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Nr. 98 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (Generai-Anzetger für Oderhesfen)Mittwoch, 28.April 1937

Aus dem Reiche der Krau.

Mrgensuppe und warmes Avendbrot.

Von Hilde Kries

V. A. Im allgemeinen läßt sich die sparsame Haus­frau gute Vorschläge nicht zweimal sagen, besonders wenn sie den Appetit von Mann und Kindern stei­gern und gleichzeitig den Geldbeutel schonen kann. 2->ch gibt es so manche liebe Gewohnheiten, von Denen sie sich so leicht nicht abbringen läßt. Warum soll sie sich z 23. auch noch früh an den Herd stel­len, an Stelle des berühmten Morgenkaffees eine kräftige Suppe zu kochen oder sogar noch zum Abend ein warmes Essen zu bereiten?

Es ist schon der Ueberlegung wert: Hat man wirk­lich weniger Arbeit und geringere Kosten durch das Broteschmieren, und dient es wohl der Gesundheit, wenn wir die Tasse Kaffee am Morgen in aller Hast und Eile hinunterschütten und keine rechte Zeit fin­den, dabei etwas zu essen? Gewiß nicht Natürlich braucht die Morgensuppe eine liebevolle Zuberei­tung, und das Salz oder der Zucker, das Zitronen- abgeriebene, die gehackten Nüsse, Die Marmelade, sowie das frische oder gedörrte Obst dazu, das alles will abgewogen sein. Nun dürfen wir nicht ein­seitig werden und uns etwa nur auf Haferflocken beschränken So nahrhaft sie besonders für die Kin­der sind, und so abwechselungsreich man sie auch zubereiten kann, man muß auch mit anderen Zu­sammensetzungen zu überraschen wissen Graupen und Grieß, Mehl und Kartoffelmehl in Verbindung mit Buttermilch oder entrahmter Milch, an beson­deren Tagen auch einmal mit Kakao oder Schoko­ladenpulver. Die verschiedensten Bestandteile können die herrlichsten Leckerbissen ergeben. Findig wie wir nun einmal sind, führen wir allmählig auf diesem Gebiet die unerwartetsten Abwandlungen herbei.

Und ebenso am Abend Da können wir einmal Makkaronireste aufbraten oder schnell eine Art Kar­toffelgemüse ebenfalls aus Resten mischen, um ja nicht in den Verdacht zu geraten, daß wir einfach nur alles Vorhandene auszuwärmen gedenken. Ein bißchen Mühe darf die Angelegenheit schon kosten, dafür ernten wir dann auch doppelte Anerkennung. So wird der Kartoffelbrei zu Klößen geformt, für die Salat die richtige Beigabe bildet, der übrig­gebliebene Fisch schwimmt in einer kalten Kräuter­soße, und am Wochenende gibt es Pellkartoffeln und Heringe, die wir, wenn sie teuer wären, viel mehr begehren würden. Es muß also nicht immer Kaffee und Weißbrot zum ersten Frühstück und kalte Platte zum Abendbrot geben Es kann schon des öfteren was anderes sein

Die liebe Gewohnheit ist oft nur eine schlechte An­gewohnheit.

Reichsmütterdienst schult Landfrauen.

V. A. Die Wanderlehrerin des Reichs- m ü t t e r d i e n st e s hat zwei wesentliche Aufga­ben zu erfüllen: sie soll den Landfrauen praktische Anregungen geben und sie zum anderen auch in wesentlichen Grundzügen mit dem Gedankengut der nationalsozialistischen Weltanschauung vertraut machen.

Die erste Voraussetzung für einen gedeihlichen Unterricht ist das gegenseitige Kennenlernen. Die Lehrerin muß sich das Vertrauen der Frauen er­werben und vor allen Dingen den Unterricht le­bendig gestalten Dies erreicht sie am besten, wenn sie in den Lehrstoff kleine persönliche Erlebnisse einflicht. Denn die Frauen wollen keinen Vortrag hören, der sie nach ihrer täglichen Hausarbeit er­müdet. Gegen das Lernen an und für sich sind sie grundsätzlich nicht eingestellt.

Schon wenn sie dös Zimmer betreten, in dem der Unterricht stattfindet, sehen sie alle Vorrichtun­gen, die für den Säuglingskursus notwen­dig sind. Da steht der Babykorb, in dem die Puppe liegt, daneben die Wickelkommode und alle sonstigen Lehrmaterialien, die für diese Stunde gebraucht werden. Wenn sie alle diese Dinge sehen, gehen sie mit einer gewissen Freude an den Unterricht. Die Antworten auf die Fragen der Lehrerin kommen zunächst stockend, aber bald ist die anregendste Un­terhaltung im Gange. Und jede Frau ist mit dem größten Eifer bei der Sache.

Durch diesen Unterricht kommen sich alle näher, die Frauen und die Lehrerin und die Frauen untereinander. Sie lernen einander schätzen und er­kennen auch die Ueberleqenheit der Lehrerin an, denn diese hat ja ihre Ausbildung als Fürsorge- und Säuglingsschwester hinter sich. Bald werden die Frauen auch mit Fragen an sie herantreten, die nicht zum Unterricht gehören Das ist der beste Be­weis, daß sich die Lehrerin das Vertrauen der Frauen erworben hat.

Der Aufenthalt der Wanderlehrerin in einem Dorf währt jedoch nur kurze Zeit. Bald werden die Lehrmaterialien wieder gepackt und in das nächste Dorf geschickt, wo die Frauen schon auf den Kursus warten.

Zn den zwei Jahren, in denen die Wanderleh­rerinnen nun in den Dörfern tätig sind, haben un­gefähr 700 000 Frauen und Mädchen an den Kursen teilgenommen und dadurch ein geweitetes Blickfeld bekommen.

Braucht hie Hausfrau em Archiv?

V. A. Ein Archiv ist doch eine Büroangelegenheit, also so wird die Hausfrau fragen was geht mich das an?

Aber halt, es geht die Husfrau doch an. Sie hat 3.23. ein Kochbuch: darin sammeln sich im Laufe der Zeit eine Fülle von Zeitungsausschnitten an, die neue Kochrezepte enthalten. Alte erfah­rene Hausfrauen besitzen meist eine reichhaltige Sammlung nicht nur von Kochrezepten, sondern auch anderen hauswirtschaftlichen Ratschlägen. Wenn sie sich darin zurechtfinden wollen, müssen sie dieses Material schon etwas ordnen z. 23 nach Koch­rezepten, Empfehlungen über Behandlung von Mö­beln, Wäsche, Reparaturen usw. Na, und da ist das Haushaltsarchiv schon da. Auch alles, was die Haus­frau gelegentlich über die Behandlung von Haus­haltsgegenständen oder die Verwertung von Alt­stoffen,'Resten usw. erfährt, wird sie aufschreiben und ihrem Archiv einverleiben. So wird im Laufe der Jahre diese Sammlung ein unentbehrlicher Rat­geber für hauswirtschaftliche Fragen werden.

Eine junge Hausfrau kann über ein gutes Haus- haltsarchio noch nicht verfügen. Sie wird sich trotz

Kochbuch und Lektüre der Hausfrauenzeitschriften im gegebenen Falle immer wieder ratsuchend an die erfahrene Nachbarin wenden müssen, wenn sie nicht ihre Haushaltsbibliothek planmäßig ergänzt und be­reichert. Gerade weil die jüngeren Hausfrauen in den letzten Jahren infolge beruflicher Tätigkeit nur selten die Hauswirtschaft erlernt haben, müssen sie gedruckte Ratgeber viel stärker in Anspruch neh­men. Der Reichsausschuß für volkswirtschaftliche Aufklärung hat hier helfend eingegriffen In Ver­bindung mit der Reichsfrauenführung hat er in der Schriftenreihe der praktischen Hausfrau" sechs Bro­schüren herausgegeben, die sozusagen einen Extrakt aus alten Haushaltsarchiven darstellen und in Denen auch die neuesten Erfahrungen der Haushaltsführung berücksichtigt sind. Ob es sich umHinweise auf billige und schmackhafte Gerichte und ihre Zubereitung oder um Ratschläge bei der schonenden Behandlung von

Kleidern, Möbeln, Teppichen, Fußböden, Gardinen Haushaltsgeräten usw handelt, alles was irgend­wie zur zweckmäßigen und geldsparenden Ausfüh­rung der häuslichen Arbeiten gehört, ist in diesen Heften textlich und bildlich dargestellt. Alle örtlichen Dienststellen der NS.-Frauenschaft, des Deutschen Frauenwerks, des Frauenamtes der Deutschen Ar­beitsfront sowie des Reichsnährstands, Abteilung Hauswirtschaft haben diese Hefte zur Verfügung und vermitteln auch ihre Weiterleitung an die Haus­haltungen Jedes Heft kostet 20 Pf. Diese Schriften­reihe des Reichsausschusses für volkswirtschaftliche Aufklärung bildet eine ausgezeichnete Grundlage für das unentbehrliche Haushaltsarchiv und zeigt der Hausfrau gleichzeitig, wie sie in der täglichen haus­wirtschaftlichen Praxis den volkswirtschaftlichen Not­wendigkeiten entsprechen kann. Bt.

as fallen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

Biesen, Bordüren und farbige P a s - p e l sind der Aufputz der drei heute gezeigten Früh­jahrskleider.

Das Kleid links ist aus weißem Waffel- pique, feine zurückgeknöpften Aufschläge am Halse, den Aermeln und den Taschen sind, wie der Gürtel, dunkelblau gepaspelt-, vorne wie hinten ergeben je zwei Falten die nötige Schritt­weite, der Gürtel ist hinten geknöpft. Der kleine, weiße Panamahut hat Band und Schleife aus dunkelblauem Ripsband.

Das maisgelbe Wollkleid mit dem Bo­lerojäckchen (Mitte) hat schmale, aufgekur­

belte Bordüren aus dunkelbraunem Woll­faden Die schrägen Taschen sind dem etwas glocki­gen Zwei-Bahnenrocke eingeschnitten. Der Gürtel ist aus Wildleder, der Bolero Hut aus braunem Exotenstroh.

Aus blaugrauer Angorawolle ist das schlichte Kleid rechts mit den Biesen st eppe- r e i e n an den Taschen, dem Rocksaum, dem Gür­tel und am Halsausschnitt. Die Taschen in dem leichtglockigen Zwei-Bahnenrock und in der Bluse ergeben sich aus der Schnittform. Der mittelgroße, flache Hut ist aus P e r k a l st r 0 h in der passenden Farbe. H.

Wie man Eier frisch erhall.

Im Frühjahr legen die Hühner mehr Eier, als wir elfen können. Für das ganze Jahr reichen aber die deutschen Eier doch nicht aus. Es müssen noch große Mengen aus dem Ausland eingeführt werden. Weil diese Einfuhr Devisen kostet, muß der zeit­weilige Eierüberschuh konserviert werden, Großbe­triebe sorgen für Einlagerung in Kühlhäusern. Aber jeder eiererzeugende Kleinbetrieb ist ohne weiteres in der Lage, durch richtige Konservierung der jetzt überschüssigen billigen Eier eine kleine Reserve an­zulegen. Die April-, Mai- und Ium-Eier eignen sich dazu am besten. Das Ei hält sich im ursprüng­lichen Zustand nur wenige Wochen frisch. Durch die Poren der Eierschale trocknet es aus, verliert an Gewicht und ist der Infektion durch Fremdkeime ausgesetzt.

Zur Frischerhaltung muß das Ei zunächst von jedem Schmutz mittels Bürste, Tuch oder Schwamm gereinigt werden. Nur gesunde und saubere Eier, die helldurchscheinend und klar sind und eine nicht zu dünne, sprungfreie Schale haben, eignen sich zur Konservierung. Sie lassen sich schon in trockener Luft bei Kellertemperatur lange frisch erhalten, müssen aber dann in waagerechter Lage (nicht auf die Spitze stellen!) aufbewahrt und mög­lichst täglich gewendet werden, damit der Eidotter nicht an der Schale festklebt. Im Handel gibt es Eierschränke mit flachen Eierschubladen und mechanischer Wendevorrichtung, die das Wenden größerer Mengen von Eiern erleichtern. Doch rön­nen die Eier gegen Bruchgefahr auch durch Ein- betten in Sand, Torfmull, Holzwolle oder durch Einwickeln in Papier geschützt werden. Weniger ge­eignet hierzu sind Kleie oder Häcksel, da sie oft Schimmelspuren enthalten.

Für die Konservierung im Kleinen hat sich als praktisch erwiesen, die Eierschale mit Paraffin, Ge­latine, Harz, Wachs zu überziehen. Auch mit Vase­line hat man gute Erfahrungen gemacht. Das Ab- reiben der Eierschale mit einer Speckschwarte wirkt ebenfalls gut konservierend. Für die Konservierung im Großen ist die Einlagerung in konservierende Flüssigkeiten, vor allem in Kalkwasser und Wasser­glaslösung wichtig. Kalkwasser ist zwar billiger, hat aber den Nachteil, daß die Schale leicht brüchig wird und einen eigenartigen Geruch annimmt. Auch eignet sich das Eiweiß der Kalkeier nicht zum Schneeschlagen. Man rechnet auf einen Eimer Was­ser einen Liter gelöschten Kalk und eine kleine Hand voll Salz. Unter allmählichem Zugießen von Wasser bereitet man eine dünnflüssige Kalklösung. Bevor der Kalk sich setzt, wird vorsichtig ein Ei nach dem andern eingelegt. Nach einigen Tagen bildet sich an der Oberfläche der Kalkmilch eine kristal­lisierte Fläche, welche nicht beschädigt werden darf, da sie gleichfalls zum Luftabschluß beiträgt. In Kalkwasser halten sich Eier etwa ein Jahr lang frisch.

Besser als die Kalkkonservierung ist, besonders für kleinere Mengen Eier, das Einlegen in Natron- wasserglas, das mit der zehnfachen Menge abgekoch- ten und wieder erkalteten Wassers vermischt wird. Unter Zusatz von ein wenig Salz füllt man saubere Töpfe oder gut ausgelaugte Fässer etwa bis zur Hälfte mit der Mischung. Dann werden die Eier eingelegt, jedoch so, daß die Flüssigkeit, welche in etwa 14 Tagen gallertartig wird, fünf Zentimeter über den Eiern steht. Für 100 Eier genügen ein­halb Kilogramm Wasserglas und fünf Liter Wasser. So eingelegt, halten sich die Eier etwa 1 bis 1V< Jahren frisch, wobei weder Gewicht, Geschmack oder Geruch leiden. Auch läßt sich das Eiweiß, im Gegen­satz zur Kalkkonseroierung, zu Schnee schlagen.

Frauen Helsen bei der Dorsverschönerung.

Von Erika Schulemann

So wie in den Städten an der Verschönerung aller Arbeitsplätze in den Betrieben gearbeitet wird, sollen auch alle Dörfer verschönert werden. Nicht um jeden einzelnen Bauern, nicht um eines Hofes willen, wurde diese Verschönerungsaktion in Angriff genommen, sondern um der Gesamtheit des Dorfes willen. Denn eine schöne Umgebung er­höht die Arbeitslust. Seit einem Jahr arbeitet der Reichsnährstand in Gemeinschaft mitKraft durch Freude" an dieser Dorfverschönerung. Zu einem großen Teil hat hier die Landfrau mitgeholfen. Wie traurig hatten oftmals Die kahlen Fenster Der Bauernhäuser auf Die Landstraße geblickt, da waren keine Gardinen zu sehen, keine Blumen grüßten den Derübergehenden.

Nun steckten sie einfache freundliche Gardinen an die Fenster und stellten Blumentöpfe auf die Fen­sterbretter, blühende Pelargonien, Fuchsien und Fleißiges Lieschen blühen den ganzen Sommer hin­durch. Auch die Vorgärten wurden gepflegt und mit Goldlack, Reseda, Levkojen, Vergißmeinnicht und vielen anderen Blumen bepflanzt. Auch lernten die Frauen, daß mit zerbrochenen Ziegelsteinen oder anderen Scherben eingefaßte Beete nicht besonders hübsch wirken, und sie wählten deshalb lieber als Abschluß niedrige BlumenstauDen wie Narzissen, Jrisarten, Federnelken oder Immergrün. Natür­lich war es mit der Anpflanzung allein nicht ge­tan, sondern die sorgliche Hand der Frau mußte wuchernde Stauden zurückschneiden und Unkraut jäten. Daß ein schöner Vorgarten nicht von einem alten, wackligen, vielleicht sogar zerborstenen Zaun geschlossen werden kann, war den Frauen klar, und sie versuchten nun den Zaun durch eine Wild- hecke zu ersetzen. Sie wirkt natürlicher und bietet den Pflanzen Schutz vor scharfen Winden Auch können die Singvögel in ihr nisten.

Zu einem richtigen Bauerngarten gehört auch ein Küchengärtlein. Aber wie oft hatten die Frauen es nicht in Ordnung halten können, weil sie nicht viel von der Pflege der Küchen- und Heilkräuter verstanden. Durch geeignete Anleitung des Reichs­nährstandes werden schöne Erfolge erzielt. Wie viel die Frau bei diesen Dorfverschönerungsarbeiten mit­helfen kann, beweist die Tatsache, daß im letzten Jahr 1312 Dörfer verschönert wurden und in 1866 mit der Arbeit begonnen wurde.

Wenn man heute durch die Dörfer fährt, so trifft man allenthalben auf die Bestrebungen, dem Dorf ein hübsches Aussehen zu geben. Hier entstehen neue Zäune, Dort werden Bäume und Sträucher gepflanzt, wo früher kahle Stellen waren, an den Fenstern und im Vorgarten stehen blühende Blu­men. Ich werde nicht den trostlosen Anblick ver­gessen, als ich vor Jahren durch kleine Dörfer fuhr und in den Vorgärten nur Unkraut wuchs, zer­borstene Zäune nur mangelhaft gegen die Straße hin abschlossen und die Häuser mit kahlen, toten Fensteraugen dastanden. Der Regen tröpfelte aus Der Dachrinne in Den Garten hinab unD bilDete häßliche Pfützen. Traurig würbe einem ums Herz bei diesem Anblick. Aber trotz Regen und Pfützen sieht ein Dorf hübsch und froh aus, wenn Blumen in Vorgärten lachen, wenn überall Ordnung und Schönheit ist. Nicht nur Den WanDerer erfreut die­ser Anblick, sondern den Dorfbewohner vor allem, wenn er täglich zur Feldarbeit durch diese Blüten­pracht geht und sich unbewußt an ihr freut. Noch einmal so gern schafft er, wenn ihn des Abends eine Feierstunde unter blühendem Holunder ober in der Geißblattlaube erwartet anstatt ein un­ordentlicher Garten, auf dessen Beeten das Unkraut wuchert.

Die Technik und die Landfrau.

Im nahen Orient wie auch in Den dichtbevölker­ten alten Kulturländern Asiens sehen wir die Men­schen oft in kaum vorstellbarer Armut und unter den härtesten Arbeitsbedingungen leben. Die Tech­nik ist hier vielfach seit Jahrtausenden nicht weiter entwickelt worden. Lastträger und Rikschakulis sind vom Pferdefuhrwerk, von Elektrokränen, von Autos noch nicht verdrängt, draußen auf dem Lande ziehen Menschen noch den hölzernen Pflug durch die Erde und altertümliche Tret-Schöpfräder werden noch heute auch im modernen Japan! mühselig vom Reisbauern durch fein Körpergewicht bewegt. Die Technik eine der größten Errungenschaften desweißen Mannes" ist hier, und besonders auf dem Lande, noch nicht zum Freund und Helfer des Menschen geworden.

In der deutschen Landwirtschaft sind diese pri­mitiven Reste aus der Zeit einer unentwickelten Bodenbearbeitung nicht mehr vorhanden, und man möchte auf den ersten 23lief wohl glauben, daß hier eine Zeitlang eine umgekehrte Entwicklung ange­strebt wurde. Die übertriebenen Mechanisierungs- und Maschinisierungsversuche auf dem Lande, die in einer liberalen Zeit angestellt wurden, hatten zu einer gewissen Reaktion geführt. Es kamen Ten­denzen auf, die hin und wieder zur Maschinen­stürmerei ausarteten. Glücklicherweise ist diese Zeit der Irrungen vorbei. Man fängt heute wieder an, darüber nachzudenken, wie der Bauer sich feine Arbeit mit Hilfe von Maschinen, mit stärkerer An­wendung elektrischer Energie usw. erleichtern kann. Und es werden dabei ungeahnte Möglichkeiten ent­deckt, wie gerade der Landfrau ihr Leben und ihrs Arbeit bequemer gemacht und der Ertrag ihrer Arbeit gesteigert werden kann.

Denn die Arbeit der Frau ist nicht etwa neben­sächlich, ganz besonders nicht auf dem Lande! Sonst wäre ja nicht die Tüchtigkeit der Frau so entschei­dend für das Blühen jedes landwirtschaftlichen Be­triebes. lieber all der unendlichen 23ielfalt der täglichen Arbeit der Hände stehen aber für die Landfrau die großen Aufgaben, die sie für ihres Volkes Kraft zu erfüllen hat. Vom ersten Schrei, vom ersten Schritt, den ihr Kind in diesem Leben tut, muß sie Nährerin und Erzieherin sein. Kann sie das aber wirklich fein wenn sie vom ersten Morgengrauen bis- in die Nacht mit gebeugtem Rücken, mit gespannten Muskeln harte Arbeit tun muß?

Dies ist Der Sinn Der Aktton Des Reichsnährstan­des, in das Leben Der LanDfrau ein wenig Er­leichterung zu bringen. Die Technik bietet eine Fülle von Hilfsmitteln dazu. v. d. Ropp.