dem Lande schon seit langem wieder heimisch ist. Sm Ural, so berichten selbst die Moskauer Blätter, stehen vor den Brotläden Riesenschlangen, weil die Brotversorgung nicht nur auf dem Lande, sondern sogar in großen Industriezentren gefährdet ist. Eine schwere Unruhe hat die Bevölkerung ergriffen, die natürlich bestrebt ist, sich mit Brot einzudecken. Dies wird aber als „Spekulation" verfolgt und schwer bestraft. — Im Nordkaukasus sind die Behörden dazu übergegangen, das Brot selbst aufzukaufen und es zu rationieren. — In der südlichen Ukraine sind Leute, bei denen Brot über den Bedarf von drei Tagen hinaus gefunden wurde, zu Gefängnisstrafen verurteilt worden und in den Landbezirken selbst des Moskauer Rayons hat man zur strenge^ Rationierung des Brotverkaufs gegriffen. Zu nächtlicher Stunde — um der Bevölkerung nicht dieses Bild des Eingeständnisses der Hungersnot zu geben — fahren die Brotwagen auf die Dörfer hinaus. Dort stehen die' Bauern die ganze Nacht hindurch Schlange vor dem Brotladen, um ein Kilogramm Brot zu erhalten. Natürlich haben die Bauern dafür den Verkaufspreis für das Brot zu zahlen, das sie im Herbst gezwungen "waren, den bolschewistischen Emissären für ein Fünfzehntel dieses Preises zu überlassen. Daß diese „Versorgung" der Landbevölkerung aber bei weitem nicht ausreicht, geht aus der förmlichen U e b e r - fchwemmung mit hungernden Bauern hervor, die neuerdings wieder aus allen Städten gemeldet wird — wie in den großen Hungerjahren 1921/22 und 1932/33!
Auch die Sowjetregierung hat stillschweigend diesem Tatbestand Rechnung tragen müssen. Freilich hat sie sich nicht von irgendwelchen humanitären Erwägungen leiten lassen, denn noch immer gilt das Wort Lenins: „Es ist besser, daß zehn Millionen Menschen umkommen, als daß die Parteidoktrin Schaden leidet." Aber der gegenwärtige Notstand infolge der Mißernte des vergangenen Jahres hat fiir die Sowjetregierung die Bedeutung der diesjährigen landwirtschaftlichen Kampagne um so höher steigen lassen. Indessen sind die Nachrichten, die aus allen Teilen des Landes über die Vorbereitungen zur Aussaat eintreffen, im höchsten Maße entmutigend. Die „Jswestija" faßt die Einzelberichte zusammen und sagt, die Aussichten seien in diesem Jahre noch schlimmer als im Vorjahre. Ein Drittel der Traktoren sei noch nicht fertig, hunderttausende Tonnen von Kunstdünger seien dem Verderben ausgesetzt, niemand habe daran gedacht, sich rechtzeitig mit Saatgut zu versorgen, und im Volkskommissariat für die Landwirtschaft brauche man Monate, um die einfachsten Anordnungen durchzuführen. Die Regierung habe der Landwirtschaft zwar 13 Millionen Pud Saatgetreide aus staatlichen Beständen zur Verfügung gestellt, aber niemand habe rechtzeitig für den Abtransport gesorgt.
Daß das Regierungsblatt die wirkliche Lage ^icht übertrieben pessimistisch schildern wird, — wer kann daran zweifeln? Wenn es aber zugeben muß, daß die Regierung in Anbetracht der schweren neuen Hungergefahr aus den eigenen Speichern, die sie nur allzu ungern für die Bauern öffnet, fast das Dreifache dessen entnommen hat, was sie in dem großen Hungerjahr 1932/33 zur Sicherung der Frühjahrssaat zur Verfügung stellte (damals waren es nur 4,6 Millionen Pud), so liegt darin ein Eingeständnis, dessen Tragweite gar nicht überschätzt werden kann. Es bedeutet, daß die Landbevölkerung allerorts, um nicht zu verhungern, bereits das Saatgetreide angegriffen und aufgegessen hat, daß sie nun vor d e m absoluten Nichts steht und daß die Regierung, um eine neue Katastrophe zu vermeiden, eingegriffen und damit überhaupt erst einmal den Beginn der Aussaat sichergestellt hat. Daß mit dieser Bevorschussung der neuen Ernte dem Bauern heute nicht gedient ist, gibt auch die Sowjetregierung zu. Vis zu dieser Ernte sind es aber, wie gesagt, noch fünf Monate...
Im vergangenen Jahr haben die furchtbare Dürre, der behördliche Bürokratismus, der überall herrschende Schlendrian und schließlich der passive Widerstand des Kolchosbauern die Ernte bis zu 50 v. H. vernichtet. Der ukrainische Parteisekretär Kossior hat zugegeben, daß die Lage des Bauern, der für ein Tagewerk in seinem Kolchos oft nur 20 bis 25 Kopeken, in über 70 v. H. aller Fälle aber nicht über einen Rubel bekam, trostlos fei. Dabei ift ein Tagewerk nicht mit einem Tage lohn zu identifizieren, es ist vielmehr ein Akkordbegriff, der ost die Leistung von zwei und mehr Arbeitstagen umfaßt. Wenn man danach berechnet, daß e i n Bauer im ganzen Jahr 80 bis 120
Landschaft mit Stiefmütterchen.
Don Hans Brandenburg.
Auch in dies rauhe Alpenvorland war der Frühling eingezogen, wenn auch noch kaum mit Blättern, so doch mit ersten wilden Blumen, mit Windröschen und Gundermann, Leberblümchen, Lungen- und Milzkräutern im Walde, mit Tausendschönchen, kleinem Hahnenfuß, Primeln und dem bayerischen Enzian, dem Schusternagerl, auf den Wiesen und mit Dotterblumen am Bach. Aber die Höhen ließen dies Erwachen der Erde noch unter sich, unter sich auch die schwarzen Aecker und blaugrünen Wintersaaten, ein Meer wie aus Schatten- und Lichtstreifen. Nur die Wälder und Weiden kamen bis hier herauf und zwischen ihnen eine Weste unge- pflügten Hochackers, klumpigen und steinigen Brachlandes. Und hier oben sah man dem Winter in feine Rückzugsecke, wo er in unheimlichen schwärz- uchen und weißlichen Wolken noch auf der Lauer lag.
Auf den Stoppeln und in den Furchen blühte das Stiefmütterchen, hier oben im Herbst die letzte und im Frühling die erste Blume, den ganzen Sommer über die unvergängliche und in den letzten und ersten Stürmen und Frösten vielleicht die einzige. Tausendfach tupfte und sprenkelte es den Vordergrund über dem Abgrund der Tiefen, vor cT* Hintergrund der Fernen. Die Fernen rollten sla) als Flachland auf, die Tiefen drangen im Wogenschlag heran, der Dörfer und Türme trug und auf seinen höchsten Kämmen den Wald, Schwarzwald, durchschauert von dem rötlichen Knospenfieber der Laubbäume. Der Wald hier droben war schon halb Viehweide, er hatte Moräste und Tümpel: ein düsterer Teich, in ihm glänzte kohlenblank um die Wurzelballen, die mit ihren Bäumen Inseln in ihm bildeten. Der Steilhang ging völlig in Weide über, deren Boden aber noch fahl war und noch nicht von Rindern und Rössern bevölkert. Mit frei erhobenen Fichtengruppen und Wettertannen stürzte er alpenwärts hinab in ein braunes Moor, das vom krachen Schwarz der Filzkoppen brandete, in Fluren, die im Netz der Straßen hingen und die mit bleistumpfen See- platten bis an die Berge stießen. Der Hang rauchte von Hirtenfeuern, in denen vor dem Austreiben der
Rübe ^verdiente, daß ein Anzug aber 400 bis 600 Rubel, ein Paar Stiefel 200 bis 400 und ein Paar Schuhsohlen 50 bis 75 Rubel kosten — so wird man sich unschwer die furchtbare Lage des Bauern vergegenwärtigen können.
Der russische Dichter Puschkin, dessen Jubiläum die Sowjets in diesem Jahr so überschwenglich feierten, hat eine geschichtliche Erzählung geschrieben, betitelt: „Das Festmahl während der Pest". Daran erinnert die gegenwärtige Lage Sowjetrußlands: Während Stalin förmliche Orgien seiner Regierungskunst feiert, während feine Parteisekretäre sich um doktrinäre Nebensächlichkeiten gegenseitig den Schädel einschlagen und das ganze Bacchanal der bolschewistischen Unfähigkeit und Ueberheblichkeit sich austobt — stirbt ein Land Hungers, 'geht der Bauer zugrunde. Das ist die größte „Errungenschaft" des Bolschewismus.
Stalin ruft erneut zum Kampf gegen den „inneren Feind".
Moskau, 29. März. (DNB.) Die Sowjetpresse veröffentlicht erst am Montag eine Rede, die Sta - l i n bereits vor einem Monat auf der in aller Eile und Heimlichkeit «einberufenen Plenarsitzung des bolschewistischen Zentralkomitees gehalten hat. Die Rede hat nur ein Thema: Den schonungslosen Kampf gegen den Feind aus den eigenen Reihen. Die Staatsfeinde, Schädlinge, Spione, Mörder, Terroristen und Attentäter seien in alle Organisationendes Sowjetstaates eingedrungen. Die meisten Funktionäre hätten die angebliche „kapita -- listische Einkreisung der Sowjetunion" vergessen. Hierbei setzt Stalin sich freilich in Widerspruch zu der angeblichen Ideen- und In
teressengemeinschaft der Sowjetunion mit den „großen Demokratien des Westens". Stalin zieht es vielmehr für den inneren Gebrauch vor, die „Bourgeoisien und kapitalistischen" Länder ohne Unterschied zu natürlichen Gegnern des Sowjetstaates zu erklären, die „nur die Gelegenheit ab* warten, die Sowjetunion zu überfallen, sie zu zertrümmern, ihre Macht zu untergraben und sie zu schwächen". In dieser Absicht entsendet, so führt Stalin weiter aus, die feindliche Umwelt ein Heer von Spionen, Schädlingen, Terroristen usw. nach der Sowjetunion, deren willigsten Werkzeuge dort die „T r o tz k i st e n" seien. Obwohl Stalin betont, daß der Trotzkismus keine politische Strömung mehr sei, sondern eine „Prinzipien- und ideenlose Bande von Schädlingen, divergenten Spionen und Mördern", scheint Stalin doch die Gefahr des „Trotzkismus" für das bolschewistische Regime sehr hoch zu veranschlagen. Die ,Trotzkisten" seien für den Sowjetstaat um so gefährlicher, als sie nicht mehr — wie die „Saboteure" früherer Jahre — als „klassenfremde" Elemente und Ueberbleibsel der vernichteten „Bougeoisie" ohne weiteres erkenntlich seien, sondern im Gegenteil mit dem Partei- ausmeis in der Tasche aufträten und damit den naiven bolschewistischen Funktionär zu Übertölpeln suchen. Stalin schloß mit der Aufforderung an die Partei, den Feldzug gegen den „inneren Feind" mit erneuter Wucht und Schonungslosigkeit weiterzuführen und alle Gegner zu „zerschmettern".
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Der bisherige Stellvertreter des sowjetrussischen Volkskommissars für Auswärtiges, Krestinski, wurde zum stellvertretenden Justizkommissar ernannt. Krestinski war früher einige Jahre lang Botschafter der Sowjetunion in Berlin. Er wird der zweite Stellvertreter des Volkskommissars Krylenko.
Oer Verfassungskonflikt in Indien.
Regierungsbildungen ohne die Kongreßpartei.
London, 27. März. (DNB.) Nachdem die Partei der indischenNationalisten(Kongreßpartei) kürzlich beschlossen hatte, die in der neuen Verfassung für Indien vorgesehenen 21 ernt er anzunehmen, ist es jetzt zwischen ihr und den britisch-indischen Behörden zu einem schweren Streit gekommen, der einem Wiederaufleben des Verfassungskonfliktes gleichkommt. In Bombay und Madras lehnten es die Führer der Kongreßpartei ab, die Regierung zu bilden. Der Weisung des Kongresses entsprechend, verlangten die Inder, daß die Gouverneure von ihren Sondervollmachten keinen Gebrauch machen und die Nationalisten ungestört verfassungsmäßig regieren lassen sollten. Als die Gouverneure antworteten, daß sie auf die verfassungsmäßigen Vollmachten nicht verzichten könnten, erklärten die Kongreßmitglieder, keine Aemter übernehmen zu können. Auch der Führer der Kongreßpartei in der Provinz Orissa erklärte, bei dieser Sachlage keine Regierung bilden zu können. Man muß damit rechnen, daß die gleichen Schwierigkeiten auch in den drei weiteren Provinzen auftreten, in denen die Kongreßpartei die Mehrheit besitzt. Damit würde es praktisch zu einer Ablehnung der R e g i er un g s Übernahme durch die Kongreßpartei in ganz Indien kommen. Daß das Ziel der Kongreßpartei dahin geht, zeigt eine Erklärung des Führers der Partei, Jawaharlal Nehru. Er antwortete auf eine Anfrage, die Partei hoffe, der neuen Verfassung in Kürze ein Ende zu bereiten.
Nachdem die Leiter der indischen Nationalisten (Kongreßpartei) sich geweigert hatten, Provinzregierungen zu bilden, wurden zunächst die Mohammedaner, als die Vertreter der nächst stärksten Partei zur Regierungsbildung aufgefordert; aber auch ihr Führer hat sich außerstande erklären müssen, eine Regierung zu bilden.
Die Lage ist jetzt insofern schwierig, als die neue Verfassung am 1. April in Kraft tritt. Wenn es den Gouverneuren nicht gelingt, bis dahin die Krise zu lösen, werden sie eine Uebergangsregelung treffen müssen, etwa derart, daß sie mit ihren Beamten ohne parlamentarische Billigung die Verwaltung führen. In Bombay und Madras haben die Gouverneure bereits Mitglieder der bei der Wahl unterlegenen Parteien aufgefordert, sie bei der Bildung einer Regierung zu unterstützen. In Bengalen wird die Regierung von einer Koalition, bestehend aus der Bauernpartei, den Moslems und einigen unabhängigen Gruppen unterstützt. In Madras
hat im Auftrag des Gouverneurs der frühere stellvertretende Gouverneur Vreddy den Auftrag zur Regierungsbildung angenommen. In der Provinz Orissa hat sich der Gouverneur an den Maharadscha von Parla Kimedi mit der Bitte gewandt, ihn bei der Regierungsbildung zu Unterstützen. In den vereinigten Provinzen Agra und O u d h haben die Moslems Ostermontag sich bereit erklärt, den Versuch zu unternehmen, eirfe Provinzregierung zu bilden. Auch in den Zentral-Pro- v i n z e n hat man sich nach der Weigerung der Kongreßpartei an einen früheren stellvertretenden Gouverneur gewandt. Dieser hat sich jedoch noch nicht entschieden. In der Prvinz B i h a r sind ebenfalls Verhandlungen mit den Moslems über eine Regierungsbildung im Gange. In Bombay versucht der Finanzminister der früheren Regierung die Regierungsbildung.
Sollte es nicht gelingen, innerhalb der nächsten Tage Regierungen zustande zu bringen, so würde, tvie man in London annimmt, den Gouverneuren die Vollmacht gegeben werden, alle notwendigen gesetz- und verwaltungsmäßigen Arbeiten durchzuführen, wobei der Gouverneur dann lediglich von der Zustimmung des Generalgouverneurs abhängig wäre. Derartige Vollmachten würden normalerweise sechs Monate laufen, könnten aber durch das britische Parlament auf ein Jahr, notfalls sogar auf drei Jahre verlängert werden.
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Im Pundschab ist es am Ostersonntag wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Hindus und Mohammedanern gekommen. Die Polizei wurde beim Eingreifen mit Steinen beworfen, worauf sie das Feuer eröffnete. Acht Menschen wurden getötet und mehr als 20 verletzt.
Gandhis Kritik.
Gandhi erklärte einem Vertreter des „Daily Herald", die britische Regierung habe der Autonomie ein Ende bereitet. In Indien werde nun nicht mehr eine Regierung der Mehrheit der Bevölkerung amtieren, sondern eine Regierung des Schwertes. Gandhi bemängelte es, daß die britische Regierung die Forderung der Kongreßpartei, die Gouverneure sollten von ihren Sonderrechten leihen Gebrauch machen, nicht angenommen habe, es scheine ihm, als habe die britische Regierung wieder einmal offen eine Zusicherung gebrochen, die sie feierlich gegeben habe.
Kleiner Aktionär, was nun?
V. A. Zum 1. April, also zum neuen Viertel' Jahresbeginn, werden wieder erhebliche Zinsbe« träge fällig, die ja für den Gläubiger Einnahmen bedeuten und, sofern sie nicht direkt dem Verbrauch zugeführt werden, irgendwie Anlage suchen. Die Beträge gehen in die Hunderte von Millionen, und auch der kleinere und mittlere Sparer ist hieran mit einem erheblichen Anteil beteiligt. Die Frage, was man mit dem zugewachsenen Vermögen macht, bewegt also um die Quartalswende viele Volksgenossen. Für viele ist die Anlage ersparten Geldes überhaupt kein Problem. Sie sind von früher Jugend an eine bestimmte Form der Anlagemöglichkeit gewöhnt, haben ihre Erfahrungen mit dieser Anlageform gemacht und bleiben auch dabei. Für den kleinen Sparer ist das meistens die S p a r k a s s e, sei es, daß er ein Sparkonto bei der Städtischen ober Kreissparkasse besitzt ober, was ja ebenfalls möglich ist, bei einer Bank. Es gibt aber eine ganze Reihe von Sparern, deren Sparkraft etwas größer ist als beim Durchschnitt der unteren Einkommensstufen, und in deren Hand sich mehrmals im Jahre ein Betrag ansammelt, der es ihnen ermöglicht, ein Wertpapier in kleiner Stückelung zu erwerben, und die deshalb gern mal „einsteigen", d. h. wenn die „Konjunktur" ihnen günstig erscheint, eine Aktie erwerben. Der „kleine Aktionär"! Ein Sparertyp, den der volkswirtschaftliche Jammer unserer Nachkriegsjahre züchtete, und der unseren Aktiengesellschaften in den Jahren der großen Kapitalnot auch sicherlich große Dienste geleistet hat.
Aber, kleiner Aktionär, was nun, was heute? Die Zeit deines Einsatzes auf dem Aktiengebiet scheint vorbei zu sein, ja sie soll sogar vorbei sein! Du sollst dich wieder Aufgaben widmen, die deiner Sparkraft angemessen sind und deinem kleineren Vermögen die angemessene Risikofreiheit verbürgen. Die Umlenkung des kleinen und mittleren Sparkapitals in diese letzteren Anlagen, das find also in der Hauptsache die festverzinslichen Wertpapiere des Ren- tenmarktes und die Sparkassenkonten, ift vom Staat feit Jahr.en ganz systematisch in Angriff genommen worden und hat Ende Januar 1937 mit dem neuen Aktiengesetz einen gewissen Abschluß gefunden. Die Entwicklung^ begann mit dem Erlaß des Anleihestockgesetzes und des foge- nannten Umwandlungsgesetzes, beide im Jahre 1934. Das A n l ei h e ft o ck g e f e tz sollte, wie es von anderer Seite einmal ausgedrückt wurde, als „Diöibenbenbremfe" wirken und hat auch so gewirkt. Es sollte verhindern, daß der aus den großen Arbeitsbeschaffungsaktionen des Reiches zu erwartende Gewinn bei den Aktiengesellschaften nicht in unverdientem Maße den Aktionären zufloß.
, Zusammen mit den Zinssenkungsaktionen wirkte sich das Gesetz weiterhin dahin aus, daß nicht nur das Kursnioeau der Aktien den gewünschten Stand nicht überschritt, sondern daß andererseits auch der Rentenmarkt einen starken Austrieb erfuhr und die fe st verzinslichen Werte fast bis an den Par ist and, d. h. fast bis auf 100 stiegen. 1932 standen die festverzinslichen 4,5prozentigen Wertpapiere durchschnittlich bei 66,8 v. H., d. h. Nennwerte von 100 Mark waren für durchschnittlich 66,80 Mark zu kaufen. Ende 1933 hatte sich das Kursnioeau auf 82,4 gehoben, 1934 auf 90,3, 1935 auf 95,3 und 1936 auf rund 96. Im Februar 1937 überstiegen einige 4,5prozentige Pfandbriefe sogar den Paristand von 106.
Das Anleihestockgesetz hat also durchaus feine Schuldigkeit getan. Es läuft in Kürze ab. Ob es von der Reichsregierung verlängert werden wird, steht noch nicht fest. Es fragt sich, ob es noch nötig ist, denn in den verflossenen Jahren, insbesondere im Jahre 1936, hat der nationalsozialistische Staat sich eine so scharfe Kontrolle auf dem Preisgebiet geschaffen, daß er auch auf diesem Wege verhindern kann, daß die Bäume in den Himmel wachsen. Wir erinnern hier nur an die Möglichkeiten, die Kartellpreise scharf zu kontrollieren und in angemessenem Rahmen zu halten, wir erinnern ferner an die großen Vollmachten, die der Preiskommissar für das gesamte Gebiet der Preisregelung hat. Diese preisregulierende Tätigkeit wirkt sich auf das Niveau der Aktienkurse genau fo erfreulich aus, wie die »dividendenregulierende Tätigkeit des Anleihestockgesetzes, das ja jede einen bestimmten Prozentsatz (6 v. H.) überschreitende Dividende in einen vom Staat auf dem Anleihewege in Anspruch genommenen, von der Reichsbank verwalteten Anleihestock fließen ließ. Die Tatsache, daß in den verflossenen drei Jahren von
morsche Abraum des Winters verbrannte. Ueber das Moor hin zog das Rauchgewölk in das Himmelsgewölk, das mit tief sackenden Hauben die Bergköpfe abschnitt — wo ihre Silberstirnen frei blieben, gleißten sie in einer Bestrahlung, die von oben abgeblendet war und ganz von unten zu kommen schien.
Auf halbem Hange drunten graften Rehe, und aus dem tieferen Walde läutete der erste Kuckuck. Ein unheimliches Zwielicht brütete über allem Lande — es brütete Schnee: Schnee sollte die gelben Blumenwiesen verschütten, die letzten herausragenden Blütenspitzen würden wie Spritzer von Eidottern auf der weißen Decke liegen, die Himmels- schlüsfel rosten und vergehen. Nur die Stiefmütterchen hier oben würden standhalten und wiederkommen. Vor der blau drohenden Unendlichkeit der Urlandschaft blickte mich hiese Ahnin der großen samtenen Gartensorten aus blauen und violetten, gelben und weißen Gesichtchen an, mit Augen im zarten Wimpernspiel, Gartendust schwebte wie über süßen Beeten über der oben Brache.
Was „Doktor Eisenbart" geleistet hat.
Wir sind gewöhnt, in Doktor Eisenbart nur den Mann der gewalttätigen Kuren und der übelsten Marktschreierei zu sehen. Daß aber der Mann, der einen so schlechten Ruf hinterlassen hat, in Wirklichkeit ein guter Chirurg gewesen ist, der in der Heilkunst feiner Zeit sicher mehr geleistet hat als der große Durchschnitt der damaligen Wundärzte, hebt Professor Wilhelm Haberling in einem Aussatz über ihn in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift hervor. Der geschichtliche Doktor Eisenbart ist nach einem an Erfolgen reichen Wanderleben in Hannöversch-Münden gestorben, und ein zierliches Standbild eines Mannes, der eine mächtige Klistierspritze in den Händen hält, erinnert dort noch an ihn. Er war 1661 in dem kleinen bayerischen Städtchen Viechtach geboren, und er batte seine Kunst bei einem „Okulisten" in Bamberg gelernt, war 1685 selbständig und wanderte bald daraus nach dem Norden von Deutschland Seme großen Erfolge in den nächsten Jahrzehnten beweisen seine zahlreichen Diplome und Ehrungen seitens einer ganzen Anzahl von Fürsten und
Städten. Schon 1686 wird ihm in Altenburg bescheinigt, daß er in seiner Kunst der Augenkuren, des Stein- und Bruchschneidens zur Genüge erfahren fei und etliche 30 Personen geheilt habe. 1705 spricht er von seiner Tätigkeit in Frankfurt a. M. und rsihmt seine neue Methode, alle Brüche zu kurieren; nach dieser habe er viele hundert geschnitten, auch große Erfolge bei „fressendem Krebs", Gewächs und Hasenscharte gehabt. Nun betont er seine Erfolge bei Operationen des Blasensteins, von dem er zwei Soldaten befreit haben will, deren Stein so groß wie ein Hühnerei gewesen fein soll. In einer Uedersicht über sein Tun, die er 1716 in der „Stettiner Ordinairen Postzeitung" gibt, teilt er mit, daß er in 30jähriger Praxis über 2000 geschnitten habe. Er setzte auch künstliche Zähne ein, beschäftigte sich jedoch nie mit dem Zahnziehen. War Eisenbart also ein tüchtiger Chirurg, so hat er doch seinen Ruf schwer dadurch geschädigt, daß er in immer größerem Maße Tränke, Haupt- und Augenspiritus für Haupt und Augen, schwaches Gedächtnis und Schlagflüsse verkaufte, überhaupt jedes Leiden heilen zu können behauptete. Diese kurpfuscherischen Betätigungen haben den großen Wundarzt immer mehr in Verruf gebracht.
Zeitschriften.
— Die Märznummer der „Berliner Monatsheft e", Zeitschrift für neueste Geschichte (Berlin W 15, Quaderoerlag August Bach, Einzelheft 1 RM.) ist als Sondernummer unter dem Titel „Das Ende der Kriegsschuldlüge" erschienen. Die feierliche Zurückziehung der deutschen Unterschrift unter das Schuldbekenntnis von Versailles durch den Führer und Reichskanzler in der Reichstagsrede vom 30. Januar hat den Kampf gegen die Versailler Kriegsschuldthese beendet. Die „Berliner Monatshefte" bringen Arbeiten hervorraaender Träger dieses Kampfes. Von besonderer Bedeutung sind unter diesen Beiträgen die einführende Arbeit „Das Ringen der deutschen Friedensdelegation in Versailles gegen die Schuldthese", die manches bisher unbekannte dokumentarische Material aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen 2^m'?•» erbringt, der Er- inneruncjsauffaö des langjährigen Leiters des Kriegsschuldreferates des Auswärtigen» Amtes, Ge
sandter Dr. Friedrich Stieve, und der Bericht des Legationssekretärs Dr. Werner Frauendienst über die Tätigkeit dieses Referates.
— Ein Problem, das für den Ernstfall von großer Wichtigkeit fein wird, behandelt das neue Heft der „Sirene": von entscheidender Bedeu- hing ist der „Luftschutz auf dem Lande". Ein Aufsatz behandelt den Kampf gegen das Feuer und den Schutz vor der Wirkung von Brandbomben. '„Die Sirene" bringt ferner von berufener Seite einen aufschlußreichen Aussatz „Für und wider die Gasmaske". „Löwenstadt" ist die Uebersetzung für Singapore, einen der wichtigsten Stützpunkte Eng- lands im Fernen Osten. Die letzten britischen Manöver gipfelten in einem Angriff auf dieses Bollwerk. Die Darstellung der Kampfhandlung ist be- sonders aufschlußreich, weil in ihr die zwingende Notwendigkeit gemeinsam geleiteter Unternehmungen der Land-, Lust- und Seestreitkräfte klar in Erscheinung tritt.
— er Vergsteige r" (Verlag F. Bruck- mann AG., München), März 1937. Wenn wir in biefem Heft die Bildtafeln der Himalaja-Berge betrachten, wird unser Sinnen jenen Männern gelten, die auf dieser Fahrt ihr Leben für den Gipsel- s'eg eingesetzt haben. Der kürzlich tödlich verunglückte Alpenvereinskartograph Hans Biersack hat einen letzten Beitrag über die Anwendung der Stereophotogrammetrie bei den Alpenvereinskarten beigefteuert. Eine Osterfahrt ins Berner Oberland mit vielen Bildern, Skifahrten im Lechtal und eine Erinnerung an den 125. Geburtstag des Tiroler Dichters Ludwig Steub sind Ausschnitte aus dem reichhaltigen Heft.
— Die Aprilnummern der Langenfcheidt-Sprach- Zeitschriften Langenscheidt’s English Monthly Magazine und Le Journal fran<?ais Langenscheidt sind reich bebildert und bringen interessante und belehrende Berichte, spannende und luftige Erzählungen, Plaudereien und Abenteurergeschichten. Scherze, Anekdoten und eine Witzecke beleben den Inhalt, während Geschäftsbrief und Kreuzworträtsel der Praxis dienen. Erleichtert wird das Verständnis der fremden Texte durch Uebersetzung aller weniger bekannten Wärter und Ausdrücke.


