Frankreich und die Angelsachsen.
Don Otto (Lorbach
In Montfaucont b'Argonne wurde Anfang August ein zu Ehren der im September 1918 gefallenen amerikanischen Soldaten errichtetes Denkmal eingeweiht. Der Präsident der französischen Republik, Albert Lebrun, der amerikanische Botschafter in Paris, William C. B u l l i t, Ministerpräsident Camille Chautemps, der Außenminister Poon D e l b o s , der Minister der Pensionen Ri viere und der amerikanische Oberkommandierende während des Krieges, General Pershing, nahmen an dieser Feier teil. Daß sich daraus eine bewegliche Kundgebung der „traditionellen" amerikanisch-französischen Freundschaft ergab, konnte niemanden überraschen. Man darf auch gewiß nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, das bei einem solchen Anlaß etwa aus patriotischem Ueberschwang geäußert wird. Ernste Beachtung erheischt es jedoch, daß die französische Presse diese Gelegenheit zu einer auffälligen Betonung einer seit einiger Zeit zu beobachtenden Wandlung in den Beziehungen zwischen Paris und> Washington benutzte, die nicht leicht mit den Bestrebungen zur Entspannung der allgemeinen europäischen Lage in Einklang zu bringen ist. Gerade die Ehrung der Toten des Weltkrieges sollte immer und überall im Zeichen der Völkerversöhnung stehen.
In dem Telegramm, das Präsident Roosevelt zur Feier des Tages entsandte, steht der Satz: „Wir haben uns geschlagen als Cham- pion der Menschenrecht e", was seltsam seiner bei einer früheren Gelegenheit bekundeten Ueberzeuguna widerspricht, daß Amerikas Eingreifen in den Krieg ein „tragischer Irrtum" gewesen set. Noch unbedenklicher brachte General Pershing in seiner Gedächtnisrede eine gefährliche Seite der französischen Volksseele zum Schwingen. Das Denkmal meinte er, sei ein Sinnbild der Bande, die Frankreich und die Vereinigten Staaten eit zwei Jahrhunderten verbinden: Bande, „welche ich während dieser langen Zeit durch gemein- ame Liebe zu Gerechtigkeit unb Frei- ) eit bewährten, für die sich beide Nationen unter häufigen Umständen zu kämpfen bereit fanden." Es geschah unter dem Impulse dieser tiefen Instinkte', fuhr Pershing fort, „daß Frankreich sich zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges auf unsere Seite stellte, und sie waren es, die in unfern Kämpfern Begeisterung und leidenschaftlichen Eifer anfachten, als sie den Ozean überquerten, um d i e Sache der Gerechtigkeit zu verteidigen."
Bei aller Vorsicht, die mancherlei Enttäuschungen anempfehlen, die Frankreich mit seinen amerikanischen Freunden erlebte, glaubt der „Temps" doch, solche Worte im Sinne eines gewissen Wechsels auf die Zukunft deuten zu können, und gerade aus einer solchen Hoffnung, mag sie berchttgt sein oder nicht, könnte sich leicht eine bedauerliche Versteifung des Widerstandes politischer Atavismen gegen die europäische Vernunft, die auf dem Marsche ist, ergeben. „Wir wissen wohl", erklärt das maßgebende Organ der öffentlichen Meinung Frankreichs, „daß das amerikanische Volk seine eigenen Wege geht, daß es eine Auffassung von der internationalen Zusammenarbeit hat, die ihm durch die besonderen Bedingungen seiner geographischen Lage diktiert wird, und daß es sich in die Streitigkeiten, die Europa zerteilen, nicht einmischen will. Wir wissen aber auch, daß nichts, was mit der Konsolidierung des Friedens in der Welt zu tun hat, ihm gleichgültig ist, und daß es fest verbunden bleibt mit der demokratischen Ordnung und der menschlichen Freiheit, was ihm gegen sich selbst und andere Verantwortlichkeiten und Pflichten auferlegt. Das macht eine lebendige Realität aus dieser französisch-amerikanischen Solidarität, die in Monfaucont so prächtig gefeiert worden ist."
Soll das bedeuten, daß in demselben Augenblick, wo die ältere angelsächsische Weltmacht sich anschickt, doktrinäre Hemmungen zu überwinden, die die Herstellung eines gegen bolschewistische Zersetzung gefeiten europäischen Mächtealeichgewichts erschweren, die jüngere auf dem Umwege über die dafür empfängliche französische Volksseele die prinzipienschwachen Vettern im Sinne a b st r a k- t e r „Demokratie" und „M e n s ch e n r tz^ch t e" zur Ordnung rufen möchte? Das revolutwnäre Frankreich, das die nordamerikanischen „Rebellen" im Unabhängigkeitskriege gegen das Mutterland unterstützte, ist nichts, als eine historische Erinnerung. Es unterlag im Kampfe gegen England, nachdem es sich dem napoleonischen Weltherrschaftsstreben geweiht hatte, das zugleich die Selbsterhaltungsinstinkte aller anderen Koptinentalvölker gegen sich aufbringen mußte. Was das Ancien regime nicht schon in früheren Kriegen an kolonialen Errungenschaften wieder eingebußt hatte, ging in den napoleonischen Kriegen fast alles verloren, so ostindischer Besitz an England und Louisiana an die nordamerikanische Union.
Frankreich hatte aber in der Schule Napoleons immerhin sein kontinentaleuropäisches Gewissen geschult: es blieb mit großem Erfolge bemüht, durch konttnentalpolitische Wachsamkeit neuen Ruhm zu ernten. Fast alles, was es auch über See neu erreichte, verdankt es seinem Geschick, eigene Interessen mit denen Kontinentaleuropas in Einklang zu bringen Es verdarb seine Aussichten als kontinentaleuropäische Vormacht jedoch immer wieder dadurch, daß es übertriebene unmittelbare Herrschaftsansprüche daraus ableitete. Napoleon hatte die Losung ausgegeben: „England schlagen oder sich mit ihm in den Welthandel teilen!" Das eine war mißlungen, die zweite Bedingung gewann in dem Maße an Bedeutung, wie sich Frankreichs Kolonialmacht besonders in Nordafrika ausbreitete Man unterlag aber der Versuchung, aus übertriebenem kontinentaleuropäischem Geltungsbedürfnis in den Kolonien mehr militärische,
als wirtschaftliche Kraftquellen zu sehen. Das vorrevolutionäre Frankreich hatte in Kanada blühende Siedlungen geschaffen aus denen ein heute gegen 3'/- Millionen zählendes französisches Kanadiertum — etwa eine Million in den Vereinigten Staaten lebend — heroorging, das sich nach wie vor durch strotzende Fruchtbarkeit aus- zeichnet. Das nachrevolutionäre Frankreich erwies sich nicht nur als unfähig, feine überseeischen Siedlungsräume über ein bescheidenes Maß hinaus mit Menschen eigener Rasse zu besetzen, es zehrte auch in immer größerem Umfange an seiner biologischen Substanz im Stammlande und machte sich obendrein mehr und mehr von dem farbigen Menschen- reserooir seiner afrikanischen Besitzungen abhängig.
Vergebens hat sich in Frankreich seit dem großen Kriege das konttnentaleuropäische Gewissen wieder und wieder gegen die Ueberlegenheit angelsächsischer weltpolitischer Führung aufzubäumen gesucht. Es fand in Washington taube Ohren, sobald es seine „Blutopfer" gegen amerikanische Kriegskredite aufzurechnen suchte, es verbesserte seine Lage nur vorübergehend durch das Zusammenspiel 'mit Japan auf den Flottenabrüstungskonferenzen, es leistete nur Sisyphusarbeit bei seinen Bestrebungen, hüben wie drüben des Atlantik romanisches Volkstum weltpolitisch einheitlich zu aktivieren. Gerade im Pariser „Temps" begegnet man zur Z?it, wo Coudenhoves Paneuropa-Ideen Mode wurden, dem verwegenen Gedanken, in der Alten wie in der Neuen Welt eine kontinentale Bewegung zu entfachen, um der Gefahr die Stirn zu bieten, daß der „angelsächsische Block" morgen gebieterisch den 26 ©taten des europäischen Kontinents und den zwanzig Republiken Latein-Amerikas gegen- übertreten könne. „Es ist also", schrieb das Pariser Blatt damals wörtlich, „nötig, ohne Zögern im Rahmen des Genfer Völkerbundes gleichlaufend eine konttnentaleuropäische und eine interkontinentale lateinische Union zu organisieren. Gruppierungen, die sich zu jenem Block zusammenschließen müssen, der in einer neuen Organisation des Weltfriedens und der Weltwirtschaft allein der angel
sächsischen Macht beider Welten das Gleichgewicht zu erhalten vermöchte." Auch ,Paneuropa" müsse mit dem Zusammenschluß der lateinischen Gruppe den Anfang machen, weil sie, die ihr „schöpferisches und konstrukttoes Genie" unmittelbar von Rom empfing am besten für die Einheit vorbereitet sei.
Statt dessen gibt es heute ein militärisches Pakt- Verhältnis Frankreichs mit Sowjetrußland, gegen das sich das abendländische Kulturgewissen des französischen Volkes immer stärker auflehnt, eine Achse Berlin —Rom, um die sich die konttnentaleuropäische Wirklichkeit zu drehen beginnt, und die Aussicht auf eine unmittelbare Verständigung zwischen London und Rom über Mittelmeerfragen. Dazu ein Wiedererwachen nationalen Selbstbewußtsems auf der Iberischen Halbinsel, d. h. in den Stammlanden der Völker Ibero-Amerikas.
Deutschland, das im 70er Kriege als Sieger keinen Fußbreit französischen Koloniallandes beanspruchte, aber im Weltkriege all seiner Kolonien beraubt wurde, hat in der neuen Gestalt des Dritten Reiches Frankreich immer wieder die Hand zu jener dauernden Verständigung geboten, die allein kontinental- europäischer Verwirrung ein Ende bereiten könnte. Frankreich würde damit der drohenden Gefahr entrinnen, sich aus einer Vormacht Kontinentaleuropas in eine Vormacht Afrikas zu verwandeln, soweit es sich nicht damit bescheiden will, eine Kolonie des überseeischen Angelsachsentums oder aber eine abgesonderte bolschewistisch-russische Provinz zu werden. Es kann sich jedoch zu dem Opfer an einem „Prestige", das an seinem Mark zehrt, und nur den Schein einer ruhmreichen Tradition zu wahren gestattet, anscheinend nicht aufschwingen Verlockender dünkt ihm eine Verbindung zwischen seinen intellektuellen mit Amerikas weltwirtschaftlichem Rationalismus, aus der sich freilich eine nicht ernst genug zu nehmende Weltgefahr entwickeln könnte, die die Seelen der Völker einer hemmungslosen Mechanisierung des irdischen Menschendaseins zu opfern droht.
Unser Bild zeigt nationalspanische Truppen beim Durchzug durch ein Dorf vor Santander während einer Erfrischung am Brunnen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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U. ÄDM-M
Der Mim, der Milliarden ins Rollen brachte.
Wie unsere Pfandbriefe entstanden und welche Bedeutung sie für unsere Wirtschaft haben.
V. A. Es sind jetzt gerade 170 Jahre her, als der ehrbare-Kaufmann Büring zu Berlin dem großen König einen Plan einreichte, „auf was Art und Weise dem Land Ueberstuß von Geld und Crebit zu verschaffen sei", und weil er „mehr als ein gewöhnlicher Krämer ein angesehener Kaufmann und ein denkender Finanzier^ war, wurde er der Erfinder eines neuen Kreditsystems, das durch den denkwürdigen Erlaß Friedrichs II. am 29. August 1769 im Lande Preußen mit der Gründung des ersten landschaftlichen Pfandbriefinstitutes in Schlesien eingeführt wurde.
Damals sah es sehr schlimm aus in den preußischen Provinzen. Viele Landgüter waren vernichtet. Die Gebäude niedergebrannt. Die Viehherden ver- trieben. Der Kredit war zerrüttet. Keiner hatte Lust und Mut, einem Gutsbesitzer Kapital auszuleihen. Der König selbst sagte es in einer Ansprache an die pommerschen Grundbesitzer: ,In Berlin allein liegen 12 Tonnen Goldes, so nicht untergebracht werden können." Geld war schon da. Aber der alte Weg, es privat auszuleihen, erschien nicht mehr zuverlässig. Es mußte eine neue Brücke des Vertrauens geschlagen, eine neue Methode gefunden werden, Ersparnisse zu sammeln und sie dem Kreditbedarf zuzuführen. Und dies eben war der Vorschlag des ehrbaren Kaufmanns Büring, besondere landschaftliche Institute $u gründen, die durch die Macht des Staates gestützt, die Ersparnisse breiter Kreise an sich ziehen, damit sie langfristig und unkündbar denen ausgeliehen werden können, die „ihre Geschäfte serieuse traftirten". Noch Friedrich der Große erlebte die Gründung einer Reihe von Pfandbriefanstalten. Später ging es dann sehr schnell aufwärts mit der Entwicklung des Pfandbriefkredites. Heute dienen rund 100 Boden- und Kommunalkredit-Anstalten der Sicherung der Ersparnisse weitester Kreise und der langfristigen Kreditoersorgunq der Landwirtschaft, der Sied
lung, des städtischen Hausbaues und der Gemeinden. Es sind im ganzen etwa 14 Milliarden Mark an Pfandbriefen und verwandten Schuldverschreibungen heute im Umlauf.
„Ich tue indessen sehr gelehrt und schlage zu Hause heimlich das Konversationslexikon nach, wenn ich ein mir unverständliches Wort höre" das schrieb Georg Siemens an seine Braut, als er Direktor der neugegründeten Deutjchen Bank wurde. Nun — Dies ist vermerkt, damit Die keine Hemmung haben, ruhig im Konversationslexikon nachzuschlagen, wenn Ihnen der Unterschied zwischen einem Pfandschein und einem Pfandbrief nicht geläufig sein sollte. Mit Pfandbrief bezeichnet man ein festverzinsliches Wertpapier, dem als besondere Sicherheit „verbriefte Pfandrechte" an Boden und Gebäuden zugrunde liegt. Seine Vorläufer waren jene sogenannten „ledernen Briefe'", Schuldverschreibungen, die auf Leder (Pergament) geschrieben waren und die infolge ihrer guten Deckung statt barem Gelde in Zahlung genommen wurden. Es ist nicht wichttg, ob sie aus Leder, aus Blech oder aus Papier sind, die Pfandbriefe. Die Hauptsache, daß sie gut gedeckt sind und daß sie ihren Segen stiften als Wertpapier eines langfristigen und unkündbaren Kredits.
Haben Sie einige hundert Mark gespart, ober was besser ist, einige tausend geerbt — und möchten Sie einen hohen Zinsertrag und gute Sicherheit haben, so leihen Sie unter Umständen Ihr Geld aus, Sie geben eine Hypothek auf irgendein Grundstück oder auf ein Gebäude. Es sind dann zwei Leute auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Sie und der Mann, dem Sie Ihr Geld gaben. Nun soll es öfter Vorkommen, daß die Zinszahlung ins Stocken kommt, womöglich ganz auf= hört. Oder Sie brauchen selbst Ihr Geld und können nun an die Hypothek nicht heran Mit den Pfandbriefen ist es anders. Ihnen haftet nicht der Müller oder Schulze mit seinem Grund und Bo
den, sondern eine Vielzahl von guten und sorgfältig ausgewählten Hypotheken, die auf alle Formen des Grundbesitzes, auf die verschiedenartigsten landwirtschaftlichen Betriebe, auf Einzelhäuser, Wohnhäuser, Siedlungen, auf Bauer, Großgrund- besitzer, Handwerker und freie Berufe usw. verteilt sind. Ein amtlich bestellter Treuhänder wacht darüber, daß die ausgegebenen Pfandbriefe immer volle Deckung in einwandfreien Hypotheken finden. Ueberdies haftet Ihnen das Institut zusätzlich mit seinem ganzen Eiaenvermögen. So kommt es, daß seit beinahe 200 Jahren die Pfandbriefe nie notleidend wurden. Und da man sie jederzeit verwerten, beleihen ober verkaufen farm, kommt man mit ihnen nie in Verlegenheit, auch wenn sie bem Bauern unb Siebter, bem Kaufmann und Gewerbetreibenden zu einem unkündbaren Dauerkredit zur Verfügung gestellt wurden.
Die 14 Milliarden, die durch die Erfindung des Kaufmanns Büring und die Tat feines Königs ins Rollen gekommen sind und nun Grund und Boden, Arbeit und Wohlfahrt sichern helfen, sind ein schönes Stück Geld. Man sieht das, wenn man vergleicht. Alles Kleingeld z. B. von einem Pfennig bis zu einem Fünfmarkstück zufammengenommen, ergibt „nur" 1,487 Milliarden Mark. Das Reich hat sich zur Durchführung des wirtschaftlichen Aufbauwerkes feit 1935 durch Anleihen und Schatzanweisungen einen langfristigen Kredit in der Höhe von „lediglich" 5,78 Milliarden Mark verschafft. Und im Jahre 1933 zählte man an langfristigen Anstaltskrediten 27,6 Milliarden Mark Davon eben waren beinahe 14 Milliarden durch die Sparkräfte derjenigen zusammengekommen, die Pfandbriefe und verwandte Schuldverschreibungen gekauft haben. In der letzten Zeit konnte der Umlauf von 4'/2prozen- tigen inländischen Pfandbriefen von Mitte 1935 bis Mitte 1937 um beinahe eine halbe Milliarde zu- nehmen, obwohl im Interesse der staatlich gesteuerten Wirtschaft die Neuherausgabe von Pfandbriefen eingeengt war. Diese Mittel sind fast ausschließlich dem vordringlichen Aebeiterwohnungsbau zugeflossen ober sie sinb für bie Finanzierung birek- ter öffentlicher Aufgaben (Wohnungsbau von Hee» resangehörigen) eingesetzt worden.
In der letzten Zeit ist ein Hunger nach Wertpapieren verschiedenster Art eingetreten. Flüssiges Geld sucht in wachsendem Umfang nach Anlagen in Pfandbriefen, so daß deren Kurse in die Höhe gehen, ja die Institute in eine gewisse Not kommen, weil sie auf Grund der Emissionspause nicht genügend Pfandbriefe ausgeben können. In Zukunft wird der Pfandbrief noch mehr als bisher dem öffentlich notwendigen Wohnungsbau, der Versorgung der Landwirtschaft mit langfristigen Krediten dienen können, ohne daß die dingliche Sicherung des Pfandbriefes verwischt zu werden braucht. Und das war doch die Hauptsorge des Mannes, der die vielen Milliarden ins Rollen brachte und dessen System, Kredit auf Grund und Boden zu sichern, nicht aus unserer Wirtschaft zu entfernen ist, es sei denn, daß sie selber „in Grund und Boden" bewirtschaftet werden sollte.
Beschlüsse
des Wettmilchkongreffes.
Berlin, 27.Aug. (DNB.) Der XI.Weltmilch- kongreß wurde mit einer Schlußsitzung in der Krolloper beendet. Insbesondere befaßt sich der Kongreß mit den Milchleistungsprüfun- gen. Die Erfahrungen, die hierbei gemacht wurden, sollen international ausgetauscht werden. Bei der Beurteilung des Zuchtwertes der Tiere sollen auch die Lebensleistungen, die Dauer der Produktion, Gesundheit usw. berücksichtigt werden. Eingehend hatte sich der Kongreß mit den Rinder» s e u ch e n und ihren schweren Schädigungen der Zucht, der Fleisch- und Fetterzeugung befaßt. Eine wirksame Bekämpfung dieser Seuchen hält der Kongreß für ein dringendes Gebot der Stunde. Eine neue Kommission zur Standardisierung der bakteriologischen Untersuchungsoerfahren von Milch und Milcherzeugnissen wird gebildet.
Unter Hinweis auf bie große Bedeutung, die die tehtjährigen preisregelnden Mah - nahmen in den meisten Ländern gehabt haben, wird das ständige Büro des Weltmilchverbandes gebeten zu untersuchen, wie die nähere Erforschung der Marklprobleme gefördert werden kann. Der Kongreß stellt fest, daß die ständige freie Beweglichkeit des Preises im zwischenstaatlichen Austausch von Milch und Milcherzeugnissen zu sehr unerwünschten Auswirkungen auf die Milchwirtschaft der beteiligten Länder führt. Es ist daher die Preisbildung im zwischenstaatlichen Warenaustausch in einer Weise zu regeln, die den Bedürfnissen der beteiligten Milchwirtschaften entspricht. Dies kann durch eine wirksame Ordnung der nationalen Märkte bei Regelung der Preise wesentlich erleid)erf werden.
Schließlich wirb ber Milchwirtschastsverbanb ben einzelnen Staaten empfehlen, an ben Lanbwirt- schaftlichen Hochschulen eigene milchwirtschastliche Lehrstühle zu errichten.
Der Senior ber beutschen Milchwirtschaft Prof. Dr. h. c. Weigsmann sprach als Ehrenpräsi- bent bes Kongresses allen an ber erfolgreichen Gestaltung bieses Kongresses Beteiligten ben herzlichsten Dank ber beutschen Wissenschaft aus. Der Vize- präsibent bes Weltmilchverbanbes, Minister a. D. Posthuma (Hollanb), konnte bie Grünbung ber neuen „Kommission f ü r Technik in ber Milchwirtschaft" bekanntgeben. Als Tagungsort bes XII. Weltmilchkongresses 1940 würbe Wien bestimmt. Ehrenpräsibent P o st h u m a sprach ben beutschen Kongreßoeranstaltern Dank unb Anerken- nung bafür aus, baß ber Kongreß einen so guten Verlauf genommen hat unb oerbanb bamit bie besten Wünsche für den Führer unb Reichskanzler, für bie Reichsregierung unb bie Konqreßleitung.
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