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(Nachdruck verboten!)
36 Fortsetzung.
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-sinken, und seine Stirn verfinstert sich zusehends. „Da", sagt er leise und macht eine Kopfbewegung >
den Mann, wenn es nötig werde, gleich ins Kran-
von
der
Anläßlich der Internationalen Handwerksausstellung wird im großen Festsaal von Kroll in Berlin eine neue Art von Modeschau vorgeführt, die den Titel „Mode der Welt" führt. Mehrere Dutzend Vor- führdamen aus 13 verschiedenen Nationen zeigen 700 verschiedene Modelle ihrer Heimat, vom eleganten Abendkleid bis zum Badeanzug. Die drei Damen auf unserem Bild kommen aus Wien. Don links, ein schrparzes Spitzenkleid mit Umhang aus rosa Tüll, ein schwarzes Spitzenkleid mit blauem Tüllrock und ein weißem Spitzenkleid mit regenbogenfarbigem Einsatz.und Schal. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
tüchtigen Fahrerin." ,
Er streckt ihr gerade die Hand hin — da erheben sich hinten in der Küche etliche Frauenstimmen: des Mädchens Feldwebelton, Tante Marthas aufgeregter Diskant, das breite Thüringisch der Putzfrau.
Unwillkürlich läßt der Doktor seine Hand wieder
in Richtung auf die Küche. „Dackeifen sie schon wieder."
Diedrich Speckmann f.
Der Heideschriftsteller Diedrich Speckmann ist im Alter von 66 Jahren geworben. Er stammte aus einem Pfarrhause in der Lüneburger Heide, studierte an mehreren Hochschulen, wurde Haus- lehret und später Pfarrer. Don seinen Romanen sind „Heidjers Heimkehr", „Heidehof Lohe", „Geschwister Rosenbrock" und „Neu-Lohe" besonders bekannt geworden. Insgesamt erreichte Speckmann mit seinen Büchern die erstaunliche Auflage von 1 250 000.
seinem Kleinigkeitskram abgebracht?
Nein, er sieht nicht mehr so brummig aus, Doktor Hammerbacher!
Sie lassen den Wagen vor der Tür stehen
„Mode der Welt."
„Ehrt eure deutschen Meister!"
lieber Ursprung und Art des deutschen Handwerks.
Don Annemarie von puttkamer.
flüchtigen Blick zu: Sieht er noch immer so brummig und giftig aus wie heute früh? Wird er jetzt ins Haus treten und wieder mit donnernder Stimme wegen des verschwundenen Magenschlauchs herumschimpfen? Oder hat ihn das Unglück des Arbeiters, deü er eben behandelt hat, doch ein bißchen
gehen gemeinsam ins Haus.
„Also nochmals tausend Dank", sagt der Doktor herzlich, während er seinen Mantel aufhängt, „wenn der Mann gerettet wird, verdankt er's zum Teil Ihrem fixen kleinen Wagen und natürlich — der
Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl. Duncker Verlag, Berlin W 35.
es Marga darauf abgesehen, daß sich etwas anspinnt?
Kleinigkeiten fallen ihr ein, die sie bisher' nicht beachtet hat: Blicke, ausgetauscht zwischen Vater und Marga, die ihn jetzt besonders zärtlich und verständnisinnig Vorkommen; Bemerkungen, Unterhaltungen zwischen den beiden, die besonders intensiv und persönlich klangen. Und dann neulich dieses lange Tete-a-tete in Vaters Studio! Hm!
Sie stellt sich das ernsthafter vor: Marga Mont- will als Frau Hammerbacher. Marga Montwill als ihre Stiefmutter. Marga Montwill und neben ihr, ausrangiert, überflüssig, Tante Martha ... Und: Ihr Vater als „junger" verliebter Ehegatte.
Irgend etwas in ihr empört sich heftig. Der Zorn treibt ihr beinahe die Tränen in die Augen.
Sie wendet sich hastig, klappt laut das Fenster zu, sagt kurz den wartenden Patienten Bescheid, und ohne sich weiter um Marga und eine Fahrgelegenheit für den Vater zu kümmern, läuft sie hinauf in ihr Zimmer. Sie muß auf fünf Minuten allein fein. Nachdenken, was man jetzt tun soll, wenn ...
Inzwischen ist der Doktor wieder heruntergekommen und sucht in seinem Zimmer die nötigen Instrumente zusammen, die er zu seinem Besuch in Untereigelstein mitnehmen muß.
Er hat gergde seine Sachen alle zusammen und in eine Tasche verstaut, da fährt draußen Marga mit dem Wagen vor. Er starrt verblüfft durchs Fenster hinaus. Gilt das etwa ihm? Will Marga Montwill ihn fahren? . c
Seine brummige Miene hellt sich etwas auf; um seinen Mund geht ein kleines Zucken. Dann geht er eilig hinaus. _ _ ■
„Wollen Sie mich fahren? Ist das Ihr Ernst?
Marga nickt vergnüglich: Natürlich, also los, einsteigen.
So fahren sie los.
Im Eßzimmer hinter der Gardine steht Tante Martha und schaut ihnen nach. Im ersten Stock, in des Valets Schlafzimmer, steht Monika und schaut ihnen ebenfalls nach ...
Unterwegs erzählt der Doktor kurz, um was es sich handele: Es sei da ein Arbeiter, den er vor kurzem operiert habe, wobei man ihm eine Rippe habe herausnehmen müssen, vom Gerüst gestürzt. Sehr ärgerliche Geschichte. Der Mann habe zu früh wjeder zu arbeiten angefangen. Trotz Verbots. Nun sei das Unglück da. Und übrigens, da Marga nun i schon einmal die Freundlichkeit gehabt habe, ihn dorthin zu fahren — sei sie vielleicht auch bereit,
Sie stehen am Fenster, durch das Lenzsch ■ am Sonntag hindurchgesprungen ist. Marga draußen im Garten, Monika drinnen in der Diele. Bei Monikas Worten senkt Marga betroffen den Kops. Warum sagt Monika das so bedeutsam, daß auch ihr Papa sich über solche Kleinigkeiten des täglichen Lebens nicht Hinwegsetzen kann: Bezweckt sie damit irgend etwas? Spürt sie, daß Marga für den Doktor Gefühle hegt, die über das normale Maß von Achtung und Sympathie hinausgehen. Aber nein, das kann sie nicht spüren... Während sie noch darüber nachdenkt und Monika aus dem Fenster heraus Tapsy neckt, der die Vorderpratzen auf die äußere Fensterbank, gelegt hat und sich bemüht, Monika den Staubpinsel zu entreißen, geht plötzlich die Sprechzimmertür auf, und det Doktor stürzt heraus: „Rasch einen Wagen, Monika! Ich muß nach Untereigelstein. Und die Leute im Wartezimmer sollen nachmittags wiederkommen. Sag's ihnen! Ich zieh' mich inzwischen schon an!"
Monika macht ein äußerst skeptisches Gesicht. „O ja", sagt sie leise, „und wenn jetzt nicht in fünf Minuten ein Wagen aufzutreiben ist, bann kriegt er, so, wie er heute gebaut ist, einen Tobsuchtsanfall. Verlassen Sie sich drauf!"
Aber Marga ist schon mit einem Satz auf die Fensterbank und ins Zimmer hineingesprungen. „Soffen Sie", sagt sie hastig, „rufen Sie keinen Wa- g?n her. Ich hole schnell mein Auto und fahre den Doktor hinaus."
Noch ehe Monika irgend etwas dagegenzusagen weiß, hat sie schon ihren Mantel übergehängt und läuft, von Tapsy gefolgt, zum Hause hinaus. Krach, bums, fällt die Tür hinter ihr ins Schloß.
Monika starrt eine ganze Weile mit verschränkten Armen und zusammengepreßten Lippen hinter ihr drein: Nach Untereigelstein ist eine gute halbe Stunde Fahrt Dann wird sie dort unter Umständen stundenlang vor dem Hause auf den Doktor warten müssen. Ist das vielleicht ein Vergnügen für jemanden, der Urlaub hat? Warum tut sie das? Aus Dankbarkeit für den Gastgeber? Oder — doch aus besonderen Gefühlen für den Vater? Hat vielleicht Kahl dach recht gehabt? Spinnt sich da etwas an, zwilchen dem Vater, und. Marga Montwill? Hat
Im gleichen Augenblick öffnet sich die Küchentür, VV11 ....... v_ _____, nein, sie fliegt auf, und dos Mädchen kommt heu-
kenhaus zu transportierenl Mit den Krankenwagen I lend herausgerannt. Hinter ihr drein, mit hochroten
Meister bei den gemeinsamen Angelegenheiten mit Recht sein Wort mitreden konnte. So lange handwerkliche und charakterliche Tüchtigkeit jedem ein-' Seinen Handwerksgesellen gleichermaßen eine gesicherte und selbständige Zukunft eröffnete, blühte die Zunft. Sie versiel, als sie zu einem Instrument der Meister wurde, um sich selber und ihren Familien wirtschaftliche und soziale Vorrechte zu sichern. Durch diese Kurzsichtigkeit drängten die Meister die frische und gesunde Jugend ihres Standes von sichi ab, erweckten in den Gesellen ein eigenes Standes- bewußtsein, das dem der Meister entgegengesetzt war und zu Zusammenschlüssen der Gesellen führte, die sich in vielen Machtkämpfen als die stärkeren erwiesen. Die Verbundenheit, die früher alle Glieder des Handwerkerstandes umfaßt und in der Hausgemeinschaft des Meisters mit Gesellen und Lehrlingen ihren patriarchalischen Ausdruck gefunden hatte, war damit zu Ende.
Die Gewerbefreiheit, die schon im 18. Jahrhundert verkündet wurde und sich lm 19. überall durchsetzte, tat ein übriges, um die alten Bande völlig aufzulösen. Leider traf sie, damit auch zum guten Teil das Handwerk selbst in seinem Lebensnerv, das sich ohnehin gegen den immer stärker aufkommenden Fabrikbetrieb mühsam genug behauptete. Das Handwerk verfiel hier einem tragischen Schicksal. Erfindungsgeist, Geschicklichkeit und Fleiß des Handwerks hatten immer stärkere gewerbliche Leistungen hervorgerufen, die Welt mit epochemachenden Erfindungen beschenkt, wie zum Beispiel die berühmten „Nürnberger Eier", die ersten Taschenuhren, die Erfindung des Nürnberger Schlossermeisters Peter Henlein prar und wie die Buchdruckerkunst sich aus dem Handwerk des Kupferstechers und des Holzschneiders heraus entwickelt hatte. Nun aber drohte die immer stärkere Mechanisierung des Gewerbebetriebes das Handwerk selbst zu vernichten. Zu Anfang unseres Jahrhunderts konnte man fürchten, daß das selbständige Handwerk mit geringen Ausnahmen zum Aussterben verurteilt sei.
dem Handwerker als einem der ältesten und gesündesten Stände der Nation seine alte Würde und E h r e. wiedergegeben. Wie es um trie wirtschaftliche Hebung des Handwerkerstandes bemüht ist, so hat es auch begonnen, die ehrwürdigen alten Bräuche mit neuem Leben zu erfüllen, nicht aus romantischen Historizismus, sondern weil es in dem Geist des' alten Brauchtums den eigenen Geist erkennt und die Anknüpfung an die Ueberlieferung der Vorfahren damit zu einer inneren Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit wird. So darf der Handwerker, der in früheren Jahrhunderten sich feine Macht und sein Ansehen zum Teil in schweren Auseinandersetzungen gegenüber anderen Ständen erkämpfen mußte, sich heute als wertvolles Glied im Rahmen des Ganzen geachtet und geehrt fühlen, getreu der Mahnung:
„Ehrt eure deutschen Meister!"
Kunst und Wissenschaft.
Frühlingsfest der rhein-mainischen presse.
Das alljährlich wiederkehrende Frühlingsfest der rhein-mainischen Presse, das gemeinsam von den Verlegern und den Schriftleitern des Rhein-Maingebiets am 11. Juni 1938 veranstaltet wird, findet dieses Jahr wieder im Kurhaus Bad Homburg statt. Die Stätte des Festes wird reich mit Frühttnasblumen ausgeschmückt sein, die künstlerischen, Darbietungen im intimen Theater des Homburger Kurhauses bringen beste Kunst, die Tombola wird reich beschickt sein, ausgewLhlte Tanzkapellen werden spielen, für allerlei Kurzweil wird Sorge getragen sein. Auch an bequemer und billiger Gelegenheit zur Hin- und Rückfahrt wird es nicht fehlen.
Flecken auf beiden Backen, Tante Martha: Das passe ihr jetzt nicht mehr, und sie habe genug. Sie sei immer noch die Herrin ^im Hause, und diese neumodische Manier mache sie nicht mit. Ueberhaupt und jawohl, jetzt sei ihr die Geduld endgültig gerissen. Jetzt gleich, sofort könne die Person das Haus verlassen, sofort, binnen einer Sekunde, jawohl. „Sie auch, Frau Haase, Sie auch. Da gibt man Jhnesi mehr als Sie sonst in Eigelstein bekommen,' und Sie tragen trotzdem, Gott weiß, was für Geschichten über die Hammerbachers in Eigelstein herum. Dabei ist alles nicht einmal wahr."
Das rast und zittert und bebt und schluchzt und überschreit sich, und die Putzfrau, Frau Haase, schmeftert ihre Holzpantinen auf den sauber gebohnerten Dielenboden, und das Mädchen, auf halber Treppenhöhe, klatscht bei jedem Wort Mit den Händen auf das Geländer. Obendrein macht sich der Märzwind noch das Vergnügen, ein Fenster in luftiger Regelmäßigkeit laut schmetternd auf und zu zu schlagen.
Die beiden, der Doktor und Marga, stehen stumm und völlig verwirrt. Aber als Tante Martha nun heransegelt und Margas Hände ergreift, um ihr „ganz kurz mal diese unerhörte Geschichte zu erzählen", und als Taute Martha dann, um sich auch den Doktor zu sichern, auch nach dessen Händen beziehungsweise nach dem Knopf an seinem Rock greift — da brüllt der Doktor plötzlich dermaßen los, daß alle vier Frauen zusammenfahren und, wie vom Donner gerührt, stumm und salzsanlengleich in der Haltung bleiben, die sie gerade einnehmen.
Es ist nicht gerade sehr überlegen und sehr diplomatisch, was der Doktor in der Diele zusammenbrüllt. Das kann man nicht behaupten. Aber wahrscheinlich ist er von Margas Gegenwart etwas gehemmt. Er befiehlt nur dem Mädchen, sofort wieder an die Arbeit zu gehen und keinen Mucks von sich zu geben. Dann befiehlt er Frau Haase, ihre Pantinen wieder aufzunehmen und morgen wiederzukommen, wenn sie sich beruhigt habe. Tante Martha aber soll auf ihr Zimmer gehen und den Haushalt heute Haushalt fein lassen.
„Und kein Wort mehr! Himmeldonnerwetter noch mal! Totenstille! Verstanden?"
Es war komisch, und Marga würde bestimmt innerlich äußerst belustigt lachen, wäre es nicht fo tragisch, zu sehen und $u fühlen, wie der Hoktor Isich von dieser häuslichen Revolte aufregen und angreifen läßt. Er zittert nämlich vor Wut. Er ist wirklich vor Empörung krebsrot. Er hat vor Zorn wirklich ungezählte Tröpfchen Schweiß auf der Stirn stehen.
(Fortsetzung folgt.)
das war ja zu allen Zeiten das Besondere des Handwerks: das Technische wurde in sorgfältiger Lehre weitergegeben, von Vater an Sohn, von Meister an Gesellen ynd Lehrling; Erfahrung und Ueberlieferung von Generationen steigerten das Können. Aber das Wesentliche war doch immer wieder einmalig, war der Geschicklichkeit und dem Geschmack des Meisters anvertraut, jedes Handwerksstück ein Stück persönlicher und nationaler Kultur. Und auf einzelnen Gebieten wie zum Beispiel der Gold- und Silberschmiedekunst, oder der Holzschnitzerei, erhob sich das Handwerk zu edelster Kunst. Wir brauchen nur an die Leistungen eines Albrecht Dürer, eines Peter Vischer und der anderen großen Nürnberger Meister zu denken, aber auch an erlesenen alten Schmuck oder die kostbaren Musikinstrumente, von denen auch die Berliner Schau eine Auswahl zeigen wird.
In bestimmten Versammlungen auf der Handwerkerstube, umrahmt von feierlichen Bräuchen, vollzogen sich die wichtigsten Ereignisse im Leben des Handwerkers: die Aufnahme als Lehrjunge, die Freisprechung nach beendeter Lehrzeit und Entlassung zur W a n d e r z e i t, die Aufnahme als Meister. Wenn das Heiligtum der Zunft, die Lade mit den alten Urkunden und Gerechtsamen, von dem Obmann geöffnet worden war, begannen die Verhandlungen, die stets mit formelhaften Wendungen wie: „Gott grüße ein ehrbares Handwerk, mit Gunst..." eingeleitet wurden. Für die Aufnahme als Lehrjunge wurde eheliche Geburt, freies, unbescholtenes Herkommen und ,Deutsche Zunge" gefordert, wodurch besonders im deutschen Osten Fremdstämmige, also z. B. die Slawen, vom Handwerk ausgeschlossen werden sollten. Durch Umfrage und schriftliche Urkunden wurde die Handwerksfähigkeit eines Jungen nachgewiesen, doch verlangte der Brauch, daß er nach Abgabe seiner mündlichen Erklärungen aus der Versammlung „entweichen" müßte, an manchen Orten sogar dreimal nacheinander, während sein Geburtsbrief und die anderen Dokumente geprüft wurden. Alle Versammelten wurden aufgefordert, wenn jemand etwas gegen ihn oder seinen künftigen Sehrherrn vorzubringen hätte, es sogleich zu tun, nachher aber „reinen Mund zu haltest".
Aehnlich ging es bei dem Freisprechen der jungen Gesellen zu, wobei den abschiednehmenden Gesellen noch einmal besonders die Wanderbräuche ein- geschärft wurden. Diese Wanderbräuche, die für jedes Handwerk andere waren, wurden stets nur mündlich überliefert, bildeten sie doch für den wandernden Gesellen und seine Zunftgenossen in der Fremde ein wichtiges Erkennungszeichen und durften darum nicht verraten werden. Der erste Gang des Gesellen in einer fremden Stadt richtete sich nach seiner Zunftherberge, wo er sich gegenüber dem Herbergsvater und unter Umständen auch dem Zuschickgesellen durch bestimmte Formeln und Bräuche als zur rechten Zunft gehörig ausweisen mußte, worauf er den Willkommentrunk erhielt und auf Verlangen an einen Meister um Arbeit gewiesen wurde. Der altgermanische Brauch des Willkommentrunkes, auch „das Geschenk" oder „bie Schenke" geheißen, stand dem Gesellen rechtmäßig zu, m späteren Zeiten auch noch- eine Gelüunterstützung zum Weiterwandern.
Die meisten Handwerke verlangten eine mehrjährige Wanderzeit, bis zu sechs Jahren, bevor einer Meister werden konnte. Nur einzelne kleinere Handwerke, für die irgendeine Stadt ein Monopol hatte/ verboten ihren Angehörigen das Wandern, damit nichts von ihren Geheimnissen verraten würde. Auch den Meisterföhnen konnte die Wander- zeib zum Teil oder ganz erlassen werden, was einen großen wirtschaftlichen Vorteil bedeutete, auf die Dauer aber, nicht zum Besten des Handwerks, der Zunft und am wenigsten der jungen Männer selbst war. Denn so ein deutscher Handwerksgeselle, der in langen Wanderjahren ein gutes Stück des Vaterlandes, aber oft auch des Auslandes gesehen hatte, war ein ganzer Kerl geworden, der später als
Und dennoch lebt es heute. Im wirtschaftlichen Dasein des Volkes hat es sich neben allem Fabrikbetrieb doch als unentbehrlicher Faktor erwiesen und behauptet. Aber mehrmals das: das neue Deutschland, das nicht die Maschine, sondern den Menschen in den Mittelpunkt rückt, für das die Wirtschaft nur ihren Sinn hat im Dienste des lebenbigen Dolksganzen, dieses neue Reich hat auch I sei es hier nämlich ein Kreuz. Es dauere immer stundenlang, ehe einer zur Stelle fei.
Marga nickt kurz. Ja natürlich, der Doktor könne ganz über sie verfügen. — Ganz über sie verfügen! wiederholt der Doktor in feinen Gedanken.
Dann schweigen sie.
Es erweist sich, daß der Patient wirklich ins Krankenhaus gebracht werden muß. Marga, den Doktor neben sich, fährt ihn vorsichtig hin. Es scheint für den Mann von besonderem Glück zu fein, daß alles, die erste Notbehandlung, der Transport ins Krankenhaus und seine Uebergabe an den Chirurgen so ungewöhnlich schnell vonstatten gehen kann.
„Vielleicht haben Sie ihn gerettet", sagt der Doktor, als sie zwei Stunden später auf dem Heimweg sind. Und er legt für Sekunden seine Hand leise auf die von Marga.
Aber Marga ist gar nicht zum Sprechen aufgelegt. Sie sitzt still, mit verschlossenem Gesicht am Steuer, hat die Augen starr tuf die Straße gerichtet und scheint fast vergessen zu haben, daß der Doktor neben ihr sitzt.
Sie fährt in rasendem Tempo. Aber der Doktor hindert sie nicht.
So sind sie verhältnismäßig früh wieder zu Hause. Beim Aussteigen wirft Marga dem Doktor einen
Am 28. Mai wurde die 1. I n t e r n a t i o - ; nale Handwerks-Aus st ellung eröffnet. Sie gibt eine umfassende lieber* sicht über das Schaffen dieses wichtigsten Teils der Volkswirtschaft in allen Ländern. Die kulturhistorische Schau stellt das Werden des Handwerks von den frühesten Zeiten an eindrucksvoll dar. Besonders von der Herrlichkeit unseres aüen deutschen Handwerks leuchtet uns in seinen edelsten Meisterarbeiten ein Abglanz entgegen.
In vorgeschichtliche Zeit zurück reicht der Ursprung des Handwerkes. Wurden auch in der geschlossenen Hauswirtschaft der ältesten Zeiten alle Bedürfnisse des täglichen Lebens selbst erzeugt, nicht anders wie auch heute noch der Einödbauer (lin eigener Zimmermeister, Schreiner und Schläfer ist, die Bäuerin das Brot bäckt, die Leinwand pinnt und webt und die Kerzen zieht, so müssen ich doch sehr früh schon einzelne Handwerke aus liefern Kreise gelost und eine eigene Stellung eingenommen haben. Wieland der Schmied gehört zu den ältesten deutschen Sagengestalten, Siegfried ging zu einem Schmiedemeister in die Lehre. Begreiflich, daß ein freies kriegerisches Volk wie das germanische den Schmied, den Verfertiger der Waffen, zuerst besonders hoch ehrte, aber gar bald bildete sich auch eine weitere Arbeitsteilung aus, indem gewisse' Arbeiten den Händen vorbehalten blieben, die sich dafür am geschicktesten erwiesen Besonders mit dem Aufkommen größerer Herrschaftshöfe im frühen Mittelalter, sei es weltlicher oder geistlicher Fürsten, hing die Bildung eines eigenen Handwerkerstandes unvermeidlich zusammen. Die Männer. die hier für die Bedürfnisse eines großen Herrn und seines Gesindes arbeiteten, meistens aber nebenher auch Aufträge von Fremden entgegennehmen durften, waren inr allgemeinen unfrei, und so kam es, daß der freie Mann, der Krieger, Jäger und Bauer, sich anfangs von der handwerklichen Arbeit als eines freien Mannes unwürdig zurückhielt. Erst Gründung und Wachstum der Städte schuf den freien Handwerkerstand und brachte ihn tu Macht und Blüte, wie andererseits- das Gedeihen der Stadt auf den Handwerker angewiesen war. „Stadtluft macht frei", sagt die alte Rede. Wenn ein höriger Handwerker in die Stadt wanderte und ein Jahr lang nicht von seinem Herrn zurückgefordert wurde, galt er als frei. Manche Städte kürzten sogar die Wartezeit ab, doch nur solange der Bedarf an geschickten Handwerkern groß war. Später mußte eher darauf gesehen werden, daß die Konkurrenz nicht überhand nahm, und dieser Schutz der eigenen Interessen führte zur großartigen Handwerkerorgam- . fation des Mittelalters: zur Bildung der Z ü n f t e.
Die Entwicklung der Zünfte hat sich bei den einzelnen Gewerben und in den verschiedenen Städten in sehr ungleichem Tempo vollzogen, vielfach gab es Übergangserscheinungen wie die von geistlichen Bruderschaften, im allgemeinen aber setzten sich die Zünfte mit ihrer Verpflichtung zur Zugehörigkeit im 12. und 13. Jahrhundert überall durch und erkämpften sich immer größere Privilegien. Die Zunft regelte das gesamte soziale und wirtschaftliche Leben des Handwerkers, es grenzte Rechte und Pflichten von Meister, Gesellen und Lehrlingen gegeneinander ab, setzte Lehrzeit, Wanderzeit und Bedingungen des Meisterstückes fest, wies dem Meister die arbeitsuchenden Gesellen und Lehrlinge zu, wachte über der Ehre des Handwerkers und des einzelnen, wozu ihm in vielen Städten eigene Gerichtsbarkeit zustand. In manchen Handwerken wurde auch der Rohstoff von der Zunft eingekauft und den Einzelnen zugeteilt, wobei streng darauf geachtet wurde, daß sich niemand einen Vorteil verschaffte, ebenso wie es auch verboten war, daß einer im Handwerksgerät eine Verbesserung einführte, ohne sie der Zunft als solcher zugänglich zu machen. Auch die Wehrhaftigkeit, ein wichtiger Teil von Verpflichtung und Ehre des'mittelalterlichen Handwerkers, wurde durch die Zunft geregelt.
Innerhalb dieses festgefügten Rahmens erwuchs die Leistung des einzelnen zu höchster Blüte. Denn


