Nr. 278 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Montag, 29. November 1957
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Fortschritte der Verständigung.
Botschafter Francois-Poncet auf der Jahresversammlung der Deutsch- Französischen Gesellschaft in den Hansestädten.
Kührer-Auslese.
Die Grundsätze, die Reichsorganisationsleiter Dr. Ley jetzt auf der Ordensburg Sonthofen über die Führer-Auslese unter der nationalsozialistischen 3w gend und über ihre Schulung entwickelt hat, sind genau betrachtet, die praktischen Ausführungsbestimmungen für das, was Adolf Hitler grundlegend in seinem Werk „M ein Kampf" über die Notwendigkeiten der Erziehung ausgeführt hat. Es heißt da: „Vor allem muß in der bisherigen Erziehung ein Ausgleich zwischen geistigem Unterricht und körperlicher Ertüchtigung eintreten... Man hat bei unserer Erziehung vollkommen vergessen, daß auf die Dauer ein g e = funder ©eift auch nur in einem gesunden Körper zu wohnen vermag. Besonders wenn man, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, die große Masse eines Volkes ins Auge faßt, erhält dieser Satz eine unbedingte Gültigkeit"
In der Tat, diejenigen jungen Deutschen, die das Glück haben werden, alle Etappen des Schulungsweges mit dem Ziel der Führerauslese zu durchlaufen', werden eine Ausbildung auf den Adolf-Hitler- Schulen, den Ordensburgen und zum Teil sogar auf der „Hohen Schule" am Chiemsee erhalten, die in vollendeter Form die denkbar beste Vereinigung zwischen geistiger und körperlicher Schulung enthält. Die Schüler werden der „großen Masse des Volkes" entnommen, denn die insgesamt 4000 Jungen im Alter von 12 Jahren werden ja aus allen deutschen Gauen auf dem Weg über die Ortsgrup- penleiter, Kreisleiter und Gauleiter nach gewissenhafter Prüfung und unter Zugrundelegung hochgespannter Voraussetzungen ausgewählt; schon allein die gesundheitlichen Bedingungen sind naturgemäß so streng, wie es sich von selbst versteht gegenüber Zöglingen, von denen ein Teil vielleicht einmal das Schicksal der Nation zu formen bestimmt ist.
Sechs Jahre lang bleiben die Zöglinge auf den Adols-Hitler-Schulen — dann haben sie sich, schon bisher nach menschlichem Ermessen körperlich, geistig und weltanschaulich aufs beste vorbereitet, im Leben sieben Jahre lang zu bewähren, d. h. sie haben Arbeitsdienst, Wehrdienst und abgeschlossene berufliche Ausbildung sowie Berufspraxis hinter sich zu bringen und auf allen vier Gebieten ihr Können nachzuweisen. Schon aus diesen Bestimmungen geht klar hervor, daß der Führernachwuchs im neuen Deutschland nicht etwa zu stubenhockenden Theoretikern verbildet wird, sondern daß er sich vielmehr wie jeder andere Volksgenosse auch den rauhen Wind um die Nase wehen lassen und im Leben seinen Mann st eh en soll. Wenn dann von den 4000 jungen Leuten sieben Jahre nach ihrer Entlassung aus den Adolf-Hitler- Schulen unter erneuter schärfster Prüfung 1000, also nur ein Viertel, ausgewählt werden, dann beziehen diese 1000 nacheinander d i e Ordensburgen Crössinsee, Vogelsang und Sonthofen. Die Anforderungen an die nunmehrigen Junker steigern sich von Burg zu Burg bis zu dem anderthalbjährigen Aufenthalt auf Sonthofen. Aber auch dort ist die Schulung des Führernachwuchses noch nicht zu Ende. Vielmehr werden sie zu einem abschließenden Kursus auf jener Ordensburg zu- fammengefaßt, deren Bau im nächsten Jahr auf dem freien Gelände an der Nogat in Marienburg beginnt. Zwischendurch wird dafür gesorgt, daß die Junker während der Jahre auf den Ordensburgen nicht den Zusammenhang mit der täglichen Frontarbeit in der Partei verlieren. Genau wie das Heer feine Generalstäbler abschnittweise wieder zum vorübergehenden Frontdienst abkommandiert, so müssen die Junker der Ordensburgen dreimal im Jahre vier Wochen lang Dienst i n den Gauen tun. Man schlägt dabei zwei Fliegen mit einer Klappe; denn gleichzeitig werden die, politischen Leiter nach den Ordensburgen eingezogen und neu durchgeschult. Man hat ausgerechnet, daß bei insgesamt etwa 40 000 politischen Leitern auf diese Weise jeder alle drei Jahre einen Kursus auf einer Ordensburg mitmachen kann.
Examina oder dergleichen gibt es auf den Ordensburgen nicht; es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder man bewährt sich und zeigt sich allen Anforderungen gewachsen oder man bewährt sich nicht und scheidet dann kurzerhand aus. Die Junker aber, die die Ordensburgen mit Erfolg absolvieren, stellen dann tatsächlich das B e st e an Führer-Auslese innerhalb der Nation dar. Aber selbst diese Auslese genügt den Ansprüchen des nationalsozialistischen Staates noch nicht hinsichtlich der verantwortungsvollsten und höchsten Erziehungsposten. Darum arbeiten die Reichsleiter Dr. Ley und Rosenberg an dem Plan, die schon erwähnte „Hohe Schule" am Chiem-See zu schaffen, wo die bewährtesten und besten Junker für die höchsten Posten des Erziehungswesens und der Wissenschaft herange- schult werden sollen.
Wir hatten schon betont, daß entscheidender Wert auf die Aufrechterhaltung der Verbindung mit dem praktischen Leben bei der Schulung der Führerauslese gelegt wird, sei es durch die Betätigung im Arbeitsdienst, Wehrdienst und Beruf, fei es durch die jährlich dreimalige Arbeit der Junker in den Gauen. Dieses Bestreben wird aufs glücklichste ergänzt dadurch, daß man den Junker auch während der eigentlichen Ausbildungszeit auf den Ordensburgen ständig in Berührung mit allen Schichten des Volkes bringt. Darin liegt der große erzieherische und volksbildnerische Wert, den die neben den Ordensburgen zu errichtenden KdF. - Hotels einmal haben werden. Eine überaus nützliche Wechselwirkung wird darin liegen, daß die Junker ständig den direkten Zusammenhang mit ihrem Volke behalten und andererseits immer größere Volksmassen die Ausbildung ihrer zukünftigen Führer aus eigener Anschauung kennen lernen. Auch hierdurch werden die Worte Dr. Leys in der
Hamburg, 28. Nov. (DNB.) Auf der Jahres- veranstaltuna der Deutsch-Französischen Gesellschaft in den Hansestädten, die in Hamburg unter Beteiligung zahlreicher französischer Gäste und der Mitglieder und Freunde der Gesellschaft vor sich ging, bezeichnete Botschafter Francois Poncet die Deutsch-Französische Gesellschaft als eine Vereinigung friedlicher Gärtner, die d em Boden vorder eiten, in dem die Politik tiefe und starke Wurzeln schlagen könne. Der deutsch-französische Austausch habe die Besonderheit, daß er sich auf der Grundlage einer vollkommenen Gleichwertigkeit abwickeln könne. Denn keine der beiden Parteien gebe dabei meht> als sie erhalte. Von Natur aus ergänzten Deutsche und Franzosen einander. Ein Franzose könne nicht die Geschichte seines Vaterlandes verstehen, wenn er nicht in der Lage fei, wenigstens die Spuren deutschen Einflusses im 19. Jahrhundert zu erkennen, und umgekehrt könne ein Deutscher die Entwicklung seines Landes nicht vollkommen begreifen, wenn er nicht mit dem 17. und 18. Jahrhundert in Frankreich vertraut fei. Aber es feien stärkere Ueberlegungen, die nicht [o sehr das geistige Leben, als vielmehr die Sorgen der praktischen Gegenwart angingen, die uns drängten, die Verständigung zwischen beiden Völkern zu verwirklichen. Es fei in der Tat klar, daß diese Verständigung eine der Bedingungen des Friedens sei. Der Botschafter betonte, daß im
Paris, 27. Nov. (DNB.) Die deutsche bildende K u n st, die auf der Weltausstellung Paris 1937 zum ersten Male seit der nationalsozialistischen Machtergreifung repräsentativ vor einem Weltforum im Auslande, in Erscheinung trat, konnte einen besonders eindrucksvollen Erfolg für Deutschland erringen. Das Preisgericht der Weltausstellung hat 1 5 m a I feine höchste Auszeichnung, den Grand Prix für deutsche Kunstwerke verliehen. Außerdem zehn Ehrendiplome, 19 Goldmedaillen und 18 Silbermedaillen.
Einen Grand Prix erhielt der Erbauer des Deutschen Pavillons selbst, Architekt Professor Speer, ferner Professor Thorak für seine beiden wuchtigen Plastiken, die den Eingang des Pavillons flankieren. Von den im Innern des Pavillons aufgestellten Kunstwerken erhielten den Grand Prix der Architekt Professor Klotz für fein großes Modell des KdF.-Bades auf Rügen, der Architekt Prof. G i e ß l e r für sein Modell des neuen Adolf-Hitler- Platzes in Weimar und Professor Adolf Ziegler (München), der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste, für den Wandteppich nach feinem im Hause der Deutschen Kunst in München ausgestellten Monumentalgemälde „Die vier Elemente". In einen Grand Prix erhielten ferner die Bildhauer Prof. Schmidt-Ehmen, Prof. Joseph Wak ° k e r l e und Prof. Georg Kolbe, die Maler Adolf Bühler (Landschaft bei Burg Sponeck), Bernhardt Dörriß, Jacobsen und Professor Adolf Ziegler (Frauenkopf). Für graphische Arbeiten die Künstler Wilhelm Heise, Josef Weiß und H e n g st e n b e r g.
Die Preisverleihungen eines internationalen Preisgerichtes an bildende Künstler unserer Zeit, die im Sinne nationalsozialistischer Kunstforderungen schaffen, straft jene Hetzer und internationalen Brunnenvergifter Lügen, die mit dreister Stirne behaupteten, daß die deutsche Kunst nach der Emigration und der Säuberung der Kulturstände von bestimmten Elementen am Ende wäre. Der große Erfolg der deutschen Baukunst und Plastik, Malerei und Graphik in Paris bekräftigt den Hinweis, wel-
Praxis bestätigt, wenn er davon spricht, daß zwar ein „O r d e n d e r B e w e g u n g" durch jene Führerauslese und Führerschulung geschaffen wird, das aber beides „inmitten der Volksgemeinschaft" erfolgt. So werden Führer-Auslese und Führer-Schulung den inneren Sinn aller dieser Maßnahmen erfüllen, der darin besteht, daß für die Führung der deutschen Volksgemeinschaft das Beste, was die Nation überhaupt an Menschen- material aufzuweisen hat, gerade gut genug ist, getreu dem Vorbild, das die führenden Männer des nationalsozialistischen Staates selbst täglich geben.
B.R.
Attentat auf den ägyptischen Ministerpräsidenten.
Kairo, 28. Nov. (DNB.) Aus Ministerpräsident Nahas Pascha wurde ein Revvlverattentat verübt. Auf den Wagen, der ihn in seine Wohnung in Heliopolis bringen sollte, wurden mehrere Revolver- schüsse abgegeben. Eine Kugel durchschlug die Scheibe, ohne jedoch den Ministerpräsidenten zu verletzen. Der Täter konnte sofort verhaftet werden. Er hatte noch zwei geladene Pistolen in der Tasche. Er soll ein untergeordneter Regierungsbeamter sein. Nahas Pascha zeigte größte Kaltblütigkeit. Er begab sich sofort zu einer Kundgebung der Wafdisten. Als er sich dort für fein spätes Er-
Jahre 1937 gute Fortschritte zu verzeichnen seien. Außer vielen französischen Besuchen in Deutschland hätten fast 100 000 Deutsche die Weitaus- st e l l u n g in Paris besucht. Die deutsche Kultur- w o ch e in Paris habe einen großen Erfolg gebracht. Führenden deutschen Persönlichkeiten sei auch durch die französische Bevölkerung ein herzlicher Empfang bereitet worden. Der Führer und Reichskanzler habe eine Gruppe junger Franzosen auf dem Obersalzberg empfangen, und der Präsident der französischen Republik habe im Schloß Rambouillet eine Gruppe junger Deutscher begrüßt. Der Redner wies weiter auf die Zusammenkünfte ehemaliger Frontkämpfer beider Länder in Freiburg im Breisgau und in Besan^on und auf die Einweihung des Goethe-Hauses in Paris hin. „Wenn wir", so erklärte der Botschafter unter lebhafter Zustimmung, „feftftetten können, daß sich dies alles in diesem e i n e n Ja h r abwickelte, während vorhernichts dergleichen da war, so können wir daraus in der Gewißheit aufdemrichtigen W e g zu fein, den notwendigen Optimismus schöpfen, der uns er-, laubt, weiter vorwärts zu schreiten." Die erzielten Ergebnisse seien der gemeinsamen Aktion einer Reihe von weitsichtigen und mutigen Männern, vor allem den ehemaligen Frontkämpfern, zu danken.
chen Präsident Prof. Ziegler am Schluß seines Geleitwortes im Deutschen Katalog gab, daß diese Kunstwerke Zeugen dafür sind, „daß die deutsche Kunst noch immer in Deutschland selbst beheimatet ist, hier gesehen und hier verstanden werden will. Auch ein starkes und freies Deutschland ist und bleibt das Reich der Künste."
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Unser Bild zeigt die Uebergabe der Preise durch den Präsidenten der Französischen Republik L e - brun (links) an den Kommissar des Deutschen Pavillons, R u p p e l. — (Presse-Bild-Zentrale-M.)
scheinen entschuldigte, kam es zu st ü r m i s ch e n Sympathiekundgebungen, worauf die Versammlung abgebrochen wurde. In Kairo ist es zu großen Demonstrationen gekommen. Eine große Volksmenge, die die Opposition für das Attentat verantwortlich machte, belagerte die Häuser der Oppositionsführer und der Oppositionspresse sowie das Gebäude der Tageszeitung „Elahram", deren Haltung während der letzten innerpolitischen Spannungen zweifelhaft war. Es kam zu Ausschreitungen, wobei vor allem Fensterscheiben zertrümmert wurden.
Oie Verwaltung
der chinesischen Seezölle.
T o k i o , 29. Nov. (Ostasiendienst des DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des japanischen Auswärtigen Amtes erklärte auf Befragen von englischer und amerikanischer Seite, daß Japan nicht beabsichtige, an dem bestehenden Verwaltungssystem der chinesischen Seezölle etwas zu ändern, ebenso die Rechte dritter Mächte an den Einnahmen der Seezölle nicht beeinträchtigen werde. Allerdings werde Japan nach der Einnahme Schanghais verhindern, daß die Nanking-Regierung mit Hilfe der Einnahmen aus den Seezöllen ausländische Munitionslieferungen bezahle.
Das Araberproblem in Marokko.
Von unterem LZ.H.-Sonderdenchierstaiier.
Nachdruck verboten!
Rabat, im November 1937.
Das Scherifenreich Marokko zerfällt in zwei Protektorate, und zwar in ein spanisches und in ein französisches. Während das spanische Protektorat nur klein ist, etwa 600 000 Einwohner zählt und im Norden des Landes liegt, beherrscht Frankreich weitaus den größten Teil Marokkos mit fast 6V2 Millionen Einwohnern. Hauptstadt der spanischen Zone ist T e t u a n, Hafenstädte von einiger Bedeutung sind Melilla und Ceuta am Mittelländischen Meer und L a - rache am Atlantischen Ozean. Im nordwestlichen Zipfel der spanischen Zone liegt Tanger, eine internationale Zone, verwaltet von England, Frankreich, Spanien und Italien, vor dem Weltkriege auch von Deutschland. Sitz des Sultans von Marokko und zugleich Resident des französischen Generalresidenten ist Rabat, eine unwichtige Hafenstadt etwa 100 Kilometer nördlich des bedeutendsten marokkanischen Hafens Casablanca.
Bis zum Weltkriege waren große Teile Marokkos noch nicht unter die Botmäßigkeit Frankreichs gebracht. Zwar beanspruchten die Franzosen die Herrschaft über das ganze Land, abgesehen von der spanischen Zone und von Tanger. Auch hatten sie den Sultan in ihrer Gewalt und zwangen diesen, seinen Sitz aus seiner ehemaligen Residenz Fez nach Rabat zu verlegen, da sie ihn dort besser unter ihrer Aufsicht hatten. Aber die R i f k a b y l e n sowie die Beduinenstämme in der großen marokkanischen Hochebene und im Atlasgebirge sowie südlich davon bis zur Wüste Sahara fühlten und waren absolut unabhängig und dachten nicht daran, die französische Herrschaft anzuerkennen. Erst Mitte der 20er Jahre unterlagen die Rifstämme nach einem heroischen Kampf ihres Führers' Abd eI Krim den vereinten Anstrengungen der Spanier und der Franzosen, aber es bedurfte 1929 noch einer Zusammenziehung von fast 60 000 Mann, um die letzten marokkanischen Stämme im Atlas und südlich davon ganz unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Seit dieser Zeit kann die französische Herrschaft in Marokko als gesichert gelten.
Die Franzosen haben in Marokko eine sehr kluge Kolonialpolitik getrieben. Sie ließen den Marokkanern in weitgehendem Maße Einfluß auf die Verwaltung des Landes und begnügten sich mit der Ueberwachung und der Beratung. So untersteht die Zollverwaltung, Post und Telegraphie, das Geldwesen und die Verwaltung der Städte den Marokkanern. Für die wirtschaftliche Erschließung des Landes wurden von Frankreich große Summen zur Verfügung gestellt. Das Land blühte sichtlich auf. Der französische Marschall L y a u t e y, der lange Jahre Generalresident von Marokko war, verstand es, das Vertrauen der Marokkaner zu gewinnen. Wie sehr chm die Geschicke des Landes am Herzen lagen, kann man daraus erkennen, daß er in seinem Testament bestimmte, in Marokko seine letzte Ruhestätte zu finden. Seine sterblichen Ueberrefte wurden im Jahre 1935 in einem Mausoleum bei Rabat unter großen Zeremonien zur letzten Ruhestätte beigesetzt unter großer Teilnahme der Bevölkerung und der amtlichen marokkanischen Stellen.
^Das große Ansehen, welches Marschall Lyautey für Frankreich in kluger und zielbewußter Arbeit erworben hatte, ist aber inzwischen fast gänzlich wieder verschwunden, nicht ohne Schuld der Franzosen, die es nicht verstanden, das Vertrauen, was einst die französische Verwaltung unter Lyautey bei der arabischen Bevölkerung genoß, zu erhalten. Die Gründe dafür sind wirtschaftlicher und politischer Natur.
Als Marschall Lyauteiy Generalresident von Marokko war- entwickelte sich die Wirtschaft des Landes dank kluger Maßnahmen seitens der französischen Verwaltung in von Jahr zu Jahr auf- steigender Linie. Die Häfen wurden unter großem Kostenaufwand ausgebaut. Casablanca wurde bald ein Hafenplatz erster Ordnung. Es wurden ausgezeichnete Straßen gebaut, eine Eisenbahnlinie durchquerte das ganze Land. Die Bodenschätze wurden gehoben, die Landwirtschaft entwickelte sich zu einer ungeahnten Blüte, ihre Produkte fanden in immer steigendem Umfange günstigen Absatz in Frankreich. Bis zum Jahre 1932 konnten die marokkanischen Produkte zu guten Preisen hauptsächlich in Frankreich abgesetzt werden. Als Frankreich aber dann auch von der Weltwirtschaftskrise in stärkere Mitleidenschaft gezogen wurde, wirkte sich dies bald auch auf Marokko aus. Die Preise fielen rapide, große Mengen der Landesprodukte konnten nicht mehr oder nur zu ungünstigen Preisen abgesetzt werden. Da auch in Marokko derHandel zum größten Teil in jüdi- schenHänden liegt und die Juden den arabischen Bauer weitgehend in finanzielle Abhängiakeit brachten, so geriet die arabische Bevölkerung Marokkos bald in eine schwierige Lage. Bisher nie gekannte Arbeitslosigkeit zeigte sich überall. Die Unzufriedenheit wuchs, zumal von der französischen Verwaltung nichts getan wurde, um die Schwierigkeiten der Bevölkerung zu lindern.
Es kam nun weiter hinzu, daß kommunistische Hetzer die Unzufriedenheit immer mehr steigerten. Als dann in Frankreich d i e Regierung Blum ans Ruder kam und dort mit den Kommunisten gemeinsame Sache machte, war der kommunistischen Hetze auch in Marokko keine Grenze mehr gezogen. Der sehr tüchtige und fähige, aber den Marxisten nicht genehme Generalresident P e y-
15 höchste Auszeichnungen.
Eindrucksvoller Erfolg deutscher Künstler auf der pariser Weltausstellung.


