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England bereitet die allgemeine Wehrpflicht für denKriegsfall vor

Andeutungen des Verteidigungsministers verursachen große Aufregung im Unterhaus

wurden von Sir John Simon bestätigt; er teilte I mit, die Regierung habe Anfang des Jahres um­fangreiche Getreide-. Wal öl- undZucker-

Seit der Empirekonferenz im Jahre 1937 sind jedoch auch noch auf anderen Gebieten Sicherungs­maßnahmen getroffen worden. Schatzkanzler Sir John SiMon war es Vorbehalten, in seiner großen Haushaltsrede vom 26. April die ersten Andeutungen zu diesem Thema zu machen. Gerüchte, die Anfang des Jahres an der Börse von gewissen Riesenankäufen wissen wollten, bald aber wieder verstummten, weil nichts ^Genaueres durchsickerte,

Fahnenübergabe an dieDritteSchiffsstammabteilung inKiel.

Kiel, 31. Mai. (DRB.) Aus dem Kasernenhos in Kiel-Wik fand am Skagerrak-Gedenktag die. Uebergabe der neuen Truppen sahne an die Dritte Schiffsstammabteilung durch den Komman­dierenden Admiral der Marinestation der Ostsee, Ad­miral Albrecht, statt.Heute sind 22 Jahre seit dem Tage vergangen", so erklärte Admiral Albrecht in seiner Ansprache,an dem yor dem Skagerrak die deutsche Flotte für die Freiheit unseres Volkes kämpfte. 2531 deutsche Seeleute fielen vor dem Ska­gerrak in heldenhaftem Kampf getreu ihrem -Eide, wie die Ehre ihrer Flagge, die heute auf allen Kriegsschiffen der Kriegsmarine weht, es ihnen be­fahl." Als Fahnenspruch gab Admiral Albrecht das Wort des Führers:

'Immer entschlossen zu kämpfen, immer bereit zu sterben, niemals gewillt zu kapitulieren."

Weiter führte er aus:Als leuchtendes Vorbild für Pflichtaufsassunq soll vor unseren Augen stets die Persönlichkeit unseres Führers stehen. Er kämpfte im Weltkriege vier Jahre lang in vielen Schlachten und Gefechten unter dem Eisernen Kreuz für unser Volk und setzte am 9. November 1923 und später noch oft sein Leben ein, um unserem Volke Ver­trauen auf die eigene Kraft, Glauben an die Zu­kunft und soziale Gerechtigkeit zu geben."

Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehr­macht hat zum Skagerrak-Tage eine Reihe von Beförderungen in der Kriegsmarine vorgenommen. Zu Vizeadmiralen wurden befördert: Die Konteradmirale von F i s ch e l, Chef des All­gemeinen Marineamtes und D e n f ch, Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte; zu Konteradmiralen: Die Kapitäne 'zur See: Ramien, Kommandeur des Sperrversuchskommandos Und Sch mund t, Kommandeur der Marineschule Mürwik.

Oer Besuch der deutschen Lustwaffe in Belgrad.

Aufrichtige Bekundung guter Nachbarschaft

Belgrad, 31. Mai. (DNB.) Ministerpräsident und Außenminister Dr. Stojadinowitsch emp­fing den Führer der deutschen - Fliegerabordnung, Generalmajor F ö r st e r. Der Befehlshaber der jugoslawischen Luftwaffe, Armeegeneral Simo- w i t s ch ,'erklärte auf einem Bankett, das er zu Ehren der deutschen Flieger gab:Der Besuch eines Geschwaders des benachbarten uns befreundeten Deutschen Reiches ist für uns eine besondere Ehre. Dieser Besuch ist auch deshalb sehr wichtig, weil er uns eine direkte Verbindung mit den

L o n d o n , 31. Mai. (DNB.) Im Unterhaus kam es nach Mitternacht zu einer aufsehenerregenden Erklärung de? Verteidigungsministers Sir Thomas I n s k i p , der in verhüllten Worten erklärte, daß die britische Regierung den Plan für die E i n - führung der allgemeinen Wehrpflicht in Großbritannien .fertig vorliegen habe. Dieser Plan könne im Falle des Ausbruches eines Krieges sofort dem Parlament d o r gve I e gt werden.Es ist sicher", so erklärte der Verteidigungsminister,daß im Falle eines Krieges es eine kompetente Behörde geben wird, die jeder Person nach Alter und Befähigung einen angemessenen. Po st en zuweisen wird. Niemand wird sich unter solchen Umständen dieser Verpflichtung entziehen könpen, indem er sich einen anderen Posten in der Friedenszeit aussuchte." In Friedenszeiten halte er es jedoch nicht für not­wendig, daß es Vollmachten zur Ergreifung von Zwangsmaßnahmen gebe. Wenn aber von einem Mann im gewissen Alter durch einen ent­sprechenden Parlamentsakt verlangt werde, daß er militärisch diene, dann werde das natürlich für wichtiger gehalten werden, als wenn der Betreffende zur Zeit in der Polizeimacht diene. In Friedenszeiten sei es jedoch nicht möglich, jedem

schen Sender eine Rundfunkansprache, um für die englische Aufrüstung und besonders die Re« krutenwerbu.ng die Reklametrommel zu rüh« ren. Dabei machte er dunkle Andeutungen über neue Erfindungen, durch die ein Feind, der Eng­land angreife, aufeinige furchtbare, vielleicht sogar unerwartete Formen der Verteidi« g u n g" stoßen werde. Der Minister versicherte dem englischen Volke, die Verteidigungspläne seien gut durchgearbeitet und umfassend. Marine und Luft­waffe seien'vorbereitet, den britischen Handel aus« reichend zu schützen. Er unterstrich dann die Not­wendigkeit einer Zusammenarbeit mit den Dominien und Kolonien sowie den Verbündeten Englands.

Es wird bestätigt, daß Lord N u f f i e l d (Morris Motor Limited) in der Nähe von Birmingham eine große Fabrik errichten wird, die sich aus­schließlich mit der Herstellung von Kriegs- flugzeugen beschäftigen wird. Die Stadt Bir­mingham hat den Ankauf von Gelände, das der Stadt gehört, genehmigt. Die Fabrik soll 15 000 An beiter beschäftigen 1

ankäufe getätigt. England sei durch, diese An­käufe «für die ersten drei Monate. eines Krieges genügend eingedeckt. Man hatte die Ankäufe ge­heimgehalten, um nicht das Emporschnellen der Preise durch voreilige Mitteilungen auszulösen. Die Käufe sollen über 10 Millionen Pfund Sterling gekostet haben. Maßnahmen zur gesetzlichen Ver­ankerung dieses Schrittes sind einen Monat später dem Unterhaus unterbreitet worden. Sie sind um­fassender, als man vor einem Monat gedacht hätte, aber es besteht kein Zweifel, daß die Regierung ein dementsprechendes Gesetz wird durchbringen können. Selbst der Opposition wird es schwer gemacht, sich in diesem Punkte gegen die Regierung zu stemmen.^ Die Regierung will die Ueberwachung privater Warenlager und den Ausbau bereits vorhandener Regierungsspeicher vornehmen, da sieim Falle eines Krieges für, die Nation lebenswichtig sind". Darüber hinaus aber wird ein Fonds geschaffen, der der Regierung bei weiterhin geplanten Ankäufen freie Hand gibt. Bemerkenswert ist schließlich auch, daß neue Pläne die Verbesserung der Anbau» Möglichkeit in der Landwirtschaft fördern sollen. Schon im vergangenen Jahre hatte man Schritte unternommen, die auf dem Gebiets der Preisgestaltung für künstliche Düngemittel den Bauern Vorteile bringen sollten. Man will nun offensichtlich hier noch weitergehen.

Zwei Tage nach der Ankündigung des Schatz« kanzlers über große Warenankäufe veröffentlichte das Wirtschaftsministerium einen Plan zur Ver« teilung von Nahrungsmitteln an die Bevölke­rungim Falle einer nationalen Notwendigkeit"^ Unter Einspannung aller vorhandenen Händler­organisationen, unter Ausnutzung aller vorhandenen Verkehrsmöglichkeiten und unter Anwendung aller verfügbaren Rechtsmittel sollen die Nahrungsmittel gerecht verteilt werden und bis in die entferntesten Ecken der schottischen Berge gelangen Die Preise würden staatlich gelenkt, um das Kriegsgewinnler« tum wenigstens auf diesem Gebiete zu unterdrücken» Schon heute sind Ueberwachungsbeamte ernannt, die sofort eingesetzt, werden können. Sogar das System der Nahrungsmittelkarten ist in Erwägung gezogen und vorbereitet worden.

Znskip wirbt Rekruten.

Unerwartete Formen der Verteidigung.

London, 31. Mai. (DNB.) Am Montagabend hielt Verteidigungsminister I n s k i p über die briti«

Im übrigen hat der Führer Deutschlands es h keiner Weise nötig, irgendwelche Erklärungen auf dem Umweg über ein englisches Blättchen abzu- geben, das so obskur ist, daß es noch nicht einmal in den Handbüchern der Weltpresse verzeichnet ist. Man wird sich in England wie üblich darauf be­rufen, daß die englischen Behörden nicht dazu da seien, die tägliche Produktion der Presse in ihren Einzelheiten zu kontrollieren. Uns scheint freilich, daß ein solcher Standpunkt spätestens seit Beginn der Tschechenkrise von England nicht mehr' aus- rechterhalten werden kann. Denn die englische Presse, die ja beispielsweise erst vor wenigen Tagen auch ein gefälschtes Henlein-Gespräch brachte, hat in dieser Zeit einen derart großzügigen Gebrauch von ihrerFreiheit" gemacht, daß man die Gewährung dieser Freiheit schon als eine politische ZweskMaß­nahme ansehen muß, die man von Fall zu Fall nach Belieben ins Feld führt. B. R-

deutschen Staatsoberhaupt von A bis Z erfand und seinen Lesern vorsetzte. Tatsächlich hat das Blatt die Gewissenlosigkeit so weit getrieben, Aeußerungen des Führers zu mißbrauchen, die dieser 1935 gegenüber einem ausländischen Journa­listen gesprächsweise getan hat. Es ist selbstver­ständlich, daß jene Aeußerungen damals, also vor drei Jahren, in einer völlig anderen europäischen Situation erfolgt sind und daß sie daher gänzlich andere Voraus­setzungen hatten. Naturgemäß waren auch die Zusammenhänge, unter denen die fraglichen Be­merkungen erfolgten, völlig andere als heute. Es stellt schon ein ungewöhnliches Maß von Verlogen­heit dar, wenn man Bemerkungen, die drei Jahre alt sind, einfach aus ihrem Zusammenhang heraus­reißt und der Oeffentlichkeit vortäuscht, sie seien jetzt, also im Verlauf der Tschechenkrise, gemacht worden.

Umständen ein berechtigter Grund zur fristlosen Entlassung sein.

Zahlreiche weitere Urteile der ordentlichen Ge­richte, der Arbeitsgerichte, der Ehrengerichte befas­sen sich mit den Folgen gemeinschaftswidrigen Ver­haltens auf den verschiedensten Gebieten des Lebens. Wir wollen hier nur noch zwei Urteile herausgrei- fen, die eine Frage behandeln, die im sozialen Le­ben eine recht wesentliche Rolle spielt. Kann, so lautet sie, die Nichtzugehörigkeit 3 u r Deutschen Arbeitsfront, der Gemein­schaftsorganisation aller Schaffenden, Grund zur Entlassung sein? Das Urteil des Arbeitsgerichts Stuttgart' vom 26. Mai 1937 (2 Ca 394/37), das jetzt von der DAF.-Entscheidungs-Sammlung veröffent­licht wird, behandelt den Fall der Entlassung eines Gefolgschaftsmitgliedes durch feinen Betriebsführer wegen Ausschlusses aus der DAF. Der Entlassene war Mitglied der DAF. gewesen und gehörte gleichzeitig derKolping-Familie" frü­herer katholischer Gesellenverein an. Als durch Dr. Ley das Verbot einer solchen Doppelmitglied­schaft ausgesprochen wurde, legte ihm die DAF. den Austritt aus derKolping-Familie" nahe' Die­sem Ersuchen kam der Entlassene nicht nach. Das führte zum Ausschluß aus der DAF. Darauf sprach der Betriebsführer die fristgemäße Kündigung aus. Die Widerrufsklage gegen die Kündigung wies das Arbeitsgericht zurück. Wenn, so sagte die Urteils- . begrünöung, der Kläger die Treue zurKolping- Familie" über die Treue zur DAF. stelle, so müsse er d i e Folge n dieser gesinnungsmäßigen Ein­stellung auf sich nehmen. Zu ihnen gehöre auch der Verlust des Arbeitsplatzes bei einem Betriebssichrer, der auf die geschlossene Zugehörigkeit seines Be­triebes zur DAF. Wert lege. Dieses Bestreben des Betriebsführers, das für den Betrieb Ehrensache sei, müsse dem persönlichen wirtschaftlichen Inter­esse des'Klägers an der Erhaltung seines Arbeits­platzes vorgehen.

Im Falle des Urteils des Landesarbeitsgerichtes Leipzig vom 29. Juni 1937 (24 Sa 49/37) war ein Gefolgschaftsnutglied wegen seiner Weigerung des 'Beitritts zur DAF. fristlos entlassen worden. Vor seiner Einstellung und nach seiner Entlassung hatte der Betrieb geschlossen der DAF. angehört. Eine Bestimmuna, daß Voraus­setzung für die Einstellung die Mitgliedschaft bei der DAF. oder der Beitritt zu'ihr sei, enchielt die Betriebsordnung aber nicht. Das Landesarbeits­gericht lehnte in seinem Urteil die fristlose Entlas­sung wegen Weigerung des Beitritts zur DAF. ab, bejahte aber die fristgerechte Kündigung aus diesem @runbe.---Man versteht, was alle genann­

ten Urteile besagen. Sie geben den Erfordernissen Ausdruck, die für die Praxis des täglichen Lebens sich aus dem Grundsatz der Gemeinschaft folgern. Wie sehr aber die gesamte Nation die Grundsätze der Gemeinschaft bejaht, das zeigt sich an der Tat­sache, daß gerade diese Urteile dem Volksempfmden weitgehend entsprechen.

Oer Tag von Skagerrak.

EnglandöMrungsniitlelreserven im Kriegsfall

Von unserem 71 Ts -Korrespondenten.

Budapest eine mehrstündige Zwischenlandung vorgenommen wird. Das Geschwader wird am Mitt­wochabend wieder in seinem Standort Greiss- wald sein.

Pressefreiheit."

Das gefälschte Führer-Interview desSuuday Graphic".

Es hat sich herausgestellt, daß das englische Sensattons- und RevolverblattS u n d a y Gra­phic" mit seinem gefälschten Führer- Interview noch viel skrupelloser vorgegangen ist, als man zuerst annahm. Es schien Zunächst, als habe das Blättchen feinen Anteil an der höchst zweifelhaften Haltung der englischen Presse in der gegenwärtigen europäischen Krise dadurch beitragen wollen, daß es einfach eine Unterredung mit oem

mächtigen Luftstreitkräften Ihrer großen Heimat vermittelt, deren ständigen Fortschritt aus allen Gebieten wir mit Bewunde­rung verfolgen. Dieser Besuch ist um so bemerkens­werter, als er das gegenseitige Kennen- lernen unserer Luftwaffen und unserer Völker ermöglicht, was von unschätzbarem Wert für die künftigen Beziehungen unserer beiden Nationen sein wird." Ge­neral Simowitsch bat die Gäste, dem Oberbefehls­haber der deutschen Luftwaffe gegenüber Dolmetsch der jugoslawischen Sympathien und aufrichtigen Wünsche für den weiteren Fortschritt der deutschen Fliegerei zu sein und dem deutschen Volke das Ge­fühl und den Wunsch nach guter Nachbarschaft zu übermitteln.

Generalmajor Förster dankte für diese ehrlichen Wünsche und bemerkte, daß er und seine Männer hofften, daß die Bande der Waffenkameradschaft weiter gepflegt werden und die jugoslawische Luft­waffe in nächster Zeit einen Gegenbesuch in Deutschland machen wird. Am Mittwochmorgen startet das Geschwader üumNllckjlug, wobei iy

Freiheit des einzelnen zum Teufel geht. Daß die demokratische Ideologie recht wenig mit Rüstungs- polittk und Dienstpflicht zu tpn hat, zeigt das Bei­spiel Frankreichs, das sich stolz einer Demokratie nennt und trotzdem schon seit Jahrzehnten in der Auferlegung militärischer Zwangsmaßnahmen allen anderen Ländern vorangegangen ist.

So war es auch sicherlich nicht die von allen ver­nünftigen Englänoern anerkannte Notwendigkeit der allgemeinen Wehrpflicht * bei Kriegsausbruch, die solche Sensation im Unterhaus hervorrief, sondern vor allem eine andere Ursache: die sehr ehrenwerten Abgeordneten wollen befragt sein, sie wol- len beachtet werden, wenn so entscheidende Gesetze zur Debatte stehen. Deshalb erheben sie nun ihre Stimmen und diskutieren über den großen Plan mit vielem Wenn und Aber, obgleich sie sich doch im Grunde alle einig darüber sind, daß dieses Glied in der Kette der sonstigen Kriegsvorbereitungen, der Dorratsstapelung, des Luftschutzes, der industriellen Mehrproduktion msw. keineswegs fehlen darf. Solche Methode hat ihre Licht- und ihre Schattenseiten. Man bildet einerseits ^die Plattform für ein Welt­gespräch und treibt kostenlos britische Propaganda, aber man verwirrt durch das Hin und Her der Parlamentsdebatten auch die öffentliche Meinung im eigenen Lande und beeinträchtigt damit die Wrl- lenseinheit der britischen Bevölkerung, ganz abge­sehen von dem Aufwand an Zeit und Kräften, der in jedem parlamentarisch - demokratischen Regime nun einmal nutzlos vertan wird. Auf jeden Fall aber ist die Ankündigung Jnskips ein interessanter Beitrag für die britische Staatsführung der Gegen­wart, die selbst vor geheiligten Traditionen und de­mokratischen Gefühlshemmungen picht Hast macht, um ihre machtpolitischen Ziele zu erreichen. Me.

London, 30. Mai.

Die Kartoffeln auf dem Tisch und in den Schüs­seln der englischen Hausfrau sind zu 95 v. H. n i ch t auf der Insel gewachsen. Sie kommen aus dem überseeischen Ausland. Das Fleisch in den eng­lischen Kochtöpfen stammt nur in den seltensten Fällen von eignem Vieh. Es kommt aus dem Ausland. Das Oel in den englischen Maschinen kommt auf dem Seew-ege nach England. Das alles heißt: die englische Regierung muß fürden Fall der nationalen Dringlichkeit" Vorkehrungen treffen, um die Bevölkerung ernähren und die Ma­schinen speisen zu können. Jahrelang hat dies Kri­tik an der Regierung laut werden lassen. Man warf bdm Kabinett Baldwin schon vor, die Augen vor diesem Problem zu schließen; das Kabinett Cham­berlain ist mit dem gleichen Vorwurf bedacht wor­den. Was man verlangt, ist die Stapelung großer Mengen an Getreide und Treibstoffen, das eine um die Menschen, das andere um öle Maschinen in Bewegung zu halten. Während des Krieges haben Millionen von Engländern so wird einem heute noch erzählt ernstliche Nahrungssorgen gehabt. England hat die Brotkarte nicht erst durch Zeitun­gen und Auslandsberichte kennengelernt. Die Be­strebungen, noch während des Krieges die bebaute Fläche zu vergrößern, haben sich trotz der größten Anstrengungen der Landwirtschaft als unwirksam erwiesen. Heute will man diese Fehler abstellen, zu­mindest aber verhindern, daß die Mißstände noch weiter einreißen. Daher immer erneute Vorstöße in Presse, Rundfunk, öffentlichen Reden,, Unterhaus­aussprachen und bei sonstigen Anlässen in der Rich­tung der oben geschilderten Maßnahmen für die Ernährung der Bevölkerung im Kriegsfälle. Eng­land hat heute offensichtlich nicht nur Angst vor einer saft sagenhaften Luftflotte des Auslandes, es hat auch Angst vor dem Hunger.

Auf der Weltreichkonferenz im vergangenen Jahre spielte die Frage der Versorgung Englands mit Nahrungsmitteln aus den Dominions eine große Rolle. Es wurden allerdings in ihrem ge­nauen Inhalt unbekannte Beschlüsse gefaßt, die im Fälle eines Krieges den Nahrungsmittetstrom nach England nicht versiegen lassen sollten. Mit der Verteidigung seiner Schiffahrtswege steht und fällt die Nahrungsmitteloersorgung des Mutterlandes. Wie diese Verteidigung durchgeführt werden soll, beutete erst vor wenigen Tagen der parlamenta­rische Sekretär im Marineministerium, Shake­speare, in einer Rede in Liverpool an. Danach werden starke Einheiten der Kriegsflotte die Routen der Handelsdampfer bewachen und in besonders un­ruhigen Gebieten in Form von Geleitzügen die Transporte an ihren Bestimmungsort bringen. Der Umbau alter Kreuzer zu Flugzeugabwehreinheiten wurde ebenfalls» als erforderlich hingestellt, eine An­deutung, die beweist, daß Enalayd nicht nur seins Verbindungswegs in das überseeische Ausland schüt­zen, sondern seine Kriegsflotte auch diesem Zwecke anpassen will. Die starke Förderung des Untersee­bootbaus läßt jedenfalls darauf schließen.

die dringendste Notwendigkeit fein, und das sei auch alles, was der Verteidigungsminister Jnskip mit seinen Bemerkungen habe sagen wollen.

Warum eigentlich?

Als der britische Verteidigungsminister Sir Tho­mas Jnskip im Unterhaus die verschleierte Erklä­rung abgab, daß Seiner Majestät Regierung einen fertigen Plan zur Einführung der all­gemeinen Wehrpflicht im Schubkasten lie­gen habe, um ihn im Kriegsfälle sofort vor das' Parlament zu bringen, da hat diese Enthüllung, wie oben berichtet wird, die Parteipolittker in höchste Erregung versetzt. Warum eigentlich so fragt der Deutsche, für den es d i e selbst- verständlichste Sache von der Welt ist, daß alle Volks angehörigen zum Waffendienst auf gerufen werden, sobald das Vaterland in Ge­fahr ist. Aber in England, das seit - fast tausend Jahren keine feindliche Streitkraft auf seinem Boden sah und das seine 'Kriege, wenn sie schon nicht auf dem Meere entschieden wurden, meist von fremden Heeren führen ließ, besteht in der Tat eine ttef- wurzelnde Abscheu gegen den Dienst in der Armee und damit auch gegen die allgemeine Wehrpflicht. Selbst im Weltkriege konnte es die Regierung nur schwer übers Hem bringen, alle wehrfähigen Män­ner unter die Fahnen zu rufen.

Heute, nach den Erfahrungen des Weltkrieges und unter den veränderten Bedingungen der modernen Kriegführung, welche die britischen Inseln der Ge­fahr des Luftangriffes und der Blockade aussetzen können, ist es freilich auch den Engländern klar geworden, daß man sich gemeinschaftlich seiner Haut wehren muß, selbst wenn darüber die individuelle

seinen richtigen Platz zuzuweisen.

Der Labour-Abgeordnete Chu ter Ede stellt daraufhin fest, das heiße also, daß ein Gesetz über d i e allgemeine Wehrpflicht fertig vorliegö und im Kriegsfälle dem Parlament vor­gelegt werden könne. Was der Minister gesagt habe, könne nichts anderes heißen, als daß an dem Tage, an dem der Notfall eintrete, die Gesetzgebungs­maschine bereitstehen würde, das Gesetz einzuführen. Jnskip könne nicht leugnen, daß dies der Sinn seiner Erklärung sei. Jnskip sagte darauf, er habe s o klar gesprochen, wie er habe spre­chen können.

Chamberlain schweigt.

Die Opposition überschüttete darauf den Minister­präsidenten Chamberlain mit einer Flut von Fragen und bemühte sich allerdings vergeblich um eine Präzisierung der Erklärungen Jnskips. Der Oppositionsführer Attlee fragte den Mini­sterpräsidenten, ob er ein Weißbuch über die von der Regierung für den Wehrdienst ge­planten Maßnahmen veröffentlichen wolle. Cham­berlain antwortete:Nein. Alle Pläne für die im Kriegsfall sich ergebende Lage werden dem Par­lament vorgelegt werden, falls und wenn dieser Fall ein treten sollt e." Attlee fragte darauf, ob der Premierminister in diesem Falle es nicht als nachteilig ansehe, daß ein verantwortlicher Minister (Jnskip) Erklärungen ab­gegeben habe, die zu großen Mißverständnissen im Lande geführt hätten. Chamberlain erwiderte dar­auf, es sei ihm nicht bekannt, daß eine derartige Erklärung abaegeben worden sei. Der Labour-Ab- georönete Wedgewood-Benn fragte daraus, ob der Premierminister die Stelle des Protokolls n a ch -

lesen wolle, in der Verteidigungsminister Jnskip auf die Frage, ob ein Gesetzentwurf für die Ern­ährung der allgemeinen Wehrpflicht vorhanden sei, gesagt habe:Ich habe das so klar gesagt, wie ich konnte.Chamberlain gab darauf keine Ant­wort mehr, was die Opposition zu heftigen ZwischenrufenAntwort, Antwort!" veranlaßte. Die Frage des Lab our-Ab geordneten Bevan, ob das Haus annehmen könne, daß der Premierminister die von Jnskip abgegebenen Erklärungen miß­billige, verneinte Chamberlain. Weitere Fragen wurden von dem Ministerpräsidenten teils über­haupt nicht, teils in ausweichendem Sinne beant­wortet.

In parlamentarischen Kreisen besteht der Ein­druck, daß die Linksopposition diese Erklärungen des Ministerpräsidenten benutzen dürfte, um eine neue Aussprache zu erzwingen und der Re­gierung Schwierigkeiten zu bereiten. Auch auf der Rechten des Unterhauses dürften verschiedene Ab­geordnete die Angelegenheit zum Anlaß einer neuen Kritik an der Regierung nehmen. Diese Rechtskreise verlangen angesichts der Erklärung Sir Thomas Jnskips die bisher stets von der Regierung als Zwangsmaßnahme abgelehnte sofortige Re­gistrierung der gesamten englischen Bevölkerung, zusammen mit der Anle­gung von Stamm -und Musterrollen eine Forderung, die sich nach Ansicht dieser Kreise aus dem Mangel einer polizeilichen Meldepflicht ergibt. In England unterliegen nämlich nur die Ausländer der Meldepflicht.

Ein konservativer Schritt bei Chamberlain.

London, 1. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Minister­präsident Chamberlain empfing Dienstag­abend eine Abordnung von Konser - v a t i o e n , in deren Namen Sir Edward Grigg die Anlegung von Stammrollen für Frauen und Männerfür Öen Kriegsfall" forderte. Aus dieser Stammrolle solle hervorgehen, welche Art von Arbeit jeber\im Falle eines Krieges leisten könne. Chamberlain erwiderte, daß die Frage be­reits die Aufmerksamkeit der Regierung gefunden habe. Gegenwärtig aber halte man aus Dermal» : tungsmäßigen Gründen die Nachteile der Anlegung einer solchen Liste für größer als die Vorteile. :Preß Association" rechnet damit, daß Chamberlain : im Unterhaus erklären werde, daß es unmöglich i sei, an einen künftigen Krieg zu denken, ohne zu- i gleich zu erwägen, wie die Bevölkerung umfassend ; organisiert werden müßte. Das würde im Ernstfälle