Oie große Wehrmachtsparade vor -em Duce.
Auf der Ehrentribüne.
Der Platz vor der Technischen Hochschule ist bis auf zwei mächtige goldene Symbole mit den Hoheitszeichen Italiens und Deutschlands und bis auf die Fahnengalerie an der Dachbrüstung der Hochschule ohne Schmuck geblieben. Dem Haupteingang gegenüber ist ein kleines mit Eichenlaub , abgedecktes Podium errichtet. Die Sraße ist an dieser Stelle auf eine Länge von etwa 100 Meter um das Doppelte verbreitert. An beiden Seiten weht die Reichskriegsflagge. Die SS.-Absperrmannschaften tragen weißes Koppelzeug. Auf den kilometerlangen Tribünenaufbauten beherrscht das Bunt der deutschen und italienischen Uniformen das Bild. Wieder ist das aanze offizielle Deutschland erschienen. Auf der Auffahrt zur Technischen Hochschule haben die faschistischen Organisationen, Balilla und Iung- italienerinnen in weißen Blusen und weißen Tellermützen einen bevorzugten Platz erhalten. Die Kriegs- und Arbeitsopfer haben gegenüber der für die Regierung und die Ehrengäste bestimmten Tribüne ihren Platz.
Nun brausen Jubelstürme vom Wilhelmsplatz hinüber zur Ecke Unter den Linden. Der Führer erscheint, hinter ihm Reichskriegs^ninister Generalfeldmarschall von Blomberg und die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile. Der Kommandant des III. Armeekorps, General der Infanterie von Witzleben, erstattet Meldung: „Mein Führer! Ich melde zur Parade angetreten: 591 Offiziere, 13 095 Unteroffiziere und Mannschaften, 1894 Pferde, 145 bespannte Fahrzeuge, 613 Kraftfahrzeuge und 144 Krafträder."
An den Truppen vorbei.
In dem Jubel um den Führer mischen sich die Heil- und Duce-Rufe, die Mussolini ankündigen. An der Ecke Unter den Linden -Wilhelmstraße verläßt er seinen Wagen. Der Führer begrüßt ihn herzlich. Die beiden Staatsmänner besteigen hierauf den ersten Kraftwagen und fahren stehend unter den Klängen des Präsentiermarsches, dem das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied folgt, die angetretenen Truppen ab. Hinter ihnen der Reichskriegsminister und die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile. Der Generalstabschef der italienischen Wehrmacht Marschall B a d o g l i o fährt mit Generalfeldmarschall von Blomberg zusammen. Man sieht Generaloberst Göring, den Generalstabschef des italienischen Heeres, General P a r i a n i, Stabschef der Faschistischen Miliz und General Russo, mit dem Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr von Fritsch, und der Kriegsmarine, Generaladmiral Dr. h. c. Raeder.
Der Vorbeimarsch.
Punkt 11.20 Uhr hört man aus der Richtung Eharlottknburger Brücke die ersten Klänge des Parademarsches. Der Führer tritt die zwei Stufen auf das Podium hinaus, rechts neben ihm Mussolini. Rechts von ihnen nimmt der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generalfeldmarschall v. Blomberg, Aufstellung, zur Linken der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr v. Fritsch Hinter ihnen die Oberbefehlshaber der beiden anderen Wehrmachtsteile. Die Parade wird angeführt von dem Kommandierenden General des III. Armeekorps, General der Infanterie v. W i tz l e b e n , der mit gezogenem Degen den Truppen ooranreitet.
Das Seer.
Die Spitze des Vorbeimarsches bilden die Fuß- truppen des Heeres zunächst das Wach- regiment Berlin unter Oberst von Alten. In blendendem Paradeschritt marschiert die Truppe auf der leicht mit Sand bestreuten Straße in geschlossenen Regimentsblocks und Zugfront vorbei. Hinter dem Regimentskommandeur die Bataillonskommandeure mit ihren Adjutanten und in einer Reihe zu Pferde die Kompanie-Chefs, dann die Spielleute und das Musikkorps, die gegenüber dem Führer- Podium nach links ausschwenken. Es kommen die Bataillonsfaynen, geleitet von Fahnenoffizieren, und nun die Blocks der Infanterie. Dem Wachregiment folgt das I. Bataillon des Jnfanterie-Lehr- regiments. dann das JR. 30. Die Fußmannschaften der Maschinengewehr-Kompanien tragen das Gewehr ebenfalls mit aufgepflanztem Seitengewehr straft anaezogen am Riemen über der Schulter Dahinter fayren die berittenen Staffeln mit je troei Maschinengewehren auf den Fahrzeugen -r Fahrzeuge in straff ausgerichteter Reihe, K-"" -erspännig die Begleitzüge und MG- Kompai^ ' ii Abschluß der Infanterie-Regimenter machi icils die Jnfanterie-Geschütz- kompanie mit ihren Fahrzeugen in zwei
Gliedern. Jetzt geht mit seiner schwarzen Fahne das Pionier-Bataillon VI als Abschluß des Fußmarsches des Heeres vorbei Man muß bei diesem Parademarsch daran denken, daß diese Truppen eben fünf schwere Manöverwochen hinter sich haben Es sind auch Teile der verschiedenen Armeekorps und Divisionen, die an den Wehrmachtsmanövern beteiligt waren, zur Parade herbeigezogen worden In den letzten 14 Tagen haben die Fußtruppen durchschnittliche tägliche Marschleistungen von 40 bis 60 Kilometer vollbringen müssen Um so mehr Eindruck macht dieses Paradebild.
An der Spitze der im Trab vorhergehenden b e • rittenen Truppen reitet das Kavallerieregiment 15. Es ist ein wundervolles Bild, das Trompeterkorps ausschwenken zu sehen Im Galopp schlägt der Kesselpauker einen großen Bogen hinter dem Trompeterkorps herum, um sich an den rechten Flügel zu setzen. Und nun folgt Schwadron auf Schwadron im elegantem Trabe, wie am Schnürchen ausgerichtet, am Schluß die vier MG.° Staffeln.
Der Kavallerie mit ihrer gelben Standarte folgen die roten Standarten der Artillerie, A.-R. 18, das A.-R. 6 und die I. Abteilung des A.-R. 54, jeweils drei Geschütze nebeneinander. In mehreren
Berlin, 29. Sept. (SNB.) Um 10.35 Uhr fuhr Mussolini, begleitet von General L i st und Außenminister Graf C i a n o sowie dem Chef des Protokolls, Gesandten von Bülow- Schwante, zum Ehrenmal Unter den Linden, um die Gefallenen des Weltkrieges zu ehren. Wie aus Erz gegossen standen die beiden Posten auf den Stufen des Ehrenmals, während rechts davon am Schornhorst-Denkmal 20 Kriegsbeschädigte, zehn Selbstfahrer und zehn Kriegsblinde, Platz gefunden hatten. Sechs Schwarzhemden brachten den Lorbeerkranz des Duce, der auf grün-weiß-rotem Band in goldenen Buchstaben die Inschrift trug:
„Benito Mussolini Anno XV"
Dazu auf jeder Schleife das Liktorenbündel.
Das Ehrenbataillon aus zwei Kompanien des Heeres und je einer Kompanie der Marine und der Luftwaffe marschierte auf. Zahlreiche hohe italienische Offiziere fanden sich ein, unter ihnen Marschall B a d o g l i o und General Balle, ferner Reichsminister Dr. Frank mit den Ministern Starace und Alfieri, der Gesandte Rocco und Botschafter von H a s s e l l.
Gliedern rücken die berittenen Mannschaften an. dann die schweren Batterien mit ihren besonderen Lafetten- und Rohr-Wagen. Jetzt dröhnen die Mo- tore. Motorisierte Artillerie, und zwar die 3 Abteilung des A.-Lehrregiments 4, gefolgt von der Nachrichtenabteilung, wieder jeweils mit drei Geschützen bzw. Lafettenwagen nebeneinander, kommt im Trabtempo vorbei.
Marine und Luftwaffe.
Als die II. M a r l n e-U n t e r o f f i z i e r-L e hr- a b t e i l u n g mit ihrer blau-weiß leuchtenden Fahne anrückt und die Spielleute einsetzen, tritt Generaladmiral Raeder an Stelle von Generaloberst Freiherr von Fritsch neben den Führer. In der leuchtenden Sonne bieten die blauen Jungs mit ihren weißen Blusen und Mützen und den langen, in die hohen Stiefelschäfte mit weitem Ueberhang hineingesteckten Hosen ein unerhört farbenfreudiges Bild. Wieder wechselt der Oberbefehlshaber zur linken Seite des Führers. Generaloberst Göring meldet als Oberbefehlshaber der Luftwaffe den Vorbeimarsch der ihm unterstehenden Wehrmachtsteile. Den Vorbeimarsch der Luftwaffe eröffnet der Höhere Kommandeur der Flakartillerie II, Generalmajor Weise, dem in ihren blaugrauen
Das Ehrenbataillon präsentierte. Mussolini schritt, begleitet vom Kommandanten von Berlin, Generalmajor von Seifert, und General L i st, unter den Klängen der italienischen Nationalhymnen die Front des Ehrenbataillons ab. Dann begab sich der Duce zu den deutschen Schwerkriegsbeschädigten, von denen er jeden einzelnen begrüßte, und begab sich ins Ehrenmal, um dort einige Augenblicke still zu verweilen. Nach dem Verlassen des Ehrenmals nahm der Duce den Vorbeimarsch des Ehrenbataillons ab und fuhr zu der Großen Parade.
Frühstück beim Führer im kleinsten Kreise.
Berlin, 29. Sept. (DNB.) Im Anschluß an die Parade fand beim Führer und Reichskanzler ein Frühstück im kleinsten Kreise statt, an dem der Duce, Außenminister Graf C i a n o , Botschafter Attolico , Ministerpräsident Generaloberst G ö - ring, Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath, Generalfeldmarschall von Blomberg und der deutsche Botschafter in Rom von Hassell teilnahmen. Hieran schloß sich eine längere politische Aussprache.
Blocks die Kolonnen des Luftwaffenregiments zu Fuß folgen. Daran schließen sich die motorisierten Teile, voran die I. Schwere Abteilung des Flak-Lehrregiments, dann die I. Schwere Abteilung des Flak-Regiments 22 und die II. Leichte Abteilung des Flakregiments 22. Hinter den Lafetten- und Rohr-Wagen sieht man die gewaltigen Scheinwerfer und die Richtungshörer, ferner die schweren 8,8-Zentimeter-Geschütze und die kleinen, elegant wirkenden 3,7-Zentimeter-Geschütze.
Die panzettruppen.
Wieder tritt Generaloberst Freiherr von Fritsch neben den Führer. Den Abschluß des Vorbeimarsches bilden die Panzertruppen des Heeres. Sie werden geführt von Generalmajor Guderian, dem Kommandeur der III. Panzerdivision. In Reihen zu 2)ritt kommen zunächst Lie leichten Panzerkampfwagen des Panzerregiments»4. Man sieht die Führer in ihrer schmucken schwarzen Uniform mit dem Oberkörper aus ihrem Wagen herausragen. Schwerere Panzerwagen schließen sich an. Sahn folgt das S ch ü tz e n r e g i m e n t 2 mit seinen Dreierkolonnen von dreiachsigen Kraftwagen, die Panzerabwehrkanonen hinter den Fahrzeugen. Ein besonders fesselndes Bild bietet dann das Kraftrad-Schützen-Bataillon 1. Motorisierte Artillerie schließt sich an, bie 1. Abteilung des A.-R. 73 mit ihren leichten Kanonen und Haubitzen und die 2. Abteilung des A.-R. 54 mit ihren schweren Geschützen. Dann gehen die Panzerspähwagen und andere Kampftahrzeuge der Aufklärungsabteilung 9 vorbei, denen sich die P a n z e r a b w e h r a b te i l u n g 3 8 anschließt. Den Abschluß machen die Fahrzeuge der Kraftfahr-Kampftruppen-Schule. Um 12.40 Uhr ist der Vorbeimarsch beendet.
Der Führer spricht noch einen Augenblick mit Generalfeldmarschall von Blomberg und den Oberbefehlshabern der Wehrmachtsteile. Man sieht, wie Mussolini ihn zu diesem Vorbeimarsch beglückwünscht. Unter brausenden Jubelrufen der Menge besteigen Mussolini und Hitler den Wagen und fayren stehend und grüßend zur Stadt zurück.
Kabinettssitzung in London.
Spanien und der Ferne Osten.
London , 29. Sept. (DNB.) Das englische Kabinett ist am Mitwoch unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Chamberlain zusammengetreten. Zunächst stimmte das Kabinett der englisch-französischen Note an die italienische Regierung über Spanien zu, die Ende der Woche in Rom überreicht werden wird. Reuter schreibt, daß hinsichtlich des Funktionierens des Arrangements von Nyon und der italienischen Beteiligung an der Mittelmeerpatrouille eine optimistische Stimmung unter den Ministern geherrscht habe. Man habe die Ansicht vertreten, daß die geplanten englisch-italienischen Besprechungen auch die Zusammenarbeit für eine Lösung des spanischen Konfliktes umfassen sollen. Laut Preß Association werde die Note auf die Notwendigkeit Hinweisen, daß die Mächte, die das Nichteinmischungsabkommen unterzeichnet haben, dieses Abkommen dem Buchstaben und dem Geiste nach genau befolgen müßten. Das Kabinett beschäftigte sich dann mit der L a g e im Fernen Oft en, wobei auch Berichte über die Bombardierung der Zivilbevölkerung besprochen wurden. Man glaubt nicht, daß der Vorschlag zu einem Boykott japanischer Waren von der englischen Regierung gebilligt werde. Wie verlautet, werde die englische Regierung jedoch im Notfälle bereit fein, als Vermittler zwischen den beiden Streitparteien im Fernen Osten aufzutreten. Möglicherweise ist auch die Frage erörtert worden, ob nicht eine „schärfere Aktion" als die Entsendung von Protestnoten an Tokio unternommen werden könne.
Neuer japanischer Anqriff an der Schanghai-Front.
Tokio, 29. Sept. (DNB.) Nach gründlicher Vorbereitung durch Artillerie und Flugzeuge gingen die japanischen Marinetruppen am Mittwochmorgen von der Internationalen Niederlassung aus in breiter Front vor und besetzten gegen Mittag die Ortschaft Tschiangwan westlich von der Eifenbahnstrecke Schanghai—Wusung. Andere japanische Truppenteile nahmen den Vormarsch auf Liu- tschiahang auf, das in Richtung auf Schanghai auf halbem Wege zwischen Lotten und Tatschang liegt. Japanische Marineflugzeuge unternahmen einen Angriff auf die 417 Kilometer südlich von Tientsin gelegene Eisenbahnstation H f u ■ tschau, wo sie Munitionslager und Truppen-Transportzüge bombardierten. Andere Flugzeuge belegten Flugplätze und Munitionslager in verschiedenen Städten der Provinz K i a n g s u mit Bomben. Im Süden griffen japanische Flieger den Flugplatz der 35 Kilometer nördlich von Macao gelegenen Stadt Tangtschiau an.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer und Reichskanzler hat dem Arzt im Hospital der Kaiserswerther Schwestern in Jerusalem, Dr. Eberhard G m e l i e n, den Titel „Professor" verliehen.
Der spanische Regierungsausschuß hat ein Dekret erlassen, wonach in Erinnerung an den Tag, an dem General Franco „wegen seiner vaterländischen Gesinnung, seines soldatischen Mutes und seines Opfergeistes" zum „Obersten Führer der Spanien rettenden Bewegung" eingesetzt wurde, der 1. Oktober zum „Nationalfest des Führers" erklärt wird.
Die konservative „M o r n t n g P o ft" wird vom „Daily Telegraph" übernommen. Beide Zeitungen werden als eine Londoner Morgenzei- tung herausgegeben unter Leitung von Lord Garn- rose, der bereits im Juli die Kontrolle der „Mor- ning Post" übernommen hatte. Die „Mornina Post" gibt finanzielle Schwierigkeiten als Grund für ihr Eingehen als selbständige Zeitung an. Sie war 1772 gegründet und damit die älteste Zeitung Englands.
Amtlich wird mitgeteilt, die brittjche Regierung werde das Parlament aufforöern, die Zahlung von n?00 P/und (rund 60 000 Mark) für den britischen Botschafter in China Sir Hughes Knatch- ' ull - H u g e s s e n zuzusttmmen, da der Botschafter chwere Verletzungen erlitten habe, durch die seine Gesundheit möglicherweise beeinträchtigt würde.
Der Urheber des viel erörterten Teilungsplanes ur Palästina, Lord Peel, ein früherer Indien- mmifter, ist im Alter von 70 Jahren in Petersfield gestorben.
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Sie Panzerwagengruppe beim Vorbeimarsch vor dem Führer und Mussolini. Links vom Suce Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg, Generaloberst @ o r i n g, dahinter Generaladmiral Raeder; rechts vom Führer Generaloberst Freiherr von Fritsch (Scherl-Bilderdienst-M.) 1 J*
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Am Ehrenmal Unter -en Linden.
Mnffolini ehrt die Gefallenen des Weltkrieges.
Mussolini begrüßt vor dem Ehrenmal Unter den Linden deutsche Kriegsopfer. (Scherl-Bilderdienst-M.)


