Oie Großreiche.
Heute gibt es auf her Gtbe neun Großreiche, die ein Gebiet von 88 Millionen Geviertkilometer umfassen, also etwa 66 v. H. der gesamten Erdoberfläche. Diese neun Großreiche sind der räumlichen Ausdehnung nach aufgeführt: England,Räterußland, Frankreich, Vereinigte Staaten, Italien, Belgien, Portugal, Holland und Japan. Auffällig ist hier der Gegensatz zwischen Gebiet und Bevölkerung des Heimatlandes und der großen Kolonialreiche in Uebersee. Belgien umfaßt in Europa 30 000 Geviertkilometer, verfügt aber über einen Kolonialbesitz von 2,4 Millionen Geviertkilometer. An der Spitze steht das britische Reich, das in Europa knapp 230 000 Geviertkilometer umfaßt, aber über ein Kolonialgebiet verfügt, da^ mit 34 Millionen Geviertkilometer rund 25,2 v. H. der Erdoberfläche bedeckt. Dabei hat England in Europa eine Bevölkerung von 44 Millionen, während die Bevölkerung des allbritischen Reiches auf ungefähr 500 Millionen geschätzt wird. In verhältnismäßig weitem Abstand kommt hinter England an zweiter Stelle Räterußland, wobei aber zu beachten ist, daß es in Europa allein schon 4,7 Millionen Geviertkilometer umfaßt mit einer Bevölkerung von 134 Millionen, so daß auf das asiatische Gebiet Räterußlands 13 Millionen Geviertkilometer entfallen mit einer Bevölkerung von 30 Millionen.
Nun kommen nicht etwa an dritter Stelle die Bereinigten Staaten von Nordamerika, sondern — Frankreich. Zwar umfaßt Frankreich in Europa 550 000 Geviertkilometer mit einer Bevölkerung von 41 Millionen, aber was ist das schon im Vergleich zu einem Kolonialreich, das gut 12 Millionen Geviertkilometer zählt, dessen Bevölkerung auf 65 Millionen geschätzt wird. Bei den Vereinigten Staaten deckt sich der eigentliche Gebietsumfang mit fast 8 Millionen Geviertkilometer sowie mit einer Bevölkerung von 123 Millionen mit der Größe des Gesamtreiches, aber dies beträgt immerhin 9,7 Millionen Geviertkilometer, dessen Gesamtbevölkerung 137 Millionen beträgt. Selbst Portugal, das mit 90 000 Geviertkilometer dreimal so groß ist wie Belgien, verfügt über ein Kolonialreich von 2,1 Millionen Geviertkilometer, das aber sehr dünn bevölker ist, nämlich nur mit etwa 11 Millionen.
Spanien, das in der neueren Geschichte als das älteste und größte Kolonialreich anzusprechen war, hat inzwischen alle Kolonien verloren; zunächst in Südamerika, sodann in Mittelamerika und im Pazifik. So groß auch das Großreich Spanien räumlich gewesen sein mag, an den Gebietsumfang und an die Bevölkerungszahl des Britischen Reiches reichte es nicht heran. Dabei gehört England eigentlich gar nicht zu den großen kolonialen Pfadfindern, denn nicht britische Seefahrer waren es oder Ansiedler in fremden Landen, die kolonialen Besitz eroberten, sondern Fischer. Nach den Befreiungskriegen schien England sogar kolonial ge- fättigt zu' sein, wohl mit Rücksicht darauf, daß Indien damals schwer zu verdauen mar.
England war nach den Befreiungskriegen so großmütig, alle kolonialen Besitzungen Frankreichs, die es den Franzosen weggenommen hatte, an Frankreich wieder zurückzugeben. Gewiß, so umfangreich wie heute war der Kolonialbesitz Frankreichs damals noch nicht, was in der Hauptsache darauf zurückzuführen ist, daß Afrika nur an einzelnen Küstenstellen angeknabbert war, sonst aber als dunkler Erdteil galt. Frankreich hat dann im neunzehnten Jahrhundert seinen kolonialen Besitz weiter ausgedehnt, vor allem in Nordafrika, schließlich auch int Fernen Osten. Dabei darf nicht über- fehen werden, daß die koloniale Ausdehnung Frankreichs gegen Ende des 19. Jahrhlmderts vom Fürsten Bismarck begünstigt wurde, der dabei da
von ausging, daß dem Wachtumswillen einer großen Nation nicht gewaltsam Schranken gezogen werden dürften. Wenn das geschieht, wird der Wachstumswille, der sich doch nicht drosseln und knebeln läßt, weil der Volksdruck Raum braucht, sich einen anderen Ausweg suchen.
Ist es nicht auffällig, daß unter den neun Groß- reichen Japan das Land ist, das bei verhältnismäßig geringem Gebietsumfang, nämlich 382 000 Geviertkilometer mit über 70 Mill. Einwohnern, den stärksten Volksdruck aufheist? Auffällig noch mehr, daß ausgerechnet Japan das kleinste Kolonialreich umfaßt, denn feine Gebiete auf dem Festlande sowie im Pazifik umfassen 1,5 Millionen Geviertkilometer mit einer Bevölkerung von fast 60 Millionen. Aber gerade darin liegt der Zwang, sich für den Volksdruck einen Weg ins Freie zu suchen, was insofern auch geschehen ist, als Japan unter dem Druck dieses Zwanges auf das Festland hinübergegangen ist, nicht erst feit her Gründung Mandfchukuos, sondern schon seit der Eroberung Koreas vor mehr als 40 Jahren, um seitdem noch immer vor der Frage zu stehen, wie und wo sich klimatisch geeignetes Siedlungsland für den an harte Arbeit gewohnten japanischen Bauern finden läßt.
Erst mit der Eroberung Abessiniens ist Italien in die Reihe der Großreiche getreten, also der Reiche, die an einen Gebietsumfang von fast 2 Millionen Geviertkilometer heranreichen. Aber der Gebietszuwachs durch Abessinien hat trotz der Größe des Raumes nur einen geringen Bevölkerungszuwachs gebracht. Hinsichtlich der Dichte der Bevölkerung aller Großstaaten steht Japan mit 69 Personen auf den Geviertkilometer an erster Stelle, während die letzte Stelle Portugal mit 7 Personen auf einen Geviertkilometer einnimmt. S.
Frankreichs Gtaatsfinanzen.
Paris, 28. April. (DNB.) Finanzminister Vincent Auriol gab vor dem Finanzausschuß der Kammer einen Bericht über die finanzielle Lage Frankreichs. Er dementierte aufs neue die Absicht der Auflegung einer Zwangsanleihe, die sicher ein Mißerfolg werden würde. Die für die Landesverteidigung aufgebrachten Anleihen würden auch nur für solche Zwecke verwendet. Die einheitliche Kassenführung des Staates erlaube wohl vorübergehend Umdispositionen; diese würden aber beim Abschluß der Haushaltsrechnung am Jahresende richtig- gestellt. Der Frankenkürs fei langsam gesunken, er unterschreite jedoch nicht die festgesetzten Grenzen. Der Stabilisierungsfonds bilde mit feinem wie^er- hergestellten Devisenbestand die erste Verteidigungslinie des Franken, die zweite Linie bestehe in den Gesamteinnahmen der Bank von Frankreich, die am 16. April 57 359 Millionen Franken betragen hätten. Der Währungsausgleichsfonds habe also mehr Reserven als diejenigen, die gegen ihn kämpften. Nicht zu entschuldigen sei das Verhalten der Franzosen, die im Ausland Häuser oder Grundstücke kauften und die noch jetzt über 30 Milliarden Franken im Ausland angelegt hätten.
„Jour" fragt, wo denn eigentlich die 8 Milliarden Franken der Anleihe für die nationale Verteidigung geblieben seien. Der Finanzausschuß der Kammer habe zusammen mit dem des Senates das Kontrollrecht über die Verwendung dieser Gelder. Diese Kontrolle aber habe am Mittwoch Dank der Weigerung des Finanzministers nicht ausgeübt werden können. Das Blatt fragt, ob Vincent Auriol vor dem Finanzausschuß des Senats die gleiche Haltung einnehmen werde. Falls er auch hier keine Belege für die Verwendung der 8 Milliarden erbringen sollte, so sei man berechtigt anzunehmen, daß ein Teil dieser Gelder für andere Zwecke als für die nationale Verteidigung verausgabt fei.
Kunst und Wissenschaft.
Festliche Ausführung der „Götterdämmerung" in Amsterdam.
Die Amsterdamer Wagnervereinigung bereitet eine Festvorstellung der „Götterdämmerung" vor, die am 30. April statt finden und am 1. Mai wiederholt werden soll. Diese Aufführung, die den Höhepunkt der Musiksaison bilden wird, ist dem Gedächtnis des holländischen Wagnerverehrers und Gründers der Wagnervereinigunb I. C. Bunge gewidmet. Schon seit Tagen befaßen sich die holländischen Blätter mit dieser Vorstellung, deren Bühnenbild von Professor Emil Preetorius neu- geschaffen wurde. Die Spielleitung liegt in den Händen des Hamburger Generalintendanten Dr. Strohm. Es ist der' Wunsch der Wagneroereinigung, diese Aufführung nach den Traditionen Bayreuths zu gestalten. Dafür bürgt auch die Auswahl der Solisten: Fuchs, Klose, Heidersbach, Lorenz, Prohaska, Manowarda. Generalintendant Strohm kann in diesem Jahr auf eine zehnjährige Tätigkeit im Dienste des Ausbaues deutsch-holländischer Theaterbeziehungen zurücksehen. Seit 1927, damals noch als Spielleiter der städtischen Bühnen in Aachen, hat Generalintendant Strohm alljährlich in Holland deutsche Gastvorstellungen geleitet und sich dadurch ein bedeutendes Verdienst um die kulturelle Annäherung beider Völker erworben, was von den holländischen Blättern dankbar gewürdigt wird.
Aus aller Wett.
Der Mord an der Diplomatentochter aufgeklärt.
Der Mord an der Tochter des Wiener paraguayischen Gesandten, Ingrid Wiengreen, ist nach fieberhafter Arbeit der Behörden vollständig aufgeklärt worden. Die Tat wurde von einer Räuberbande verübt, die es sich zum Ziele gesetzt hatte, in der einsamen Neunkirchener Allee, der Straße Wien—Semmering, Anschläge auf Kraftwagenfahrer durchzuführen. Der eigentliche Täter heißt S ch l e g e l ; in feinem Besitz wurde ein Photoapparat des Mädchens gefunden. Sein Mantel wies Blutflecken auf. Unter dem Druck der Beweise legte er schließlich ein Geständnis ab. Drei seiner Komplizen sind ebenfalls verhaftet. Die Täter hatten knapp vor der Ermordung Fräulein Wien- greens den Kraftwagen eines Wiener Rechtsanwaltes angehalten, doch von der Ausführung eines Ueberfalles abgesehen, da sie bemerkten, daß der Wagen mit vier Personen besetzt war. Frl. Wiengreen hielten die Burschen zunächst durch Zeichen auf und forderten unter Vorhaltung von Pistolen die Habseligkeiten des Opfers. Obwohl sie dann verzweifelt um ihr Leben bat, wurden fünf Schüsse auf die Unglückliche abgegeben, die schon nach dem zweiten Schuß tot gewesen sein muß. Der Mörder und seine Helfer dürften in wenigen Tagen vor das Standgericht gestellt werden.
Späte Sühne für eine scheußliche Mordtat.
Das Freiburger Schwurgericht verurteilte die Angeklagten Julius Scherer und Friedrich Volk wegen vollendeten Mordes zum Tode und Ehrverlust auf Lebenszeit; wegen Beihilfe zum Morde wurden die Angeklagten Heinrich Mayer zu sechs Jahren Zuchthaus, Leo Mayer zu fünf Jahren Zuchthaus und die Ehefrau Amalia Scherer zu vier Jahren Zuchthaus unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Die Ehrenrechte wurden ihnen auf fünf Jahre aberkannt. Der Staatsanwalt hatte für alle fünf Angeklagten die Todes- striM beantragt. — Auf Anstiften der Ehefrau, die inzwischen verstorben ist, war am 12. Februar 1923 der Bahnarbeiter Wilhelm Mayer auf seinem Anwesen in Ebnet bei Freiburg i. Br. ermordet worden. Allgemein wurde damals ein Selbstmord an
genommen, und erst 1936 wurde durch einen Mitwisser bekannt, daß Mayer ermordet worden war. Die Tat war deshalb so ungeheurlich, weil gewissermaßen auf Grund eines Familienrates das scheußliche Verbrechen des Gatten- und Vatermordes begangen und die Hilfe Gottes von einigen der Beteiligten herabgefleht wurde, während die übrigen das Verbrechen begingen.
Zeitschriften.
Im Auftrag der „neuen linie" (Verlag Otto Beyer, Leipzig, Preis 1 Mk.) hat ein Photograph eine Dorfgemeinschaft in vielen Gesichtern festgehalten, und ein Journalist hat mit der Geschichte jedes einzelnen die Geschichte des Dorfes erzählt. Gleichzeitig zeigt das April-Heft der „neuen Urne" das deutsche Bauernhaus, feine Tradition, feinen Verfall und feine Wiedergeburt. — lieber her magischen Welt hes „phantastischen Theaters" hebt sich her Vorhang. Die Schilderung eines Besuches bei Hanns Iahst unh hie zweite Preisnovelle „Das Auge" von August Scholtis bereichern hen literarischen Teil. „Die Autoschleife hurch Italien", hie durch eine Reihe her schönsten Städte hes Lanhes führt, will jeben zu einer ähnlichen Fahrt anregen. — Besonhers reichhaltig ist hiesmal her Modeteil, her reizende Sportmodelle, Mantel- unh Jackenklei- ber, kürzere Röcke unh viele anbere Neuigkeiten zeigt.
— Der stellvertretende Pressechef der Reichsregie, rung, Ministerialrat Alfred-Jngemar Berndt, erläutert in der neuesten Nummer der „Jllustrir-- t e n Z ei tu n g L e i p z i g" die Idee des deutschen Führerstaates. Zahlreiche Aufnahmen, die den Führer in zwangloser und herzlicher Unterhaltung mit Arbeitern, Frauen und Kindern zeigen, sind dem Apfsatz beigegeben. In Wort und Bild ersteht ein plastisches Bild des Führers, das zugleich Zeugnis dafür ablegt, wie sich her Wille hes Führers auf alle Gebiete beutfchen Lebens unh deutscher Kultur ausgewirkt hat. Eine Auswahl unveröffentlichter Aufnahmen vom Berghof, dem Heim des-Führers in Berchtesgaden,' füllt in vorbildlicher Wiedergabe mehrere Seiten; ein weiterer Beitrag ist dem Dankopfer hej Nation gewidmet.
— Das neue Heft her „Siren e", der illustrierten Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes, berichtet in fesselnden Bilderartikeln über eine große Werbeschlacht des RLB., über eine besonders gut gelungene Luftschutzübung in Bremen und über österreichische Luftschutz-Maßnahmen. Die feierliche Zurückweisung der Kriegsschuldlüge durch Adolf Hitler wird in einem bebilderten Beitrag „Die Geschichte einer Lüge" gewürdigt. Außerdem enthält das Heft interessante Bildberichte über eine Bärenjagd in Nordfinnland und über die amerikanischen Überschwemmungskatastrophen und ihre Hintergründe.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschloßen.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. 21. III 37: 10 496. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit her Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags
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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. April 1937 gültig.
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