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gr.252 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Donnerstag, 28. Oktober 1952

Kähnen und Standarte der Wehrmacht in Gießen.

Feierliche Ltebergabe der neuen Feldzeichen an die Infanterie und Artillerie in den Gießener Kasernen.

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Die Fahnen der Infanterie und das Feldzeichen der Artillerie-Abteilung. Kurz vor dem Abmarsch in der Artilleriekaserne.

(Aufnahmen s3j: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Der 2 7. Oktober 1937 wird in der Geschichte unserer Gießener Truppen und der Garnisonstadt Gießen allezeit ein Markstein sein. Denn an diesem Tage wehten zum ersten Male nach langen Jahren wieder Truppenfahnen der Gießener Garnison in den Straßen unserer Stadt. Die durch den Führer wiedererstandenen Truppenteile, das Jnf.-Rgt. 116, die HI. Abtlg. Art.-Rgt. 9 und das I. Ball. Jnf.-Rgt. 36 brachten die ihnen vom Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler verliehenen, am Dienstag in Wies­baden durch den Reichskriegsminister, Generalfeld­marschall von Blomberg übergebenen Fahnen bzw. die Standarte der Artillerie-Abteilung feier­lich in den Garnisonort ein und überführten sie, nach altem militärischen Brauch, in das Dienst­gebäude des Standortältesten.

Es war ein Heller, von warmer Herbstsonne über­strahlter Tag, der am gestrigen Mittwoch diesem großen militärischen Ereignis einen schönen Rah­men gab. Dazu kam, daß die Bevölkerung unserer Stadt in großer Menge freudigen Anteil nahm an diesem Geschehen, das viele Volksgenossen, insbe­sondere die jüngeren, noch nie gesehen hatten. So­wohl vor den Kasernen der Infanterie und der Ar­tillerie, als auch an den Marschstraßen, die von der Fahnenkompanie auf ihrem Wege von der Artille­rie-Kaserne bis zum Divisionsqebäude durchschritten wurden, standen große Menschenmassen, ebenso auf dem Landgraf-Philipp-Platz vor der Zeughaus- Kaserne, ganz abgesehen von der starkenBegleit­mannschaft" männlichen und weiblichen Geschlechts aller Altersklassen, die mit der Fahnenkompanie strammen Schrittes durch die Straßen zog.

Es hat sich bei dieser denkwürdigen militärischen Feier in eindrucksvoller Weise wiederum das be­kundet, was wir in Gießen schon immer gekannt haben und stets wieder feststellen können: die in­

nige Verbundenheit von Soldaten und Bevölkerung, die erfreuliche Liebe aller Volksgenossen zu unserer herrlichen Wehrmacht!

Die Feiern bei der Infanterie.

Um 11 Uhr marschierte die Fahnenkompanie un­ter dem Kommando von Hauptmann Osann mit den Fahnen vom Hof der Bergkaserne nach der Waldkaserne an. Dort wurden dem II. Batail­lon Jnf.-Regt. 116 und dem I. Batl. Jnf.-Regt. 36 in symbolischer Form die Fahnen übergeben. An­schließend wurde der Rückmarsch zur B e r g kä­se r n e angetreten und dort dem I. Batl. Jnf.-Regt. 116 die Fahne überreicht.

Die Fahnenübergabe vollzog sich in schlichter militärischer Form. Vor den im offenen Viereck angetretenen Mannschaften nahmen die Fahnen­träger und die Fahnenoffiztere Aufstellung, wäh­rend die Bataillonskommandeure kurze Ansprachen hielten. Dem I. Batl. Jnf.-Regt 36 übergab Oberst­leutnant von Hertel l, dem II. Batl. Jnf.-Regt. 116 überreichte Major Maak, dem I. Batl. Inf. Regt. 116 übergab Major Wiese die Fahne.

Die Bataillons-Kommandeure wiesen in ihren Ansprachen darauf hin, welch hohe Bedeutung für den Soldaten die Fahne habe, die ihm als ein Zeichen der Treue, des Gehorsams, der steten Ein­satzbereitschaft für Führer, Volk und Vaterland, der Aufopferung in entscheidender Stunde, selbst mit dem Einsatz des Lebens, vor dem geistigen Auge sein müsse, auch dann und gerade dann, wenn sie auch in einer kriegerischen Auseinandersetzung der Truppe nicht vorangetragen werden könne. Man hörte von heroischen Kämpfen um die Fahne wäh­rend des Feldzuges 1870/71, die Redner erinnerten auch daran, wie während des Weltkrieges die Sol­daten des ruhmreichen Infanterie-Regiments 116 unter ihren Fahnen zu kämpfen und zu sterben wußten. In den Ansprachen der Kommandeure der Bataillone klang die Aufforderung durch, der gro­ßen Waffentaten des Weltkrieges eingedenk zu fein und das Heldentum der deutschen Soldaten des Weltkrieges als leuchtendes Vorbild zu sehen. Sie ließen auch in eindringlichen Worten die Größe der Schmach erkennen, die es bedeute, die Fahne zu verlassen, der Fahne und damit dem Führer, dem

Volke und dem Vaterlande die Treue zu versagen. Ferner wurde darauf hingewiesen, wie durch die Vereinigung des Eisernen Kreuzes und des Haken­kreuzes im Tuch der neuen Fahne der großen Tra­dition des ruhmreichen deutschen Heeres einerseits entsprochen wurde und sich im Hakenkreuz die wie- dergewonnene Wehrfreiheit des deutschen Volkes und seine Ehre dokumentiere In diesem Zusam­menhang wurde an die Tat des Führers vom 6. März 1935 erinnert, mit der er dem deutschen Volke seine Wehrfreiheit wiedergab, so daß heute das deutsche Vaterland wieder fest und stark da­stehe.

Die Bataillonskommandeure beschlossen ihre An­sprachen mit dem Treugelöbnis zu Führer, Volk und Vaterland mit dem dreifachen Sieg-Heil, in das die Soldaten wie ein Mann einstimmten. Mit den Liedern der Ration, vom Musikkorps des Jnf.- Regts. 116 gespielt, wurden die Feiern beschlossen.

Nachdem die Feiern in der Wald- und in der Bergkaserne beendet waren, marschierte die Fah­nenkompanie mit den neuen Feldzeichen nach der Artillerie-Kaserne.

Die Feier bei der Artillerie.

Die III. Abt. Art -Rgt 9 war vor ihrem Kom­mandeur, Oberstleutnant Döring, in der Exer­zierhalle der Artilleriekaserne im offenen Viereck aufmarschiert. Mit den Soldaten vereinigten sich die in der Artilleriekaserne tätigen Zivilangestellten der Wehrmacht zu der Feierstunde

Nach der Meldung an den Kommandeur und dem feierlichen Einbringen der Standarte vor die Front ließ Oberstleutnant Döring dem Standartenträ­ger mit dem Feldzeichen zunächst langsamen Schrit­tes die Front der Kanoniere und der Zivilange­stellten abschreiten, um dadurch allen Männern die Möglichkeit zu geben, aus nächster Nähe die Stan­darte besichtigen zu können.

Anschließend richtete der Kommandeur, Oberst­leutnant Döring, eine Ansprache an seine III. Ab­teilung, die er auf die feierliche Ueberreichung der Fahnen und Standarten am Tage zuvor in Wies­baden hinwies und dabei als besonders bedeutsam die Tatsache unterstrich, daß die Feldzeichen den Truppen am Rhein überreicht wurden, der vor einigen Jahren noch von fremden, internationalen

Truppen besetzt war. Als weitere bemerkenswerte Tatsache hob der Kommandeur den 2 6 Oktober hervor, an dem vor langen Jahren dem deutschen Volke zwei unvergeßliche große Männer geboren wurden- Freiherr vom Stein und Generalfeld­marschall von M o l t k e. Weiter erinnerte er dar­an, daß unser Führer Adolf Hitler durchs die Ver­leihung der Fahnen und Standarten an die Trup­pen eine alte und geheiligte Tradition zu neuem Leben erweckt hat, und er zitierte dabei das Wort des Führers auf dem Reichsparteitag 1935 an die Soldaten:Ihr seid nicht etwas künstlich Gemach­tes, etwas Traditionsloses, das keine Vergangen­heit hat, sondern was es auch in Deutschland sonst gibt, es tritt zurück hinter dem, was ihr an Tradi­tion zu verkörpern habt und müht Sorgt dafür, daß sich die Nation auf euch genau so verlassen kann, wie sie sich einst verlassen konnte auf unser altes herrliches Heer". Oberstleutnant Döring er­innerte seine Männer sodann an die zahlreichen ruhmvollen Gefechte und Schlachten des deutschen Heeres, an die herrlichen Siege, deren Künder die alten Fahnen waren, er machte die Soldaten aber auch auf die Heiligkeit des Fahneneides aufmerk­sam und stellte den jungen Feldgrauen eindringlich den Schimpf der Untreue und der Fahnenflucht vor Augen.

Sodann deutete er seinen Kanonieren den Sinn des Eisernen Kreuzes und des Hakenkreuzes auf der Standarte dahin, daß hierdurch der ruhmreiche soldatische Geist der alten deutschen Armee verbun­den werde mit der Weltanschauung des National­sozialismus, die unter dem Hakenkreuz das Dritte Reich erkämpfte und das ganze deutsche Volk durch den Führer Adolf Hitler eroberte. Dem Führer verdanke das deutsche Volk die Wiedergeburt der deutschen Wehrmacht. Das Hakenkreuz sei das Un­terpfand für Deutschlands Macht, Freiheit und Einheit. Der Kommandeur ermahnte seine Solda­ten, stets im Zeichen des Hakenkreuzes zu leben, denn nur dann seien sie gute Soldaten und echte Nationalsozialisten und getreue Gefolgsleute des Führers.

Unter präsentiertem Gewehr gedachte Oberst­leutnant Döring mit seinen Offizieren und Mannschaften sodann des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht Adolf Hitler Mit dem Gruß an den Führer und dem Gesang der

Fahnenträger und Fahnenoffiziere marschieren zur Fahnenübergabe an das I. Bataillon Jnf.-Regts. 116 im Hof der Bergkaserne auf.

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Die neuen Fahnen und die Standarte werden in das Dienstzimmer des Divisionskommandeurs Generalleutnant O ß w a l d gebracht.

Maras Kinder.

Von Stry zu Eulenburg.

Die Ente Bettina starb eines unglückseligen To­des. Der Versicherungsagent Karl Miethost fuhr mit dem Auto in den Hof des Anwesens, und ob­wohl sein Wagen schon beinahe stand, flatterte Bet­tina im letzten Augenblick gegen den Kühler. Sie wurde zu Boden geschleudert und vom rechten Vor­derrad des Autos, das auf ihr stehen blieb, in we­nigen Sekunden erdrückt.

Der Bauer Brodersen, der zufällig vom Fenster der Stube aus den Unfall beobachtet hatte, forderte für die tote Bettina sogleich Schadenersatz. Karl Miethoff, der gekommen war. um eine Versicherung abzuschließen, erklärte sich bereit, die Ente zu be­zahlen, obwohl ihn an dem Unfall fein Verschul­den traf, da er es an Vorsicht nicht hatte fehlen lassen. Soweit schien die ganze Angelegenheit wie­der in Ordnung gebracht zu sein.

Aber es war nicht so.

Bettina hatte fünf noch brutwarme Eier zurück­gelassen. Sie hatte sich für eine Zeit von nur wenigen Minuten außerhalb ihres Nestes befun­den als sie, vielleicht in der Annahme, das rat­ternde Auto bedrohe ihre Eier, rasch wieder zuruck- wollte und dabei dem Verderben blindlings in die Arme gelaufen war. t r . ..

Brodersen fand jedoch auch in dieser Bedrängnis einen Ausweg.

Erft vor wenigen Tagen hatte er der schwarzen * Mara, die wie manche andere Henne, von der Lei­denschaft besessen war, alle Eier, die sie legte, auch gleich ausbrüten zu wollen, mit einem Topf Was­ser Abkühlung verschaffen müssen. So lockte er nun Mara an und setzte sie auf die Eiernder toten Bettina. .

Mara begann ihr Brutgeschäft nur mit Miß­trauen, weil sie erwartete, plötzlich wieder, rote schon so oft, von den Eiern fortgejagt zu werden. Aber als Tage vergingen, ohne daß man sie störte und der Futternapf sogar in ihre Nähe gerückt wurde, prusterte sie sich stolz auf und gackerte einen Vormit- tag lang so geschäftig und fröhlich, als müsse sie für all die Eier, auf denen sie saß, und die sie nun glaubte selbst gelegt zu haben, die bisher unter­lassenen Freudenausbrüche auf einmal nachholen.

Dann trat wieder Stille ein und Mara brütete hingebungsvoll weiter, wie es ihrem Ruf entsprach, den sie als die beste Bruthenne des Hofes genoß. Fast niemals verließ sie ihr Nest und stets wachte sie eifersüchtig darüber, daß nicht die andern Hüh­

ner oder die Tauben ihr zu nahe kamen, die allzu gerne den vollen Futternapf geplündert hätten.

Endlich, nach vielen Tagen, war es soweit, daß das erste Junge die dünne Eierschale durchbrechen konnte. Nach weiteren zwei Tagen waren es ins­gesamt fünf noch nackte, leise piepsende, junge Vö­gel, die sich hilflos unter Maras schützend ausge­breiteten Flügeln regten.

Die schwarze Henne Mara war Mutter gewor­den. Und sie war eine so vollkommene Mutter, wie sie jede Glucke ihren Kücken ist.

Sie war glücklich und stolz; sie war den ganzen Tag damit beschäftigt, die hungrig aufgerissenen Schnäbel zu stopfen, und wenn eines der Jungen ein wenig abseits zu liegen tarn, schob sie es rasch wieder mit sanften Bewegungen des Schnabels un­ter die wärmende Hülle ihrer Federn zurück.

Nach nicht allzu langer Zeit war die junge Brut so weit herangewachsen, daß Mara mit ihr den ersten Ausflug auf den Hof wagen durfte.

Brodersen war zugegen und sah voll Freude die­ses Bild, wie Mara zaghaft stets ein paar Schritte voranftolzierte und dann mit lauten Lockrufen ihre Jungen nachzog. Er sah, wie Mara einen Wurm aufpickte und ihn für die Kleinen zerhackte, und beobachtete noch, wie sie dann plötzlich, als der Hahn des Hofes sich ihr näherte, in angsterfüllte War­nungsrufe ausbrach und die rasch herbeieilenden Jungen schützend unter ihrem Flügeldach versteckte.

Alles ist so. als würde Mara ihre eigenen Jun­gen, junge Hühner und keine kleinen Enten be­treuen", staunte Brodersen.

Und so blieb es. Die schwarze Henne Mara wachte eifersüchtig über ihre Kinder, war in so hingebungs­voller Liebe um sie besorgt, wie es nur eine Hüh­nermutter fein kann, die zu jeder Stunde bereit ist, das Leben ihrer Kinder bis zum Letzten zu verteidi­gen. Zwar geschah nichts, was eine wirkliche Le­bensgefahr für Maras Kinder bedeutet hätte.

Man möchte diesen Vorfall, der sich eines Nach­mittags am Rande des Dorfteiches abspielte, eher als das tragische Schicksal einer Tiermutter betrach­ten, als die bloße Tatsache daraus festzustellen, daß Mara der Tücke eines Irrtums zum Opfer fiel

Mara hatte sich, nach Futter suchend, wie schon so oft, aus dem Hofe entfernt und war dabei zum erstenmal mit den fünf Jungen zum Dorfteich ge­kommen. Es war ein sehr heißer Tag und Mara gerade eifrig damit beschäftigt, einen gefundenen Käfer am Boden zu zerteilen, als sie sich mit einem- mal von ihren Kindern verlassen sah. Aengstlich fing sie zu locken an, drehte sich erreat nach allen Sekten und rauschte dann in höchster Verzweiflung mit ihren Flügeln. Sie streckte ihren Hals weit vor,

verdrehte die Augen und stieß in ihrer größten Not ein langgezogenes Kreischen aus. Sie wollte ihre Kinder noch in der letzten Sekunde retten, hob sich in wildflatternden Flügelschlägen handbreit von der Erde ab und stürzte nach vorwärts, viele Meter weit in den Teich. Ging dann rasch und fast laut­los im Wasser unter, während ihre Kinder mit den sicher paddelnden, kleinen Füßchen fröhlich weiter schwammen und leise guaften.

Stirbt der Kondor aus?

In Kalifornien, wo man noch vor wenigen Jah­ren den Kondor häufig beobachten konnte, ist der Bestand an Kondors in der letzten Zeit stark zu- sammegeschmolzen; feine einzige noch bekannte Heimstätte ist der Los Padres-Nationalpark. Der Grund liegt, wie in der Frankfurter Wochenschrift Die Umschau" berichtet wird, in den Lebensge­wohnheiten dieser großen ©eier Der Kondor, der hauptsächlich vom Aas großer Tiere lebt, fand in den Zeiten, in denen die Herden des amerikani­schen Bisons nur der Häute wegen niedergemetzelt wurden, während man die Kadaver liegen ließ, reichliche Nahrung. Heute ist dagegen die Nahrungs­frage ein sehr schwieriges Problem geworden. Auch geeignete Horste und Brutstätten mit viel Raum für An- und Abflug, wie er ihn feiner Größe wegen braucht, sind für ihn notwendig, und um ihn vor dem Schicksal zu bewahren, das früher den Dodo, den Riesenalk ereilt hat, sollen von der Forstbe­hörde Ruhe- und Nistplätze in geeigneter Höhen­lage geschaffen werden, die abgelegen sind vom Ver­kehr, Gelegenheit zum Baden und Trinken bieten und gegen Waldbrände gesichert sind.

Zeitschriften.

»,,D a s Innere R e i ch." Herausgeber: Paul Alverdes und K. B. v. Mechow Verlag Albert Langen-Georg Müller, München. Das Oktober­heft beginnt mit der Rede E. G. Kolbenheyers, die er in Frankfurt aus Anlaß der Ueberreichung des Goethe-Preises überGoethes Denkprinzipien und den biologischen Naturalismus" hielt. Die Be­deutung dieser wissenschaftlich tiefgegründeten Rede, die im Dichter den schöpferischen Denker erkennen läßt, liegt nicht zuletzt in der Ausweisung der Tat­sache, daß Goethe, der Naturwissenschafter, weit über die typischen Denkformen seiner Zeit hinaus- zielend bereits dem biologischen Naturalismus zu­strebte. Aus dem übrigen, erfreulich vielseitigen In­halt des Heftes ist zu nennen eine neue Erzählung Der Brook oder O Deutschland hoch in Ehren

von Ludwig Tügel, durchleuchtet von eigentümlichem Humor, spielend in der Nachkriegszeit unter nord­deutschen Menschen. Walter Bauer zeichnet dann ein Bildnis desWanderers" Johann Gottfried Seume. Carl Schleinkofer gedenkt aus Anlaß des 25. Todestages des Malers Karl Haider sechs Bild- roiebergaben zeigen die feine und große Kunst die­ses Münchener Meisters. Wieder darf man auch die fördernde Pflege rühmen, die dasInnere Reich" der Lyrik zuteil werden läßt. Das vor­liegende Heft bringt Gedichte von Josef Weinheber, Georg Britting, Heinrich Zillich von Wolfram Brockmeier und Franz Tumler und, bisher noch unbekannt, H. I. Himstedt. Abschließend seien noch einige betrachtende Beiträge genannt: eine kritische Würdigung der Schriften des früh dahingeschiede­nen E. G. Winkler, ein Hinweis Heinrich Zillichs auf die Bedeutung des Deutschen Ausland-Jnstitutes in Stuttgart und eine Betrachtung über das Theater.

Mit dem Oktober-Heft beginnt die alpine Zeit­schriftDer B e r g st e i g e r" (Verlag F. Bruck- mann, München, Jahresabonnement 10 RM.) ihren 16. Jahrgang, der eine grundlegende Verbesserung der Ausstattung erfahren hat. Das erste Heft bringt eine farbige Reproduktion nach einem Gemälde von Ernst Platz, dem anläßlich seines 70. Geburts­tages ein Beitrag gewidmet ist und die ebenfalls farbige Wiedergabe eines alten Gemäldes von Ju­lius LangeDer Gosausee mit dem Dachstein" zum 75jährigen Jubiläum der SektionAustria" des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins. Un­ter den bergsteigerischen Beiträgen fesselt durch großartige Bilder die Schilderung von Peringer über seine Bergfahrten im Kaukasus. Den Natur­freund werden die beiden Aufsätze über das Salz­burger Höhlenmuseum und den Olmfang in der Adelsberger Grotte interessieren. Besonders er­wähnenswert ist noch die ausgezeichnete Erzäh­lung von Walter BauerDer Weg im Schnee."

Wie die Reichshauptstadt während der großen Luftschutz- und Verdunkelungsübung dieses Herb­stes ausgesehen hat, zeigt das neue Heft derSi­re n e", der illustrierten Zeitschrift des Reichsluft­schutzbundes, in einem Bildbericht. Das neue Heft bringt außerdem einen sehr aufschlußreichen Bei­trag über Flugzeugbau mit interessanten Photos. Bildberichte erzählen von den Männern des Selbst­schutzes im Hamburger Hafen, von den Felsenkam­mern in einer kleinen Elbstadt, die zu Schutzräu­men ausgebaut worden sind. Ein bebilderter Ar­tikel .Kinder unter der Volksgasmaske". Photos vom Heer der Tschechoslowakei und Berichte von der Arbeit des Reichsluftschutzbundes beschließen das Heft.