Ausgabe 
31.12.1937
 
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Gießener"

n

erkiarife wurden ermäßigt.

Aus der Stadt Stehen.

Das alte und das neue Jahr.

Don Hans Hartmann.

Dickens hat in seinenSilvesterglocken" vom alten Jahre geredet:Das Jahr war an diesem Tage alt, hatte geduldig die Vorwürfe und Schmähungen seiner Lästerer überlebt und war getreulich mit seinem Werke zustandegekommen."

Das Jahr geht unbeirrt seinen Weg, ein Sinn­bild der Ewigkeit, der ewigen, ehernen Gesetze, die die Welt regieren. Es deckt vieles zu mit dem Mantel des Vergessens und Verzeihens.

Gleich einem Scheinwerfer richtet der letzte Tag des alten Jahres noch einmal sein Licht auf die vergangenen 365 Tage: gewiß mag man sagen, daß es doch eine willkürliche Festsetzung ist, daß wir gerade am 1. Januar das neue Jahr beginnen lassen. Gewiß, es ist Menschenwerk, das uns heute die 1937 vergessen und mit 1938 uns anfreunden heißt. Aber sollte diese Satzung ganz von ungefähr sein?

Doch wohl nicht: steht doch in ihr geschrieben ' von der Freude des nordischen Menschen, endlich die i Umkehr der sinkenden Sonne zu erleben. Was der graue November und Dezember gebracht haben, kehrt sich nun um in Aufstieg, in den Willen zum neuen Leben, zur neuen Schöpfung. Es scheint eine Weisheit darin zu liegen, daß man das Jahr nicht schon am 21. Dezember, am kürzesten Tage, be­ginnen läßt. Es ist, als ob wir noch einmal den Atem anhielten, als ob wir ja nicht zu schnell an den Sieg des Lichtes glauben wollten, um keine Enttäuschung zu erleben. Es ist, als ob wir noch abwarten wollten, ob es denn auch wirklich wahr sei. Und wenn wir merken, daß tatsächlich die Tage schon länger werden, dann glauben wir es, dann sind wir wieder des ewigen Wunders und Ge­setzes zugleich inne geworden. Wir feiern das neue Jahr.

5)aben wir diese Gesinnung gewonnen, so werden wir es nicht schmähen und lästern, werden es ver­klären und das Beste an ihm festhalten. Wir han­deln dann nach dem Bibelspruch:Prüfet alles, und das Gute behaltet." So prüfen wir noch ein­mal das alte Jahr: was hat es uns gebracht in unserer eigensten Entwicklung, was brachte es für Ehe und Kinder, was in Beruf und Freizeitgestal­tung? Sind wir vorwärts gekommen? Und wenn i es unscheinbar oder unmeßbar sein sollte schon das Gefühl, weiter gekommen zu sein, ist ein An­sporn, eine Kraft für den Beginn des neuen Jahres.

Nehmen wir alles Gute hinüber ins neue Jahr, so machen wir es nicht wie der Mann in derNeu­jahrsnacht eines Unglücklichen" von Jean Paul, der ihn sagen läßt:Gib meine Jugend mir zurück". Mit Jammern und Klagen bekommen wir nichts zurück, was wir nicht in uns tragen und hindurch bewahrt haben.

So nehmen wir denn alles, was uns in unserem Lebensgange und im letzten Jahre zuteil wurde, ins neue Jahr und beginnen mit einem Kapitel an Seele, Kraft und Geist: folgen damit den Worten Dickens', der fordert,daß man in fröhlicher Lust den alten Knaben entläßt und das neugeborene Kindlein begrüßt", das denn nun wachsen und reifen soll bis zu seiner Vollendungübers Jahr".

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag (Silvester).

Stadttheater: 20 bis 22.45 UhrDie Geisha". Gloria-Palast (Seltersweg):Gasparone". Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Serenade". Ober­hessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Kunstaus- i stellung im Turmhaus am Brand.

Tageskalender für Samstag (Neujahr).

Stadttheater: 15 bis 17.30 UhrSchneewittchen"; 20 bis 22.15 UhrDie tote Tante und andere Be­gebenheiten". MitKraft durch Freude" ins neue Jahr: 20 Uhr, Caf6 Leib, fröhliches Bordfest -auf dem Dampfer Hamburg. Gloria-Palast «(Seltersweg):Gasparone". Lichtspielhaus (Bahn- chofstrahe):Serenade". 1880/1930: Hotel Köhler.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 15 bis 17.30 UhrSchneewittchen": 19 bis 20.45 UhrMartha". Gloria-Palast (Seb ckerswea):Gasparone". Lichtspielhaus (Bahn- chofstraße):Serenade". Schützenverein: 20 Uhr »Schützenhaus Familienabend.

Stadttheater Gießen.

Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird arns geschrieben: Heute abend findet die Erstcmffüh- Tung der OperetteDie Geisha" von Sidney Jones Patt. Gerade in der letzten Spielzeit hat sich diese beliebte Operette wieder die Bühnen erobert und das Publikum begeistert. Musikalische Leitung Joachim Popelka, der auch die Gesangstexte neu bearbeitet chat. Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Einstudierung «der Tänze und choreographische Leitung Irmgard Jenner. Ehöre Heinz Markwardt. Bühnenbilder Karl Löffler. Beginn 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr.

Am 1. Januar 1938 Neujahr findet nach­mittags eine Wiederholung des MärchensSchnee­wittchen" nach Grimm von Trude Wehe statt. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Musika­lische Leitung Heinz Markwardt. Tänze Irmgard Zenner. Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. Abends Erstaufführung vonDie tote Tante und andere Be- ! gebenheiten" von Curt Goetz. Curt Goetz, dessenTo- cvarisch" auch in Gießen einen großen Erfolg erlebte, > ist Dichter, Schauspieler und Regisseur. Spielleitung Wolfgang Kühne. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig für die KdF.-Miete, Truppe II (6. Vorstellung), statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr. Wir machen noch einmal dar­auf aufmerksam, daß die angekündigte 8. Morgen- oeranstaltung am Sonntag, 2. Januar, ausfällt.

Sonntag, 2. Januar, Wiederholung des Märchens ..Schneewittchen" nach Grimm von Trude Wehe. ' Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. Der Abend bringt die erste Wiederholung vonMartha", romantifch- ' komische Oper von Friedrich von Flotow, die bei ihrer Erstaufführung einen großen Erfolg erlebte. Musikalische Leitung Paul Walter, Spielleitung Wolfgang Kühne. Leitung und Einstudierung der Ehöre Heinz Markwardt. 'Bühnenbild Karl Löffler.

WHW., Ortsgruppe Gießen-Nord.

Belt. Kohlenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie C) Dis spätestens Dienstag, 4. Januar, 20.30 Uhr, auf »er Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht, mehr mgenommen werden. Die Gutscheine müssen auf »er Rückseite mit dem Stempel oder Unterschrift »es Kohlenhändlers und der Unterschrift, Straße mb Hausnummer des Hilfsbedürftigen versehen ein.

Die Tarife des städtischen Elektrizitätswerkes und des städtischen Gaswerkes haben im Verlaufe der letzten Jahre bzw. der verflossenen Monate eine gewisse Senkung dadurch erfahren, daß die Stadt­verwaltung die bisherigen Finanzzuschläge aufgehoben bzw. teilweise eine andere Rege­lung der Staffelung vorgenommen hat. Mit dieser Maßnahme sollte den Strom- bzw. Gasbeziehern eine Erleichterung gewährt werden, die in ihrer Gesamtheit für die Finanzen der Stobt immerhin allerlei ausmacht.

Hinsichtlich der Ermäßigung der Strom­preise im Stadtgebiet seit 1934 ist fol­gende Veränderung zu verzeichnen: Durch Wegfall des Finanzzuschlages für Beleuchtungs­aw e ck e ab 1. April 1935 in Höhe von 4 Pf. pro KWh ermäßigte sich der Strompreis von 47 Pf. auf 43 Pf. für die kWh. Ferner wurde der Strompreis für Kraftzwecke durch Fortfall des Finanz­zuschlages in Höhe von 2 Pf. für die kWh ab 1. April 1937 in jeder Staffel um 2 Pf./kWh ge­senkt. Ab 1. Oktober 1937 wurde die Garantie für den Koch- und Heizstrompreis von jährlich 600 kWh auf 420 kwh zurückgesetzt^ Weiterhin wurde in 1937 ein Sonderpreis für ge­werbliche Zwecke neu eingeführt: Arbeits- gebühr während der Lichtspitzenzeit 43 P. pro kWh, während der übrigen Zeit 20 Pf. pro kWh, mit einer monatlichen Mindestabnahme von 50 kWh, oder ohne Garantie 26 Pf. pro kWh. Die Licht- spitzenzeiten für Doppel- und Dreifachpreis sind in den Monaten November, Dezember, Januar

Mit Recht pflegt der Einzelhandel auch in unserer Stadt auf das Weihnachtsgeschäft alljährlich seine besonderen Hoffnungen zu setzen. Diese Hoffnungen sind auch in diesem Jahre nicht enttäuscht worden. In einer Reihe von Branchen konnte man erfreu­licherweise gegenüber dem Vorjahre nicht unerheb­liche Umsatzsteigerungen verzeichnen, wenn auch nicht alle Branchen gleichen Anteil daran haben konnten.

Der Gießener Einzelhandel ist auch für das dies­jährige Weihnachtsgeschäft den an ihn gestellten Anforderungen gerecht geworden. Den Käufern wurde eine reiche Auswahl geboten. Darüber hinaus stellte sich der Außenhandel in den Dienst höherer völkischer Interessen, indem er bewußt den Not­wendigkeiten des Vierjahresplanes entsprechend ar­beitete, die neuen Werkstoffe propagierte und man­ches Vorurteil beseitigte, das da und dort noch die­sen neuen Werkstoffen entgegenstand. Gleichzeitig hatte der Einzelhandel die Aufgabe mit zu erfüllen, sich für eine zweckmäßige Bedarfslenkung einzu­setzen.

Die Arbeit für das Weihnachtsgeschäft war für den Einzelhandel vom rein geschäftsmännischen Standpunkt aus nicht leicht, denn die Beschränkung von Verdienstspannen und die Preis-Stoppverord­nung mußten berücksichtigt werden.

An der Werbung für das Weihnachtsgeschäft hat man es nicht fehlen lassen. Die Gemeinschafts­werbung erwies sich insofern als ein Erfolg, als die Landbevölkerung in erhöhtem Maße zu Ein­käufen in der Stadt angeregt wurde. Gießen bewies damit erneut feine Anziehungskraft als Bedarfs­deckungszentrum für ein Hinterland mit etwa 100 000 Menschen. Die Geschäftswelt ließ es sich ferner angelegen sein, durch gute Schaufensterdeko­ration, die sich zum Teil auf beachtlicher geschmack­licher Höhe bewegte, zum Kaufe anzureizen. Mit Genugtuung wurde es vom Einzelhandel begrüßt, daß die Bevölkerung des Landes und der Stadt rechtzeitig mit den Weihnachtseinkäufen be- <gann und der Ansturm in den letzten Tagen vor Weihnachten nicht übermäßig stark wurde. Die Landbevölkerung kaufte überwiegend in den frühen Nachmittagsstunden, da die meisten auswärtigen Besucher mit den Zügen am Nachmittag Gießen wieder verließen.

Der Kaufkraft der Bevölkerung entsprechend wur­den die mittleren Preislagen bevorzugt. Immer wieder auch reizte aber der Wunsch, Qua­litätsware zu kaufen, zu größeren Aufwendungen an. Sehr gut waren die Umsätze an den beiden ver­kaufsfreien Sonntagen, von denen widerum der silberne Sonntag die stärkere Inanspruchnahme brachte.

Die Textilgeschäfte hatten einen durchaus befriedigenden Umsatz zu verzeichnen. Die Umsatz­steigerung belief sich aus 10 bis 15 v. H. gegenüber dem Vorjahr.

Die Schuhbranche konnte die Umsätze des Vorjahres halten. Der Geschäftsgang war befriedi­

Die Hebesätze der Gewerbesteuer.

Der Oberbürgermeister gibt heute in einer Nach­trags-Haushaltssatzung der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1937 die Steuersätze (Hebesätze) der Gewerbesteuer vom Kapital und vom Ertrag, so­wie die Sätze der Zweigstellensteuer und der Wa­renhaussteuer bekannt.

Militärisches Wecken am Neuiahrsmorgen.

Die Bevölkerung unserer Stadt wird wie wir am Mittwoch bereits berichten konnten am ersten Tag des neuen Jahres durch das Große Wecken unserer Garnison aus dem Schlaf gerufen werden. Das Große Wecken, zu dem ein Zug des Infanterie-Regiments 116 unter Führung eines Offiziers und bestehend aus einem Feldwebel, bxei Unteroffizieren und 45 Mann, befohlen ist, wird nach dem um 7 Uhr erfolgenden Abmarsch von der Bergkaserne nachstehende Straßen passieren: Kaiserallee, Moltkestraße, Hitlerwall, Walltörstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Mäusburg, Kreuzplatz, Seltersweg, Hindenburgwall, Garten­straße, Ludwigsplatz, Kaiserallee, Licher Straße zu­rück zur Bergkaserne.

Gießener rvochenmarktpreije.

* Gießen, 31. Dez. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, seine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, ausländische Kühlauseier, 11, Wirsing, XA kg 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rot­kraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unter»

von 16.30 bis 21.30 Uhr, Februar und Oktober von 17.00 bis 21.30 Uhr, März und September von 18.00 bis 21.30 Uhr, April und August von 19.00 bis 21.30 Uhr, Mai, Juni und Juli von 20.45 bis 21.30 Uhr.

Für das Ueberlanbgebiet ist folgendes zu sagen: Ab 1. November 1934 wurde der Licht- strompreis von 24 Pf. auf 22 Pf. gesenkt. Fer­ner wurden die grunbpr eispflichtigen Brenn stellen wie folgt geändert: Gruppe 1: von 4 auf 5 Brennstellen, Gruppe 2: von 10 auf 12 Brennstellen, Gruppe 3: von 20 auf 24 Brennstel- len, Gruppe 4: von 30 auf 35 Brennstcllen, Gruppe 5: von 70 auf 80 Brennstellen, Gruppe 6: von 100 auf 115 Brennstellen. Außerdem wurden die Kraft- st r o m p r e i s e ab 1. November 1934 von 13 Pf. auf 12 Pf. herabgesetzt.

lieber die Aenderung der Gas preise ist fol­gendes zu vermerken: Der Industrie- und Gewerbe-Tarif, der je nach Abnahme außer einer Anschlußgebühr von monatlich 1 bis 5 RM. 18 bis 11 Npf. je cbm betrug, wurde ab 1. April 1937 allgemein auf 10 Npf. je cbm. bei einer Min­destabnahme von 250 cbm, neben einer Gebühr von 3 bis 5 RM. festgesetzt. Ab 1. Januar 1938 fällt die Beschränkung der Mindestabnahme weg.

Die städtischen Betriebe sind zur Zeit damit be­schäftigt, die Tarife für beide Energie­arten neu z u ge ft altem, und zwar nach einem Grundgebühr'entarif mit einer ermäßigten Arbeitsgebühr.' Diese Neugestaltung wird wiederum für die Strom- und Gasabnehmer Vorteile bringen.

gend. Das verhältnismäßig günstige Wetter hat sich für diese Branche allerdings so ausgewirkt, daß besonders in schweren Schuhen der Umsatz nicht sonderlich hoch war.

Im Möbeleinzelhandel war das Ge­schäft wohl befriedigend, wenn auch die Umsätze des Vorjahres nicht voll erreicht wurden. In Fach­kreisen ist man der Meinung, daß dieser Umstand in erster Linie daraus zurückzuführen war, daß sich das kaufende Publikum mehr den Textilgeschäften zuwandte.

In der Lebens- und Genußmittel­branche konnte man erfreulicher Weise eine Um­satzsteigerung von 5 bis 10 v. H. gegenüber dem Vorjahre feststellen. Der Hundertsatz wäre sicherlich höher ausgefallen, wenn einige Artikel (insbeson­dere Zutaten für Weihnachtsbackwerk) in größerer Menge zu greifen gewesen wären.

In der Tabakbranche konnte man ebenfalls Umsatzsteigerungen bis zu 15 v. H. gegenüber dem Vorjahre verzeichnen. Bevorzugt wurden neben mittleren auch die besten Qualitäten. Insbesondere wurden größere Zigarettenpackungen gerne gekauft. Gesamteindruck: gut bis sehr gut!

In den Eisenwarengeschäften war sest- zustellen, daß das kaufende Publikum fast aus­schließlich auf gute Qualitäten sah. Gegenüber dem Vorjahre konnten Umsatzsteigerungen bis zu 12 v. H. festgestellt werden. Allerdings liegen die Umsätze in dieser Branche noch um einiges unter dem Standard früherer Jahre.

In der Radio-Branche konnte man im all­gemeinen, auf den Jahresablauf umgelegt, eine aufsteigende Tendenz verfolgen. Es erwies sich auch im vergangenen Jahre, daß das Rundfunk - Emp­fangsgerät mehr und mehr als ein Gebrauchs­gegenstand betrachtet wird. EinWeihnachts­geschäft" trat also weniger in Erscheinung.

In der Gold- und Silberwarenbranche und im Uhrengeschäft konnten die Umsätze des Vorjahres gehalten werden. Auffällig war, daß das kaufende Publikum sich fast ausschließlich der Qualität zuwandte, in der Erkenntnis, daß die billige" Ware die teuerste ist.

Das Spielwarengeschäft hatte eine ge­ringe Umsatzsteigerung zu melden. An die Geschäfte wurden besondere Anforderungen gestellt, denn 70 v. H. des Jahresumsatzes entfallen auf die Tage vor Weihnachten.

In der Fachgruppe Glas und Porzellan war ebenfalls ein leichter Anstieg des Umsatzes zu verzeichnen. Der Durchschnittssatz der Aufwendun­gen des einzelnen Kunden hat sich gehoben. Gute Qualitäten waren bevorzugt.

Die Entwicklung des Weihnachtsgeschäftes läßt also fast auf der ganzen Linie eindeutig erkennen, daß sich die Kaufkraft unserer Bevölkerung gehoben hat. Das ist eine ' überaus erfreuliche Feststellung, die die Volksgemeinschaft in ihrer Gesamtheit an­geht!

kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 28 bis 35, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 8 bis 9, Meerrettich 30 bis 70, Schwarz­wurzeln 25 bis 40, Kartoffeln, A kg 4 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25 Mark, Aepfel, % kg 12 bis 20 Pf., Birnen 15, Nüsse 35 bis 50 Pf., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Blumenkohl, das Stück 35 bis 60 Pf., Salat 25, Endivien 10 bis 12, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10 Pf.

** 81 Jahre alt. Am morgigen Neujahrstag, 1. Januar, kann der bekannte frühere Gastwirt der WirtschaftZum Schipkapaß" Jean Arnold in geistiger Frische seinen 81. Geburtstag begehen. Der alte Herr unternimmt noch täglich seine Spazier­gänge.

** Deutsche Lebens-Rettungs-Ge­sellschaft, BezirkOderhessen. Dem Sport­lehrer Karl Maus in Gießen konnte nach erfolg­reich abgelegter Prüfung von der Hauptgeschäfts­stelle Berlin die Urkunde für" den Lehrschein mit goldener Nadel überreicht werden.

** Sterbesä11e in Gießen. Es verstorben in der Zeit vom 15. bis 30. Dezember in Gießen: 16. Dezember: Maria Ude, geb. Mummel, o. B., 71 Jahre, Neustadt 45. 18.: Katharina Klingler, geb. Kurz, o. B., 81 Jahre, Frankfurter Straße 43. 19.: Paul Martin, Univ.-Professor, Geh. Med.-Rat Dr., 76 Jahre, Keplerstraße 5 21.: Anna Schmidt, Dienst­mädchen, 45 Jahre, Hindenburgwall 22; Ida Tüll, geb Morell, o. B., 88 Jahre, Johannesstraße 9. 24.: Wolfgang Dedio, 8 Jahre, Kaiserallee 135; Anna Dahmer, geb. Scherer, o. B., 73 Jahre, Aster­weg 45; Karl Jnderthal, Reichsbahnodersekr"tär i. R., 77 Jahre, Liebigstraße 95. 25.: Marianne Geppert, geb. Adel, o. B., 73 Jahre, Liebigstraße 34. 26.:

Der Gießener Einzelhandel und das Weihnachtsgeschäft 1932. Ergebnis gut! - llmsahsteigerungen gegenüber dem Vorjahr.

Margarethe Bourgeois, o. B., 58 Jahre, Moltke­straße 28; Marie Kraft, geb. Engel, o. B., 68 Jahre, Walltorstraße 73; Lisel Lepper, geb. Aberrnann, o. B., 43 Jahre, Bismarckstraße 47; 27.: Friedrich Kinkc,, Lokomotivführer i. R-, 81 Jahre, Zu den Mühlen 14;

Bertha Konradine Goß, geb. Noll, o. B., 76 Jahre, Landmannstraße 15; Jean Weisel, Kaufmann, 79 Jahre, Sonnenstraße 6. 30.: Karl Schlckedanz, Schlossergeselle, 56 Jahre, Sonnenstraße 6.

** Unfälle. Ein achtjähriger Schüler aus der oberen Schulstraße zog sich, als er auf der Straße ausglitt, im Sturz einen Unterarmbruch zu. Ein 16jähriger Lehrling aus der Neustadt war mit- einer Hand in eine Maschine geraten und erlitt da­bei erhebliche Quetschungen. Beide jugendliche Der- unglückte wurden in die Chirurgische Klinik ge­bracht.

Aus der engeren Heimat.

Durch Explosion

des Schweißapparates getötet.

Heuchelheim (Kreis Gießen), 31. Dez. Am gestrigen Donnerstag gegen 17 Uhr ereignete sich in der Werkstatt des hiesigen Schlossermeisters Philipp Volkmann V. ein schwerer Unglücksfall. Der 64 Jahre alte Schlossermeister Volkmann war mit Schweißarbeiten beschäftigt, wobei der Schweißapparatplötzlich explodierte und den bedauernswerten Mann so schwer verletzte, daß er bald darauf v e r st a r b. In der Werkstatt beschäftigte Lehrlinge blieben zum Glück unverletzt.

Zwei Verkehrsunfälle.

Am gestrigen Donnerstag^ gegen 22 Uhr fuhr in Oppenrod ber 24 Jahre alte Kraftfahrer Phi­lipp Jünger au"Reiskirchen mit einem von ihm gelenkten Lastauto gegen eine Mauer. Zum Glück blieb es nur bei Sachschaden, Personen wurden nicht verletzt.

Am Mittwoch kam es zwischen Lauter und Grünberg an einer (teilen Stelle der Landstraße zu einem Unfall eines mit 7 0 00 Liter Benzin

»Urquell

gefüllten Tankautos der Leuna-Filiale Frankfurt a. M. Das große Tankauto kam auf der abschüssigen Straße infolge Glatteis hinterrücks ins Rutschen, glitt'dabei die Böschung hinunter und kam schließlich im Straßengraben so unglücklich zum Stehen, daß es bie ganze Breite ber Land- straße versperrte. Am gestrigen Tage mürbe noch eifrig an ber Beseitigung bes Berkehrshinder- nisses gearbeitet. Zum Glück entftanb kein Personen- unb Sachschaben.

Landkreis Gießen.

-.- W a tz e n b o r n - S t e i n^b e r g, 31. Dez. Frau Elisabeth Häuser, geb. Mack, Bahnhofstraße 26, vollenbet am fommenben Montag in verhältnis­mäßiger Rüstigkeit ihr 8 3. L e b e n s j a h r.

* Steinbach, 31. Dez. Der hiesige Gesang­vereinEintracht" hielt im SaaleZum Einhorn" fein Wintervergnügen ab. Die Kapelle Schleuse eröffnete ben Abenb mit guter Musik. Vereinsführer Wald gab einen kurzen Rückblick auf bas vergangene Vereinsjahr. Jnsbefonbere erinnerte er an bas Sängerfest in Breslau, an bem ber Chorleiter unb fünf Sangesbrüber teilnahmen. Weiterhin kam er auf bie Feier bes 75jährigen Be­stehen bes Vereins zu sprechen, bie am 11., 12. unb 13. Juni 1938 begangen werben soll. Er gab bobei ber Hoffnung Äusbruck, baß bie Feier ein Fest echten beutschen Sängergeistes werben möge. Der restliche Abend brachte in angenehmer Abwechslung musikalische unb gesangliche Darbietungen, sowie die beifällig aufgenommene Aufführung eines Theaterstückes.

<£ Leihgestern, 30. Dez. Die Bautätig­keit in unserer Gemeinde war in diesem Jahre nicht besonders rege. Außer An- und Umbauten von landwirtschaftlichen Gebäuden wurden in der Bahnhofstraße, deren Ausbau nur langsam vor­wärts geht, drei in der Heimgasse, Rathaus- unb Hinbenburgstraße je ein Wohnhaus neu errichtet. Auch im Ortsteil Mühlberg /nurbe ein Wohnhaus am Walbesrand errichtet.

D Hungen, 30. Dez. Nachdem ber vor kurzem erfolgte Verkauf ber HofreiteZ u m Schützen- haus" nicht zu einem enbgültigen Abschluß ge­führt hat, wurde heute das Anwesen an die F ü r st - lich Solms -Braunfelssche Standes- Herrschaft, deren Schloßparkanlagen an das Schützenhaus" grenzen, weiterverkauft.

* Rüddingshaufen, 31. Dez. Der hiesige 63 Jahre alte .Landwirt und Schmied Wilhelm Soll erlitt einen schweren Unfall. Er stürzte in der Scheune aus beträchtlicher Höhe auf die Tenne hinab und zog sich dabei schwere innere Verletzun­gen, insbesondere aber einen Bruch ber Wirbel­säule unb bes Brustbeines, zu. Der bebauernsmerte Mann liegt in bebenklichem Zustanbe in ber Chirur­gischen Klinik zu Gießen.

Nundfunkprogramm

Samstag, 1. Januar.

6 Uhr: Hafenkonzert. 8.30: Musik am Morgen. 9: Christliche Morgenfeier. 9.45: Rasse unb Glaube. 10: Katerfrühstück. 10.30: Chorgesang. 11.15: Ebbische Weltschöpfung. Eine Funfolge um ben Dichter Leo- polb Weber. 12: Mittagskonzert. 14: Für unsere Kinber. 14.30: Operetten-Wirdel. 15.30: Was sie Feiertags treiben. 16: Nachmittagskonzert. 18: Ski­läufer sind ein Volk von rauhen Sitten. Eine Stunbe gute Laune auf Harsch unb Pulverschnee. 19: Nach­richten. 19.10: Das nacholympische Jahr. 19.20: Großes Wunschkonzert zugunsten bes WHW.

Sonntag, 2. Januar.

6 Uhr: Hafenkonzert. 8.15: Gymnastik. 8.30: Deut­sche Scholle: Was ber Bauer wissen muß. 8.45: Orgelmusik. 9: Wer bie Furcht besiegt, kann nicht besiegt werben. (Gorch Fock.) 9.30: Christliche Mor­genfeier. 10.15. Laß beine Seele aus bem Schatten treten. 10.30: Chorgesang. 11.15:Aufruf unb Be­kenntnis". Eine Funkfolge. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinber.Hoch auf bem gelben Wagen ..." Fröhliche Ausfahrt. 14.30: Heute sind wirgut aufgelegt". 15.15: Deutsche Scholle: Fröh­liche Dorfgemeinschaft in ber Eifel. 16: Sonntag­nachmittag aus Saarbrücken. Musik zur Unterhal­tung. 18: Zur Dämmerstunbe in froher Runbe. 19: Nachrichten. 19.10:Tausenb Beinchen tanzen." (Jn- bustrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 19.40: Sportspiegel des Sonntags. 20: Unterhaltungskon­zert. 21: Nun in ber nächt'gen Stille. Orchesterkonzert.