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Haltung beweisen wollen, und wir kennen ja auch so viel von der Welt, daß wir den Hausfrauen von der Maas und von der Themse nicht bestreiten, sie verstünden etwas von Küche und Tisch.

Der steil ansteigende Marmeladeoerbrauch in Deutschland entspringt aber nicht einer von un­gefähr entstandenen und plötzlich entdeckten Liebe zu dieser Speise. Wir sind auf dem nicht alltäg­lichen Umwege der Spannungen auf dem Fett­markte zur Marmelade gekommen. Aber wir sind darum diesem leisen Zwang, der uns durch die Werbung gefälliger gemacht wurde, nicht böse; denn wir gestehen ein: wir haben einen neuen Freund, der unsere Zuyeigung wohl verdient, kennengelernt. Daß er neben seinen inneren Tugenden, als da sind: Schmackhaftigkeit, Bekömmlichkeit, Nahrhaftig­keit, noch den Vorzug hat, uns im Ringen um die deutsche Nahrungsfreiheit zu Helsen, rechnen wir ihm hoch an. Wir sind der Marmelade auch nicht böse, daß sie so billig ist, daß sie dank der Zubußen des Reiches und der Zuckerindustrie höchstens 32 Pfennige je Pfund kostet. Dieser niedrige Preis tut ihrer Güte keinen Abbruch. Strenge Vorschriften schreiben die verwendeten Früchte und ihr Maß, so Aepfel, Pflaumen, Himbeeren, Johannisbeeren, Kirschen und Erdbeeren, vor. Da gibt es keine Streckmittel, wie Rüben und Karotten. Es ist alles nur Obst und Zucker. Kein Wunder also, wenn der Marmeladeverzehr größer und größer wird.

1937 werden wir das steht fest! noch mehr Marmelade einkochen, und die Zähl der Freunde der Marmelade wird auch 1937 wachsen! Ja, auch der größere deutsche Marmeladetopf von 1937 wird leer gegessen werden!

Hausbesitzerverein Gießen.

Der Hausbesitzerverein Gießen hielt am gestrigen Mittwochabend im Hotel Kobel seine Vierteljahrs­versammlung ab, die infolge plötzlicher Erkrankung des Vereinsführers Launspach vom Vorstandsmit­glied Albin Klein geleitet wurde. Dieser verband mit seinem Willkommensgruß an die Mitglieder die besten Wünsche für den Senior und bewährten Der- einsführer.

Herr Klein berichtete über seine Teilnahme am Derbandstag des Rhein - Mainischen Haus- und Grundbesitzes in Frankfurt a. M., zu dem auch der Präsident des Zentraloereins T r i b i u s (Berlin) er­schienen war. Während der Hausbesitz früher falsch eingeschätzt war, solche Versammlungen sehr stür­misch verliefen und auch Mieter und Vermieter sich feindlich gegenüberstanden, so daß beide andauernd die Gerichte und die Organisationen beschäftigten, zeugte dieser Verbandstag von dem neuen Geist zwischen Hausbesitzer und Mieter, und er war ein Beweis dafür, daß eine bessere und schönere Zeit auch für sie begonnen hat. Nach den Aussprüchen des Präsidenten des Zentralverbandes kann der Haus- und Grundbesitz die Ueberzeugung haben, daß auch für ihn eine langsame, aber stete Besserung eintreten wird. Das Feilschen um die Miete hat auf­gehört. Genau wie bei den Löhnen ist eine Stabi­lität für den Mietpreis erreicht. Als Zeichen für die Beachtung des Hausbesitzes im neuen Reich war das Erscheinen der Vertreter des Gauleiters und der Gauleitung anzusehen. Zum neuen Derbands- leiter des Rhein-Mainischen Haus- und Grund­besitzes, der in 79 Vereinen etwa 40 000 Mitglieder und in weiteren 29 Ortsgruppen weitere 5000 Mit­glieder organisiert hat, wurde Dr. Gauß (Darm­stadt) bestimmt. Auf der Tagung wurde auch auf die Frage, ob der Altbesitz durch die Siedlungen ent­wertet wird, eine Antwort dahingehend erteilt, daß es Unentschlossenheit der Altbesitzer sei, wenn sie nicht mit der neuen Zeit gehen. Es könne dem Sied­ler nicht verübelt werden, wenn er bei dem Woh­nen in einer den Anforderungen der neuen Zeit nicht entsprechenden Behausung sich nach einem Neubau sehnt. Der Altbesitz kann durch die Ver­ringerung seiner Unkosten und die Benutzung der ihm gewährten Erleichterungen seine Wohnungen derart modernisieren, daß sie allen Anforderungen entsprechen und auch einen guten Mietzins ein­bringen.

Den mit großem Beifall aufgenommenen Aus­führungen schloß sich eine längere Aussprache über praktische Vorkommnisse an, die interessante Einzel­fälle über Mieter, Mietpreise, Erneuerungen, Hypo­thekenablösungen usw. zur allgemeinen Kenntnis brachte und den Wert solcher Aussprachen bewies. Herr Klein berichtete schließlich noch über die An­wendung und Ausführung des Urkundenstempel­steuergesetzes, soweit es für Miet- und Pachtverträge in Frage kommt. _________

Gießener Wochenmarttpreife.

* Gießen , 29. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molker^ibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10%, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, % kg 12 (gelb), 20 bis 22 (grün), Weiß­kraut 10, Rotkraut 12, gelbe Rüben 15 bis 18, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20 Pf., Spargel 1 Mark, Unterkohlrabi 6 bis 8 Pf., Feldsalat, 50 g 10 bis 12 Pf., % kg 90 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 50 Pf., Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 15 bis 18, Kartoffeln (alte), % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,65 bis 3,80 Mark, (neue) % kg 25 Pf., Aepfel 40 bis 60, Zwetschenhonig 45 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 60 bis 70 Pf., Salat 15 bis 22, Salatgurken 60 bis 65, Oberkohlrabi (neue) 15 bis 16, Lauch, 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich (alte) 10 bis 15, (neue), das Bündel 20 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pf.

** Wichtige Zeugin gesucht. Am Frei­tag, 23. April, gegen 21 Uhr, wurde eine jüngere Dame an der Bahnunterführung Ludwigstraße- Riegelpfad von zwei männlichen Personen in un­sittlicher Weise belästigt und beleidigt. Die Persona­lien der Täter sind bekannt. Die fragliche Dame wird von der Kriminalpolizei bringend ersucht, bei der Kriminalabteilung, Zimmer 72, auf dem Po- lizeiamt vorzusprechen.

** Personalnachrichten. Ernannt wur­den: Oberforstmeister Karl Schlich zum Oberforst- rat. Der Oberförster Waldeck zum Forstmeister.

des deutschen Volkes 1937. den Kreis Wetteran.

Zugendkundgebungen am 1. Mai.

Nationaler Feiertag

Richtlinien für

Veronslattungsfolge:

7 bis 730 Uhr: Decken, TNorgengruß in allen | Ortsgruppen des Kreises.

8.30 Uhr: Jugendkundgebungen. Die Ortsgruppen sehen sich umgehend mit den Dienststellen der tyy in Verbindung.

12 Uhr: Hauptkundgebung, Uebertragung der Füh- rerrede. Vis zu diesem Zeitpunkt müssen Um­züge und Aufmärsche beendet sein.

Errichtung des Ulaibaumes, Maisingen, Maifeuer und andere Feiern, die dem örtlichen Brauchtum entsprechen, werden am Abend des 30. April burch- geführt.

Richtlinien für Gießen.

Die Hauptkundgebung findet auf dem Oswalds- garten statt. Die Betriebe sind um 11.15 Uhr an- getreten. Der genaue Aufmarschplan und das end­gültige Programm für Gießen werden rechtzeitig in der örtlichen Presse veröffentlicht.

Ehrenabordnungen: SA. 120 Mann

,, N5KK. 120 Mann

Politische Leitung 60 Mann

NSBO.-Bereitschaft 60 Mann

,, Hitler-Jugend 120 Mann

M Jungvolk (Führer Gießen) 100

Mann

Reichsarbeitsdienst 150 Mann

NS.-Sludenlenbund

55. 60 Mann.

Die Derkscharen marschieren bei ihren Betrieben. Der N5.-5tudentenbund marschiert vor der Uni- versität.

Fahnengruppen: 5A., 5tandort Gießen R5KK.. 5tandort Gießen

Die Gießener Ortsgruppen

Arbeitsfront Gießen

HI., 5tandort Gießen

Jungvolk, 5tandort Gießen.

Das Wecken wird in Gießen ausgeführt von dem Musik- und 5pielmannszug der 5A.-5tandarte 116 und von dem 5pielmanns- und Fanfarenzug des Jungvolks.

Im Bereich des h I. - V a n n e s 116 werden folgende Jugendkundgebungen durchgeführt:

In Gießen auf dem Oswaldsgarten. Leitung: Bannführer Rohrbach.

In Wies eck. Leitung: Geff. 5cherer.

In Klein-Lin den mit Allendorf, heuchel- heim. Leitung: Geff. Kreiling.

In Leihgestern mit Großen-Linden und Lang-Göns. Leitung: 5tammführer von Zadow.

In Vahenborn-5teinberg mit Garben- teich und Hausen. Leitung: Geff. Kerchberger.

In Grüningen mit Holzhelm,Eberstadt,Dorf- Gill. Leitung: 5charf. Sommer.

In Lich mit Steinbach, Albach. Leitung: Geff. Roth.

In Bettenhausen mit Langsdorf, Müschen- heim. Virklar, Bellersheim, Obbornhofen. Leitung: Fähnleins. Schäfer.

In Hungen mit Villingen und Langd. Leitung: Geff. Iunker.

In Trais-Horloff mit Inheiden, Utphe, Rodheim, Steinheim, Rabertshausen. Leitung: Stamms. Vöcher.

In Ettingshausen mit Röthges, Rieder- Bessingen, Ober-Bessingen, Ronnenroth, Münster, Harbach, Hattenrod. Leitung: Fähnleins. Seipp.

In Grünberg mit Queckborn, Lauter, weik- kartshain. Saasen, Göbelnrod, Beltershain, Rein- hardshain, Stangenrod. Leitung: Geff. weiset.

In Großen-Buseck mit Oppenrod, Burk- hardsfelden, Alten-Buseck, Rödgen, Trohe, Bersrod, Reiskirchen, Beuern, Lindenstruth, Annerod. Lei­tung: Geff. Heintz.

In Lollar mit Ruttershausen, Mainzlar, Stau­fenberg, Daubringen. Leitung: Stamms. Schmulbach.

In Londorf mit Kessetbach, Allertshausen, Allendorf, Trais, Climbach. Leitung: Slammführer Schlapp.

In Geilshausen mit Lumda, Odenhausen, weitershain, Rüddingshausen. Leitung. Geff. Rühl.

Die Kundgebungen im Bereiche.des Vannes 254 werden wie im Vorjahre durchgeführt.

Kreisleitung Wetterau der RSDAP.

Ernannt wurden unter Berufung in das Be- amtenoerhältnis: die Studienassessoren Dr. Philipp Buttler, Dr. Kurt Freidank, Dr. Valentin Grade, Dr. Kurt Holtzmann, Otto Lampert, Gustav Pfeif- felmann, zu S t u d i e n r ä t e n; die Studien- assessorinnen Dr. Else Gutermuth, Anna Neutz, Dr. Maria Plagge, Dr. Bertha Schäfer, Dr. Anna Krautwurst, Dr. Emmi Trapp, Dr. Carola Woll- weber zu Studienrätinnen. Entlas- se n wurde der Medizinalrat Dr. Adolf Otto in Büdingen auf seinen Antrag aus dem hessischen Landesdienst. Versetzt wurden: der Medizi­nalrat Dr. Walter Detzberger in Mainz, in der Eigenschaft eines Amtsarztes an das Staatliche Ge­sundheitsamt des Kreises Alsfeld, der Veterinär­rat Dr. Karl Ohly vom Kreisveterinäramt Hep­penheim als Kreisveterinärarzt an das Kreis­veterinäramt Lauterbach.

Lpd. Das Schmuckblatt - Telegramm der Reichspost wird billiger. Nach einer Verordnung des Reichspostministers werden vom 1. Mai ab" die Sondergebühren für Schmuckblatt- Telegramme herabgesetzt. Statt bisher 1. Mark für jedes Telegramm bis zu 50 Wörtern und 40 Rpf. mehr für je weitere volle oder angefangene 50 Wörter beträgt die Sondergebühr fünftig nur noch 75 Rpf. für jedes Telegramm ohne Rücksicht auf die Wortzahl. Gleichzeitig ermäßigt sich auch der Kaufpreis für unbeschriebene Telegramm­schmuckblätter. Sie kosten künftig bei gleichzeitiger Abnahme bis zu 25 Blatt nicht mehr 70, sondern 50 Rpf., bei 26 bis 100 Blatt statt 60 nur noch 40 Rpf. und bei mehr als 100 Blatt nicht mehr 50, sondern nur noch 30 Rpf.

** Die Uhr i st st e h e n g e b l i e b e n. Die Uhr am Turm des Katholischen Vereinshauses zeigt seit Mittwoch unentwegt 12.10 Uhr. Schon in der Mit­tagszeit ist sie nur langsam vorangekommen. Erst

waren es nur einige Minuten, die sie nachging, schließlich hat sie ganz aufgehört zu gehen. Mancher Straßenpassant wird es bitter empfinden, aber schließlich ist jede Uhr dem Gesetz der Zeit unter­worfen, und auch für sie schlägt die Stunde alles Irdischen. Dem hastenden Menschen unserer Tage ist aber eine solche tillstehende Uhr nicht angenehm.

Hessische Melertagung.

LPD. D a r m st a d t, 28. 2Iprifr. Am 25. April tagten in Darmstadt in Anwesenheit des ersten Stellvertreters des Bundesführers, Regierungsbau. meister S e i d l e r (Dresden), die im Landes­verband Hessen organisierten hessischen Mieter.

Der Landesverbandsleiter Dr. Federlin, Mainz, gedachte zunächst des verstorbenen Bundesführers Herrmann, Dresden. Dr. Federlin gab dann einen Bericht über die Tätigkeit des Landesverbandes und umriß die dem Landesverband und den Ver­einen obliegenden künftigten Aufgaben. Die durch Reichsgesetz vom 7. März 1935 erfolgte Anerkennung der Spitzenorganisation der deutschen Mieter, des Bundes Deutscher Mietervereine, Sitz Dresden, legt der deutschen Mieterschaft die Verpflichtung auf, im Sinne der Haus- und Volksgemeinschaft die Be­lange der Mieter zu wahren und in Zusammen­arbeit mit der Hausbesitzerorganisation an der Be­friedung des Verhältnisses zwischen Vermieter und Mieter zu wirken. Einen wesentlichen Schritt hier-

putzt gründlich

zu bildet der durch die Spitzenorganisation her Hausbesitzer und Mieter unter Vorsitz des Reichs- arbeitsministers geschaffene Einheitsmietver- trag, der zedoch in einigen Punkten abänderungs- bedürftig ist. Erfreulicherweise ist es vielfach ge­lungen, in gemeinsamer Beratung Hausordnungen aufzustellen, die sowohl den Vermietern als auch den Mietern gerecht werden und dadurch den An­laß zu unerquicklichen Auseinandersetzungen aus der Welt zu schaffen. Es wird die nächste Aufgabe sein, mit der Hausbesitzerorganisation eine Muster- Hausordnung für Hessen und Hessen-Nassau zu ver­einbaren, um die noch an manchen Orten geltenden einseitig aufgestellten Hausordnungen der heutigen Auffassung von der Hausgemeinschaft anzugleichen. Dr. Federlin machte dann noch Ausführungen über die Zusammenarbeit mit der Partei und ihren Gliederungen sowie mit den Behörden, die eine durchaus gute sei.

Der Stellvertreter des Bundesführers, Seid­le r, sprach dann über die Arbeit des Bundes, die das Ziel habe, jedem deutschen Volksgenossen eine gesunde, seinen familiären und wirtschaftlichen Ver­hältnissen entsprechende, vor unberechtigten Miet­preissteigerungen und Kündigung geschützte Woh­nung zu verschaffen, möglichst in Form einer Heim- stätte mit etwas Land. Weiter sprach er über das künftige Miet- und Wohnrecht, das in Abkehr von den jetzt noch geltenden römijch-rechtlichen Bestim­mungen des BGB. ein neuzeitliches Recht auf das Heim schaffen müsse, das der Mieter gegen seinen Willen nur dann verlieren könne, wenn er seine Pflichten als Mieter nicht erfülle, oder wenn das berechtigte Interesse des Vermieters an der Woh­nung das verlange.

Im geschäftlichen Teil der Verhandlungen wurde der Kassenbericht und ein Geschäftsbericht gegeben und die Teilnahme am 29. Deutschen Mietertag be­sprochen. Der bisherige Derbandsleiter Dr. Fed e r» l i n wurde erneut einstimmig zum Derbandsleiter gewählt, der seine alten Mitarbeiter wieder in den Vorstand berief.

Zu gleicher Zeit tagten die Landesverbände der Mietervereine Rhein-Main und Kurhessen-Waldeck. Anschließend fand die Tagung des aus den drei Landesverbänden Hessen, Kurhessen - Waldeck und Rhein-Main bestehenden Gauoerbandes 6, Südwestdeutschland, im Bund Deutscher Mieteroereine statt. Gauverbandsleiter Dr. Feder- l i n sprach über die bisherige und künftige Tätig­keit des Gauoerbandes, der Stellvertreter des Bun­desführers S e i d l e r über die Arbeit des Bundes. An den neuen Bundesführer Groß richtete der Gauoerbandsleiter ein Telegramm, in dem unver- brüchliche Treue und Mitarbeit in Verbundenheit mit Führer, Volk und Vaterland gelobt wird.

Skandal um Dr.Vandergmen

Roman von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.

29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Als der Kellner kommt, um die Bestellung ent­gegenzunehmen (Einen prima Bordeaux, mein Herr?"), winkt Bert Imhoff ab. Er hat keine Lust mehr, sich hier aufzuhalten, zu sehr erfüllt ihn das Große, das ihm heute geschenkt worden ist. Mag sich Werner Michaels um diesen verfluchten Jeffers kümmern!

Komm, Mary!"

Er führt sie durch das Gedränge zur Garderobe, und noch, als sie schon draußen sind, gellt ihnen der wüste Lärm um die Ohren, das Gewinsel der Saxophone.

Mary spricht immer noch keinen Ton, auch nicht, als sie längst an seiner Seite im Auto sitzt.

. Schließlich merkt sie, daß der Wagen nicht nach der Reinickendorfer Straße fährt.

Sie berührt Berts Arm.Wohin fahren wir?"

In eine entzückende, stille Weinstube, mit einem gotischen Gewölbe und alten Glaslaternen an den Wänden. Dort sind ein paar feine Musiker, Violine und Cello, sie sollen uns zur Verlobung aufspielen."

Zur Verlobung?"

Ja, Mary! Es wird dir nichts anderes übrig bleiben, als den tollen Imhoff zum Manne zu nehmen. Ich hab' dich gern, Mädel! Mach mir keine Geschichten und sag ja!y'

Aber mein Gott du kennst mich doch erst seit ein paar Stunden?"

,Zch hab' manches'Jahr nach dir gesucht, Mary und ich hab' keine Zeit mehr zu verlieren. Daß ich keine langen Umstände mache dafür bin ich der Bert Imhoff."

Es kommt mir so unerwartet!"

Sprach die höhere Tochter, Mamas Liebling, vls der Gardeleutnant Waldemar von Pipapo, der schönste Mann des ganzen Regiments, um höchstdero Hand anhielt. Es fehlt noch, daß du um drei

Tage Bedenkzeit bittest! Dann kannst du aber gleich aussteigen und zu Fuß nach Hause gehen."

Du drohst schon wieder mit Gewalt! Was soll denn bas für eine Ehe werden?"

Das waren immer schon die besten Ehen, Kind! Nun, soll ich halten? Willst du allein deiner Wege gehen?"

Ich denke nicht daran!" sagt Mary und hält sich mäuschenstill.

Bert Imhoff nimmt ihre Hand, legt sie auf das Steuerrad und deckt seine eigene Hand darüber.

Mary lehnt ihren Kopf an seine Schulter und schaut unentwegt auf den blinkenden Stern vorne an der Kühlerhaube.

Eine halbe Stunde später sitzen sie an einem langen Tisch, sie beide ganz allein, und ein alter Kellner mit einem Franz-Joseph-Bart gießt den funkelnden Mosel in die Gläser.

Es sind nur wenige Gäste da, an den Tischen verstreut, stille, geruhsame Menschen, die ihre Zeitung lesen oder über einem Schachbrett grübeln ober auch bloß auf die Musik lauschen.

Die Kapelle spielt das Adagio von Schumann.

Es ist eine schöne, festliche Stunde Mary! Wie ein Sinnbild meines Lebens kommt es mir vor, daß wir eben noch dort in einem lärmenden Lokal saßen, im Hexensabbat eines geistlosen, häßlichen Großstadtrummels, und daß wir nun hier einge­kehrt sind, in diesen schönen Tempel des Friedens. Mein Leben hat durch manchen Hexensabbat und durch manchen wilden Rummel geführt, aber ich glaube, es wird nun Frieden finden in dir. Er­zähle mir etwas von dir, Mary!"

Mary erzählt von den kleinen Dingen ihres Le­bens, von ihrer Arbeit, von ihrer Sehnsucht. Sie erzählt von Gisch, deren weiches, jedem Zugriff wehrlos preisgegebenes Herz ihr manche Sorge be­reitet hat.

Ja", nickt Bert.Die ist wie du, aber noch ganz verfangen in ihrem Gefühl, ein Kind noch."

Dein Kuß hat sie zum Aufblühen gebracht. Ein ganz anderer Mensch ist sie jetzt geworden. Gisch wird mit rauschenden Fahnen dem Erlebnis der Liebe entgegenschreiten."

Sie liebt den Doktor Vandergruen, aber ich glaube, sie weiß es noch nicht."

Ach!" staunt Mary, und es schwingt eine heim­liche Angst in ihrer Stimme.Was ist das für

ein Mensch? Wird er ihrer wert sein? Wird er Gisch begreifen können?"

Ja, Mary! Bloß der Mann weiß noch nicht, welch eine holde Blume ihm da aufgeblüht ist. Im Gegenteil, er ist zur Zeit alles andere als gut auf sie zu sprechen."

Auf ihr erstauntes Gesicht hin klart er sie über die Zusammenhänge auf.Der Mann scheint das Opfer einer planvoll gegen ihn angezettelten Intrige geworden zu sein."

Nach einer Weile steht Bert Imhoff auf.Ick) werde mal ein ernstes Wort mit dem Küchenchef sprechen. Denn um ehrlich zu sein ich wäre einem anständigen Abendessen nicht abgeneigt. Wie steht es mit dir, mein Kind?"

Mary lächelt fein.Ich will von heute ab Gutes und Böses mit dir teilen."

Das war ein wackeres Wort!" sagt Bert und geht durch die Mitte ab.

Mary blickt um sich, sie kann noch nicht ganz fassen, was ihr geschehen ist. Wie gottverlassen hat sie sich noch vor wenigen Tagen gefühlt! Wie hat sie Gisch um jenes harmlose kleine Abenteuer be­neidet, um jenen Kuß eines fremden Mannes!

Und nun hat dieser selbe Mann ihr seine Liebe geschenkt. Gibt es denn solche Wunder auf dieser Welt?

Sie blickt auf die buntbemalten Wände, schaut empor zu dem steinernen Gewölbe, in dessen Raum sich die Töne eines melancholischen Cellosolos hal­lend verfangen und alles scheint ihr unwirklich.

Aber dann sieht sie sein Weinglas stehen, sein Zigarettenetui liegt auf dem Tisch, der Stuhl neben ihr ist halb zur Seite gerückt.

Mary greift nach diesem Weinglas, ihr Finger gleitet zaghaft über das geschliffene Glas. Dann nimmt sie das Zigarettenetui, hält es eine Weile in der Hand und legt es wieder hin.

In ihrem Innern ist ein Klingen und Singen und Jubeln.

Endlich kommt Bert zurück und macht eine ge­heimnisvolle Miene.Ich habe ein bißchen Leben in die Küche gebracht. Stell dir vor, man hat uns Beefsteak zugemutet als Verlobungsmahl ganz gewöhnliches Beefsteak es ist unerhört."

Indessen kommt der Ober mit dem Franz-Joseph- Bart mit einer mächtigen Blumenoase an, stellt sie

auf den Tisch, nimmt einige Blumen heraus und legt sie den beiden vor die Gläser.

Dann drückt er mit hoheitsvoller Miene Mary und Bert die Hand.Meine ergebensten Glück­wünsche den Herrschaften! Möge alles Glück zu Ihnen kommen!"

Als er sich zurückgezogen hat, erscheinen zwei junge Mädchen in weißen Schürzen und tragen die Speisen auf. Die Gerichte sind mit erlesenem Ge­schmack zusammengestellt und verraten die Kultur des Auftraggebers.

Nach dem Nachtisch betritt ein älterer Herr das Lokal und steuert mit freudig erregtem Gesicht auf Imhoff zu, während er einen riesigen Blumen­strauß aus der Papierumhüllung schält.

Bert steht auf und eilt dem Ankömmling ent­gegen.

Ah, Servus, Willy, das ist fein von dir, daß du gekommen bist? Komm, laß dir meine Braut vorstellen!"

Langsam, langsam, lieber Freund, die Blüm­chen, wie sehen die aus! Ganz verdrückt, müssen erst ein wenig aufgeschüttelt werden! Soo!"

Hier, Mary, das ist mein Freund, Doktor Willy Fröhlich, ein fröhlicher Knabe, wie schon der Name sagt. Willy ist soeben auf den Flügeln der Liebe herbei"

Red' keinen Stuß, es war eine Taxe!"

--herbeigeeilt bring mich nicht aus dem

Konzept, Willy! um dir um dich--siehst

du, Willy, da haben wir die Bescherung!"

Willy lächelt begeistert.

Also hier, das ist Fräulein Mary Hauck, zu­künftige Frau Imhoff, erweise ihr deine Reverenz!"

Ich freue mich herzlich! Wollen Sie diese Blu­men, Symbol meiner Zuneigung, in Empfang nehmen!"

Mary lächelt glücklich und senkt das Gesicht in das duftende Geranks.

Halt!" ruft Fröhlich warnend.Seien Sie vor­sichtig! Es ist leicht angestaubte Ware, ein Rest­posten «tzu herabgesetztem Preis. Ich möchte nicht, daß Sie sich einen Heuschnupfen holen."

Wo bleiben denn die anderen? Ich hoffe doch, daß unser Fähnlein der sieben Aufrechten sich voll­zählig einfinden wird."

(Fortsetzung folgt!)