Kr.228 Drittes Blatt«siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien) Donnerstag. 30. September 1957
Aus der Stadt Gießen.
Sein Ehrentag.
Dunkelheit liegt auf den Straßen. Es ist spät am Abend. Wieder hat ein anstrengender Arbeitstag alle Kräfte beansprucht. In den Straßen wird es immer einsamer. Nur in den Zufahrtsstraßen vom Lande her ist der Verkehr reger als sonst. Um v'ese Zeit, nicht weit von Mitternacht entfernt, kommen ungewohnt noch leichte Bauernwagen und auch ein vollbesetzter Omnibus zur Stadt herein Die wenigen Fußgänger auf dem Heimweg sehen verwundert den Bauernwagen nach, auf denen zwei oder drei Personen sitzen, alle sonstige Last aber fehlt. Wer sich um diese Spätabendzeit zufällig im Gießener Bahnhof oder auf dem weiten Platze vor dem Bahnhofsgebäude aufhält, der meint, unversehens in eine Bauernoersammlung geraten zu sein. Es ist zwar eine Versammlung, aber doch keine der bekannten Art. Zahlreiche Städter aus Gießen befinden sich ebenfalls in diesem bunten Gewimmel von Menschen. Sie tragen, ebenso wie die nächtlichen Gäste vom Lande, meist nur eine kleine Handtasche. Plötzlich kommt eine neue Note in dieses Bild. Man sieht Landleute in Trachten. Zwar ist es nicht Georg Heß von Leihgestern mit seinen Trachtenträgern. Für dessen Trachtengemeinschaft ist in diesem Falle der gewohnte Platz in einem großen Reiseomnibus. Aber um so mehr treten diese wenigen Trachtenträger hier hervor Der Beobachter denkt an das, was er seit einigen Tagen täglich in seiner Heimatzeitung gelesen hat. Sein Ohr fängt einige Brocken der Unterhaltung auf. Musikklänge ertönen vom Bahnhofsgebäude herüber. Es ist zwar keine Kapelle, aber eine große und handfeste Ziehharmonika und einige Trompeten klingen auch schön. Sie sind beliebt beim Kirmestanz, und sie finden auch hier nächtlicherweile vor dem Gießener Bahnhofsgebäude dankbare Zuhörer. Und aus alledem erkennt der Beobachter, daß diese große Versammlung von Bauern und Städtern am späten Abend im Gießener Bahnhof die Gemeinschaft der Bückeberg-Fahrer ist. Bald darauf rollt der lange Sonderzug der Landesbauernschaft Hessen- Nassau in den Bahnhof ein. Frohe Rufe hinüber und herüber erklingen. Die Ziehharmonika und die Trompeten schmettern einen Tusch und noch einen kurzen Marsch. Dann erklingt das „Fertig!" der Zugschaffner. Der Fahrdienstleiter hebt den Stab mit der grünen Signallampe. Unter mächtigem Fauchen und Pusten der schweren Maschinen rollt der Zug aus der Halle hinaus in die Nacht.
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Ein strahlend heller Sonntagmorgen steigt herauf. Der Bauer sieht seinen Ehrentag gekommen. Es ist der deutsche E r n t e d a n k ta g. Der Führer aller Deutschen Adolf Hitler begeht diesen Nationalfeiertag gemeinsam mit seinen Bauern auf dem Bückeberg, diesem Sinnbild für deutschen Erntesegen. Hunderttausende von Bauern und von Menschen aus der Stadt, aus allen Gauen herbeigeeilt, umgeben hier den großen Führer der deutschen Nation. Millionen von Deutschen im Reich und jenseits unserer Grenzen erleben die weihevolle Feier am Rundfunkgerät mit. Dankbaren Sinnes wissen sich alle deutschen Menschen gerade bei dieser Erntedankfestfeier vereinigt wie eine große Familie. Besonders dem Bauer auf dem Bückeberg kommt dies stark zum Bewußtsein. Sein Blick schweift von dort oben weit hinaus über die gesegnete deutsche Erde. Er sieht um sich herum die Männer und Frauen, die gleich ihm in harter Arbeit aus dem deutschen Acker das Brot des deutschen Volkes gewinnen. Er sieht heute, im Gegensatz zu den Jahren vor Adolf Hitler, daß die Bauernarbeit wieder ihre verdiente Ehrung findet. Zwar strebt unser Bauer nicht nach äußerer Anerkennung, aber es stärkt sein Herz und seine Schaffensfreude, wenn fein Mühen im Dienste seines Volkes Anerkennung findet. Und nun wird ihm alljährlich die höchste Wertschätzung zuteil, die es für ihn überhaupt nur geben kann: der Führer der deutschen Nation Adolf Hitler spricht hier auf dem Bückeberg zu i h m und für ihn vor dem ganzen deutschen Volke!
Da erlebt auch der Bauer aus Oberhessen mit freudigem Herzen die Größe dieses Tages. Er fühlt hier besonders den warmen Herzschlag der deutschen Nation. Vergessen ist alle Mühsal und alle Sorge des arbeitsreichen Jahres. Er fühlt nur den
WWWWsM!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanoertrieb, Berlin SW 68.
29 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Gloria trat noch einen Schritt näher heran. Lautlos, mit den Bewegungen einer Katze.
„Finden Sie nicht, daß Sie einen — sehr galanten Chef haben ...?"
Annelore fühlte, daß sie errötete.
„Galant?" erwiderte sie trotzdem kühl. „Ich kann mich weder über ausgesprochene Galanterie noch über das Gegenteil beschweren."
Gloria lachte leise auf.
„Das kluge Fräulein Hildach! Aber es steht fest, daß er ganz anders zu Ihnen ist als beispielsweise zu seinen Patientinnen. Anfangs schien mir allerdings das Gegenteil der Fall zu sein, aber da habe ich mich sicher getäuscht; denn jetzt — man suhlt es ja bis in die Fingerspitzen, daß er ganz anders zu Ihnen ist, als ein Chef sonst seinen Angestellten gegenüber zu sein pflegt. Das muß doch einen Grund haben, meine Liebe. Meinen Sie nicht auch?"
„Allerdings. Und wenn Sie ihn durchaus wissen müssen: wir sind uns nämlich nicht ganz fremd. Herr von Achenbach hat meinen verstorbenen Vater gekannt, der ebenfalls Augenarzt war. Das genügt Ihnen doch?"
„Es genügt. Vollständig. Und nun kommen wir der Sache schon ein bißchen näher. Jetzt weiß ich auch, daß Sie — mich kennen ..."
Annelore richtete sich auf. o
,<Jch habe keine Ursache, es zu leugnen.
„Sehen Sie! Sie wissen also, daß ich hier m der Stadt mal am Theater beschäftigt war, nicht wahr?"
„Als Gloria Rettner, ja."
„Und Sie wissen auch ...?"
„Auch das weiß ich." ...
„Ah —! Nun sind wir ja im Bilde! Nun ist ja alles klar ...!
Sie wandte sich plötzlich zur Seite und deutete
Reservisten-Abschied von Gießen.
Der gestrige Mittwoch brachte in den Kasernen unserer Garnison Feiern besonderer Art. Kommandeure verabschiedeten Soldaten und Kameraden, die zum Teil zu anderen Truppenteilen versetzt werden ober nach zweijähriger Dienstzeit als Reservisten ausscheiden.
Bei den Artilleristen.
Gegen. 11 Uhr traten die Mannschaften der Ul. Abteilung Artillerie-Regiment 9 in einer großen Halle an. Der Abteilungs-Kommandeur Oberstleutnant Döring hielt eine längere Ansprache an seine Soldaten. Er sprach davon, daß nun ein Teil der Mannschaften den Standort verlassen werde, daß verschiedene Kameraden zu anderen Truppenteilen versetzt seien und ein Teil der Soldaten als Reservisten nach zweijähriger Dienstzeit die Kaserne verlasse. Weiter hob er hervor, wie notwendig es sei, daß sich jeder wehrfähige deutsche Mann im Dienste von Volk und Vaterland zur Verfügung stelle und von jedem gerade zur Zeit des Aufbaues des Heeres viel verlangt werden mußte. Wenn auch der Dienst nicht immer leicht gewesen sei, so werde jeder doch gern auf feine Dienstzeit in Gießen zurückblicken. Er werde sich der Kameraden auf der Stube erinnern, des Dienstes am Geschütz oder am Pferd, schließlich auch das herzliche Verhältnis zur Gießener Bevölkerung nicht vergessen. Er gab aber auch denen, die nun in den Zioilberuf zurückkehren, zu bedenken, daß die Ausübung eines Berufes nur möglich sei unter dem Schutze einer starken Wehrmacht. So sei es für jeden wehrfähigen Mann Ehrensache, Wache zu stehen für unser Vaterland. Jenen, die nun ausscheiden, fei zu sagen, daß Reserve nicht Ruh' habe, sondern immer bereit sein müsse, einzutreten für das Ganze. Mit dem Waffenrock werde der Soldat nicht abgeftreift. Jeder müsse seines Eides eingedenk sein, der ihn nicht nur für die Zeit seiner Militärdienstzeit binde, sondern für fein ganzes Leben. Jeder möge sich auch die soldatischen Tugenden bewahren, die er in der Kaserne kennen- gelernt habe, jene Tugenden der Treue, des Pflichtbewußtseins, der Kameradschaft und der Einsatzbereitschaft, die Deutschland groß machten. Jeder müsse auch in Zukunft und für sich Ordnung halten, wie er es in der Kaserne gewohnt war.
In feinen weiteren Darlegungen sprach Oberstleutnant Döring noch in eindringlichen Worten über die Treue und die Kameradschaft. Zum Schlüsse lenkte er die Gedanken der Soldaten auf den Führer Adolf Hitler, den Erneuerer Deutschlands, dem sich der Soldat durch seinen Eid auf Lebenszeit verpflichtet habe, Waffenträger zu fein für die Nation und Träger des Geistes der Einsatzbereitschaft für Führer, Volk und Vaterland. Mit dreifachem Sieg-Heil klang die Ansprache aus.
Damit fand die Feier — eindrucksvoll durch ihre Einfachheit und die Disziplin des äußeren Bildes — ihren Abschluß.
Jn der Bergkaserne.
Eine Stunde später traten in der Bergkaserne die Kompanien des I. Bataillons Infanterie-Regiment 116 zu einer Feier gleicher Art an. Die Feier fand im großen Kasernenhof statt, wo die Mannschaften im offenen Viereck unter Gewehr standen. Das Musikkorps des Infanterie- Regiments war angetreten unter Leitung von Musikmeister Wohlfahrt und spielte den Präsentiermarsch, als der Bataillons-Kommandeur, Major Wiese, den Platz betrat und die Meldung entgegennahm. Sodann schritt er die Front ab und sah feinen Soldaten in die Augen.
Sodann hielt der Bataillonskommandeur eine kurze Ansprache. Er wies zunächst auf den Anlaß dieser Feier hin, die Gelegenheit geben solle, das Bataillon über den Verlauf des Manövers und feine Haltung während dieser llebung zu unterrichten, dann aber auch, um die Kameraden, die zu anderen Truppenteilen versetzt werden oder als Reservisten ausscheiden, zu verabschieden. Major Wiese sprach sodann über den Eindruck, den das Bataillon während der großen Manöver gemacht hatte. Mit besonderer Freude konnte er den Soldaten mitteilen, daß das Bataillon in seinem Auftreten die höchste Anerkennung der vorgesetzten Dienststellen gefunden habe. Der Divisionskomman- d.'ur habe sich sehr anerkennend über die tadellose Marschdisziplin des Bataillons ausgesprochen. Diese Tatsache sei besonders erfreulich, da man ja wisse, daß die Herbstübungen für die Soldaten immer erhebliche Anstrengungen mit sich brächten und die Ordnung und die Disziplin daher um so hoher einzuschätzen seien. Dann sprach Major Wiese von feiner eigenen Beobachtung und erinnerte an den Einzug in Kreuzburg unter dem Kommando von Leutnant Klappenbach. Er lobte die vorzügliche Haltung des Bataillons, das mit angezogenem Gewehr einmarschiert fei und nicht nur bei der zayireichen Bevölkerung, sondern auch bei vielen Vorgesetzten Bewunderung ausgelöst habe. So wie es in Kreuzburg gewesen sei, so fuhr Major Wiese fort, müsse es immer bleiben.
Herzliche Worte des Abschieds fand der Batail- lonskommandeur dann für die ausscheidenden Kameraden. Er wünschte ihnen alles Gute für ihren ferneren Lebensweg, und ermahnte sie, all das, was sie in den zwei Jahren des soldatischen Diem stes gelernt haben, nicht zu vergessen, sondern zu bewahren und weiter in das Volk hineinzutragen. Vor allem aber solle keiner der Kameraden vergessen, daß er in dem stolzen und ruhmreichen Regiment 116 gedient habe.
Mit der Mahnung, immer dem deutschen Volke und dem Führer treu ergeben zu fein, schloß Major Wiese seine eindrucksvolle Ansprache. Mit dem Sieg-Heil auf den Obersten Befehlshaber der deutschen Wehrmacht, den Führer Adolf Hitler, und mit den beiden Liedern der Nation klang die Feier aus.
Segen der Arbeit für sein Volk, fein Herz beschwingt die hohe Anerkennung, die der Führer dem Bauernstand und damit auch dem einzelnen Bauer zuteil werden läßt! Der Bauer weiß, daß der Führer vor dem ganzen deutschen Volke autoritativ betont hat: der Bauern st and ist der Nähr st and aller Deutschen! Und in dieser Feststellung erblickt der Bauer, dieser schlichte Mann der unermüdlichen Arbeit, feine höchste Anerkennung, aber auch seine stärkste Verpflichtung. Für ihn find Volksgemeinschaft und Schicksalsverbundenheit aller deutschen Menschen nicht leerer Schall, sondern inhaltsvolle Tatsache. Daraus leitet er seine Verantwortung für die Erringung der deutschen Nahrungsfreiheit ab.
Und der Bauer erkennt besonders aupbem Bückeberg in der Gegenwart des Führers, daß der Bauernstand, der hier alljährlich feinen Ehrentag vor der deutschen Nation erlebt, durch Adolf Hitler wieder zum geachteten, gleichberechtigten Glied der deutschen Volksgemeinschaft geworden ist, daß er auch im Kreise der schaffenden Stadtbevölkerung wieder eine angesehene Stellung einnimmt. Diese Erkenntnis beim deutschen Erntedankfest auf dem Bückeberg macht den Bauer und die Bäuerin froh und stark zugleich. Dazu kommt das starke Erleben
der Feierstundengemeinschaft mit dem Führer, aber auch das Bewußtsein, daß diese Gemeinschaft nicht nur an diesem Tage auf dem Bückeberg besteht, sondern einen ehernen Teil des ganzen Lebensfunba- mente für den Führer und feine Gefolgschaft während des ganzen Jahres barstellt. In dieser freudig stimmenden Erkenntnis sieht und erlebt der Bauer den Bückeberg.
Am folgenden Montagmorgen steht der Bauer wieder auf dem Baden feiner oberhessischen Heimat. Mit leuchtenden Augen verläßt er den Gießener Bahnhof. In den Straßen kann man ihn noch auf einem kurzen Erholungsgang sehen. Dann geht es mit dem Fuhrwerk oder mit dem Omnibus heirm märte zu feinem Dorf. Die Trachtenträger legen- ihr schmuckes Kleid ab und ziehen den Ärbeitsrock wieder an. Ungesäumt geht der Bauer wieder ans Schaffen. Sein Ehrentag auf dem Bückeberg fyat ihm neuen Schwung gegeben, hat in ihm den Willen gestärkt, immer aufs neue alle Kraft ein- zufetzen für die Erfüllung des großen Planes, den der Führer für eine glückliche Zukunft unseres deutschen Volkes aufgestellt hat.
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S o haben wir den Bauer unserer oberhessischen Heimat in den Tagen des Bückebergs während der
letzten Jahre gesehen und erlebt. S o werden wir auch gegen Ende dieser Woche und am nächsten Sonntag unser kerniges oberhessisches Bauerntum wieder wahrnehmen können. Mit freudiger Begeisterung ziehen unsere Oberhessen wieder hin auf den Bückeberg zu unferm großen deutschen Führer, um ihm dort, wenn irgend möglich, ins Auge zu schauen, zum mindesten aber ihn unmittelbar sprechen zu hören. Wieder wird auch in diesem Jahre der Bückeberg gewaltiger Höhepunkt und stärkstes Erleben des Bauern und der Bäuerin sein, deren Arbeit die deutsche Erde zum Dienst für Führer, Volk und Vaterland anvertraut ist.
Bankdirettor Gneßbaner tritt in den Ruhestand.
Mit dem heutigen 30. September 1937 zieht sich ein Mann aus dem beruflichen Wirken zurück, der viele Jahre lang als Wirtschaftsführer und ehrenamtlich als eifriger Diener der Allgemeinheit an hervorragender Stelle in unserer Stadt tätig war. Bankdirektor Ludwig Grießbauer scheidet im 68. Lebensjahre, mit Rücksicht auf sein Alter, aus der Stellung als Direktor der Commerz- und Privatbank, Filiale Gießen, aus, um seinen Lebensabend unbeschwert von beruflichen Verpflichtungen ganz nach seinen Neigungen gestalten zu können. Von den zahlreichen Ehrenämtern, in denen er seine Kraft uneigennützig dem Gemeinwohl widmete, hat er jetzt nur noch das Amt des Schatzmeisters der Gießener Hochschul-Gesellschaft inne, das er seit 1920 versieht und künftighin auch weiterzuführen gedenkt.
Bankdirektvr Grießbauer, ein geborener Frankfurter und im Anschluß an seine Ausbildung zunächst bis zum Juni 1910 bei der Mitteldeutschen Creditbank in Frankfurt a. M. tätig gewesen, kam am 17. Juni 1910 als stellvertretendes Mitglied des Gefamtvorftandes dieser Bank (die im Jahre 1929 in die Commerz- und Privatbank übergeführt wurde) und Mitleiter der Filiale Gießen in unsere Stadt. Hier hat er nach eigenem Bekenntnis feine zweite Heimat gefunden, mit der er sich so innig verbunden weiß, wie ein waschechter, geborener Gießener. Dies hat ihn auch veranlaßt, sich dem ehrenamtlichen Dienst für unsexe Stadtgemeinschaft in vielfältiger Weise zur Verfügung zu stellen. Er mar^iele Jahre lang Mitglied der Handelskammer, bis er im Jahre 1933 aus diesem Gremium schied. Weiterhin wirkte er eine Reihe von Jahren als stellvertretender Handelsrichter, von 1928 bis 1933 als Arbeitsrichter. Von 1922 bis 1927 war er Mitglied des Militär-Versorgungsgerichtes. Seit 1920 hat die Gießener Hochschul-Gefellfchast in ihm ihren umsichtigen Schatzmeister und vortrefflichen Betreuer ihrer gesamten Finanzgebarung, von dessen segensreicher Tätigkeit unsere Universität reichen Nutzen zur Förderung ihrer wissenschaftlichen Arbeit hatte; seit einer Reihe von Jahren hat denn auch die Universität ihn durch die Ernennung zum Ehrensenator eng mit unserer Ludoviciana verbunden. Als begeisterter Anhänger und Verfechter des deutschen Luftsports gehörte'er im Jahre 1910 mit zu den Gründern des Vereins für Luftfahrt in Gießen, dem er bis zum Jahre 1934 angehörte und dem er lange Jahre als Vorstandsmitglied, während der beiden letzten Jahre des Bestehens dieses Vereins als Vorsitzender und getreuer Hüter der großen Pläne des im Jahre 1936 verstorbenen Vereinsvorkämpfers Geh. Hofrats Professor Dr. König diente. Die frühere Luftverkehrs-AG. Oberhessen- Lahngau, die Schöpferin unseres Gießener Flughafens, hatte in Ludwig Grießbauer einen ihrer eifrigsten Wegbereiter bei der Gründung und tatkräftigsten Förderer bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im Dienste unserer Stadt Gießen und der deutschen Luftfahrt. Gerade durch seine Mitarbeit bei der Förderung aller Luftsportbestrebungen hat er unserer Stadt und unserem engeren Heimatgebiet eine weit über jene Jahre hinaus wirkende wirtschaftliche Förderung gegeben, deren volle Ent-
3ähne putzen ist viel. Zätzne pflegen alles.
Nicht darauf kommt es an. mit welcher Kraft Sie die Zähne putzen, sondern darauf, daß auch der äußerste Winkel der Zahnreihen erfaßt wird. —» Nivea* Zahnpasta dringt überall hin und wirkt auch dort, wo die mechanische Reinigung in nicht hinreicht. Das Ist dann Zahnpflege!
mit zuckender Handbewegung über den Fenstervorhang hin.
„Das hier mit der Lichtgeschichte — die paar Tage noch — da brauche ich Sie wohl nicht weiter zu bemühen. Das kann ja die Pflegerin von jetzt ab erledigen."
Annelore wandte sich zum Gehen.
„Das sind meine Obliegenheiten, Frau Konsul. Und sie werden vorschriftsmäßig zu Ende geführt. Die paar Tage werden Sie es sich also schon noch von mit gefallen lassen müssen."
Sie fühlte, daß Gloria ihr nachsah, daß in der Frau der Haß aufglomm. Sie wußte, daß diese Frau ihre Feindin war. Aber es konnte sie nicht mehr berühren.
Wenige Tage später war Gloria wieder im Vollbesitz ihres Augenlichtes. Sie durfte sich frei bewegen, wenn ihr auch noch gewisse Beschränkungen auferlegt waren. Sie hatte wieder ihr altes Zimmer bezögen. Vom Fenster aus sah sie den wundervollen winterlichen Park, dahinter den verschneiten Bergwald und links, weit dort hinten, die weihe, glitzernde Ferne, die Türme der Stadt.
Zu anderer Zeit würde die Ferne mit ihrem pulsierenden Leben sie gelockt haben — heute ging ihre Sehnsucht andere Wege.
Sie hatte Stefan nur ein paarmal und nur ganz flüchtig zu Gesicht bekommen. Eine bohrende Unruhe saß in ihr. Eines Tages, am späten Nachmittag ging sie auf dem Korridor auf und ab. da es ihr mit Rücksicht auf die Jahreszeit noch untersagt war, Spaziergänge im Freien zu machen.
Ein paarmal hatte ihr Blick schon den gewölbe- artigen Aufgang zum Obergeschoß gestreift. Als sie wieder einmal zurückkam, flieg sie nach kurzem Zögern die steinerne Treppe hinauf, auf der schon Die Lampen brannten.
Sie hörte Stimmen, als sie sich dem oberen Treppenabsatz näherte. Stefan £ Unten hatte sie ihn nicht mehr gesehen Hier im Oberem lagen anscheinend die Herrschaftsraume. Vielleicht war er oben. Und wenn ihr nun sonst lemanb hier begegnete? Ach! Mit einem Lächeln schob sie die ^Nun^ stand sie auf dem langen, breiten ©ang. Die Stimmen tarnen von der rechten Seite her. Langsam und erwartungsvoll ging sie weiter. I
Jetzt sprach jemand in einem der geschlossenen Zimmer sehr laut und anscheinend ziemlich erregt. Nein, Stefan war das nicht.
Da wurde plötzlich vor ihr eine der Türen geöffnet. Esn jüngerer Mann kam sehr eilig hinaus. Er war sichtlich erregt. Gloria war unwillkürlich einen Schritt zurückgetreten, sonst wäre sie mit ihm zusammengeprallt.
Der Mann — es war Wolfersdorfs — stutzte trotz seiner Erregung, als er Gloria gewahrte, und starrte sie sekundenlang wortlos an wie eine Erscheinung. Dann machte er eine knappe, stumme Verbeugung und ging der Treppe zu.
Gloria sah ihm verwundert nach. Warum hatte der Mann sie so eigenartig angestarrt? Sie erinnerte sich nicht, ihn schon gesehen zu haben.
In der Hast und Erregung hatte er vergessen, die Tür wieder zu schließen. Vielleicht hatte er auch angenommen, daß Gloria in bas Zimmer wollte.
Ein breiter Lichtstreifen fiel aus der offenen Tür auf den Gang. Gloria trat heran. Mitten im Zimmer, die Linke auf den mächtigen, altertümlichen Schreibtisch gestützt, stand eine weißhaarige, aber immer noch imponierende Männergestalt.
Ah —! dachte Gloria, — der alte Herr ...!
Das traf sich ja herrlich! Da konnte man ja gleich mal Fühlung nehmen. Der alte Herr war Kavalier durch und durch, man brauchte nicht zu fürchten, von ihm vor die Tür gefetzt zu werden.
Scheinbar mißgestimmt trat sie auf die Tür- schwelle.
„Verzeihung — ich suche das Mädchen, kann es aber nirgends finden. Man ist ja ganz verlassen. Ich £erbe mein Hausmädchen nachkommen lassen müssen. “
Wolfgang von Achenbach nahm die Hand vom Schreibtisch.
„Es dürfte kaum notwendig fein, das Hausmädchen erst noch nachkommen zu lassen, Frau Konsul. Aber wenn Sie die Güte haben wollen, die Tür hinter sich zu schließen —"
Gloria gehorchte. Sie schien ihn erst jetzt zu erkennen. Ein halb schuldbewußtes, halb strahlendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Ah — Herr von Achenbach ...! Ja, jetzt sehe ich. Und Sie erinnern sich meiner noch? Sie haben mich gleich wiedererkannt?"
Wolfgang von Achenbach stand unbeweglich.
„Ich erinnere mich, Frau Konsul. Und ich würde Sie noch nach Jahren wiedererkennen."
Kühl ruhte sein Blick auf der vor ihm Stehenden. Das war nun die Frau ...! Er hatte sie nur ein einziges Mal gesehen — damals, als Stefan sie ihm im Theater-Caf^ vorgestellt hatte, nachdem man sich nach langen Kämpfen damit abgefunden hatte, in ihr die zukünftige Herrin auf Schloß Achenbach zu sehen. Sie war noch schöner, war reifer geworden. Sie war heute eine gefährlich schöne Frau. Was wollte sie?
„Handelt es sich nur um das Mädchen, ober kann man Ihnen sonst irgenbroie bienen?" fragte er mit unbewegtem Gesicht.
Gloria schien verlegen unb verschüchtert.
„Nein, banke. Es ist boch nur Zufall, baß ich hier heraufgeraten bin. Vielleicht auch eine kleine Eigenmächtigkeit, bie ich zu entschulbigen bitte. Aber ba es sich nun gerabe fo trifft — ich würbe — nein, ich fürchte ..."
„Was fürchten Sie?"
Sie schlug bie Augen nieber unb hob sie scheinbar zaghaft roieber.
„Sie sagten, baß es kaum notroenbig sein bürste, bas Hausmäbchen erst noch kommen zu lassen. Ich fürchte, baraus schließen zu müssen, baß Sie nichts sehnlicher wünschen, als mich so schnell wie möglich roieber von hier verschwinben zu sehen ..."
„Ihnen bas zu sagen, wäre eine Unhöflichkeit, bie Wolfgang von Achenbach sich nicht zuschulben kommen läßt."
„Ihre Antwort ist trotzbem nicht weniger beutlich. Ich begreife natürlich — ich begreife vollkommen — es ist ja nicht anbers zu erwarten. Unb boch ..
Sie trat einen Schritt näher unb legte ein wehmütiges Lächeln um ihren feingefdjroungenen Munb, ber bas leuchtenbe Rot einer Granatblüte hatte.
„Es ist viel geschehen feit — bamals, Herr von Achenbach ..."
Ungerührt sah Wolfgang von Achenbach sie an.
„Wir haben es zur Kenntnis genommen, Fran Konsul."
„Zur Kenntnis genommen — wie man eine beliebige Tatsache zur Kenntnis nimmt, um sie im nächsten Augenblick roieber zu vergessen ..."
Fortsetzung folgt


