Nr.175 Zweites Blatt
8reitag.5tt.Zuli 1957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Tausend Wunder am Berliner Kaiserdamm.
Vom technischen Spielzeug zum vollendeten Musikgerät.
wir noch Seiten füllen. Wir schließen deshalb mit der Empfehlung an jeden, er möge sich durch eigenen Augenichein davon überzeugen, mas deutscher Erfindergeist zu leisten vermag, um stolz zu sein, wie jeder Besucher es war, der in Berlin die Ausstellung sah. G.
Die technische Entwicklung unserer Zeit greift mit Riesenschritten aus; am deutlichsten ist der schnelle Fortschritt auf dem Gebiete des Rundfunks erkennbar. Noch vor zehn Jahren war das Wunderspiel Rundfunkempsang für die einen nicht viel mehr als neuartiger Zeitvertreib und physikalisches Phänomen, für die andern Beginn forschender und aufbauender Laboratoriumsarbeit. Heute aber ist der Rundfunkempfänger zum vollendeten M u- sikgerät geworden, dessen weitere Vervollkommnung kaum mehr denkbar ist. Noch vor einigen Jahren lehnten manche Musiksachverständigen Lautsprechermusik als unerträgliches Surrogat ab — heute wäre eine Ablehnung Böswilligkeit! Was die Funkindustrie zur diesjährigen Funkausstellung oor- zustellen vermag, ist ausgereiftes Ergebnis von Jahren der Mühen und der Forschung. Ein Ziel ist erreicht, eines, das am erstrebenswertesten schien: Höch st e klangliche Leistung der Empfangsgeräte; bis zu den tiefsten dröhnenden Bässen herab, bis zu den höchsten schillernden Tönen herauf, mit dem ganzen Glanz natürlicher Musik, schallen und klingen die diesjährigen Lautsprecher. Das ist der eine, der größte Fortschritt; der zweite liegt in der Erzielung von zum Teil ganz erstaunlichen Bedienungserleichterungen der Empfänger; ein dritter Fortschritt — wenn man kurz zusammenfassen will — ist in der Senkung der Preise, trotz auf der ganzen Linie durchgeführter Verbesserungen zu erkennen. Auch die Tatsache, daß die Geräte sparsamer arbeiten, weniger Strom verbrauchen, dürfte für viele nicht unwichtiges Moment sein.
Rundfunkempfänger, die alles bester können.
Unter den „Großen" der diesjährigen Funkausstellung entdeckt man wahre technische Wunderwerke, beinahe ist man versucht, von denkenden Maschinen oder von Robotern zu sprechen. Da ist der Druckknopfempsänger: man drückt auf eins der zwanzig verschiedenen Knöpfchen, von denen jedes zu einem besonderen Sender gehört, und sauber schallen uns die Darbietungen entgegen; da gibt es kein Nachstellen mehr, kein mühseliges Regulieren: man will München hören, München ist da; wir verspüren Lust nach ^rheinischer Stimmung, ein Druck auf einen anderen Knopf, und Köln meldet sich; die Mailänder Scala? Bitte schön! Was man höchstens noch zu tun hat: nach dem persönlichen Geschmack, nach der Größe des Raumes, auf lauter oder leiser zu stellen.
Dann gibt es auf einem anderen Stand einen Empfänger, der uns wieder auf andere Weise zeigt, was er kann. Ein Hebelchen wird niedergedrückt, der Zeiger läuft automatisch über eine große Senderskala, langsam oder schneller, ganz nach Wunsch^ Man läßt los, vielleicht gerade in dem Augenblick, da die Anzeigevorrichtung über den Namen des Senders Breslau gleitet, und schon i tönt auf das klingende Spiel der Rundfunkkapelle Ihn schlesischen Sendesaal. Vielleicht hat man ein wenig zu früh losgelassen oder ein wenig zu spät, t einerlei, darauf kommt es gar nicht an, die Genauigkeit der Einstellung können wir ruhig dem Rundfunkempfänger überlassen, er macht es be- stimmt besser, als wir selbst.
Eelbsttätigkeit, die Parole des Rund- funkjahres 1937.
Selbsttätigkeit, Automatisierung, das sind die Schlagworte — nein, die in Wirklichkeit u m -
gesetzten Begriffe für die diesjährige Pro- ouktion. Wenn auch nicht alle Empfänger mit Mitteln ausgerüstet werden konnten, die sie zu kleinen Robotern machten, so sind gestaffelt nach Typen und Preisklassen überall wesentliche Vereinfachungen und Bedienungserleichterungen geschaffen worden Die Spitzengeräte weisen fast alle die sogen, „automatische Scharfein st ellung" "auf; sie wirkt sich so aus, daß man beim Durchdrehen des Ab- stimmknopfes von einem Sender, in den nächsten „fäüt". Ein „Zwischen den Sendern" gibt es nicht mehr. Der eine löst den andern ab und immer richtig eingestellt sind die Sender da! Da gibt es die „fühlbare" Abstimmung, die Lösung der Abstimmfrage durch eine andere Firma: beim Drehen am Skalenknopf zeigen sich jedesmal dann Hemmungen, wenn ein neuer Sender sich melden will, man spürt es im Handgelenk, ob man es richtig gemacht hat oder nicht; der Empfänger selbst verrät es einem, auch dann, wenn man "die Lautstärke vorher auf Null herabgeschraubt hatte.
Magische Augen zwinkern uns zu.
Eb gab schon in den Vorjahren sogenannte A b - stimmanzeiger, die auf optischem Wege dem Rundfunkhörer mitteilten: jetzt hast du deinen Sender richtig eingestellt. In diesem Jahre sind sie in den größeren Geräten abgelöst worden durch das sogenannte „Magische Auge". Dafür findet
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Der neue Fernseh-Empfänger auf der Rundfunk-Ausstellung. (Werkaufnahme Scherl-M.)
man die älteren und durchaus brauchbaren Abstimmanzeiger auch in den weniger kostspieligen Preisklassen. Die „Magischen Augen" sind elektronen-optische Einrichtungen, die mit außerordentlicher Genauigkeit anzeigen. Auf der Stirnwand der Empfänger angebracht, schauen sie uns mit merkwürdigem Zwinkern beim Durchdrehen der Skala an. Es fei nicht vergessen, zu erwähnen, daß das „Magische Auge" als deutsche Erfindung zunächst in Amerika angewandt wurde, um in der Zwischenzeit bei uns langsam verbessert, zu einem wirklich brauchbaren Instrument herangebildet, in
den diesjährigen Geräten Anwendung zu finden. Ueberhaupt, was die Großen der Vorjahre als ihr Alleinrecht auswiesen, Abstimmanzeiger, automatischer Schwundausgleich, automatische Lautstärkerregelung, alles das sind Dinge, die nunmehr auch in der Mittelklasse vertreten sind.
ftorffdjntt aut her ganzen £imc.
Wo man auch Hinblicken mag, überall entdeckt man Fortschritte, Verbesserungen, Vereinfachungen, Verbilligungen. Wichtig ist vor allem die Verringerung der Knöpfezahl an den Empfangsgeräten, die bei einer Firma zur Konstruktion des sogenannten Monoknopfes geführt hat zu einem einzigen Knops, der alles macht, der die Lautstärke regelt, auf Hellen oder dunklen Klang schaltet, und mit dem man abstimmt. Größere und bessere Skalen, zum Teil als Klappskalen ausgeführt, die in jede Blickrichtung eingestellt werden können, sind als fortschrittliche S'onftruTtionselemente zu erwähnen. Der Volksempfänger ist weiter verbessert worden, er ist bei seinem geringen Preis erstaunlich gut. — All- ftromgeräte sind in diesem Jahre auch als Spitzengeräte vertreten, die Batterieempfänger sind billiger und besser geworden.
Es mangelt uns an Raum, auf die vielen, vielen Kleinigkeiten hinzuweisen, die man auf den Ständen als Neuerungen entdeckt, sowohl auf den Ständen der Zu b e h ö r i n d u st r i e, als bei den Firmen, die Bastlerteile Herstellen. Wollten wir schließlich noch über das Fernsehen berichten, das als deutsche Erfindung in einer neuen und wichtigen Entwicklungsstufe gezeigt wird, dann müßten
(9au Hessen-Nassau auf der Ausstellung
NSG. Der Gau Hessen - Nassau kommt in den Reichssendern Frankfurt und Stuttgart am Mittwoch, den 4. August, in einer vergnügten Sendung aus der Funkausstellung Berlin, betitelt „93 6 m Hohen Meißner z u m Bodensee" zu Wort. In der Sendung läßt sich der bekannte „Unkel K u n n e r o a b" aus Friedberg in Ober- Hessen hören, die Erlenbacher Kinderschar wirkt mit, die Schwälmer Bauernkapelle spielt auf, die Kapelle Franz Hauck erfreut mit ihren einschmeichelnden Weisen, der Rundfunkchor des Reichssenders Frankfurt singt, Fritz Ku ll mann vom Reichssender Frankfurt offenbart sich als Pianist und unter mehreren mitwirkenden Künstlern vom Frankfurter Opernhaus läßt der beliebte Tenor Theo Hermann seine Stimme erschallen. Daran reihen sich noch mehrere musikalische Darbietungen und Hörfolgen an, die von Künstlern des Gaues Baden gestaltet werden und über den Reichssender Stuttgart zum Vortrag kommen
Die diesjährige Rundfunkausstellung bietet soviel des Neuen und Interessanten, — von den Sehenswürdigkeiten der Reichshauptstadt, die im August Hochbetrieb erlebt, gar nicht zu reden, — daß man die ungewöhnlich billige Fahrgelegenheit mit den Sonderzügen nicht ungenützt vorbeigehen lassen sollte. Jeder Hessen-Nassauer aber, der nicht zur Rundfunkausstellung nach Berlin fahren kann, wird am 4. August die Sendung aus den Ausstellungshallen einschalten und die lustige Fahrt durch die Gaue des Reichssenders Frankfurt am Lautsprecher miterleben.
Festspiel-Stimmung in Bayreuth.
23on unterem Sonderberichterstatter.
Als die Mailänder Scala vor wenigen Wochen Berlin an drei aufeinanderfolgenden Abenden in den Glanz italienischer Opernkunst tauchte und das Fest südlicher Schönheit uns den Atem verschlug, da befiel uns am Ende eine tiefe Sehnsucht — die Sehnsucht noch Bayreuth! Unter dem blauenden Himmel Italiens, im Anblick einer trunkenen Landschaft der Kunst, in einem Meer von Wohllaut empfanden wir unvermittelt die Ferne dieser berauschenden Welt, in die wir eingetreten waren, um durch die Hingabe an ihre Sinnenpracht des eigenen rätselvollen Wesens nur um so sicherer zu werden. Ueber alle Bewunderung des frembvölki- schen Genies und der vollendeten Kunstleistungen hinweg flog das Herz zu jener Stätte, wo urdeutscher Eigenart ein schlichter Tempel errichtet und germanische Unendlichkeitssehnsucht in den Werken Richard Wagners zu tiefster Wesensansprache des deutschen Menschen verdichtet ist.
Stehen wir nun wieder auf dem grünen Festspielhügel und lassen den Blick über die fränkische Landschaft, ihre satten Wiesen und reifen Aehren schweifen zum dunklen Rand der Waldberge, sehen wir im Tale die liebliche Stadt mit ihren schmalen Giebeln an winkligen Straßen, in denen die Fahnen flattern und aus Fenstern und Beeten die Blumen leuchten — dann umfängt uns schon vordem Aufklang der ersten Fanfaren die Stimmung des F e st s p i e l s. Die Frage, was immer wieder die Menschen nach Bayreuth zieht, wird müßig; denn der Zauber des Ereignisses umfängt mit fanfter Macht jeden, der in den Kreis der Weihestätte eintritt. Es werden in diesem Jahr die
selben Werke gespielt wie im vergangenen — und dennoch sehen wir viele Gesichter, die auch damals dabei waren, nicht berufsmäßig, sondern freiwillig, aus innerer Notwendigkeit. Die Begriffe des Repertoiretheaters sind hier fremd, keiner verlangt nach „Neuem", — das Kunstwerk wird zelebriert wie eine Kulthandlung, und wer sich ihm wieder und wieder aussetzt, wird mit magischer Kraft allmählich zur Mitte des Wesens gezogen
Diese Beständigkeit und das strebende Bemühen, immer neuer Werkbegegnung ist kennzeichnend auch für das Schaffen der Künstlergemeinschaft. Am schönsten und reinsten tritt es zu Tage am „P a r - f i f a l". Bayreuth ist seine Urheimat in einem tieferen Sinn, als dies auf andere Werke des Meisters zutrifst. Vor 25 Jahren wurde das Bühnenweihespiel hier uraufgeführt. Bayreuth sollte es vorbehalten bleiben als das große Ausnahmeereignis, und trotz Freigabe zu späterer Zeit wurde der „Parsifal" im Festspielhaus weitaus am häufigsten gespielt vor anderen Werken; 218 „Parsifal"-Vor- stellungen bis zum Ende der vorjährigen Spielzeit folgen in weitem Abstande die 54 „Meistersinger"- Aufführungen, die 51 Ring-Zyklen usw. Die Arbeit an dem verpflichtenden Alterswerk Wagners ist bezeichnend für den Bayreuther Geist und die Werkgesinnung schlechthin. Jahrzehnte lang hat man zunächst die Ausstattung der Uraufführung, die von I o u k o w s k y stammte und vom Meister noch selbst autorisiert war, beibehalten. Dann besserte man an Einzelheiten, Siegfried Wagner z. B. gestaltete Klingsors Zaubergarten neu, und erst 1934 wurde die Ausführung umgegossen in eine neue
Blinde Passagiere.
Eine Geschichte von Eberhard Meckel.
In einer im Binnenland gelegenen Kleinstadt verstarb vor kurzem ein Mann, den man bei jung vnd alt gemeinhin nur unter dem Namen „der Steinsammler" kannte. Er lebte, nachdem er da lange als kleiner Schreiber bei der Verwaltung Dienst getan hatte, in kümmerlichen Verhältnissen im Ruhestand, und man wußte von seiner Wirtin, daß er in einem kleinen Junggesellenzimmer eine Menge Steine bewahrte, größere und kleinere, mit mancherlei Ziffern und Merkmalen versehen, von denen nicht klar war, was sie bedeuten sollten. Die Steine zeichneten sich nicht durch irgendwelche Be- st<derheiten aus, weder waren sie schön noch selten, hnbern es handelte sich bei ihnen um ganz gewöhnliche Stücke von Kiesel, Granit oder sonstigen Srten, wie sie auf jedem Feld und auf jedem tieg gefunden werden können.
Ein Zufall ergab es, daß ich mit dem „Steinst nimler" näher bekannt wurde. Lange hütete ich wich, um ihn nicht mißtrauisch zu machen, nach [einer merkwürdigen Sammlung zu fragen. Bis eines Tages das Gespräch doch darauf kam, als ki mich nach einem gemeinsamen Gang mit auf fein 8 mmer nahm. Wir saßen angesichts des Regals, dis die Steine ansüllten, und bei vorgeschrittener Skunde erfuhr ich bann, was es mit ihnen für eine Bewandtnis hatte. Danach war ihr seltsamer Belitz er mit ihnen um die ganze Erde gereist, kreuz unb quer — das heißt, nicht er, sondern sie waren gereift, einst ausgesandt von ihm, der in unbändigem jugendlichem Verlangen nach Ferne, Urleb- ni3 und "Abenteuer die Meere befahren und die Seite der Welt unter seinen Füßen spüren wollte, oier nicht konnte. Denn wie sollte er je zu dieser Erfüllung gelangen? Früh verwaist, ein armseliges, 'äwächliches kränkliches Kind, im Schatten des Da- 'ems aufwachsend, mußte er b,ei seinem Pflegevater in Jamburg schwere Arbeit tun, Kindheit und 3u- Md, die gern ein wenig mehr äußeres Gluck erhal' let hätten, unter Strenge, Ernst und Bitterkeit be-
fliaben.
Aber da lockte und rief ein Stück elbabwärts das hie Wasser! Freilich, es rief ihn, es lorfte, nur leiber vergebens Kameraden, Altersgenossen riss öon zu Hause aus, fuhren als Schiffsiungen u in Atlantik und in fremde Länder und wurd , ’tm kräftigen Tauende auf die rechte Bahn g^ dwcht, kräftige, rechte Kerle. Ihn ,edoch nahm ii manb; zu "schwach, zu klein, zu elend, zu unge -t ckt auch, wollte kein Schiff ihn haben so oft er -s auch versuchte Doch das Fernweh drängte m im, der Traum von einem größeren reiche «<&en beherrschte ihn glühender Tag und Rächt,
während er in einer Kellerwohnung im Gängevier- tel hauste, und es blieb ihm nur übrig, wenn er sich jede freie Stunde zum Hafen schlich, mit heißem Herzen die Schisse anzusehen, wie sie ein und ausliefen, ein ständiges Kommen und Fahren.
Es gelang ihm, beim Ein- und Ausladen, und indem er sich unter die Reisenden mischte, auf die Schiffe zu kommen, auf die kleinen Dampfer, die die Küsten befuhren, die stählernen Pflüger des Ozeans, die großen Segler, die damals auch noch alle Wasser beherrschten. Und da er selbst nicht mit konnte, mit durfte, verfiel er auf einen Gedanken, daß doch wenigstens ein Stückchen von ihm immer mitfahren möchte. Er nahm kleine Steine, versteckte sie irgendwo auf Deck, klemmte sie heimlich zwischen die Wanten, barg sie an Luken oder an der Reling, am Schornstein oder Nebelhorn, an Bug und Heck, und so reisten sie, blinde Passagiere, von niemand beachtet ober entbeckt, in alle Welt, unb wenn bie Schiffe, vielleicht nach Jahr unb Tag oft, zurückkehrten, bann holte sie ber Junge, ber nach ben Schiffnachrichten ihre große Fahrt verfolgt hatte, wieber ein unb hielt bann ein Ding in ber Hand, vom Hauch ber Weite, vom Zauber ber Ferne unsagbar umwittert, einen Stein, ber fein Stein mehr wär, fonbern ein lebenbiges Stück Traum, von einem Knabenherzen wilb geträumt
„Sehen Sie", sagte ber „Steinsammler", als er mir bies alles langsam, mit eigentümlich stockenber Stimme unb flacfe'rnbem Auge erzählte, unb bann einen grauen, unscheinbaren Stein vorwies, -/feJ).en Sie, hier, mit biefem ba, bin ich bas erstemal hin- ausgesahren. Aus einem Jnbiensegler war es, Flaute am Kap ber guten Hoffnung, Hiße in Colombo, Pest in Ponbichery. Ich sah alles, ich lebte nur mit meinem Stein, als wäre ich er selbst, unb Sie können sich benfen, wie aufgeregt ich war als ber Segler nach vielen Monaten wieber emlief unb ich wahrhaftig meinen Stein noch fanb! Glauben Sie" — bie Stimme bes Mannes zitterte — „es war ber vielleicht glücklichste Tag meines Ledens. Ich jubelte, ich lachte, ich meinte, benn nun war ich nicht mehr arm, fonbern ungeahnt reich, hatte teil an ber Welt, hatte teil an ber Weite, an ber bunten Frembe, an ben Meeren."
Ich nickte nur, benn ich vermochte vor Erschütterung über bas, was ich ba hörte, nicht zu sprechen Vermutlich erwartet mein Gegenüber aber auch gar feine Antwort, als löse sich alles, was je an Verhaltenheit sich in ihm aufgespart hatte, nun endlich einmal ins erlöfenbe, befreienbe Wort ber Mitteilung an einen anberen Menschen. „So trieb ich es lange Zeit, viele Jahre unb bas war es, was meine Jugenb erhellte. Manche Steine famen auch nicht wieder zurück — sie find mit ihrem Schiff oerfunfen, im Sturm bei Kap Horn, im Taifun des Gelben Meeres, an ben Küsten Cornwalls; bei Scharhörn im Nebel mußte auch noch mancher zu
guterletzt in ben Treibfanb, ben ich schon sicher in meiner Hanb wähnte. Aber auch bas ist vielleicht rounberbar. Den einen ober anberen Stein, ben ich befonbers liebte, schickte ich zwei-, brei-, viermal unb mehr hinaus, oft eine anbere Route, oft auch biefelbe. So baute ich langsam ein ganzes System aus, wie ich bie Welt auf unb ab fuhr, ein unsichtbares Netz meiner Träume, über alle Ozeane gespannt! Hier" — unb er beutete mit unsicherer alt geworbener Hanb auf ben Hausen Steine, bie vor uns lagen — „hier liegt meine Jugenb barin, mein Leben, benn von biefen Steinen habe ich bis heute gelebt, nur baoon!" schloß er mit einem Ton, durch den unendliche Bitternis klang, Mühsal eines einsamen Alltags, Kummer dürftig erleuchteter Abende, das Einerlei grauer, sich gleichender Morgen. Denn nun wohnte er in einer Stadt tief im Binnenlande, die fein Atem vom Meer traf, wohnte schon lange dort, bald nach seinem siebzehnten Lebensjahr verschlug es ihn hierher, wohin er, nur um sein kärg- liches Dasein fristen zu Formen und niemand zur Last zu fallen, vom Pflegevater abgeschoden unb untergebracht worben war Da hatte benn auch ber Seefahrerglanz ein Enbe. ba war es aus, mit ben Steinen zu reisen, wohin es beliebte. Ader immerhin, er hatte es eine Zeitlang gehabt, er vergaß es nie wieber, es nährte ihn halb ein halbes Jahr- hunbert fort bis zu — feiner Sterbeftunbe.
Das geschah nicht lange banach Eine letzte Verfügung, so hörte ich, niebergeschrieden in einer Schrift, ber man ansah, baß die Angst, bie Feber möchte vielleicht ben letzten Wunsch unverstänblich bem Papier anvertrauen können, sie beflügelt hatte, bestimmte bie Steine als Mitgabe in ben Sarg. Man tat es, wenn auch sicher fvpsschüttelnb, unb bie Träger werben wohl geflucht haben über ben Narren, ber ihnen ihr Sargträgerhandwerk auch noch mit Steinen schwerer machte. Aber sonst war ber Tote, ber schon lange nicht mehr von biefer Welt gewesen, eine leichte Last ...
8000 Tiere spielen in Hollywood mit.
Man schätzt, baß es in Hollywoob ungefähr 8000 Tiere gibt, bie bei ber Herstellung ber Filme regelmäßig Mitwirken. Es ist eine Art Leihmenagerie von riesigen Ausmaßen, mit etwa 300 Löwen, 80 Tigern, 30 Elefanten, 20 Giraffen unb so fort, burch alle Arten ber Tierwelt, von ben Papageien bis zu ben Schnecken. Es gibt ja kaum einen Film, in bem nicht wenigstens ein Tier „auftritt", unb so ist ber Gelbumsatz, ber bei biefem merfroürbigen Geschäft erzielt wirb, auch recht beträchtlich Alle Betreuer biefer Tiere sinb in einer „Animal Owners Protective Union“ zusammengefaßt, bie ihre festen Tarife für jebe Tierart hat unb eine sehr strenge Kontrolle aiisübt. baß sie nicht zu billig verliehen werben, baß zum Beispiel ein Leopard nicht unter
70 Mark täglich bringt und daß auch die „lieber- stunden" richtig bezahlt werden.
Es gibt da einige Besonderheiten, die nicht ohne weiteres verständlich erscheinen. Sv werden die Haifische oerhältnismäßitz schlecht bezahlt, mit etwa 120 Mark täglich, während die Ausgaben für ben Unterhalt, für ben Transport in großen Behältern mit Meerwasser unb für ben Wärter höher sinb, so baß bie Gesamtrechnung sich auf über 250 Mark beläuft. Bei ben Haifischen muß man befonbers auf bie Wassertemperatur achten, weil bie Tiere, wenn biete zu stark sinkt, in eine Art Lethargie verfallen unb bann nichts mehr von ber Wildheit zeigen, bie bie Zuschauer von ihnen erwarten. Der Preis ber Krvkvbile schwankt wieber außerorbent- lich je nach ber größeren ober geringeren Lebhaftigkeit ihres Charakters, sie werben ba beurteilt nach ihrer Beweglichkeit wie eine Tänzerin. Ein Tier, bas viel hergibt unb sich genügenb mit ben Schwimmern beschäftigt, bie mit ihm im Bassin sind, kann auf 200 bis 220 Mark ben Tag kommen. Die „Mitspieler", bie sich auf bie Arbeit mit ben Krokodilen spezialisiert haben, verlangen 250 Mark, wobei die Versicherung einbegriffen ist. Für die Riesenschlangen rechnen bie Verleiher 180 Mark. Eine Kobra gibt es in Hollywoob nicht; wenn aber eine gebraucht wirb, so kann man sich an einen erfinderischen jungen Mann wenden, der eine ganz gewöhnliche Schlange dazu abgerichtet hat, mit Hilfe eines künstlichen Kopfes, der im kritischen Augenblick ausgesetzt wird, eine ganz gefährliche Kobra zu spielen — für diesen Trick erhält er 50 Mark täglich.
Haustiere werden naturgemäß sehr viel geringer bezahlt, am geringsten die Hunde wegen der allzu großen Konkurrenz. Merkwürdig schwankt der Preis für Pferde, je nach ihrer Rasse und ihren Fähigkeiten zwischen 6 und 120 Mark; ein Rennpferd kann sogar 180 Mark täglich kosten, zuzüglich der Spesen für den Stallknecht. Besonders geschätzt werden Pferde, die schön galoppieren und im geeigneten Augenblick stürzen können, ohne dem Reiter allzu wehe zu tun.
Zeitschriften.
— Wäsche-Garnituren für Damen und Kinder, neue hübsche, dabei immer praktische Modelle aus verschiedenem Material, zeigt das August-Heft der „Neuen M o d e n w e 11" (Verlag Ullstein, Berlin). Unter den rund 100 zum großen Teil bunten Modellen findet man Unterwäsche, Hausanzüge, Nachthemden, Morgenröcke, darunter auch Modelle für nicht ganz Schlanke, aber auch neue Kleider, Hemdblusen, Babykleidchen usw. Plaudereien über Mode, über die „Frau in Hosen", eine nützliche Tabelle, wie man verschiedene Stoffe richtig wäscht, der Beginn eines neuen arofcen Romans und ein großer Handarbeitsteil beschließen- das reichhaltige Heft.


