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ttr.122 Drittes Blatt
Wiener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag. 20. Mi 1957
Gießen grüßt seine alten und jungen 116er.
Oberst Schimmelfennig f, Kommandeur des einstigen Jns.-Regts. 116 bei Kriegsausbruch.
Unfern llöern.
Die alte Garnisonstadt Gießen grüßt erneut ihre 116er! Zum erstenmal in dem wiedererstandenen freien und starken Vaterland wehen zugleich den alten und den aktiven 116ern zu Ehren die deutschen Freiheitssahnen. Wir gedenken in diesen Stunden vor allem in treuer Verbundenheit des Mannes, dem wir auch die jetzigen begeisternden Stunden deutschen Soldatentums zu verdanken haben, unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Sein Frontkämpfergeist erfüllt die Herzen der alten und der jungen Soldaten, seine unbegrenzte Einsatzbereitschaft für unser Volk und Vaterland sind in der willensmäßigen und seelischen Ausrichtung der Männer lebendig, die in Ehren darauf Hinweisen können, daß sie die Uniform des deutschen Soldaten getragen haben, oder dieser Auszeichnung gegenwärtig teilhaftig werden. Dieser soldatische Gehalt des Lebens ist die Verbindungslinie von den im Weltkrieg bewährten Kämpfern zu den heutigen Waffenträgern der Nation, den Söhnen oder Enkeln der einstigen Frontkämpfer
Mit Stolz hat die Garnisonstadt Gießen einst wie heute das Infanterie-Regiment 116 als i h r Regiment angesehen. Ebenso eng verbunden mit der Garnisonstadt Gießen fühlten sich damals wie in der Gegenwart alle Männer dieses Regiments. Zivil und Militär in Gießen waren eben immer gewissermaßen eine einzige große Familie. Eindrucksvoll bekundete sich diese Gemeinschaft in jenen schweren Tagen des August 1914 beim Ausmarsch unseres Regiments 116 ins Feld, unvergeßlich aber auch im Oktober 1936, als das durch die große Tat unseres Führers wiedererstandene Infanterie-Regiment 116 die alte Garnisonstadt Gießen als Standort bezog. Während vier schwerer Kriegsjahre hielt unsere Stadt ihren vor dem Feinde stehenden 116ern die Treue. Bei ihrer Heimkehr aus dem Feld, die leider ganz anders aussah, als wir alle einst
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Generalmajor a.D. Mohr. Vorsitzender der Offiziersoereinigung des ehem. Jnf.-Regts. 116.
erhofft hatten, die aber unsere Soldaten als vonder ganzen Welt unbesiegte, im vollen Glanze deutscher Waffenehre heimkehrende Krieger zeigte, waren uns das Regiment 116 und feine Kriegsformationen m der gleichen Weife herzlich verbunden, wie vorher im Frieden. Und als in den Fahren des furchtbaren deutschen Niedergangs unser Regiment llo nicht mehr bestand, galt unsere Liebe und Verbundenheit zum deutschen Soldatentum der damaligen einzigen Gießener Garnison, dem l. Bataillon Fn- fanterie-Regiments 15, dessen 2. Kompanie die Tradition des einstigen Jnf.-Regts. 116 ^führte Erhebend und herrlich war es dann für alle Gießener, als durch die Machtübernahme Adolf Hitlers das neue Infanterie-Regiment 116 glanzvoll wieder in die Mitte unserer Gießener Gemeinschaft trat.
Im Besitze stolzer Erinnerungen an ihre Solda- datenzeit, insbesondere an d.e schwere Zeit.der Kriegsjahre, aber auch reich an schonen> Alebmssen guter Soldatenkameradschaft und deutscher Man- nestreue, kommen heute und morgen die alten llder mit ihren jungen Kameraden des aktiven Regimen^ in Gießen zusammen. Beide suhlen sich 9 Kunden durch die Gemeinschaft ihres Neimen , als pflichtgetreue Soldaten wissen sie ich aber auch erfüllt und getragen von der Liebe aller Deutschen für ihre Wehrmacht. Ein derartiges Kameraden- treffen haftet nicht an der Oberfläche des Tages, sondern es ist erfüllt von der hohen Aufg ,
große ideelle Werte durch neuen gleichartigen Ge- romn zu erweitern und immer tiefer in di" Herzen aer engeren Regimentskameradschaft hineinzupflan- 3en, darüber hinaus auch bei allen übrigen Volksgenossen um die Erhaltung und Vertiefung der Sympathien für das Regiment zu werben. Wie alles in einer guten Soldatenkameradschaft fest be= grunbet ist auf den erhabenen Schätzen der Tradition und in den Opfern der einstigen Kameraden, so sehen auch unsere alten und jungen 116er bei iljrem Tressen es als ihre erste Verpflichtung an, im Geiste der großen Tradition des Regiments und in treuer Waffenkameradschoft zuerst der gefallenen Kameraden zu gedenken. Bei dieser Zwiesprache mit den in der heiligen Erde der Schlachtfelder ruhenden Kameraden wollen die Lebenden immer wieder neue Kraft gewinnen zur Steigerung ihrer eigenen Stärke zum bedingungslosen Einsatz für unsere Volksgemeinschaft, entsprechend dem ehernen Gebot der Soldatentreue. Die alten und die jungen Soldaten unseres Regiments wollen sich bei diesem Treffen mit Recht aber auch der Pflege und Vertiefung der kameradschaftlichen Verbundenheit als Träger der gleichen Regimentsnummer widmen, darüber hinaus wollen sie den Angehörigen der anderen Waffengattungen, wie einst auf den Schlachtfeldern, oder wie heute in der friedlichen Arbeit des Garnisondienstes, kameradschaftlich die Hand drücken. Und schließlich ist es eine der bedeutsamsten Aufgaben einer solchen Begegnung, daß die alten Soldaten immer wieder mit der Arbeit ihrer jungen Kameraden bei der militärischen Ausbildung bekannt werden, um aus dieser Kenntnis der Dinge
die denkbar stärkste Verbundenheit mit der aktiven Truppe zu gewinnen. Ein vortreffliches Mittel zu diesem Zweck wird bas große Wehrfportfest sein, mit dem unser wiedererstandenes Regiment 116 die Kameraden des alten ruhmreichen Gießener Regiments in den gewaltigen Wandel der Dinge einführen wird, der die heutige Ausbildung himmelweit unterscheidet von der Zeit vor dem Kriege.
Das Wiedersehen mit der einstigen Garnisonstadt Gießen ist vielen alten 116ern ebenso erfreulich, wie die Begegnung mit dem wiedererstandenen Regiment. In dieser Stadt haben sie als junge Soldaten zwei Jahre ihrer Jugendzeit verbracht, hier weilten sie später wiederholt zu militärischen Uebungen, mit dieser Stadt werden sicherlich auch manche verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen verbunden fein, die wohl nicht selten ihren Ursprung in den Jahren der aktiven Dienstzeit haben. Und so lenken sie denn beim Regimentstreffen immer wieder gerne ihre Schritte nach der alten Garnisonstadt. Die Tatsache, daß sie seit dem Oktober 1936 auch wieder ein Regiment 116 hier antreffen, wird ihnen den Besuch in Gießen noch besonders freudig gestalten.
Eingedenk der Verbundenheit zwischen der Garnisonstadt Gießen und ihren 116ern bringt unsere Stadt den alten und den jungen Soldaten der Regimentsnummer 116 herzlichen Gruß dar mit dem Wunsche, daß die Stunden des Kameradentreffens allen Teilnehmern reichen inneren Gewinn und darüber hinaus eine weitere Vertiefung der Gemeinschaft zwischen dem Regiment und der Garnisonstadt bringen möchten. B.
Grußworte
Lange l7 Jahre hat Gießen sein 'Zaus- Regiment 116 vermissen müssen.
Vlun ist es wieder erstanden. Jung, frisch, modern, erfüllt von unbändigem Rampf- geist,wird das Regiment alles daransetzen, im Rrieg und im Frieden es gleich zu tun dem ruhmgekrönten alten Regiment.
Mögen die hier zum Regimentsrreffen versammelten alten II6er gute Rameraden des jungen Regiments werden und möge ihr Fronrkämpfergeist auf die jungen Soldaten ausstrahlen, daß sie werden, wie die Väter waren; Heil 116.
Heil Hitler I
Oßwald
Generalleutnant und Divisions-Nommandeur
Mit der Wiederherstellung der Wehrfrei- heit durch den Führer ist auch das Infanterie-Regiment 116 im vorigen Jahre neu erstanden.
Das junge Regiment freut sich, am 29. und 30. Mai 1937 die Angehörigen des alten, ruhmreichen Infanterie-Regiments „Raiser Wilhelm", 2. Großherzogl. Hess. Vir. 116 und seiner Rriegsformationen in in den Mauern seines Standortes willkommen heißen zu können.
Es ist sich der Ehre und der hohen Verpflichtung bewußt, die es durch die Übernahme der stolzen Tradition des ehemaligen Jnf.-Regts. 116 und seiner Rriesforma- tionen übernommen hat. Der starke Wille und der unbeugsame sieghafte Geist der Rämpfer des Weltkrieges soll auch in dem neuen Inf.-Regt. 116 fortleben.
Heil Hitler!
Herrlein
Vberft und "Regiments-Rommandeur
Das Regiment im russischen Feldzug 1812.
Oberst Herrlein, Kommandeur des wiedererstandenen Jnf.-Regts. 116. Rettung bringen, und sie gelang dank der Ruhe und Standhaftigkeit der Infanterie, die auch Wilna in guter Ordnung erreichte. Hier herrschte jedoch eine derartig heillose Verwirrung, daß es für die Marschkolonne einfach unmöglich war, durch die mit Wagen und Geschützen verfahrenen Straßen geordnet hindurchzukommen, so daß sich jeder hindurchzuwinden versuchte, so gut er konnte. Dadurch erforderte aber der Durchmarsch durch Wilna stärkere Verluste als die ganzen vorausgegangenen Kampfhandlungen und Märsche, zählte doch das Regiment am anderen Morgen nur noch 600 Mann, so daß also über 400 Mann teils in den Nachhutgefechten geblieben, teils beim Einrücken abhanden gekommen waren. In Wilna traf das Regiment auch den Führer der hessischen Brigade Prinz Emil, der tags zuvor mit den Trümmern seines Truppenteils, 31 Offizieren und 24 Unteroffizieren und Soldaten (Ueberrefte des Leibgarde- und des Leibregiments sowie des Chevauleger-Regiments), mit den Fahnen der beiden Infanterie-Regimenter dort eingetroffen war. Mit großer Freude begrüßte der Prinz Offiziere und Mannschaften des leichten Infanterie-Regiments und verfügte sofort den lieber* tritt dieses zum Verband der hessischen Brigade, worüber er mit dem Kommandierenden General Graf Wrede in heftigen Widerspruch geriet, der erklärte, sein bestes und stärkstes Regiment bei der ihm übertragenen Nachhutsicherung nicht entbehren zu können. *n Wilna wurde die hessische Brigade, die eigentlich nur aus dem leichten Infanterie- Regiment bestand, zur kaiserlichen Garde, und zwar als 2. Brigade der 1. Division Raquet, der sogenannten „alten Garde" unter dem Marschall Lefebvre kommandiert.
Am 10. Dezember setzten die Trümmer der französischen Armee ihren Rückzug fort und erreichten unter unaufhörlichen Nachhutgefechten Kowno am 12. Hier löste sich auch der Rest des einzigen, die Nachhut bildenden geschlossenen 6. Korps vollständig auf, und nur den heldenmütigen Anstrengungen und
23on Zrih Hem, Gießen.
Am 22. Februar 1812 verfügte Großherzog Ludewig L* die Vereinigung des Garde-Füsilier-Batail- lons (späteres 1.) und des Leib-Füfilier-Bataillvns (späteres 2.) zu einem „Provisorischen leichten Infanterie-Regiment". Diese Nachricht erreichte die Bataillone auf dem Marsche, den sie bereits in Ausführung des napoleonischen Aufmarsches gegen Rußland angetreten hatten. Die Formierung konnte erst am 1. März in Braunschweig vollzogen werden. Die Stärke des Regiments betrug 31 Offiziere, 96 Unteroffiziere, 34 Spielleute, 8 Sappeurs und 1280 Gemeine; Regimentskommandeur wurde Oberst von Schönberg. Auf Befehl Napoleons I. mußte das zum Rheinbund gehörende Großherzogtum Hessen zu dem Kriege gegen Rußland eine Brigade in Stärke von 7322 Mann unter dem Befehl des Prinzen Emil (zweiter Sohn des Grohherzogs) stellen. Im Verhältnis feiner Einwohnerzahl 565000 hätte Frankreich mit feinen Iributftaaten 1 100 000 Mann zu stellen gehabt, wovon jedoch noch nicht die Hälfte erfaßt wurde.
Zunächst wurde das hessische Kontingent zur Besetzung der Ostseeküste gegen englische und schwedische Landungsversuche verwendet, wobei es unter dem Oberbefehl des Marschalls Davoust stand. Wahrend der größte Teil der hessischen Brigade mit dem Prinzen Emil im Sommer zur französischen Operationsarmee trat, versah das leichte Infanterie-Regiment den Küstenwachtdienst auf der Insel Rügen und der vorpvmmerschen Küste, wobei es mehrfache Landungsversuche der Schweden und Engländer abwehrte. Am 12. Oktober erhielt das Regiment in Danzig, wohin es zusammengezogen war, den Befehl, sofort nach Rußland aufzubrechen und am 24. November in Smolensk einzutreffen. Es erreichte jedoch diese Stadt nicht denn als es am 2 November in Wilna eintraf, hatte sich die Katastrophe des französischen Kaisers bereits vollzogen und die große Armee befand sich über Smolensk hinaus schon im vollen Rückzug unter ungeheuren Verlusten. .
Sn Wilna verblieb das Regiment bis zum 9. November in Ruhe und bekam hier den Befehl, sich dem 6. französischen Armeekorps unter dem baye- ritten General Graf «spateren Fürst» Wrede anzu- schließen und mit dem 4. westfalischen Lmien-Regi- ment die Brigade des französischen Generals Cvu- tard zu bilden. Außer dieser gehörten noch dem Korps an eine bayerische und eine französische Bn- qaöe unter General Francesky und stand als linke Seitendeckung der großen Armee bei Dunilowicza. Um der Hauptarmee den Rücken hinter die Beresina zu erleichtern, sollte das Korps eine Diversion gegen Polocz unternehmen, was es.bis zum 22. November über die gefrorenen Sümpfe, aus denen die Beresina entspringt, auch ausführte und bis zum 30. November Stellung bei Dockfchitz einnahm. Es bildete
♦ Er selbst schrieb sich Ludewig.
dann die Nachhut der großen Armee und war damals fast der einzige größere Truppenteil, der noch Haltung und Wiederstandskraft besaß. Am 2. Dezember erreichte das Korps die Stadt Wileika, wo es bis zum 4. die nachdrängenden Russen aufhielt. Besondere Anerkennung des Grafen Wrede erwarb sich die Kompanie des Kapitäns Meyer vom leichten Infanterie-Regiment, die den Kommandierenden vor der russischen Gefangenschaft rettete, und die als Nachhut marschierenden Schützen des Leutnants von Rabenau, die die den Rückzug belästigenden Kosaken aufhielten und mit dem Bajonett im ersten Anlauf bis über Wileika hinaus verjagten. Hatte man bisher das Korps von der Berührung mit den jammervollen Trümmern der Hauptarmee durch Benutzung von Seitenwegen ferngehalten, am 6. Dezember mußte es jedoch auf eine kurze Strecke die große Straße Smolensk—Wilna benutzen, wobei sich das erschütternde Bild der in gänzlicher Auflösung zurückflutenden großen Armee nicht mehr verschleiern ließ. Aber dank dem vorzüglichen Geist der Truppe und der Ermahnungen der Offiziere zur Bewahrung der Disziplin konnte der Anblick gänzlicher Auflösung der einst schönsten und stärksten Armee auf den militärischen Geist bei unserem leichten Infanterie-Regiment keinen nachteiligen Einfluß ausüben. Vom 6. bis zum 8. Dezember verblieb das Korps in und um Slobotka und mußte größtenteils bei einer unerhörten Kälte im Freien biwakieren, lieber 500 Mann starben in diesen Tagen an Kälte und Schwäche, davon in einer einzigen Nacht vom leichten Infanterie-Regiment 65 durch Erfrieren. Am 8. Dezember fetzte das 6. Korps feine Rückwärtsbewegung fort, wobei unser Regiment wiederum die Nachhut bildete und in mehrfachen, mit größter Bravour durchgeführten Kämpfen den Rückzug sicherte, was in einem Tagesbefehl des Grafen Wrede besonders anerkannt wurde. Höchstes Verdienst erwarb sich Oberst von Schönberg, dem bei einem Nachhutgefecht das Pferd unter dem Leibe erschossen wurde, um die Fortschaffung der hessischen Artillerie, die es auch gelang, vollzählig auf deut- i schen Boden zurückzubringen.
Verhängnisvoll drohte der 9. Dezember dicht vor Wilna dem Korps zu werden. Um mehrere taufend halbverhungerte und durchgefrorene Nachzügler der Hauptarmee durchzulassen, ließ Graf Wrede sein Korps Halt machen und mehrere Stunden rasten. Die dabei eingeforderten Stärkerapporte ergaben beim leichten Infanterie-Regiment noch 1067 Köpfe, vermutlich einschließlich Artillerie. Während dieser mehrstündiaen Rast gelang es aber dem nachdrängenden russischen General Tschaplitz das Korps auf feinen Flanken zu Überholen und ei mit Artillerie und Infanterie in Kreuzfeuer zu nehmen. Nur ein gewaltsamer Durchbruch, zu dem sich unser hessisches leichtes Infanterie-Regiment sowie das 4. westfälische Linienregiment in geschlossene Bataillonskolonnen formierten, konnte allein die
Johannes Bill, Kameradschaftsführer der Kameradschaft ehemaliger 116er Gießen.
persönlichem Beispiel des Marschalls Ney gelang es, beim Abzug noch einige hundert Soldaten allermöglichen Truppenteile zu sammeln und die nachdrängenden Russen zurückzuhalten. Kapitän von Karlsen vom leichten Infanterie-Regiment gelang hierbei mit seiner noch 80 Mann starken Kompanie die Rettung des gesamten hessischen Artillerieparkes, was bei dem jammervollen Zustande der wenigen Pferde, den vereisten und verschneiten Straßen, wo die geringste Unebenheit schon eine namenlose Qual für Mensch und Tier wurde, eine ganz hervorragende Leistung war. Hierfür erhielt Kapitän von Karlsen nach seiner Rückkehr, noch im Grade eines Hauptmanns stehend, das Kommandeurkreuz zweiter Klasse des Ludwigs-Ordens mit der Widmung: „Für die Rettung meiner Geschütze".
Am 15. Dezember wurde die russisch-preußische Landesgrenze überschritten und am 16. hielt König Murat von Neapel, dem Napoleon bei seiner Abreise von der Armee den Oberbefehl übertragen fjatte, eine Parade über die hessische Brigade ab, wobei er sich sehr über deren gute Haltung wunderte und in seiner Beschönigungssucht gegenüber den Franzosen meinte, die Hessen müßten wohl di« Kälte und Anstrengungen besser vertragen können, als andere Truppenteile, während er dies richtiger der besseren Manneszucht hätte zuschreiben sollen. Die Stärke der ganzen hessischen Brigade betrug an Liefern Tage 40 Offiziere und 276 Mann, davon


