer, der Dolmetscher Gefandtschaftsrat Dr. Schmidt, Ministerpräsident Chamberlain, Sir Horace Wilson und (von der Seite) Ministerpräsident D a l a d i e r. — (Preffe-Jllustrationen-Hoffmann-M.)
scheint sein Nationalsozialismus an seinem germanischen Dom zu bauen, Und darum hat Hitler sich vor allem auch an die inneren Mächte der Liebe und des Glaubens gewandt, ohne jedoch — jo scheint es — den Rechten der Vernunft einen Schaden zuzufügen oder ihre Wichtigkeit praktisch einzuschränken. Aber alles dies hat keine Beziehung mehr zu einer intellektuellen Politik wie der unsrigen, der es einige Mühe kostet, in diese „verwirrenden Tiefen" — wie sie es nennt — hinabzusteigen.
Frankreich kann nun tun, was es will. Es möge
Kairo, Ende September.
Kommt man in Palästina mit einem Engländer — einerlei, ob Militär ober Zivil — ins Gespräch und befragt ihn über die Ursachen des Palästina- Aufstandes, so gibt er deren zwei: Einmal die faschistischen Agenten seiner Träume, die englischer Auffassung entsprechend zu Dutzenden im gelobten Land herumreisen, mit den Goldpfunden nur so in den Taschen klimpern und die Araber für die Rebellion bezahlen — und dann die Franzo- s e n. Wenn man erstaunt fragt: Wieso die Franzosen? — dann wird ein Kolleg darüber gehalten, daß die Franzosen in Syrien nichts tun, den von dort immer breiter fließenden Hilfestrom für die Freischärler abzu st oppen.
Und mit diesem Argument haben die Engländer recht, wenngleich es auch keineswegs die Ursache für den Palästina-Aufstand abgibt. Aber die Tatsache bleibt, daß die Franzosen nichts tun, um die syrischen Araber von ihrer Hilfsbereitschaft und Hilfeleistung für die Freischärler abzuhalten. Sie haben ihre Gründe dafür: Fürchtet doch Frankreich, daß der Funke der Revolte auch nach Syrien überspringt, so man die arabische Aktivität zu dämpfen sucht. Darum läßt man sie lieber über die Grenze hinüberstrahlen und erhält so die Ruhe im eigenen Mandatsgebiet.
Kennzeichnend für die französische Haltung war jener Wink, den man dem Mufti gab, ehe man unter englischem Druck sein Haus im Libanon durchsuchte, um seine politische Aktivität zu brandmarken. Diesem französischen Wink war es wohl in erster Linie zu danken, daß jene Haussuchung ergebnislos verlief. Solche Haltung französischer Stellen ist charakteristisch für die Ressentiments, die Frankreich England im nahöstlichen Spannfeld entgegenbringt und die ihre Quelle haben in der Nachkriegszeit, da sich London und Paris während der Friedensverhandlungen über den Länderschacher in der arabischen Welt nicht einigen konnten. Die damals aufgetretenen Schwierigkeiten und Gegensätze, da England den französischen Partner aus dem Nahen Osten hinauszumanövrieren suchte, gelten heute noch, auch wenn man nicht darüber spricht.
wählen! Seine Sache ist es, frei zu handeln, wenn es frei ist; seine Ketten zu zerbrechen, wenn es sich gefesselt fühlt. Möge es mit der Geschmeidigkeit des Geistes, die während so langer und großer Jahrhunderte seine göttliche Stärke war, fähig bleiben, die neue gegenwärtige Lage gerecht und ruhig zu burteilen, möge es sich mit der feinen, blassen Hand über die ermüdete Stirne streichen und die schreckliche umdunkelnde Besessenheit verscheuchen, die seine ungeduldigen Erben und seine falschen Aerzte in ihm wachrufen.
In der jüngsten Sitzung der Mandatskommission in Genf gerieten der englische und ftanzösische Vertreter scharf aneinander, als die Frage des Waffenschmuggels nach Palästina zur Aussprache stand. Wieder zielte der englische Vorwurf auf die Passivität der ftanzösischen Mandatsverwaltung, die diesen Schmuggel erst ermögliche. Die „Times" stieß in einem Leitartikel ins gleiche Horn und äußerte ihr Verwundern darüber, daß das englische Mandatsgebiet durch einen Stacheldrahtzaun gegen Einfälle aus dem französischen Mandatsgebiet geschützt werden müsse. All diese kleinen Gefechte und Vorwürfe sind Symptome für eine englisch-französische Gegensätzlichkeit, die so alt ist, wie die Friedensverträge, die im Naben Osten die Ordnung oder besser Unordnung stabilisierten, und die nun im Zuge der Polittk, die England hier betreibt, wieder auflebt.
Englands Polittk zielt im Bereich der Levante auf ein enges Zusammenspiel mit dem türkischen Partner. Den Preis aber, den Ankara für dieses Zusammenspiel mit London verlangt, soll Frankreich zahlen, lieber die englische Zustimmung zur Befestigung der Dardanellen und die Meerengen-Konferenz von Montreux führte die englische Annäherungspolitik an die Türkei zu jener Lösung der Sandschakfrage, bei der Ankara den Sandschak zugeschanzt bekam als Preis für das Einschwenken in die englische Mittelmeerfront. Diesen Preis aber zahlte — Frankreich. Denn der französische Einfluß wurde im Gebiet der Levante gemindert. Heute zielt die Expansionskraft Ankaras schon über den Sandschak hinaus. Die Türkei schätzt ihren Bündniswert für England so hoch ein, daß sie glaubt, auch noch Aleppo und das Djezireh- Gebiet fordern zu können. Noch sind diese türkischen Pläne nicht über das Stadium stiller Verhandlungen mit London und intensiver Propaganda in den geforderten heute zu Syrien gehörenden Bezirken hinaus gediehen Aber in Kreisen der franzöfi dien Mandatsverwaltung in Syrien spürt man doch heute schon, daß in jedem Fall der Preis für eine noch engere Bindung der Türkei an England — wiederum von Frankreich bezahlt wer
den soll, und daß London mit seiner Türkenpolitit in geschickter Weise wiederum jene politischen Absichten der Nachkriegsjahre verfolgt, die darauf zielten, Frankreichs Einfluß in der Levante so klein und beschränkt wie möglich zu halten und auf die Küstenlinie des Libanon zu beschränken, wo seit Jahrzehnten dem französischen Einfluß der Vorrang zukommt. So spricht män bereits in politischen Kreisen des Nahen Ostens von englischen Tei» l u n g s p l ä n e n für das syrische Mandatsgebiet, die zwar keineswegs schon reif zur Verwirklichung scheinen. Aber daß man sie diskutiert, ist für die französisch-englische Gegensätzlichkeit im Nahen Osten charakteristisch, wo England aktiv daran arbeitet, engste Verbindung mit der kemalistischen Türkei zu bekommen und Frankreich den Preis dafür zahlen zu lassen.
Klänge des Egerlandes.
Im Rundfunk hört man jetzt öfter die schneidigen Klänge des Egerländer Marsches. Dieser Marsch des alten österreichischen Regiments, das in Eger beheimatet war, hat einen Text in der Mundart des Egerlandes, dem sich dann folgende hochdeutschen Verse anschließen:
„Wenn Tod, Verderben uns umringt. Kein Leben unsere Brust durchdringt. Wir drängen vor und weichen nicht, Wir fallen nach erfüllter Pflicht.
Wenn Lorbeer bann die Fahne ziert.
Dir, Herr, der beste Dank gebührt.
Dich preisen wir und schwör'n aufs neu, Daß wir dem alten Wahlspruch treu Und wenn die Welt voll Teufel wär'. Wir folgen dir zu Ruhm und Ehr'!"
Die Egerländer gehörten zu den besten Soldaten der alten k. u. k. Armee. Der berühmte Heerführer Alfred Krauß, der vom Führer zum General
Steinhäger- i
/Urquell
würzig mild - mit dem bekannten S chi n k'en bi Id !
der Infanterie ernannt wurde und in Wien einer der verehrtesten Männer des großdeutschen Kampfes war, ist im Egerlande geboren. Zu den schönsten Waffentaten der Egerländer gehörte im Weltkriege die Eroberung des Lovcen, der gemeinsam mit Wiener Truppenteilen im Jahre 1916 durch Landwehr durchgeführt wurde. Dabei war der Lovcen, die beherrschende Stellung Montenegros über der Bucht von Cattaro, 1800 Meter hoch und stark befestigt. Im Rathause zu Eger stehen die Worte Felix Dahns, die ebenfalls vom Geist des dortigen Deutschtums zeugen:
„Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk, Das höchste Gut des Volkes ist sein Recht."
Englisch-französische Gegensätze im Achen Osten.
-Bon unserem S. K.-Korrespondenten
Mussolini während der Verhandlungen.
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Unser Bild zeigt einen Augenblick während der Beratungen "N Mchr°ro°u MN nnis urr Führer, der Duce. G-nerals-ldmarschall Garing, Reichssuhrer -- Summier, Reichsminister Rubels Heß. - (Us-.Scherl.Bilderdtenst.Mh
Oie Abfahrt Mussolinis von München.
Unmittelbar nach Beendigung der Vier-Mächte-Besprechung im Führerbau in München bestieg Mussolini seinen Sonderzug, um in die Heimat zurückzukehren. Der Führer begleitete seinen Gast zum Bahnhof, wo ihm ein BDM.-Mädchen einen Blumenstrauß als Abschiedsgruß überreichte. Rechts tm Bild sieht man Generalfeldmarschall Göring. — (Scherl-W.)


