Xlrj26 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, l.Zuni 1958
Aus der Stadt Gießen.
Bauernregeln im Juni.
„Junigewitter erfreuen des Bauern Herz", sagt man in Westpreußen, denn Gewitter bringen Regen; und. „Quniregen bringt reichen Segen", heißt es ebenfalls dortzulande in der Grenzmark. Das gilt besonders für die Ackerwirtschaft; und so sagt man noch ergänzend: „Wenn es im Juni nicht regnet, bekommt das Getreide den weißen Raft". Anoers schauen (im Westen und Süden unseres Date.^ndes) Winzer und Imker die Sache an; sie brauchen für die. Reben und für die Bienen Sonne, und sagen:
„Die kalten Juniregen
bringen Wein und Honig keinen Segen!" Und in Westfalen sagt man:
„3s de Juni mehr brügge as natt, dann fület de Win dat Fatt."
Im allgemeinen wird dann jeder Landmann zufrieden sein, wenn warme, sonnige und heitere Witterung durch häufige, aber nicht zu dauerhafte Regenfälle unterbrochen wird.
In diesem Jahre fällt Pfingsten in den Anfang des Juni. Was das Pfingstwetter anbetrifft, da gibt es mancherlei grundverschiedenen Ansichten und Wünsche. „Pfingstregen heilt alles aus", sagt man in einigen Gauen Deutschlands; aber viel verbreiteter sind die gegenteiligen Meinungen, die meist ungefähr fo lauten: „Pfingstregen tut selten gut" oder „Feuchte Pfingsten regnen das halbe Korn fort".
Der 8. Juni ist Medardus gewecht. An chn knüpfen sich verschiedene Wetterorakel; seine Witterung soll in verschiedener Hinsicht nachhaltig sein: „Me- barbiroetter bleibt sechs Wochen unverändert", heißt es unb „Ist es an Mebarbi kühl, so bleibt es kühl Vis zur Erntezeit". Und da Mangel oder Fülle von Sonnenwärme die Güte des Weines bestimmt, so reimt der Rebbauer. übereinstimmend damit:
„Sankt Medardus gibt den Wein so, wie ist sein Wetterlein."
Dom 11. Juni, dem Barnabastage, heißt es sodann:
„Regnet's an Sankt Barnabas, schwimmen die Trauben bis ins Faß!"
Es ist also eine ziemlich wässerige Geschichte! Heuer fällt Trinitatis oder Dreifaltigkeitstag auf den 12. Juni. Er gilt als „Kräutersonntag"; die an ihm gepflückten Kräuter haben dreifache Heilkraft und Würze. Auch Dreifaltigkeitsregen hat dreifache Segenswirkung; drum fängt man ihn auch auf und verwendet ihn gegen Brandwunden. Dreifaltigkeitsregen würde den Flachs sogar dann gedeihen lassen wenn man ihn auf nackten Steingrund gesät hätte, sagt alter Dolksaberglaube. Wenn es allerdings an Trinitatis regnet, soll es dreizehn Sonntage — immer klingt die „Drei"" an — fortregnen, oder — wie man anderorts meint — 30 Tage. In Schwaben gilt der Glaube, daß Trinitatisregen den Schaden gut mache, den der Pfingstregen angerichtet habe. An dem Dreifaltigkeitstage Geborene werben glücklich, sie können auch Geister sehen. Letzteres mag manchem als sehr zweifelhaftes Glück erscheinen, aber die Geschmacksrichtungen sind verschieden.
Sankt Vitus, der heilige Veit, ist Kalendermann des 15. Juni. Da gilt:
„Wie sich Sankt Vitus hält.
so ist das Wetter im Herbst bestellt."
In der ohnehin regenreichen Landschaft Salzburg sagt man: „Sankt Veit schüttet gern sein Haferl um", es gibt also nasses Wetter. Und in Schwaben meint man: „Wenn St. Veit s'Häfele umschütt't, so schütt't er's auf 4 Wochen um." In der Veits- nacht, also der Nacht vom 14. zum 15. Juni, gießen mancherorts die Mädchen Blei; aus der Form des Geschmolzenen wollen sie erkennen, welches Handwerkzeug ihr „Zukünftiger" führt. Fronleichnam wird 1938 am 16. Juni gefeiert. In katholischen
ReichsalNobahil-AllsWß Steinbach-Oppenrod in Beiried.
Erhebliche Verkehrserleichterung. — Entlastung für Gießen.
Am heutigen Mittwochvormittag um 9 Uhr wurde die Reichsautobahn st recke Steinbach — Oppenrod, im Anschluß an die bisherige Strecke bis Gießen, dem öffentlichen Verkehr übergeben. Damit ist der Anschluß an die Reichsstraße 49 in Richtung Grünberg — Alsfeld herge stellt, auf der sich der Fährverkehr von der Reichsautobahn her in nördlicher Richtung über Grünberg bzw. umgekehrt solange fortsetzen wird, bis der Bau der weiteren Abschnitte der Reichsautobahn über Lumda in Richtung Homberg —Alsfeld vollendet ist.
Bei der am heutigen Vormittag dem Verkehr übergebenen neuen Reichsautobahnstrecke handelt es sich um ein Stück von rund vier Kilometer Länge. Die unmittelbare Auswirkung der Inbetriebnahme dieses Teilstückes wird darin bestehen, daß die aus Richtung Alsfeld—Grünberg kommenden Kraftfahrzeuge an der Baustelle bei Reiskirchen vorbei in der Nähe von Oppenrod auf die Reichsautobahn herauffahren bzw.-sie in der umgekehrten Fahrtrichtung dort verlassen können. Damit wird den Kraftfahrzeugen in beiden Fahrtrichtungen auf der Reichsautobahn der jetzige Umweg über Gießen erspart. Zugleich bedeutet dies auch, daß der Durchgangs-Kraftverkehr in diesen beiden Richtungen künftighin nicht mehr die Straßenzüge unserer Stadt belasten wird, die also gegenüber der jetzigen Lage eine Entlastung erfahren werden.
Im allgemeinen werden meist größere Autobahnstrecken bei einer Eröffnung dem Verkehr übergeben. Diesmal wurde von dem Generalinspekteur
für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, angeordnet, vor Beginn der Hauptreisezeit die Teilstrecke von RABkm. (Reichsautobahn-Kilometer) 59,5 bis RABkm. 63,5, die vom Zubringer Steinbach bis Grünberg bzw. Alsfeld einen Weggewinn von etwa 20 Kilometer bedeutet, sofort nach der Fertigstellung dem Verkehr zu übergeben.
Trotz des hügeligen Geländes weift die Linienführung dieser Teilstrecke nur eine stärkste Steigung von 1:20 (5 v. H.) auf. Das flachste Gefälle beträgt 1:1000, der kleinste angewendete Kurve nhalbmesser 1000 Meter, die kleinsten Ausrundungen bei den Kuppen 8000 Meter, bei tz7n Mulden 5000 Meter.
An Bauwerken wurden vier Brück en errichtet und fünf Durchlässe ausgeführt. Eine Ueder- führung und drei Unterführungen leiten den Verkehr kreuzungsfrei über oder unter der Autobahn hindurch.
Während am Anfang des Baues der Reichsautobahn zur Unterbringung der großen Zahl von Erwerbslosen möglichst alle Arbeiten mit der Hand gemacht werden mußten, ergab sich im Laufe der Zeit die Notwendigkeit, die Arbeiten auf Maschinenbetrieb umzustellen, nachdem sich große Schwierigkeiten in der Arbeitergestellung durch den Mangel an Arbeitskräften ergeben haben. Von weither müssen jetzt Arbeitslose herbeigeholt werden. So sind z. B. am vorigen Sonntag 72 österreichische Arbeiter in den Reichsautobahnlagern Großen- Buseck und Winnerod eingetroffen.
Die Teilstrecke führt durch ein landschaftlich außerordentlich reizvolles Stück unserer engeren Heimat. Bei unserer Fahrt über die Strecke am heutigen
Mittwochvormittag konnten wir eine Vorstellung davon erhalten, welche Freude den Autofahrer beim Passieren dieser Strecke durch schöne Waldstücke und an reichgesegneten Aeckern vorbei, mit dem Blick auf freundliche Dörfer, erfüllen wird. Von der Höhe vor Burkhardsfelden kann man einen wunderbaren Ausblick auf den herrlichen Talgrund in der Gegend von Reiskirchen und Lindenstruth mit den gegenüberliegenden Höl)en von Bersrod in Richtung Rein- hardshain erhalten.
Die Abfahrt bei Oppenrod ist allem Anschein nach als ein Provisorium gedacht. Sie liegt, in nördlicher Fahrtrichtung gesehen, an der linken. Seite, so daß der Kraftfahrer unmittelbar, vor Oppenrod auf eine kurze Strecke mit Gegenverkehr zu rechnen hat. Die enge Dorfstraße in Oppenrod wird außerdem zu besonderer Vorsicht mahnen.
Kommt man aus nördlicher Richtung, also von Grünberg her, so dürfte es sich empfehlen, die große Straße 49 bis Halbwegs herauf zur Ganseburg zu benutzen und dann links abzuzweigen nach Oppenrod zur Reichsautobahn. Die Fahrt von Reichskirchen über Burkhardsfelden mit feinen zum Teil verhältnismäßig engen Straßen und dann mit der außerordentlich spitzen Kurve von Burkhardsfelden her in Oppenrod zur Auffahrt der Reichsautobahn dürfte aus Sicherheitsgründen weniger empfehlenswert fein.
Immerhin ist es mit Anerkennung zu begrüßen, daß die Bauleitung der Reichsautobahn zur Erleichterung des Durchgangsverkehrs für Kraftfahrzeuge diese Teilstrecke bereits eröffnet hat.
Gegenden sagt man: „Fronleichnamstag — Gott Stadt und Fluren segnen mag!" Damit ist Sonnensegen gemeint, denn „Fronleichnamstag schön und klar läßt folgen ein gutes Erntejahr." Hingegen: „Fällt auf die Fronleichnamsprozession Regen, so regnet es 40 Tage allerwegen."
Für den Johannistag, 24. Juni, und feine Folgezeit hat man in alemannischen Gauen diesen Vers als Ernteorakel: „Wenn ab Johanni der Gugger (Kuckuck) schreit, so kommt ein Fehljahr und teure Zeit." Und im besonderen heißt es vom Johanniswetter:
„Wenn's an Johannistag regnet ins Laub, dann werden die Bucheckern taub."
Peter und Paul haben gemeinsam den 29. Juni zugesprochen bekommen. Es ist inzwischen Sommer geworden; das Wachstum des Kornes hört auf, die Reifezeit fetzt ein. Der Landmann hat dafür das Wort: ..Peter und Paul brechen den Halm ab." Es geht langsam, aber stetig der Erntezeit entgegen. — , W. L.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Jugend". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ab Mitternacht".
BDM.-Untergau 116.
Alle Mädel, die sich zur Arbeitsgemeinschaft für Werkarbeit gemeldet haben, treten am Donnerstag, 2. Juni, um 20,15 Uhr an der" Dienststelle an.
§reiwilligel93SausderLani>wirtschast
ZdR. Landwirtschaftliche Arbeitskräfte, die im Herbst 1939 als Freiwillige in das Heer oder im Frühjahr und Sommer 1939 in die Kriegsmarine oder im Frühjahr 1939 in die Luftwaffe (Fliegerund Luftnachrichtentruppe) eintreten wollen, müssen sich bis zum 5. Juli 1 938 bei dem von ihnen gewählten Truppenteil melden.
Unter den Begriff „Landwirtschaftliche Arbeits-, kräfte" fallen Bauern, Landwirte sowie ihre in der Landwirtschaft tätigen Angehörigen, Inspektoren, Verwalter, landwirtschaftliche Arbeiter aller Art, zum Beispiel Knechte, Tagelöhner, Melker usw., Wander- (Saison-) Arbeiter, ferner Winzer und Weinbergarbeiter sowie Gärtner für feldmähigen Anbau.
Die für die einzelnen Wohnsitze der Bewerber zuständigen Truppenteile können bei den Wehrmeldeämtern bzw. Wehrbezirkskommandos erfragt werden. Auf Anfordern geben diese auch Merkblätter für den Eintritt als Freiwilliger in die Wehrmachtteile aus. Bei Annahme als Freiwilliger wird d.ie Einziehung zum Reichsarbeitsdienst im Winter 1938/39 behördlicherseits veranlaßt, besondere Schritte des Bewerbers sind hierzu nicht erforderlich.
Wer die Frist zur Annahme als Freiwilliger versäumt, kann im Winter 1938/39 nicht in den Reichsarbeitsdienst und im Jahre 1939 nicht als Freiwilliger in die Wehrmacht eingestellt werden.
Gesellschaftsreisen in das Ausland im Nahmen der Freigrenze.
DNB. Die monatliche Freigrenze von 10 NM. wird vielfach zur Durchführung von Gesellschaftsreisen in das Ausland in Anspruch genommen, die nach Umfang und Reiseziel über den Rahmen einer mit 10 RM. zu bestreitenden Reise weit hinausgehen. Die bei derartigen Reisen aufgetretenen Mißstände haben den Reichswirtschaftsminister veranlaßt, durch Runderlaß die Inanspruchnahme der Freigrenze für Gesellschaftsreisen in das Ausland im bestimmten Umfange zu begrenzen.
** Die Gießener Hochfchulgefell- fchaft wird ihre übliche Jahrestagung am 11. Juni veranstalten. In der Festsitzung, die sich an die ge
wohnte Hauptversammlung anschließt, wird Professor Dr. Reinhold den Festvortrag über das Thema „Die Forst- und Holzwirtschaft im Groß- deutschen Reich" halten.
** Geschäftsjubiläum. Am heutigen Mittwoch, 1. Juni, kann J)er Inhaber des Friseur- geschäftes K o ch im Seltersweg auf das 40jährige Bestehen seines Unternehmens zurückblicken. Das Geschäft wurde von dem jetzigen Senior, Frieseur- meifter Emil Koch, in der Bahnhofstraße im Hause der jetzigen Drogerie Noll im Jahre 1898 gegründet. Drei Jahre später wurde es in die Geschäftsräume des jetzigen Schunkschen Ladens in der Bahnhofttraße verlegt, wo es bis zum Jahre 1909 betrieben wurde. Friseurmeister Emil Koch, der nebenbei bemerkt als erster feines Faches auf dem Gebiete der Damenfrisur in Gießen bahnbrechend tätig war, erwarb 1909 das Geschäftshaus im Seltersweg, in dem sich heute noch der Geschäftsbetrieb befindet. Durch feine Tüchtigkeit als Meister seines Faches brachte er fein Unternehmen immer weiter voran. Im Jahre 1913 trat fein Sohn, der jetzige Friseurmeister Richard Koch, als Lehrling in das väterliche Geschäft ein, das er, gestützt auf gute Ausbildung und langjährige Erfahrung, im Jahre 1935 käuflich von feinem Vater übernahm und es seitdem unter feiner Leitung nach den bewährten Geschäftsgrundsätzen des Unternehmens fortführtc. Das Geschäft und fein Gründer bzw. jetziger Inhaber erfreuen sich in Fachkreisen und bei der Bevölkerung großer Wertschätzung.
** Oeffentliche Bücherhalle. Im Mai sind 1976 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 3, Zeitschriften 10, Gedichte und Dramen 13, Erzählende Literatur 1174, Jugendschriften 277, Länder- und Völkerkunde 146, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 250, Kunstgeschichte 4, Naturwissenschaft und Technologie 42, Heer- und Seewesen 26, Haus- und Landwirtschaft 5, Philosophie und Religion 5, Staatswissenschaft
am
Rabenau.)
Das Gießener Giadiiheaier in der Spielzeit 1932/38.
Rückblick und Ausblick.
In den letzten Tagen des Monats Mai hat das Stadttheater seine Spielzeit 1937/38, die am 24. September v. I. mit Shakespeares „Maß für Maß" eröffnet wurde, zum Abschluß gebracht. Es ist an der Zeit, nachdem der Vorhang bis aus weiteres zum letzten Male gefallen ist, einen Blick zurückzuwerfen und die in der abgelaufenen -Spielzeit geleistete Arbeit noch einmal zusammenfassend zu überschauen. Eine im letzten Programmheft des Theaters von der Dramaturgie Msammengestellte Uebersicht ergibt zunächst zahlenmäßig folgendes Bild: in der Spielzeit 1937/38 fanden insgesamt 295 Veranstaltungen statt; davon ®a^n:f,9,f Vorstellungen in den Tagesmieten, 63 Vorstellungen anher'Miete, 16 Morgenoeranstaltungen, 5 Orchesterkonzerte, 41 Vorstellungen in Bad-Nauheim, 20 Veranstaltungen in anderen Orten, 10 Vorstellungen für den Theaterring der Hitler-Jugend eine Vorstellung für die Wehrmacht, 33 Vorstellungen für die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude , 10 Vorstellungen für „KdF." Wetzlar. ,
Zur Aufführung kamen int einzelnen ?6 Schau- spiel-. Komödien, Lustspiele und Schwanke em Weihnachtsmärchen, 6 Opern und 7 •
Eine sruchtbare und vielseitige Tätigkeit entfaltete di- Theaterleitung in den l°nntagl,chea Margen- Veranstaltungen, die sich ersreul>ch e ngeluhrt und sich einen jcsten Stamm ständiger Besucher gescha,- sen haben. Die Programms waren mü Geschick u sinnvoller Abwechslung zusammeng-st-llt es wur den Schausviel Musik und Tanz, Ernstes und Keckeres in ^gleicher Weise bedacht und dabei au, aktuelle Anlässe besonderer Art ^otensonntah, Weihnachten, Fasching» Rücksicht genommen X e ausgesprochene Uraussuhrungssreud gkeck am E st- ner Theater sand gerade auch d n Morgens-iern reizvoll- Möglichkeiten, so -rschi-n-n in diestm, Rahmen die Einakter „Der Ritter von Vasner,
Die Windsbraut" von Billmger
S.ras,-"Ä-;
von Schubert erinnert; auch selten gehörte moderne Musik wurde gelegentlich zu <3ebor gebrach. I ferner an die sonntäglichen Gedenkfeiern für tue Wehrmacht und für die SA. du erinnern, ferner nn die Tanzveranstaltungen („Slawische Tanz^. M. der -i7°n7n Gruppe? Gastspiel von Ma,° von
haben für die kommende Spielzeit mit einem recht
Aus der Reihe der Sonderoeranstaltungen, die sich fast durchweg eines sehr lebhaften Zuspruches zu erfreuen hatten, seien genannt: im Anschluß an die Gaukulturwoche im November v. I. eine Festvorstellung des „Fuhrmann Henschel" in Anwesenheit von Gerhart Hauptmann, die Gastspiele von Paul Wegener („Totentanz" und „Kollege Crampton"), das Gastspiel von Dorothea Wieck („Liebe in Dur und Moll"), das Gastspiel des Meister-Sextetts und die Tanzgastspiele/Mary Wigman („Die schönsten Tänze"); Polnisches National-Ballett Parnell; Ballett Raimondo. Nicht zu vergessen das außerordentlich wohlgelungene und gutbesuchte Künstler- und Pressefest.
Das Städtische Orchester veranstaltete fünf Konzerte: einen Richard Wagner-Abend (Solist: Jean Stern); Klassische Musik (Solist: Professor Hobohm); Orchesterkonzerte mit Helmut Zernick und Käthe Heidersbach; „Die Jahreszeiten" von Haydn (Solisten: Helene Fahrni, Erich-Meyer-Stephan; Anton Knoll.).
Die Oper brachte mit „Fra Diavolo" von Auber, „Martha" von Flotow, „Wildschütz" von Lortzing, „Boheme" von Puccini und „Troubadour" von Verdi bewährte Werke des klassischen Repertoires, die mit den bei uns verfügbaren Mitteln bewältigt werden können und ihrer Anziehungskraft stets gewiß sind; außerdem erwarb sich die Theaterleitung auch in der letzten Spielzeit das Verdienst, nut „Enoch Arden" von Gerster das Werk eines zeitgenössischen Opernkomponisten herausgebracht zu haben.
In der Operette sahen wir: „Clivia', „Die Dorothee", „Die Geisha", „Drei alte Schachteln", ,Tta= rietta", „Das Land des Lächelns" und „Eine Nacht in Venedig", von denen die drei zuletzt genannten als besonders gelungene Aufführungen gerühmt werden dürfen; der gebotene Ausgleich zwischen älteren und modernen Werken wurde, wie sich aus der Aufzählung ergibt, auch auf dem Felde der Ope-
in heutiger Zeit die Pflege der klassischen Tradition, der Meisterwerke deutscher Dichtung und der dramatischen Weltliteratur besonders wichtig und schlechthin unerläßlich ist. Es waren für die Spielzeit 1937/38 noch in Aussicht genommen „Der Sommernachtstraum", Kleists „Penthesilea", „Die Freier" von Eichendorff und ein kleines Werk von Lessing. Wir dürfen wohl, vorausschauend auf die kommende Spielzeit, dem Wunsche Ausdruck geben, daß im nächsten Winter dieses Feld ein wenig reicher bestellt sein möge; es sei außer an Kleist, der ja bereits in den Spielplanentwurf aufgenommen war, insbesondere an Lessing (nicht nur die an sich gewiß reizvolle „Matrone von Ephesus") und an Goethe erinnert, die beide hier seit langem nicht zu Worte gekommen sind. Auch wäre es zu begrüßen, wenn wieder einmal eines der Hauptwerke von Shakespeare im klassischen Repertoire erscheinen würde.
Vielseitig und anregend waren das neuere und das zeitgenössische Drama in der ab gelaufen en Spielzeit vertreten, und es sei hier noch einmal an die Aufführungen „Uta von Naumburg" und „Scharnhorst" erinnert, die zu den geschlossensten und gültigsten Eindrücken im letzten Spielplan gezählt werden dürfen. Das zeitgenössische Problemstück kam mit Ilse Zanders „Verzicht" und Wilhelm Müller- Schelds „Anna Maria" auf die Bühne — übrigens ebenfalls in Uraufführungen. Die rührige Tätigkeit der Intendanz auf diesem Felde verdient ausdrückliche Hervorhebung: der gute Ruf, dessen sich das Gießener Stadttheater im Reiche zu erfreuen hat, gründet sich in erster Linie auf solche Pionierarbeit, die Spürsinn, Einfühlungsgabe und künstlerisches Niveau in höherem Grade verlangt als die Abspielung eines durchschnittlich - unoriginellen und bequemen Programms.
Von älteren Werken sahen wir den „Fuhrmann Henschel" in einer Aufführung, die sich mit Recht auch Dank und Anerkennung des greifen Dichters verdiente, ferner die englischen Komödien „Candida" und „Lady Windermeres Fächer" und das „Glas Wasser" vom alten Scribe in gepflegten Inszenierungen; von den mancherlei Formen des zeitgenössischen Lustspiels gaben etwa die Aufführungen „Versprich mir nichts!", „Im Rebeloch rumorts", „Parkstraße 13" und der Einakter-Abend von Curt Goetz ein farbiges Bild. — Das Weihnachtsmärchen „Schneewittchen" war auch diesmal einer der stärksten und dauerndsten Erfolge der Spielzeit.
Ebenso wie gewisse Grundprinzipien der Spielplangestaltung (und zum Teil im Zusammenhang mit ihnen) gehören die verhältnismäßig häufige Umbildung und Reorganisation des Ensembles zu den Naturgegebenheiten einer Bühne, wie sie das Stadttheater seiner Struktur nach darstellt Wir
rette gewahrt. , .
Den Kern des Repertoires bildete, was ja bet einer Bühne wie der unseren das Gegebene ist, das Schauspiel in weitestem Sinne, also vom klassischen Drama bis zum modernen Lustspiel und Schwank. An klastischen Werken hatten wir Shakespeares Maß für Maß" als Eröffnungsvorstellung, die Uraufführung der „Klugen Närrin" von Lope de Veqa und den „Teil"; drei Aufführungen, die vortrefflich herauskamen und alle Anerkennung verdienen Wir finden allerdings — selbst wenn wir etwa den Hebbelschen „Demetrius" in der Neubearbeitung von Friedrich Forster, großzügig in diese Kategorie einbeziehen wollen — auch für die letzte (wie für die vorletzte) Spielzeit die klassische Ausbeute etwas gering. Wir haben an dieser Stelle des öfteren auseinandergesetzt, warum gerade an , , „
einem Stadttheater. wie wir es haben, und gerade l einschneidenden Perjonalwechsel im Ensemble des
Schauspiels wie der Oper und der Operette zU rechnen. Folgende Mitglieder scheiden aus: Sophie Buchner, Ernst D i 11 m a r, Ruth-Ines Eckermann, Liselotte (Erler, Alfons Forstner, Gerhard Frickhoeffer, Wilhelm Greif, Elfriede Grell, Emmy G ü n g e r i ch , Hildegard I a ch n o w , Wolfgang Kühne, Karl - Ludwig Lindt, Margarethe Merian, Else M o n n a r d, Jupp Müller, Anton Neuhaus, Hans Paschen, Helga R e t s ch y , Dr. Erich Schumacher, Irmgard Zenner. Vom Chor: Christi Balcke, Wolfgang Froherz, Rudolf Himberg, Rudolf Lanzer, Fritz Koch, Martha Schadt. Vom Ballett: Liefe! Gönner und Gisela Kern.
Die Neuverpflichtungen sind bisher nur von Fall zu Fall bekanntgegeben worden; es wird von Interesse sein, sie hier noch einmal zusammenzustellen. Bisher wurden folgende Kräfte für dis Spielzeit 1938/39 neu engagiert: Jeanette Andre a e, Kostümbildnerin (Landestheater Oldenburg), Anni A f f i o n, Zwischenfachsängerin (Pfalz* oper Kaiserslautern), Gert B u ch h e i m , Oberspielleiter der Operette und Spielleiter der Oper (München), Erwin B u g g e, Baß (Berlin), Eduard B u r ch a r d , Chorbaß (Stadttheater Regensburg), Eduard Co s s o v e l, l.Held (Stadttheater Linz), Heinrich Durst, Tenor (Stadttheater Stettin), Eva Eckert, 1. Operettensängerin (Stadttheater Flensburg), Margot Eickhoff, jugendliche Heldin (Berlin), Walter Erler, jugendlicher Komiker (Stadttheater Düren), Friedrich Gröndahl,(Staat!. Schauspielschule Hamburg), Kurt Haars, 1. Charakterkomiker (Stadttheater Bonn), Herbert Hirche^ 1. Baß (Stadttheater Halberstadt), Hilde Kneip. Chargenspielerin (Düsseldorf), Thea Maaß, Ballettmeisterin und 1. Solotänzerin (Opernhaus Köln), Dr. Hannes Razu m, Oberspielleiter des Schauspiels (Stadttheater Aachen), Hans Schlick. 1. Chargenspieler (Landestheater Schleswig), Anne- liefc Schloeder, jugendliche Salondame (Stadttheater Hagen), Gisela Vollert, 1. Salondame (Stadttheater Aussig), Hans Voß, Chortenor (Landestheater Detmold), Fred Wagner, Chorbaß (Stadttheater Würzburg) und Ilse W i n h o l d, 1. Altistin (Stadttheater Pforzheim.
Es wird zu gegebener Zeit, ehe der nächste Theater* winter einsetzt, noch eingehender von den neugewonnenen Mitgliedern die Rede fein; sie mit dem altert Stamm zu einem beweglichen, anpassungsfähigen, vielseitigen Anforderungen genügenden und innerlich harmonierenden Ensemble zusammenzufügen, wird eine der wichtigsten und auch dankbarsten Aufgaben der Theaterleitung sein. Heber die Pläne zur Gestaltung des neuen Spielplanes wird ebenfalls später zu sprechen sein, ehe sich der Vorhang zu neuem Beginn, über neuen Gesichtem, Bildern und Gestaltungen hebt. ./-1- Hans Ihyriot,


