Nr. yy Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 2Y.April (Y37
liegt zerschmettert im Abgrund.
C. K.
9JL<fpoit
ich verwundet war, gab Freile auf und kam
Sieggewohnte beulfdje Reiter in Rom
seine Rechte, die blau und geschwollen, leblos herabhängt.
mir zu Hilfe. Seitdem haben wir einander nicht mehr verlassen. Solari zog seine Bluse aus und gab sie mir. Dann ist ein großes schwarzes Loch, und ich weiß nichts mehr."
Die Nachforschungen bgeannen am 2. März. In 6500 Meter fand man die Leiche von Solari, der augenscheinlich unter der Kälte zusammengebrochen war. Der Körper von Robert Freile dagegen blieb unauffindbar. Offenbar ist er über einen Steilhang abgestürzt, an dem man Blutspuren entdeckte, und
Adolf-Hitler-Preis zur Förderung des motorlosen Fluges.
Der Führer und Reichskanzler hat zur Förderung des motorlosen Fluges 1937 einen Ehrenpreis und einen Geldbetrag von 4000 RM. gestiftet. Für die Verleihung find nachstehende Richtlinien zugrunde gelegt worden:
1. Der Führer und Reichskanzler stiftet für besondere Leistungen im motorlosen Flug einen Ehrenpreis und einen Geldbetrag von 4000 RM.
2. Der Preis wird für die beste Leistung im motorlosen Flug während der Dauer der Ausschreibung zuerkannt.
3. Der Ehrenpreis wird im allgemeinen zusammen mit dem vollen Geldbetrag gestiftet. Dieser kann jedoch geteilt werden, wenn mehrere einer Auszeichnung würdige Bewerbungen vorliegen.
4. Der Reichsminister der Luftfahrt prüft, welche Bewerbungen einer Auszeichnung würdig sind und legt diese zur Entscheidung über die Zuteilung des Preises dem Führer und Reichskanzler vor. Es können auch Leistungen berücksichtigt werden, für die keine Bewerbungen vorliegen.
Bei dem internationalen Reitturnier in Rom feierte Oberleutnant Brinkmann einen stolzen Triumph. Ihm gelang das, was bisher noch niemand vollbrachte, daß er in einem schweren internationalen Jagdspringen von 76 Teilnehmern als einziger mit zwei Pferden ohne Fehler an der Spitze lag. Oberleutnant Brinkmann erzielte diesen Sieg, der ihm den Ehrenpreis des Gouverneurs von Rom einbrachte, mit „Alchimist" und „Wotan". Diese Aufnahme zeigt den Sieger auf „Wotan". — (Schirner-Archiv-M.)
41 Meter Höhe'
NSG. Der Maibaum, der für unsere Gau» h a u p t st a d t aus Homberg im Schwarzwald anrollt, ist einer der höchsten Stämme, die es überhaupt im Schwarzwald gibt. Er weist eine Länge von 41 Meter auf und wird die meisten Bauwerke Frankfurts überragen. So hat das Vermessen gezeigt, daß die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" eine gute Wahl getroffen hat.
Auf -em Gipfel des Aconcagua
Ein Bergsteiger-Drama in den Anden.
Im Februar dieses Jahres waren fünf junge Chilenen aufgebrochen, um den Aconcagua, den höchsten Gipfel der Anden, zu besteigen. Der Führer der kleinen Expedition war der berühmte, noch nicht dreißigjährige Hochtourist und Andenforscher Robert Freile. Ferner gehörten dazu Charles E s p i n o z a, der Funker, Alexander Leiva, der Meteorologe, Fernando S o l a r i, Student der Chemie aus Santiago und Victor Bianchi, der Berichterstatter der chilenischen Zeitung „Mercurio", außerdem drei Maultiertreiber und achtzehn Maultiere. Die Expedition nahm einen unglücklichen Ausgang, in dem Freile und Solari tätlich abstürzten, Leiva und Espinoza als Krüppel zurückkehrten; der fünfte Mann, Victor Bianchi, dankte seine heile Rückkehr nur der Tatsache, daß er unterwegs von der gefürchteten Bergkrankheit, der „Puna", befallen wurde und vor dem Aufstieg zum Gipfel zum Lager umkehren mußte. Die Erlebnisse der Expedition hat Bianchi nach der Heimkehr dramatisch geschildert.
Die kühnen jungen Bergsteiger, alle untereinander durch nahe Freundschaftsbande verknüpft, brachen am 10. Februar voller Begeisterung und Zuversicht auf. Von Anfang an hatten sie gegen orkanartige Stürme und schneidende Kälte zu kämpfen, noch ba3u zerstörte in der ersten Nacht Feuer ihr Zelt, so daß sie knapp ihr Leben und ihre kostbaren Instrumente retten konnten. Trotzdem gelangten sie in guter Verfassung bis zur Höhe von 4360 Meter, wo sie ihr Lager aufschlugen und Gepäck, Maultiere und Treiber zurückließen. Am 15. Februar mittags schickten sie sich zum Ausstieg auf den über 7000 Meter hohen Gipfel an. Auf 6000 Meter aber, wo Atmung und Herztätigkeit schon mühsam werden, verlor Bianchi plötzlich das Orientierungsvermögen. Die berühmte „Puna", der gefürchtete Feind der Andenbezwinger! Da hilft nichts als sofort umkehren. Bianchi verwünschte fein Mißgeschick, das doch seine Rettung werden sollte.
Im Lager erquickte er sich durch einen tiefen Schlummer, wurde aber von den Treibern geweckt, um einen Funkruf aus Santiago zu beantworten. Die ganze Zeit über war die Expedition in Funkverbindung mit der Heimat gewesen, und nun hörte er durch den Aether die besorgten Stimmen seiner Freunde aus Santiago: „Hier Redaktion des Mer- curjo. Wir erwarten Nachricht von Bianchi. Atmosphärische Bedingungen sind schlecht. Schiebt Anstieg zum Gipfel auf." Bianchi antwortete, daß alles gut ginge, Freile, Solari, Espinoza, Leiva seien unterwegs zum Gipfel und rechneten darauf, diese Nacht oder morgen bei Tagesgrauen im Lager zurück zu, sein.
Bald darauf, und zwar mit Sekundenschnelle, hüllte der Aconcagua sich in Wolken. Während bis dahin der Himmel wie gefegt gewesen war, war plötzlich alles ringsum ein jagendes Wolke n- und Nebelmeer, zugleich vervielfachte der Sturm seine Gewalt. Bianchis Herz zog sich zusammen im Gedanken an die vier Freunde, die dort oben, durch eine Mauer von Watte von der Welb abgeschnitten, umherirrten. Lange hielt er das tatenlose Warten nicht aus, er machte sich auf, um die Freunde zu suchen. Nach einer Stunde mühsamen Anstiegs begegnete er Leiva, der bergab taumelte und ihm in die Arme stürzte, zu erschöpft, um zu reden. Bianchi lud ihn sich auf den Rücken und trug ihn zum Lager hinunter. Dort am Feuer und durch einen tüchtigen Schluck Rum kam er so weit wieder zu sich, um erzählen zu können: „Auf 6700 Meter wollte ich ein paar Messungen machen. Temperatur — 25 Grad, durchschnittliche Windstärke 160 Kilometer in der Stunde, in einzelnen Böen 200 Kilometer. Ich hatte meine doppelten Handschuhe an, aber um die Apparate zu bedienen, entblößte ich die rechte Hand Bei dem Sturm bekam ich den Handschuh nicht wieder an. Ergebnis" ... Er zeigte
Bei Morgengrauen bricht Bianchi zum zweitenmal auf, diesmal begleitet von Lopez, dem einen der Treiber und einem Maultier. Auf 5500 Meter sehen sie im Nebel etwas die Hänge herabgestürzt kommen. Es fällt, ruscht, richtet sich auf,' rutscht chieder. Es kommt gerade auf sie zu, taumelt an ihnen vorbei ... Sie schreien aus Leibeskräften, aber das unglückliche Wesen hört und sieht nicht, es rollt weiter, fällt endlich nieder. Schon sind die beiden Retter bei ihm, aber das blutende zerfetzte Gesicht ist so entstellt, daß sie ihn nicht erkennen. „Wer bist du?" schreit Bianchi ihm in die Ohren. „Dein Freund Espinoza" murmelte eine versagende Stimme. Das Maultier bricht mit blutenden Nüstern zusammen, und die Männer müssen Espinoza selbst zum Lager hinuntertragen. Es dauert Stunden, Stunden unmenschlicher Strapazen. Endlich im Lager verlosten sie selbst fast die Kräfte. Vergeblich sendet Leiva Hilferufe durch den Aether. Keine Antwort. Der Sender muß entzwei sein.
Ein neuer Versuch, die beiden noch übrigen Freunde zu retten, verlief ergebnislos, so daß Bianchi sich endlich allein an den Abstieg machte. Unterwegs begegnete er schon der Rettungsmannschaft, die die Verletzten hexunterholte. Im Hospital mußten Espinoza beide Füße und die Nase abgenommen werden. Als einziger Ueberlebender von denen, die den Gipfel erreichten, erzählte er: „Wir drei hatten den Gipfel erreicht. Es war eine Mondlandschaft. Nur Freile befand sich in schlechter Verfassung und schien sogar geistesgestört. Während Solari und ich die chilenische Fahne hißten, verschwand er. Solari wollte ihm nach, als ich von einer Bö auf tiefere Felsen geweht wurde. Er sah, daß ich verwundet war, gab Freile auf und kam
5. Der Bewerber muß Deutscher sein und dem Nationalsozialistischen Fliegerkorps angehören.
6. Ausführungsbestimmungen erläßt der Reichsminister der Luftfahrt.
Der freiwillige Sportdienst im Jungvolk.
Der Sportdienst in HI. und BDM., auch wenn er auf Freiwilligkeit aufgebaut ist, wird selbstverständlich nach gewissen „Spielregeln" durchgeführt werden. Ganz besonders wichtig ist dabei die Art der Austragung von Wettkämpfen und Wettspielen, die im übrigen grundsätzlich auf den Bereich eines Jungbannes beschränkt bleiben. Falls sich aus Mangel an Gegnern eine Ueberschreitung des Jungbannbereiches notwendig macht, haben die Fähnlein verschiedener Jungbanne, die aus obengenannten Gründen Wettkämpfe gegeneinander austragen wollen, vor Festlegung der Veranstaltung die Genehmigung der zuständigen Jungbannführer einzuholen.
Der Uebergang vom Sommer- zum Wintersport richtet sich nach den Dienstzeitplänen der Reichs- jugendführuna. Neben dem -Uebungsbetrieb können regelmäßig Wettkämpfe und Wettspiele der einzelnen Sportdienstgruppen nur in folgenden Jahresabschnitten durchgeführt werden:
15. April bis 15. Oktober: Leichtathletik und Schwimmen. z
15. Oktober bis 15. April: Geräteturnen, Fußball, Handball, Hockey und Eissport.
Fechten, Rudern, Kanu und Tennis sollen nicht in Form von regelmäßigen Wettkämpfen durchgeführt werden, sondern als Schauwettkämpfe oder Vorführungen in Erscheinung treten. Eventuelle Wettkämpfe im Boxen, Ringen und Skilaufen werden im Rahmen der allgemeinen Sportveranstaltungen des DJ. durchgeführt.
Alle Wettkämpfe, Wettspiele und Veranstaltungen im freiwilligen Sportdienst werden vom KS.-Stellenleiter des Jungbanns im Einvernehmen mit dem Kreisjugendwart (Jugendfachwart) festgelegt und im Jungbannbefehl bekanntgegeben. Der Kreisjugendwart trifft Bestimmungen über Bereitstellung der Plätze usw. — Für die Durchführung der Wettkämpfe und Wettspiele gelten bis auf weiteres die Spielregeln und Wettkampfbestimmungen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen.
Neuer deutscher Turniersieg in 2Rom.
„Fridolin" (Rittmeister Kurl haste) gewinnt das Kanonenspringen.
Die Kette der deutschen Erfolge beim internationalen Reitturnier in Rom riß auch am Mittwoch nicht ab. Rittmeister Kurt Haste gewann auf „Fridolin" das Kanonenspringen um den Campi- doglio-Preis und brachte damit Deutschland in diesem Wettbewerb bereits zum viertenmal zum Erfolg. Leicht wurde uns aber der Sieg nicht gemacht, denn nicht weniger als fünf Stechen waren notwendig, ehe der deutsche Sieg feststand. Knapp geschlagen wurde Hauptmann C o c c i a (Italien) auf der Stute „Maga" Zweiter.
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Lucas Cranachs Lebenswerk.
Eine große Ausstellung in Berlin.
Lucas Cranach, der aus dem oberfränkischen Kronach gebürtige Meister, der mit dreißig Jahren als Maler der sächsischen Kurfürsten nach Wittenberg kam und dort bis gegen sein Ende lebte, gilt zumeist als Freund und Darsteller des Luther- kreises, und da er, um zahlreichen Aufträgen zu genügen, eine große Werkstatt unterhielt, als ein ehrsamer, etwas hausbackener Handwerker-Maler. Die Ausstellung im Deutschen Museum in Berlin, die wir Geheimrat Zimmermann, dem Direktor b* Gemäldegalerie verdanken, will solche ungerechten Urteile berichtigen. Daher ist das Werk Cranachs aus Museen und Sammlungen des Jn- und Auslandes so vollständig zusammengebracht worden, wie es vielleicht bisher noch niemals versammelt war: 118 Gemälde des Vaters, 34 Gemälde des Sohns, dazu noch etwa 200 Zeichnungen, Holzschnitte und Kupferstiche; ein weites, reiches und mannigfaltiges Lebenswerk breitet sich vor dem Beschauer aus.
Es beginnt mit Cranachs frühestem bekannten W»rk, der leidenschaftlich bewegten „Kreuzigung" (um 1500). Man kann an den chronologisch gehängten Bildern fortschreitend, verfolgen, wie sich in die gotischen Formen die des Südens, die der italienischen Renaissance mischen, um alsbald wieder ausgeschieden zu werden; der Einfluß Italiens ist für Cranach nicht verhängnisvoll geworden. Er hat wohl antike Motive gemalt, Quellnnmphen, die Urteile des Paris, die Lucretien und Venusgestalten, aber gerade die Behandlung dieser Stoffe zeigt deutlich, wie fest und unerschütterlich Cranach in seiner Art beharrt ist.
Im Jahre 1504 kam Cranach nach Wittenberg. Als Luther 1517 von hier aus seinen Glaubenskampf begann, stand der Maler mit seinem Kurfürsten Friedrich dem Weisen bei dem Reformator. Wir verdanken Cranach die bekanntesten Luther- b i l d n i s s e , bas bes jungen Augustinermönchs, bes „Junker Jörg" auf ber Wartburg und viele spätere Porträts, Holzschnitte und Zeichnungen, die das deutsche Lutberbilb entscheidend bestimmt haben. Er hat die berühmten Porträts des Lutherschen Elternpaares und die Bilder Melanchthons geschaffen, an die sich die lange Reihe ber anberen schließt: Kurfürsten, Herzöge, Bürger, Prinzen — eine Galerie von Persönlichkeiten, die bie Geschichte ihrer Zeit ensschieben haben. Dazu kommen bie vielen Aufträge für Kirchen, Altäre unb Schlösser: ein überaus reiches Lebenswerk ist es, bas ber Meister, als er mit achtzig Jahren stirbt, hinterlassen hat.
Zu dieser gewaltigen malerischen Leistung muß man noch die Zeichnungen, Holzschnitte und Kupferstiche nehmen, um die gesamte Ausbeute dieses reichen Daseins würdigen zu können.
Lucas Cranach der Jüngere, dem der Vater bie Wittenberger Werkstatt um 1550 übergab, hat stets im Schatten bes Meisters gestanben: biefe Ausstellung rückt auch bie schiefen unb falschen Urteile über ihn zurecht. Wenn bas schöne, lebensvolle „Selbstporträt" des Vaters, das ihn als Greis in weißem Haar und Bart zeigt — es tft aus den Uffizien gekommen — zwischen dem Vater unb Sohn strittig ist, so beweist biefe Tatsache schon ben hohen Rang, der Lucas Cranüch b. I. zuzuerkennen ift; bewiesen wird er auch durch die späteren Bildnisse, bie in ber Ausstellung versammelt finb..
Jebe Generation schafft sich neue' Vorstellungen von ben großen Männern ber Vergangenheit. Damit unsere Zeit ben Cranachs mit mehr Gerechtigkeit begegne als frühere, wirb in bieser Ausstellung ihr Werk in seiner ganze Weite unb Tiefe noch einmal ausgebreitet. Gerhard Bohlmann.
An der indischenAordweslgrenze.
Erinnerungen eines englischen Offiziers.
Der berühmte Verfasser des Buches „Bengal Lancer", bas seinerzeit großes Aufsehen erregte Major F. Peats-Brown, ber selber viele Jahre lang als Offizier in Jnbien gekämpft hat unb einer ber besten Kenner jener immer schon schwer umkämpften inbisch-afghanischen Grenzgebiete ist, erzählt aus Anlaß ber neuerbings bort wieber aus- gebrochenen heftigen Unruhen in ber „Daily Mail" aus feinen Erinnerungen:
„Ein neuer Krieg hat sich an der indischen Norb- westgrenze zusammengebraut, ber zwölfte seit 1908, als ich als junger Offizier in Bannu biente, wo sich heute bie Truppen versammeln. Jeber Name in ben Nachrichten von heute ruft mir eine Erinnerung meiner Jugenb wach. Jpi, wo ber Fakir bie Stämme gegen uns aufwiegelt, ist ein Turm an ber Straße Bannu—Miranshah. Miranshah ist ber wichtigste Punkt in bem Niemanbslanb, bas zwischen Britisch- Jnbien unb Afghanistan als eine Art von Pufferstaat liegt. Es ist eine große Festung mit Raum für 2000 Mann unb ein Geschwaber von Bombenfliegern, erbaut in einem gut bewässerten Tal, 600 Meter über bem Meeresspiegel, bas jetzt mit seinen Obstbäumen in voller Blüte herrlich sein muß.
46 Kilometer in ber Luftlinie sübwestwärts liegt in schwierigem Berggeläube Razmak, bas man „bie größte klösterliche Nieberlassung ber Welt" genannt
hat, benn noch niemals hat eine Fraue diese riesige Festung von 6000 Männern betreten. Wiederum 144 Kilometer weiter nach Südwesten liegt zwischen tiefen Schluchten und zackigen Bergen Wana, in meinen Tagen eine Festung wie Miranshah, heute jedoch ein Ort von beträchtlichen Ausmaßen. Es liegt in einem steinigen Bergland von 1200 Meter Höhe, und von hier kann man die Pässe sehen, die von Ghazni unb Kanbahar herüberführen, über bie seit Urbeginn ber Geschichte Eroberer nach Indien gezogen sind. Heute kommen statt ber Heere in jebem Herbst 200 000 Kamele über ben Gomulpaß unb bringen Teppiche unb Spezereien von Bokhara unb Samarkanb. Um biefe Zeit bes Jahres, bevor die größte Sommerhitze beginnt, ziehen sie nudj Jnnerasien zurück. Seit Urbeginn ber Geschichte haben auch bie Mahsubs unb Wazirs, bie biefe Straße beherrschen, von jeber Karawane einen Tribut erhoben. Lange Jahre hinburch hat England ihnen jährlich Summen in Höhe von vielen tausend Pfund gezahlt, als Wächter ber Pässe. Doch waren sie niemals zufrieden ohne Gelegenheit zu plünbern, unb stets gab es Streit, Morb unb Tosschlag. Der Pathan — ein allgemeiner Name für bie Stämme an bieser Grenze — hat ben Flachlänber von jeher als feine Beute betrachtet. Ueberfälle unb Raubzüge finb unaufhörlich trotz einer ber stärksten Po- lizeitruppen ber Welt.
Ein Bekannter von mir, der sich mit Hilfe zweier Polizeihunde für sicher hielt, wachte eines Nachts durch ein Geräusch an seiner Tür auf. Er fragte, wer dort fei, und fein Diener — wie er glaubte — antwortete, daß er nur feine Stiefel holen wollte. Dadurch beruhigt, drehte er sich auf bie Seite unb schlief weiter. Am nächsten Morgen entdeckte er, baß seine zwei Gewehre, sein Dienstrevolver, Degen, Sattel unb sein ganzes Bargeld verschwunben waren. Seine Hunbe lagen vergiftet neben ihm. Der Pathan kann ein Gewehr unter einem schla- fenben Mann wegziehen, ohne ihn aufzuwecken, unb auf biefe Weise würben einem frisch angekommenen Regiment in einer einzigen Nacht alle Gewehre gestohlen. Ueberslüssig zu sagen, baß sie solche Künste niemals gegenüber Kriegern ihrer eigenen Rasse anwenden.
Die gegenwärtigen Unruhen haben zwar mit solchen Diebstählen nichts zu tun. Ein geraubtes Mäbchen ist in ben Fall verwickelt, obwohl es in biefem Lande viele geraubte Mädchen gibt. Auch sind die Stämme den Engländern nicht persönlich feindlich gesinnt. Im Gegenteil, ber Grunb ber Unruhe liegt in ihrem Glauben, baß mir Jnbien ben Hinbus ausliefern wollen. „Unsere Vermischung mit Hinbus ist nicht nur unmöglich, sondern auch vom höchsten menschlichen Interesse aus uner
wünscht", so haben gebildete Männer nicht nur in Peshawar, sondern in allen Städten bes Punjab ZU mir gesprochen. Die „Pakistan-Jbee" ist in England noch kaum bekannt geworben. Noch nie- manb hat „Norb-Jnbien ben Norb-Jnbern" in Genf geforbert. Dennoch ist es eine Bewegung, bie von tiefer Bebeutung für ganz Asien werben kann. Es bebeutet ben Gebauten, alles Lanb von Afghanistan bis Delhi in einen autonomen mohammeba» nifchen Staat unter englische Oberhoheit zu bringen — eine Art inbisches Ulster.
Die Mahsubs können 100 000 Krieger ins Felb stellen, unb eine allgemeine Erhebung der Grenzstämme, die immer möglich ist, würbe runb 300 000 Mann im Felbe sehen, von benen freilich nur ein Drittel moberne Waffen besitzen würben. Alle englischen Garnisonen finb stark befestigt, so baß ein Angriff auf sie so gut wie unmöglich ist. Aber in bem unwegsamen Gebirge ist es keine leichte Aufgabe, ben Feinb nieberzuzwingen. Man stelle sich bas Bilb vor: Du reitest an ber Spitze beiner Männer, ntrgenbs ein Zeichen von Gefahr, in ber Ferne vielleicht eine klappernbe Mühle ober ein paar Frauen, bie Gerste säen. Die Welt scheint so schön, baß es eine Lust ist, zu leben. Das kann vielleicht bein letzter Gebaute fein, bevor bie Kugel dich trifft ... bie übrig Gebliebenen werben glauben, bie Hölle fei los. Kugeln pfeifen unb krachen.. kein Feinb zu sehen. Ihre grauen Gewänder finb eins mit ben grauen Felsen. Zwischen ihren Zähnen funkeln Morbmesser. Und hinter ihnen warten ihre Frauen ebenfalls mit Messern ..."
Schnelle Flaschenpost.
Am 16. November vorigen Jahres wurde eine Flasche mit einer Botschaft bei Stocktonon-Tees in England ins Meer geworfen, unb sie würbe genau 43 Tage später in Kumasi an ber Golbkuste in Afrika wieber aufgefischt. Die Zeit, bie ein erst- Saffiger Dampfer für biefe Reife von über 6000 Kilometern braucht, finb 14 Tage, so baß bie Flaschenpost nur breimal so viel Zeit für bie Reise benötigte. Der Mann, ber bie Flasche absandte, legte eine Mitteilung hinein, in ber er ben Finder bat, ihm Nachricht zu geben, wann er sie erhalten hätte. Er bekam einen Brief von einem Manu aus Kumasi, der ihm schrieb, daß er die Flasche nm 28. Dezember aus bem Wasser geholt und die Nachricht darin gefunden hätte. Die aufgeklebte Aufschrift war noch völlig lesbar, obwohl die Flasche sehr lange, im Wasser gelegen hatte. Es ist dies jedenfalls die schnellste Flaschenpost, von ber man bisher gehört hat.


