fchreibung der Lohnsteuerbescheinigung auf Seite 2 der Steuerkarte oder des Lohnsteuerüberweisungsblattes. Vordrucke zu Lohnzetteln werden den Arbeitgebern auf Antrag vom Finanzamt kostenlos geliefert.
Nähere Auskunft erteilen die Finanzämter.
Setriebsappell
-ei Georg Philipp Gail AS., Gießen.
Die Firma Georg Philipp Gail 21.-©., Gießen, beging gestern — wie wir in unserer gestrigen Ausgabe schon kurz meldeten — die 125jährige Wiederkehr der am 27. Januar 1812 erfolgten Geschäftsgründung. Aus diesem Anlaß wurde in den festlich geschmückten Fabrikräumen der Hauptfabrik Gießen ein feierlicher Betriebsappell abgehalten, an dem sämtliche Gefolgschaftsmitglieder, einschließlich derjenigen der Filialfabriken, teilnahmen.
Der Inhaber und Betriebsführer Herr Dr. Georg Gail streifte in seiner Ansprache in großen Zügen die Entwicklungsgeschichte der Firma, in der es, durch die jeweiligen Zeitverhältnisse bedingt, manches Auf und Nieder gegeben hat. Die erfreuliche Feststellung konnte jedoch gemacht werden, daß, soweit es die Größe der Firma in bezug auf die Zahl der bei ihr beschäftigten Arbeiter und Angestellten betrifft, heute wiederum annähernd dieselbe Höhe erreicht ist, wie im Zeitpunkt des 100jährigen Bestehens. Herr Dr. Gail konnte in diesem Jahre wiederum zwei 25jährigen Jubilaren gratulieren und ihnen, wie üblich, die Ehrenurkunde und ein Geldgeschenk überreichen. Mit diesen zwei Ausgezeichneten hat sich die Gesamtzahl der Jubilare seit Bestehen der Firma auf 141 erhöht, während zwölf Personen sogar das 50jährige Arbeitsjubiläum mit der dann bei der Firma üblichen Altersversorgung bislang feiern konnten. Der Betriebsführer dankte sodann der gesamten Gefolgschaft für treue Mitarbeit und bedachte Arbeiter und Angestellte mit einem Geldgeschenk. t
Nach ihm sprach als Vertreter der gesamten Gefolgschaft der dienstälteste Prokurist, Herr Knorr, der im Namen aller Betriebsangehörigen die herzlichste Gratulation darbrachte und ein symbolisches Geschenk überreichte. In dessen Ansprache kam beson- ders zum Ausdruck, daß der Geist der Verbundenheit zwischen Firmeninhaber und Betriebsangehörigen bei der Firma Gail bereits Tradition gewesen ist.
Nach verschiedenen weiteren Ansprachen, u. a. von dem Vertreter der Deutschen Arbeitsfront, Kreisobmann Pg. Wagner, dem Leiter des Bezirks Hessen-Unterftanken der Fachuntergruppe Zigarrenindustrie Herrn Kommerzienrat Schirmer und Herrn Direktor B r e i 11) e r von dem Schwesterwerk, der Firma Wilhelm Gailsche Tonwerke A.-G-, Gießen schloß der Betriebsführer Dr. Gail mit herzlichen Dankesworten und mit einem Sieg-Heil auf Vaterland und Führer den Betriebsappell.
Die Feier wurde durch musikalische Darbietungen umrahmt. Den Angestellten und Arbeitern wurde durch totale Arbeitsruhe Gelegenheit gegeben, sich der Bedeutung eines solch seltenen Tages, der mehr als nur von einer 125jährigen Dauer spricht, bewußt zu werden.
Gietzener Wochen Marktpreise.
* Gießen, 28. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C 11 Klasse D 10^, ungezeichnete 10, Wirsing, % kg 8 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, Vio kg 10 bis 12, kg 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 50 bis 60 Pf., Meerrettich 30 bis 60, Zwiebeln 8 bis 10, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartoffeln, kg 5 Pf., 5 kg 42 Pf., 50 kg 3,35 bis 3,55 Mk., Aepfel, kg 15 bis 20 Pf, Tafeläpfel 25 bis 40, Birnen 10 bis 25, Nüsse 40 bis 55 Pf, Hähne 1 bis 1,10 Mk, Suppenhühner 80 bis 90 Pf, Tavben, das Stück 50, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 5 bis 25, Sellerie 10 bis 30, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15 Pf.
** Zur Uebertragung der Rede des Führers am kommenden Samstag hat die Leitung des Lichtspielhauses, Bahnhofstraße, den großen Raum des Lichtspielhauses allen Volksgenossen, die daheim oder in ihrem Betriebe keine Möglichkeit zum Anhören dieser Rede haben, zur Verfügung gestellt. Der Zutritt zum Lichtspielhaus
bei dieser Uebertragung ist für jedermann kostenlos.
** Eine öffentliche Mahnung der Stadtkasse zur Zahlung fälliger Gebühren ist in unserem heutigen Anzeigenteil enthalten. Säumige Zahler seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
Große Strafkammer Gießen.
Wegen Amtsunterschlagung in Tateinheit mit Untreue verurteilte die Große Strafkammer den 48 Jahre alten Fr. M. in Grüningen zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, sowie zur Tragung der Kosten des Verfahrens.
Die Anklage legte dem Angeklagten zur Last, als Gemeinderechner der Gemeinde Grüningen über 1800 Mark unterschlagen zu haben. Er verschleierte
seine strafbaren Handlungen dadurch, daß er die eingenommenen Gelder nicht in die Bücher eintrug.
Das Gericht schenkte den Angaben des Angeklagten, der angab, nichts von den strafbaren Handlungen zu wissen, keinen Glauben. Der Angeklagte ging sogar soweit, seinen verstorbenen Schwiegervater der strafbaren Handlungen zu verdächtigen, da dieser einen leichten Lebenswandel geführt habe.
Das Gericht billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu, da er nur geringfügig vorbestraft ist, berücksichtigte ferner seine schlechte wirtschaftliche Lage, sowie die Tatsache, daß der Schaden soweit ersetzt ist. Andererseits ging das Gericht über die Mindeststrafe hinaus mit Rücksicht auf die Höhe des unterschlagenen Betrages.
Oberheffen.
Noch nicht aufgefunden.
Der Landwirt und Hausschlachter Georg Laux aus Holzheim, der — wie wir am Dienstag bereits berichteten — am Sonntag von seinem Heimatsorte Holzheim aus nach Reiskirchen fahren wollte, dort aber nicht angekommen ist und seitdem vermißt wird, ist bis heute vormittag noch nicht nach Hause zurückgekehrt, ebenso wenig weiß man bis jetzt etwas über seinen Verbleib. Behördliche Feststellungen haben bisher lediglich ergeben, daß Laux sich am Sonntagnachmittag mit einem Fahrrad in L i ch aufgehalten und dort in einer Gastwirtschaft eine ansehnliche Zeche gemacht, außerdem an eine bisher nicht bekannte Adresse einen Brief geschrieben hat. Wohin der Mann von Lich aus gefahren ist, konnte noch nicht festgestellt werden.
Neichsluflschuhbund Busecker- und Lumdatal.
Im Bereich der Ortsgruppe werden zur Zeit in allen Orten Erhebungen über Schutzraummöglichkeiten durchgeführt. Die Lösung der Schutzraumfrage ist eine der notwendigsten Angelegenheiten des zivilen Luftschutzes, Zweckes Feststellung, welche Räume sich zunächst einmal als Schutzräume eignen, erhielten alle Luftschutzhauswarte Fragebogen mit den entsprechenden Angaben. In vielen ländlichen Orten sind viele tiefliegende Keller mit starkem Gewölbe. Diese Räume lassen sich mit wenig Kosten entsprechend einrichten. Durch die zahlreichen Vorträge des Reichsluftschutzbundes dürfte wohl kaum noch ein Landbewohner vorhanden fein, der nicht von der Notwendigkeit dieser Maßnahme überzeugt wäre. Die Ortsgruppe bzw. der Bauberater für Schutzräume gibt gerne allen Interessenten kostenlos Auskunft. Die Erhebung und Kenntlichmachung der Schutzräume muß spätestens am 1. März dieses Jahres beendet sein.
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* Geilshausen, 27. Jan. Am letzten Sonntag fand im Hofe der hiesigen Volksschule eine Vorführung der Wirkung von Brandbomben und deren Bekämpfung statt. Ortsgruppenführer Dr. Haas (Alten-Buseck) schilderte eingangs Art und Beschaffenheit dieser gefährlichen Waste der Luftflotten und zeigte dann an verschiedenen Versuchen das Verhalten der Brandbomben gegenüber den verschiedenen Löschmitteln, vor allem Sand und Wasser. Die Luftschutzhauswarte, Frauen und Angehörige des BDM. folgten mit großem Interesse den Vorführungen und beteiligten sich an den Löschoersuchen. Anschließend an die Brandübung fand eine Hebung mit der Gasmaske statt.
* Londorf, 27. Jan. Der zur Zeit hier laufende Luftschutzkursus schloß gestern abend mit der Durchführung einer Hausübung ab. Heber 80 Teilnehmer, darunter zahlreiche Frauen und Mädchen, beteiligten sich daran. Ortsgruppenführer Dr. Haas (Älten-Buseck) erklärte zuerst Sinn und Zweck derartiger Hausübungen, die die Luftschutzhauswarte und Selbstschutzkräfte mit ihrer Arbeit aufs innigste vertraut machen sollen. Die Hebung fand in der Volkshalle statt. Wie Dr. Ha as ausführte, soll im Laufe des Sommers eine solche Hebung im größeren Stil an einem Sonntagoor- mittag gemeinsam mit der Feuerwehr durchgeführt werden. Bei dieser für den Sommer geplanten Hebung soll der Bereich eines Luftschutzhauswartes mit allen Bewohnern, dem Ernstfall angenähert, in Erscheinung treten. Die Einwohner sehen dieser geplanten ausführlichen Hebung mit großem Interesse entgegen.
Landkreis Gießen.
wg. Großen-Buseck, 27. Jan. Gestern vormittag fand in einem Teil der von Rabenauschen Waldungen eine Nutz- und Brennholzver- fteigerung statt. Für Eichenstämme 3. Klasse wurden durchschnittlich 20 Mark je Festmeter, für Eichen-Derbstangen 2 Mark pro Stück erzielt. Für Eichen-Rundscheit wurden 22 bis 24 Mark, Eichenknüppel 16 bis 17 Mark für je vier Raummeter bezahlt. Eichenreisig kostete je zehn Raummeter 5,50 bis 7 Mark.
* Keffelbach, 28. Jan. Am morgigen Freitag, 29. Januar, können der Hüttenarbeiter Leonhard Wißner und Ehefrau das Fest der silbernen Hochzeit begehen.
+ Grünberg, 25. Jan. Der Gesangver- e i n „S ä n g e r k r a n z" hielt am Samstagabend im Gasthaus „Rappen" seine Generalversammlung ab. Vereinsführer Schröder ehrte nach Eröffnungworten das Andenken des verstorbenen Sangesbruders Karl Frank jun. Einen Tätigkeitsbericht gab dann der Schriftführer Kauß. Danach nahm der Verein — nach einer über zwei Jahre dauernden Ruhepause — Ende 1935 seine Tätigkeit wieder auf, zunächst als Gesangsabteilung der Deutschen Arbeitsfront, bis ihm nach Verhandlungen mit der Gauführung des Hessischen Sängerbundes gestattet wurde, unter dem früheren Namen „Sängerkranz" als Gesangverein wieder tätig zu sein. Am 16. Juli vorigen Jahres wurde die Wiederbelebung des Vereins durch eine kleine Feier würdig begangen. Der Verein nahm bann teil am Wertungssingen des Ohm-Lumdatalkreises in Lauter, er wirkte am Totensonntag in der Kirche mit und veranstaltete für seine Mitglieder eine Weihnachtsfeier. Der frühere Chormeister Konrad Nicolai (Großen-Buseck) führt auch jetzt wieder den Dirigentenstab. Von 51 abgehaltenen Singstunden zeigte Karl Fr a n k die volle Zahl, mit 49 Stunden folgt Ernst Stein, 47 Stunden haben E. Röhm, H. H o r ft, P. Rock, Fr. Schröder, 46 Stunden Hermann Gehringer, Hch. Gehringer V., Viktor Friedrich, Ehr. Stühler, 45 Stunden Jos. Hilken, 44 Stunden Franz S a r x, Philipp S ch o m b e r, 43 Stunden O. Hausmann, Alb. S ch u l th e i ß, - Herrn. Röhm, W. Schäfer, Lud. Röder III., 42 Stunden Gg. Buß, Fr. Kauß, Gg. Kaspar, 40 Stunden L. Albert. Als Vereinsführer wurde Fr. Schröder wieder gewählt. Er verpflichtete als feine Mitarbeiter: H. Horst als Stellvertreter, Schriftführer Fr. Kau ß, dessen Stellvertreter Viktor Friedrich, Kassenwart K. Frank, dessen Stellvertreter P. Fried- r i ch, Notenwart Ludw. Röder sen., Dergnü- gungsroart Jos. Hilken, Werbewarte E. Stein. Als Stimmführer wurden bestimmt: 1. Tenor E. Roh m, 2. Tenor Ehr. Stühler, 1. Baß Hans Gehringer, 2. Baß Herrn. Gehringer. Der Vereinsführer schloß, die Versammlung in der üblichen Weise.
+ Gründ erg, 26. Jan. Die Ortsgruppe Grünberg der Deutschen Stenographenschaft hatte ihre Mitglieder auf Samstagabend ms Hotel Auer zur diesjährigen Jahreshauptversammlung gerufen. Wegen Erkrankung des Orts« gruppenfuhrers, Lehrer W. B ö ch e r , wurde die Versammlung von dem Stellvertreter Otto Krumm geleitet. Aus dessen Bericht ging hervor, daß das Jahr 1936 für die Ortsgruppe ein sehr arbeitsreiches, aber auch erfolgreiches war. Die Mitgliederzahl erhöhte sich um 50 v. H. auf 48. Zur Aus- und Weiterbildung der Mitglieder wurden vier Lehrgänge in Kurzschrift durchgeführt, die recht gut besucht waren. Außerdem beteiligten sich
zwei Mitglieder an dem vom Kreisgebiet Gießeni eingerichteten Lehrgang für Hnterrichtsleiter und zur Vorbereitung auf die Kurzschriftlehrerprüfung. Bei dem im Febuar durchgeführten Ortsgruppen- leiftungsschreiben hatten alle Mitglieder Gelegenheit, den Stand ihrer Leistungen zu prüfen. I- neun Mitglieder beteiligten sich an den auswärtiges Leiftungsschreiben in Wieseck und Gießen. Außer, dem beteiligten sich einige Mitglieder an den Wettbewerben in Hebertragungen in der „Reichszeitung". Insgesamt wurden die Leistungen der Mitglieder bei all diesen Leistungsproben ausgezeichnet mit 9 Ehrenpreisen, 24 mit der Note hervorragend, 36 mit sehr gut und 22 mit gut. Der Kassenbericht des Rechners Karl A l b a ch zeigte ein befriedigen- des Ergebnis. Der stellvertretende Ortsgruppen» sichrer dankte allen Mitarbeitern, insbesondere dem Rechner, für die im abgelaufenen Jahre in selbst, loser Weise geleistete 2frbeit. In der Wiederwahl des seitherigen Ortsgruppenführers, Lehrer Wilhelm B ö ch e r, kam das unbedingte Vertrauen der Mitglieder zum Ausdruck. Als Mitarbeiter wurden neu berufen Frl. Dina Michel zum Obmann für Maschinenschreiben und Frl. Irma Heußinger zur Schriftführerin und Bücherwart. Der stellver- tretende Ortsgruppenführer gab dann einen kurzen Ausblick auf die im neuen Jahre bevorstehende Arbeit. Neben der Durchführung von verschiedenen Kurzschriftlehrgängen, die zum Teil schon begonnen haben, ist die Einführung des Maschinenschreib- Unterrichts geplant. Der Ortsgruppenführung stehen hierbei jedoch große Schwierigkeiten entgegen. Vor allen Dingen fehlt es an Mitteln. Der größte Teil der Mitglieder besteht aus Lehrlingen und Schülern, denen kaum Mittel zur Verfügung stehen. Da aber der Maschinenschreibunterricht mehr und mehr zum Bedürfnis geworden ist, müssen trotzdem Mittel und Wege gefunden werden, um die Einführung doch möglich zu machen. Die Ortsgruppenführung hofft daher, daß sie in ihrem Bestreben überall freudig unterstützt wird, insbesondere von feiten der Grünberger Betriebe, Firmen und Geschäftsleute, die ja selbst das größte Interesse an der Ausbildung von guten Kurzschriftlern und Maschinenschreibens haben. — Als Termine für die Leistungsschreiben in 1937 gab der stellvertretende Ortsgruppenführer bekannt: Ortsgruppenleistungs. schreiben Ende Februar ober Mitte März, Kreis- gebietsleistungsfchreiben Anfang Mai in Alsfeld, Gauleistungsschreiben Anfang Juli in Mainz. Mit dem Mainzer Leistungsschreiben wird die Ortsgruppe einen Gemeinschastsausflug verbinden.
ch Ettingshausen, 27. Jan. Bei der Ge> treibefammlung für das Winterhilfs- w e r k gingen in der Zelle Ettingshausen 18,70 Zentner Roggen ein. Das Getreide wurde zum Vermahlen dem hiesigen Mühlenbesitzer Launspach zugewiesen.
nsf. Nieder-Bes singen, 27. Jan. Die Frauenschaft veranstaltete einen Vortragsabend im Schulsaal, bei dem Frau Schliephake über Kleidung und Heimgestaltung sprach. Sie be. tonte die einfache und haltbare Kleidung der deutschen Frau. Bei der Kleidung soll auch die Körper» und Haarpflege nicht vergessen werden. Ein gesunder, gewandter Körper sieht im einfachsten Kleide schön aus. So soll es auch in unserem Heim sein. Sauber und der ländlichen Umgebung angepaßt, ohne falschen Aufputz. Zum Schluß erwähnte die Rednerin noch die Handarbeit, die auf groben, selbstgewebten in Kreuzstichen ausgeführt nach alten Mustern die schönste und passendste Ausschmückung darstellt. Die Frauen folgten den Ausführungen mit viel Beifall.
nsf. Hungen, 27. Jan. In der hiesigen Frauenschaft sprach Fräulein Harter van der bäuerlichen Werkschule im gut besetzten Saal des „Salmser Hof" über die Möglichkeiten der Erzeugungssteigerung in der bäuerlichen Wirtschaft. Die Rednerin erklärte die Verknappung mancher Lebensrnittel und wie sie durch Derbrauchslenkung und durch Steigerung der Erzeugung zu beheben sei. Besonders die Lücken, die in der Fett- und Eiweißversorgunq sich zeigen, der Mangel an Rohstoffen, wie Wolle und Pflanzenfaser, muß nach und nach behoben werden. Die Unabhängigkeit vom Ausland soll auch durch sparsamsten Verbrauch und sorgfältige Pflege und Erhaltung der vorhandenen Nahrungsmittel gefördert werden. Die Frauen folgten den Darlegungen mit großer Aufmerksamkeit. Im Sommer wird ein Vortrag mit praktischer Anleitung stattfinden, ein Vorschlag, der von allen mit großem Beifall aufgenommen wurde.
= Birklar, 26. Jan. Gestern brach im Anwesen der Einwohnerin Martha Müller Feuer aus. Glücklicherweise wurde es von Nachbarsleuten bald
Das frembe Gesicht.
Vornan von Garen.
28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Es begann zu dunkeln. Längst hatte Alland die Autolichter aufflammen lassen, deren trübe Helle gespenstisch vor dem Wagen herhuschte. Im Innern des Autos herrschte ein mattes Zwielicht, kaum waren mehr die Gesichter der Rückwärtssitzenden in dem kleinen Führerspiegel erkennbar. Gallatins Stimme wurde körperlos und dadurch noch unheimlicher. Es war wirklich wie die Einflüsterung eines versucherischen bösen Geistes, eines sehr klugen, sehr überlegenen Versuchers, der, jetzt schon längst wieder ein nüchterner Geschäftsmann, von dem komplizierten Mechanismus seines Hnternehmens sprach. Es war etwas von der sachlichen Leidenschaft des geborenen Organisators in seinen Reden, man mußte ihm zuhören, ob man wollte oder nicht. Es ging eine unentrinnbare Faszination von diesem Menschen aus, wie Alland mit stummer Verzweiflung bemerkte. Er wußte kaum mehr, wo er war, so sehr hatte dieses Gespräch, das eigentlich beinahe nur eine Art Monolog war, feine Aufmerksamkeit beansprucht. Ihm war, als sei er dazu verurteilt, immer weiter und weiter, ziellos und eilig, ins Dunkle, ins Unbekannte zu fahren, wie wenn es möglich wäre, dieser Stimme zu entfließen, die ihm doch immer im Rücken blieb ...
Gallatin sprach davon, wie schwierig es für ihn sei. die richtigen Leute zu finden. „Sie verstehen — wer mit Rauschgift handelt, muß selber erst recht nüchtern sein. Leute wie der da" — er deutete mit einer kurzen Bewegung des Kinnes auf Bertrand, der meiter stumpf vor sich hindöste, während der andere von ihm wie von einem Abwesenden sprach — „Leute wie der da sind völlig unbrauchbar, ja ge- rabeau eine Gefahr. Ich hätte ihn eigentlich längst abschaffen müssen. Aber schließlich, er hat mir mal sozusagen das Leben gerettet, drunten in Marseille, bei einer etwas stürmischen Abrechnung. Volle Champagnerflaschen sind furchtbare Waffen, wissen Sie; wenn man damit eins über den Schädel bekommt, steht man nie mehr auf. Er hat den Hieb abgefangen, aber nicht ganz. Sie haben die Be
scherung ja noch gesehen. Ein verdammter Pfuscher, der ihn damals zusammengeflickt hat. Aber es war der einzige, dem man vertrauen konnte. Da sehen Sie selbst, wie nötig wir Sie hätten. Ich hoffe, Sie werden ihn schon noch so lang da behalten, bis er wieder einigermaßen menschlich aussieht. Wenn er nicht pariert, brauchen Sie es mir nur zu melden, ich werde dann schon das Nötige tun. Aber raus- werfen dürfen Sie ihn mir jetzt nicht, hören Sie."
Er spricht zu mir schon wie zu seinem Angestellten — ging es Alland durch den Kopf —, unmöglich, das länger zu ertragen!
„Unö wenn ich es doch für notwendig hielte, Mr. Gallatin?"
Er hatte den Wagen kurz gebremst und wandte mit einer brüsken Bewegung den Kopf nach hinten.
„Sie^ werden es nicht für notwendig halten, Dr. Alland", sagte die gelassene Stimme aus dem Dunkel, „da können wir beide ganz beruhigt fein. Ich weiß bestimmt, daß Sie soviel Rücksicht nehmen werden — mindestens auf Ihre Frau und Ihr Kind."
Der Wagen schoß plötzlich wieder mit einem Sprung vorwärts. Alland hatte auf den Gashebel getreten, als ob er mit dem Fuß aufstampfte. Er gab immer noch weiter Gas — Gas...! Die Nadel des Tachometers schwankte zwischen neunzig und hundert...
Alland fühlt, wie ein Taumel ihn ergreift. Er hat das Empfinden, als ob der Wagen schon nicht mehr auf der Erde wäre, als ob er durch die Luft flöge. Evelyns Hand greift plötzlich nach feiner Schulter, aber er schaut nicht zur Seite...
Ja, da vorn ist irgendwo ein kleines Licht. Auto- matt sch läßt er den Scheinwerfer aufflammen, und — er hat gerade nach Zeit, das Gas wegzunehmen und so rasch zu bremsen, wie die Geschwindigkeit es erlaubt. Der Wagen schleudert ein wenig. Er hört einen erstickten Aufschrei neben sich. Aber dann gibt es nur noch einen kurzen Ruck, der alle, nach vorn wirst.
Der Wagen steht. Im grellen Licht der Scheinwerfer, ein paar Meter voraus, schwanken überlebensgroß riesige Baumstämme, deren Enden, unbeleuchtet, endlos weit über das mitten in der Straße fahrende Langholzfuhrwerk hinausragen. Hngeheure Rammblöcke, die im nächsten Augenblick, gerade in Kopfhöhe, das Auto durchstoßen hätten.
Hnwillkürlich schaltet Alland die Jnnenbeleuchtung ein, um zu sehen, ob niemand sich bei dem scharfen Ruck verletzt hat. Evelyn — nein, Gott sei Dank, keine Schramme, sie versucht sogar, tapfer zu lächeln. Er wendet sich um. Bertrand ist jetzt nach tiefer in die Polster gerutscht. Er sieht entsetzt und verwirrt aus, wie ein Schlafwandler, den man plötzlich angerufen hat.
Gallatins Gesicht ist unbeweglich, nur um einen Schein blässer als sonst, und die Augen haben einen sonderbar prüfenden Blick.
„Ich weiß nicht, Dr. Alland", sagt er langsam, „Sie sind doch nicht ganz der richtige Mann für mich. Sie lassen sich von Ihrem Temperament hinreißen. Ein Arzt kann sich das allenfalls noch erlauben, aber in meinem Beruf..
Er spricht nicht weiter. Alland ist ausgestteaen und schilt mit dem Fuhrmann. Es ist ihm eine Erleichterung, seine Erregung auf diese Weise abzureagieren. Außerdem erfährt er bei dieser Gelegenheit, wo sie eigentlich sind. Er zieht die Karte zu Rate. Zwei Stunden wird der Heimweg dauern.
Niemand spricht jetzt mehr. Man hört nur den gleichmäßigen Gesang des Motors und sieht ab und zu an einer Kurve die breite weiße Sichel der Scheinwerfer ins Dunkel schneiden. Stille Dörfer, lange, verlassene Chausseen...
Endlich, als in der Vorstadt irgendwo eine Trambahn auftaucht, will Gallatin mit seinem Begleiter abgesetzt werden. Ehe er aussteigt, sagt er nur noch:
„Also gut, von allem übrigen sprechen wir nicht mehr. Aber den Mann da" — er zeigt wieder auf Bertrand wie auf einen Gegenstand —, „den müssen Sie mir noch Herrichten. Hnd vielleicht" — fügt er gogernd hinzu — „muß ich Ihnen demnächst noch mal einen Patienten schicken. Aber das hat Zeit."
Bevor Alland etwas antworten kann, sind die beiden schon im Dunkeln verschwunden. Er sieht Evelyn an, wie um sich zu vergewissern, daß er nicht träumt.
Dann fühlt er nichts mehr als eine tödliche, bleierne Müdigkeit nach all der schrecklichen Nervenanspannung dieser Stunden.
Er taumelt ein wenig, als er vor seinem Haus aus dem Wagen steigt. Langsam, den Arm um Evelyns Schultern geschlungen, nimmt er Stufe um Stufe. Er weiß nicht: War das nun ein Sieg oder eine Niederlage?
Er weiß es nicht. Er weiß nur, daß er jetzt vor allem schlafen muß, nichts als schlafen...
*
Es hatte gefroren — ein vorlauter Oktvberfrost, den der erste Sonnenstrahl vertreiben konnte. Der Asphalt der Straßen war mit einer ganz dünnen, glitschigen Eisschicht bedeckt, auf der die Fußgänger vorsichttgt dahinschlitterten. Die Luft war grau und kalt und dunstig. Die Maronenbrater an den Straßenecken machten ihre ersten Geschäfte.
Ina Lenk hatte es heute nicht besonders eilig. Der Vater war wegen eines Sterbefalls in feiner Familie auf ein, zwei Tage nach Schaffhausen gefahren, da konnte man kurze Küche machen und brauchte nicht pünktlich zu sein. Besser; man ging das bißchen Weg zu Fuß nach Hause, als sich in eine Elektrische zu zwängen, die gerade jetzt in der Mittagszeit bestimmt gesteckt voll war.
In der grüblerisch gesenkten Haltung, die ihr eigen war, überquerte Ina den Bahnhofsplatz. Vor einem Radiogeschäft hatten sich die Leute angeftaut und horchten auf die Pressenachrichten, die ein bellender Lautsprecher verbreitete. Ganz automatisch blieb auch Ina stehen und hörte zerstreut mit, ohne von dem Inhalt etwas zu erfassen.
Auf einmal spürte sie, wie irgend jemand sich hastig hinter ihr oorbeizudrängen suchte. Sie spürte nur die fluchtähnliche Brüskheit der Bewegung und hatte das unmittelbare Gefühl, daß diese Hast irgendwie ihr galt. Wie unter einem magischen Zwang drehte sie sich um. Der Schreck lähmte sie fast: Da — da war es wieder, dieses unheimlich fremde Gesicht! Da — auf Armeslänge von ihr entfernt. Die rote Säbelnarbe auf der linken Wange — die scharf vorspringende Nase, die trübgrauen, seltsam schräg gestellten Augen und — auf der linken Wange eine blutrote, frische Narbe, die damals der hochgeschlagene Mantelkragen verdeckt hatte. Nein — das war keine Halluzination, fein Nachtgespenst, das sie narrte, das war...
Ein Paket, das Ina unterm Arm trug, fiel klatschend aufs Pflaster. Sie achtete nicht daraus. Mit einem gurgelnden Aufschrei stürzte sie sich auf die Erscheinung, die eben Miene machte, in der Stauflut der Passanten zu entweichen. Ein Satz — und sie hatte ihm den Weg verstellt.
„Rix! Richard...!"
(Fortsetzung folgt!)


