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im März.

Helfer im Kampfe gegen Schädlinge zu heben, und die anderen ...? Hier hilft nur entschlossener-, rücksichtsloser Jagdschutz. Die Bedeutung, die diesem Jagdschutz zukommt, wird unterstrichen durch einen neuen Erlaß des Herrn Reichsjäger­meisters. Danach dürfen vom 1. April 1938 an nur noch solche Jagdaufseher neu eingestellt werden, die eine Berufsjägerprüfung mit Erfolg abgelegt haben. Damit werden die nebenamtlichen Jagdauf­seher mit der Zeit verschwinden. Der Jagdschutz kann dadurch nur gewinnen.

Jedenfalls ist I a g d a u f s i ch t und aktive Abwehrder Feinde des Wildes niemals nötiger als im Frühjahr. Wenn die Krähen bauen und mit der Brut beginnen, hilft der Abschuß am Nest. Dasselbe gilt für die Elstern. Ein ausgezeich­netes Mittel gegen beide ist das Giftei, nur leider mit dem Nachteil jedes Giftes: es könnte in unbe­rufene Hände konnnen und dann Schaden anrichten. Darüber muß sich jeder klar fein, der es verwendet. Die Jaadhaftpflichtversicherung der Jägerschaft tritt für diese Schäden nicht ein. Für das Wiesel schließlich gibt es heute billige Wieselfallen genug. Mindestens genau so wichtig ist aber, die Quelle des liebele zu verstopfen und für Deckung zu svr- gen. Trotz weitestgehender Ausnutzung des Bodens gibt es immer noch Oedland genug, das Hecken oder Ginster u. dal. mehr tragen könnte. Alte Stein­brüche, verlassene Kies- und Sandgruben sind nie so unfruchtbar, als das nicht ganz anspruchslose Pflan­zen dort noch wachsen könnten. Brombeeren, Gin­ster, Akazie, Bocksdorn, Sachalinknöterich usw. loh­nen immer den Versuch. Hier entstehen die wahren Kinderstuben des Wildes, sie sind die Zuflucht im Winter, und hier trifft man auch bei der Jagdaus­übung immer Hase, Fasan und Huhn an. Außer-

geht es mit mächtigen Schritten aufwärts. Der Oberstjägermeister hat angekündigt, daß die nächste Arbeit vor allem dem deutschen Gebrauchs­hund gelten müsse, ohne den eine weidgerechte Jagdausübung nicht denkbar sei. Aus dieser Ein­stellung geht die Bestimmung hervor, daß vom 1. April 1938 an nur noch solche Jagdhunde über 2»/s Jahre in die Haftpflichtversicherung eingeschlossen sind, die ihre Brauchbarkeit vor den von dem Kreisjägermeister benannten Richtern nachgewiesen haben, während jüngere Hunde nach­weislich in Abrichtung sein müssen. Diese Bestim­mungen, deren Nichtachtung zu schweren finan­ziellen Nachteilen führen kann, sind offenbar nicht wenigen Jägern noch unbekannt. In ihrem Inter­esse fei auch hier noch einmal darauf hingewiesen.

100 Mark für t

Preisausschreiben des Frauenw

NSG. Die Lenkung des Verbrauchs auf solche Nahrungsmittel, die in Deutschland reichlich vorhan­den sind, ist eine Forderung, die alle angeht, in erster Linie die deutsche Hausfrau. Mit wachsendem Verständnis ist sie seither der Forderung gefolgt. Um die Erfahrungen der tüchtigsten Hausfrauen allen zugänglich zu machen, sollen durch ein Preis­ausschreiben die besten Rezepte dieser Art ausge­zeichnet und veröffentlicht werden.

Es werden neue Rezepte gesucht für die Verwer­tung von Kartoffeln, Fisch, Hammel­fleisch, Rindfleisch und Magerkäse.

Folgende Preise kommen zur Verteilung: Ein Preis zu 100 Mark, zwei Preise zu je 50 Mark, drei Preisen zu je 30 Mark, fünf Preise zu je 20 Mark, ferner zwanzig Preise in neuzeitlichen Küchenge­räten zum Gesamtpreise von 150 Mark.

Schließlich muß daran erinnert werden, daß dis Jagdscheine am 31. März ablaufen und erneuert werden müssen. Es ist notwendig, daß dies bald geschieht, weil sich sonst die Arbeit auf den Geschäftszimmern der Kreisjägermeister zusam­mendrängt und nicht so rasch erledigt werden kann, wie der Antragsteller dies gern haben möchte. Die bearbeiteten Anträge gehen sofort an das zuständige Kreisamt, das den Jagdschein ausgibt. Eine Be­nachrichtigung über die Weitergabe erfolgt nicht. Don den Eigenjagdbesitzern, Jagdpächtern, Berufs­jägern und Jagdaufsehern muß erwartet werden, daß sie am 1. April im Besitz des neuen Jagd- scheines sind, damit sie chrer gesetzlichen Verpflich­tung zum Jagdschutz Nachkommen können.

Hubertus.

as beste Rezept.

rks und der Landesbauernschoff.

Bedingungen: 1. Die Rezepte dürfen noch nirgends veröffentlicht, müssen also ganz neuartig sein-, 2. Fette, Eier und Weizenprodukte müssen möglichst sparsam verwendet werden.

Die Rezepte werden bewertet: 1. nach dem Geschmack des Gerichts; 2. nach der Zusammenstel­lung; 3. nach der Preiswürdigkeit.

Die Rezepte sind bis zum 25. März 1938 an das Deutsche Frauenwerk, Gaustelle Hessen-Nassau, Ab­teilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft, Frankfurt am Main, Hermann-Göring-Ufer 25, einzusenden. Zur Prüfung ist ein Ausschuß gebildet worden, der aus Vertreterinnen des Deutschen Frauenwerks und der Landesbauernschaft Hessen-Nasiau besteht. Die für die Preisverteilung oorgeschlagenen Rezepte werden in einem öffentlichen Schaukochen in der Lehrküche des Deutschen Frauenwerks probiert.

ordentlich viel Gutes könnte mit wenig Kosten hier noch geschaffen werden, wenn dafür allgemein mehr Verständnis vorhanden wäre. Es müßte der Stolz jedes Jägers sein, mit einem w i r k l i ch en Hege­revier vor seine Jagdgäste treten zu können. Nicht nur der geregelte Abschuß beweist dies, sondern daneben das Ausmaß der Pflegeeinrichtungen für das Wild.

Frühlingssternbilder steigen auf.

Oer gestirnte Himmel im März.

Don Or. Erwin Kossinna.

Im Waldrevier gilt es, die Salzlecken als wich­tiges Mittel, das Wild an einen Einstand zu fes­seln, in Ordnung zu bringen. Leitern und Kanzeln sind nachzusehen oder neu zu bauen; Pirschpfäde werden gerecht, kurz, das Revier eingerichtet für die kommende Jagdzeit. Alle diese Arbeiten aber lassen sich gut mit einer anderen Aufgabe verein­baren, die dem Jäger nun gestellt ist: der Wild- z ä h l u n g. Wie alljährlich, seit Inkrafttreten des Reichsjagdgesetzes, ist bis Mitte April eine Zählung des Schalenwildes durchzuführen, da bis jetzt die Unterlagen noch nicht so einwandfrei sind, um einen dreijährigen Abschußplan ausstellen zu können. Der Abschußplan hat allein die Aufgabe, Landes­kultur und Wildstand in ein gesundes, tragbares Verhältnis zueinander zu bringen. Wer daher einen zu geringen Wildstand angibt, ist genau so zu ver­urteilen wie der, welcher glaubt, aus hohen An­gaben einen hohen Abschuß erzielen zu können. Die Erfahrungen des letzten Jahres dürften manchem als Lehre dienen. Mancher wurde gezwungen, einen viel zu hohen Abschuß zu tätigen, weil er falsche Angaben gemacht hatte. Das ist natürlich sinnlos. Wenn man etwa 6 bis 7 Wochen Zeit hat, muß es möglich sein, im März-April eine einwandfreie Bestandsaufnahme durchzuführen. Neben der Zäh­lung des Jagdausübungsberechtigten für sein Re­vier wird eine Zählung in größeren Wildzähl­bezirken durch Beauftragte des Kreisjägermeisters herlaufen, die helfen soll, die Fehlerguellen zu ver­meiden, die sich aus dem Doppelt- und Dreifach­zählen von Wechselwild ergeben müssen. Je mehr zu diesen Zählungen die kommenden Wochen aus­genutzt werden, in denen das Wild erfahrungs­gemäß zur Wintersaat drängt, um so leichter ist es, ein sicheres Ergebnis nach Zahl und Gliederung zu erzielen.

Aus den Jägeren bekannten Gründen war in der Gebrauchshundebewegung ein Stillstand eingetreten. Nun, nachdem die Jagdhunde orgamsa- torisch dahin gekommen sind, wohin sie gehören, nämlich in die Obhut der Deutschen Jägerschaft,

Der dritte Monat des Jahres bringt in der Regel nur dem klimatischen begünstigten Südwesten unse­res Vaterlandes den ersehnten Frühling. Im übri­gen Reichsgebiet stellt er sich meist erst im April ein. Aber wir spüren sein Nahen doch an der Zu­nahme der Tageslänge, die im letzten Drittel des Monats bereits 12 Stunden überschreitet. Wir er­kennen das Fortschreiten der Jahreszeit an der Ver­änderung des abendlichen Fixsternhimmels. Die glanzvollen Wintersternbilder erscheinen gegen 22 Uhr schon stark nach Westen gerückt. Dafür sind im Osten die Frühlingssternbilder aufgestiegen, die uns das Nahen der wärmeren Jahreszeit an­kündigen.

Hoch am Südhimmel sehen wir das schöne Stern­bild des Großen Löwen, in dem rechts der Helle Regulus oder Königsstern, links der Schwanz­stern Dembola stehen. Regulus ist seinem Spek­traltyp nach einer der sehr heißen Heliumsterne mit einer Strahlungstemperatur von 13 400 Grad (zum Vergleich: Sonne 3900 Grad). Zwei unscheinbare Sternbilder stehen beiderseits des Großen Löwen: rechts der Krebs und links das Haupthaar der Be- renike. Im Krebs zeigt uns ein Feldglas den in mondlosen Nächten mit freiem Auge sichtbaren Sternhaufen der Krippe, in dem etwa 50 Sterne zu gemeinsamer Fahrt durch den Weltenraum ver­einigt sind; ihr jetziger Abstand konnte zu 600 Licht­jahren ermittelt werden. Auch die Sonnen im Sternbild Haupthaar der Berenike besitzen eine gleiche, gemeinsame Bewegung im Raum.

Als einer der hellsten Sterne des ganzen Him­mels strahlt im Osten der tiefgelbe Arkturus im Bootes, ein Riesenstern vom Machen Sonnendurch­messer, dessen Licht 38 Jahre unterwegs ist, bis es die Erde erreicht. Arkturus bedeutet soviel wie Bärenhüter, und in der Tat steht er in der Ver­längerung der Schwanzsterne des Großen Bären, der bei der täglichen Umdrehung des Himmels­gewölbes dem Ärktur oorausgeht. Schon Homer und Hesiod erwähnen den schönen Stern, der be­reits im Altertum für Seefahrer und Bauern eine

große Bedeutung hatte. Die Germanen nannten ihn den Tages st er n. Links vom Bootes bemerken wir den Halbkreis der Nördlichen Krone, einige Sterne des Herkules und im Norden dicht am Ho­rizont die Wega in der Leier. Jrn Südosten ist eben Spika im Sternbild der Jungfrau über dem Hori­zont erschienen. Rechts von diesem hellen Stern fin­den wir, ebenfalls nahe dem Horizont, die Bilder Rabe und Becher, sowie die gewundene Sternreihe der Wasserschlange oder Hydra, deren Kopf gegen Prokyon im Kleinen Hund gerichtet ist.

Prokyon steht am Ostrand der Milchstraße, die wir als zart schimmerndes Lichtband über die Zwil­linge Kastor und Pollux, den Fuhrmann und Per­seus bis zur Kassiopeia verfolgen können. Im Laufe des Monats finkt die Milchstraße nach Westen herab, so daß ihre Lage für die abendliche Beobach­tung immer ungünstiger wird. Westlich der Milch­straße leuchten noch die herrlichen Wintersternbilder: Orion mit Beteigeuze, Bellatrix und Riegel, der Stier mit dem rötlichen Aldebaran und den beiden Sternhaufen der Hyaden und Plejaden, sowie tief im Südwesten Sirius, der Funkelnde.

Vier helle Sterne, nämlich Spika, Regulus, Pol­lux und Aldebaran, deuten die steile Lage der Ek- livtik oder des Tierkreises an. Mit diesem steilen Ansteigen der Ekliptik hängt die Sichtbarkeit des Tierkreislichtes zusammen, das an klaren, mond­losen Abenden als zarter Lichtkegel, dessen Spitze bei den Plejaden liegt, erscheint. Im Perseus ist der unter dem Hauptstern Algenib befindliche Doppel­stern Algol von besonderem Interesse; sein Licht wird durch den umlaufenden Begleiter alle 69 Stun­den auf ein Drittel feiner normalen Helligkeit ab­geblendet. Algol ist ein sogenannter Bedeckungsver­änderlicher. An vier Abenden bietet sich im März dem Sternfreund Gelegenheit, Algolverfinsterungen zu beobachten: am 1. März um 23.30 Uhr, am 4. um 20.15, am 24. um 22 Uhr und am 27. um 18.45 Uhr. Im Norden gruppieren sich um den Himmelspol die Bilder Kepheus, Drache, Großer und Kleiner Bär. Während das wenig bekannte Sternbild des

Oie Jagd

Noch recht winterlich ist es draußen im Walde, in dem in höheren Lagen der Schnee noch als ge­schlossene Decke liegt, und über dem noch die Ruhe des Winterwaldes sich ausbreitet. Und doch findet das suchende Auge bald hier und da neues Leben, das zum Lichte drängt. Am schlingenden Geißblatt sitzen schon die ersten Blättchen, die Knospen der Wildstachelbeere sind mächtig geschwollen, die gol­denen Haselkätzchen schaukeln im Winde, und die der Weiden glänzen wie Silber. Am Waldbach sprießt es grün, Schlüsselblumen und Aronstab zeigen bereits ihr erstes grünes Blattwerk. Schon singt die Schwarzdrossel allmorgendlich ihr Lied, der Staren lustiges Volk ist zum Schwatzen auf­gelegt und sucht schon hier und dort die alten Brut­höhlen einmal auf. Der Buchfink übt bereits an seinem Schlag. Bald wird auch die graue Bach­stelze neben der gelben wieder am Mühlenwehr nach Mücken und Larven suchen, und der Rot­schwanz, auf dem Gartenzaun knicksend, den Men­schen verkünden, daß der Frühling hinter ihm her von Süden im Anmarsch ist.

Der Weidmann kennt seine Boten gut und achtet auf sie. Denn wenn Gänse, Kraniche und allerlei Kleinvögel ziehen, dann kehrt auch der Vogel mit dem langen Gesicht, die Waldschnepfe, aus seinem Winterquartier in den Ländern um das Mittelmeer oder aus den Küstenländern des Atlan­tik zurück in die Heimat, wo er erbrütet wurde. Die stille Stunde vor Sonnenuntergang in Er­wartung der streichenden Schnepfe gehört zu den schönsten des Jagdjahres, auch wenn die Strecke nur gering zu fein pflegt.

Die Verwandten der Waldschnepfe, die Bekas­sinen usw., haben dagegen schon Schonzeit.

Ringeltauben sind den ganzen Winter hin­durch bei uns gewesen, andere kommen auf dem Zuge zurück. Da ist die Zeit nicht mehr fern, wo derHahn des kleinen Mannes", der Ringeltauber, fein Liebeslied von der höchsten Fichte ober dem Eichenüberhälter ruft und den Jäger reizt, ihn an- zufpringen oder zu sich heranzulocken.

Sonst kommen eigentlich nur noch Sauen, Kaninchen und Raub wild, wie Fuchs und Iltis, als des Weidmanns Beute in Frage. Bald jedoch wird die Bache ihre Frischlinge führen, und auch in Malepartus, Reinekes Stammburg, werden kleine, blinde Jungfüchse liegen, die ohne die Mut­ter elend verhungern müssen. Drum war es ein Gebot der Tierliebe und der Achtung vor dem Ge­schöpf, daß vom 16. März bis zum 15. Juni weib­liche führende Stücke von Schwarzwild, Fuchs und Iltis nicht erlegt werden dürfen.

Gut, daß es im März überhaupt etwas zu jagen gibt. Denn ohne diesen Anreiz kommen leider gar manche Jäger nicht in ihr Revier, in dem sie gerade jetzt dringend nötig sind. Denn die B r u t - und S a tz z e i t kündigt sich an. Märzhäschen sind leider oft schon Februarhäschen und bei der Kahlheit der Flur erst recht in Gefahr. So geht es aber allem Jungwild und den Gelegen. Die Wintersaat gibt noch keine Deckung, die Raine mit altem Gras sind vielfach gesengt. Wo soll die Häsin ihre Jungen ver­bergen, wo die Märzente ungestört ihr Gelege be­ginnen? UeberaU lauert die Gefahr. Bald sind es die Krähen, deren scharfem Auge so leicht nichts entgeht, bald sind es die Elstern, die sich z. T. ganz beträchtlich vermehrt zu haben scheinen, und nun als wahre Heckenräuber auftreten, bald ist es das Großwiesel, der schlimmsten Räuber einer. Diese Tiere der freien Natur aber bekommen Zuzug aus Dorf und Stadt. Die Hundeplage nimmt zur Zeit wieder ganz beträchtlich zu und macht entschie­denes Zugreifen nötig. Wer seinen Hund nicht ein- hält oder ihn draußen bei der Arbeit oder bei Spa­ziergängen rücksichtslos renteren läßt, verdient kei­nerlei Rücksicht, denn er nimmt ja selbst keine. Er schädigt durch seine Gleichgültigkeit nur die Allge­meinheit. Das gleiche gilt für bie wildernde Katze! Im Jagdjahr 1936/37 sind nicht weniger wie 69 714 Hunde und 364 296 Katzen in Deutsch­land geschossen ober gefangen worben. Welche Men­gen an Wild und an Singvögeln mögen diesen Räubern zum Opfer gefallen fein! Die einen be­mühen sich, die Strecken an Wild im Interesse der Volksernährung zu steigern und die Zahl unserer

Die Mädchen ans der Bnrgsiraße.

Roman von Hilde R. Lest.

29 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Hier unterbrach ihn die Justizrätin.Davon ver­stehe ich nichts", sagte sie,ich höre immerfort 20 000 Mark Barkapital. Hat denn mein Sohn all bas zuwege gebracht, ohne bas Kapital anzutasten?"

Ihr Herr Sohn kam gar nicht bazu, bas Kapital anzutasten", sagte Viereck diplomatisch,eben weil es gelang, mit den Gläubigern eine so günstige Ver­einbarung zu treffen, vor allem aber bie Gläubiger gegeneinander auszuspielen."

Sieh da, mein Sohn", lächelte die Justizrätin geschmeichelt,wer hätte das von ihm gedacht...! Und was sagt Fräulein Lenz dazu?"

Fräulein Lenz ist überaus glücklich."

Die Justizrätin strahlte gewissermaßen in sich selbst hinein.Haben Sie den Eindruck, daß aucy mein Sohn glücklich ist ich meine, ob ihn seine Arbeit befrieoigt?"

Ich zweifle nicht daran, daß ihn feine gegen» roärtiae Arbeit sehr befriedigt, ja man kann dar­über hinaus sagen, daß er sich für den glücklichsten Menschen der Welt hält."

Die Justizrätin schwamm in Seligkeit und sie gab Viereck etwas davon in Form eines wohlwollenden Blickes ab. Dann sagte sie:Sie sind wohl ein neuer Angestellter meines Sohnes?"

5a, das heißt, genau genommen, der Firma Macher."

Natürlich genau genommen. Und wie kam man gerade auf einen so tüchtigen Mitarbeiter?"

Durch ich möchte sagen durch persönliche Beziehung. Ich hoffe nämlich, wenn ich so frei fein darf, in naher Zukunft der Schwager Ihres Sohnes zu werden."

Wie?" staunte bie Justizrätin,gibt es denn noch ein Fräulein Lenz?"

Es gibt deren brei, immer eine entzückenber als bie andere."

Wie interessant! Und sind Sie schon länger Der» lobt?" wollte bie Justizrätin wissen.

Viereck schien angestrengt nachzurechnen, er be­diente sich dabei sogar seiner Finger.Es sind jetzt --ja, tatsächlich--heute ist gerade mein Derlobungstag!" Er hatte nicht gelogen.

In die Augen der Justizrätin trat ein Schimmer von Rührung.Wie gut sich das trifft! Ich habe

nämlich eine Idee und Sie könnten mit behilflich fein, sie zu verwirklichen."

Ich stehe zu Ihrer Verfügung, gnädige Frau."

,Zch weiß, Sie sind ein tüchtiger junger Mann. Sehen Sie, ich kenne die Familie Lenz gar nicht, es gab Mißverständnisse zwischen uns, aber es ist hohe Zeit, daß wir uns nun finden, und es trifft sich gut, daß wir nun zwei Brautpaare in der Familie haben. Ich möchte Sie hier vereinen, Sie und Ihre Braut, meinen Sohn und Lisbeth, die ganze Familie Lenz und was dazu gehört, zu einer kleinen Feier."

Viereck erbleichte, aber die Justizrätin hielt bas für freubige Erregung.Nicht wahr, bas ist schön! Ich bitte Sie, seien Sie mein Fürsprecher, laben Sie alle ein, ich möchte bas alles Ihnen überlassen. Ich denke, bas ist der beste Weg, zu einem schönen Frieden zu gelangen."

Furchtbar!" dachte Viereck,der Assessor und ich, wir sollen also beide als Lisbeths Bräutigame auf­treten!" Er suchte nach Worten, der Justizrätin doch noch die Wahrheit beizubringen, was ja der Grund seines Kommens gewesen war. Aber sie ließ ihn nicht mehr zu Worte kommen, sie war schon auf- gestanden, freudig erregt, verjüngt und glücklich, wie man sie noch nie gesehen hatte.

Ich werbe die Verlobung Walters mit Lisbeth hier an der Tafel verkünden", sagte sie eifrig,bann ist alles gut. Dann hat jeber seinen Willen gehabt!"

Viereck wußte, wenn er jetzt bie Wahrheit aus­sprach, gab es entroeber einen Schlagfluß ober einen 3ornesausbrud) vom Umfang einer Naturkata­strophe. Er mußte sich empfehlen.Diese Justiz­rätin", bachte er bei sich,ist doch ein härterer Brocken, als ich annehmen konnte."

Als er kurz daraus mit Ursel und ihrer Mutter sprach, konnte bas bie Stimmung im Hause Lenz nicht verbessern, unb Viereck verschob seinen Plan, Mutter Lenz noch an diesem Tage um die Hand Lisbeths zu bitten, auf einen günstigeren Zeitpunkt. Diese Nachricht hätte der guten Frau Lenz den Kopf nur noch wirrer gemacht.

Ursel aber erinnerte sich des Versprechens, bas Stelling ihr gegeben hatte, ihr jeberzeit mit Rat unb Tat beizustehen. Sie rief ihn an unb schilderte ihm das Damoklesschwert, das zu Häupten der Familien Lenz und Macher hing.

Stelling meinte, er habe zwar nur geringe Er­fahrungen mit alten, eigensinnigen Justizrätinnen unb es geschähe ja Ursel ganz recht, benn mit ihm hätte sie solche Schwierigkeiten nicht gehabt, aber er fuhr bann besänftigend fort: er kenne jemand, der ein besonderes Talent dafür habe, sich mensch­liche Sorgen unb Nöte aus der Vogelperspektive

anzusehen. Er würbe mit diesem Jemand sprechen. Ursel möge sich indessen beruhigen. Der Kampf mit dem Drachen würbe so ober so zu Enbe geführt

Carla hatte Stelling sprechen hören, sie saß yn selben Zimmer. Er schilderte ihr Ursels Verzweif­lung und meinte, es müsse doch eigentlich möglich sein, der Justizrätin einfach auf die Bude zu steigen unb ihr reinen Wein einzuschenken. Man müsse biejer Komöbie der Irrungen ein Ende bereiten.

Carla überlegte nur einen Augenblick. Dann sagte sie:Ich bitte Sie, diese Aufgabe mir zu über­lassen, denn ich habe da verschiedene alte Rech­nungen zu begleichen. Sehen Sie es gibt viel­leicht Menschen, die sich einbilden, es täte mir leib, daß Ursel und der Assessor sich gesunden haben und daß, wie ich vermute, Herr Viereck unb Lis­beth sich finben werben. Könnte ich Ihnen diesen Verdacht besser heimzahlen als durch eine fromme Tat?"

So gefallen Sie mir!" sagte Stelling froh.

Kurze Zeit darauf hielt bie Justizrätin Carlas Besuchskarte in der Hanb. Carla Lenz. Welche mar das nun? Gewiß Herrn Vierecks Braut. Sie ließ bitten ...

,,Si? waren so freunblich, mich zu einer Feier einzulaben, ich freue mich sehr ..."

Es liegt an mir, mich zu freuen", sagte bie alte Dame.

Das ehrt uns, gnäbige Frau, aber ich wollte Ihr Haus boch nicht betreten, ohne vorher Abbitte geleistet zu haben für den vielen Kummer, ben ich Ihnen unverschuldet bereitet habe."

Sie?" rief die Justizrätin erstaunt.Ich sehe Sie doch heute zum erstenmal!"

Das schon. Aber ich war schuld, baß Ihr Sohn Ihr Haus verließ."

Ich kann Sie nicht verstehen, mein Kind. Soll- ten Sie meinen Sohn im Interesse Ihrer Schwester dazu überredet haben?"

Ich habe ihn nicht überredet, ich wußte gar nichts davon. Aber Ihr Sohn hatte bie Absicht, um meine Hand anzuhalten. Da Sie ihm das verwehr­ten, verließ er Sie. Insofern bin ich bie Schuldige."

Die Justizrätin strich sich über bie Stirne. Träumte sie ober redete bas Mädel irre?Soviel ich weiß", sagte sie streng,bat sich mein Sohn mit Ihrer Schwester verlobt Wie können Sie sagen, daß er Sie heiraten wollte?"

Ihr Sohn hat mich auf der Universität kennen- gelernt ..."

Sie--?"

Nur mich, denn meine Schwestern gehen nicht zur Universität!"

Erzählen Sie weiter", drängte die Justizrätin.

Ihr Sohn ist etwas schüchtern. Er sagte mir nichts von seinen Gefühlen und Absichten. Als er um meine Hand anhielt, war ich gerade verreist, meine Mutter konnte ihm keine Antwort geben. Ich kam erst nach zwei Wochen wieder, ohne zu ahnen, was sich inzwischen zugetragen hatte."

Mein armer Sohn! Er hat also ganz vergebe lich sich unb uns diesen.Schmerz bereiten müssen!"

Es geschieht wohl oft im Leben", fuhr Carla fort,daß scheinbares Unheil sich zum Guten wen­det. Ihr Sohn gewann zwei Wochen Zeit. Er hat in dieser Zeit erkennen können, baß er in Wirk­lichkeit gar nicht mich, fonbern meine Schwester liebte. Ich glaube, bas hat uns allen manche Ent, täuschung erspart, und auch Sie, gnäbige Frau, bürfen dem Schicksal deshalb nicht böse sein."

Ich bin es nicht, obgleich mich diese Aufklärung überrascht. Ich kenne ja Ihre Schwester. Sie gefällt mir ebenso gut, wie Sie mir gefallen hätten."

Jetzt spielte Carla ihren Trumpf aus.

,Zch glaube, Ihr Sohn kann sich wirklich keine verständnisvollere, gütigere Mutter wünschen. Die Menschen sind wahrhaft groß, die einsehen, daß man sich irren kann."

Nun", sagte bie Justizrätin mit einem feinen Lächeln,so groß war der Irrtum meines Sohnes nicht. Wer solche Wahl hat, muß auch Qual haben."

Gilt das auch für bie Mutter? Ich meine gesetzt ben Fall, Sie hätten zu mir ja gesagt, wür­den Sie es über sich gebracht haben, auch zu meiner Schwester ja zu sagen?"

(Eine gute Mutter soll dem Herzen des Sohnes nahe fein. Sie darf sich mit ihm irren, sie muß sich aber auch mit ihm überzeugen lassen."

Ich banke Ihnen für diese Worte unb bitte Sie, dazuzustehen. Denn Sie sind ja auch jetzt das Opfer eines Irrtums, an dem niemand Schuld trägt. Sie halten Lisbeth für die Braut Ihres Sohnes. Sie ist es nicht."

Die Justizrätin verstand nicht gleich, was ge­meint war. Der Ausbruch, ben Carla erwartet hatte, erfolgte nicht. Die alte Dame sank in sich zu­sammen, als hätte sie einen inneren Halt verloren. Sie sah hilseheischenb auf Carla, aber die Lippen versagten ihr ben Dienst, Carla neigte sich vor und strich begütigend über ihre Hände.

Meine Schwester Ursel paßt viel besser z« Wal­ter als Lisbeth ober ich. Sie hat bas weiche Herz unb bie kindliche Mütterlichkeit, bie ihn glücklich macht. Ich bitte Sie aus ganzem Herzen, machen Sie bas Glück Ihres Sohnes vollkommen unb be­harren Sie nicht auf Ihrem Stolz, weil Sie das Mädchen seiner Wahl nicht kennen und eine andere für dieses Mädchen hielten." (Fortsetzung folgt.)