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:ili. 279 Zweites Blatt
Kießener Anzeiger (Aerieral-Anzeiger für Oberheffen)Dienstag,5V. November 1957
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Aus der Stadt Gießen.
Nebel.
Cuma! stieg ich in einer späten Stunde auf s nei Turm; ich kam aus dem Nebel und hatte den c,".un\ nicht sehen können. Nun, da ich oben war, f h t i die Stadt verschwunden; die Lichter, die her- iilflntnen, waren matt und gedämpft; der Nebel lic Darüber wie ein wogendes Meer, und es schien nsr, als seien die Spitzen der Häuser, die daraus 1 ersahen, wie die Maste eines Seglers auf einer turnbewegten See... .
Zithern liebe ich den Nebel. Am Abend, wenn A nach Hause geht, hat er die Stadt verzaubert, i ir langes Gesicht ist anders geworden, die Mauern ' n! verschwunden, über ihnen hegt der silbergraue Uiier, der alles verwebt. Es ist, so scheint es ui! über allem ein tiefer Frieden, die Schritte er Fußgänger, das Klappern der Wagen, das iu n, alles ist viel gedämpfter, die Lichter der ’ sind nicht mehr hell und scharf, sie malen iiiLc Schimmer in der Schleier, der sie und uns indbt.
.st anchmal stößt ein Baum aus diesem Grau, Iriii und zart streckt er seine schwarzen, unbelaub- IsFSlefte in den unsichtbaren Himmel, manchmal iivcst ein heller Kreis aus dem Straßenpflaster, i!en eine Laterne malt, alles ist mild und gütig, iritliem Nebel verwoben zu einer zarten Schönheit. ■Jiff: wünscht sich, man könne es malen, mit leich- 1211, flüchtigen Pastellstrichen, nur wie ein Hauch. :)t; Nebel ist gütig, denn er verbirgt, aber er kann cud heimtückisch sein, weil er verbirgt, trotzdem «:be: muß man ihn lieben, denn zwiespältig sind • illt Dinge...
Item Dichter und dem Maler aber ist er ein pr besonderer Freund; keiner kann sich sattsehen . :n hm, mit trunkenen Augen bannt ihn der eine ipsdie Leinwand, der andere aber träumt von ihm:
Um uns raunt des Nebels silbergraues Meer, fftiller, leiser schreiten wir einher;
avie im Traum umhüllt er dich und mich;
und keiner weiß es nun, ich liebe dich! E. H.
Heute, am 30. November, Verdunkelungsübung.
Letzte Mahnung zur Beachtung der Verdunkelungsvorschristen.
Bon der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt:
Vergeßt nicht alle Räume nach außen abzudunkeln! Auch die Fenster der bewohnten Dachräume dürfen nicht vergessen werden. Auch solche Räume, die nur vorübergehend benutzt werden, müssen nach außen abaedunket sein.
Soweit erforderlich, lind Lichtschleusen anzubringen. In Lokalen mit starkem Publikumsverkehr sind Schleusenwärter erforderlich.
Fahrzeuglenker denkt an die Abblend - Vorrichtung! Fahrt während der Verdunkelung vorsichtig! Stellt eure Fahrzeuge nicht oerkehrs- störend auf!
Was Hal die Bevölkerung zu tun?
Mit Eintritt der Dunkelheit müssen alle Räume nach außen abgedunkelt sein und bis zum Ende der Hebung abgedunkelt bleiben.
Die Haustüren dürfen während der Hebung nicht verschlossen sein, wenn es sonst nicht üblich ist. Die Abdunkelung muß so durchgeführt sein, daß kein Lichtschein nach außen dringen kann. Lichtreklamen müssen unbeleuchtet bleiben.
Falsch ist es, die Wohnung in der Absicht zu verlassen, keine Abdunkelung durchzuführen und sich während der Dauer der Verdunkelungsübung in Lokalen usw. aufzuhalten. Auch ist es falsch, an offenen Fenstern zu verweilen. Auch mangelhafte Abdunkelung ist unzulässig.
Was bedeutet „eingeschränkte Beleuchtung" und „Verdunkelung"?
Für die Bevölkerung bedeuten diese beiden Bezeichnungen „vollständige Abdunkelun g". Die „eingeschränkte Beleuchtung" bringt nur Ausnahmen für die öffentliche Beleuchtung, die Schaufensterbeleuchtung, die Beleuchtung der Arbeitsplätze im Freien, Beleuchtung der Treppen im Freien und
die Fahrzeugbeleuchtung. Hier müssen jedoch alle Lichtquellen nach oben abgeschirmt sein. Auf die Ein- zelheiten wurde bereits in der Presse hinigewiesen.
Die „Verdunkelung" hebt alle diese Erleichterungen auf. Die Stadt wird in volle Dunkelheit gehüllt. Die Fahrzeuge müssen mit Abblendvorrichtungen versehen sein.
Beachtet die Sirenensignale!
Der Hebergang van der „eingeschränkten Beleuchtung" zur ^Verdunkelung" und das „Ende der Hebung" wird durch Sirenensignale bekanntgegeben. Zum Beginn der „vollen Verdunkelung" ertönt das Signal für „F l i e g e r a l a r m", das jedermann im Ohre haben muß. Es wird hier nur als Gehörübung angewandt. Es ist ein
zwei Minuten langes Ertönen von Sirenensignalen mit ständiger Unterbrechung.
Die Anwendung dieses Signals für „Fliegeralarm" soll bei der Verdunkelungsübung gleichzeitig zur Gehörschulung der Bevölkerung dienen. Es wird bei dieser Hebung anders als im Ernstfall oder bei Alarmübungen angewandt. Dieses Signal bedeutet im Ernstfall und bei Alarmübungen „Flieger- a I a r m". Beim Ertönen dieses Signals muß die Bevölkerung bei Alarmübungen oder im Ernstfall die Schutzräume auffuchen. Das Publikum muß von der Straße verschwinden, jeder Verkehr auf der Straße hört auf usw.
Bei der heutigen Verdunkelungsübung braucht die Bevölkerung ausnahmsweise die Schutzräume nicht aufzusuchen und die sonstigen Maßnahmen nicht zu befolgen. Die Anwendung der Sirenen bei dieser Hebung geschieht lediglich, um die Bevölkerung erneut auf die Signalart hinzuweisen und sie zu belehren, wie die beiden Signale klingen.
Das Ende ber Hebung wird durch das zweite Sirenensignal
„zwei Minuten lang ohne Unterbrechung" bekanntgegeben. Dieses zweite Signal bedeutet bei Alarmübung und im Ernstfall „Entwarnung". Die Bevölkerung verläßt alsdann die Schutzräume und nimmt die Arbeit wieder auf. Bei der heutigen Verdunkelungsübung bedeutet dieses Signal, davon abweichend, nur Aufhebung aller Derdunkelungsmaß- nahmen.
Ausnahmen während der Verdunkelungsübung.
Fahrzeuge der Wehrmacht, der Hebungsleitung, der Polizei, des Sanitätsdienstes und der Aerzte i m
irischer, reiner «4fem
gründliche, schonende Reinigung, verhindert den Ansatz von Zahnstein. Stoße Tube 40 TL, kleine Tube 25 TL
Dienst fahren mit grünem Licht am linken oder an beiden Scheinwerfern. Fahrzeuge der Feuerwehr im Dienst fahren mit blauem Licht. Die obigen Fahrzeuge können unbehindert fahren.
Gießener, befolgt d i e ergangenen Anordnungen, damit die Hebung ein voller Erfolg wird!
Es wird darauf hingewiefen, daß gegen die Säumigen mit aller Schärfe vorgegangen wird. Es wer- den Lichtbilvaufnahmen gemacht, so daß der Nachweis der Verfehlungen stets erbracht werden kann.
Heute wird sich beweisen, ob alle ihre Pflicht getan haben.
Vornotizen.
Tageskalender für Dienstag:
E adttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Die Boheme". -^Leistungsschau der Volksschulen des Kreises Gie- fer in der Turnhalle der neuen Pestalozzi-Schule. . -l loria-Palast (Seltersweg): „Mädchen für alles". -4 Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gabriele eins .-i. — drei!" — Gesellschaft für Erd und Völ-
Iferlinbe: 20.15 Hhr, Aula des Gymnasiums, Licht- ili rvortrag Dr. A. Kolb (Leipzig), „Don Nord- hi*n zum Sulu-Archipel".
Stadttheater Gießen.
jteute abend findet eine Wiederholung der Oper , ,5); Boheme" von Puccini statt. Musikalische Lei- ilin Kapellmeister Paul Walter, Spielleitung Dr. 'krch Schumacher. Die Aufführung findet als IV.Sorstellung der Dienstag-Miete statt, Beginn 20, lEnle 22.30 Hhr.
NSLS., Kreis Gießen.
Fachschaft H.
5m Rahmen der „Leistungsschau der Volksschulen lies Kreises Gießen findet Donnerstag, 2. Dezem- 1 ler, 15 Hhr, in der Neuen Pestalozzischule eine (bifciutg der Fachschaft Höhere Schule ftatt. 1. Kenntlicher Hnterricht: Rechnen und Deutsch im
Schuljahr. 2. Vortrag: Die Volksschule als Schule
Volkes. 3. Vorführung von Hnterrichtsfilmen. d Besichtigung der ausgestellten Schülerarbeiten. sIYM.-u. 3HJi.--Untergau 1l6,(9ie6en.
! tetr.: Sani-Kurs für das eeislungsabzeichen.
I r-r für Dienstag, 30. November, angesetzte Sani- Huii. in der Goetheschule muß ausfallen. Er findet ilinDienstag, 14. Dezember, zur gleichen Zeit und ftiNZleichen Ort ftatt___________________________________
RSG. „Kraft durch Freude", Theatervorstellung.
Sonnabend, den 4. Dezember 1937, 20 Hhr, Große KdF.-Miete Gruppe l (5. Vorst.) Oper
„Der Wildschütz"
von Albert Lortzing. Karten zu 1,— RM. sind noch auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, erhältlich.
„KdF.-Miete" Gruppe I und II.
Die 2. Rate der „KdF.-Miete" ist bis fpätestens Freitag, den 3. Dezember 1937, auf der Kreisdienft- ftelle, Schanzenslrahe, einzulöfen.
Reisen, Wandern, Urlaub.
Durch das Reichsamt Reisen, Wandern, Urlaub wurde eine zusätzliche
Italien-Fahrt vom 18. bis 30. Dezember 1937 unter dem Motto „Weihnachten in Italien" durchgeführt. Der Fahrpreis einschließlich Verpflegung usw. 150,— RM. Nähere Auskünfte über Teilnehmer-Bedingungen erteilt Ihnen die Kreisdienst- stelle.
Deutsches Volksbildungswerk.
Am Donnerstag, dem 2. Dezember 1937, 20 Hhr, in der Neuen Aula, Ludwigftraße, lieft der dänische Dichter 7867O
Winterreifen.
Die erste Winterfahrt in die herrliche Schneewelt wird in der Zeit vom 25. Dezember 1937 bis 2. Januar 1937 nach Bad Tölz (36,50 RM.) durchgeführt.
Anmeldeschluß für diese Fahrt ist der 10. Dezember 1937.
Svend Fleuron.
Karten zu —,40 RM. sind auf der Kreisdienststelle erhältlich.
Der Vortrag
„Deutschlands wehrpolitische tage"
am 30. November 1937 wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Kreisappell des Reichskriegerbundes (Kyff'äuserbund).
Der Kreisverband Gießen des Deutschen Reichskriegerbundes hatte die Kameraden zu seiner diesjährigen Herbstarbeitstagung in den „Burghof" ein- berufen. Kreisverbandsführer Dr. Monnard hieß die Kameraden willkommen. Der Bezirksführer überreichte sodann dem Kameraden Monnard in Anerkennung feiner großen Verdienste um den Kyff- häuserbund das Ehrenzeichen 2. Klasse.
Kreisschießwart Albin Klein berichtete über das Schießwesen innerhalb des Kreisoerbandes, der in den diesjährigen Wettkämpfen wieder erfolgreich ab- gefchnitten hat. Er gab ferner das Ergebnis des Ehrennadel-Schießens bekannt: 6 goldene, 31 silberne und 231 bronzene Ehrennadeln konnten an die Kameraden zur Verteilung gelangen. Kamerad Klein verabschiedete sich dann von feinen Kameraden, da er aus geschäftlichen Gründen feinen Posten als Kreisschießwart an den Kameraden Hanf (Friedberg) abgeben mußte. Kreisführer Dr. Monnard dankte dem bewährten Kameraden für seine treuen Dienste.
Anschließend gab er einen kurzen Bericht über die Führertagung des Landesgebiets „Fulda-Werra" in
Eisenach, in der deutlich zum Ausdruck kam, wie der Bund sich stetig weiterentwickelt. Seit der Frühjahrstagung wurden an die Kameradschaften Gro- ßen-Buseck, die Leibgardisten und die ehemaligen Freikorpskämpfer die Bundesfahnen übergeben. Die Frage der Aufstellung und Organisation der Bereitschaften wurde anschließend in längerer Aussprache eingehend behandelt.
Fechtwart Launspach gab einen Bericht über seine Sammeltätigkeit. Erfreulicherweise stehe das Ergebnis weit über dem des Vorjahres. Der Kreisführer dankte den Fechtwarten für ihre rege Tätigkeit. Kreispropagandaobmann Hans K ö h r e s sprach dann ausführlich über die Geschichte des Reichskriegerbundes und feine Wohlfahrtseinrichtungen.
Kreisführer Dr. Monnard schloß die arbeitsreiche Tagung mit dem Wunsche, daß die Kameraden nicht nachlassen möchten in ihrem Pflichtgefühl gegenüber Führer und Volk.
Elternabend der Goetheschule.
Einen Elternabend im Rahmen der „Leistungs- fchau der Volksschulen" veranstaltete am gestrigen Montag die Goetheschule in der Turnhalle der Neuen Pestalozzischule, der gut besucht war. Den Eltern war gleichzeitig die Möglichkeit geboten, sich die Arbeit ihrer Kinder anzuschauen und sich einen Heberblick über die Aufgabengebiete zu verschaffen, die der Schule im Dritten Reiche zur Bearbeitung anvertraut sind.
Mit dem von einem Schüler- und Schülerinnenchor unter Leitung von Lehrer Dietrich oorqe- tragenen Volkslied „Kein schöner Land" wurde der Abend eingeleitet. Das Kolbenheyersche Gedicht „Das Erbe" leitete über zu drei Volkstänzen der
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Englisches Lachen.
Don Sigismund von Radecki.
^rnianb meinte, die Engländer seien nur deshalb fitz eif und zugeknöpft, weil sie sonst mit dem c »inseitigen Herzausschütten kein Ende finden igjiiien. Das könnte stimmen. Jeder Engländer ist < tie ^nsel, aber jeder Engländer ist Mitglied eines eilt!s. Englisch, die Sprache der feinsten gesell- jlaitliajen Unterscheidungen, ist zugleich jene, die iki ijeroaltigfte gesellschaftliche Schranke — den Un= iffcoieb zwischen Du und Sie — nicht kennt! Und i irr allem: England ist das Land des Humors, j |in or aber schlägt immer Brücken.
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Cmgegen darf Humor nicht mit guter Laune ver- i o.d'felt werden. Auch junge Hunde find gut ge- Ifljrl. Humor aber bedeutet Frohsinn als (Ergeb- ij-,inicht als Ursache, denn er kommt aus tieferen Irischen Quellen. Das Lachen der guten Laune ileine unwillkürliche Reflexbewegung. Das Lachen I«; Humors ist ein Sieg.
bco bin ziemlich groß von Wuchs. Bei meiner nft in London suchte ich sogleich das mir emp- ■ rne Hotel auf. Die Managress, der Boy und il ’ianden im altmodischen List Platz. Der Boy Ute bis an meine Knie, die Managreß bis an i Adrie Uhrkette, ich bis an die Glühbirne. Unter all- > im inem Schweigen setzte sich der Lift langsam in ' c:cxgung. Da schaute der Boy an mir herauf 11b» eine Schildkröte an einer Telegraphenstange ) i ir) begann breit zu lachen. Jetzt lachte auch die ! Öteiagref). Nun lachten wir alle drei — langjam ewfsigenb — von (Etage zu (Etage. Noch kein Wort j|kv»chfelt und schon gelacht: Merry Englands 215111» llnrnen!
M England erscheinen monatlich Zwei bis drei neu Anekdoienbücher. Woher diese Nachfrage? — (htms, weil Geichichten in England zu jedem Ge- f glich gehören. Zweitens aber, weil jeder Redner 1-1 :mb welcher Engländer wäre keiner — fern (Q?ma in Anekdoten darzubieten liebt. Zum Bei- | p:I in einer Rede über Export, Import unb ! lyhragen:
E, eh en Sie", sagte Mister Brown, „ich möchte | chr ganz gern in meinem Drahtzaun ein Loch Ijtcn. Ein Loch, wissen Sie, gerade groß genug, Itoi meine Hühner in Nachbar Smiths Garten isillverkönnen. Aber andererseits, verstehen Sie,
gerade klein genug, daß diese verdammten Hühner von Smith nicht zu mir hereinkönnen."
Das kommt daher, weil der Engländer in Erfahrungstatsachen, d. h. in Anekdoten, denkt. Typischste englische Gesprächswendung: „That re- minds me a story...“, „Da fällt mir eine Geschichte ein ..
An jener Ecke des Hydeparks, die „Marble Arch“„ heißt, befindet sich ein großer Sandplatz. Dort kann sich jeder Untertan Seiner Majestät hinstellen und zum Volke reden. Käuze, Agitatoren, Missionare — alle stehen sie da und reden, ganz gleich, ob e i n Zuhörer ober hunbert lauschen. Was hat der Humor damit zu tun? Nun, auch er stellt unweigerlich seinen Abgeordneten dort auf, und zwar heißt er der „hackler“, das heißt der Hechler. Der hackler befindet sich mitten in der zuhörenden Menge, vielmehr sie selber hat ihn geboren. Er ist der Konterpart des Redners und hat ihn durch witzige Bemerkungen zu unterbrechen, aus dem Gleichgewicht zu bringen. Oft entwickelt sich ein Kampf zwischen Redner und hackler, ein Kampf mit dem Geiste des Widerspruchs. Der beste hackler, den ich gehört habe, war ein etwas beschwipstes Mädchen mit großen blauen Augen und Sommersprossen. Der Redner donnerte: „ ... ladies and gentlemah — ich bin Londoner, ich bin nichts als Londoner und ich will auch nichts anderes fein als Londoner!..." Worauf ihr Sümmchen hell und klar dazwischenrief: „Mo’ — ave you no am- beeetion!? ..." Etwa: „Mensch, — hast'n jaar keen Ehrgeiz!?"
Interessant ist es, den Voraussetzungen „eines Witzes nachzuspüren. So gab es im „Punch" folgende Zeichnung: im Hintergründe ein Drehorgelmann, vorne aber ein Passant, der auf ihn zugeht unb dabei mit krampfhaft erhobenen Knien außerhalb des Taktes der Drehorgel zu bleiben sucht. Um den Musikanten nicht glauben zu machen, daß er, den Rhnthmus im Gehen auskostend, ihm dann ein Kupferstück zu geben schuldig sei.
Resultat: Durch die absonderlichen Beinbewegungen aufmerksam gemacht, erhofft sich der Drehorgelmann erst recht eine Spende. Und wird nun erst recht enttäuscht.
Solch ein Witz wäre etwa in Amerika undenkbar. Weil sich dort kein Mensch um die inneren Vorgänge in Drehorgelmännern kümmert.
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Auch der Irländer kommt im englischen Humor nicht allzu gut weg. (Er ist dort immer phantastisch,
manchmal phantastisch dumm. Aber zuweilen kommt er doch ganz gut weg:
Es war auf der Straße in Belfast, zur Zeit der Unruhen. Plötzlich stand eine Bande um Paddy herum und fragte nach feiner Religion. — Er konnte nicht herauskriechen, ob es Katholiken oder Protestanten feien: das einzige, was klar schien, waren ihre Pistolen, Knüppel und Ziegelsteine ...
Der Irländer warf einen freundlichen Blick auf die Waffen und sagte langsam:
„ — Aber gewiß doch, ich bin genau derselben Ansicht wie jener Gentleman dort mit dem großen Hackebeil!"
Und schließlich, weil denn das populärste englische Humorthema nicht vergessen werden darf, bleibt zu sagen, daß dieses die Seekrankheit ist. Da ist leider nichts zu machen. Man lebt eben auf einer Insel. Es geht jeden an. Keine „music-hall“ ohne Schaukelwitze. Wie war das doch? Etwa so:
Nach Verlassen des Hafens kam der Vergnügungsdampfer in hohe See — gerade als die fünfundzwanzig Passagiere sich an der Kapitänstafel zu einem üppigen Dinner niederließen.
,Lch hoffe", begann der Kapitän feinen traditionellen Speech (es wurden gerade blutige Beefsteaks serviert) — „ich hoffe, daß Sie alle Freude an dieser Reise haben werden ...., und daß unsere nette Gesellschaft von ... dreiundzwanzig viele Feste hier an Bord feiern wird. Wenn ich auf diese — hm zwanzig frohen Gesichter blicke, komme ich mir vor wie der Vater einer großen Familie, denn ich bin ja für diese kleine Gruppe von siebzehn verantwortlich. Ich hoffe, daß Sie alle — vierzehn mit mir auf fröhliche Fahrt anstoßen! Wir acht, wir fühlen uns verwandt, unb ich freue mich. Sie an meiner Tafel zu begrüßen. Ich unb Sie, mein Herr, wir zwei find — He. Steward, trag die Teller weg, und reich mir den Pudding!"
Zeitschriften.
— Das neue Heft der „Neuen M o d e n w e 11" (UUftein, Berlin) beweist, wie wichtig Kleinigkeiten sein können: sie geben der großen modischen Linie die persönliche Note, schaffen den Reiz der Abwechslung, den neuen Effekt. So gibt es manche Heberraschung unter den vielen, zum großen Teil bunten Modellen dieses Heftes. Außerdem bringt es im Handarbeits-Teil auch Kindern Anregungen und Vorlagen zu schönen, selbstgemachten Weihnachts-Geschenken. Interessant sind auch viele Modernisierungs-Vorschläge. —
Lichtspielhaus:
„Gabriele — eins — zwei — drei."
In diesem Film, zu dem Dr. Heinrich Spoerl nach einem Roman von Haireddin bas Drehbuch schrieb, sieht man, was aus einem unbedachten (Einfall für ein fatales Abenteuer werden kann. (Eine junge Dame aus gutem Bremer Haufe, allein auf einer Mittelmeerreife, bekommt Lust, einmal bas nächtliche Leben in einer Hafenstadt aus eigenem Augenschein kennenzulernen, vertraut sich mit diesem Wunsche der Stewardeß an unb tauscht mit der, um sich in der ungewohnten Umgebung recht zwanglos bewegen zu können, nicht nur das Kleid, sondern auch den Namen. Das ist ganz lustig und geht auch gut, bis Gabriele aus Bremen, Nummer eins, von der Stewardeß getrennt wird, sie nicht roieberfinbet und am Ende ohne Geld, ohne Paß, ohne Gepäck allein auf weiter Flur steht, während die Stewardeß Fanny, plötzlich Gabriele Nummer zwei, zur eleganten Dame avanciert unb sich dabei teils amüsiert, teils von Gewissensbissen verfolgt wird. Der Spielleiter Rolf Hansen hat sich einen Spaß daraus gemacht, die beiden vertauschten Lebensläufe bis in alle Konsequenzen komisch-peinlicher Situationen zu verfolgen und zu zeigen, wie weit sich jemand verstricken kann, dem alle bürgerlich-rechtlichen Grundlagen feiner Existenz geraubt sind. Und es ist ein Glück, daß am Ende noch eine dritte Gabriele auftaucht, Freundin eines Hochstaplers, der aus der allgemeinen Verwirrung Kapital schlagen möchte: da ist es endlich soweit, die normalen Beziehungen und Verhältnisse wiederherzustellen, was so gründlich geschieht, daß das Abenteuer mit mehrfachem happy end bereinigt wird. Sehr hübsch die Gegenüberstellung der drei'Gabrielen: Marianne Hoppe mit bremischem Temperament und Sprachklang; Grete Weiser, deren berlinerisches Mundwerk hier von Schuldbewußtsein gedämpft wird; Tatiana S a i s als freche Hochstaplerin und verdächtige Freundin. Dazu Harald Paulsen als erpresserischer Fremdenführer: sehr geschickt gespielt; schade, daß der Film seine große Begabung immer wieder auf das gleiche Schema festlegt. Gustav Fröhlich: männlich rauh und grob, aber tüchtig und anständig Will Dohm: ein dicker, galanter Operetten-Po- lizeihauptmann. Zwei fein ausgefpielte Chargen liefern Paul Bildt als Konsulatsbeamter unb Ernst Legal als Polizeikommissar. — (Tobis.)
Im Beiprogramm gibt es bie Fox-Wochenschau, einen Bildbericht vom Gesicht der englischen Landschaft unb einen Vorspann zur „Warschauer Zitadelle". . ___ Hans Thyriot


