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Aus den Gießener GerichtSjälen.

Professor Dr. K a u f m a n n wird auf Einladung der Gießener Hochschulgesellschaft am kommenden Frei­tag im Großen Hörsaal der Universität einen Licht­bildervortrag überDeutschlands Fettversorgung" halten. Bei freiem Eintritt haben Zu diesem Vortrag auch Gäste Zutritt.

NSG. ..Kraft durch Freude". Theatervorstellung.

Sonnabend, den 27. November 37, 20 Uhr, Große KdF.-Miete" Gruppe II (4. Vorst.): Oper Der Wildschütz" von Lortzing. Karten zu 1. RM. sind noch auf der Kreisdienststelle, Schanzenstr. 18, erhältlich.

kdZ.-Mele" Gruppe I und II.

Die 2. Rate derkdA.-Mele" kann ab Dienstag, den 30. November, auf der Kreisdienststelle ein- gelöst werden.

Deutsches Volksbildungswerk.

Wir weisen auf den in Verbindung mit dem Ober­hessischen Geschichtsoerein stattfindenden Vortrag am Montag, dem 29. November 1937, ,20.15 Uhr, im Realgymnasium hin.

General a. D. Dr. Delhcke:Gneisenau".

Der Eintritt ist frei.

Am Dienstag, dem 30. November, 20.15 Uhr, fin­det in der Aula des Gymnasiums in Verbindung mit der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde ein Lichtbildervortrag von Dr. A. Kolb, Leipzig, über Von Nord-Luzon zum Sulu-Archipel" statt. Eintrittskarten zu.30 RM. sind auf der Kreisdienststelle erhältlich. 7800V

Winterreisen.

Auch in diesem Jahre werden wieder Urlaubs- fahrten in die Schneewelt durchgeführt. Die ersten Fahrten sind:

vom 25. Dezember 37 bis 2. Januar 38 nach Bad Tölz, 36,50 RM.;

vom 26. Dezember 37 bis 2. Januar 38 in die Rhön, 28. RM.

Näheres ist in den Monatsprogrammen ersichtlich.

NS.-Knegsopferversorgung.

Kameradschaft Gießen.

Die für 30. November imBurghof" angesetzte Versammlung mit Lichtbildervortrag fällt aus. Nächster Dersammlungstag wirb noch bekanntge­geben.

Gietzener wochenmorktpreise.

* G i e ß e n , 27. Nov. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, XA kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 12^, Klasse B 12, deutsche Kühlhauseier, Klasse A 11%, Wirsing, % kg 8 bis 12 Pf., 50 kg 8 bis 10 Mark, Weißkraut, % kg 5 bis 6 Pf., 50 kg 5 bis 6 Mark, Rotkraut, % kg 7 bis 12 Pf., 50 kg 6 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 15 bis 20, Zwiebeln 8 bis 9, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, % kg 4 Pf. 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 20 Pf., 50 kg 10 bis 20 Mark, Birnen, % kg 10 bis 18 Pf., Nüsse 40 bis 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1,10 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Endivien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Ra­dieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.

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** 25 Jahre im Dienste derStadt. Am 29. November kann der beim Stadt. Hoch- und Tief­bauamt beschäftigte Arbeiter Johann N o w a ck i auf eine ununterbrochene Dienstzeit von 25 Jahren Hurückblicken. Der Jubilar erhielt ein Glückwunsch­schreiben des Herrn Oberbürgermeisters und wurde im Kreise seiner Arbeitskameraden geehrt.

** Oeffentliche Vorlesungen über Italien und Spanien. An unserer Univer­sität werden in diesem Semester zwei öffentliche Vorlesungen gehalten, die allgemein interessieren dürften. Prof. H. Geppert spricht Mitttooch von |

Schöffengericht Gießen.

Wie gestern bereits berichtet, war der K. W. aus Hainchen wegen Eisenbahntransportgefährdung an­geklagt. In dem vom Gericht angeordneten Augen- cheintermin wurde festgestellt, daß der Bahnüber­gang bei Selters in einer Entfernung von 8 Meter nach rechts auf eine Strecke von 23 Meter zu über­blicken ist. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Lokomotive auf der Nebenbahn Stockheim- Selters nur eine Geschwindigkeit von 15 Kilometer erreichen kann, hätte der Angeklagte den heran­nahenden Zug erblicken müssen und seinen Bull- dogg, dessen Höchstgeschwindigkeit ebenfalls etwa bei 15 Kilometer liegt, zum Stehen bringen können. Das Gericht kam daher zur Bejahung der Schuld­rage, nahm jedoch lediglich geringfügige Fahrläsfig- eit an, da der Angeklagte immerhin für sich in An- pruch nehmen konnte, daß die Sichtoerhältnisse alles andere als vollkommen sind und auch die Markierung zu wünschen übrig läßt. Es sah daher von einer Freiheitsstrafe ab und erkannte auf eine Geldstrafe von 9 0. R M.

Große Strafkammer Gießen.

Unter der Anklage des schweren Diebstahls usw. Landen die Else Link und ihr Bräutigam Wilhelm Blut aus Marburg gestern vor der Großen Sttaf- kammer. Bei den Angeklagten handelt es sich um ein Pärchen, das trotz seines verhältnismäßig ju­gendlichen Alters schon eine erhebliche Zeit des Le­bens hinter schwedischen Gardinen zugebracht hat. So hat die Angeklagte Link u. a. zweimal wegen Diebstahls Zuchthaussttafen verbüßt und ist trotz energischer Belehrung immer wieder auf die schiefe Ebene gekommen. Ihr Bräutigam, der erst^24 Jahre alt ist, ist von Jugend an in Fürsorgeerziehung ge­wesen und hat ebenfalls schon ein ganz erhebliches Vorstrafenregister aufzuweisen.

Die Angeklagte Link war Anfang dieses Jahres in Friedberg. Dort wurde ihr vom Wohlfahrtsamt eine Stelle als Wirtschafterin bei einem älteren Herrn vermittelt. Sie erhielt pro Woche 4. RM. mit vollständiger Kost. Der Zeuge schenkte ihr voll­stes Vertrauen und händigte ihr sämtliche Schlüssel aus. Nachdem die Angeklagte merkte, daß hier etwas zu machen" war, ließ sie ihren Bräutigam, der noch in Marburg beschäftigt war, nachkommen. Diesem teilte sie mit, daß ,m Hause des Zeugen sich allerlei für sie verwertbare Gegenstände befänden. Beide faßten daraufhin gemeinschaftlich den Plan, den alten Mann auszuplündern. Die Angeklagte hatte festgestellt, daß der Schlüssel zum Vertiko auch zu einer Tischschublade paßte, in der sich zwei Sparbücher über etwa insgesamt 200. RM. nebst Silbergeld und sonstigen Schmuckgegenstand befan­den. Mit dem Vertikoschlüssel öffneten sie die Schublade und entwendeten die Gegenstände. Das Geld der Sparbücher hoben sie nach und nach ab, wobei sich der Angeklagte Blut bei der Sparkasse mit dem Namen des Zeugen quittierte, obwohl dies nicht nötig war, da er alsBesitzer" des Sparbuchs ohne weiteres zur Empfangnahme des Geldes be­rechtigt war. Weiterhin stahlen die Beiden aus einer offenen Truhe Schmuckgegenstände. Diese

15 bis 16 Uhr hn Hörsaal 13 über das Kultur­schaffen des heutigen Italiens; Dr. Ruppert Freitag von 15 bis 16 Uhr im Hörsaal 43 über das heutige Spanien.

** Die Gemeinde-Hundesteuer für das Kalenderjahr 1938 ist festgesetzt und kommt in ihren einzelnen Steuerbeträgen heute zur öffentlichen Be­kanntgabe.

♦♦ D i e Zustellung der Gewerbe- Steuerbescheide für das Rechnungs­jahr 1937 ist nach einer Bekanntmachung des Oberbürgermeisters abgeschlossen. Als Stichtag gilt der 27. November 1937. Wer bisher keinen Bescheid erhalten hat, muß dies sofort dem städtischen Rech­nungsamt anzeigen.

Lpd. Stopfen und Nudeln verboten. Der Reichstierschutzbund macht erneut darauf auf­merksam, daß das Stopfen oder Nudeln des Ge­flügels gesetzlich verboten ist. Zuwiderhandlungen sollen unverzüglich zur Anzeige gebracht werden. Auch das vielfach noch übliche Ausrupfen festsitzen­der Federn bei lebenden Gänsen ist Tierquälerei und wird bestraft.

brachten ste bei zwei Juwelieren unter, indem sie behaupteten, Angehörige des Geschädigten zu sein. Durch Vorlage entsprechender Ausweise, die die Angeklagte Link in dem Hause gefunden hatte, gelang ihnen dieser Bluff. Als ihnen der Boden zu yeiß wurde, beschlossen sie, wieder nach Marburg zurückzufahren, dies jedoch nicht, ohne aus dem Hause des Zeugen alles an Wäsche und Kleidungs­stücken, was nur aufzutreiben war, mitgehen zu lassen. Auch mit Geldern, die die Angeklagte von dem Geschädigten zu Einkäufen oder sonstigen Be­sorgungen erhielt, nahm sie es nicht genau ui) ließ alles in ihre eigene Tasche wandern. Sie schädigten den Zeugen um etwa 300 Mark. Beide Angeklag­ten waren im wesentlichen geständig und behaup­teten, aus wirtschaftlicher Not gehandelt zu haben.

Der Vertreter der Anklagebehörde geißelte mit scharfen Worten die Handlungsweise der beiden An­geklagten und bezeichnete es als besonders verwerf­lich, daß sie nur immer ihre Wohltäter, die chnen helfen wollten, wieder ins rechte Gleis zu kommen, heimsuchten. Mit Rücksicht darauf, daß bei der An­geklagten Link Rückfalldiebstahl vorlieat und sie eine ausgesprochen verbrecherische Natur sei, kam er zu dem Ergebnis, daß sie als gefährliche Gewohn­heitsverbrecherin anzusehen sei, und er beantragte gegen sie eine Gesamtstrafe von 3% Jahren Zucht­haus, fünf Jahren Ehrverlust, sowie Anordnung der Sicherungsverwahrung. Bezüglich des Angeklagten Blut bedauerte er, daß bei diesem die Voraus­setzung des Rückfalles nicht gegeben war, und er beantragte gegen ihn insgesamt 2% Jahre Zucht­haus, sowie fünf Jahre Ehrverlust.

Der Verteidiger wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß es nicht ausgeschlossen erscheine, daß die beiden sich noch einmal in das normale Leben zurückfinden könnten. Er gab zu bedenken, daß die Angeklagten Zeit chres Lebens keine angenehme Stunde gehabt hätten und ihnen niemals Gelegen-- heit zu einer regelmäßigen Betätigung gegeben worden sei. Er beantragte daher, von einer Siche­rungsverwahrung Abstand zu nehmen.

Nach längerer Beratung schloß sich das Gericht dem Standpunkt der Staatsanwaltschaft an unb er­kannte gegen die Angeklagte Link wegen schweren Diebstahls, dreifachen einfachen Diebstahls, sämllich im Rückfall, sowie Betrugs und schwerer Urkunden­fälschung auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 3% Jahren, sowie 5 Jahren Ehrverlust; außerdem wurde die Sicherungsverwah­rung angeordnet. Der Angeklagte Blut erhielt wegen schweren Diebstahls, zweifachen einfachen Diebstahls, schwerer Urkundenfälschung, sowie Be­trugs eine Gesamtzuchthausstrafe von 2% Jahren und ebenfalls 5 Jahren Ehrverlust.

*

Ferner hatte sich der I. B. und seine geschiedene Ehefrau aus Lauterbach wegen Abtreibung zu ver­antworten. Da die Tat vor dem August 1934 ge­schah, amnestierte das Gericht unter Zubilligung mildernder Umstände die Ehefrau, während es gegen den Ehemann, der erheblich vorbestraft ist und im übrigen als asoziales Element angesehen werden muß, auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr erkannte.

Aus der engeren Heimat.

50 Jahre Landwirtschafll. Konsumverein Vieleck

£ Wieseck, 27. Nov. Am 1. Dezember werden es 50 Jahre, daß der Landwirtschaftliche Konsumverein Wieseck besteht. Aus kleinen Anfängen heraus entwickelte sich der Verein zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor unserer Gemeinde. Sind doch weit über 600 Familien Mit­glied. Von den seinerzeitigen Gründern leben heute noch 13. Es sind dies: Johannes Aff, Phil. Dei- b e l IV., Joh. Deibel VII., Jakob Hofmann, Heinrich Keil, Ludwig Klippel, Johann K r e i- ling, Philipp Möser VI., Melchior Oßwald, Christian Reuter, Heinrich R a u V., Jakob Sei­bert und Heinrich Schmidt. Der Verein unter­hält heute zwei Verkaufsstellen, die in eigenen Häu­sern untergeb rächt sind. Am 4. Dezember findet eine Jubiläumsfeier statt.

Landkreis Gießen.

Großen-Linden, 25. Nov. Gestern fand im Saale der WirtschaftZum Rebstock" ein Elternabend unserer Schule statt. Der erste Teil des Abends stand im Zeichen der Haus, mufik. Fräulein Schüttler (Gießen) trug mit ihren hiesigen Musikschülern Lu h, Magnus, Paul Steinel und Wolfgang Schmidt Violinstucke vor, die von guter Schulung zeugten. Lenj Kraus köpf spielte Klavier. Dann wieder be­gleiteten die jugendlichen Geiger Lieder in bunjer Reihenfolge. Unter Leitung von Lehrer Ober, mann trugen die Schüler der Oberklassen mehr, stimmige Chöre vor. Es wäre zu wünschen, daß noch mehr Eltern sich entschließen könnten, ihre Kinder ein Instrument erlernen zu lasten, damit Gesang und Musik, wie Rektor Siegfried be­tonte, in unseren Häusern eine Pflegestätte fänden. Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden nsitklg Epidiaskops zahlreiche Bilder aus dem vorjährigen Schullandheimaufenthalt der fünf oberen Klaffen in Wiesbaden gezeigt, wozu Lehrer Reck sprach. Rektor Siegfried wies in seiner Ansprache die Eltern auf die Bedeutung der Schul, landheimaufenthalte hin. Den Schluß des Abenöz füllten mehrere Reigen, die die Lehrerin Frl. Mül, l e r eingeübt hatte, sowie zwei Theaterstückchen, x denen besondersDer fahrende Schüler" von Han; Sachs großen Heiterkeitserfolg hatte. Der Ertrag der Abends wird für den nächstjährigen Schullandheim- aufenthalt verwendet.

* Lich, 27. Nov. Am 4., 5. und 6. Juni 1938 feiert die SängeroereinigungCäcilia" Lich das Fest ihres 100jährigen Bestehens. Die heute schon festzustellen ist, werdenCäcilie", Stadtverwaltung und die gesamte Bevölkerung allez daran setzen, den zu erwartenden Gästen den Aus, enthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. 3n

c Steinhäger

»Urquell«

diesen Tagen z. B. hat die Bahnverwaltung schon mit der Verschönerung des Bahnhofsplatzes begon­nen und sehr wahrscheinlich wird auch die gesamte Bahnhofstraße bis zum Fest neugestaltet sein. Von Vereinen, die 1928 schon beim 90jährigen Wiegen« fest Gäste derCäcilia" waren, haben jetzt schon einige auf die vor kurzem versandten Einladungen Zusagen gegeben, in denen die Betreffenden allent« halben der schönen 1928 in Lich verlebten Tage ge­denken. Stehen wir zwar noch über ein halbes Jahr vor dem Fest, so kann aber schon heute gesagt werden, daß die SängervereinigungCäcilia" ihm 100jährigen Ueberlieferung getreu alles daran setzen wird, dies Jubiläum zu einem wahren Fest des deutschen Liedes zu gestalten.

+ Grün berg, 26. Nov. Dieser Tage fand eine Besichtigung unseres Friedhofes durch die Friedhofskommission statt. U. a. beschäf­tigte man sich dabei auch mit der immer dringender werdenden Frage der Raumbeschaffung. Man kam zu dem Entschluß, den alten Teil des Friedhofes, der oberhalb der Hofpitalkirche liegt und dessen Belegzeit ungefähr mit dem Jahre 1890 abschließt, einzuebnen und. für die Neubelegung herzurichten. Für die weitere Beibehaltung des jetzigen Fried­hofes sprach auch mit die inmitten gelegene Hospi« talkirche, die als Friedhofskapelle dient.

Kreis Wetzlar.

ch Frankenbach, 24. Nov. In unserem Orte wurde ein Mütter schulungskursus von 30 Frauen und Mädchen besucht abgeschlossen. Diele Mitglieder der Frauenschaft und des NS- Frauenwerks nahmen daran teil. Die stellvertre­tende Führerin der Frauenschaft, Frau Schnei­der, begrüßte die Teilnehmerinnen und die Gäste und dankte insbesondere der Kursusleiterin, Schwe­ster B u ch m a n n, für die geleistete Arbeit Die Leiterin des Kursus sprach dann kurz über ben durchgearbeiteten Schulungsplan, dankte für alle der Sache entgegengebrachte Aufmerksamkeit, der Gemeinde für die tatkräftige Unterstützung und Überreichte dann den Teilnehmerinnen die iBeRei­nigung über die Beteiligung an dieser Hebung. ®e- dichtvorträge, Spiele- der Schulkinder und gemein­samer Gesang verschönten die Feierstunden. Lehrer Jung schloß den Abend mit dem Gedenken des Führers.

Vlandme setzt sich durch

JRoman von

Hans-Joachim Ireiherrn von Reitzenstein

Copyright by Carl Ouncker

34 Fortjetzung. (Nachdruck verboten.)

.Dann rufe doch diese Frau Lucienne Molny an. Die wird man ja im Telephonbuch finden. Wäh­rend sie krank war, hat sich Fräulein Hertel doch auch viel um sie gekümmert."

,Hch werde das morgen früh als erstes machen", sagte Frau Diehl und ging zu Bett.

Das Hausmädchen, das im Herrenzimmer noch die Aschbecher forträumte, sah den Telephonhörer in der Luft hängen. Mechanisch nahm sie ihn und legte ihn auf den Apparat zurück.

*

Lucienne Molny erschrak, als Frau Diehl ihr am Telephon von Blondine erzählte.

Sie glaubte nicht an Ueberarbeitung; denn eine Portion Arbeit konnte das Mädel vertragen. Das würde sie nicht gleich ujngeroorfen haben. Lucienne hatte sich schon lange chr eigenen Gedanken ge­macht. Denn sie hatte, wenn Blondine sie in der Klinik besuchte, weit mehr beobachtet als gespro­chen. Auch wenn Doktor Schrader ins Zimmer trat.

Zunächst ging sie zu Blondines Mutter, um ihr auszurichten, was Frau Diehl gesagt hatte. Aber ihre eigenen Gedanken behielt sie für sich.

Sie saß auf Frau Hertels Mahagonisofa, hatte Kaffee und Kuchen vor sich und tröstete:Eine Ohnmacht ist in diesem Alter nichts Besonderes. Aber man darf so etwas nicht einreißen lassen."

Frau Hertel war sehr besorgt um ihre Tochter. Ja, was sollen wir bloß tun?"

Wenn Sie auf meinen Rat hören, dann schicken Sie das Mädel in Urlaub. Frau Diehl meint das auch. Sie wird sich ein bißchen überarbeitet hoben, und sie soll' sich auf alle Fälle erholen."

Meinen Sie wirklich?" fragte Frau Hertel gläubig.

Jetzt ist die richtige Zeit für Wintersport. Schicken Sie pe in die Bera^i*

Aber wird bas nicht sehr teuer werden?"

Das darf jetzt einmal keine Rolle spielen", sagte Lucienne.Außerdem braucht es ja nicht so weit zu sein. Im Harz liegt schon Schnee."

Frau Hertel wiegte bedächtig den Kopf:Geld kost't das natürlich auch. Denn ich muß Ihnen offen sagen, ich habe meine Tochter in die besten Schulen und Institute jejeben, ich hab ihr immer jediegene Sachen jekauft. Wenn sie reift, möcht ich sie auch nid) dowkig reifen lassen."

Sie haben ganz recht", sagte Lucienne und über­legte.Wissen Sie, was mir Spaß machen könnte? Ihre Tochter richtig auszustaffieren. Sie ganz als Dame in die Welt rauszuschicken. Sie müßte blen­dend aussehen mit ihrer Figur. Warten Sie mal, bei Figur fällt mir was ein. Ich habe noch so gute Sachen, aber mir ist doch alles zu eng geworden. Die meisten müssen Blondine passen. Ich habe einen Reisemantel, prima, prima. Den habe ich im .Ver­lorenen Glück' drei Tage bei den Aufnahmen ge­tragen. Als ich ein Star war und die großen Ate­liers mir reklamehalber ihre Sachen aufhängten, da habe ich mehr angeschafft, als ich in zwanzig Jahren auftragen kann/

Das können wir aber nicht jefchenkt nehmen, Frau Molny."

Sollen Sie auch gar nicht. Aber ich will keinen schwunghaften Handel damit anfangen. Ich werde Ihnen einen Vorschlag machen, Sie können mich zweimal in der Woche wieder massieren. In meinem Speck fühle ich mich ganx wohl. Den brauchen Sie mir nicht abzuzwacken. Aber Sie könnten mal auf­paffen, daß ich in meinem Alter beweglich bleibe. Es fehlt mir Ihre Massage auch, offen gesagt. Jetzt, wo es nicht mehr für den Beruf nötig ift, kann ich ie aber nicht bezahlen. Wie wäre das, wenn wir ie gegen schöne Kleider für Ihre Tochter eintau- chen?^

Blondine wurde zuerst der wundervolle englische Reisemantel aus demVerlorenen Glück" anpro- biert, der noch im Futter kostbarer war als alles, was sie bisher getragen hatte. Gegen die Anschaf­fung dieses kaum übergezogenen Stückes konnte sie nichts einwenden. Es kam dazu eine schicke Kappe, Stulphandschuhe und Täschchen, alles aus dem glei­chen, weichen Leder in passender Farbe.

Es machte Lucienne Molny Spaß. Es war wie ^Puppenanziehen. Sie schleppte immer neue Sachen

heran. Lucienne war sehr geschickt; sie hatte in ihren Anfängen chre Garderobe selbst geschneidert. Was nicht tadellos saß, änderte sie ab.

Wenn Blondine und Frau Hertel abwehren woll­ten, sagte sie:Lassen Sie nur, liebe Frau Hertel, je mehr ich Ihrer Tochter anhängen kann, desto länger ist meine Gesundheit gesichert."

Frau Hertel trat wieder einmal in die dom­artige Diele des Molnyschen Hauses ein.

In der Kleiderablage hingen viele helle Mäntel und Baskenmützen. Bunte Schals und sonstiges Zubehör jugendlicher Ankleidekünste lag herum.

Frau Hertel hatte täglich zwei der Besitzerinnen dieser Sachen zu massieren. Filmschülerinnen von Frau Molny.

Es war sechs Uhr morgens.

Leise trat Frau Hertel in das Rokoko-Schlafzim­mer der Diva ein.

Madame Pompadour, die sich von den Freuden und Anstrengungen des Ruhmes und der Liebe er­holte. Anderthalb Zentner schwer, laa Lucienne in ihrer ganzen Molligkeit im Bett uno atmete still wie ein zufriedenes Kind.

Es tat Frau Hertel leid, diesen Schlummer zu stören. Aber was man versprochen hat, muß man halten. Sie rüttelte sie sanft.,

Frau Molny", sagte sie,es is sechse. Sie müs­sen aufwachen!"

Zuerst war Lucienne verstört.

Trotz der fanften Art des Weckens kam jenes krankhaft-ängstliche Erschrecken über sie, das über­arbeitete Menschen befällt, wenn sie wieder zu ihren Pflichten gerufen werden. Dann schlug sie die Augen groß auf. Sie erkannte Frau Hertel.

Guten Morgen!" Sie lächelte.Ich denke gar nicht daran, aufzuwachen! Gehen Sie und suchen Sie sich andere Opfer!" Sie drehte sich zufrieden auf die andere Seite.

Frau Hertel ging .und lachte.

Drei Stunden später, nachdem sie wie jeden Mor­gen zwei der Schülerinnen massiert hatte, die wechselweise alle acht herankamen, trat sie wieder bei Frau Molny ein.

Ida hatte ihr erst kurz vorher etwas zum Wa­schen und Mundspülen gereicht. Lucienne saß frisch und ausgeschlafen in ihren Kissen. Vergnügt sah sie dem wohlgefüllten Teewagen entgegen« der yerein«

geschoben wurde. Frau Hertel setzte sich an ihr Bett. Zwischen ihnen stand das Tischleindeckdich, mit Leckerbissen beloben. Und nun begann ein munter« Präpeln.

Friedlich; ruhte die Schmuckkassette unter dem Bett. Lucienne brauchte sich, wenn fiö nicht wollte, für niemand mehr auf nüchternen Magen schmücken. Und niemand holt ihr am frühen Mor­gen ihre sauer verdienten Scheine ab.

Nachdem der erste MorgenhUhger gestillt nxir, bremste sie Ida, die das Bad einlassen wollte.

Ich habe Zeit." Dabei dehnte sie jede Silbe wohlig.Ich möchte Fräulein Rödel noch im Bett empfangen. Ich bade später."

Fräulein Rödel war die Lehrerin, die den Schul« rinnen Sprechunterricht zu geben hatte. Sie war sehr geschickt ausgewählt. Denn sie hatte eine be­neidenswert schöne Stimme und eine hervorragende Sprachtechnik. Dabei war sie ausnehmend häßli<t und hölzern in jeder Bewegung. Deshalb hätte es weder auf der Bühne noch beim Film zu etwa- bringen fönnen. Aber wenn die Schülerinnen ihr Organ hörten, waren sie bereit zu allen Atef Übungen. Und wenn sie ihrer gepflegten SprO lauschten, sahen sie die Notwendigkeit ihres Uni«' richts ein.

Als Luciennes Appetit nachließ, fragte sie $a:; Was haben die jungen Damen heute gegessen?

Zwei hatten rohe Mohrrüben bekommen, Tee ohne Sahne und Zucker mit trockenem 3®16* back. Zwei andern hatte der Arzt etwas Weiybr^ erlaubt. Und eine, die so mager war, daß nid)[$ bei ihr anschlug, mußte, damit endlich ihre Sa>^ fässer verschwanden, morgens dicke Mehlsupp^ essen.

Lucienne warf Frau Hertel einen lustigen Kom plicenblick zu. Ida verschwand. Und die beiden per tieften sich mit gutem Gewissen wieder in W1 Mahlzeit.

Später sprach Lucienne mit Fräulein Rödel am Eigenheiten der Schülerinnen durch. Denn sie naW den Unterricht so gewissenhaft wie seinerzeit eigenen.

Nachdem sie angezogen war, kam Doktor der, der die jungen Mädchen, wie an jedem Deen tag, untersucht hatte.

Fortsetzung folgt