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Nr.2D Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Aus der Stadt Gießen

richtes.

Der Schlittschuh.

Der

auf das am Schienbein sitzende Fleisch übertragen und entwickelt sich allmählich zum Namen des Ge­

gen diesem Luftriesen gegenüber, der mit zwölf Motoren ausgerüstet ist. Würde auch nur einer dieser mit je 600 PS ausgestatteten Motoren in Tätigkeit treten, die stattliche Schar der kleinen aber wackeren Vorkämpfer des Flugwesens aus einer Zeit, da man noch den Kraftwagen bestaunte, müßte durch den bloßen Luftdruck hinweggefegt und in Stücke geschlagen werden. Wobei jedoch zu bemerken ist, daß Do X mit seinem Kabinenraum von dem Umfang eines kleinen Dampfers eine zwar interessante Konstruktion war, über die jedoch sehr rasch die Entwicklung hinwegging. Die heuti­gen Großflugboote besitzen diese Mammutgröße nicht, sind aber um ein Mehrfaches schneller, lei­stungsfähiger und wirtschaftlicher. Also auch Do X gehört schon zu den Veteranen.

Bewundern wir in der Deutschen Luftfahrtsamm­lung auf der einen Seite den Entwicklungsgang von der ersten dahin taumelnden Motte bis zur neuesten Messerschmitt-Konstruktion, so finden wir auf der anderen den Einsatz des Flugzeuges für die Land es Verteidigung. Da stehen in statt­licher Zahl Kampfmaschinen aus den Jahren 1914 bis 1918. Man sieht es ihnen an, wie von Monat zu Monat neue Erfahrungen verwertet wurden. Dort hat man das leichte Gestell mit einigen Eisen­blechplatten gepanzert, um den Kampfflieger zu schützen, hier sind schon wesentliche Aenderungen am Motor. Das Mittel der Tarnung gelangt auch beim Flugzeug zur Anwendung. Tagflieger suchen sich der Himmelstönung anzupassen, Nachtflieger find tiefschwarz angestrichen. Nur das in Nachbil­dung vorhandene Flugzeug R i ch t h o f e n s , ein Dreidecker, ist rot angestrichen. Richthofen verzichtete auf die Tarnung, ein Beweis für; fein Drauf­

deutet und sich imSki" also auf die Herstellung der Schneeschuhe bezieht.

Er freut s i ch wie ein Schneekönig.

Wer ist dieserSchneekönig"? Es ist der Zaun­könig, der auch zur Winterzeit in Schnee und Eis fein munteres lauttönendes Lied hören läßt und deshalb in Mitteldeutschland von Thüringen bis Schlesien Schneekönig genannt wird. Den Königs­namen führt der kleine Vogel, weil er in der an­tiken Sage von der Königswahl der Vögel, die schon Aristoteles und Plinius kennen, die Hauptrolle spielt.

La Habanera.

Gloria-Palast.

Februar warm - Gott erbarm!"

,-So schön ist kein Winter, daß man sich nicht seines Endes freute!" Lichtfreude, Sonnensehnsucht geben dem Nordländer immer von neuem frohen Mut, wenn die Tage merkbar an Länge zunehmen und die Sonnenkraft täglich spürbarer wird. Aber allzu reichlichen Vorschuß darf der Frühling nicht geben, und manche alte Bauernregel kündet uns die oft gemachte Beobachtung, daß ein allzu ge­linder Februar keineswegs erwünscht ist, da er einerseits den für die Landwirtschaft in mehrfacher Hinsicht höchst wichtigen Frost zu früh verdrängt, anderseits mit Gewißheit Witterungsrückschläge ein­treten, die dann ihrerseits neue Gefahren mit sich bringen.

Der Hornung muß sich die Hörner abstoßen", d. h.austoben", sagt man mit Recht, und in Ober­öfterreich wo man diesen altdeutschen Namen für den Februar auch noch in Abwandlungen ge­braucht heißt es:Das Herndl soll mit Saus und Braus eingehen!", denn

Gibt's im Herndl ein Tröpfl, gibt's im Mai ein weißes Schöpft."

Dtegnet es im Februar meint das Verslein fo bringt der Mai noch Schnee. Aehnliches besagt der Reim:

Der Februar baut manche Brücke, der März bricht ihnen das Genicke." Besonders für die Schafe ist ein milder Februar eine Gefahr, wie diese Bauernregel vermerkt:

Wenn im Februar spielen die Mücken, gibt's im Schafftall große Lücken."

Aber auch sonst ist dieser Monat kritisch für die Lämmerherde; in Mecklenburg gilt allgemein diese

___ entscheidende und nachklmgende Eindruck dieser Habanera geht, wie wir glauben, von der Erscheinung der schwedischen Schauspielerin Zarah Leander aus, die bisher mit jedem ihrer deut-

gängertum. Zu den deutschen Kampfflugzeugen ge­sellen sich noch interessante Konstruktionen zur Schaffung von Riesenflugzeugen, von denen eine ganze Reihe in Dienst gestellt wurden. Es ist er­staunlich, mit welcher Zähigkeit an dem Ausbau der deutschen Luftwaffe gearbeitet wurde, obwohl es an allem mangelte. R 55 sollte ein besonders star­ker Luftriese werden. Seine Räder hätten eine Gummibereifung von erheblichem Gewicht erfor­derlich gemacht. Aber Gummi war nicht mehr vor­handen. Deshalb wurden Räder aus starkem Eisenblech angefertigt. Man ließ sich damals durch nichts abschrecken, wie auch nach dem Kriege Kampf­flieger darangingen, ihre Maschinen in den Dienst einer friedlichen Arbeit zu stellen. Eines dieser Flugzeuge gelangte als erstes Postflugzeug während der Nationalversammlung auf dem Wege Berlin Weimar zum regelmäßigen Einsatz. Gelb ist es an- gestrichen und mit einem schwarzen Lederverdeck überzogen. Wie eine Postkutfche sieht es aus, eine Kutsche mit zwei Rädern, einem Sporn und einem Propeller, die noch heute so dasteht, als warte sie nur auf den Startbefehl.

Die Sammlung, die den Dorkriegshumor nicht zu kurz kommen läßt, die den Modellbau be­rücksichtigt, die ein reiches Schrifttum enthält und auch an den Flugsagen der verschiedensten Völker nicht achtlos vorübergegangen ist, wird durch die Beutestücke aus dem Weltkrieg abge­rundet. Engländer, Franzosen und Russen sind auf­marschiert. Man lieft die Namen jener Werke, die heute die britische und französische Luftwaffe aus­rüsten. So mancher Feldsoldat dürfte, wenn er die näheren Angaben über Abschuß und Notlandung dieser Maschinen hinter den deutschen Linien ver­folgt, alte Bekannte wieder finden. Jetzt stehen sie mit ihren leuchtenden Kokarden wie Denkmäler in dieser Halle. Sie legen gemeinsam mit ihren da­maligen Gegner, den deutschen Jagd- und Bom- benmaschinen Zeugnis von einer Zeit ab, die un­erhörte Leistungen einer bei Kriegsausbruch noch in der Entwicklung begriffenen Waffe sah.

schen Filme eine stärkere Leistung zeigte, eine Ge­staltung, die zusehends persönlicher, reifer und innerlicher wurde: ihr schönes, klares und aus­drucksvolles Gesicht, die auffallend dunkle und weiche Stimme, der leise und verhaltene Sprach­klang beherrschen die wesentlichen Szenen des Films... Die Habanera, eine schwermütige und verlockende Melodie, wird zum musikalischen Symbol der kleinen Aequatorinsel Puertorico: sie erscheint der jungen Schwedin Astree Sternhjelm, die mit ihrer Tante eine Tropenreise unternimmt, wie ein Paradies, ein romantisches Eiland voller Musik und Anmut und Abenteuer; hier gibt es Kastagnetten­tänze, Stierkämpfe und schlanke Kavaliere, die mit spanischer Grandezza und der Ritterlichkeit der alten Troubadours den Damen aus dem Norden den Stier in der Arena zu Füßen legen wie eine Huldigung... Dieser Kampf, dieser Mann, diese Melodie, die über der Insel zu schweben scheint, haben Astree so bezaubert, daß sie im letzten Augen­blick den schon ablegenden Dampfer wieder ver­läßt, zurückkehrt zu dem Mann, den sie kaum kennt und an seiner Seite ein neues Leben be­ginnt. Aber es zeigt sich bald, daß die Insel nicht das erträumte Paradies ist, sondern ein Fegefeuer, und nach zehn Jahren bindet sie nichts mehr an den Mann und die neue Heimat als der kleine blonde Sohn: sie verzehrt sich vor Heimweh nach Schweden, die Melodie der Habanera bringt sie zur Verzweiflung, eine verführerische und trügerische Melodie, denn in Puertorico wütet ein böses Tropenfieber, das viele Opfer fordert, und dem die Aerzte nicht gewachsen sind, die hier ansässigen jedenfalls nicht. Europäische oder amerikanische viel-

Oie Deutsche Luflfahrtsammlung.

Aus den Anfängen der Fliegerei.-Zwerge und Riesen.-Oie gelbe Lustpost- kutsche. Beutestücke aus dem Großen Kriege.

Bedeutet Schlittschuh einen Schuh, auf dem man wie auf einem Schlitten über das Eis fährt? Ver­folgen wir das Wort zurück, so-merken wir, daß feine ältere Form Schreitschuh" ist. Die uns ge­läufige FormSchlittschuh" taucht erst am Ende des 17 Jahrhunderts auf. K l o p st o ck, in feiner Vorliebe für dieMachtwörter" der älteren deut­schen Sprache, versucht, die alte Form des Wortes wieder einzuführen, auch Goethe gebrauchtSchreit- fchuh" wieSchlittschuh". Doch hatten diese Wieder­belebungsversuche keinen Erfolg, weil die alte Be­deutung' nicht mehr verstanden wurde. Die alte ger­manische Wurzel hat nämlich den Sinnsich glei­tend bewegen". Deshalb kann in mittelhochdeutscher Zeitschreiten" auchsich aufs Pferd schwingen" bedeuten und ein Schuh, mit dem man über das Eis gleitet,Schreitschuh" heißen. Erst als diese Be­deutung von Schreiten vergessen worden war, konnte das Wort anSchlitten" angelehnt werden das mitschlittern" zu einer germanischen Wurzel slict" =gleiten" gehört.

Rodelschlitten.

Das WortRodelschlitten" gehört zu denen, die zwei gleichbedeutende Begriffe mit einander ver­binden wieangst und bange ,Goldgulden , Diebstahl",Zitronenlimonade" usw.. weil Der eine der beiden Begriffe nicht klar verstanden wird^ Denn die Rodel" ist einSchlitten , undRodelschlitten besagt soviel wiePferdegaul"! Die Erklärung durch Schlitten" war aber nötig, weilRodel allein, dessen sprachliche Herkunft ungeklärt ist, wohl nur im Bayrisch Österreichischen, wo das Wort heimisch ist, verstanden wurde. Erst um 1900 wird das Wort in die Schriftsprache aufgenommen verbreitet sich und aeht die Verbindung mit Schotten em der dann ^aus dem ursprünglich weiblichen Wort em männliches macht.

Ski und Schneeschuh.

Wie der Schlittschuh hat auch d/r Schneeschuh ein hohes Alter. Aus der Bronzezeit schon smd^ett- bölier bekannt, die dem modernen Ski sehr ähn­lich^ sind. In der nordischen Skaldendichtung werden Schneeschuhe häufig erwähnt, auch m der Wielands- toqe finb sie bekannt. Nach Deutschland kamen sie erst ku?z vor der Mitte des 18. Jahrhunderts, tm Riesengebirge tauchen die ersten Skier 1840 auf. Seiner sprachlichen Bedeutung nach istSchi wort- normnnht mit unferemScheit", das war aus der VerbindungHolzscheit" kennen. Beide Wörter ge­hören zuscheiden", das ursprünglichspalten be=

Dicht neben dem Lehrter Bahnhof in Berlin jener Einfallspforte, durch die alle Reisenden aus Nordwestdeutschland, aus Hamburg und Uebersee in die Reichshauptstadt hineinströmen, stehen einige Hallen mit mächtigen Glaskuppeln. Was diese Hal­len bergen, lassen die großen Verkehrsmaschinen aus* Ganzmetall ahnen, die vor den Eingängen aufgebaut sind. Es sind Junkersslugzeuge mit weit ausladenden Tragflächen und gewaltigen gummi­bereiften Rädern, Zeugen einer Entwicklung, die sich durch keinerlei politische Knebelbestimmunqen aufhalten ließ. Diese Maschinen sind bereits M u - feumsftücfe, obwohl sie sich in ihrem Aeußeren kaum von anderen Junkersflugzeugen unterschei­den und obwohl sie in einer noch greifbar nahe­liegenden Zeit geschaffen wurden. Ueberwindet die Fliegerei auch Zeiten und Weiten, das Flugzeug selbst wird zum Veteran in denkbar kürzester Frist Denn unentwegt sinnt der Konstrukteur nach neuen Verbesserungen, neuen Formen, unentwegt steigen die Leistungen der Maschinen, so daß morgen schon die Type zurückbleibt, die heute noch an der Spitze liegt.

Die Deutsche Luftfahrtsammlung, die sich neben dem Lehrter Bahnhof niedergelassen hat, ist so angeordnet, daß sie sofort einen Ueberblick über die Entwicklung des Flugzeugs aus allerklein­sten Anfängen bis zu den modernsten Verkehrs­maschinen gestattet. Da hängen und stehen Flug­zeuge, wie man sie sich gebrechlicher, wackeliger und durchsichtiger nicht denken kann. Manche scheinen überhaupt nur aus ein paar Drähten und Holz- ftangen zu bestehen, die einen luftigen Sitz tragen, der vor ober hinter einem vorsintflutlichen Motor angebracht worden ist. Wir haben es hier mit den er ft en Flugzeugen zu tun, teils mit Origi­nalen, teils mit getreuen Nachbildungen. Steht man vor diesen Maschinen, bann erst begreift man, wel­cher Fanatismus, welche Begeisterung unsere Flug­pioniere erfüllt haben muß, um einer neuen Er- finbung den Weg zu ebnen und sie der Menschheit dienstbar zu machen. Denn alle, die sich in diese Drahtgeflechte hängten, setzten damit ihr Leben ein. Sie alle besaßen noch keine Erfahrungen. Ein leichter Windstoß konnte ihre Maschinchen zum Ab­sturz bringen. Wir finden in der Ausstellung die Namen der ersten Piloten, wir finden in einem besonderen Raum viele hundert Stücke, die von deutschen Abstürzen stammen und die zusammenge­tragen worden sind: zerbrochene Propeller, ge­schwärzte Stangen, zerbeulte Benzinbehälter, Flüg- Feugräder, Handschuhe, Stiefel von Piloten, Uhren, Andenken über Andenken, deren jedes einzelne eine interessante Geschichte zu erzählen weiß. Aber jedsr Absturz, jeder Knochenbruch, jedes vernichtete Leben eines Piloten brachte bas, was schließlich zu höchsten Vollenbung bes Sicherheits­grabes der Fliegerei würbe: die Erfahrung. Und wenn wir heute die großen Verkehrsflugzeuge über uns hinwegbrausen sehen, dann möge man nicht vergessen, wieviele Männer den letzten Gro­schen in den Bau ihrer Flugzeuge hineinsteckten, und wieviele von ihnen den Fliegertod starben, da­mit der Schatz an Kenntnissen und Wissen gesam­melt werden konnte, der unserer Fliegerei einen so unerhörten Aufschwung gab.

Welch eine Entwicklung liegt zwischen den Zeiten, da die Brüder Wright mit ihren Doppeldeckern, im Freien sitzend, jdben Augenblick in ber Gefahr, im Sitz in bie Tiefe zu fallen, Schauflüge veran­stalteten ober bem Entstehen ber schon recht gefälli­gen Etr ich-Taube unb bem fast eine große Halle ausfüllenden Riesendornier-Flugboot Do X. Unter feinen Flügeln stehen Flugzeuge, die nicht zu den Kleinsten gehören. Sie gleichen aber Zwer-

Warnung:Februar! Scheper, woar bi!" In bezug auf bie Ernte werdet man bie Erfahrung, daß allzu frühe Wärme^im Jahr sich ungünstig auswirkt, in biefer Feststellung an:

Friert es nicht im Hornung fein, wird ein schlechtes Kornjahr sein."

Und auch für bie menschliche Gesunbheit ist lasches" Februarwetter unzuträglicher als trockener, flirrenber Frost:Februar mit Kot bringt Krank­heit unb außerbem Not!"

Aehnliche Erkenntnisse bergen bie Wetterorakel und Bauernregeln, bie sich auf einzelne Tage un­seres Monats beziehen. Mit Hinblick auf Maria Lichtmeß am 2. Februar heißt es:

Grünt um Lichtmeß schon ber Klee, gibt's um Ostern oft noch Schnee."

Da Helles Wetter um die Zeit des Februar­beginns meist Kälte mit sich bringt, während milde Tage feucht und trübe zu fein pflegen, so heißt es ganz glaubhaft:Lacht zu Lichtmeß Sonnen­schein, wird's noch sechs Wochen Winter fein", also normale Witterung herrschen. Ein sonderbar krasser Widerspruch leuchtet aus diesen beiden Reimen her­vor:

Auf Lichtmeß schöner Schein der Sonnen, tut uns mit Flachs und Hanf belohnen", und:

Scheint zu Lichtmeß die Sonne auf den Stein, so wird der Flachs nur klein."

Ohne weiteres zustimmen wird man der Wetter­regel:

Zu Lichtmeß Lerchengesang macht um den Lenz uns bang", und:

Winterliche Sprache.

Von Professor Or. Erich Zenisch.

Schneidende Kälte.

Die Luft geht scharf, es ist entsetzlich kalt", sagt Hamlet, als er in dunkler Nacht bie winterliche Terrasse bes Schlosses von Helsingör betritt, um die Erscheinung des Geistes zu erwarten. Horatio stimmt ihm zu:S'ist eine schneidende und strenge Luft". In der Tat haben wir bei strenger Kalte die Empfindung des Scharfen, Schneidenden, Stechenden. Diesen sinnhasten Eindruck der Kälte bewahrt die uralte Wurzel, aus der unserkalt" unbKälte" hervorgegangen sinb. Die gemeingerma­nische Bebeutungkalt" geht zunächst zuruck auf einen Begriff, bergefroren" bebeutet unb ber urverwanbt ist mit bem lateinischen Wortgelidus für kalt, aber auch mit bem litauischen Zeitwort gelti, basstechen" bebeutet und in bem wahr­scheinlich bie eigentliche Bebeutung ber alten Wur­zel sich noch erhalten hat. Eine ähnliche Bewah­rung der Sinnesempfinbung im ursprünglichen Wort zeigt auch bas Lateinische in bem Wort für Frost" (pruina), bas zu bem Zeitwortjucken" (prurire) gehört.

Zwanzig Winter.

Wie wir von zwanzigLenzen" sprechen, würbe ein Germane zur Zeit Cäsars von zwanzig .Min­tern" gesprochen haben. In den germanischen spra­chen bientWinter" nicht nur zur Bezeichnung ber kalten Jahreszeit, es hat auch bie Bebeutung Jahr". In ähnlicher Weise zahlte r^an fncher nicht nachTagen" sonbern nachNachten . InFast­nacht" undWeihnacht" hat sich diese Zahlung er­halten; beutlicher tritt sie im Englisch en "kortn i gb t = Vierzehn Tage" hervor. Mundartlich lebt übri­gens die Erinnerung an -Wmter" als Bezeichnung fürJahr" auch heute noch fort: Im Nieberrheinl- schen nennt man ein einjähriges Rind einenCm* winter". Q

Und das Eisbein?

Der Name des norddeutschen Gerichtes gehört in eigenartiger Weife auch zum winterlichen Sprach­schatz. Zwar hat das Eisbein unmittelbar nichts mit Kälte und Frost zu tun DennEisbein ist ur­sprünglich der Name eines Hüftknochens. ?us die­sem Hüftknochen wurden nämlich sehr früh schon Schlittschuhe hergestellt. Bereits in ber alteren Steinzeit sinb Knochenschlittschuhe nachweisbar. In der Ebba heißt ber SchlittschuhEisknochen , wie heute noch im Schwebischen munbarthd)Cis- schenkel". So wirb bie fonberbare Bezeichnung bes Knochens leicht verständlich. Später wirb der Name

Wenn es um Lichtmeß falt, kommt ber Frühling halb."

Und für ben 24. Februar, Matthiastag, hat man dieses Wetterorakel als zutreffend erkannt:Friert's in der Matthiasnacht, so bleibt noch vier Wochen Frost", was also bedeuten würde, daß der Winter pünkttich mit Frühlingsanfang zu Ende gehen werde.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr:Der Trouba­dour". Gloria-Palast (Seltersweg):La Haba­nera". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Der Schimmelkrieq von Holledau". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr, Frankfurter Künstler der Gegenwart.

Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet eine Wiederholung des großen OpernerfolgesDer Troubadour" von G. Verbi statt. Musikalische Leitung Joachim Popelka, Spiel­leitung Wolfgang Kühne. Bühnenbilber Karl Löff­ler. Die Vorstellung finbet als 18. Vorstellung ber Dienstag - Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr.

wehrhafte Dorfkirchen in Hessen."

Frömmigkeit unb Wehrhaftigkeit nicht im Streite, sonbern in natürlicher Verbunbenheit um bie Kirche unserer heimatlichen Dörfer geschart, zeigt ber Vor­trag, ben Dr. M e y e r - B a r k h a u s e n über bie« fes Thema am Donnerstag, 20.15 Uhr, im Ober- hessischen Geschichtsverein halten wird. Prächtige Lichtbilder zeigen viel unbekannte Schönheit der Heimat.

Eine große Chance.

In den winterlichen Straßen nimmt ungern jeder bie Hänbe aus ben warmen Taschen. Aber wenn ihm ber graue Glücksmann begegnet, juckt es ihn boch. Unb hat einmal feiner bie Börse gezogen, so bleibt er nicht ber einzige Loskäufer, benn bie Lotterie bes Winterhilfswerkes ist längst bem beut» leicht, aber bie einflußreichen Beherrscher ber Insel erklären, kein Interesse an beten Experimenten zu haben, seit bie ersten Versuche nicht bas gewünschte Ergebnis zeittgten: sie befürchten eine Schäbigung bes Renommees ber Insel unb ihrer wirtschaftlichen Interessen. So ergibt sich sofort ein neuer Konflikt, als eines Tages eine schweb siche Expebition auf Puertorico eintrifft mit einem jungen Arzt, bem es in ber Tat gelingt, ben Erreger zu sinben unb ein wirksames Serum zu gewinnen: ber Stockholmer Arzt ist nicht nur ein ßanbsmann, sonbern sogar eine Jugendliebe Astrees, und man sieht sogleich, wie mit der Begegnung der beiden die Hauptlinien ber Handlung sich überschneiden: der Kampf gegen das Fieber, der Kampf der Inselbewohner gegen die fremden Aerzte und der Kampf um Astrse geben der Fabel, die ganz romantisch und idyllisch be­gann, einen ausgesprochen dramatischen Akzent unb stellenweise eine kriminalistische Spannung. Diese Szenen sind innerlich und äußerlich sehr bewegt, wenn auch vielleicht in ihren Voraussetzungen wie in der Lösung des Konflikts, die zur glücklichen Heimkehr Astrees mit dem jungen Arzt und ihrem Sohn in die alte Heimat überleitet, ein wenig zu romanhaft-geläufig und drehbuchmäßig... von sehr schöner, reiner, nirgendwo fragwürdiger Wirkung find aber die viel stilleren, fast lyrischen Szenen zwischen Astree und dem Jungen, dem sie von der schwedischen Heimat singt und erzählt: hier kann sich die darstellerische Kunst unb Phantasie ber ßeanber am unmittelbarsten entfalten. Für ben kleinen, flachshaarigen Juan hat man in Michael Sch ulz-Dornburg eine Verkörperung gefunoen, bie ber Vorstellung entspricht unb sich von einem gewissen Filmkinberklischee, bas man nicht selten antrifft, erfreulich fernhält. Ferbinanb Marian gibt bem Don Pebro in halblauter Verhaltenheit bie romantischen wie bie bespotischen Züge eines kleinen Jnseltyrannen. Karl Martell spielt ben jungen schwedischen Arzt mit einer frischen, braufgänge» rischen Aktivität unb geroinnenber Männlichkeit. Paul Bildt in einer scharf ausgearbeiteten Chargenrolle unb ber Berliner Komiker Werner Finck in einer komischen Episobe seien vom Ensemble genannt, in bem bie Gießener auch A r z- b o r f bemerkt haben werben. Das Drehbuch schrieb Gerhard Menzel, dem wir schon eine Reihe guter Filme verdanken. Detlef Sierck führte Regie; er beweist im Zusammenklang von Bild unb Ton ein feines Gefühl für die eigentümliche Atmo­sphäre, die hier eingefangen werden sollte, auch für Kontraste, innere Spannungen und sinnfällige Theaterwirkung, ßothar B r ü y n e schrieb die Musik, deren ßeitmotive sich intensiv einprägen. (Ufa.) Im Beiprogramm sieht man die neue Wochen« schau. Hans Thyriot.

Dienstag, I.Zebruar 1938

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Die Werbeaktion für den ßanbbienft hat begonnen unb ruft bie jungen Mäbchen zur Arbeit auf ber beutschen Erbe auf. (Scherl-Bilberbienst-M.)