Ausgabe 
28.9.1937
 
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spielsMein Sohn, der Herr Minister" von Andre Birabeau statt. Dieses Lustspiel hat sich in kurzer Zeit mit großem Erfolg fast alle Bühnen des Reichs erobert. Die Spielleitung führt Dr. Erich Schu­macher. Die Vorstellung findet als 1. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

BOM.-llnteraau 116.

An die Eltern der Führerinnenschaft im Standort Gießen.

Der für Dienstag, 28. September, anberaumte Gemeinschaftsabend im Singsaal des Lyzeums muß wegen der Uebertragung der Führerrede abgesagt werden. Der neue Termin wird noch rechtzeitig bekanntgegeben werden.

Die Führerin des Unterbaues 116.

(gez.) Käthe Pfeffer, Mädelringführerin.

Dlenftbefehlt

Belr.: Gemeinschaftsabend am 28. September.

Der für die Führerinnen des Standortes Gießen anberaumte Gemeinschaftsabend mit ihren Eltern muß verlegt werden, da die Führerrede übertragen wird.

Am Dienstag, 28. September, treten alle Schu­lungsmädel um 18 Uhr auf der Dienststelle des Untergaues zu einer Besprechung an.

Delr.: HJ.-Thealerring.

Ich mache nochmals darauf aufmerksam, daß die gesamte Abrechnung und die Meldung zum HJ- Theaterring am 1. Oktober von allen M.- und JM.- Gruppen beim Untergau vorliegen müssen.

'Bett.: Spielschar.

Die wöchentlichen Spielscharabende sind in Zu­kunft immer im Singsaal des Lyzeums. Antreten: Dienstag abends in der Dammstraße.

AS.-Lehrerbund, Gießen.

Abt. höhere Schule, FachschaftDeutschkunde".

Nächste Sitzung am Mittwoch, 29. September 1937, um 16 Uhr, in der Oberrealschule. Vortrag: Wesenszüge deutscher Kunst im Unterricht".

Abt. höhere Schule, FachschaftGeschichte".

Nächste Sitzung am Mittwoch, 29. September 1937, um 16 Uhr, in der Oberrealschule gemeinsam mit der FachschaftDeutschkunde".

Reserve hat Ruh'.

Am kommenden Donnerstag, 30. September, wer­den zum ersten Male nach der Wiedereinführung der zweijährigen allgemeinen Wehrpflicht die Reser­visten der Truppen entlassen. Damit wird im Stra­ßenbild der Garnisonstädte zum ersten Male wieder nach dem unglücklichen Kriegsausgang das vor 1914 gewohnte Bild der heimkehrenden Reservisten sichtbar werden. Mit dem Reservistenstock und der Reservisten-Feldflasche, im Zioilkleid und doch die Militärmütze tragend, werden diesealten Knochen" unserer Wehrmacht an ihrem Ehrentage nach treu vollendeter Dienstzeit allenthalben besonderer Sym­pathie begegnen.

Beim Ins. - Rgt. 116 wird die Verabschiedung der Reservisten bei Abschiedsfeiern innerhalb der Bataillone erfolgen. Die Artillerie-Abtei­lung veranstaltet neben Abschiedsfeiern der Bat­terien am morgigen Mittwoch, 10.30 Uhr, einen militärischen Schlußappell für die Reservisten, bei dem der Abteilungskommandeur, Oberstleutnant Döring, die Abschieds-Ansprache an seine schei­denden Soldaten halten wird.

Am Donnerstag um 15.56 Uhr wird ein ge­schlossener Reservisten - Sonderzug mit allen Reservisten unseres Standorts den Bahnhof Gießen verlassen.

Siebener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 28. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, XA kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, Vi kg 9 bis 12, Weißkraut 6, Rotkraut 9 bis 12, gelbe Rüben 8, Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Erbsen 20 bis 35, Sommerkohl 15, Rosenkohl 15, Feldsalat, Vio 10, Tomaten 10 bis 17, Zwiebeln 6 bis 7, Meer­rettich 30 bis 80, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,45 bis 3,50 Mark, Aepfel, kg 10 bis 25 Pf., Fall­äpfel 5 bis 6, Birnen 5 bis 20, Preiselbeeren 35, Zwetschen 15 bis 16, Blumenkohl, das Stück 10 bis

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Kommt von Bernhard Lonzer.

Urheberrechtsschutz:

Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.

27 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Nun ist dem alten Knaben ungewollt doch mal das Herz durchgegangen! Aber wollen wir es da­bei lassen? Darf ich ,Annelore< zu unserem Haus- töchterchen sagen?"

Er streckte ihr die feine, blaugeäderte Rechte über den Tisch entgegen.

Sinnelore hatte ein heftiges Brennen im Halse. Zu spät! Zu spät...!

Aber sie legte die heiße Hand in die seine.

Sie sind sehr lieb zu mir, Herr von Achenbach", erwiderte sie leise und kämpfte tapfer gegen die Tränen an, die urplötzlich in ihr aufsteigen wollten.

Wolfgang von Achenbach hatte den nächsten Zug. Er überlegte lange. Das Spiel war heute zu un- aleich, da mußte man wohl ein bißchen schonend fein, obgleich es gegen die Gepflogenheit ging. Während dieser Zeit konnte Annelore sich wieder sammeln.

Plötzlich ging die Tür. Annelore wußte, wer da kam. Sie wollte nicht aufsehen. Aber sie tat es doch. Sekundenlang begegnete sie Stefans Augen. Dann sanken ihre Lider, wie von einer bleischweren Last niedregdrückt, wieder herab.

Sie hatte gerade den Springer in der Hand. Ohne jede Ueberlegung schob sie ihn auf ein ge­fährdetes Feld.

Oh ...! Schade!" befeuerte Wolfgang von Achen­bach.Nun sind Sie in zwei Zügen matt..."

Sie zeigte ein starres, seltsam leeres Lächeln.

Das ist nichts Besonderes. Man gewöhnt sich daran, mattgesetzt zu werden."

Er sah auf. Was für ein Ton das wieder war! Und was für ein Gesicht! Ihre Worte hatten natürlich einen tieferen Sinn, und zwar einen ganz unmißverständlichen. Was hatte es denn da ge­geben?

Er sah sich nach Stefan um, der langsam einen Schritt näher trat und dann wieder stehenblieb.

Erntedankfest der Volksgemeinschaft.

Den gewaltigen Ereignissen desReichspartei­tages der Arbeit" und des Besuches des italienischen Regierungschefs in Deutschland folgt in wenigen Tagen das Erntedankfest des deutschen Volkes auf dem Bückeberg. Zum fünften Male veranstaltet die Reichsregierung einen feierlichen Staatsakt, der den öffentlichen Dank und die allgemeine Anerkennung für die harte Jahresarbeit des deutschen Landvolks zum Ausdruck bringt.

Wenn früher höchstens in der stillen Dorfgemeinde der Erntedanktag festlich begangen wurde, fo be­kennt sich heute das gesamte Volk in allen seinen Ständen und Berufen zur bäuerlichen Arbeit.

Daher sollten aus allen Dörfern unseres Gaues und nicht minder aus allen großen und kleinen Städten zahlreiche Volksgenossen zum Bücke- berg ziehen, um dort einen Tag der Volks­gemeinschaft mitzuerteben.

Auch aus dem Gau Hessen-Nassau werden zwei Sonderzüge nach dem Bückeberg geleitet, die am Abend des 2. Oktober in Frankfurt am Main abfahren und am frühen Morgen des Erntedank­

tages in der Nähe des Bückeberges ankommen. Die Preise für diese Sonderzüge sind so niedrig, daß es der Mehrzahl aller Schaffenden möglich ist, die Fahrt zum Bückeberg zu unternehmen. Außer den beiden direkten Sonderzügen gibt ein Urlauberzug, der am 1. Oktober Frankfurt verläßt und am 5. Ok­tober zurückkommt, Gelegenheit zur Teilnahme am Staatsakt.

Don meinen örtlichen Bauernführern erwarte ich, daß sie in enger Zusammenarbeit mit den zustän­digen Amtsträgern der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" möglichst viele Volksgenossen aus ihrer Heimatgemeinde zur Fahrt und zur Teil­nahme am Staatsakt auffordern.

Dvj Erntedanklag ist der Ehrentag des deut­schen Bauerntums und stellt das schönste Be­kenntnis aller Stände zum Landvolk dar.

Auch die diesjährige Feier auf dem Bückeberg muß eine Kundgebung von größtem Ausmaß werden!

Dr. Wagner, Landesbauernführer Hessen-Nassau, M.d.R.

Gaupropagandaleiter Gtöhr in Gießen.

Die Ortsgruppe Gießen-Güd eröffnet ihre Winterarbeit.

Am gestrigen Montagabend nahm die Winter- arbeit der Ortsgruppe Gießen-Süd mit einer sehr stark besuchten Mitglieder-Versammlung im Studen­tenheim, dessen Saal und Nebenräume vollständig besetzt waren, ihren Anfang.

Ortsgruppen - Propagandaleiler Blinz ing

betonte in feinen kurzen Einführungsworten, daß die Aufgaben der Partei nicht einfacher geworden feien und auch der neue Kampf gegen Hunger und Kälte, sowie die Durchführung des zweiten Dier- jahresplanes alle Kräfte erfordere. Unter Hinweis auf ein Wort des Führers forderte er alle Volks­genossen zu eifriger Mitarbeit auf. Sodann sprach

Gaupropagandaleiter Stöhr, Frankfurt a. M.,

zu der Versammlung. Er begründete zunächst, war­um die Nationalsozialisten immer wieder und nach jedem Reichsparteitag erneut mit einer Dersamm- lungswelle vor das Volk treten, im Gegensatz zu anderen Staaten und zu den früheren Machthabern, die sich nur an das Volk erinnerten, wenn sie um ihre Mandate fürchteten. Nationalsozialisten, so sagte er u. a., sind der Ansicht, daß sie dem Volke jederzeit Rechenschaft abzulegen haben: denn sie er­streben die Harmonie zwischen Volk und Füh­rung.

In einem längeren Rückblick ließ der Redner dann erneut die Gedanken in die Vergangenheit schweifen, die von Arbeitslosigkeit, Judenherrschaft und zielloser Staatsführung gekennzeichnet war. Demgegenüber zeigte er die von einer großen Idee

getragene zielbewußte autoritäre Führung des neuen Deutschland, das in seinem Totalitätsan­spruch vor keinem Lebensbezirk des Volkes Halt machen kann. Jedes Dagegenarbeiten, wie das ge­wisser kirchlicher Kreise, müsse zu falschen Schlüs­sen in dem nach Sensationen haschenden Ausland führen. Jede Behinderung des Totalitätsanspruches in der Jugendführung könne nur eine Versündigung am Volke sein, denn die Jugend sei die Zukunft des Staates und des Volkes und nicht der einzel­nen Gruppen allein.

Mit stolzer Freude streifte Pg. Stöhr die Arbeit an der Jugend, die nicht nur eine erzieherische, sondern auch eine gesundheitsfördernde fei. Er zeigte dann die Notwendigkeit der Wehrhaft« machung und des Selbstschutzes eines Volkes, damit nicht die Frauen und Kinder schutzlos dem Grauen des Krieges überlassen bleiben. In großen Zügen behandelte er weiter die Arbeiten, die bisher ge­leistet wurden, und hob dabei hervor, daß auch in den Gau Hessen-Nassau 300 englische Fachleute zur Besichtigung der Autobahnen und 50 Mitglieder des englischen Oberhauses und 50 des Unterhauses zu Studienzwecken kommen werden.

Im weiteren Verlaufe feiner Ausführungen kenn­zeichnete er das traurige Verhalten von Volks­genossen, die sich noch in Geschäfte mit Juden ein» lassen, und forderte in seinen Schlußworten zur Zusammenarbeit auf, damit die Gefahr des Bolsche­wismus gebannt und Deutschland das werden könne, was der Führer wünsche: ein Bollwerk ge­gen den Bolschewismus und der Friedensbringer für Europa und die Welt.

40 Pf., Salat 9 bis 11, Salatgurken 5 bis 30, Ein­machgurken 1 bis 3, Endivien 9 bis 12, Oberkohl­rabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.

*

* * Eine Fünfundachtzigjährige. Am morgigen Mittwoch, 29. September, kann Frau Marie Walter, Kaplansgaffe 25, ihren 85. Ge­burtstag feiern.

* * Mieter-Jubiläum. Am 1. Oktober wohnt Fräulein Luise Kutsch ununterbrochen seit 30 Jah­ren im Hause Ludwigstraße 38, dessen Besitzer der Möbelfabrikant Wilhelm Hahn ist. Dieses Mieter- Jubiläum zeugt von bestem Einvernehmen zwischen Vermieter und Mieter und ist für beide in gleicher Weise eine Auszeichnung.

* * Die Stabtfaffe mahnt. Eine öffentliche Mahnung der Stadtkasse fordert zur sofortigen Be­zahlung Der fällig gewordenen 3. Ziele der Grund- und der Sonberfteuer auf. Säumige Zahler mögen der Mahnung Rechnung tragen.

* * F i f ch r e i h e r. In der vorigen Woche konnten wir davon berichten, daß auf den Wiesen an der Main-Wefer-Bahn, in der Nähe der Badenburg,

Nun? Wieder zurück?" forschte er mit einem prüfenden Blick unter zusammengeschobenen Augen­brauen hervor.

Jawohl. Ich hielt es für zweckmäßig, beizeiten wieder hier zu sein."

Stefans Blick war fett und von einer Klarheit, die auf irgendeinen Entschluß hindeutete.

Da erhob sich Annelore plötzlich.

Entschuldigen Sie, Herr von Achenbach", wandte sie sich mit schwachem Lächeln an den Schloßherrn, aber ich möchte gern zu Bett gehen. Ich fühle mich heute wirklich nicht wohl."

Sie nickte ihm zu, bevor er noch antworten konnte. Mit einem schnellenGute-Nacht"-Gruß ging sie.

Sie mußte an Stefan vorüber. Er trat einen knappen Schritt zurück. Seine Augen hefteten sich sekundenlang auf ihr Gesicht. Mit geradeaus ge­richtetem Blick ging sie an ihm vorüber.

Stille herrschte im Zimmer, als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte. Plötzlich wandte sich Stefan.

Einen Augenblick ich habe Fräulein Hildach noch etwas zu sagen."

Damit verließ er das Zimmer aleichfalls.

Ihre Schritte verklangen vor ihm auf dem nur mäßig erleuchteten Gang. Jetzt sah er sie die Treppe betreten. Mit raschen Schritten folgte er ihr.

Sie hörte die Schritte hinter sich. Ohne sich um­zuwenden, wußte sie: das ist er...! Ihre Füße waren plötzlich schwer wie Blei. Aber sie zwang sich weiter. Nur keine Schwäche jetzt!

Nun hatte sie den obersten Treppenabsatz erreicht. Dunkel lag der weite, tiefe Gang des Obergeschosses vor ihr. Tastend griff ihre Hand nach dem Schalter. Das Licht flammte auf.

Sie hielt schon die Klinke ihres Zimmers in der Hand, als auch Stefan den Gang erreicht hatte.

Einen Augenblick, Fräulein Hildach wenn ich bitten darf", klang es zu ihr herüber.

Sie blieb stehen. Aber sie ließ die Türklinke nicht aus der Hand, als müßte sie sich daran festhalten: denn um sie her schwankte alles.

Da war Stefan auch schon heran. Aufrecht stand er vor ihr. Aber das war nicht der Herr und Chef, das war nur ein Mensch. Einfach ein Mensch, der etwas in Ordnung zu bringen hatte.

Klar und ruhig kam seine Stimme:

»2ch habe mich heute mittag arg im Ton oer­

mehrere Stelzvögel gesehen wurden, die im Bilde unserer heimatlichen Landschaft nicht alltäglich sind. Die Tiere wurden vielfach für Kraniche gehalten, die sich auf der Reife nach Süden befänden. Wie uns nun von einem Leser mitgeteilt wird, der die Vögel auf den Wiesen am Philvsophenwald aus geringer Entfernung beobachten konnte, handelte es sich um Fischreiher, und zwar um zwei alte und vier junge Tiere.

* * Unfälle. Ein 23jähriger junger Mann aus der Licher Straße erlitt bei einem Sturz vom Rade erhebliche innere Verletzungen. Ein Kraftfahrer, Am Kugelberg wohnhaft, zog sich bei einem Der- kehrsunfall erhebliche Schnittverletzungen im Gesicht zu. Eine Kontoristin erlitt durch eine Verletzung mit dem Tintenstift eine Blutvergiftung an der Hand. Die Verunglückten mußten in die Chirurgische Klinik gebracht werden.

Landkreis Gießen.

4- ® r irft b e r g, 27. Sept. Die bis jetzt hier abgehaltenen Ob st Versteigerungen an den Straßen, denen die städtische Versteigerung voraus­ging, ergaben durchweg hohe Kreise. Gut bezahlt wurde auch das Obst in unserem Nachbarort Lau­ter. Da diese Gemeinde weithin als guter Obstort

griffen, Fräulein Hildach. Es tut mir leid, und ich möchte mich hiermit in aller Form entschuldigen."

ßangfarp fühlte Annelore die Türklinke aus ihrer Hand gleiten. Dann stand sie wieder, ohne sich zu rühren. Ihre Stimme schwankte.

Es ist unnötig, Herr von Achenbach. Es ist nicht notwendig, daß Sie sich entschuldigen."

Doch, Fräulein Hildach", beharrte er.Ich will, daß Sie die Entschuldigung annehmen, denn ich spreche jetzt als Mensch zu Ihnen. Und wenn Sie die Entschuldigung ablehnen verstehen würde ich es schon, so wäre das der Beweis dafür,' daß Sie mich wirklich verachten. Und darüber mochte ich Klarheit haben. Als Mensch, der ein Recht darauf hat."

Langsam wandte Annelore sich ihm vollends zu.

Ich Sie verachten ...?"

Jawohl. Nach dem, was Sie gehört haben. Sie haben doch gehört?"

Ein kurzes Zögern.

Allerdings"

Und Sie glauben, daß ich mit dieser Frau etwas habe, nicht wahr? Mit der Frau eines an­deren! Sie müssen es ja glauben."

Nein, Herr von Achenbach!"

Rasch, klar unb fest waren diese Worte gekom­men.

Ungläubig starrte Stefan sie an.

Nicht ...? Trotzdem nicht ...?"

Nein, denn"

Denn ...?"

Ein tiefer Atemzug hob Annelores Brust.

Denn ich weiß, daß diese Frau schon einmal schon einmal Ihren Weg gekreuzt hat ..."

Vor Ueberraschung und Betroffenheit fand Ste­fan keine Worte. Sie wußte ...? Freilich, möglich war es schon. Es war damals wohl ziemlich be­kannt gewesen, daß er daß Gloria Rettner ach, fort damit!

Ein plötzliches Recken feiner Schultern kündete fo etwas wie Befreiung an. Befreiung von einer schweren, unsichtbaren Last.

Wie soll ich mir dann aber Ihr eigenartiges und auffallendes Verhalten deuten, Fräulein Hil­dach?"

Annelore schwieg mit brennenden Schläfen. Sie suchte vergebens nach Worten. Man konnte doch nicht sagen man konnte doch nicht sagen ...!

bekannt ist, hatten sich dort viele auswärtige Käu­fer und auch Händler einaefunben, fo daß die feinen Tafelobstsorten Boskop, Landsberger, Goldparmäne, Renette von Blenheim u. a. einen Preis von 10 bis 15 Mark pro Zentner am Baum erbrachten. Freilich war es durchweg schönes Obst, wohl auch infolge des von der Gemeinde durchgeführten Spritzens der Obstbäume.

Prämiierungsmarkt in Hungen.

EU Hungen, 27. Sept. Der heute hier ab gehal­tene Rindvieh- und Ferkelmarkt (Prä­miierungsmarkt) war bei der günstigen Witterung gut besucht. Es waren aufgetrieben: 81 Stück Großvieh (Bullen, Kühe und Rinder), 13 Fresser und 518 Ferkel. Der Handel auf dem Ferkelmarkt war mittelmäßig, es verblieb Ueberftanb. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ftr- fel bis zu 10 Mark, 7 bis 8 Wochen alte 10 bfs 16 Mark, 9 bis 13 Wochen alte 17 bis 25 Mark. Jungrinber 120 bis 250 Mark, ttächtige Rinber 260 bis 450, Milchkühe von 300 bis 520 Mark. Der Hanbel auf dem Rindermarkt war mäßig.

Besonderes Interesse bot die Prämiierung von Vieh der Hessischen Fleckvieh- und der Vogels­berger Rasse. Es war im allgemeinen gutes Mate­rial aufgetrieben. Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis:

hessisches Fleckvieh.

Jüngere Bullen: 1. Gemeinde Langsdorf 1. Preis: 2. Eduard Fey, Langsdorf, 3. Pr.: 3. Adam Hofmann, Langsdorf, 3. Pr.

Aeltere Bullen: 1. Gemeinde Langsdorf 2. Preis.

Jüngere Kühe: 1. Adam Hofmann, Langs­dorf, 1. Preis: 2. Emil Bausch, Langsdorf, 1. Pr.; 3. Otto Hoppe, Nonnenroth, 2. Pr.: 4. Jakob Fey IV., Langsdorf, 2. Pr.: 5. Alex Kohler, Langsdorf, 2. Pr.; 6. Karl Kohler III., Langsdorf, 3. Pr.: 7. Heinrich Kohler, Langsdorf 3. Pr.: 8. Karl Wilhelm Nathes, Lich, 3. Pr.; 9. Ernst Dem, Langsdorf, 3. Pr.; 10. Heinrich Brück, Nieder-Besfingen, A.; 11. Eduard Fey, Langsdorf, A.; 12. Alex Kohler, Langsdorf, 21.; 13. Hugo Junker, Inheiden, 21.

Aeltere Kühe: 1. Hermann Kohler III., Langsdorf, 1. Preis; 2. Otto Kohler, Langsdorf, 1. Pr.; 3. Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Pr.; 4. Ludwig Weber, Langsdorf, 2. Pr.; 5. Emil Bausch, Langsdorf, 2. Pr.; 6. Derselbe, 2. Pr.; 7. Otto Hoppe, Nonnenroth, 3. Pr.; 8. Karl Wilh. Nathes, Lich, 3. Pr.; 9. Heinrich Kohler III., Langs­dorf, 3. Pr.: 10. Wilhelm Roth VL, Langsdorf, 3. Pr.; 11. Derselbe, 21.; 12. Eduard Fey, Langs­dorf, 21.; 13. Karl Wilh. Scheid, Langsdorf, 21.

Kalbinnen: 1. Otto Kohler I., Langsdorf, 2. Preis; 2. Heinrich Steuernagel III., Nieder-Bes­singen, 2. Pr.; 3. Wilhelm Roth VI., Langsdorf, 2. Pr.; 4. Otto Hoppe, Nonnenroth, 3. Pr.; 5. Otto Kohler I., Langsdorf, 3. Pr.; 6. Alex Kohler, Langs­dorf, 3. Pr.; 7. Wilhelm Nathes, Lich, 21.; 8. Karl Kohler III., Langsdorf, 21.; 9. Wilhelm Steuer­nagel III., Nieder-Besfingen, 21.

Rinder: 1. Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Pr.; 2. Karl Scheid I., Langsdorf, 3. Pr.; 3. Ludwig Weber, Langsdorf, 3. Pr.; 4. Otto Hoppe, Nonnen­roth, 3. Pr.; 5. Otto Kohler I., Langsdorf, 21.; 6. Heinrich Kohler III., Langsdorf, 21.

Familien: 1. Otto Hoppe. Nonnenroth, E.; 2. Otto Kohler I., Langsdorf, E; 3. Karl Wilhelm Nathes, Lich, 1. Pr.; 4. Heinrich Kähler III., Langs­dorf, 2. Pr.: 5. Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Pr.; 6. Emil Bausch, Langsdorf, 3. Pr.: 7. Wilhelm Roth VI., Langsdorf, 3. Pr.; 8. Eduard Fey, Langs­dorf, 21.

Vogelsberger Vieh.

Bullen: 1. Prinz Ludwig zu Mühlsachfen, 2. Preis.

Aeltere Kühe: 1. Karl Keblowski, Nieder- Bessingen, 1. Preis; 2. Derselbe, 1. Pr.; 3. Prinz Ludwig zu Mühlsachen, 2. Pr.; 4. Hermann Doll, Hungen, 3. Pr.

Jüngere Kühe: 1. Rudolf Schmidt, Weickarts­hain, 1. Preis; 2. Derselbe, 2. Pr.; 3. Prinz Lud­wig zu Mühlfachfen, 2. Pr.; 4. derselbe, 3. Pr.; 5. Derselbe, 3. Pr.; 6. Karl Keblowski, Nieder-Bes. fingen, 3. Pr.

Kalbinnen: 1. Rudolf Schmidt, Weickartshain, 1. Preis; 2. Prinz Ludwig zu Mühlsachen, 2. Pr.

Rinder: 1. Karl Keblowski, Nieder-Besfingen, 1. Preis; 2. Prinz Ludwig zu Mühlsachsen, 2. Pr.

Familien: Rudolf Schmidt, Weickartshain, E.: 2. Karl Keblowski, Nieder-Bessingen, 1. Preis; 3. Prinz Ludwig zu Mühlsachen, 1. Pr.

Ich fürchtete ..begann sie und stockte wie­der.

Was fürchteten Sie?" drängte Stefan.

.Ach nichts ich weiß es nicht. Ich kann es nicht mehr sagen."

Er glaubte sie zu verstehen.

Aber ich weiß es! Sie sürchtten, daß die Ver­gangenheit wieder lebendig werden konnte. Daß Stefan von Achenbach wieder die Hände nach die­ser Frau ausstrecken würde. Daß er damit in eine Ehe hineingreifen und das Glück des ahnungslosen Konsuls zerstören könnte! War es nicht so?"

Annelore war die Brust schwer und leicht zu- gleich.

Vielleicht war es so ...", erwiderte sie zwischen zwei raschen Atemzügen.Die Wege des Schicksals sind dunkel. Und die Wege des Herzens auch."

Ja, die Wege des Herzens auch. Aber einmal werden auch sie klar. So oder so. Und nun sollen Sie ganz klar sehen, Fräulein Hildach. Ein Mann spricht sonst nicht über abgetane Dinge. Aber ich will Ihre Befürchtungen endgültig zerstreuen. Also: diese Frau ist tot für mich. Tot wie die Vergangen­heit, die ich heute nicht einmal mehr begreifen kann. Nichts, abr auch nichts an dieser Frau kann mich nur im entferntesten beunruhigen. Sie ist mir so gleichgültig, daß ich sie nicht einmal hassen kann. Der Konsul hat also nichts von mir zu fürchten. Glauben Sie mir das, Fräulein Hildach?"

Klar und fest kam auch jetzt Annelores Ant­wort.

Ich glaube Ihnen, Herr von Achenbach. Und ich freue mich. Für Sie und den Konsul."

Ich danke Ihnen für dies Wort, Fräulein Hil­dach. Sie geben mir damit mehr, als Sie ahnen. Sie geben mir damit ein Stück vom Glauben an die Menschheit zurück. Und das ist sehr viel. Es ist mehr für mich, als Sie wissen können."

Er reckte sich auf.

Nun kann und soll manches anders werden. Stefan von Achenbach war manchmal ein recht knorriger Gefell, nicht wahr? Denken mir nicht mehr daran. Versuchen wir lieber, von nun an als gute Kameraden miteinander zu arbeiten. Wol­len Sie, Fräulein Hildach?"

Fortsetzung folgt